LinayayDer fliegende Elefant

 

Sonja konnte ihren Augen nicht trauen.

 

Das ist nicht wahr. Nein, nein, nein, nein, nein!!!

 

Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass das echt sein konnte? Sonja konnte es sich nicht errechnen. In Mathe war sie nie so richtig gut gewesen. Lola, ihre beste Freundin, sagte oft, dass alles möglich sei, wenn man nur fest daran glaubt. In diesem Moment war sich Sonja jedoch nicht sicher, ob Lola sich nicht irrte. Sie hielt das Handy in ihrer verschwitzten Hand und wusste nicht ganz sicher, ob das Wetter oder ihre Angst ihre Schweißdrüsen so anregten.

 

     Sie starrte nochmal auf das Handy und auf die Bilder, die sich in der Galerie des Handys befanden.

 

Das ist verrückt. Das ist einfach verrückt.

 

Sie war besonders über eines der Bilder überrascht; das Selfie. Es war nicht irgendein Selfie. Das Handy, das sie soeben auf der Bank des Rheinparkes gefunden hatte, enthielt ein Selfie von ihr.

 

     Jetzt, einige Stunden nach dem Fund, befand sie sich in der Polizeiwache in Mülheim. Sie musste den Besitzer des Handys finden und herausfinden woher diese Bilder stammten. Sie konnte sich nicht erklären wie auf einem Handy, das sie durch reinen Zufall entdeckt hatte Bilder von ihr sein konnten. Sonst befand sich keine Nachricht oder Telefonnummer auf dem Handy.

 

     Nach einigem Warten konnte sie in einem stickigen Zimmer vor einem Polizisten Platz nehmen. Er gab ihr die Hand.

 

» Guten Tag. Wie kann ich Ihnen helfen?« sagte der Polizist, der ganz offensichtlich nur noch auf dem Feierabend wartete. Man konnte es ihm nicht übelnehmen.

 

» Ich habe ein Handy gefunden.« sagte Sonja.

 

Nach einer kleinen Pause fügte sie hinzu » Auf dem Handy befinden sich Bilder von mir.«

 

Der Polizist schaute sie verwirrt an und schien das Ganze für einen schlechten Witz zu halten.

 

»Sie haben also ganz zufällig ein Handy gefunden, auf dem Sie Bilder von sich entdeckt haben.« stellte der Polizist fest.

 

Er bat sie darum ihm das Handy zu geben und Sonja folgte dieser Anweisung.

 

» Hören Sie, ich bin verwirrt und besorgt. Warum hat ein Wildfremder Bilder von mir auf seinem Handy? Gibt es dafür eine sinnvolle Erklärung?«

 

Der Polizist nickte. » Sicherlich gibt es die.« antwortete er mit einem genervten Unterton.

 

» Kann ich ihren Personalausweis einmal sehen?«

 

Sonja antwortete nicht, sondern kramte in ihrer Tasche, doch musste feststellen, dass ihr Portemonnaie fehlte.

 

»Den habe ich vergessen« sagte sie verlegen und der Polizist drückte ihr das Handy in die Hand.

 

»Kommen sie später wieder.« sagte er und schickte sie heraus.

 

Das konnte doch nicht wahr sein. Sie wurde nicht ernstgenommen. Der Polizist hat ihr nicht geglaubt.

 

     Als sie die Polizeiwache verließ, spürte sie ein Vibrieren in ihrer Hand und stellte fest, dass das mysteriöse Handy einen Anruf ankündigte.

 

»Das kann doch nicht sein.« schrie Sonja. Sie hatte dadurch die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen ergattert und empfing einige verwirrte Blicke.

 

     Auf dem Bildschirm sah sie eine Nummer, die sie auswendig kannte. Ihr Verlobter rufte an.

 

Was soll das? Das kann doch nicht wirklich passieren.

 

Sonja zitterte nun und auch ihr Atem beschleunigte sich. Das Herz schien auf Höchstleistung zu arbeiten.

 

»Frederic?«

 

Der Anrufer antwortete nicht und sie wiederholte seinen Namen mehrmals, bis sie es dann aufgab. Eines war klar. Sie musste zu ihrem Verlobten, denn irgendetwas ging hier vor. Etwas Ungewöhnliches.

