Ophelia010Deadline Day

 

Deadline Day

Ich starre in den Spiegel, während ich mir die Zähne putze. Aus dem Schlafzimmer höre ich Joachims Wecker läuten. Es ist kurz nach halb sieben, aber ich war wie immer weitaus früher wach. Er steht auf, überquert den Flur und kommt zu mir ins Badezimmer. Ich beobachte ihn durch den Spiegel. Wir haben getrennte Waschbecken, etwas, worauf ich bei unserem Einzug in dieses Haus unbedingt bestanden habe. Er wäscht sich das Gesicht und sperrt die Türe ab.

Ich weiß was jetzt kommt. Er will Sex. Ich nicht. Trotzdem haben wir welchen. Es passiert mechanisch und gefühllos, er hebt einfach meinen Morgenmantel hoch, während ich noch die Zahnbürste im Mund habe. Ich bin verleitet, einfach weiter zu putzen. Ich lasse es über mich ergehen, er braucht auch nicht lange. Joachim ist fertig und geht duschen. Ich fülle den Zahnputzbecher mit Wasser an. Alles wie immer. Eigentlich normal.

Als nächstes wecke ich die Jungs, bereite dann das Frühstück vor. Joachim kommt in die Küche und ich höre Schritte aus dem Zimmer über mir. Michael geht ins Badezimmer und knallt die Türe zu. Kurz darauf rauscht das Wasser durch die Rohre. Ich schenke zwei Becher mit Kaffee voll und blicke aus dem Fenster in unseren Vorgarten. Ein paar Autos fahren auf der Straße vorbei. Das Wasserrauschen stoppt, Michael verlässt das Bad und Stefan ist nun unter der Dusche. Zeitgleich kommen beide in die Küche. Früher, als sie noch klein waren, hatte ich die Zwillinge immer gleich angezogen. Keiner außer mir konnte sie auseinander halten. Auch ihr Vater konnte nie den feinen Unterschied in ihrer Mimik und Gestik nicht erkennen. Michael ist außerdem einen Hauch kleiner als Stefan. Jetzt mit 14 Jahren ziehen sie sich zwar unterschiedlich an, sehen sich aber sonst noch immer zum Verwechseln ähnlich.

Joachim tippt auf seinem Tablet herum und trinkt schweigend seinen Kaffee. Er sieht gut aus, trägt ein hellblaues Hemd, welches seine grauen Augen betont. Er ist wirklich ein schöner Mann. Trotzdem verabscheue ich ihn.

Ich stehe am Gartenzaun und sehe zu, wie die Jungs mit Michael auf unserer Straßenseite und Stefan auf der anderen Richtung Schule laufen. Ich hebe die Hand und rufe: „Passt auf euch auf! Ich hab euch lieb!“

Michael dreht sich um und nickt mir mit einem leichten Lächeln zu. Stefan versteift und zieht die Schultern etwas an. Mehr kommt nicht vom ihm. Ich erwarte mir auch nicht mehr. Joachim fährt in seinem SUV vorbei. Er telefoniert über seine Freisprecheinrichtung und hat uns schon ausgeblendet. Durch das dünne Autoblech höre ich die Stimmen. Ich bücke mich und hebe die Zeitung auf. Darunter liegt ein schwarzes Smartphone. Überrascht blicke ich mich um, vielleicht hatte es einer der Nachbarn verloren? Es war niemand zu sehen. Ein paar Autos und weit entfernt die Jungs. Ich zucke mit den Schultern und bringe die Zeitung und das Handy in die Küche. Darum werde ich mich später kümmern. Langsam gehe ich nach oben in Michaels Zimmer. Joachim hatte nach der Geburt der Zwillinge darauf bestanden, dass ich bei ihnen zu Hause bleibe. Anfangs war das auch für mich in Ordnung, schließlich hatte ich alle Hände voll zu tun. Er verdient als bekannter Strafverteidiger genug, somit hatten wir nie Geldsorgen. Als die Jungs aus dem Gröbsten heraus waren, spielte ich mit den Gedanken, wenigstens für ein paar Stunden wieder meiner Arbeit als Journalistin nachzugehen. Joachim war dagegen. Er nahm es persönlich, wir hatten einen langen Streit. Genau genommen hielt er einen Monolog. Warum zum Teufel ich arbeiten wollte? Und dann vielleicht noch für das Frauenschmierblatt unserer Gemeinde? Nein, die Kinder und er hatten doch besseres Verdient. Der Nachteil mit einem Strafverteidiger als Ehemann ist, dass ihm nie die Argumente ausgehen. Er liebt es, mir die Wörter zu verdrehen. So bleibe ich weiterhin Hausfrau und Mutter.

Ich betrete Michaels Zimmer, öffne die Schiebetür seines Kleiderschranks. Er hat dort eine Truhe. Aus dieser nehme ich seine Bettwäsche. Der scharfe Uringeruch treibt mir die Tränen in die Augen. Ich atme nur durch den Mund und bringe sie in den Keller, um sofort die Waschmaschine anzustellen. Das war seit Monaten unser Ritual. Ich wasche die Wäsche. Ich fülle die Truhe mit sauberer Bettwäsche und einem speziellen Leintuch für Inkontinenz auf. In der Früh wechselt er dann alles und verstaut es in der Kiste. Als es das erste Mal passierte, erzählte er es auch Joachim. Dieser rastete aus. Nachdem er sich in Rage geredet hatte, verpasste er Michael eine kräftige Ohrfeige. Er erwischte ihn am Ohr. Abends kam Michael weinend zu mir und klagte über ein Pfeifen. Ich fuhr mit ihm ins Krankenhaus. Das Trommelfell war geplatzt. Kurz darauf vereinbarten wir unser Ritual. Ich wäre gerne mit meinem Sohn zu einem Therapeuten gegangen, aber Joachim hatte es uns verboten. Das Risiko war zu groß, dass Michael zusammenbrechen und die Wahrheit sagen würde. Also schwiegen wir und taten, als wäre es normal, dass ein 14 jähriger plötzlich ins Bett pinkelte. Täglich. Seit über 18 Monaten.

