GamblingOtakuAlpha und Omega

Teil 1: “Alpha”´s Geschenk

Er öffnete das kleine Päckchen, welches nicht mit Papier oder ähnlichem ausgestopft wurde und blickte, wie 1000 Augen mit ihm, in seinen Inhalt. .

 

Gestresst von der Arbeit nimmt sich Ramon einen Eistee aus den kleinen Kühlschrank neben seinen PC und fährt diesen hoch.

Das kurze leise, fast melodische Summen seines Computers lässt den 26jährigen etwas zur Ruhe kommen. Zu hektisch ging es wieder in dem kleinen Restaurant, wo er seit seiner Ausbildung zum Koch arbeitet, her. Er nimmt sich einen großen Schluck seines Pfirsich-Eistees und loggt sich ein.

 

Es war knapp 18 Uhr. Wie jeden Wochentag geht der passionierte Content-Creator, wie er sich gerne selber nennt, um diese Zeit seiner Leidenschaft nach.

Vor einigen Jahren versuchte er sich als Youtuber und kam durch seine offene, lustige Art recht gut an. Andere zu unterhalten machte ihm einfach Spaß und er genießt es, seine zweite Persönlichkeit, seine zweite Identität, im öffentlichen Raum des World Wide Webs auszuleben. Den gestressten Ramon, dessen Vergangenheit nicht gerade sein Lieblingsthema ist, gibt es hier nicht. Hier “schuf” er ein neues Ich, der gerne etwas überdreht und sich nicht leicht verunsichern lässt. 

 

Schnell zog er sich um und genehmigte sich kurz im Bad eine Katzenwäsche. Zu lange hat ihn sein Chef wieder putzen lassen, während seine Kollegen vor einer Stunde fröhlich pfeifend aus der Tür spazierten. Nur die Auszubildende, Lisa, ließ der Filialleiter, dessen Figur eher zu einem Fast-Food-Eigentümer passen würde, bei ihm zurück. Zwei Putzkräfte, die nicht extra bezahlt werden mussten, passten ihm gut in den Kragen.

Während er sich die letzten Zwiebelgeruchsnoten aus den Fingern seifte, dachte er kurz an Lisa, die treudoof grinste und immer wieder verstohlene Blicke zu ihm warf, als beide den gröbsten Schmutz reinigten, bevor die Nachtschicht-Kollegen eintrafen. 

So süß er die Blondine fand, so lästig konnte sie auch sein. Doch eine Beziehung passte dem eher schüchternen Halb-Amerikaner nicht in sein derzeitiges Leben. Zu sehr genießt er die Zeit, in der er abgeschottet von der Außenwelt ein kleines Publikum unterhalten konnte. 

 

Das kalte Wasser, dass er sich ins Gesicht warf, wuschen diese Gedanken kurz weg und er bereitete sich innerlich auf die nächsten zwei bis drei Stunden vor.

“Alpha”, wie er sich online nennt, tritt nun in den Vordergrund.

Zugegeben kein sehr origineller Name, doch es passte. Der Neubeginn eines nach Spaß und aufmerksamkeitssuchenden Jugendlichen. 

 

Videos machte er am Wochenende, wenn etwas mehr Zeit war. Wochentags gewöhnte er sich an, auf einer Livestreaming-Plattform mit seinen Zuschauern zu interagieren und einfach etwas zu quatschen.

Bereits wenige Sekunden, nachdem er auf seiner Streaming-Software “Übertragung starten” klickte, begrüßten ihn schon die ersten Zuschauer per Text-Nachricht und Emojis.

Die nächsten Stunden vergingen wie im Flug. 

 

An seinen Monitor klebte eine kleine Notiz, welches ihn an etwas erinnern sollte. 

 

“Post abholen, Fanpost-Freitag!”

 

stand in hastig geschriebener Schönschrift auf den Post-It.

 

Seit einem Monat packt er jede Woche am Freitag Zuschauerbriefe aus. Kleine Danksagungen oder Zeichnungen waren meistens enthalten. Greifbare Beweise der Anerkennung und Zuneigung. 

Letzte Woche jedoch kam ein kleines Paket mit Süßigkeiten an. Vielleicht befindet sich im eigens dafür angemieteten Postfach wieder ein Paket.

 

Als es langsam 21 Uhr wurde, wünschte er seinen Zuschauern eine gute Nacht und beendete die Live-Übertragung.

Leicht verschwitzt durch die auf ihn gerichteten Lichtboxen zum besseren Ausleuchten sprang er unter die Dusche und konnte durchatmen.

“Alpha” hat es wieder geschafft. Sein Alter Ego konnte ihm einen spaßigen Abend bereiten. Er wusste von dem psychologischen Effekt des Lächelns. Selbst gekünsteltes Lachen schüttet im Gehirn Endorphine aus, welche unter anderem die Stimmung hebt und Stress abbaut. Ein gelungener Abend.

 

Der nächste Morgen startete wie jeder Morgen. Ein kurzes Frühstück gefolgt von der routinemäßigen Zigarette am Morgen. 

Ramon machte sich auf den Weg zur Arbeit. Auf den halben Weg vernahm er eine bekannte, hohe Stimme.

 

“Guten Morgen, Ramon!”

“Morgen, Lisa”, grüßte er mit einem künstlichen Lächeln zurück.

 

Da sie in der Nähe wohnt, liefen sie sich oft über den Weg. Doch in letzter Zeit häufen sich diese Begegnungen. Als ob sie ihn abfangen würde.

 

“Was hast du gestern nach Feierabend noch gemacht?” fragte sie, während sie ihre Brille zurecht rückte.

“Nichts, das übliche. Einfach gechillt und geschlafen”. 

Diese Antwort hat er sich dafür schon bereit gelegt. 

Er rieb nicht jedem seine Freizeitbeschäftigung unter die Nase.

 

Es liegt nicht daran, dass er Angst vor Ablehnung hätte.

Es sollte einfach sein Geheimnis sein. Niemand sollte Ramon und “Alpha” verbinden können. Beide sollten getrennt voneinander koexistieren.

Wahrscheinlich lag es an früheren Ereignissen, dass er eine zweite Persönlichkeit zulegen wollte, mit der er wenigstens für kurze Zeit positiv nach vorne blicken konnte. “Alpha” kam da sehr gelegen und nichts sollte das zerstören.

Aus diesem Grund hielt er es vor ihr und allen anderen geheim.

 

Die beiden führten etwas Smalltalk. Nach etwa 20 Minuten betraten sie das Restaurant, wo ihre heutige neunstündige Schicht begann.

Freitag war natürlich mehr los als an den übrigen Werktagen.Mehr Familien als üblich betraten an diesen heißen Junitag das Restaurant, das vor allem für ihre amerikanische Küche beliebt war.

Das Küchen-Trio, bestehend aus Ramon, Lisa und Karl, bereiteten Burger, Steaks und andere Spezialitäten aus den USA zu.

 

Karl war ein Koch im dritten Lehrjahr, genoss allerdings etwas mehr Privilegien als sein Gesellen-Kollege. Vielleicht lag es an der leicht rassistischen Einstellung des Chefs, Herrn Müller. Es ist schon verdächtig, dass die deutschen Kollegen, egal wie lange sie hier angestellt sind, früher Feierabend machen konnten, während der “Ami”, wie er ihn manchmal nennt, zusammen mit der einzigen weiblichen Kollegin putzen durfte.

