Mery TiDie Nachgeburt

 

 

 Die Nachgeburt

 

 

Die Menge wartete dezent flüsternd auf Klappstühlen, die in Reihen aufgestellt worden waren. Jeder einzelne Stuhl war besetzt, deshalb drängten sich Nachzügler und Neugierige um die behelfsmäßige Bühne. Es war das erste Mal, dass der Stand des Verlages so viele Besucher auf der Frankfurter Buchmesse hatte. Eine junge Frau betrat ohne Anmoderation die Bühne, ein dickes Buch unter den Arm geklemmt. Sie setzte sich elegant in den dick gepolsterten gelben Sessel und schlug ihre schlanken Beine übereinander. Neben dem Sessel befand sich ein kleiner Tisch, auf dem eine Lampe und ein Glas Wasser standen, sodass man den Eindruck hatte, man blicke direkt in ein fremdes Wohnzimmer. Ohne einen Blick auf die Menge zu werfen, schlug sie das Buch auf und begann zu lesen.

 

 

„Für wen?“

„Tobias Heller, bitte.“

„Für wen?“

„Parvaneh Amirpour. Ich finde Ihr Buch so aufregend…“

„Wie schreibt man das?“

„P-A-R-V-A-“

Endlich lichteten sich die Reihen und Dahlia konnte ihren Signierstift mit den eingravierten Rosen aus der Hand legen. Ihre Finger waren vom Schreiben ganz verkrampft und kalt wie Eiszapfen. Sie hatte sich auf den Auftritt auf der Buchmesse gefreut, doch in den letzten Wochen hatte sie so viele Lesungen gehalten, dass der Geschmack des Ruhmes langsam verblasste.

Als sie den letzten Namen, den sie augenblicklich wieder vergessen hatte, in ein Buch gekritzelt hatte, stand sie auf und verließ den Stand. Wenn sie so zielstrebig ging, trauten sich die meisten ihrer Fans nicht, sie anzusprechen, hatte sie gemerkt. Aysun bildete eine Ausnahme. Aber sie war ja auch ihre Agentin.

„Morgen musst du in die Redaktion von Hit-Radio, vergiss das nicht! Punkt neun Uhr!“ Die winzige Agentin eilte mit klackernden Schritten auf ihren schwarzen Pumps neben ihr her. Dahlia seufzte müde.

„Ich habe es nicht vergessen, Aysun. Mach dir keine Sorgen, ich werde da sein.“

„Mir Sorgen zu machen ist mein Job.“ Aysun hielt Dahlia die Tür auf, als beide nach draußen traten. Die kühle Luft prickelte angenehm auf ihren geröteten Wangen. „Du hast schon einmal ein Interview verschlafen. Ich muss aufpassen, dass du –“

„Ich stelle mir meinen Wecker um Punkt acht Uhr, okay?“ Dahlia blieb stehen. Aysun bremste und hielt vor ihr an.

„Lieber um sieben, um ganz sicher zu gehen, okay?“ Dahlia mochte Aysun, aber diese strengen Augen hinter der eckigen Brille schienen sie immer vorwurfsvoll anzusehen, als hätte sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

„Ja, ist gut. 7 Uhr. Bis morgen dann, Aysun.“

Aysun sah aus, als wollte sie noch etwas sagen, aber Dahlia hatte ihr schon den Rücken zugekehrt und ging in Richtung Parkplatz.

 

„Frau Faras! Dahlia!“  Widerwillig drehte sich Dahlia noch einmal um und überlegte sich schon eine Ausrede, um schnell wegzukommen.

Aber hallo, wer war denn das? Ein großer junger Mann stand vor ihr und hielt ihr Buch in der Hand.

„Ich habe die Lesung verpasst, aber ich hätte zu gerne noch eine Signatur von Ihnen.“ Er lächelte sie an, wobei er nur einen Mundwinkel hochzog. Mit seinen vollen braunen Haaren und den markanten Zügen, sah er aus wie aus dem Titelbild des GQ entsprungen. Wenn sie solche Leser hatte, machten ihr auch Lesungen nichts aus.

