Kerstin PeineckeDie erzwungene Wahrheit

Du musst dich der Realität stellen.

Und senden.

Der Wecker des Smartphones klingelte. Melanie wischte das >Verwerfen< nach oben und torkelte benommen ins Badezimmer. Sie stützte sich auf den Waschbeckenrand, betrachtete ihre dunklen Augenringe im Spiegel und fragte sich, was aus der hübschen, fröhlichen und lebhaften Frau von früher geworden ist.

„Verdammt.“

Wieviel hab ich gestern getrunken? Und warum um Himmelswillen hab ich einen Wecker gestellt?

„Auf 6.00 Uhr!“

Mit dem Vorsatz ihr Leben endlich wieder in den Griff zu bekommen und sich aus dieser Hölle zu befreien, ging sie zurück ins Schlafzimmer. Melanie nahm das Smartphone vom Nachtisch.

Aber… „Was zur Hölle?“ war das.

Irritier wanderte ihr Blick durchs Zimmer.

Das ist nicht mein Handy.

Wem gehörte es und viel wichtiger, wie kam es auf ihren Nachttisch. Seit Wochen hatte sie schon keinen Besuch mehr. Genau genommen mied sie jegliche Kontakte, ob zur Familie oder zu Freunden.

Sie versuchte den gestrigen Abend noch einmal Revue passieren zu lassen. Klar, sie war, wie an so vielen Abenden zuvor, betrunken. Aber einen Besuch konnte sie definitiv ausschließen. Ebenso, wie sie ausschließen konnte, dass dort auf dem Nachttisch ein Smartphone lag, als sie zu Bett ging. Ihr eigenes Handy lag in der Küche beim Laden.

Ihre Gedanken überschlugen sich.

Was ist hier los? Oh Gott. Ist jemand eingebrochen? War jemand an meinem Bett? An meinem Bett, während ich darin schlief?

Panik stieg in ihr auf. Dieses Smartphone in ihrer Hand gehörte nicht ihr und irgendwo musste es hergekommen sein.

Gelähmt. Gelähmt und nackt. Gelähmt, nackt und verletzlich. Ein schauerlicher Gefühlscocktail erfasste sie. Ein bekannter Cocktail. Bekannt seit DER Nacht. DER Nacht, die ihr ganzes Leben zerstörte. Und dann sah sie ihn vor ihrem inneren Auge.

„Julian!“

Kann das sein. War er hier.

„Nein. Nein! Nein, nein, nein!“

Er hatte sich seit DER Nacht nicht mehr gemeldet. Sie hatte nie mehr von ihm gehört. Nicht einmal als sie seine Tochter zur Welt brachte.

Sie begutachtete das Smartphone in ihrer Hand.

„Wem gehörst du?“

Sollte ich die Polizei rufen?

Melanie drückte auf den seitlichen Knopf. Der Sperrbildschirm leuchtete auf. Im selben Moment erstarrte sie.

„Verfluchte Scheiße.“

Sie traute ihren Augen nicht. Auf dem Sperrbildschirm war ein Foto zu sehen. Das Foto einer Frau. Und Melanie kannte diese Frau besser als jeder andere. Auch wenn Diese ihr fremd geworden war. Es war ein Foto von ihr. Nicht irgendein Foto. Nein. Dieses Foto entstand wenige Stunden bevor ihr Leben in Dunkelheit versank.

Wie fröhlich und hübsch sie darauf aussah. Zu hübsch. Und sexy. Viel zu sexy. In Jeansminirock und schwarzem, tief ausgeschnittenen Spaghettiträger-Top.

Es begannen sämtliche Alarmglocken bei Melanie zu läuten. Ihre Angst erreichte einen neuen Höhepunkt.

Also doch.

„Julian!“

Sie hatte wirklich alles getan, um diesen Mann und diesen Tag aus ihrem Leben zu verdrängen. Aber auf einmal war alles wieder da. Die Angst, der Ekel, die Verwundbarkeit und der Hass. Der Hass auf sich selbst.

Wie konnte ich es nur so weit kommen lassen?

Was sollte sie jetzt machen. Zur Polizei konnte sie nicht. Das konnte sie damals schon nicht. Immerhin war sie an allem Schuld. Das hatte ihr Julian schmerzhaft verdeutlicht.

Was wollte er von ihr? Und warum ließ er das Smartphone hier? Warum war er auf einmal wieder da? Hatte es mit damals zu tun? Oder sogar mit dem Tod von Mia?

„Mia!?“

Melanie glitt das Smartphone aus der Hand. Der Aufprall rüttelte sie aus ihrer Erinnerung.

Sie blickte auf das Smartphone am Boden. War darin die Antwort zu finden? Melanie musste sich Klarheit verschaffen und vergewissern, dass dieses Smartphone wirklich von Julian stammte.

Vielleicht kann ich es ja entsperren?

Sie hob es auf. Das Display hatte durch den Sturz einen Riss bekommen.

Oh Gott. Sei bitte nicht kaputt.

Melanie drückte erneut auf den Knopf.

Zum Glück.

Es funktionierte noch.

Aber wie lautete der vierstellige Zahlen Pin?

1234? Das ist der meist benutzte Pin.

Zumindest hatte sie dies gehört.

1 2 3 4 OK

„Scheiße.“

Falsch.

War es 2707, der Tag an dem dieses Foto entstand?

2 7 0 7 OK

Aber es passierte wieder nichts.

„Verflucht!“

Ist das Handy wirklich von Julian? Oder könnte es doch von jemand anderem sein? Aber von wem? Was möchte die Person mit dieser Aktion bezwecken?

Und die Frage, die sie am meisten quälte.

Wie lautet dieser verschissene Pin?

Melanie tippte ein.

1 9 0 4

Dann hielt sie inne.

Oder doch 1304?

Zwei Tage die sie mit diesem Foto im Hintergrund noch in Verbindung brachte.

Sie wollte jetzt keinen Fehler machen, da sie nicht wusste, wie viele Versuche sie eigentlich noch hatte.

Melanie korrigierte sich.

1 3 0 4 OK

Entsperrt!

Doch freuen konnte sie sich darüber nicht.

13.04.

Die letzten Erinnerungen kamen in ihr hoch. Melanie musste sich übergeben.

Nun war es klar. Sie konnte damit auf keinen Fall zur Polizei gehen. Sonst würde die Wahrheit ans Licht kommen.

