Sarah SchreinerDer Anruf

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Die Stille des dunklen Wintermorgens wurde durch das Klingeln von Mareikes Wecker durchbrochen. Mareike stand, wie üblich, früh auf um vor der Arbeit ihre Joggingrunde um den nahe gelegenen See zu machen. Sie zog ihre Sportkleidung an, legte ihren dicken Wollschal um, schnürte sich ihre Laufschuhe fest zu und erstarrte kurz vor ihrer Wohnungstür. Seit einigen Monaten, genauer gesagt nach der Trennung von Chris, ist alles anders. Ihre Angst verfolgt zu werden hatte sich in den letzten Wochen verstärkt. Dauerhaft hat sie das Gefühl, dass er in ihrer Nähe ist. Sie sah ihn aber nie. In der dunklen Jahreszeit übermannt sie dieses Gefühl zeitweise so sehr, dass sie ihre Joggingrunden nicht wie gewohnt vor der Arbeit, sondern nachmittags im Tageslicht unternahm. Heute hatte sie sich allerdings fest vorgenommen dieses Gefühl und die Angst nicht gewinnen zu lassen. Sie joggte los. Nach wenigen Minuten, auf dem Weg zum See, fiel die Angst langsam von ihr ab. Sie genoss die frische Winterluft und die Ruhe der noch schlafenden Stadt. Die Runde um den See dauert etwa eine Stunde. Er war dicht bewachsen von Schilf und anderen Gräsern. Nur stellenweise gab es einen angelegten Weg zum wandern. An einer, zur Hälfte mit Schilf bedeckten Bank, machte Mareike kurz Halt um ihre Dehnübungen zu machen. Als sie ihr Bein auf der Bank durchstreckte und ihren Oberkörper weit nach vorne beugte, konnte sie im Schilf etwas liegen sehen. Vorerst beachtete sie es nicht und dehnte sich weiter. Kurz bevor sie weiter laufen wollte sah sie diese Tüte mit einem kleinen dunklen eckigen Gegenstand noch mal und die Neugier siegte. Sie ging ein paar Schritte auf das Schilf zu und trat dabei mit einem Fuß auf das dünne Eis und brach ins Wasser ein. Sie fluchte vor sich her: „Warum muss ich immer so neugierig sein?“ Tat dann aber einen weiteren Schritt tiefer ins Wasser um an die Tüte zu kommen, die sie schließlich erreichen konnte. Als sie die Tüte aufhob entdeckte sie darin ein Handy. Sie nahm es in die Hand. Es ließ sich ohne Identifizierung entsperren. Es öffnete sich ein Foto. Mareike ließ vor Entsetzen das Handy fallen, machte ein paar große Schritte zurück und stieß gegen die Bank. Ihre Augen füllten sich schlagartig mit Tränen. Nach einigen tiefen Atemzügen und trotz großer Zweifel hob sie das Handy vom leicht schneebedeckten Boden auf. Sie konnte nicht glauben, was sie sah. Auf dem Handy, welches sie in einer Plastiktüte im Schilf des Sees halb im Wasser, an der Parkbank wo sie immer ihre Dehnübungen macht, liegend gefunden hat, ist ein Bild von ihr. In Panik steckt Mareike das Handy kurzerhand in ihre Jackentasche und läuft so schnell sie kann zurück in ihre Wohnung. Zuhause angekommen, legt sie das Handy mit ausgeschaltetem Display auf den Küchentisch und starrt es minutenlang stillschweigend an. Sie glaubt jetzt völlig verrückt geworden zu sein: „das ist unmöglich, nur einer kennt den genauen Verlauf meiner Joggingrunden.