War Ramons Teil-Nationalität einer der Gründe, warum er überhaupt hier lernen und kochen durfte? Und war seine Zukunft hier auch gesichert?

 

Immerhin würde Karl, der ebenfalls von Ramon angelernt wurde, demnächst seine Prüfung ablegen und seinen Posten anstreben.

Herr Müller würde es finanziell vorziehen, nur einen Gesellen und dafür lieber einen neuen Lehrling einzustellen. Obwohl wir ein gutes Geschäft machten, zählte nur der Gewinn.

 

Wie gestern hatten seine Landsmänner die Erlaubnis, früher Schluss zu machen.

“Viel Spaß noch”, warf der schlaksige Karl Ramon hinterher. An seiner Stimme konnte man gut seine Überlegenheit und Abwertung hören. 

 

Warum arbeitet Ramon überhaupt noch hier? Diese Frage stellte er sich selbst des öfteren; konnte sie aber meistens mit Bequemlichkeit begründen. Es lag in der Nähe, er war die Arbeit gewöhnt und niemand konnte ihn auf die Nerven gehen. Das kühle Arbeitsklima störte nach einiger Zeit nicht mehr. 

 

Es wurde 18 Uhr.

Die Postfiliale, die Ramons Postfach enthielt, lag zum Glück auf den Weg. Er öffnete sein Fach und fischte mit einem Anflug von Freude die Briefe heraus. Neben den Briefen war wieder ein kleines Paket.

Als er das Päckchen in die Hand nahm, freute er sich wie ein kleines Kind.

Die Fanpost war der physische Beweis, dass “Alpha” Anerkennung bekam.

Würde Ramon, wenn er sich präsentieren würde, wie er ist, ebenfalls solche positive Resonanz bekommen? Womöglich nicht. Oder?

Egal, seine Kunstfigur, wie man es auch nennen könnte, kommt gut an.

Er nahm seine Post heraus und schätzte dabei das Gewicht des Päckchens. Enthielt es wieder etwas Süßes? 

 

Zuhause angekommen um 18:30, startete wieder sein abendliches Ritual.

Er legte seine Fanpost auf den Schreibtisch und ging ins Badezimmer, um sich wieder kurz frisch zu machen. Die tägliche Dusche müsse wieder warten, der Zeitplan sitzt ihm im Nacken. 

Die Zuschauer würden es “Alpha” nachsehen, falls er sich etwas verspätet, doch Ramon konnte den Gedanken daran nicht gut heißen.

 

Er machte sich kurz bereit, startet die Übertragung und sah auf die Uhrzeit in der rechten Ecke des Monitors: 19 Uhr.

 

“Hey alles klar Leute? Sorry für die Verspätung! Macht es euch schon mal bequem, es geht gleich los mit den wöchentlichen Fanpost-Unboxing!”

“Alpha” machte wieder gute Stimmung, die sich im Chat-Fenster widerspiegelt. 

“Sollen wir mit den Briefen oder den Päckchen anfangen?”

Natürlich wollten die Zuschauer, die sich an diesem Abend auf knapp 500 beziffern ließen, das Päckchen sehen.

Ramon (oder “Alpha”?) spielte auch schon mit den Gedanken, ein paar gefakte Päckchen oder Briefe dazu zu mischen. Je mehr Post er öffnen konnte, desto beliebter wäre Alpha bei den Fans. Ramon bekam immer mehr solcher abwegiger Gedanken. Doch in dieser oberflächlichen Welt, wo niemand hinter die Fassade blicken konnte, könnte das wirklich klappen.

 

Während sein Blick auf den linken der beiden Flachbildmonitore gefesselt war, griff seine rechte Hand in die Richtung der bereit gelegten Post. Er ertastete das Päckchen und griff es sich. Doch es war etwas schwerer als vor einer Stunde, als er es aus den Postfach fischte.

Verwundert sah er sich das Päckchen an, dessen Maße sich ebenfalls wie das Gewicht verändert zu haben schien. Doch das seltsamste war das Fehlen des Absenders.

 

Seine Augen erkannten sofort das wahre Päckchen direkt daneben. Doch wo kam das zweite Päckchen, das er vor die Webcam hielt, her?

 

Er öffnete das kleine Päckchen, welches nicht mit Papier oder ähnlichem ausgestopft wurde und blickte, wie 1000 Augen mit ihm, in seinen Inhalt:

 

Ein Smartphone.

Genauer gesagt ein Smartphone mit einen kleinen Zettel, auf dem “PIN: 1234” geschrieben wurde.

 

In diesem Moment begriff Ramon, der die “Alpha”-Rolle schwer aufrecht erhalten konnte, nicht, dass dies erst der Anfang war.

Teil 2: Verfolgungswahn

 

Alpha und Omega – das Anfang und das Ende – wollte er der Geber und Nehmer eines Lebens sein, um sich Gott-Gleich zu fühlen?

 

Was sollte das?

Wer verschickt ein Smartphone in einem Päckchen? Und wurde es überhaupt verschickt?

Die Fragen überschlugen sich in Ramons Kopf. Die Kamera, auf ihn und den Inhalt des Pakets gerichtet, hielt diesen kurzen Schockzustand fest.

 

Sah der Versender gerade zu und möchte er seine Reaktion darauf sehen? Und woher kam das zweite Päckchen, welches nicht im dazu zuständigen Postfach gewesen war?

Apropo Reaktion… wie reagiert man am besten auf diese Situation? Wie würde “Alpha” darauf reagieren? 

“Wahnsinn, da ist ein Handy drin!”

Eine realistische Reaktion auf ein Geschenk eines “Fans”.

Geistesabwesend nahm er das Mobiltelefon in die Hand, entfernte mit einer Handbewegung den darauf gepinnten Zettel und hielt es in die Kamera. In seinem Gesicht war ein Hauch Verwirrtheit anzusehen, doch er überspielte es.

 

“Aber es ist nicht aufgeladen und ein Netzteil liegt auch nicht dabei… Trotzdem vielen Dank, lieber Ramon”

 

Alpha schauspielerte überzeugend. Doch selbst den besten Schauspieler können kleine Patzer passieren. Dieser Patzer ließ hoffentlich nicht der perfekt gebaute Fassade zu bröckeln bringen.

Niemand wusste, wer der Absender war. Warum könnte der fiktive Absender nicht zufälligerweise Ramon heißen? Er sagte einfach den erstbesten Namen, der ihm einfiel. 

Ironischerweise seinen eigenen.

 

Er legte das Handy vorsichtig zurück in den kleinen Karton und öffnete das zweite.

Diesmal hatte er ein besseres Gefühl, denn es war mit einem Absender versehen und enthielt tatsächlich wie ursprünglich vermutet, einige Süßigkeiten mit einem Danksagungsbrief.

Die Briefe ließen ihn wieder etwas innerlich aufatmen. Was sollten Briefe schon bedrohliches beinhalten können? Wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit, dass sich darunter ein Drohbrief befindet, das ihm spezielle Instruktionen vorschrieb?