Sie musste die aufkommenden Erinnerungen und dieses Smartphone loswerden. Und so landete es kurzerhand im Müll. Naiv genug zu glauben, dies würde alles ungeschehen machen.

„Ich setzte mich diesem Schmerz kein zweites Mal aus.“

Melanie war bewusst, dies konnte nicht das Ende der Geschichte sein. Und im selben Augenblick klingelte das Smartphone. Sie versuchte das Läuten zu ignorieren. Kniete dann aber kopfüber vor dem Mülleimer. Bis sie es herausgefischt hatte, verstummte es.

1 3 0 4 OK

Ein Anruf in Abwesenheit und eine SMS konnte sie vom Display entnehmen.

Anrufer unbekannt.

Und die SMS

Du musst dich der Realität stellen.

„Muss ich nicht!“

Oder doch?

Die Angst, dass Julian wieder aufgetaucht ist, wurde größer und größer. So durchsuchte sie das Smartphone nach Hinweisen. Aber sie konnte nichts entdecken.

Was soll das?

Keine weiteren Nachrichten, keine Bilder oder Dateien. Nicht einmal eine Telefonnummer oder Kontakte.

Nichts.

Außer!

Im Kalender war ein Termin eingetragen. Und dieser Termin war heute.

09.30 Uhr, Johannes Lang, Marktstraße 7

Sie kannte keinen Johannes und im Internet fand sie unzählige Johannes Lang.

Das Smartphone surrte. Melanie erschrak. Eine SMS ging ein.

Verpasse deinen Termin nicht!

Melanie schaute sich um. Wurde sie beobachtet? Langsam entwickelte sich das Ganze hier zu einem schlechten Horrorfilm.

Sollte sie wirklich zu dem Termin gehen?

Bin ich wirklich so dumm?

So dumm wie all die Mädchen in den Filmen, die in den dunklen Keller gehen, obwohl sie genau wissen, dass dort der Axtmörder auf sie wartet. Die sich lieber umbringen lassen, anstatt davon zulaufen oder die Polizei zu rufen.

Okay, die Polizei konnte Melanie nicht rufen.

Was nun?

Und die Antwort war einfach.

„Ich bin dumm.“

So ging sie in den dunklen Keller, der bei ihr die Marktstraße 7 war.

Marktstraße 7.

Das Gebäude lag gegenüber von dem kleinen, örtlichen Polizeirevier. Als Melanie langsam das Treppenhaus hinauf stieg, fragte sie sich, warum sie die Nummer des SMS Absenders nicht angerufen hatte.

Bin ich wirklich so versessen dem Axtmörder schnellstmöglich in die Arme zu laufen?

Johannes Lang

Las sie auf einem handgeschriebenen Zettel an der ersten Tür im Gebäude. Zaghaft drückte sie auf die Klingel und zeitgleich ertönte der Türsummer. Sichtlich nervös trat Melanie ein. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Zwei Stühle, ein kleiner Tisch und Zeitschriften.

Ein Wartezimmer? Wer oder was war dieser Johannes?

Bevor sie sich nach weiteren Hinweisen umschauen konnte, öffnete ein kleiner, bärtiger Mann Ende dreißig die Tür zum nächsten Zimmer.

„Frau Schiller, kommen Sie herein, dann können wir gleich beginnen.“

„HaHallo“, zittrig begrüßte Melanie den unbekannten Mann.

Was meinte er nur mit „beginnen“ und woher kannte er ihren Namen? Melanie versuchte sich ihre Unsicherheit nicht anmerken zu lassen. Hatte dieser Mann die Antwort auf alles?

Er fuhr fort: „Wir hatten zwar schon per Email Kontakt, aber ich stelle mich am besten noch einmal vor.“

Melanies Nervosität stieg an.

Email? Kontakt?

Was wusste dieser Mann und von wem wusste er es?

„Setzten Sie sich. Mein Name ist Johannes Lang. Ich bin seit fünf Jahren Psychologe und Verhaltenstherapeut. Und wie Sie sehen, das ist meine neue Praxis, die sich noch im Aufbau befindet.“

Psychologe? Praxis im Aufbau?

Ja klar.

Das ist doch alles inszeniert.

Melanie zweifelte an der Vorstellung des vermeintlichen Psychologen.

„Ich haben Ihnen ja schon geschrieben, dass unsere ersten Treffen dem Kennenlernen dienen und Sie, sowie ich, nach diesen Treffen entscheiden können ob es für eine weitere Therapie stimmig ist.“

Weitere Therapie?

Melanie wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Welches Spiel wurde hier mit ihr getrieben? Was soll sie bei einem Therapeuten? Steckte dieser Mann mit Julian unter einer Decke? War er wirklich Psychologe? Immerhin reagierte er ganz gelassen, als das fremde Smartphone plötzlich klingelte.

Melanie entschuldigte sich: „Das ist wichtig.“

„Nur zu“. Lang holte seinen Laptop und tippt etwas ein.

Sehr merkwürdig. Was macht der da?

Aber egal. Melanie musste sich auf das Telefonat konzentrieren.

Eine verzerrte Stimme war zu hören.

„Bist Du bei deinem Termin?“

„Äh, ja?“

„Gut, dann lass dich drauf ein. Du musst Dich der Realität stellen.“

„Muss ich das?“

„Ja, und ich merke wenn Du lügst. Dieses Handy hat eine Abhör- und Ortungsfunktion. Ausschalten bringt nichts. Ich bekomme es trotzdem mit.“

Bevor Melanie etwas sagen konnte, war das Gespräch schon wieder beendet.

Sie wusste, dass ihr nichts anders übrig blieb, wenn sie erfahren wollte was hier vor sich ging. Außerdem wollte sie sich auch nicht unnötig in Gefahr bringen. Immerhin schien es so, als wüsste die Person am anderen Ende der Leitung mehr, als ihr lieb war. Und das konnte gravierende Folgen für sie haben.

„Sind Sie soweit?“

Melanie schüttelte den Kopf: „Äh. Wo waren wir?“

Melanie beschloss, dass es wohl am besten war, wenn sie sich auf die Situation einlassen würde.

Was kann schon passieren?

Okay, ich soll nicht lügen, aber ich muss ja auch nicht alles erzählen.

Sie wusste, dass Ärzte und Psychologen von ihrer Schweigepflicht entbunden werden, wenn es sich um eine Straftat handelte.

Somit musste sie vorsichtig im Gespräch sein.

„Sie haben von einem traumatischen Erlebnis geschrieben. Möchten Sie mir davon erzählen, oder erst einmal berichten wie es Ihnen momentan geht?“, startete Lang das Therapiegespräch.