“ Chris. Sie entsperrt das Handy und sieht sich das Bild abermals an. Es ist ein aktuelles Foto, aus der Entfernung mit Weitwinkel aufgenommen, wie sie in ihr Auto einsteigt. Es wurde aus einem Auto heraus fotografiert. Man sieht einen charakteristischen Anhänger am Innenspiegel des Autos pendeln, den Mareike sofort wieder erkennt. Es ist also doch nicht nur ein Gefühl, dass Chris in der Nähe ist. Er ist es wirklich. Die Panik steigt wieder in ihr hoch. Sie überlegt, ob sie ihre Psychologin anrufen soll. Aber es erschien ihr so verrückt, dass sie sich dagegen entschied und stattdessen eine Tablette des ihr verschriebenen Beruhigungsmittels Tavor nahm. Der Alptraum sollte doch nach der Trennung endlich vorbei sein. Jahrelang wurde sie in der Beziehung von Chris erniedrigt, geschlagen und seelisch gefoltert. Er sperrte sie zuhause ein und unterbrach sämtliche sozialen Kontakte Mareikes, um vollständige Kontrolle über sie zu haben. Es brauchte 7 Anläufe um sich schlussendlich von Chris zu trennen. Danach begann bei ihr die Angst, Panik und der Verfolgungswahn. Er stellte ihr nach, rief sie andauernd an, schickte ihr Tut-mir-leid-Karten und Blumen. Aber seit einigen Tagen war Ruhe eingekehrt und Mareike dachte, dass sie sich nun endlich aus den gewalttätigen Fängen von Chris befreien konnte und er sich mit der Trennung abgefunden hat. Sie fing bitterlich an zu weinen und fragte sich unablässig, was sie sich in ihrer Angst nur vorgestellt und wo sie Chris nicht doch wirklich gesehen hatte. Sie ging ins Wohnzimmer, legte sich auf die Couch, deckte sich mit ihrer Strickdecke zu und schlief mit dem Handy in der Hand vor Erschöpfung ein. Als sie erwachte, war es dunkel draußen. Mareike dachte, dass sie nur ein paar Minuten weg genickt sei, aber es war Nacht. Auf dem Weg ins Badezimmer schweifte ihr Blick kurz in ihren großen Spiegel der im Flur hing. Sie stoppte, ging zurück und schaute genauer hin. Ihr Lippenstift war verschmiert. Aber sie trug doch zum joggen keinen Lippenstift auf? Am Morgen traf sie auf dem Weg zur Arbeit ihre betagte Nachbarin Frau Müller im Hausflur. Nach kurzer, freundlicher Begrüßung, fragte Frau Müller ganz unverblümt was Mareike gestern Abend in ihrer Wohnung gemacht hätte was so einen Lärm verursachte. Mareike stutzte, sie schlief doch Dank der Tavor bis spät nachts durch? Sie ließ sich ihre Verwunderung nicht anmerken und überlegte sich eine kurze Ausrede: „Ich habe umgeräumt. Sie kennen das ja, manchmal braucht es eine andere Perspektive.“ Frau Müller winkte ab: „Ja da haben Sie recht, manchmal muss man es mal aus einer anderen Perspektive sehen.“ Die beiden verabschiedeten sich höflich. Mareike lief verwirrt zu ihrem Auto, stieg ein und fuhr los. Auf der Fahrt ins Büro war sie völlig in Gedanken versunken: „Was hat Frau Müller nur gemeint?“ Schlussendlich entschied sie sich, Frau Müller nicht ernst zu nehmen. Sie ist schließlich schon 83 Jahre alt, wer weiß was sie gehört haben will. Im Büro angekommen wird Mareike sofort in das Büro ihres Chefs gewunken. Er ist starker Choleriker, der an Allem etwas auszusetzen hat. Sie schließt die Bürotür hinter sich und er legt sofort los: „Was haben Sie sich gedacht, gestern ohne Meldung nicht zur Arbeit zu erscheinen? Wenn Sie diesen Job nicht nötig haben, können Sie gerne wieder gehen und brauchen auch Morgen nicht wieder zu kommen!“ Mareike schossen die Tränen in die Augen und sie sagte: „Es tut mir sehr leid Herr Böhm, das wird nicht noch einmal vorkommen.