Ich gehe in die Küche und öffne den Kühlschrank. Dort steht noch der Nudelsalat vom Wochenende. Es fand eine Gartenfeier bei unseren furchtbaren Nachbarn am Ende der Straße statt. Marga, die Gastgeberin, hatte mir den Nudelsalat übertragen. „Du machst den ja immer so toll! Außerdem bist du doch den ganzen Tag zu Hause, die anderen Frauen kann ich doch schlecht fragen, du weißt ja wie eingespannt die immer sind. Also ehrlich mal, Emma, du musst ja zugeben, dass Claudia bewundernswert ist – in der Chefetage bei der Bank, immer am Arbeiten und trotzdem jeden Tag wie aus dem Ei gepellt. Ich frag mich ja wirklich wie sie das macht..“ Ganz oft stehe ich Marga gegenüber und stelle mir vor, wie ich ihr ihre blöde Bowle einfach so ins Gesicht schütte. Die Erdbeeren bleiben dann auf ihrem faltigen, hochgepushten Busen liegen. Ihr Mund ist voller Entsetzen aufgerissen und sie hört endlich auf zu reden. Aber wie gesagt, dass passiert alles nur in meiner Vorstellung.

In der Realität nicke ich höflich. Frustriert schließe ich den Kühlschrank und will mir einen Kaffee einschenken. Mein Blick fällt auf das Handy, welches ich schon wieder vollkommen vergessen hatte. Neugierig ziehe ich es unter der Zeitung hervor, welche es halb verdeckt und drücke den Home Knopf. Ich werde aufgefordert, zur Seite zu wischen. In meinem ganzen Umfeld kenne ich nur zwei Personen, die ihre Handy nichts mit einem Sperre versehen haben, meine Eltern. Wie auch immer, hier werde ich nicht nach einem Code, einem Fingerabdruck oder einem Muster gefragt. Interessant. Einen kurzen Moment fühlt es sich nicht richtig an, was es umso spannender macht. Als könnte mich jemand dabei entdecken, blicke ich mich kurz in meiner Küche um. Ziemlich paranoid, wenn man bedenkt, dass niemand außer mir noch hier ist. Ich beiße mir auf die Unterlippe und überlege. Vielleicht gibt ja die Anrufliste Aufschluss, wem es gehört? Ich drücke auf den grünen Hörer. Nichts.

Die Kontaktliste? Leer.

Eigenartig.

Nachrichten? Keine.

Das Telefon sieht nicht nagelneu aus, aber auch nicht abgenutzt. Ich löse das Gummicover, dahinter verbirgt sich aber nichts. Mein Daumen wischt nochmal rechts über den Bildschirm, Apps wurden offensichtlich auch keine installiert. Bleibt nur noch die Galerie. Tatsache, hier ist eine Datei abgelegt. Aufgeregt sehe ich mich um, wo hatte ich nur meine Brille abgelegt? Sie liegt auf dem Esstisch, als ich nach ihr greife, schwitzen meine Hände vor Aufregung. Ja, so langweilig und trist ist mein Leben. Ein fremdes Handy mit Fotos bringt mich in Wallungen. Ich vergrößere das erste Bild. Irgendetwas irritiert mich daran. Eine Frau. Ich glaube, ich kenne sie. Sie trägt einen dunkelblauen Trenchcoat. Ein gestreiftes Shirt. Eine Beige Hose. Es wurde bei Nacht gemacht, aber Licht strahlt sie an. Ihr Gesicht ist ganz verzerrt, die dunkelblonden Haare sind zwar zu einem Zopf gebunden, jedoch stehen einzelne Haare völlig zerzaust ab. Es dauert ein paar Sekunden, bis ich begreife. Die Erkenntnis trifft mich mit voller Wucht und lähmt mich. Meine Gedanken rasen wie wild, aber mein Körper ist in eine Schockstarre verfallen. Ich. Das bin ich auf diesem Foto. Kurz nachdem ich die Leiche eines Kindes entsorgt habe.

18 Monate zuvor

Der Fußballplatz war gut gefüllt. Die Mannschaft der Jungs spielte heute gegen einen Verein aus einem Viertel, welcher allgemein als Brennpunkt bekannt ist. Das heizte die Stimmung noch mehr an. Unser Trainer Wagner kam aus der Kabine und trat aufs Feld, der Seitenscheitel exakt gezogen. Ich kniff meine Augen zusammen und musterte ihn. Es wäre keine Überraschung, wenn er ein Hitlerbärtchen während der morgendlichen Rasur stehen gelassen hätte. Fast alle Jungen der gegnerischen Mannschaft hatten einen dunklen Hautton und schwarze Haare. Wagners Mund zeigte verbitterte Züge. Er hasste Ausländer. Egal woher sie kamen und aus welcher Generation. Seiner Meinung nach gehörten sie alle weg. Er platzt vor Selbstgefälligkeit und Nationalstolz darüber, dass „seine“ Mannschaft nur aus reinen, arischen Jungs besteht. Marga hatte mir mal erzählt, dass er als junger Mann einem rechtsextremen Fußballfanclub angehörte. Radikale Ansichten, gewalttätiges Handeln und Drogengeschäfte waren Alltag. Er trennte sich erst von diesem, als er vor Gericht stand. Zwangsweise, denn er hatte gegen seine Kameraden ausgesagt. Das war der Grund des Umzuges in unserer Stadt. „Tja, und jetzt hat er seine eigene Hilterjugend“, kicherte Marga. Als sie mir das an diesem Abend erzählte, war sie ganz schön betrunken. Wagner hatte es mitbekommen. Seitdem, finde ich, ist er mir gegenüber noch abwertender geworden. Ich hatte mit Joachim gesprochen und ihn gebeten, ein neuen Verein für die Zwillinge zu suchen. Aber da war es zu spät. Unsere Familie war zu sehr in dieses Netzwerk verstrickt.