 

Die Gedanken überschlagen sich. Vielleicht hat der Absender einfach vergessen, seine Adresse darauf zu schreiben. Aber der Empfänger, die Postfachadresse, war ebenfalls nicht darauf vorhanden. Wie konnte das sein?

“Alpha” machte wieder sein normales Programm und unterhielt die Zuschauer. Dank der vielen vorgeschlagenen Gesprächsthemen oder Videovorschläge konnte er sich gut ablenken und niemand vermutete etwas sonderbares an diesen gemütlichen Freitagabend.

 

Um 22 Uhr beendete er die heutige Übertragung. Wie jeden Freitag war vor allem die Fanpost-Aktion ein Publikumsmagnet, sodass mehr Zuschauer als gewohnt Alpha bei seiner Show zusahen. War der vermeintliche Absender unter ihnen? Und wie lange war er schon ein stiller Beobachter? Seit Wochen? Monaten?

 

Ramon spürte sein Herz schneller klopfen, als er in Richtung des kleinen Päckchens sah. Der fröhliche, unterhaltsame “Alpha” war wie verschwunden.

Diesmal schaltete er das Handy tatsächlich ein. Nach wenigen Sekunden spürte er eine kleine Vibration und das Markenlogo des Smartphone-Herstellers tauchte kurz auf, gefolgt von den PIN-Eingabe-Bildschirm.

 

1, 2, 3, 4.

 

Wie selbstverständlich tippte er die Buchstaben ein und konnte das Handy tatsächlich aktivieren.

Seine Augen fixierten das Hintergrundbild, das trotz einiger Symbole und Uhr-Anzeige klar und deutlich sichtbar war.

 

Es zeigte Ramon.

Ramon beim Öffnen seines Postfaches.

 

Wie war das möglich?

Wie konnte das Bild, das augenscheinlich ihn zeigte, wenige Stunden alt, auf den Smartphone sein?

Wer hätte das Foto machen können? Lisa?

Nicht nur gingen sie öfter am frühen Morgen in die Arbeit, sie beendeten auch verhältnismäßig oft ihre Arbeit zur gleichen Zeit. Wie heute.

Da Ramon etwas in Eile war, sagte er zu Lisa, dass er noch etwas zu erledigen hätte und es etwas dauern würde. Eiligen Schrittes lief er zu seinen Fach und hatte die anhängliche Kollegin aus den Kopf gelöscht. Doch hätte sie die Möglichkeit und einen Grund gehabt, ihn dabei zu fotografieren?

Und selbst wenn, wie wäre das Päckchen in die Wohnung gekommen? Er schloss immer sofort seine Tür ab.

 

Er versuchte, mehr über den ominösen Absender herauszufinden und machte sich über das Handy Hoffnungen.

Doch natürlich waren kaum Informationen darüber auffindbar. Keine weiteren Bilder oder ähnliches, wie verknüpfte Apps. Das Smartphone schien neu und nur kurz benutzt worden zu sein. Aber von wem?

 

Als er weitere Verdächtige in seinen Kopf herumschwirren sah, wie z.b. Karl oder Herrn Müller, die beide es genossen, ihn zu mobben und Ramons Arbeitskraft ein Dorn in ihren Augen waren, vibrierte das Smartphone.

 

Ein lautes DING ließ ihn hochschrecken und das Handy rutschte aus seiner Hand in seinen Schoß. Er saß nun auf den dunkelblauen Sofa an der Seite des Wohnzimmers.

 

*Neue Nachricht von OMEGA*

 

Omega?

Eine Anspielung auf “Alpha”. Also war der wahre Empfänger nicht Ramon, sondern seine zweite Identität. Doch woher hätte Omega wissen sollen, wo er wohnt? Konnte er anhand der Postfachadresse den Standort des Faches auskundschaften und musste nur noch warten, bis Ramon pünktlich (und öffentlich angekündigt) auftauchte und nur noch nach Hause verfolgen?

 

Er klickte auf die Textnachricht und las sie sich langsam durch. Langsam konnte dies kein schlechter Scherz mehr sein.

 

“Hallo Alpha. Schön dich endlich privat kennen zu lernen.”

 

Sollte er antworten?

Kurz überlegte er, doch es war alles zuviel auf einmal. Die Müdigkeit und die Anspannung übermannten den durchgeschwitzten Ramon und überschatteten die Ungewissheit, dass jemand hinter sein Geheimnis stieß. Eine Nachricht für “Alpha”, abgegeben an Ramons Adresse.

Nein.

Das durfte nicht sein.

Niemand sollte den glücklichen “Alpha” und den depressiven Ramon gleichsetzen. Auch wenn es faktisch gesehen ein und dieselbe Person ist. In Ramons Weltbild passte es nicht und durfte nicht sein.

 

Ramon´s Weltbild wurde vor allem durch seine Vergangenheit geprägt, die er niemanden verriet. Niemand wusste von den gestörten Familienverhältnissen, den jahrelangen Missbrauch beider Eltern seit frühester Kindheit oder dem Versagen des Jugendamtes und der zuständigen Behörden, die die Gefahr für sein Leib und Leben, nicht sahen.

Wie denn auch? Seine Eltern waren Experten, nach außen hin die perfekte Familie darzustellen. Selbst Kinderpsychologen konnten die Missbrauchshinweise nicht deuten. Beide waren hochintelligente Individuen, die einfach gefallen daran fanden, den jungen Geist ihres Sohnes nach und nach zu brechen. So lange, bis er nur noch zwei Optionen sah. Suizid oder Flucht.

 

Das erhöhte Schlagen seines Herzens schien auf Letzteres zu deuten.

Unspektakulär wie reale Fluchten meistens sind, verlief auch diese. 

Eines Nachts schlich er sich hinaus mit einem Rucksack bewaffnet, gefüllt mit geklauter Kleidung zum wechseln und genug Geld, um sich erstmals woanders ein neues Leben aufzubauen.

 

“Dieser Bastard!” zischte Ramon, als er genauer über den Namen Omega grübelte.

 

Sein Vater nannte ihn oft so.

 

Er selbst bezeichnete sich als den “Anführer” der Familie, das Alpha-Männchen, wie es in der Tierwelt heißt. Der Dominierende, der das Sagen hat. Der Erzeuger des damals unschuldigen Ramons.

Ramon selbst, der nur durch des “Vaters Gnade” ins Leben geworfen wurde, ungewollt, solle sich ihm unterordnen. Genau wie das Gegenstück des Alpha-Männchens:

 

Das Omega-Männchen.

 

In der Tierwelt hätte er noch eine dritte Option gehabt: Das Alpha-Männchen töten und dessen Platz einnehmen.

 

Doch falls es sein Vater oder seine Mutter waren, die sich in der Hierachie als Beta-Männchen zuzuordnen ließ, die ihn kontaktierten… wie konnten sie ihn finden?

Er flüchtete von der Großstadt Berlin in ein kleines Städtchen in Bayern.

Es war auch völlig undenkbar, dass sie ihn über die Livestreams finden konnten. Auf der Plattform tummeln sich sehr viele Streamer in seiner Größenordnung. Er bewegte sich im untersten Drittel, was die Popularität angeht… das wäre völlig undenkbar.