Kalter Schweiß lief Melanie den Rücken hinunter. Nun musste sie etwas von sich erzählen.

Zuerst hielt sie sich zurück, aber der Psychologe war brillant und durch geschickte Fragen entlockte er Melanie nach und nach ihre Geschichte. Melanie schockierte es, wie offen sie im Laufe des Gesprächs wurde.

„Ich wiederhole noch einmal. Sie waren am 27.07.2019 auf einer Party und hatten mit ihrer Begleitung, die Sie zuvor im Internet kennengelernt haben, Sex, den sie eigentlich nicht wollten. Und Sie sind nicht zur Polizei gegangen, da Sie sich selbst die Schuld dafür geben.“

Nach einer kurzen Pause fuhr Lang fort: „Wie kommen Sie darauf, dass Sie an dem Übergriff schuld sind? Haben Sie ihm nicht klar verdeutlicht, dass Sie das nicht möchten?“

Melanie stockte: „Ja. Nein. Ich hab ihm im Chat geschrieben, dass ich es mir vorstellen kann. Ich hab mich aufreizend gekleidet. Er ging davon aus, dass ich es auch wollte. Ich habe nein gesagt. Dann packte er mich mit den Worten – „…du stehst doch auf sowas.“ – am Arm und …“

„Und dann hat er Sie vergewaltigt!“, vollendete Lang den Satz und sprach damit die Wahrheit aus.

Melanie drückte ihr linkes Handgelenk, genau dort, wo Julian sie damals gepackt hatte: „Ich fühle mich seit diesem Tag wie gefangen. Ich hasse mich dafür.“

„Und deshalb bestrafen Sie sich, indem Sie sich zu Hause allein verbarrikadieren und mit Alkohol betäuben?“

Bestrafen?

So hatte das Melanie noch gar nie gesehen.

„Nicht genau. Ich hatte noch täglich Kontakt zu meiner geliebten Schwester Franzi. Sie hatte versucht mich zu einer Anzeige zu überreden. Aber ich wollte das nicht. Was sie widerwillig akzeptierte. Hätte ja sowieso nichts gebracht, außer dass dann allen davon erfahren hätten.“

„Sie versuchen es zu verdrängen. Ich vermute das hat nicht geklappt.“

„Doch, bis…“

Melanie begann zu weinen und Lang setzt neu an:

„Erzählen Sie mir von ihrer Schwester. Wie würden Sie ihre Beziehung beschreiben?“

„Außergewöhnlich.“

„Was darf ich darunter verstehen.“

„Sie ist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Unsere Eltern sind früh verstorben. Franzi war 15 und ich 12. Das hat unsere bis dahin schon starke Verbundenheit noch inniger gemacht.“

„Was sagt sie zu Ihrem Alkoholkonsum? Akzeptiert sie das ebenso, wie Ihre Entscheidung bezüglich der Anzeige?“

„Ich glaube sie weiß nicht dass ich trinke. Wir haben keinen Kontakt mehr.“

„Das überrascht mich. So wie Sie ihre Beziehung beschrieben haben. Ist sie der Grund für das Trinken? Was hat sie getrennt?“

Melanie senkte den Kopf: „Sein Kind!“

„Welches Kind?“

„Ich wurde von der Vergewaltigung schwanger. Ich wollte damals abtreiben und meine Schwester stand mir selbstverständlich zur Seite. Trotz ihrer Situation. Ich konnte es einfach nicht.“

„Ich verstehe nicht.“

Melanie fiel es deutlich schwer die Vorkommnisse verständlich zu schildern:

„Ich war schon in der Praxis, habe den Abbruch dann aber nicht durchführen lassen.“

Lang musste Melanie in ihrer Erzählung immer wieder anschieben: „Warum?“

„Ich konnte das meiner Schwester nicht antun. Sie leidet am MRKH- Syndrom. Sie hat keine Gebärmutter und kann somit keine Kinder bekommen. Die Vorstellung ein Lebewesen zu töten, damit ich nicht an meinen selbst verschuldeten Schmerz erinnert werde… Und Franzis Vorgeschichte. Es fühlte sich so falsch an.“

„Aber dann verstehe ich nicht, warum sie jetzt keinen Kontakt mehr haben.“

„Ich weiß es nicht. Sie hat sich seit dem 13.04. nicht mehr gemeldet. An dem Tag kam es zur Welt. Ich denke sie erträgt es nicht, dass ich ungewollt Mutter geworden bin und sie dies nie erleben wird.“

Melanie begann zu weinen.

„Wie ist es für Sie Mutter zu sein?“, führte Lang das Gespräch weiter.

„Ich bin keine Mutter.“

„Warum nicht?“

„Das Kind lebt nicht mehr.“

„Was ist passiert?“

„Plötzlicher Kindstod.“

Ja, plötzlich. Das war es.

„Oh. Das tut mir leid.“

Stille erfüllte den Raum. Johannes Lang reichte Melanie ein Taschentuch.

„Leider neigt sich unsere erste Stunde dem Ende zu. Ich befürchte, wir müssen dies beim nächsten Treffen weiterführen. Es ist wichtig das Geschehene nicht zu verdrängen. Ich hoffe das konnte ich Ihnen heute etwas verdeutlichen. Wenn Sie wirklich wieder frei sein möchten, müssen Sie sich der Realität stellen.“

Frei sein.

Lang brachte es auf den Punkt.

„Ich befürchte das muss ich.“

„Dann können wir hier beenden und ich sehe Sie nächste Woche zur selben Zeit wieder?“

Melanie bejahte diese Frage, auch wenn sie genau wusste, dass sie an diesem Tag ganz wo anders sein würde. Ihr war klar, dass durch Gespräche ihr Problem nicht gelöst werden würde. Sie musste dem Ganzen ein Ende setzten. Sie wusste was zu tun ist, damit sie endlich frei sein konnte.

Melanie verließ die Praxis und überquerte die Straße.

„Hallo, mein Name ist Melanie Schiller, ich möchte eine Anzeige machen.“

Auf Grund der verheulten Augen, begrenzte der Polizeihauptmeister die üblichen Anfangsfragen auf ein Minimum und nahm Melanie gleich mit ins Vernehmungszimmer.