Etwas kann ich das auch verstehen, denn wirklich alle aus unserer Straße sind hier involviert. Joachim hatte dadurch viele berufliche Vorteile bekommen und Anderen welche verschafft. Auch sein Wissen als Strafverteidiger wurde oft gebraucht. Eine Hand wäscht eben die Andere.

Anstoss. Das Spiel begann und die Atmosphäre war geladen. Ich wandte mich ab, versuchte den Gesprächen der anderen Mütter zu folgen. Die Männer standen am Spielrand und feuerten die Jungen an. Joachim war auch dabei.
Marga war wie immer nicht müde, über alle Abwesenden herzuziehen. Der Schiedsrichter hielt zu Wagner. Es war offensichtlich, dass er Fouls übersah. Das Spiel endete wie erwartet zugunsten unserer Mannschaft.

Die Gegner verließen niedergeschlagen das Feld, wir grillten gemeinsam. Die Männer tranken Bier. Die Frauen Bowle und Sekt. Zur Feier des Tages erlaubte Wagner den Jungs ebenfalls ein Bier. Ich nahm es missbilligend hin. Dann zwei weitere. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Ein Sieg, der gefeiert wurde.

Plötzlich stand er einfach bei uns. Ein Junge aus der gegnerischen Mannschaft. Er hatte braune Augen und dichtes, schwarzes Haar. Es war an den Seiten kurz rasiert und in der Mitte lang. „Das war nicht fair! Ihr habt nicht ehrlich gewonnen!“, brüllte er uns an. Er hatte einen schwachen Akzent. Für ein paar Sekunden herrschte Stille, dann lachte Wagner höhnisch. „Und? Was willst du tun?“ Anscheinend wusste er das selbst nicht.

Michael, Stefan!“, bellte Wagner. Nicht meine Jungen, dachte ich. „Los, zeigt dieser Ratte, was wir mit Verlierern machen.“ Stefan war sofort zur Stelle. Mein Mund wurde trocken. Mein Magen brannte. Ein Druck legte sich auf meine Ohren. Als ich etwas sagen wollte, hielt Joachim mich zurück. Michael zögerte erst, trat dann neben seinen Bruder. Der fremde Junge war verwirrt und bekam Angst. Seine Augen weiteten sich. Schon verpasste ihm Stefan den ersten Schlag. Michael starrte auf den Boden. Sein Gesicht lief rot an. „Nein!“, schrie ich und Joachim drängte mich hinter die Menge zurück. Ich konnte nichts mehr sehen. „Lass es!“, zischte er und hielt mir den Mund zu. Tränen liefen mir übers Gesicht. Der Junge versuchte, sich zu wehren, doch Stefan war zu stark. Jetzt lag er da wie ein Embryo. Das erinnerte mich noch mehr daran, dass er jemandes Sohn war. Meine Knie wurden schwach, ich saß am Boden. „Das reicht.“ Wagners Stimme ließ uns alle zusammenfahren. Ich sehe mich um. Alle wichen meinem Blick aus. Bestimmt über 20 Erwachsene und ebenso viele Kinder und Jugendliche waren am Grillplatz versammelt. Keiner hatte eingegriffen. Wagner beugte sich über den Jungen, stupste ihn leicht an. Die Augen waren so geschwollen, dass sie nicht mehr zu erkennen waren. Sein Mund stand offen. Zähne fehlten. Überall war Blut. Er atmete nicht mehr. Der Trainer stand auf und drehte sich um. „Macht die Sauerei weg“, herrschte er Joachim und mich an.