„Liebend gerne, …?“ Dahlia sah ihm fragend in seine leuchtend blauen Augen.

„Ares. Wird so geschrieben, wie man es ausspricht.“

Dahlia senkte ihren Stift und ließ ihn über das frische Papier gleiten.

„Ares? Ein außergewöhnlicher Name.“

Ares lachte. „Meine Eltern waren Fans der griechischen Mythologie. Meine Geschichtslehrer fanden es toll!“

Dahlia lachte. „Das glaub ich Ihnen sofort.“

Einen Moment lang standen sie so da. Die Erschöpfung siegte. „Ich muss dann mal los. Hat mich sehr gefreut, Ares.“

Ares grinste. „Hat mich auch sehr gefreut, Dahlia. Hier ist meine Karte, falls Sie mal höllischen Durst auf Kaffee haben.“

Dahlia nahm die Karte entgegen, die er ihr hinhielt. Ohne sie anzusehen, steckte sie die Karte in ihre große Tasche. „Das wären also 24 Stunden am Tag.“

„Würde mich nicht stören“, sagte Ares und grinste wieder schief. Dahlia lächelte zurück und ließ ihn stehen.

 

Die Sonne war schon untergegangen und es wurde minütlich dunkler. Dahlia kramte blind in ihrer Tasche nach dem Schlüssel. Sie sollte sich endlich einen Schlüsselanhänger zulegen, um ihn schneller zu finden. Als sie ihn erwischte, flog ihre geliebte Vanille-Handcreme mit raus und landete auf dem Boden. Seufzend bückte Dahlia sich. Dabei fiel ihr ein schwarzer glänzender Gegenstand ins Auge, den sie zuvor nicht bemerkt hatte. Ein Smartphone lag direkt vor der Fahrertür auf dem Boden. Kein besonders neues Modell, aber auch kein billiges. Jemand musste es vor ihrem Auto verloren haben. Dahlia blickte zurück und entschied sich. Sie würde das Handy morgen zur Polizei bringen. Bis dahin würde der Besitzer es ohne Handy aushalten müssen. Zusammen mit der Creme warf sie das Handy in die Tasche und stieg in ihr Auto.

 

Frisch gebadet und nur mit einem übergroßen T-Shirt bekleidet, kratzte Dahlia Futter aus der Dose in den Napf ihrer Katze Khan. Schnurrend kam der Kater angetapst und strich um ihre nackten Beine, bevor er sich ans Fressen machte. Sie schnappte sich eine eiskalte Flasche Sprudelwasser aus dem Kühlschrank und machte es sich auf ihrem riesigen Sofa bequem.