 

     Sie hatte ihren Schlüssel vergessen und klingelte nun mehrmals, um endlich mit Frederic sprechen zu können. Als er dann die   Tür öffnete, war sich Sonja sicher: Es konnte nicht mehr schlimmer kommen. Das Schlimmste war bereits eingetroffen.

 

Frederic war in Wirklichkeit Frederica.

 

Sonja schaute die Frau von Kopf bis Fuß an und wurde sich immer sicherer. Vor ihr stand ihr Verlobter. Und ihr Verlobter war weiblich.

 

» Wie kann ich Ihnen helfen? Sie scheinen sich bei der Klingel vertan zu haben.« sagte die Dame sichtlich genervt.

 

Die Dame wollte die Tür schon schließen, doch Sonja trat gegen den Willen der Hausbesitzerin ein.

 

»Ich bin´s, deine Verlobte. Wir lieben uns. Ich weiß, dass du verwirrt bist. Wir lieben uns.« sagte Sonja hastig.

 

     Das klingt verrückt. Ich drehe durch.

 

Die Frau schaute nun ängstlich oder besorgt. Sonja konnte das nicht mehr beurteilen. Sie konnte gar nichts mehr beurteilen.

 

Das ist verrückt. Das kann doch nicht real sein. Fantasie. Albtraum.

 

»Wenn Sie nicht sofort verschwinden, rufe ich die Polizei.«

 

Sonja packte ihr Handy aus. Frederic war verwirrt und das war auch in Ordnung. Heute lief doch alles schief.

 

Was ist denn bitte „NORMAL“?

 

Sonja öffnete ihre Galerie, doch musste dann feststellen, dass sich nicht mehr die Bilder auf ihrem Handy befanden, die sich noch am Tag vorher dort befunden hatten. Sie sah zwei völlig fremde Gesichter auf dem Display und sein Verlobter, oder seine Verlobte schloss die Tür.

 

     Jetzt war sie vollkommen allein in der warmen Sommernacht. Sie war erschöpft und musste sich einen Park aussuchen, in dem sie die Nacht verbringen wollte. Sie entschied sich dazu an den Platz zu gehen, an dem alles angefangen hatte. Dort setzte sie sich auf eine Bank und schaute sich den Rhein an, der seine beruhigende Wirkung auf sie nicht verloren hatte. Das Geräusch von Wasser fand sie besonders angenehm.

 

     »Sonja!« hörte sie jemanden sagen und drehte sich um. Die Stimme klang vertraut. Sie gab ihr das Gefühl von Geborgenheit. Es war tatsächlich Lola.

 

Meine beste Freundin erkennt mich. Ich drehe nicht durch.

 

Lola setzte sich neben Sonja und legte eine Hand auf ihr Bein.

 

» Hast du darüber nachgedacht?« fragte sie mit ihrer süßen Stimme, doch Sonja war sich nicht sicher worüber sie sprach.

 

»Über die Sache mit deinem Studium. Du wolltest das Studium doch abbrechen.«

 

Worüber sprach Lola? Was passiert hier? Was für ein Spiel wird hier gespielt? Das Handy, die Polizei, Frederic und jetzt noch mein Studium??

 

Sonja konnte nicht mehr. Die Frage von ihrer besten Freundin hatte ihre Frage, die sie sich schon seit dem Fund des Handys stellte, beantwortet.

 

Ja, ich drehe durch. Ja, ich weiß nicht was passiert.

 

Sonja spürte, dass es kälter wurde und ihre Zähne klapperten. Von dem heißen Tag war nichts mehr übrig. Es fing an zu regnen und wenn Sonja nicht wüsste, dass es Hochsommer war, würde sie behaupten, dass es Schneeregen war.

 

»Ich habe Angst. Mein Verlobter ist weiblich und ich habe ein Handy und ich habe Schmerzen und ich bin müde und erschöpft. Und ich… Ich habe Angst, dass du mich vergisst. Kannst du dir das Handy anschauen und mir sagen woher diese Fotos kommen? Bitte, ich brauche deine Hilfe. Mir geht es nicht gut. Etwas stimmt nicht. Es fühlt sich alles so unrealistisch an. Verstehe mich nicht falsch. Ich spüre die Kälte, deine Berührung und meine Kopfschmerzen. Ich weiß nicht wie ich meinen Zustand näher definieren soll.«

 

Lola schien nicht überrascht zu sein. Sie lächelte noch immer und das schätzte Sonja an ihr sehr. Sie war eine gute Zuhörerin. Außerdem ist die die Einzige Person, die ihr Glauben schenkt. Sogar Frederic, ihr Geliebter, verstand sie nicht mehr.