Er reichte ihr ein frisches Taschentuch. Bevor der Beamte etwas sagen konnte, begann Melanie wie in Trance zu erzählen:

„Es war kein Kindstod.“

„Wie bitte?“

„Ich… Ich habe Mia getötet.“

Melanie stellte sich endlich der Realität und ihr dunkelstes Geheimnis, der Mord ihres Kindes, kam ans Licht.

Daraufhin wurde die Kripo informiert.

Im selben Augenblick klingelt das Smartphone in ihrer Tasche. Nach dem Gespräch mit Lang hatte sie es ganz vergessen.

Der gutmütige Beamte gewährte Melanie den Anruf anzunehmen.

„Ja?“

Die Stimme am anderen Ende der Leitung war nicht mehr verzehrt.

„Soweit hätte es nicht kommen müssten. Warum hast du sie nicht mir geben?“

„Franziska! Du? Ich dachte Julian. Warum…“

Franziska unterbrach ihre Schwester und beschrieb ihre Beweggründe.

Es war der 19.04. als Franziska ihre Schwester besuchen wollte. Sie wollte sich dafür entschuldigen, dass sie sich seit der Geburt nicht mehr gemeldet hatte. Die Geburt machte ihr mehr zu schaffen, als sie befürchtet hatte und sie musste das Ganze erst einmal verarbeiten. Dann war sie aber entschlossen, die Aufgabe gemeinsam mit ihrer geliebten Schwester zu stemmen.

Franziska besaß einen Zweitschlüssel der Hintertür. Darum ging sie wie immer durch den Garten. Beim Blick durch das Fenster machte sie eine grauenvolle Beobachtung. Sie sah, wie Melanie sichtlich betrunken an der Kinderwiege stand und dabei war ihr Kind zu ersticken.

Sie war von der Beobachtung so paralysiert, dass sie wie ferngesteuert nach Hause ging. Franziska konnte nicht begreifen was gerade passiert war. Sie wollte die Polizei rufen, aber ihr Gewissen lies es nicht zu. Ihre Schwester litt wohl mehr unter den Vorkommnissen, als sie vermutet hatte. Und nur wegen ihr bekam sie ja das Kind. Somit traf sie eine Mitschuld an dem Geschehen.

Sie konnte ihre Schwester nicht verpfeifen. Das würde ihre Beziehung nicht überstehen. Franziska vertraute auf die Obduktion und dass dadurch alles ans Licht kommen würde.

Doch es kam anders. Die Autopsie, bei der vermutlich ein Fehler gemacht wurde, ergab keinen Befund. Somit hieß die Ausschlussdiagnose Kindstod.

Nun befand Franziska sich in einer Zwickmühle. Einerseits wollte sie Melanie nicht verraten, andererseits konnte sie ihre Schwester damit nicht durchkommen lassen. Sie würde ihr nie mehr in die Augen sehen können. Warum hatte sie nicht um Hilfe gebeten? Warum musste es so weit kommen? Und dann kam der Absturz mit dem Alkohol auch noch dazu.

Franziska musste ihr helfen, aber die Frage war wie. Sie wusste auch, dass es nur klappen konnte, wenn Melanie die Augen vor der Realität nicht mehr verschließen würde. Aber darauf musste sie selber kommen.

So entstand die Idee mit dem Smartphone und der Therapie, um ihr den Anstoß in die richtige Richtung zu geben. Johannes Lang ist ein ausgezeichneter Psychologe. Aber mit dem Ergebnis der Selbstanzeige nach dem ersten Treffen hatte sie nie gerechnet.

„Ich konnte nicht mehr wegschauen. Wegschauen, wie du dich kaputt machst. Dich zu Hause einschließt, betrinkst und dein Leben wegwirfst. Und Mia…“, Franziska hielt die Luft an.

„Franzi, ich wollte das nicht. Du hast dich nicht mehr gemeldet. Die Kleine hat mich jede Sekunde an Julian und an die Vergewaltigung erinnert. Der Schmerz wurde unerträglich. Ich wollte…“

Dann wurde Melanie unterbrochen:

„Das müssen sie jetzt mir geben.“ Der Polizist forderte das Smartphone ein. Die Handschellen klickten.

So gegensätzlich es auch war. Melanie konnte nun wieder in ein befreites Leben starten.

Sie fühlte sich endlich wieder frei.

63 thoughts on “Die erzwungene Wahrheit

      1. Moin Kerstin,

        Eine tolle Kurzgeschichte die du dir da ausgedacht hast.
        Spannend versucht zu erzählen, aber ich finde an einigen Stellen wirkt es leicht holprig. Dann liest es sich in etwa wie eine Aufzählung. Es folgt dann Fakt auf Fakt, gerade zum Ende hin ist mir das verstärkt aufgefallen. Beispiel gefällig?

        Es war der 19.04. als Franziska ihre Schwester besuchen wollte. Sie wollte sich dafür entschuldigen, dass sie sich seit der Geburt nicht mehr gemeldet hatte. Die Geburt machte ihr mehr zu schaffen, als sie befürchtet hatte und sie musste das Ganze erst einmal verarbeiten. Dann war sie aber entschlossen, die Aufgabe gemeinsam mit ihrer geliebten Schwester zu stemmen.

        Ich finde das kannst du besser, du hast es am Anfang der Geschichte ja gezeigt.
        Wenn man es so z.b. schreibt klingt es doch gleich viel flüssiger…

        Es war der 19.04. Franziska besuchte nach langer Zeit endlich mal wieder ihre Schwester, weil sie sich für die Dinge die vorgefallen waren, ehrlich entschuldigen wollte. Die Tatsache dass sie sich seit der Geburt nicht mehr gemeldet hatte, machte ihr mehr zu schaffen, als sie befürchtet hatte. Franziska hatte das Gefühl sie brauchte erst einmal Zeit für sich um das Ganze zu verarbeiten. Von nun an sollte aber alles anders werden, sie war fest entschlossen, die Aufgabe gemeinsam mit ihrer geliebten Schwester zu stemmen.
        Erkennst du was ich meine?

        LG Frank

  1. Wow Frank.

    Vielen, vielen lieben Dank für die Rückmeldung. Das hilft mir sehr weiter.
    Und auch mit dem tollen Beispiel.
    Es ist für mich noch sehr schwer meine Ideen zu Papier zu bekommen… und dann noch in einer Kurzgeschichte.

    Da hast Du mir sehr geholfen.
    Ich versuche es in meinem nächsten Projekt umzusetzen.