Joachims SUV parkte vor unserer Bootshütte. Wir haben hier in der Straße einen künstlich angelegen See. Es war stockdunkel, weit nach Mitternacht. Obwohl in den nahegelegen Häusern kein Licht brannte, wusste ich, dass wir von den Nachbarn beobachtet wurden. So ist es hier. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Joachim öffnete den Kofferraum. Ich wollte ihm nicht helfen. Ich hatte geweint. Meine Augen brannten und mein Körper war müde. Ich war ausgelaugt. Aber es gab kein Entrinnen, also stieg ich aus und half. Wir haben die Leiche in ein weißes Tuch gewickelt und zerrten den Jungen aus dem Kofferraum. Er war so schwer. Ich hörte Äste knacken und sah mich um. „Was war das?“, fragte ich und ließ vor Schreck die Beine fallen. Joachim fluchte: „Nichts! Und jetzt mach endlich weiter!“ Wir trugen ihn in unser Ruderboot und fahren in die Mitte des Sees. Joachim schimpfte. Ich dachte nicht, dass es ihm unangenehm war. Oder er Schuldgefühle hatte. Ich fragte mich, an welcher Stelle ich etwas falsch gemacht hatte. Aber ich wusste es genau, ich hätte eingreifen müssen. Meine Stimmer erheben und mich gegen Wagner wehren. Meine Kinder beschützen. Wir befestigten Steine an Seilen und schnürten sie an dem Jungen fest. Jemandes Sohn. Ich kannte nicht einmal seinen Namen. Er glitt fast lautlos ins Wasser, nur die Steine machten „plopp“, als ich sie hinterher warf. Er verschwand, tauchte hinab auf den Grund. Es herrscht eine drückende Stille. Joachim meinte, wenn wir ihn genug beschweren würden, würde er nie wieder auftauchen. Und wenn doch, wäre es auch nicht so schlimm. Niemand hier würde die Polizei rufen. Wir würden ihn einfach wieder zurück auf den Grund befördern. Als wir zum Auto gingen, musste ich mich übergeben. Joachim verdrehte die Augen. Ich verstand nicht, wie es ihn so kalt lassen konnte. „Was stellst du dich so an? Es war bloß irgendein scheiß Ausländer“, sagte er und stieg betont lässig ins Auto. Nur irgendein Ausländer. Jemandes Sohn.

Ich sitze am Boden und starre das Handy an. Mein Körper ist immer noch außer Kontrolle. Nichts gehorcht mir. Das Telefon vibriert in meiner Hand. Es dauert eine Ewigkeit, bis ich es schaffe, die eingehende Nachricht zu öffnen.


Du weißt was zu tun ist!

Nein, weiß ich nicht. Was soll ich den tun? Mir rinnt heißer Speichel im Mund zusammen. Gerade noch rechtzeitig beuge ich mich über das Waschbecken und würge den Kaffee hoch. Soll ich etwa die Polizei rufen? Nein, das geht nicht. Michael und Stefan können nichts dafür. Ich muss sie beschützen. Wer dann? Wer hat Schuld, an diesem schrecklichen Verbrechen? Mein Kopf schmerzt und ich fühle mich ausgelaugt.

Wagner“, spreche ich laut aus.

Er hatte es befohlen. Er hatte den Jungen ewig gepredigt, wie wertlos Ausländer sind. Sie hatten außerdem keine andere Wahl. Und plötzlich weiß ich, was zu tun ist. Ich stecke das Handy in die Jackentasche, das große Küchenmesser in meine Handtasche und greife nach meinen Autoschlüssel. Es ist nur ein kurzer Weg, aber trotzdem.

Als ich anläute, öffnet er mir die Tür. „Emma“, sagt er überrascht, bittet mich dann aber rein. „Was gibt es?“

Ich halte mich nicht mit Erklärungen auf und ziehe einfach das Messer aus meiner Tasche. Ich steche zu. Wagner reißt die Hände hoch und es gelingt ihm, meinen ersten Versuch abzuwehren. Er holt aus und will mich wegstoßen, aber ich bin schneller. Ich ramme das Messer in seinen Bauch. Und wieder. Und wieder. Ein Schmerz durchfährt meine Hand. Das ganze Blut hatte die Schneide und den Griff schmierig gemacht. Ich bin abgerutscht und habe mir in die Finger geschnitten. Egal. Ich ziehe das Messer wieder heraus, Wagner schreit vor Schmerz und drückt seine Hand auf die Wunde. Er versucht die Blutung zu stoppen. Ein metallischer Geruch liegt in der Luft. Diesen Moment nutze ich und schlitze ihm die Kehle auf. Sein Mund steht offen und die Augen sind weit aufgerissen. Erstaunt sieht er mich an und kippt zur Seite. Es klingt, als würde er ertrinken. Ein Gurgeln. Ich warte, denn ich will sicher sein, dass er tot ist. Dann suche Marga, aber sie ist nicht im Haus. Wahrscheinlich wäre sie sonst längst in den Vorraum gekommen. In seinem Badezimmer wasche ich mir das Blut von den Hände und dem Gesicht. Mein blaues T-Shirt ziehe ich aus, drehe es um und trage nun die saubere Seite vorne. Meine Jacke ist schwarz, man sieht auf den ersten Blick die Flecken nicht. Aus einem Badezimmerschrank suche ich etwas Verbandszeug und kümmere mich notdürftig um meine verletzte Hand. Der Schnitt ist nicht sehr tief, zieht sich aber durch alle vier Finger. Auf dem Weg zu meinem Auto steige ich über ihn hinweg. Ist ja bloß irgendein Nazischwein.

Im Auto ziehe ich das Handy aus der Tasche. Kurz darauf erscheint eine Nachricht.

Falsch.

Angestrengt atme ich aus. Okay, wer dann? Ich fahre langsam nach Hause, grüße zwei Nachbarn, die mir mit dem Auto entgegenkommen. Ich parke in der Garage und betrete direkt das Haus. Wer dann? Diese Frage dreht sich wie ein Karussell in meinem Kopf. Ich gehe duschen, ziehe mir etwas sauberes an und versuche, das Blut aus meiner Kleidung zu waschen. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit. Unten öffnet sich die Tür. Da weiß ich es. Joachim.

Joachim?“, rufe ich und im Gegensatz zu sonst, folgt er genervt meiner Stimme. Verzweifelt suche ich nach einer Möglichkeit. Das Küchenmesser war noch in meiner Handtasche. Etwas schärferes als eine Rasierklinge im Badezimmer war im oberen Stockwerk nicht zu finden. Schlecht durchdacht, Emma. Joachim steht am Treppenansatz. „Was ist passiert?“, fragt er und greift nach meiner verletzten Hand.