 

     Lola schaute sich die Fotos an und ihr Lächeln verschwand. Stattdessen schaute sie sehr ernst. Sie hatte erkannt, dass etwas nicht stimmt.

 

Sie stand auf.

 

»Hilf mir.« flehte Sonja sie an.

 

Lola schaute sie nun so an als würde sie ihre beste Freundin das erste Mal sehen.

 

» Kennen wir uns?«

 

Nein, nein, nein, nein, nein, nein! Das kann doch nicht war sein. Ob wir uns kennen?

 

»Lola, hilf mir. Bitte! Ich brauche dich.«

 

Lola reagiere gar nicht auf das Weinen und Flehen. Ihr Blick hatte sich geändert. Sie schaute nicht mehr liebevoll. Stattdessen schaute sie kalt.

 

Ich drehe durch. Was für ein Spiel wird hier gespielt? Warum haben es meine Liebsten auf meine mentale Gesundheit abgesehen?

 

Als der Mann, der sich neben Sonja setzte, sie aus ihren Gedanken riss, war Lola schon verschwunden. Genauso wie Frederic und meine mentale Gesundheit.

 

»Haben wir uns schonmal gesehen?« fragte der ältere Mann und schien sie wirklich zu erkennen.

 

» Ich kenne sie nicht.« sagte Sonja, doch sicher war sie sich nicht. Wie konnte sie sich denn noch sicher sein?

 

» Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich mich ihnen vorstelle und mich ein bisschen mit ihnen unterhalte? «

 

Schon als kleines Kind hatte Sonja eine große Angst vor Fremden. Ihre Helikoptereltern hatten ihr mit dem ganzen Entführergeschichten eine große Angst eingejagt. Besonders peinlich wurde es, als sie einmal den Polizisten, der ihnen im Kindergarten die Verkehrsregeln beibringen wollte, einen Tritt in die Hoden verpasst hatte und angefangen hatte um ihr Leben zu schreien und weinen. An dem Tag war es besonders warm.

 

» Du kennst mich eigentlich sehr gut. Wir haben nicht so häufig miteinander gesprochen, aber manchmal muss man sich nicht so lange miteinander unterhalten, um sich kennenzulernen, stimmt´s? «

 

» Woher kennen Sie mich? Wo haben wir uns kennengelernt und warum erinnere ich mich nicht an sie?« fragte Sonja und es interessierte sie tatsächlich. Der Mann kam ihr einerseits sehr bekannt vor, aber andererseits schien er ihr sehr fremd.

 

»Ich kann dir nicht all deine Fragen beantworten. Da du mich schon des Öfteren vergessen hast, weiß ich aber wie ich es schaffe wieder von dir erkannt zu werden.«

 

Was soll das bitte heißen? Es wird immer bizarrer. Jetzt, genau jetzt in diesem Moment, ist der richtige Zeitpunkt angekommen, in dem ich aufstehen und gehen sollte. Ich sitze hier in der Kälte mit einem alten Mann zusammen, der sagt, dass er mich kennen würde, dass ich ihn andauernd vergessen würde und… ach du Scheiße. Was ist das bitte für ein Spiel? Ich will nur noch nach Hause. Das ist doch komplett bescheuert.

 

»Mein Name ist Jonas. Wir haben uns auf dem Campus kennengelernt und wir studieren beide Geographie. Erinnerst du dich?«

 

So sehr sich Sonja anstrengte, konnte sie sich nicht an das vertraute Gesicht erinnern und alles, was er sagte, schien so fremd. Die Kopfschmerzen wurden stärker und alles schien ein verdammt realistischer Albtraum zu sein, aus dem sie jede Sekunde aufwachen könnte. Wer immer es auf sie abgesehen hatte, hatte sein Ziel vermutlich schon erreicht, wenn das Ziel nicht der Selbstmord Sonjas war. Man konnte nicht in einer schlimmeren Lage sein. Das musste die Endstation sein.