    Lg Kerstin

  2. Hallo Kerstin,

    ich finde, dass dir hier eine spannende und zugleich fesselnde Kurzgeschichte gelungen ist. Ich bin normalerweise niemand, der sonderlich viel liest. Allerdings muss ich sagen, dass ich bei deiner Story gar nicht mehr aufhören wollte zu lesen. Ich bin gespannt darauf, mehr von dir als Autorin zu lesen 🙂

    LG Bille

  3. Hallo Kerstin

    was für eine bewegende Geschichte! Sprachlich gut geschrieben mit einer für mich unerwarteten Wendung am Ende.
    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim Schreiben und für weitere Geschichten viele kreative Ideen!
    Bleib dran!

    Liebe Grüße Mayra

  4. Hallo Kerstin

    Was soll ich sagen?
    Es ist doch alles schon gesagt.

    Die Kommentare, die Likes sprechen eine deutliche Sprache.

    Du hast nämlich schlicht und einfach eine großartige Geschichte verfasst.

    Ohne Wenn und Aber.

    Toller Stil. Gutes Design. Grandiose Handlungen, gut korrigiert und super Ende.

    Meinen Like hast du natürlich.
    Und dazu meinen tiefen Respekt.

    Ich will mehr von dir lesen.

    Pass auf dich auf und schreib weiter.

    Liebe Grüße, Swen Artmann (Artsneurosia)

    Und noch mal vielen lieben Dank für deine tolle Bewertung zu meiner Geschichte „Die silberne Katze“.

    Pass auf dich auf.

  5. Hallo,
    Ich habe gerade deine Geschichte gelesen und muss sagen, dass ich den Plot an sich gut finde (auch dank der Wendung, bzw. der Fehleinschätzung der Hauptfigur). Nur muss ich anmerken, dass sich der Text stellenweise noch etwas holprig liest. Ich glaube, wenn du willst und dich nochmal mit dem Text beschäftigst, könntest du bestimmt noch einiges rausholen. Die Basis ist gelegt.

    Wenn du auch bösere Geschichten magst, würde es mich freuen, wenn du dir die hier mal anschaust:

    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/das-leben-eines-toten-mannes

    Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß am Schreiben
    J.D.

    1. Hallo,
      vielen lieben Dank für Dein Feedback.
      Als Neuling sind diese Bemerkungen sehr wichtig und hilfreich für mich.
      Ich werde auf jeden Fall daran arbeiten und es in meinem nächsten Projekt versuchen umzusetzen.

      Bin schon gespannt auf Deine Geschichte.

      Lg Kerstin

  6. Hej Kerstin,

    „betrachtete (die) dunklen Augenringe im Spiegel und fragte sich, was aus […] von früher geworden ist.“ – wer kennt das nicht Ü30? Das geht uns Jungs genauso…

    Deine Geschichte gefällt mir seht gut. Du hast die Gedanken stilistisch gut abgetrennt vom Rest und baust den Plot spannend auf. Auch der Hintergrund ist emotional und nachvollziehbar.

    Das Ende fand ich etwas zu abrupt, was aber Geschmackssache ist. Und das Schema One-Night-Stand = Vergewaltigung = schwanger habe ich hier in vielen Geschichten gelesen, weshalb ich da (vielleicht auch als Kerl) einen etwas anderen Weg gewählt hätte.. aber das ist keine böse Kritik, bitte nicht als negativ verstehen!

    Bei Julian lagst Du aber falsch, der ist nämlich ein ganz lieber Typ! Beweis findest Du hier:
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/identitaet-6

    LG aus Hamburg
    Chris

  7. Liebe Kerstin,
    ja, ja, ja, jetzt habe ich endlich deine Geschichte gelesen. Schwups, hatte ich deine Geschichte auch schon durch, weil du sehr flüssig schreibst. Und tatsächlich kommen auch zwei Schwestern wie in meiner vor. An einigen Stellen musste ich daher wegen der Parallelen schmunzeln 😊. Du hast die Parameter super eingebaut, dein Rachemotiv aus der Sicht der Schwester absolut logisch. Im Grunde genommen wollte sie nur helfen. Deine Melanie hat genau wie meine Isabella nun viel Zeit, über ihr Leben nachzudenken. Dennoch, hätte Melanie schon früher therapeutische Hilfe in Anspruch genommen, wäre es vielleicht nie soweit gekommen, oder? Du behandelst also auch ein Thema, das noch viel weiter reicht.
    Ich danke dir für deine tolle Geschichte.
    Mein Like 👍 hast du auf jeden Fall. Viel Glück 🍀,
    Martina (Happy birthday) 🎈

  8. Liebe Martina,

    ich freue mich sehr über Deine Rückmeldung und Deinen Kommentar. Vielen lieben Dank!

    Ja…. Du hast Recht… dieses Thema reicht noch viel weiter… und das Thema „Sich reichtzeitig Hilfe holen“ auch wichtig.
    Gewisse Parallelen zu Deiner Geschichte sind mir auch aufgefallen.

    Lg Kerstin

  9. Hallo liebe Kerstin,

    wie versprochen hatte ich mir Deine Geschichte gestern Abend vor dem Einschlafen zu Gemüte geführt – und war bestens unterhalten. Geschlafen habe ich nicht sofort, weil ich viel über die Handlung nachgedacht habe und auch darüber, wie es den Personen „nach der Geschichte“, also nach dem geschriebenen Ende, weiter gehen könnte. Ein Effekt, den auch Fitzek schon einige Male in mir „geweckt“ hat – und das sagt ja schon alles 🙂 Vielen Dank für die spannende Kurzgeschichte. An ein paar Stellen war es für mich etwas „holperig“, aber mach in jedem Fall weiter, die Routine wird sich einstellen! Ich würde mich freuen, wieder von Dir zu lesen und mein Herzchen habe ich Dir dagelassen <3

    Liebe Grüße, Anna

    1. Liebe Anna,

      was für ein Feedback von Dir!… Ich musste erst mal meine Worte wieder finden 😊🥰.
      (…Ein Effekt, den auch Fitzek schon einige Male in mir „geweckt“ hat – und das sagt ja schon alles…)

      Vielen, vielen Dank. Ich freu mich so sehr!

      Ich finde es schön, dass ich Dich zum Nachdenken gebracht habe. Denn das macht für mich persönlich eine gute Geschichte aus.

      Deine Worte motivieren mich zum Weitermachen.