Ich habe mich geschnitten“, antworte ich ihm und will meine Hand wegziehen. Doch er lässt nicht los.

Wagner wurde ermordet“, sagt er trocken. Seine kalten Augen fixieren mich. Hatte mich jemand gesehen? Konnte die Polizei so schnell meine DNA nachverfolgen? Ich schlucke, denn eigentlich hatte ich damit gerechnet, etwas Zeit zu haben.

Ich…“

Ja, furchtbar! Einfach abgestochen in seinem Haus, noch im Vorraum. Die arme Marga, sie hat ihn gefunden, als sie vom Einkaufen nach Hause kam“, fällt mir Joachim ins Wort. Er lässt meine Hand los. „Ich glaube, es waren die Eltern von.. du weißt schon…“

Ich lache erleichtert auf. Joachim ist verwirrt.

Was ist daran so lustig?“, seine Stimme bebt. „Ist dir klar, was das für uns bedeutet?“

Es klingelt an der Tür. Mein Mann blickt die Treppe hinab. Er hat Angst und denkt bestimmt, nun würden sie ihn holen. Ich mache mir die Gelegenheit zu nutze und stoße ihn so fest ich kann von mir. Er kippt rücklinks, sucht noch Halt, aber schafft es nicht. Es poltert laut. Unten bleibt er liegen. Er rührt sich nicht. Es klopft.

Hallo, alles in Ordnung?“, sagt eine Männerstimme vor der Tür. Ich eile auf Zehenspitzen die Treppe hinab, atme tief durch und öffne die Tür einen Spalt. Hoffentlich ist Joachim nicht zu sehen.

Hallo, ja mir geht es gut. Ich bin nur die letzten paar Stufen abgerutscht, aber es ist nichts passiert“, sage ich und lächle breit. Unser Briefträger nickt.

Da haben Sie aber nochmal Glück gehabt, es hätte auch anders ausgehen können. Ich habe ein Paket für Sie, wenn Sie bitte noch hier unterschreiben…“, er hält mir ein Tablet hin. Ich kritzle wie gewohnt etwas darauf, was nicht annähernd meiner Unterschrift gleicht.

Heute ist wohl nicht Ihr Tag, was?“, fragt er mich. Ich sehe erstaunt auf. Stand Joachim etwa hinter mir? Hatte ich noch Blut im Gesicht? Er deutet auf meine Hand.

Das? Ach so, ja das. Stimmt, ja, nein, heute ist wohl nicht mein Tag. Ich hab mich geschnitten. Beim Fleisch zerlegen“, sage ich und nehme das Paket entgegen.

Dann passen Sie auf sich auf“, meint er freundlich und geht. Ich schließe die Tür und drehe mich um. Joachim liegt mit offenen Augen am Boden und starrt mich an. Ich will seinen Puls fühlen, weiß aber nicht wo genau und suche meinen eigenen Hals ab. Dann halte ich meinen Finger an die Stelle, wo ich seinen vermute. Ganz schwach zuckt es. Ich steige über ihn hinweg, es war ja bloß ein schlechter Ehemann. Er liegt auf einem kleinen Teppich, mit dem ich ihn unter größter Anstrengung zur Kellertür zerre. Als ich sie öffne, stöhnt Joachim gequält auf. „Ach komm schon, stell dich nicht so an“, sage ich zu ihm, dann trete ich ihn die Kellertreppe hinab. Ich sperre ab und hole das Handy aus meiner Jackentasche.

Falsch.

Verdammt. Das Handy schiebe ich in meine Hosentasche. Ich setze mich an den Küchentisch, schenke mir ein Glas Rotwein ein und überlege. Wer dann? Das Glas ist schnell leer, ich schenke nach. Im Haus herrscht eine drückende Stille. Ich lege meine Stirn auf den Tisch und schließe für einen Moment die Augen. Der Wein macht mich etwas benommen, aber auch ruhiger. Das Karussell dreht sich weiter.

Ich hole das Bettzeug aus dem Trockner, falte es ordentlich und gehe in Michaels Zimmer, um sie im Schrank zu verstauen. Ein paar Socken liegen am Boden, ich hebe sie auf und möchte sie in seine Schublade legen. Da stocke ich. Darin sehe ich Fotos liegen. Das Bild auf dem fremden Handy ist eines davon. Verzweiflung wickelt sich wie eine Boa um meinen Brustkorb und drückt mir die Luft ab. In meiner Hilflosigkeit tippe ich meine eigene Telefonnummer ein und drücke auf den grünen Hörer. Mein Klingelton ruft mich wie eine Sirene in den Flur.

Michael ruft an.

Ich höre einen Schlüssel in der Tür und bevor ich reagieren konnte, stürzt Stefan auch ins Haus. Verwirrt reibe ich mir die Augen.

Mama, komm!“, ruft er aufgeregt und zerrte mich hoch.

Was ist denn los?“
„Wir haben keine Zeit, Michael dreht durch. Bitte komm“, er ist außer sich, seine Stimme ist schrill und Schweiß steht ihm auf der Stirn.
Wir sind in der Garage. Ich höre einen wutentbrannten Schrei. Stefan ist im Haus angekommen.