“ Herr Böhm schrie sie weiter an, aber Mareike hörte es nicht mehr, ihr gingen andere Dinge durch den Kopf. Was war gestern nur passiert? Soll ich es jemandem sagen? Was soll ich jetzt machen? Ob ich Chris anrufen soll? Selten hatte sie so viele Gefühle gleichzeitig, Angst, Verzweiflung, Wut und Ärger über sich selbst. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und versuchte sich mit Arbeit abzulenken, was ihr allerdings nicht gelang. Zum Feierabend rief ihr Chef ihr nach: „Und Morgen sind sie pünktlich!“ Auf dem Weg nachhause stand Mareike in einem nie enden wollenden Stau, ein Autofahrer nahm ihr die Vorfahrt und im Briefkasten lag wieder mal eine hohe Rechnung. Die Wut in ihr stieg. Sie setzte sich an ihren Küchentisch, nahm das fremde Handy und sah sich das Foto von ihr erneut an. Es machte sie wütend, dass Chris sie nicht in Ruhe ließ. Sie schrie das Handy laut an: „Was willst du noch von mir? Du hast mir alles genommen! Ich kann nicht mehr.“ Sie warf das Handy rasend vor Wut in die Ecke. Im nächsten Augenblick war alles anders. Mareike sah auf und hatte ein enormes Grinsen im Gesicht. Sah sie plötzlich anders aus? Sie lachte unheimlich laut und verschwand im Badezimmer. Als sie eine Stunde später heraus kam, war sie gestylt, geschminkt und bester Laune. Sie nahm aus dem Kleiderschrank ihr kleines Schwarzes, zog sich die High Heels an und verließ schnurstracks die Wohnung. Im nächstgelegenen Club angekommen, bestellte sie sich einen Gin Tonic, dabei trank Mareike gar keinen Alkohol, und sah sich um. Es dauerte nicht lange bis sich der erste Mann neben sie setze und das Gespräch suchte: „Hallo Kleines, na wie heißt du? Ich bin Stefan.“ Sie lächelte vor sich hin, nahm einen großen Schluck ihres Gin Tonics und antwortete: „Hallo Stefan, ich bin Jane.“ Jane…? Sie unterhalten sich kurz aber intensiv und beschließen gemeinsam zu Janes Wohnung zu fahren um sich dort zu amüsieren und den Abend ausklingen zu lassen. Um 2:00 Uhr nachts erwacht Mareike schweißgebadet, ihr ist kotzübel. Sie tastet im dunklen Schlafzimmer nach dem Schalter ihrer Nachttischlampe. Das Licht geht an und sie erschreckt. Ihre Hände sind blutrot verschmiert. Das Schlafzimmer ist verwüstet und ihr Abendkleid liegt auf dem Boden. Sie hatte es so lange nicht getragen, dass sie gar nicht mehr wusste, es im Kleiderschrank hängen zu haben. Sie schleppte sich mit letzter Kraft ins Badezimmer und übergab sich. Wo kamen nur die Übelkeit und die extremen Kopfschmerzen her? Sie glaubte eine Alkoholfahne zu haben, dabei trank sie doch bereits seit vielen Jahren keinen Alkohol mehr. Als sie sich ihre Hände genau ansah, konnten sie erkennen, dass alles voller Blut war. Aber wie kam das Blut an ihre Hände? Panisch wusch sie sich die Hände und färbte damit das Wasser und das Waschbecken rot. Sie lief angsterfüllt und überfordert durch die ganze Wohnung um nach einer Antwort zu suchen was hier passiert sein könnte. Aber es fanden sich keine Hinweise, alles war so geordnet wie sie es gewohnt ist, auch das Handy liegt immer noch in der Ecke der Küche wo sie es hingeworfen hatte. Sie nahm abermals eine Tavor um sich zu beruhigen, ging zurück ins Schlafzimmer, legte das Abendkleid über einen Stuhl und ging ins Bett. Sofort schlief sie ein. Am Morgen wachte sie völlig ausgebrannt auf und beschloss, sich bei der Arbeit krank zu melden, egal was ihr Chef dazu sagen würde. Nachdem sie eine Kleinigkeit gegessen und einen Kamillentee getrunken hatte, beschließt Mareike eine