      Dankeschön.
      Lg Kerstin

  10. Hallo Kerstin,
    ich hatte die Geschichte ja gestern Abend schon mal gelesen und jetzt, da ich mich auch wieder an mein Passwort erinnert habe, lasse ich Dir sehr gerne mein „Herz“ da. Ich hab sie eben nochmal auf mich wirken lassen und wie schon auf dem anderen Kanal geschrieben, finde ich, dass Deine Geschichte ganz schön unter die Haut geht und nachschwingt – ganz tolle Idee. Und auch der Twist am Ende hat es in sich. Da steckt allerdings noch ein bisschen mehr Potenzial drin, wie ja auch einer der Kommentierenden weiter oben angemerkt hat.
    Und ansonsten? Die handwerklichen Kleinigkeiten, die manche Kolleg*Innen oben hie und da angemerkt haben, werden – wenn Du weiterschreibst UND das solltest Du unbedingt – mit der Zeit von Haus aus immer weniger.
    Mir gefällt Deine Schreibe sehr gut und ich würde gerne mehr von Dir lesen. Oder mich auch gerne mal über das ein oder andere in der Welt des Schreibens austauschen.
    Ich drücke Dir die Daumen für´s Voting. Vielleicht lesen wir uns ja im Ebook wieder.
    Viele Grüße Tom

  11. Hallo Kerstin,

    deine Geschichte gefällt mir wirklich sehr gut. Ich finde du hast das Stilmittel der Schriftformatierung maximal gut ausgenutzt (Das übernehme ich mir vielleicht noch für meine Story). Der Text ist durch die verschiedenen Formatierungen für Gedanken und z. B. handschriftliche Texte, super schön zu lesen. Die Einteilung in kurze Absätze und vor allem das vermeiden von „endlos“-Sätzen ergänzen dann noch das Leseerlebnis.

    Eine Wunsch habe ich an die Geschichte bzw. wahrscheinlich besser gesagt an die nächste Geschichte. Bei dem Tod des Kindes hätte ich mir gewünscht, dass du etwas mehr ins Detail gehst, um mich als Leser noch mehr emotional zu rütteln. In dem Teil deiner Geschichte, wo man von dem bedauerlichen Tod des Kindes erfährt bzw. besser gesagt über die Ursache, ist man emotional schon sehr stark getriggert. Zur Verstärkung der Dramatugie, wäre dann eine detailiertere Rückblende wünschenswert gewesen, die noch mehr die emotionale Zerissenheit der Protagonistin darstellt.

    Wie gesagt, aber das nur eine kleine Kritik an einer sehr guten Geschichte. Ich hoffe du schreibst weiter und natürlich, dass du ins EBook kommst. Meinen Like hast du dafür 🙂

  12. Liebe Kerstin,

    jetzt komme ich auch endlich mal dazu, dir zu deiner Geschichte eine Rückmeldung zu geben. Die Dinge, die ich hier sage, sind alle nur Tipps meinerseits, wie du noch ein bisschen an deiner Geschichte arbeiten könntest. Welche du davon wirklich verwenden kannst, entscheidest du ganz für dich alleine. 🙂

    Erstmal ist mir aufgefallen, dass du besonders zu Beginn sehr viele Adjektive verwendest. Ist es notwendig, sie als „hübsche, fröhliche, lebhafte Frau“ zu bezeichnen? Reicht vielleicht auch ein Adjektiv? Das Problem damit ist, dass man sich häufig, obwohl du „hübsch“ sagst, nicht sonderlich viel darunter vorstellen kann. Das Prinzip nennt sich „Show, don’t tell“. Als Beispiel, wie du etwas zeigen kannst, anstatt es zu erzählen: „Sie sah in den Spiegel und fragte sich, was nur aus ihr geworden war. Die Frau, die jedem Menschen auf der Straße ein strahlendes Lächeln schenkte, der kein Weg zu weit war, um das nächste Abenteuer zu erleben, hatte nun dunkle Augenringe, die mehr über ihre schlaflosen Nächte verrieten als es Worte jemals tun könnten.“
    Das ist auch in etwa das, was Frank am Ende der Geschichte angesprochen hat. Hier erzählst du nur schnell die Auflösung, vermutlich weil du einfach nicht genügend Platz gehabt hättest, da es ja eine Kurzgeschichte werden sollte. Das ging mir in meiner Geschichte im Mittelteil auch so. Wenn du dir die Geschichte nochmal ohne die Vorgaben anschaust, hättest du es dann genauso gemacht? Oder hättest du vielleicht Rückblenden in die Vergangenheit gemacht? Oder vielleicht in einem Gespräch mit der Schwester alles ausgearbeitet? Da würde ich mir an deiner Stelle nochmal Gedanken zu machen.

    Wo wir gerade bei dem Thema Vorgaben sind. Mir ist, wenn ich diese Geschichte abseits vom Wettbewerb sehe, nicht ganz klar, warum die Schwester diesen ganzen Irrsinn mit dem Handy durchzieht. Sie hätte ja auch so einfach einen Termin beim Psychiater ausmachen können und ihrer Schwester erzählen können, dass sie sie überraschen möchte und am Ende kommen sie dort an und sie „zwingt“ sie zur Therapie. Den Kritikpunkt würde ich mal etwas außen vor lassen, weil es ja nun wirklich eine Vorgabe zu dem Wettbewerb war. Allerdings ist das mal ein Gedankenanstoß für deine zukünftigen Projekte – muss alles so passieren, wie ich es schreibe?

    Ein weiteres Problem, das ich mit der Protagonistin habe, ist, dass sie kaum zu fühlen scheint. Sie erzählt dem Psychotherapeuthen viele Dinge, ohne dass man dabei etwas über ihre emotionale Reaktion erfährt. Auch als sie zur Polizei geht, sagt sie einfach nur „Ich habe Mia getötet“. Ob sie dabei ganz abgeklärt wirkt, wieder anfängt zu weinen oder einfach auch nur der Satz „Ihr fiel ein Stein vom Herzen“ fehlen mir an der Stelle.

    Eine Frage habe ich bezüglich deiner Schriftart. Du wechselst häufig aus kursiv in direkte Rede. Wieso? Viele Dinge, die du beschreibst, sind Gedanken der Protagonistin, warum also einmal so, einmal so formatiert? z.B. an der Stelle, wo sie sich ärgert, dass sie den Wecker gestellt hat. Da denkt sie „Warum habe ich mir bloß einen Wecker gestellt“ und anschließend kommt in direkter Rede „Auf 6 Uhr!“. Das würde für mich Sinn ergeben, wenn du unterscheiden willst, was sie in einem Gespräch mit einer anderen Person denkt und was sie sagt, aber in der Situation, wo sie alleine ist, finde ich das sehr verwirrend.