 

Undenkbar wie die Frage, was er auf die Nachricht antworten solle. Doch die mögliche Kontaktaufnahme seiner Eltern brachte ihn völlig durcheinander.

Kurz nach seinen 19. Geburtstag konnte er hier endlich Fuß fassen und ein neues Leben beginnen. Einer Arbeit nachgehen und somit diese bescheidene Wohnung finanzieren.

Ein ruhiges, bürgerliches Leben. Mehr verlangte Ramon nicht. Sollte diese seelische Idylle durch neue Psychospielchen seines stark religiösen Erzeugers gefährdet werden?

Alpha und Omega – das Anfang und das Ende – wollte er der Geber und Nehmer eines Lebens sein, um sich Gott-Gleich zu fühlen?

 

Er legte sich auf die Couch, wo er kaum ruhig schlafend die Nacht verbrachte. Vater weiß, wo er wohnt. Wie er es geschafft hat, das Päckchen in die Wohnung zu bringen? Darauf hatte er keine Antwort. Doch er hatte etwas anderes. Omega´s Nummer.

 

Der darauffolgende Tag war ein Samstag. Durch Herrn Müllers Arbeitsplanung hatte er oft am Wochenende frei und ließ dafür andere schuften, die dem erhöhten Andrang eher gewachsen sind.

Dadurch hatte Ramon genug Zeit, um zur Polizei zu gehen. 

 

Bei der Polizeistation erklärte er einem Beamten die Situation. 

Es gab, das musste Ramon zugeben, wenig Beweise für diese Geschichte, doch zumindest die Handynummer konnte man nachverfolgen, um die Geschichte zu bestätigen.

Wenn sich das Handy in seinen alten Elternhaus in Berlin zurückverfolgen lässt, würde die Geschichte Sinn ergeben und er hätte endlich die Möglichkeit, damit abzuschließen.

 

Der Beamte ließ die Nummer orten und hatte in kürzester Zeit den Standort von Omega´s Handy. Doch etwas schien nicht zu stimmen. 

“Kann es sein, dass du mir die falsche Nummer gegeben hast? Oder erlaubst du dir einen Scherz mit mir?” hakte der junge Polizeibeamte nach.

 

“Wieso?”

“Ich hab das Handy lokalisieren lassen. Der Ort ist identisch mit deiner Wohnanschrift. Hast du mir vielleicht aus Versehen deine Nummer gegeben?”

“… nein, die Nummer ist richtig. Heißt das…?”

 

Seine Kehle schnürte sich zu.

 

Heißt das, sein Vater war… oder ist… in seiner Wohnung?

Teil 3: Wo bist du?

 

Es war augenscheinlich niemand hier. Die Wohnungstüre war zu und es gab keinen anderen Weg in oder aus der Wohnung. Er konnte sich schlecht in der Wand verstecken.

 

Die Augen des Polizeibeamten weiteten sich.

“Wenn deine Geschichte wirklich wahr ist, bist du zuhause nicht sicher. Sollen wir Kollegen vorbeischicken?”

 

Die Frage erübrigt sich. Ramon willigte ein und es wurden zwei Polizisten mobilisiert, die gemeinsam mit ihm zu seiner Wohnung fuhren. 

Beide stämmige Polizisten betraten mit gezückter Pistole die Wohnung und durchkämmten sie.

Dies dauerte wenige Sekunden, außer ein Bad, Wohn-, Schlaf- und Esszimmer besaß die Wohnung nur einen kleinen Speicher. Alle Räume waren mit einem Blick inspizierbar.

 

Das Smartphone wurde schnell gefunden. Es lag auf den Wohnzimmertisch, vor dem Sofa.

 

“Alle Zimmer sind sauber, hier befindet sich niemand”, sagte  einer der Polizisten, der sichtlich erleichtert über diesen Ausgang war. Soviel Action erlebt man hier wohl selten.

Sein Kollege mit mehr Ausdauer sprach weiter.

“Wir können das Handy auf Fingerabdrücke untersuchen. Doch ich bezweifle, dass es welche enthalten würde, da es genau sichtbar war und nicht versteckt wurde… Falls du uns keinen Bären aufbinden willst”.

 

Zugegeben, die Geschichte mit den Vater mit seinem Götter-Komplex hört man nicht alle Tage hier und dann noch ein geortetes Handy, das auf den Tisch liegt, verliert doch an glaubwürdigkeit.

 

Ramon willigte ein, das Handy nach Fingerabdrücke untersuchen zu lassen.

Kurze Zeit später erfolgte ein Anruf. Es konnten keine Fingerabdrücke nachgewiesen werden.

 

Auch wenn niemand in der Wohnung ist und das Handy, von dem aus Vater (oder Mutter, die alles macht, was er sagt) schrieb, entfernt wurde, lag trotzdem ein leicht schweißiger Geruch in der Wohnung. Angstschweiß von Vater?

Der Duft war in der Wohnung verteilt, aber er konnte nicht daraus deuten, wo er sich genau aufhielt. Er musste in jedem Zimmer gewesen sein.

 

Als er seinen kleinen Rundgang beendete, setzte er sich an den PC und spielte etwas.

So konnte er sich am besten ablenken. An der Situation konnte man nicht viel ändern. Der rettende Beweis war hinfällig, es wurde ein gut gesäubertes Handy geortet. Sonst nichts.

 

Apropo Handy, was solle er mit dem aus den Päckchen machen?

Dem Polizeibeamten in der Wache zeigte er es natürlich auch, doch alle Fingerabdrücke waren von Ramon, als “Alpha” mit seinen schauspielerischen Talent das Gerät in die Hand nahm. 

Nun lag dieses Smartphone in seiner Hand. Es ist schon ein äußerst seltsames Gefühl, fremd deponierte Handys in der Wohnung zu haben. Noch dazu welche, die just in diesem Moment vibrieren und eine Nachricht auf dem Display erscheint.

 

Vor Schreck ließ er es fallen und es landete auf den grünen Teppich, der sich halb über das Wohnzimmer zog.

 

*Neue Nachricht von OMEGA”

 

Er tippte auf das kleine Nachrichtenfenster.

“Noch zwei Tage!”

 

Zwei Tage?

Erschrocken mit leichter Blässe in seinen gebräunten Gesicht ahnte er schon, worauf Vater anspielt. Um sich dessen zu vergewissern, warf Ramon einen Blick auf den Kalender. Normal checkte er seinen Terminkalender am Handy, doch er hatte genug von den mobilen Endgeräten.

Zwei Tage bis zu seinem Geburtstag.

 

Aus seinen Geburtstag machte sich Ramon nich sonderlich viel.

In seiner Jugend wurde es kaum gefeiert. Durch das Mobbing in der Schule verschloss er sich mehr und mehr und hatte kaum Freunde, mit denen er feiern konnte. Zumindest war es damals in Berlin. 

Heute hatte er viele Freunde. Nur virtuell, aber so konnte er zumindest online sein Wiegenfest jährlich zelebrieren. Dabei streamte er immer etwas länger, um Mitternacht noch online zu sein. So konnten die Zuschauer mit “Alpha” feiern.