kleine Runde im Viertel spazieren zu gehen. Sie zog bequeme weite Kleidung an, legte sich ihren kuschelig weichen Wollschal um und verließ die Wohnung. Das Wetter war herrlich. Die Luft war kalt und es schneite ganz leicht. Ihre Nerven beruhigten sich langsam und sie atmete ruhig und bewusst die klare Winterluft ein. Sie ging durch einige kleine Gassen, die um diese Uhrzeit fast Menschenleer waren. Dort dachte sie ihre Gedanken ordnen zu können. Plötzlich überkam sie wieder dieses Gefühl. War sie noch alleine? Sie drehte sich mehrmals um, in dem Glauben verfolgt zu werden, konnte aber niemanden erblicken. Das heißt, sie konnte Chris nicht erblicken. Als sie fast nur noch hinter sich sah und fest damit rechnete, dass er jeden Moment hinter einer Mülltonne hervorspringt, läuft sie in einen ihr entgegenkommenden Menschen. Gedankenverloren dreht sie ihren Kopf nach vorne mit dem Blick nach unten und sagt: „ Bitte entschuldigen Sie meine Unachtsamkeit, ich habe nicht nach vorne gesehen.“ Sie denkt für eine Sekunde, dass ihr die Schuhe des Mannes bekannt vorkommen. Ihr Puls steigt. Sie richtet ihren Blick nach vorn und ist fassungslos. Es ist Chris. Sie war ihm direkt in die Arme gelaufen. „Ach Süße kein Problem, ich bin auch eher zufällig in der Gegend und freue mich dich spontan zu treffen.“ Mareike ist versteinert, sie kann sich keinen Zentimeter mehr rühren und ist Chris hoffnungslos ausgeliefert. Er beginnt abermals mit Entschuldigungsreden und möchte unbedingt ein Gespräch mit ihr führen und sagt: „Wir bekommen das wieder hin Süße, gemeinsam schaffen wir das. Wir lieben uns doch.“ Mareike kann vor Angst kaum klar denken, dreht ihren Kopf von ihm weg und antwortet ihm leise: „Du sollst mich in Ruhe lassen Chris! Es gibt zwischen uns nichts mehr zu sagen.“ Die Stimmung von Chris ändert sich merklich. Er greift sie fest am Arm und zieht sie zu sich heran: „Wenn ich dich nicht haben kann, kann dich keiner haben!“ Mareikes Panik wandelt sich in Wut. Während ihrer Psychotherapie hat sie gelernt die Angst umzulenken und das tut sie jetzt. Mit bestimmter Stimme fordert sie Chris auf sie los zu lassen und endlich einzusehen, dass es für die beiden keine Zukunft geben wird. Sie redet sich in Rage und Chris hört, ohne ein Wort zu sagen, verblüfft zu. Allerdings kann man ihm ansehen wie sein Kopf vor aufsteigender Wut rot wird. Unerwartet ist Stille. Sie dreht langsam ihren Kopf zu Chris, grinst ihn an und sagt: „Du hast Recht Liebling, lass uns zu mir gehen und wir reden darüber“. Chris ist irritiert, freut sich dann aber das Mareike zur Vernunft gekommen ist und mit ihm reden möchte. Gemeinsam gehen sie in Mareikes Wohnung. Dort angekommen, bietet sie Chris an sich auf die Couch zu setzen und fragt: „Darf ich dir etwas zu trinken anbieten Liebling?“ Er nimmt das Angebot dankend an und entscheidet sich für ein Bier. Er wundert sich immer noch ein wenig über das Verhalten von Mareike, hinterfragt es aber nicht weiter. In der Küche hört man ganz leise Selbstgespräche. „Es wird alles wieder gut Mareike. Ich bringe das für dich in Ordnung.