Ihre moderne Vier-Zimmer-Wohnung hatte sie sich als Studentin mit drei Mitbewohnerinnen geteilt, die aber inzwischen alle woanders wohnten. Nur Dahlia war geblieben und hatte sich die überteuerte Wohnung im Frankfurter Westend vor Kurzem endlich kaufen können. Das Sofa war noch eine Reliquie aus alten Zeiten. Dahlia schob den Haufen getragener Kleider mit den Füßen auf den Boden und streckte ihre Beine aus. Es war kühl, weshalb sie sich mit einem dicken Pulli aus dem Kleiderhaufen zudeckte. Sie blätterte sich durch die Zeitungen, die sie in den letzten Tagen gesammelt hatte. Mit der Küchenschere, die seit Urzeiten auf dem Tisch lag, schnitt sie die Artikel aus, die sie gesucht hatte. Sie würden sich zu den anderen an ihrer Wand gesellen. Eigentlich sollte sie längst an Band zwei arbeiten, wie sie es dem Verlag versprochen hatte, aber ihr fehlte einfach die Inspiration. Dahlia hievte ihre Handtasche aufs Sofa und holte ihren Signierstift raus. Dabei fiel ihr Blick auf das Handy, das noch immer in der Tasche war. Sie zog es raus, wobei ihr Daumen den Knopf unter dem Bildschirm streifte. Sie wollte es schon auf den Tisch zu den etlichen anderen Gegenständen legen, doch sie hielt inne. War das… sie selbst auf dem Bild? Ja, tatsächlich! Es war ein Bild, das für ein Zeitschriftenmagazin gemacht worden. Merkwürdig war es trotzdem. Wahrscheinlich hatte ein Fan aus der Lesung das Handy verloren, doch… Das Handy hatte keinen Sperrcode. Schon war Dahlia dabei, die Galerie zu öffnen. Alles Bilder von ihr. Sie auf Sesseln, Sofas, ihr Buch im Schoß. Sie, wie sie signierte, Nahaufnahmen von ihrem Gesicht. Jemand musste jede einzelne ihrer Lesungen besucht haben, um all diese Fotos machen zu können. Dahlia schauderte. So gut war ihr Buch auch nicht. Es sollte bald in zehn verschiedenen Sprachen übersetzt werden, es war ein Nummer-1- Bestseller seit Wochen, aber sollte das einen Fan dazu antreiben, wirklich jede Lesung zu besuchen? Ansonsten gab es keine SMS und keine einzige eingespeicherte Nummer. Es war gruselig und Dahlia hatte ein wirklich ungutes Gefühl, aber es waren zumindest keine privaten Bilder dabei. Gut, dann hatte sie halt einen übereifrigen Fan. Die größten Stars hatten Stalker! Vielleicht sollte sie es als Kompliment sehen. Mit diesen Gedanken ging Dahlia schlafen. Und stellte sich den Wecker auf sieben Uhr.

 

Das Radio-Interview lief gut. Die Moderatorin stellte die richtige Portion an belanglosen Fragen zu ihrem überraschenden Erfolg als Debütautorin. Schade war nur, dass im Radio niemand ihr perfektes Make-Up und das azurblaue Wickelkleid sehen konnte, das ihre wenigen Kurven so gut betonte. Immerhin fand sich ein eifriger Praktikant, der ein gelungenes Foto von ihr machte. Sie fand, sie sah aus wie ein ägyptisches Model mit der hellbraunen Haut und der unzähmbaren Lockenpracht. Sofort postete sie es auf Instagram.

 

Herr Rützel, ihr Hausmeister, stand am Fenster, als Dahlia zur Haustür ging. Wie üblich ignorierte sie seine anzüglichen Blicke. Seit zehn Jahren waren sie schon Nachbarn und Dahlia ekelte sich noch immer vor ihm. Zwar hatte der Alte außer aufdringlichen Blicken und ein paar zweideutige Sprüche zu klopfen nichts getan, aber er sah einfach verdächtig aus, fand Dahlia. Tränensäcke, Hängender Bauch, Halbglatze. Von der versoffenen Frau Rützel sah man nur selten etwas.

 

In der Wohnung streifte sie ihr Kleid ab und stieg in ihr ausgeleiertes T-Shirt. Die Heizung ging schon wieder nicht an, weshalb sie weiche Overknee-Socken anzog. Sie öffnete eine Dose Ravioli und löffelte sie direkt aus der Packung. Dann spülte sie mit lauwarmer Cola ohne Kohlensäure nach und gab fischgerüchiges Katzenfutter in Khans Futternapf. Der Kater war nirgendwo zu sehen, aber das wunderte Dahlia nicht. Manchmal verschwand er für drei Tage und kam müde und gesättigt zurück. Was er draußen trieb, war seine eigene Katzenangelegenheit. Den restlichen Tag widmete sie sich ihrer Zeitungswand.