Apropo “Alpha”… wann genau war der Geburtstag von ihm? War es bei dem ersten sexuelen Übergriff seiner Erziehungsberechtigten, wo die gebrochene Seele einen neuen Teil erschuf, der mit der Tat nichts zu tun hatte, um sich innerlich zu reinigen?

 

So oder so, dies war eine Drohung. 

Doch wie sollte er damit umgehen? Wieder zur Polizei laufen, die diesen vermeintlichen Scherz nicht vergessen haben?

Selbst wenn sie diese neue Nummer orten würden, würde es höchstwahrscheinlich wieder zur selben Adresse führen. Seiner.

Um auf Nummer sicher zu gehen, nimmt der sichtlich zermürbte Mittzwanziger seinen Mut zusammen und sah sich in seiner Wohnung um. Er müsste noch hier sein, wenn er hier ist. Die Nachricht wurde vor wenigen Sekunden versendet. Wo steckt er nur?

 

Die Durchsuchung verlief negativ. In der Wohnung gab es kaum Plätze, wo sich ein Erwachsener hätte verstecken können. Den Klassiker, den Kleiderschrank, brachte auch niemanden zum Vorschein. Zum Glück.

Glück?

Von Glück kann hier nicht die Rede sein. Irgendjemand treibt hier ein Spielchen mit ihm. Irgendjemand beobachtet ihn gerade

 

Er schloss alle Türen und ging unruhigen Gewissens ins Bett. Sein Körper und seine Nerven brauchten nun einige Stunden Ruhe. Dieser Samstag war zu sehr von dramatischen Erinnerungen geplagt.

 

Sonntag, 8:00 Uhr.

Der Wecker klingelte.

Für viele wäre es an einem Sonntag zu früh, doch der Schlafrhythmus des baldigen Geburtstagskindes ist seit jeher von kurzen Nachten und frühen Arbeitsbeginn geplagt, bzw. gesegnet.

Ramon duschte und setzte sich dann zum frühstücken an den kleinen, runden Küchentisch.

Die gestrigen Aktivitäten ließen ihn einfach nicht zur Ruhe kommen.

War Vater hier in der Nähe? Schrieb er ihm als Omega diese Nachrichten? Oder war all das nur ein Irrtum?

Langsam, in Gedanken versunken, verspeiste er sein belegtes Brötchen, trank seinen billigen Kaffee aus und machte sich im Haushalt nützlich, um sich abzulenken.

Die kleine Wohnung war schnell durchgefegt und aufgeräumt. Doch trotzdem konnte er das mild-lächelnde Gesicht seines Erzeugers nicht aus den Kopf kriegen.

Als er gerade seinen Müll rausbringen wollte, bildete er sich ein klopfendes Geräusch ein. Doch beim zweiten mal hörte es sich nicht nach Einbildung an. Jemand klopfte.

 

Sehr ungewöhnlich, vor allem an einem Sonntag.

 

Ramon öffnete die Türe und sah ein weiteres, bekanntes Gesicht mit einem seltsamen Lächeln. Lisa.

Woher kannte sie seine Adresse?

 

“Hi Ramon!” begrüßte sie ihn.

“äh… hi Lisa. Woher weißt du wo ich wohne?” stotterte er, leicht überfordert.

“Du hast mir doch einmal den Weg gezeigt, weißt du nicht mehr?”

 

Ramon würde niemals jemanden, dem er nicht 100% vertrauen würde, so ein privates Detail erzählen. Flunkert sie? Immerhin ist nicht auszuschließen, dass die schüchterne Blondine ebenfalls dahinter stecken könnte. Sie war in der nähe des Postfaches und hätte das Foto machen können. 

So oder so, die anhängliche Auszubildende war nun vor seiner Wohnungstüre.

Mit einem gut gefüllten Müllsack in der Hand konnte er sich schnell aus dieser Situation retten.

“Sorry, ich hab gerade wenig Zeit”, schleuderte er ihr etwas schroff entgegen.

“Kein Problem, ich kann dir helfen. Ich nehme den zweiten Müllsack.” 

 

Ein weiterer Müllsack lag im Wohnzimmer neben der Couch. In der Wohnung. In der Wohnung mit dem ungebetenen Gast.

Doch er musste sich keine Sorgen machen. So schnell die heute gut gekleidete Lisa ins Wohnzimmer verschwand, so schnell war sie auch wieder vor der Türe.

Ramon sah sie heute zum ersten mal in Alltags-Klamotten. Sie trug ein kurzes rotes Kleid mit dezenten Schmuck. Kein Vergleich zu den weißen Kochkittel mit Haarnetz.

 

“Hast du Lust, etwas zu unternehmen?”

Diese Frage musste kommen. Doch vielleicht war es eine bessere Möglichkeit, den Mist der letzten beiden Tage zu vergessen, als vor der Nase des Beobachters herum zulaufen.

Nach etwas hin und her einigten sich die beiden, in eine etwas weiter gelegenes Eisdiele zu fahren. 

Beide schwangen sich aufs Rad, nachdem sie den Müll entsorgt haben und fuhren die Straße Richtung “Innenstadt”, wenn man es so nennen könnte.

 

Es war ein heißer Sommertag, geradezu perfekt für zwei junge Menschen, um ein Eis essen zu gehen. Sie bestellten sich beide einen Eisbecher, Roman einen Nussbecher und Lisa, zum Kleid passend, einen Erdbeerbecher.

Jeder würde bei diesem Anblick an ein normales Date denken. Romantikerin Lisa schien dies schon länger vorgehabt zu haben und auch der schüchterne Ramon gefiel die entspannende Atmosphäre. 

 

“Kann es sein, dass du Streamer bist?”, warf die Blondine in den Raum, während sie eine Erdbeere vernaschte.

Die Frage kam sehr überraschend.

 

“äh… ja, woher weißt du das?”

“Ich hab deinen PC gesehen mit Mikrofon und allem. Wie ist dein Nickname?”

“Alpha”

“Kurz und knackig. Ich abonniere dich mal. Echt cool dass du sowas machst. Wenn nichts gutes im Fernsehen läuft, guck ich mal rein!”

“Danke”

 

Ein unangenehmes Gespräch. Ungewohnt würde allerdings besser passen, immerhin war Ramon es nicht gewöhnt, im Rampenlicht zu stehen, bzw. für etwas Anerkennung zu bekommen. Doch der namensgebende “Alpha” war der Showman; ob Lisa diese Veränderung auffallen wird? Definitiv.

 

An frühen Nachmittag verabschiedeten sie sich, Lisa hatte noch etwas zu erledigen und radelte in ihre Richtung, während Ramon sich ebenfalls auf dem Weg nach Hause machte.

Es störte sie nicht, dass er kaum soziale Kompetenzen an den Tag legte und wenig redete, sie mochte ihn so wie er ist. Ungewohnt, aber echt angenehm. 

Vielleicht würde sich daraus eine gute Freundschaft entwickeln. Und ihre klammernde Art war bestimmt nur ein Zeichen ihrer Unsicherheit. 

 

Ramon tat es gut. Er hat für einen halben Tag die Probleme zuhause vergessen und konnte sich gut ablenken lassen. Doch kaum war die Wohnungstür geöffnet, gab es die nächste Nachricht von OMEGA.