“ Nicht Mareike hat Chris in ihre Wohnung gelassen. Es ist Jane… Sie öffnet ihm ein Bier und wirft heimlich eine halbe Tavor in die Flasche. Wartet ein paar Sekunden, bis es nicht mehr schäumt und geht mit der Flasche in der Hand ins Wohnzimmer, gibt Chris das Bier und setzt sich zu ihm auf die Couch. Chris beginnt erneut typische Entschuldigungen wie vom Band runter zu spulen. Es täte ihm alles Leid, es würde auch nie wieder vorkommen, dass er Mareike schlagen würde. Sie hätte auch alle Freiheiten die sie möchte. Er liebe sie noch so sehr und sie solle ihm bitte verzeihen. Jane sitzt ruhig da, hört ihm zu und lächelt ihn an. Sie wartet… Sie fordert ihn auf sein Bier zu trinken bevor es warm werden würde, er trinke es doch am liebsten eiskalt. Er guckte verdutzt, freute sich dann aber darüber, dass sie weiß, dass er sein Bier einkalt trinkt und trank in einem Zug die halbe Flasche leer. Allmählich merkt man Chris an, wie er seine Sätze langsamer über die Lippen brachte. Er merkte, dass etwas mit ihm nicht stimmte, wusste aber nicht was. Jane lächelte ihn weiterhin nur an und stimmte seinen Ausführungen nickend zu. Er konnte kaum noch seine Augen aufhalten und fragte: „Was ist hier los? Hast du mir etwas ins Bier gemischt? Das wirst du bereuen!“ Das letzte was er sah, bevor sich seine Augen schlossen war das breite Grinsen von Jane. Sie flüsterte ihm ins Ohr: „Du hast Mareike das letzte Mal weh getan, jetzt bist du dran!“ Sie ging in die Küche, holte einen Küchenstuhl, einen aufgeschnittenen großen Müllbeutel, Paketklebeband und ein großes Küchenmesser. Sie setzte Chris auf den Stuhl, unter dem sich der Müllbeutel befand und band seine Hände und Beine am Stuhl fest. Zur Sicherheit auch noch den Torso. Sie verbrauchte die ganze Rolle Paketklebeband und hoffte, dass es Chris, wenn er wütend aufwacht stoppen könnte. Es verging einige Zeit und Chris wachte völlig verwirrt langsam auf. Sofort war er rasend vor Wut und beschimpfte die vermeintliche Mareike bitterböse: „Dir werde ich es zeigen. Warte nur bis ich mich von den Fesseln gelöst habe. Dann wirst du dir wünschen ich hätte dich bereits umgebracht!“ Jane antwortete lachend: „Mareike ist nicht hier. Ich regle das für sie. Aber keine Angst Liebling, ich werde ganz vorsichtig sein.“ Sie hielt seinen Kopf zwischen ihrem linken Arm und ihrem Oberkörper fest und zog mit der linken Hand Chris’ Zunge soweit sie konnte aus dem Mund. Dann setzte sie das Messer an und schnitt ihm, ohne abzusetzen die Zunge ab. Chris verstummte. Er verfiel in einen Schockzustand und wurde Ohnmächtig. Um zu verhindern, dass er daran verblutete, nähte Jane den Zungenstumpf notdürftig zu. Nach einigen Minuten erwachte Chris und versucht zu schreien. Um Hilfe zu rufen. Zu seinem Entsetzen, ist das ohne Zunge fast unmöglich. Man sah ihm an wie du Wut in ihm hochstieg. Er brubbelte Beschimpfungen vor sich her, die Jane aber kaum verstand. Was sie aber auch nicht interessierte, jetzt war schließlich sie am Zug ihm etwas zu sagen. „Ach Chris, du hast ja keine Ahnung wozu ich fähig bin. Du hast Mareike genug geschadet. Durch deine traumatisierende Gewalt bin ich entstanden. Sie weiß nichts von mir und das soll auch so bleiben. Ich werde für sie die Rache an dir verüben. Du wirst Mareike nie wieder zu nahe kommen, sie ansprechen, sie anrufen oder ihr gegenüber gewalttätig werden. Dafür werde ich jetzt sorgen!“ Chris’ Pupillen weiteten sich, man sah ihm die Angst an die in ihm aufkeimte. Er versuchte weiter verzweifelt zu schreien. Ohne Erfolg. Jane verschwand kurz im Keller unter ihrer Wohnung und kam mit einer kleinen Fuchsschwanzsäge zurück. Chris’ Augen füllten sich mit Tränen, sein Puls stieg ins Unermessliche. Jane lachte und sagte: „Jetzt wirst du dafür bluten was du Mareike angetan hast!