 

Auf dem Bauch liegend scrollte Dahlia durch die überwiegend bewundernden Kommentare auf Instagram und herzte die besten von ihnen. Für die Nacht ließ sie ihr Wohnzimmerfenster offen, das direkt an einen großen Baum grenzte. Wenn Khan nachts wieder heimkehren wollte, würde er wie immer über den schweren Ast hereinklettern.

 

Dahlia hatte noch nie Schlafstörungen gehabt, anders als ihre Patienten, die vor allem deshalb ihre Praxis aufgesucht hatten. Bevor sie vor einigen Wochen ihren Durchbruch als berühmte Schriftstellerin gehabt hatte, hatte sie eine „Praxis für psychologische Beratung“ geleitet. Sie hatte den Job als Therapeutin gemocht, aber schnell gemerkt, dass ihr der Ruhm besser gefiel. Also hatte sie die Praxis am Römerberg, die ihr Vorgänger ihr für einen Spottpreis überlassen hatte, für einen ordentlichen Frankfurter Preis verkauft und von dem Erlös ihre Wohnung bezahlt. Jetzt hatte sie genug Zeit, um die Fortsetzung ihres Buches zu schreiben. Nur wollten ihr einfach keine Ideen kommen. Aber es war auch sehr aufwendig, ihre Social Media Accounts zu pflegen und ihre Lesungen abzuhalten. Es war wirklich an der Zeit, eine Sekretärin einzustellen. Vielleicht würde Nadine, ihre ehemalige Sekretärin, die sie mitsamt der Praxis verkauft hatte, den Job übernehmen.

 

Ein Scharren weckte sie. Bestimmt war es Khan, der zurückkehrte. Scharren. Ein dumpfes Geräusch, als ob jemand etwas Schweres fallen lässt. Dahlia setzte sich auf und schlug die Decke weg. Das kam nicht vom Fenster. Vielleicht der alte Rützel…? Dahlia schlich zur Wohnungstür, wo sie das Geräusch vermutete. Sie öffnete Dahlia die Tür einen Spalt breit. Irgendetwas stank entsetzlich. Im stumpfen Licht der Straßenlaternen sah sie nur den menschenleeren Hausflur. Sie zog die Tür wieder zu, aber hielt dann inne. Mit der linken Hand drückte sie auf den Lichtschalter ihres eigenen Flures. Und sah, was den Gestank absonderte. Ein großer, feuchter Kartoffelsack lag direkt auf ihrer Fußmatte. Wider all ihrer Instinkte beugte sie sich hinunter und öffnete das Zugband des Sackes mit ihren Fingerspitzen. Glitschige, stinkende Säcke, die nachts wie aus Zauberhand auf der Türschwelle erscheinen, sind nie ein gutes Zeichen. Das matte Licht hinter ihr erhellte den Inhalt. Sie sah Fell. Ihr Herz begann zu rasen. Sie riss den Sack mit beiden Händen auf. Dass sie sich übergab, merkte sie erst, als sie auf allen Vieren an ihrer Tür hockte.

 

„Sie sind sicher, dass Sie niemanden gesehen haben? Nicht einmal eine Silhouette?“ Kommissarin Nowak sah vielsagend zu ihrem Anwärterkollegen Gude, der sofort einen kleinen Notizblock mit Stift aus seiner Hosentasche zog.

„Nein, wie oft denn noch?“ Dahlia fuhr sich mit den Händen durch ihre Locken.

„Warum, glauben Sie, sollte jemand ihre Katze ermorden und dann vor ihre Tür legen?“

Nowak sah sich im völlig chaotischen Wohnzimmer um, während Gude alles mitschrieb.

„Das sollen Sie doch herausfinden!“

„Haben Sie Feinde, Frau Faras? Jemand, der Ihnen etwas Böses möchte?“

„Nicht, dass ich wüsste. Bisher.“

Dahlia zitterte und warf sich ihre grob gewebte Strickjacke über, die auf einem Stuhl hing.