    Und ein kleiner Logikfehler ist mir aufgefallen, von dem du wahrscheinlich nichts wusstest. An der Stelle hätte ich dir ein kleines bisschen Recherche empfohlen. Bei einer Obduktion eines Erstickungsopfers, gerade bei Babys, die leider häufiger so umgebracht werden, können eigentlich gar nicht so gravierende Fehler auftreten, dass man nicht merkt, dass es erstickt worden ist. Um das zu erkennen, muss man die Babys nämlich nicht einmal aufschneiden. Sie haben ganz viele kleine Einblutungen, meistens um die Augen und wenn man es nicht auf den ersten Blick sieht, dann, wenn man sich das Augenlid von innen anschaut. 🙂

    Das wären an der Stelle meine Tipps zur Überarbeitung dieser Geschichte und für deine zukünftigen Projekte.
    Das Thema der Geschichte hat mir sehr gut gefallen und du warst sehr kreativ beim Ausdenken dieser Story. Ich fand es auch super, dass es mal nicht eine so sehr blutige Geschichte war. 😀
    Bleib auf jeden Fall am Ball, du hast ganz viel Potential! 🙂

    Liebe Grüße,
    Leandra (Versteckspiel)

  13. Liebe Leandra,

    vielen, vielen Dank für Dein sehr ausführliches Feedback und dass Du Dir dafür so viel Zeit genommen hast.
    Hier kann ich sehr viel mitnehmen, daraus lernen und mich weiterentwickeln.
    Über die einzelnen Punkte komme ich im persönlichen Chat noch einmal auf Dich zu… das ist glaub einfacher.

    Ganz liebe Grüße
    Kerstin*

  14. Liebe Kerstin,

    erst einmal vielen, vielen Dank für deinen Besuch, dein Kommentar und Like bei meiner Geschichte „Der Schwur“. Das hat mich wirklich sehr gefreut 🙂

    Nun habe ich mir deine durchgelesen 🙂
    Ich fange deine Geschichte an und werde sofort von Melanies Welt eingenommen. Die Story nimmt sofort an Fahrt auf und als Leser stelle ich mir die gleichen Fragen, wie die Protagonistin.
    Daher hat deine Geschichte mich sofort gepackt.

    Du hast einen kurzen und knackigen Schreibstil und ich konnte deine Geschichte entspannt und im Nu durchlesen!

    Stillistische Highlights wie „Gelähmt. Gelähmt und nackt. Gelähmt, nackt und verletzlich. Ein schauerlicher Gefühlscocktail erfasste sie.“ sind mir aufgefallen. Diese verdeutlichen Melanies Gefühle (bsp. kurze Sätze erzeugen „Stress“)

    Deine Formatierung ist sehr ansprechend und lockert den Text auf. Dies gefällt mir wirklich sehr gut!

    Die Auflösung kam mir persönlich etwas zu früh, aber der Twist am Ende, dass Melanie sich der Polizei stellt und dies eigentlich gar nicht Franziskas Ziel war, hat der Geschichte dann ein – für mich – unerwartetes Ende gegeben.

    Du hast sehr viel Potenzial – mach weiter so und bleib‘ dran!

    Like ist gegeben 🙂

    LG, Ani
    http://www.wirschreibenzuhause.de/geschichten/der-schwur

    1. Liebe Ani,

      vielen lieben Dank für Dein Feedback.
      Darüber freue ich mich sehr.

      Vor allem sprichst Du Dinge an, zu denen ich bis jetzt noch keine Rückmeldung bekommen habe.
      Dies regt mich zum weiteren Nachdenken an und hilft mir sehr bei meiner Entwicklung als Schreibanfänger.
      Dankeschön!

      Lg Kerstin

  15. Hi Kerstin!
    Was für eine Story, ich war gleich mittendrin und konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Du hast einen tollen Schreibstil. Hast du schon viel veröffentlicht?
    Das mit der Auflösung kam ja bereits, dem kann ich mich nur anschließen, aber das ist halt immer Geschmackssache.
    Vielleicht hast du Lust, auch meine Geschichte zu lesen und mir Feedback zu geben, würde mich riesig freuen.
    Liebe Grüße Lotte
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/der-alte-mann-und-die-pflegerin

  16. Hallo Kerstin, ich gerade eher zufällig auf deine Geschichte gestoßen… Wenn man seinen eigenen Namen liest, taucht man gleich viel intensiver in die Gefühlswelt der Hauptfigur ein, das ging zumindest mir so. Ich habe mir beim Lesen überlegt wie ich handeln würde. Traurig bin ich geworden als ich fertig war, aber das ist keineswegs negativ gemeint. Ich lass dir gerne ein Like da. Wenn du magst schau mal bei mir vorbei. LG Melanie https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/blaues-mondlicht

  17. Liebe Kerstin,habe es endlich auch mal geschafft mich zu registrienen und Deine absoulut lesenswerte Geschichte zu würdigen.Ich wünsche Dir viel Erfolg mit dieser Geschichte und den Mut und das Selbstvertrauen für viele weitere.Ich freu mich drauf!
    Melly

  18. Liebe Kerstin,

    bin gerade zufällig über deine Geschichte „gestolpert“. Das war ein Glück, denn sie war sehr spannend. Klar habe ich ein Like abgegeben.
    Ansonsten kann ich mich nur den Vorschreibern anschließen. Manchmal wirkte die Geschichte auch auf mich etwas holprig und vor allem dachte ich gleich (als aufmerksame Krankenhaus- und CIS – Serien Guckering), dass man den Erstickungstod doch durch einen Blick in die Augenlieder feststellen kann, Stichwort: Petechien. Aber mir persönlich ist das beim Lesen von Büchern und Geschichten nicht so furchtbar wichtig.

    Die Story ist jedenfalls gut entwickelt und aufgebaut, die Idee doch originiell und das Ende überraschend, wenn auch sehr plötzlich.

    Auf jeden Fall solltest du dran bleiben und weiter schreiben.
    Ich wünsche dir weiterhin noch vieln Glück für´s Voting und bleib gesund!

    L. G.
    Monika (monskub)

    P. S.: Vielleicht magst du ja meine Geschichte auch mal lesen. Sie ist auch nicht blutrünstig und heißt „Ende gut?“
    Danke schon einmal.