Ich kriege dich, du Schwein, das wirst du büßen! Wenn ich dich erwische, dann bring ich dich um! Niemand wird dir glauben!“

Im Flur höre ich, wie Bilder von den Wänden fallen. Er wirft Möbel um. Wir verstecken uns hinter meinem Auto. Es ist zwar nicht abgesperrt, aber die Schlüssel sind noch in meiner Jackentasche. Wir sind ganz leise, ich höre Michael toben. Mir tut es im Herzen weh, ich weiß nicht, was er hat. Aber Stefan ist angsterfüllt. „Was ist passiert? Weißt du etwas über das Handy?“, flüstere ich.

Welches Handy? Nein Mama, er hat eine Waffe.“

Was, wo hat er die her?“

Aus Vaters Arbeitszimmer, er kennt den Code vom Safe“

Was ist passiert, warum dreht er so durch?“

Ich habe gesagt, er soll aufhören, mich ständig mit den Fotos quälen…Du weißt schon, welche.“

Ich nicke. Es ist leise geworden im Haus. Ich halte die Luft an. Stefan auch. Im Haus fällt ein Schuss. Mein Herz pocht laut und wild. Ich bin davon überzeugt, dass es Stefan direkt zu uns führt. Die Tür quietscht. Er hat uns gefunden.

Stefan steht in der Garage. Er hat tatsächlich Joachims Pistole in der Hand.

Michael, was tust du da? Nimm die Waffe runter!“, sage ich entsetzt. Meine Stimme klingt hysterisch. Ich stelle mich schützen vor Michael.

Mutti, geh bitte weg von ihm. Sofort!“, schreit er, sein Gesicht ist zu einer schrecklichen Fratze verzogen. Beinahe erkenne ich ihn nicht.

Los! Komm her! Der Scheißkerl ist ein Lügner. Er spielt ein falsches Spiel. Ich verspreche dir, ich erkläre dir alles. Aber bitte… Du weißt nicht, was er uns alles angetan hat!“ Tränen strömen über sein Gesicht. Seine Hand zittert, der Lauf der Waffe ist trotzdem auf uns gerichtet.

Okay, ich komm zu dir. Du hörst aber auf, auf Mama zu zielen“, sagt Stefan. Er geht langsam mit erhobenen Händen auf Michael zu, ich will ihn aufhalten, aber schüttelt mich ab. Ich suche nach beschwichtigenden Worten, doch ich komme nicht mehr dazu etwas zu sagen, Stefan schlägt ihm die Waffe aus der Hand und es kommt zu einem Gerangel der Zwillinge.

Hört auf, nein! Ich will nicht das ihr euch wehtut, wir können über alles reden! Egal was passiert ist, wir finden eine Lösung!“

Ich will dazwischen gehen, doch Michael stößt mich weg. Er sitzt auf Stefan, legt die Hände um seinen Hals und drückt zu. Etwas benommen rappel ich mich auf, ich habe mir den Kopf an einem Regal gestoßen. Blut rinnt mir über die Stirn und ich wische es mit dem Handrücken weg. Vor mir liegt die Waffe.
„Stefan bitte, lass ihn los“, schluchze ich. Ob mir Tränen oder Blut über die Wangen läuft, weiß ich nicht.

Er ist doch ein Bruder, er ist schon ganz blau.“

Ich sehe wie Stefan kämpft und versucht, die Hände von einem Hals zu lösen.

Lass ihn los, du bringst deinen Bruder noch um!!“

Er schüttelt den Kopf.
„Nein, das hat jetzt alles ein Ende.“

Stefan zappelt verzweifelt unter Michaels Körpergewicht. Er wird immer langsamer und kraftloser. Ich will wieder dazwischen gehen, doch da sehe ich sie liegen. Die Waffe. Sollte ich? Nein, er ist doch mein Sohn… Da erschlaffen Michaels Beine, seine Hände lassen los und fallen zur Seite.

Nein!“, schreie ich verzweifelt, nehme die Waffe und drücke ab.

Der Rückstoß ist überraschend. Die Waffe verzieht. Nach dem Schuss folgt Stille. Dann kippt Michael von Stefan hinunter. Ich heule auf, lasse die Waffe fallen. Mein Baby. Ich habe auf mein Baby geschossen. Auf allen vieren rutsche ich zu ihm, nehme Stefans Kopf in die Hand.
„Ruf einen Krankenwagen“, brülle ich und drücke die Hand auf die Wunde an seiner Brust. Immer mehr Blut strömt aus ihm, ich schaffe es nicht zu stoppen.

Bitte bleib bei mir“, flüstere ich und streiche Michael übers Gesicht. Den Schmerz, der mir durch die Glieder fährt, ist unbeschreiblich. Er stirbt in meinen Armen.

Gratuliere! Du liegst endlich richtig, Mutter.“

Ich sehe auf. Stefan steht vor mir. Er hat die Waffe in der Hand und zielt auf mich.
„Was…?“

Aber ich kann den Satz nicht zu Ende sprechen. Er drückt ab.

Ich sitze vor dem Haus, die Polizei hat mir eine Decke und Tee gegeben. Es ist alles abgesperrt und voller Blaulicht. Zwei Leichen haben sie schon aus dem Haus geschafft. Eigentlich ziemlich spannend. Ich soll jetzt hier warten, bis mein Onkel mich abholen kommt.

Das meine Mutter gestört war, das wusste ich ja. Aber das sie gleich zum Rambo mutiert und eine Vendetta anzettelt hätte ich nicht erwartet. Respekt. Wagner, meinen Vater, meinen Bruder. Mehr als ich gehofft hatte.

Ich muss mir das Grinsen verkneifen und nehme schnell einen Schluck Tee. Da kommt wieder die Kommissarin von vorher. Sie setzt sich zu mir.