 

“Neue Nachricht von OMEGA”

 

Was will Vater jetzt schon wieder? Will er mich wieder an meinen Geburtstag erinnern?

Doch anders als die vorherige Nachricht enthielt es nicht nur Text, sondern auch ein Foto.

 

Ein Foto von Lisa, wie sie sich heute vormittag in der Wohnung aufhielt. 

Darunter stand in Großbuchstaben geschrieben: WER IST DAS?

 

Wie konnte dieses Foto entstehen? Es konnte logischerweise nicht von Lisa selbst sein und sogar Vater hätte es schwer gehabt, dieses Bild anzufertigen.

Dem Blickwinkel nach müsste der Fotograf genau mittig im Wohnzimmer stehen, doch da war niemand. Die zugezogenen lichtundurchlässigen Rollos im Wohnzimmer konnten ein Foto außerhalb des Zimmers auch unmöglich machen. Wie geht das?

Und was soll der dazugehörige Text? Wer ist das?

 

Falls diese Nachricht wirklich von Vater sein sollte, könnte sie etwas Sinn ergeben.

Als gläubiger Mann war es ihm immer ein Dorn im Auge, dass Ramon kaum Kontakt zu Frauen hatte, als er noch in Berlin wohnte. Die Großstadt habe Frauen in Hülle und Fülle, von niveaulosen bis akademischen Frauen beherbergt es alles, was das Männerherz begehrt. Reizt es ihn, dass der stille Ramon in einer Kleinstadt mit einer attraktiven, jungen Dame ausgeht? Als ob bis zu seiner Flucht aus dem Hause des religiösen Fanatikers sein Leben ein einziges Versagen war und nun alles wie am Schnürchen lief? Trieb ihn das zur Weißglut?

 

Auch wenn es wieder nichts brächte, suchte er die kleine Wohnung ab. Mehr hätte er nicht tun können. 

Wohnzimmer, Badezimmer, Schlafzimmer, kleiner Dachboden… alles menschenleer, wie es sein sollte.

 

Ramon blickte auf seine Armbanduhr, die er noch vom heutigen Ausflug trug.Es war 16 Uhr.

Heute war ein ausserterminlicher Stream zu seinen Ehren, doch er sollte trotzdem um 18 Uhr starten und um halb 1 Uhr morgens enden. Sonst wäre das Zeitfenster zu kurz, denn morgen war wieder ein Arbeitstag. Die Strapazen ließen das Wochenende wie im Flug vergehen.

 

Er schaltete alle Gedanken diesbezüglich aus. Was sollte er auch machen?

Es war augenscheinlich niemand hier. Die Wohnungstüre war zu und es gab keinen anderen Weg in oder aus der Wohnung. Er konnte sich schlecht in der Wand verstecken.

Selbst die absurdesten Gedanken, wie unter dem Bett oder hinter irgendwelchen Schränken hat er abgesucht, wie immer. Nichts.

Sollte Ramon wegen diesem Nichts seinen Geburtstag nicht feiern dürfen auf seine Art?

 

Die Uhr schlug 18 Uhr.

Der PC war vorbereitet, der obligatorische Eistee wieder an seinen Platz gestellt und Ramon wechselte wieder in den “Alpha-Modus”. The Show must go on!

 

“Hey, guten Sonntag alle miteinander!” trötete der Entertainer in sein Mikrofon.

 

“Hallo!”

“Stream am Sonntag? lol”

“Ehrenmann”

“Sonntag-Nacht, Alpha Lacht!”

 

Der ungewohnter Stream überraschte, aber freute auch viele Zuschauer. Nur einmal im Jahr gab es diesen Geburtstagsstream, logischerweise.

Auch als kleine Entschädigung, dass Ramon keine Zeit für andere Videos dieses Wochenende hatte, um die Zuschauer bei Laune zu halten, musste dieser Termin sein.

 

Die Zuschauerzahl war wieder stetig gestiegen in den ersten paar Minuten. Heute waren es 480, die die Rolle des unterhaltungsgierigen Voyeurs mimten. Eine stolze Zahl, die sich “Alpha” hart erarbeitet hat. Doch augenscheinlich war Ramon´s Fangirl ebenfalls anwesend.

 

“Hey! Wow, ist echt viel los hier :D” schrieb Userin Lisamon.

 

Eindeutig Lisa. War der Username eine Anspielung an die japanischen Anime-Serien Pokémon und Digimon aus den 90ern? Oder ein unangenehmer Mix aus Lisa und Ramon? Beides wäre ihr zuzutrauen. 

 

Unterbewusst wollte Ramon antworten, doch seine Worte rutschen “Alpha” über die Lippen.

“Hey Lisa, cool dass du auch dabei bist!”

 

Sie würde sich bestimmt über die persönliche, euphorische Ansprache wundern, für die restliche Community waren solche namentlichen Begrüßungen ganz normal. 

 

“Aha, Lisa heißt sie also…”

 

Ein etwas ungewöhnlicher Kommentar, die Alpha zwischen den Begrüßungen, die sich immer einige Minuten zogen, herausstach. Genau wie der Name des Users, der diesen Kommentar verfasste.

 

OMEGA

Teil 4: Happy Birthday!

 

“Happy Birthday, mein lieber Alpha. Nun gehörst du mir ganz alleine!”

 

Omega?

Im Chat?

Das konnte nur ein schlechter Scherz sein.

 

Niemand schien diese Chatnachricht besonders aufzufallen. Immerhin prasseln in wenigen Sekunden viele Kommentare und schoben die vorherigen zurück.

 

Sofern dieser OMEGA nichts auffällig weiter schreiben würde, könnte Vater ihn nicht weiter verunsichern. Doch in dieser Welt schrieb er nicht mit den kleinen, gebrochenen Ramon, sondern mit den selbstbewussten “Alpha”.

Es genügte zwei, drei Klicks und OMEGA wurde gebannt. Unter Bann versteht man die Sperrung eines Zuschauers, der negativ auffällt und somit für 24 Stunden nicht mehr auf den Stream zugreifen kann. Ein digitaler Rauswurf so gesehen.

 

Die nächsten paar Stunden verliefen ganz normal. Es gab keine weiteren Nachrichten auf dem ominösen Smartphone, noch weitere Chatnachrichten von OMEGA. Technisch gesehen könnte er über eine ander IP-Adresse wieder aus dem Netz zugreifen. Es gibt genügend Apps, die dem System vorgaukeln, der User komme aus einem andere Land mit einer anderen IP und schon kann man über einen anderen Usernamen wieder sich unter die Massen an Zuschauern tummeln. Für technikinteressierte ein Leichtes.

 

Um kurz nach 23 Uhr allerdings erweckte einige seltsame Nachrichten “Alpha”´s Aufmerksamkeit, die schon langsam etwas nachließ.

 

“Hinter dir! Da ist jemand”

 

Einige solcher und sinngemäß ähnlicher Nachrichten häuften sich.

Das Zimmer war abgedunkelt, nur durch den Schein der Monitore und den gedimmten Licht der Lichtboxen wurde das Zimmer beleuchtet.

Ramon drehte sich um und sah niemanden.

 

Einer der Zuschauer machte einen Screenshot von dem Moment und schickte es “Alpha”.