 

» Ich erinnere mich nicht an sie.«

 

»Nicht so schlimm, Sonja. Ich wollte mich nur einmal für die Nierenspende bedanken, die meiner Frau das Leben gerettet hat. Ich weiß, dass du keine Gegenleistung erwartest, doch ich habe dir etwas Kleines mitgebracht.«

 

NIERE? SPENDEN? Um Gottes willen, wann habe ich meine Niere gespendet?

 

Sonja fasste sich an beiden Nieren, um zu kontrollieren, ob sie noch da waren, doch sie fühlte keinen Unterschied an beiden Seiten.

 

Der Mann, der sie eben fast nicht erkannt hat, behauptet nun, dass sie seiner Frau eine Niere gespendet habe. Sonja wurde alles zu viel und sie wurde sich immer sicherer, dass jemand sie quälen wollte. Nun stellten sich weitere Fragen: Wer hat ein Problem mit mir? Was habe ich getan, um so sehr gehasst zu werden? Warum spielten Frederic, Lola und der Mann bei diesem Spiel mit?

 

Der Mann reichte Sonja ein kleines Geschenk und stand dann auf.

 

» Ich bedanke mich recht herzlich für das Zuhören, Frau Schmitz. Schlafen Sie nicht auf der Parkbank. Es soll heute Nacht noch schneien.«

 

Sonja nickte und bedankte sich für das Geschenk, das sie sofort auspackte, als der mysteriöse Herr verschwand. Wenn sie wollte, dass das Spiel, in dem sie schon längst zur Marionette geworden war, endete, musste sie mitspielen und die Fäden, mit denen sie gesteuert worden war, abschneiden. Nur so würde ihre Existenz als freies und glückliches Individuum wieder möglich.

 

Was zur Hölle soll das?

 

Es wurde immer schlimmer. Nicht besser.

 

Sonja holte das Geschenk aus der kleinen Kiste und betrachtete es aus jedem Winkel.

 

Wie kommt mein Kommilitone, dessen Frau wohl meine Niere in sich trägt, an mein Tagebuch?

 

Sie erkannte es sofort, denn es gab keinen Grund zum Zweifeln. Sie schlug es auf und stieß auf einen Eintrag, den sie vor einer Woche verfasst hatte.

 

Liebes Tagebuch,

 

heute ist etwas Schönes passiert. Mein Schwangerschaftstest ist positiv. Ich kann es kaum glauben, doch es ist wahr. Trotz der Tatsache, dass es unmöglich war, ist es möglich geworden. Ich weiß nicht was ich sagen soll.

 

Sonja machte eine Pause, denn sie konnte sich nicht an diesen Eintrag erinnern. Sie fasste sich an den Bauch, doch konnte keine Wölbung feststellen. Der Eintrag ist ja auch erst letzte Woche verfasst worden. Man kann nicht erwarten, dass der Bauch in den ersten paar Schwangerschaftsmonaten schon riesig ist. Eine Sache verwunderte sie dennoch. Sie konnte sich weder an einen positiven Schwangerschaftstest, noch an diesen Eintrag erinnern. Dieser Beitrag musste von einer anderen Person geschrieben worden sein.

 

Ich habe Frederic sofort berichtet, dass er Vater wird und er hat sich mindestens so sehr gefreut wie ich.

 

Sonja übersprang die nächsten Absätze und schaute sich nun den Eintrag von gestern an.

 

Hallo zukünftige Sonja,

 

heute war ein sehr anstrengender Tag. Ich habe heute meine Modulabschlussprüfung geschrieben und bin froh, dass ich es hinter mir habe. Physische Geographie ist nicht mein Ding. Außerdem habe ich heute etwas sehr Schlimmes getan. Ich hoffe, dass niemand erfährt was ich getan habe. Das wäre mein Ende.

 

Der letzte Satz weckte ihre Neugier. Vermutlich sprach sie von der Sache, die ihr ihren jetzigen Zustand eingebrockt hatte. Sie schaute sich an, ob weitere Seiten des Tagebuches beschriftet waren und wurde fündig, doch ihr Fund gab ihr nicht die Gewissheit, die sie erlangen wollte. Im Gegenteil.