Michael, ich weiß, dass es heute sehr viel für dich war. Ich möchte nur sicher gehen, dass ich es richtig verstanden habe. Du denkst, deine Mutter ist durchgedreht, weil Stefan nach einem Fußballspiel einen Jungen zu Tode geprügelt hat?“

Ja, es war furchtbar. Es waren viele Leute da, keiner hat eingegriffen. Ich meine, nie hat jemand eingegriffen. Stefan war immer schon verrückt. Er hat beobachtet, wie meine Eltern die Leiche weggebracht haben. Jede Nacht kam er in mein Zimmer und hat mir die Fotos gezeigt, die er davon gemacht hatte. Und von der Leiche.. Ich hab dann immer ins Bett… Ich konnte es nicht verhindern.“ Ich schlucke, eine kunstvolle Pause. „Es ist ein Albtraum, der nicht enden will. Meine Mutter löscht meine Ganze Familie…“ Mir kommen die Tränen. Die Kommissarin legt mitfühlend den Arm um mich. „Es tut mir unendlich Leid“, sagt sie.

Ich vergrabe mein Kopf in ihrer Schulter. Dann bringen sie die Leiche meines Bruder raus. Ich sehe zu.

Keine Angst, Stefan kann dir nichts mehr tun“, sagt sie. Ich nicke. Ja. Stefan, der Wilde und Unberechenbare. Michael, der Sensible und Verletzte. Eine arme Seele, die ständig von unserer Mutter beschützt werden musste. Zu nichts fähig. Wie gut nur, dass ich nicht Michael bin. Der Penner war bei der Polizei und hatte die Fotos, die ich heimlich von unseren Eltern gemacht hatte abgegeben. Er wollte, dass ich ins Gefängnis komme, aber darauf hatte ich keine Lust.

Ich sehe zu, wie ein Sarg nach dem anderen in den aus dem Haus getragen wird. Na dann, danke Bruder für den Freifahrtschein. Ich werde das Beste aus deinem Leben machen.

 

22 thoughts on “Deadline Day

  1. Hey, ganz schicke Geschichte mit einem eindrucksvollen Finale. Ich hätte vielleicht die Charaktere noch etwas heterogener mit etwas mehr Gewissen angelegt. Ist aber Geschmackssache. Tippe gleich aufs Herz. Grüße Ghostwriter (tu(t) mir leid)

  2. Tolle Story!

    zwischendurch bin ich mit den Namen durcheinandergekommen aber das musste ja so sein wenn man ans ende kommt! die geschichte hat potential auf mehr!!
    mein Like hast du

    Daniel / thomaskaufmann11
    Geschichte: Black Mask

  3. Moin,

    Stefan, Michael…wer ist wer? Und ist es vllt gewollt? Starke Geschichte und das Ende erklärt einiges. Dein Schreibstil wirkte auf mich aber wie eine Aufzählung. Irgendwie fehlte ihr der Flow. Aber der Plot deiner Geschichte ist klasse! Und darum geht’s ja…einfach eine gute Geschichte erzählen und das ist dir gelungen.

    LG Frank aka leonjoestick ( Geschichte: Der Ponyjäger)

  4. Mir hat Deine Geschichte wirklich sehr gut gefallen… Du hattest mich von Anfang an. Die Szene im Bad zu Beginn, das Thema Rassismus (leider brandaktuell) und die lieben Nachbarn. Auch die Formulierung „Jemandes Sohn“ wird bei mir nachhallen. Eine wirklich spannende und gelungene Geschichte. Top!

    Ja, mein rotes Herz hast Du :-). LIKE!

  5. Hallo, ophelia010,

    was für ein Ritt! Eine tolle, temporeiche Gerschichte mit vielen Wendungen und aktuellem Thema. Die Story hat viel Potenzial und würde durch eine ausführlichere Zeichnung der Charaktere noch mal an Profil gewinnen. Dabei würde mir der Einsatz von mehr Dialogen sehr gut gefallen. Ob unsere lieben Nachbarn und Hauptakteure wirklich so abgebrüht sind…schriftstellerische Freiheit. Auf jeden Fall ein Riesending, das dir aus der feder geflossen ist. Für mich gehört sie zu den besten Geschichten, die ich bis jetzt gelesen haben und ist ein ganz fettes Like wert!

    Viele Grüße
    Rolf Lindau (auch mit einigen Geschichten in diesem Wettbewerb vertreten…)

  6. Liebe Ophelia,
    ich bin immer noch etwas zerstört von deiner Geschichte (im positiven Sinn ;)). Du hast die Geschichte meiner Meinung nach extrem gut aufgebaut. Anfangs streust du ein paar Hinweise, dass etwas Einschneidendes in dieser Familie passiert sein muss, dann der Cliffhanger im letzten Satz des ersten Abschnitts, echt gut gelungen. Ein sehr aktuelles Thema, was du mit dem Tod des Jungen ansprichst, dann die mordende Mutter und am Ende noch der Plot mit den Zwillingen. Für eine Kurzgeschichte vielleicht etwas viel auf einmal, aber du hast es gut verpackt. Du hättest allerdings auch locker einen ganzen Roman mit der Geschichte füllen können 😉
    Mein Herz hast du auf jeden Fall.