Sichtlich nervös und unglaubwürdig klickte er das Bild an und es verschlug ihn die Sprache.

 

Ein Meter hinter ihm stand jemand.

 

Der in der Luft liegende Geruch bestätigte dies. Es roch wieder etwas säuerlich nach Schweiß.

Die Person auf den Bild war kaum zu erkennen. Trotz der Nähe wurde das Gesicht nicht kenntlich genug beleuchtet, doch diese Person war nicht sehr groß, ungefähr einen Kopf größer als Ramon in seiner Sitzposition. Also ungefähr in derselben Größenordnung wie der sitzende und leicht nervöse Streamer. Langsam konnte selbst der ambitionierte Alpha nicht mehr ruhig sitzen bleiben. Es war wirklich jemand im Haus. Es gibt Beweise. Und Zeugen. Hunderte. Doch was brachte das?

 

Viele dachten an einen schlechten Scherz oder einen sehr vorgezogenen Halloween-Scherz. Doch nach Scherzen war Ramon nicht zumute.

Die Tür lag neben seinem Schreibtisch, falls also jemand im Schutz der Dunkelheit ins Zimmer kommen würde, wie auch immer, müsste er an ihm vorbei.

“Alexa, Licht an!”

 

Der intelligente Lautsprecher von Amazon, eines seiner vielen technischen Gadgets, aktivierte das Licht in der gesamten Wohnung. Selbst das Aufstehen in der Dunkelheit wäre zu viel gewesen.

Er blickte auf seine Monitore, um sich über die Kamera zu vergewissern, dass niemand hinter ihm stand. Niemand war zu sehen. Außer das Gesicht Ramons, gezeichnet von kleinen Schweißperlen.

 

Mit einem Auge zur Tür gerichtet, die leider nicht verschlossen werden konnte, inspizierte Ramon das Bild genauer.

Könnte die Größe zu Vater passen? Schwer zu sagen, immerhin hat er ihn schon einige Jahre nicht mehr gesehen. Oder war die Statur zu schmächtig für einen Mann?

 

Schwer zu sagen, doch eine weitere Tour durch seine Wohnung wollte er nicht antreten. Die Beine zitterten schon etwas. Er traute sich nicht, aufzustehen, nicht kurz vor Mitternacht mit einer fremden Person in der kleinen Wohnung. Das wäre zuviel.

 

Geschützt vom Licht wagte er trotzdem, das Wohnzimmer zu verlassen.

Ramon machte sich nicht auf die Suche nach dem ungebetenen Gast, der wohl unsichtbar zu sein scheint… wie hätte er sonst das Foto von Lisa machen können?

Selbst in dieser Situation musste er seine Notdurft verrichten. Wenn er nervös wird, trinkt er mehr von seinem geliebten Eistee als üblich und muss öfter seine Blase leeren.

 

Eine Minute nach der Pinkelpause betrat er in höchster Alarmbereitschaft den kleinen Flur und ging leise Richtung Wohnzimmer. Es war alles in Ordnung, kein ungebetener Gast.

 

Erleichtert ließ er sich in seinen gemütlichen Stuhl fallen, trank wieder einen großen Schluck, um die staubige, vertrocknete Kehle zu befeuchten und sah auf die Uhr. Es war 23:58.

 

Die Partystimmung war im Eimer. Nun glaubten auch die letzten Zweifler nicht mehr an einen schlecht dargestellten Witz.

“Alpha” guckte in den Chat, was die Zuschauer gerade kommentierten.

Eine Nachricht tauchte sehr häufig in den letzten Minuten auf.

 

“Nicht trinken!”

 

“Wie, nicht trinken?”

Alpha begriff nicht, was damit gemeint war. Bis einige Zuschauer ein ca. 30-sekündiges Video schickten.

 

Noch bevor er auf den Play-Button drückte um das Video wiederzugeben, ertönte ein lauter Gesang direkt neben sich, der ihn aufschrecken ließ.

 

Happy Birthday to you!

Happy Birthday to you!

 

Das Geburtstagslied dröhnte förmlich aus den kleinen smarten Lautsprecher. Das Gerät konnte das Lied zur Hälfte spielen, bevor Ramon wusste, was geschieht und mit einem demonstrativen “Alexa, stopp!”, es zum aufhören zwang.

 

Noch völlig unter Adrenalin von diesem lauten Getöse widmete sich Alpha wieder dem zugeschickten Video zu. Er drückte auf Play.

 

Auf dem Video sah man Ramon aufstehen und Richtung Flug gehen. Kurz nachdem man das Schließen der Badezimmertüre hören konnte, erschien eine Frau auf den Bildschirm und goss aus einem kleinen, braunen Fläschchen etwas in die Eistee-Dose.

Die Frau hatte kurze, zerzauste schwarze Haare, dreckige Klamotten und gut sichtbare Augenringe, die die große Brille kaum verstecken konnte.

Wer war das? Diese Frau hat Ramon noch nie zuvor gesehen. Und was hat sie eingegossen?

 

Ramon wollte instinktiv ausspucken, doch er hat den großen Schluck mit der giftigen Substanz bereits getrunken. Er spürte auch langsam ein Kratzen in seinen Hals, das von Sekunde zu Sekunde immer schlimmer wurde und sich zu einem brennen entwickelte. Er rang um Luft, schrie. Doch es brachte nichts.

 

Die noch aktiven 320 Zuschauer mussten mit ansehen, wie “Alpha”/Ramon mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Tischkante knallte und anschließend unter dem Bereich der Kamera auf dem Boden fiel.

Das Ringen nach Luft wurde immer lauter.

 

Die Zuschauer waren alle panisch, konnten aber nichts unternehmen.

Nur Lisa, die Ramons Adresse wusste, hätte die Polizei rufen können. Doch sie war zu diesem Zeitpunkt im Bett und schlummerte seelenruhig. Soviel Zeit mit ihren angebeteten Kollegen zu verbringen, hatte sie glücklich einschlafen lassen. Und somit auch die Chance, ein Leben zu retten. Oder zwei.

 

Zwischen den panischen Nachrichten im Chatfenster fiel eine Zeile ganz besonders auf, bevor sie unter der Masse der Rufe verschwand.

 

“Happy Birthday, mein lieber Alpha. Nun gehörst du mir ganz alleine!”

geschrieben von OMEGA

 

Eine Minute, nachdem diese Nachricht in den Chatfenster geschrieben wurde, betrat die zerzauste Frau wieder das Wohnzimmer.

Sie blickte hinab, in die Richtung des kaum noch atmenden Ramons und grinste.

Ihre linke, abgemagerte Hand griff zu der tödlichen präparierten Eistee-Dose, setzte sie an und trank sie in einem Schluck aus.

Sie legte sich auf den Boden, außerhalb des Sichtfeldes der Kamera, und sah den sterbenden Ramon in die aufgerissenen Augen.

 

“Ich liebe dich!”

 

Dies waren die letzten Worte, die Ramon hörte und die geheimnisvolle OMEGA sagte.

Montag, 8:00 Uhr

 

Am nächsten Morgen wunderte sich die aufgeweckte Lisa, warum Ramon nicht an diesem Morgen ebenfalls auf den Weg war.