  19. Hallo Kerstin,
    Was für eine mitreißende Geschichte, durch deinen Schreibstil und die super Gliederung hat es mir mega Spaß gemacht in der Handlung zu versinken. Freue mich wenn ich irgendwann mehr von dir lesen könnte.

    Meine Stimme hast du auf jeden Fall. Ich wünsche Dir viel Erfolg 🍀.

    Schau doch auch mal bei meiner Geschichte „Alte Bekannte“ vorbei, dein Feedback interessiert mich 😊.

    Ganz liebe Grüße

    Maddy

  20. Puh Kerstin,
    deine Geschichte hat mich ganz schön mitgenommen. Was für ein schwieriges, aber auch spannendes Thema. Ich finde, sie ist auch ganz toll geschrieben, gerade am Anfang. Zum Ende hin erzählst du mir zu viel. Es liest sich wie eine Aufzählung von Fakten, da gehen die Emotionen etwas verloren. Ich hoffe, du weißt was ich meine.
    Was ich nicht ganz verstehe, ist die Reaktion von Franziska. Sie wünscht sich ein Kind und sieht wie ihre Nichte gerade umgebracht wird und macht einfach nichts? Kein panisches Klopfen ans Fenster, kein Notruf? Nichts? Ich glaube, ich hätte die Scheibe eingeschlagen, um meine Schwester daran zu hindern, meine Nichte umzubringen, ich hätte um Hilfe gerufen, ich hätte alles getan, um das Unglück zu verhindern. Aber gut, da steckt man nicht drin. Wer weiß schon wie andere reagieren? Also ist das jetzt keine wirkliche Kritik.
    Insgesamt aber eine gute Geschichte, ich hatte teilweise sogar Gänsehaut und Tränen in den Augen.
    Liebe Grüße aus dem Maislabyrinth, Andrea

  21. Moin, Kerstin, ich atme hier nochmal ein bisschen durch ….. hab auch noch ein paar Kommentare der Kolleginnen und Kollegen gelesen, um mich abzulenken.

    Morde an Kindern berühren mich immer sehr – und wahrscheinlich nicht nur mich, sondern mindestens die Eltern unter uns genauso. Den Grund dafür kannst Du in meiner Geschichte nachlesen (Link steht unten). Das ist schon sehr sehr starker Tobak.
    Stilistisch finde ich Deine Geschichte gut, insbesondere, was Leandrh angemerkt hat, sehe ich auch so. Da gäbe es noch Änderungsbedarf.

    Was ich mich irgendwie fragte: Wieso hat sie ihrer Schwester, die ja zum Abbruchtermin mitgekommen war, nicht angeboten, das Kind großzuziehen, als sie feststellte, dass sie die Schwangerschaft nicht abbrechen kann? Oder umgekehrt? Gut – dann hätte es die Geschichte so nicht gegeben, klar 😉 . Aber das ist eine Frage, die sich mir stellte.

    Solltest Du darüber nachdenken, mehr aus Deiner Geschichte zu machen, böte sich besonders das Ende an, noch weiter auserzählt zu werden, beispielsweise in Form eines Dialoges.

    Den Gedanken, sich befreit zu fühlen, weil man gerade festgenommen wurde und so also dazu kommt, seine Tat tatsächlich zu bereuen, finde ich schon fast schön.

    So, Like ist gegeben! Kollegiale Grüße!
    Kathrin aka Scripturine / https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/die-nacht-in-der-das-fuerchten-wohnt

    … und ein Gegenlesen ist definitiv erwünscht! 🙂

  22. Liebe Kerstin,

    du hast eine spannende Geschichte geschrieben, die einen nachdenklich und bedrückt zurücklässt. Das Tempo vom Anfang hast du am Ende wieder rausgenommen, was absolut zu der entstandenen Stimmung passt.
    Alles Weitere wurde schon gesagt, da brauche ich nichts mehr zuzufügen.
    Ich habe deine Geschichte gerne gelesen und ein Like dagelassen.

    LG und viel Glück,
    Yvonne / voll.kreativ (Der goldene Pokal)

  23. Liebe Kerstin,

    deine Geschichte gefällt mir sehr gut. Du hast die Spannung gut aufgebaut und bis zum Schluss aufrecht erhalten. Ich fand sie auch sehr leicht zu lesen, was an deinem bildhaften Schreibstil liegt. Das Thema an sich ist ein sehr ernstes und regt zum Nachdenken an. Ich gebe dir sehr gerne ein Like. Dachte eigentlich, ich hätte die Geschichte schon längst gelesen. Zum Glück habe ich das heute noch gemacht.
    Alles Gute weiterhin 🙂
    lg auch Kerstin

    Falls du noch Lust und Zeit zum Lesen hast, lass ich dir gerne den Link zu meiner Geschichte da.
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/das-maedchen-dana

  24. Liebe Kerstin,

    du entlässt mich sehr nachdenklich aus deiner Geschichte.

    Melanie hat einiges durchgemacht. Wie hätte ich in ihrer Situation gehandelt? Wieso hat sie ihre Tochter nicht ihrer Schwester gegeben, wo sie doch wusste, dass diese keine Kinder bekommen kann? Ich nehme an, dass sie einfach nicht in der Lage war, das rational zu entscheiden. Kaum jemand wird sich in Melanie hineinversetzen und die Fragen mit hundertprozentiger Sicherheit beantworten können.

    Auch wenn ich mir mehr Gefühlsregungen gewünscht hätte, hast du ihr Leid, ihre Angst und ihre Schuldgefühle gut rübergebracht. Dein Schreibstil ist gradlinig, ohne große Ausschweifungen und angenehm zu lesen.

    Mir gefällt der letzte Satz sehr gut, dass sie sich trotz der bevorstehenden Haft frei fühlt. Aber ob sie wirklich jemals frei sein wird?

    Alles in allem hast du eine bedrückende, aber trotzdem spannende Story geschrieben, die mir gut gefallen hat und sicher noch nachhallen wird. Mein Like hast du dafür.

    Liebe Grüße
    Sarah (Rache ist süß)

  25. Hallo Sarah,

    vielen lieben Dank für Dein ❤ und Deinen Kommentar.
    Vermutlich warst Du die letzte, die mir einen Kommentar geschrieben hat… (Der Wettbewerb geht ja heute zu Ende)
    …daher freue ich mich besonders über Deine Worte. 😊

    Meine Geschichte sollte zum Nachdenken anregen 😉 …und Dein Feedback zum letzten Satz… 😊

    Vielen Dank 😘
    Kerstin

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