“ Sie setzte die Säge an seiner rechten Hand an und bewegte sie erst langsam, dann schneller werdend hin und her. Die groben Zähne fuhren hörbar über das Fleisch und fraßen sich immer tiefer in Chris’ Arm. Sie lachte dabei beängstigend laut. Chris liefen Tränen die Wangen herunter. Sie trennte ihm beide Hände, fein säuberlich, hinter den Handgelenken ab. Chris’ Zustand befand sich zwischen Wachheit und Bewusstlosigkeit. Sie nahm die abgetrennten Hände und die Zunge, verpackte sie in Gefrierbeutel und sagte zu Chris: „Die behalte ich als Andenken. Nun will ich mal sehen, wie du ohne Hände noch eine Frau schlagen und ohne Zunge beschimpfen kannst!“ Mit ihren blutverschmierten Händen ging Jane an die Tiefkühltruhe und verstaute seine Hände in der hintersten Ecke. Sie wischte das umher gespritzte Blut um Chris herum auf und ließ den Müll in der nächstgelegene Mülltonne in ihrer Straße verschwinden. Sie löste das Klebeband von Chris und hauchte ihm leise ins Ohr: „verschwinde hier!“ Er nahm seine letzten Kräfte zusammen und rannte aus Mareikes Wohnung. Jane ging furchteinflößend lachend ins Badezimmer, zog sich aus und stieg unter die Dusche. Sie stellte das Wasser auf 38 Grad Celsius und schloss fest die Augen. Schlagartig riss Mareike ihre Augen auf. Sie erschauderte: „Warum stehe ich jetzt unter der Dusche? Wo ist Chris?“ Sie stellte das Wasser aus, sprang aus der Dusche, schlüpfte schnell in ihren Bademantel und platzte aus dem Badezimmer. Niemand war zu hören. Sie führte laut Selbstgespräche: „Wie bin ich nachhause gekommen? Ich kann mich an nichts erinnern. Wieso hat er mich in Ruhe gelassen? Was war schon wieder passiert?“ Als sie sich um sah erblickte sie aus der Entfernung einen großen dunkelroten Fleck an der Tiefkühltruhe. Ihr Puls stieg, sie begann zu schwitzen. Sie näherte sich ganz langsam ihrer Tiefkühltruhe und erkannte, ein paar Schritte bevor sie sie erreichen konnte, dass es ein blutiger Handabdruck ist. Jede Faser ihres Körpers weigerte sich näher an die Truhe heran zu gehen. Sie wollte nicht wissen was sich darin befand. Sie ging einen weiteren, sehr zögerlichen Schritt darauf zu. Als sie ihre Hand ausstreckte und den Griff der Truhe fast erreicht hatte, klingelte plötzlich laut ein Handy. Sie erschrak bis ins Mark. Sie lauschte kurz und stellte schnell fest: „Das ist nicht mein Klingelton.“ Sie lief zügig durch alle Zimmer ihrer Wohnung, um heraus zu finden wo das Klingeln her kam. Schließlich endete ihre Suche im Wohnzimmer. Bei einem zögernden Blick zur Couch, sah sie es hinter einem ihrer großen Couchkissen aufleuchten. Sie fragte sich laut: „Wer sollte sein Handy hier liegen gelassen haben? Ich hatte tagelang keinen Besuch!“ Mit einem unentschlossenen, ängstlichen Griff fasste sie hinter das Kissen und zog das Handy hervor. In dem Moment als sie das Display zu sich drehte, legte der Anrufer auf. Das Handy wechselte in dieser Sekunde in den Bildschirmschoner. Mareike konnte das Foto für den Bruchteil einer Sekunde sehen, bevor das Display schwarz wurde. Es war ein Bild von Chris und ihr aus dem letzten Jahr…

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