 

Liebes Tagebuch,

 

ich schreibe einen Text an mein zukünftiges Ich. Jetzt, wenn ich diesen Eintrag lese, stehen zwischen mir und meinen Tod bloß zehn verdammte Minuten. Ich bringe mich gleich um. Ich habe natürlich schon ganz genau geplant wie ich das bewerkstellige. Ich springe einfach in den Rhein und ersticke. Ich möchte den qualvollsten Tod erleiden, den ich mir nur vorstellen kann, denn anders habe ich es mir nicht verdient. Ich bin eine schreckliche Person und füge anderen Menschen nur Leid zu. Ich verdiene meinen Platz in dieser Welt nicht.

 

Sonja fasst sich an den Kopf, doch dadurch begriff sie nicht was in ihrem Kopf geschah. Ihr fiel keine Person ein, die so etwas Grauenvolles schreiben konnte. Egal, wie sehr man einen Menschen hasste, man sollte ihr nicht den Tod wünschen.

 

Irgendetwas übersehe ich doch.

 

Sonja schloss ihre Augen und hoffte dadurch ihre Sinne zu stärken. Sie ging den Tag noch einmal gedanklich durch und suchte nach einer Kleinigkeit, die ihr einen Hinweis geben könnte. Alles war perfekt inszeniert, doch auch jeder perfekte Plan musste doch Fehler enthalten. Sie schaute sich nun die Bilder auf dem Handy an und untersuchte das Selfie sowie die anderen Bilder nochmal. Nichts. Rein gar nichts sah ungewöhnlich an den Bildern aus. An einige Bilder erinnerte sie sich sogar. Zwischen den Bildern befand sich ihr Lieblingsbild, das sie vor einer langen Zeit mal mit Frederic im Urlaub geschossen hatte. Es war ihr erster Urlaub und Sonja war sehr aufgeregt, weil sie vorher noch nie in ein Flugzeug gestiegen war. Ein anderes Bild zeigte sie in der Bäckerei, in der sie als Jugendliche gearbeitet hatte. Neben ihr stand ihre beste Freundin, Lola, die ebenfalls dort gearbeitet hatte. Sie wichen sich nie von der Seite.

 

     Langsam hatte Sonja Schwierigkeiten ihre Augen offen zu halten. Sie legte sich auf die kalte Parkbank, die ihr eine unschöne Nacht versprach und versank in ihrer Traumwelt, in der alles viel schöner war.

 

     Als Sonja die Augen öffnete, befand sie sich am Rheinufer.

 

„Ich springe einfach in den Rhein und ersticke.“

 

Ihr Herz raste, sie zitterte, ihr wurde schwindelig und sie bekam Brustschmerzen. Schlimmer. Immer Schlimmer.

 

Keine Luft, es reicht, Angst… Was ist los? Wollte ich gerade in den Rhein springen?

 

Sie hatte Angst zu sterben und dachte gleichzeitig, dass der Tod die Erlösung wäre. Sie trat einen Schritt näher an das Wasser und nahm das Geräusch nun noch intensiver wahr als vorher. Das Rauschen wurde zu einem Ausruf. Der Rhein bat sie näher zu treten und bevor sie sich immer weiter in die Richtung der schönen Stimmen begab, sah sie den Elefanten, dem sie schon mehrfach begegnet war. Endlich flog er in den Sternenhimmel.

 

One thought on “Der fliegende Elefant

  1. Hi,
    eine sehr interessante Geschichte hast Du da geschrieben.
    Ich muss allerdings gestehen, dass ich sie offenbar nicht verstanden habe.
    – Was ist Sonjas „dunkles Geheimnis“?
    – Spielt sich die „Verschwörung“ nur in ihrem Kopf ab?

    Dennoch habe ich die Geschichte mit Spannung zuende gelesen, weil ich einfach auf die Auflösung gespannt war. Diese fehlte mir dann am Schluss aber … Obwohl ich sehr gerne offene Enden mag, lässt mich die Geschichte mit etwas zu vielen Fragen zurück…

    Dein Erzählstil gefällt mir sehr.

    P.S. vielleicht hast Du ja Zeit und Lust, auch meine Geschichte zu lesen („Glasauge“) und ein Feedback da zu lassen.

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