    Liebe Grüße, Annika (Null Negativ, falls du Lust hast vorbei zu schauen)

  7. Hallo Ophelia,
    mein Kompliment zu Deiner Geschichte.
    Ich habe die „feine deutsche Gesellschaft“ beinahe bildlich vor mir gesehen. Toll beschrieben und leider brandaktuell – somit hast Du Deiner Geschichte noch eine echte Relevanz hinzu gefügt.
    Während des Lesens hat mich das Vermischen der Namen (Stefan-Michael-Stefan..) etwas gestört, doch das hat sich am Schluss dann ja als durchaus sinnvoll und sicher gewollt herausgestellt. Einzig die Erzählperspektive stört mich ein wenig. Die Geschichte ist in der Ich-Erzähler-Perspektive geschrieben. Dann kann sie aber eigentlich nur einer Person gehören. Auch wenn dadurch ein gewisses Überraschungsmoment erzeugt wird, empfinde ich das als etwas störend.
    Aber ansonsten gefällt mir die Geschichte ausgesprochen gut. mein Like hast Du!

    LG,
    der schweenie

    P.S. vielleicht hast Du ja Zeit und Lust, auch meine Geschichte zu lesen und ein Feedback da zu lassen.
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/glasauge

  8. Liebe Ophelia, ich kann mich meinen VorrdednerInnen nur anschließen. Verstehe nicht so ganz, wieso die Story erst so vergleichsweise wenig Likes hat; aus meiner Sicht hat sie mehr verdient. Die Idee, dass sie sich quasi mordend herantastet – und dramatischerweise immer den Falschen erwischt – finde ich grandios! Und ich mochte auch die Beschreibung ihrer Person und ihres Lebens, ebenso wie die der wundervollen Gesellschaft, die sie umgibt. Super finde ich auch, wie Joachim beschrieben wird; beste Szene: Er hat uns schon ausgeblendet. Klasse.
    Mir war nur nicht klar, dass die liebe Marga Wagners Frau war, aber das ist kein Problem.
    Alles andere (Namensverschwurbelungen) wurde schon gesagt.
    Vielleicht kannst Du im Rahmen einer möglichen Ausarbeitung für eine extended version noch verstärkt auf die Zeiten achten – Du hattest ja das Präsenz gewählt, fällst aber manchmal aus gar keinem Grund ins Imperfekt (bspw bei der Szene, in der der arme Junge totgeprügelt wird).

    Unterm Strich ein wirklich toller Beitrag!

    Kollegiale Grüße! Kathrin aka scripturine / Die Nacht, in der das Fürchten wohnt

  9. Liebe Barbara,
    was für eine tolle Geschichte. Sie hat mir super gut gefallen. Auch dein Schreibstil ist klasse! Eine der besten Geschichten hier, für mein Empfinden. Was mich etwas verstört hat, waren die Namensverwechslungen. Stefan, Michael, dann wieder Stefan… Vielleicht ist es gewollt, aber für den Leser doch recht anstrengend. Irgendwie passt es für mich nicht. Am Ende… klar, da muss es sein. Aber in der Szene davor? Es ist doch aus der Sicht der Mutter und die kann ihre Zwillinge auseinander halten. Außerdem soll der Leser ja die Handlung nachvollziehen können und da ist das ständige Namentauschen irgendwie fehl am Platz. Wenn das nicht wäre, wäre es perfekt!
    Liebe Grüße aus dem Maislabyrinth, Andrea

  10. Liebe Ophelia,

    Happy Deadline Day! Meine Liste der noch zu lesenden Kurzgeschichten wurde gefühlt immer länger, je näher der 30.09. kam – aber geschafft! Ein Herz für Deine Geschichte am letzten Tag. Hoffentlich werden es noch ein paar!

    Ich war mir nicht sicher, ob ich mir mehr Dialoge und eine insgesamt noch intensivere, längere Geschichte gewünscht hätte, oder ob die Verwirrungen und Wendungen in ihrer Proportion so gewollt und perfekt waren.

    LG aus Hamburg
    Chris
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/identitaet-6

  11. Liebe Ophelia,

    deine Geschichte stand schon lange auf meiner Leseliste – gerade noch geschafft 😉

    Ein leider aktuelles Thema, das du da aufgegriffen hast. Bis zu dem Fußballspiel kam ich auch ganz gut mit, doch dann wurde es ein wenig „durcheinander“, wie hier zum Beispiel:

    „Stefan steht in der Garage. Er hat tatsächlich Joachims Pistole in der Hand.

    „Michael, was tust du da? Nimm die Waffe runter!“, sage ich entsetzt. Meine Stimme klingt hysterisch. Ich stelle mich schützen vor Michael.““

    Dass tatsächlich Stefan da stand – oder Michael? – jetzt bin ich selbst schon ganz durcheinander… Im zweiten Satz jedenfalls redet sie mit Michael mit der Waffe und stellt sich gleichzeitig schützend vor ihn, Michael….
    Ich glaube, du hast schon grundsätzlich den Leser verwirren wollen, aber das ist trotzdem durcheinander, oder?

    Und eine Frage hat mich durchweg beschäftigt: Warum, wenn so viele doch auf dem Fußballplatz dabei waren, macht sie sich dann so verrückt, wenn es jemand gesehen hat? Und warum tötet sie dann direkt diejenigen, von denen sie ausgeht, dass der Erpresser das möchte?

    Grundsätzlich kann ich dir empfehlen, die Geschichte immer mal gegenlesen zu lassen.
    Bitte nimm mir die Kritik nicht übel, ist echt nicht böse gemeint.

    Und ob du es jetzt glaubst oder nicht – weil ich jetzt so verwirrt bin und das Ende echt gut fand, gebe ich dir ein Like 🙂

    LG & alles Gute,
    Yvonne / voll.kreativ (Der goldene Pokal)

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