Verwundert ging sie zu seiner Wohnung und merkte schon vor der Tür einen beißenden Gestank. Sie klingelte und rufte ihn an, doch es öffnete niemand die Tür.

Auf ihren Handy bemerkte sie jedoch, dass Stream von “Alpha” immer noch läuft.

Sie guckte auf ihr Handy und sah die leicht blutige Tischkante. Der Kamerawinkel zeigte nicht die beiden leblosen Körper, doch ein herausragendes Bein war zu sehen.

 

Davon alarmiert rief sie die Polizei und erklärte die Situation.

Lisa wusste nicht, welcher Anblick ihr bevorstehen würde, aber sie wollte es auch wissen. 

Die beiden Polizisten, die zwei Tage vorher die Wohnung nach den 2. Smartphone durchsuchen wollte, brachen die Tür auf.

Sofort stieg den Anwesenden ein bestialischer Gestank in die Nase, gefolgt von einem unschönen Anblick.

 

Zwei sich umarmende, leblose Körper.

 

Ramon und… OMEGA.

 

Die Ermittlungen, die kurz darauf begonnen hatten, brachten schnell OMEGA´s wahre Identität ans Licht.

 

Es handelte sich dabei um ein 15jährige Mädchen namens Marina.

 

Marina lief vor einer Woche von zuhause weg.

Sie hatte, wie Ramon, viel Probleme im Elternhaus und zog sich immer mehr und mehr zurück. Als sie sich weiter zurückzog, entdeckte sie einen kleinen Streamer, der sie gut unterhalten konnte. Besser als alle anderen. Dieser jemand war Ramon… oder besser gesagt, “Alpha”.

 

Jahrelang war sie eine normale Zuschauerin und hatte einfach Spaß bei den Videos und Streams. Sie wollte nicht mit ihm schreiben, ihr genügte es, ihn einfach nur zu sehen. Anfangs.

 

Immer mehr und mehr zog sie sich in diese falsche Realität zurück und verbrachte immer mehr Zeit, “Alpha” zu beobachten. Schnell wurde es zu einer Obsession. Er war der einzige, der sie erheitern konnte.

In der Realität, im Leben, hielt Marina nichts. Sie wollte einfach nur “Alpha”nahe sein. Und hatte schließlich, als er die Fanpost-Freitage einführte, eine Gelegenheit.

 

Sie schickte ihm ein kleines Päckchen mit Süßigkeiten. Doch in dem Päckchen waren nicht nur süße Leckereien enthalten.

Versteckt im Karton des Päckchens war ein kleiner, kaum zu entdeckender Gegenstand: eine SIM-Karte. Die SIM-Karte, die Marina später im 2. Smartphone benutzte.

 

Danach musste sie nur noch mit einem anderen Handy die SIM-Karte orten lassen und hatte die Adresse.

Sie fuhr in das abgelegene kleine Städtchen und legte sich auf die Lauer.

Als Ramon eines Tages zur Arbeit ging, nutzte Marina die Gunst der Stunde und brach gekonnt in die Wohnung ein.

 

Durch seine Streams wusste sie seinen ungefähren Tagesablauf. Sie wusste auch wo er arbeitet und aß einmal sogar in dem amerikanischen Restaurant. Welche Gedanken ihr da wohl durch den Kopf gingen?

 

Marina wusste Ramons Arbeitszeiten und hatte genug Zeit, alles vorzubereiten.

Sie installierte versteckte Kameras in jedem Zimmer. Im Wohnzimmer, im Schlafzimmer, in der kleinen Küche, im Bad und sogar in ihren Versteck: dem Dachboden.

Wenn man nach einem versteckten Erwachsenen sucht, findet man keine Möglichkeiten. Doch ein kleines Mädchen konnte sich gut noch kleiner machen und sich in einem Karton verstecken, falls Ramon auf die Idee käme, nach ihr zu suchen.

 

Sie hatte alles im Blick. Man fand bei ihr ein weiteres Smartphone, ihr privates, auf dem sie jederzeit Zugriff auf alle Kameras hatte. Sie wusste zu jeder Zeit genau, wo er sich gerade befand.

Doch sie wollte ihm einfach nur Nahe sein und immer bewundern können. Ein fanatischer Fan überschreitet da gerne mal moralische und gesetzliche Grenzen. Sie wollte nur glücklich sein und das war der einzige Weg. Je näher sie ihm kam, desto größer war das Verlangen. Und damit mitgehend die Eifersucht.

 

Sonntag morgen, ungefähr einen Tag vor dem Auffinden der beider Leichen, erblickte sie zum ersten mal eine andere Frau auf ihren Kameras. Lisa.

Dies ging ihr zu weit. Niemand anderes außer ihr sollte “Alpha” haben.

 

Sie schmiedete einen Plan, den sie wahrscheinlich später sowieso umgesetzt hätte.

 

Einen erweiterten Suizid.

 

Sie wollte nur bei “Alpha” bleiben und fürchtete, dass durch das Auftreten von Lisa, dies nicht mehr möglich sei, also riss er ihn aus ihrem Leben. Und somit auch Ramon selbst.

Bei ihm zu sein, selbst im Tod, schien die einzige Erfüllung zu sein.

 

Und so kam es. Marina mischte ein kleines Fläschchen mit Rizin, einem tödlichen Gift, in seinen Eistee, den er gewohnheitsgemäß immer trinkt.

Als Ramon kurz vor Mitternacht auf die Toilette ging, nutzte sie die einmalige Chance, ihm das Gift zu verabreichen. Sie wusste natürlich, dass sie dabei hunderte Augenzeugen für ihren tödlichen Anschlag hätte, doch das war ihr egal. 

Als er sein Leben langsam aushauchte, trank Marina den Rest der giftigen Mischung, umarmte den leicht leichenblassen Ramon. Und konnte ihm das sagen, was sie immer sagen wollte.

 

“Ich liebe dich!”

 

Einige Fragen bleiben jedoch ungeklärt.

Was sollte das erste Foto bedeuten?

Und warum war Marina, kurz vor ihrem Anschlag, hinter Alpha gewesen? Hatte sie da schon geplant, ihn zu töten?

Und wie lange wäre sie in Ramons Wohnung geblieben, wenn dieser Zwischenfall nicht gewesen wäre? Für immer?

Diese und weitere Fragen und Antworten nahm sie jedoch, wie “Alpha”, oder besser gesagt Ramon, mit ins Grab.

One thought on “Alpha und Omega

  1. Hey, Deine Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Ich finde sie modern und kreativ. Tolle Grundidee mit den Streams und ein flüssig zu lesender, Spannung erzeugender Schreibstil. Zudem hast Du ein paar überraschende Wendungen in die Geschichte eingebaut. Wirklich sehr gut, dafür ein ♥️ von mir!

    Vielleicht magst Du ja auch meine Geschichte „Stumme Wunden“ lesen, das würde mich sehr freuen. 🌻🖤

    Liebe Grüße, Sarah! 👋🌻 (Instagram: liondoll)

    Link zu meiner Geschichte: https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/stumme-wunden?fbclid=IwAR1jjPqPu0JDYk0CBrpqjJYN78PYopCEU1VGdqzCvgp7O4jnGKQSFdS6m6w

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