„Merkwürdig, dass jemand Zeitungsartikel an ihre Katze nagelt und Sie gleichzeitig ihre ganze Wohnzimmerwand als persönliche Fan-Wand benutzen.“

Gude hörte auf zu schreiben und sah mit großen Augen zu der über und über beklebten Wand, auf der Dahlia jeden einzelnen Artikel über ihren Erfolg sammelte.

„Was wollen Sie damit sagen?“ fauchte sie. „Wer tut so etwas Krankes?“

Nowak blieb mitten im Raum zwischen Zeitungsschnipseln und leeren Verpackungen stehen und sah Dahlia durchdringend an. „Ja, wer tut so etwas?“

 

Am nächsten Tag hatte Dahlia gleich drei Termine, die Aysun ihr aufgedrückt hatte. Ihr war nicht nach Interviews zumute, doch ihre Leser wollten sie eben kennenlernen. Wollte sie immer schon Schriftstellerin werden? Eigentlich nicht. Wie kam sie auf ihre Geschichte? So etwas kommt eben von alleine. Wird es Fortsetzungen geben? Auf jeden Fall! (Irgendwann.)

 

Am Abend ging sie mit Aysun in ihr orientalisches Lieblingscafé in Frankfurt Bornheim. Selbst um diese Uhrzeit war es noch immer brechend voll.

„Meinst du, es war dein komischer Nachbar?“ Aysun nippte an ihrer Granatapfelschorle.

„Eher nicht. Rützel ist ein Vogel, aber kein Psycho. Glaub ich.“

Aysun lachte auf. „Darfst du so etwas als Psychiaterin überhaupt sagen?“

„Ich bin jetzt Autorin. Ich kann sagen, was ich will.“ Dahlia versenkte die Gabel in ihrem Erbnussbutter-Himbeer-Kuchen. Der beste Kuchen der Stadt.

„Zu dir würde ohnehin kein Patient mehr kommen nach deinem kranken Psychothriller. Aber die Leute lieben es.“

„Alle Menschen lieben kranke Geschichten.“ Fakt.

„Ich bin schon gespannt, wie deine Fortsetzung dazu aussieht.“

Ich auch, dachte Dahlia. Aber zurzeit hatte sie andere Sorgen.

 

Aysun fuhr Dahlia nach Hause. Als sie an ihrem geparkten Auto vorbeikam, bemerkte sie an der Windschutzscheibe einen Gegenstand. Nicht noch ein Parkzettel! Genervt trat sie näher und erkannte, dass es kein Stück Papier war, was hinter ihrem Scheibenwischer steckte. Es war ein in der Mitte zerbeulter Stift mit eingravierten Rosen.

 

„Es kommt oft vor, dass Leute etwas als gestohlen melden, obwohl sie es einfach verloren haben.“ Gudes Stift kratzte auf dem Notizblock.

„Der Stift war in meiner Wohnung! Jemand muss eingebrochen sein und ihn geholt haben!“

Dahlias Haare standen in alle Richtungen ab, so oft war sie mit den Fingern durchgefahren.

„Mhm.“ Kratzen. „Und wieso sollte Ihnen jemand einen Stift entwenden?“

„Wo ist Nowak?“ Dieser unerfahrene Junge in seiner Polizeiverkleidung ging ihr auf die ohnehin schon gespannten Nerven.

„Frau Faras, Ihnen wurde ein Stift gestohlen. Sagen Sie. Vielleicht haben Sie ihn beim Autogramme schreiben verloren?“

„Jemand war in meiner Wohnung, das sage ich!“, schrie sie. „Und gestern wurde meine Katze ermordet!“

Warum nahm er sie nicht ernst? Sie war eine verdammte Bestsellerautorin!

„Hören Sie, falls wieder etwas Verdächtiges geschieht, melden Sie sich einfach nochmal.“

 

Es blieb beim Stift. Keine toten Katzen mehr, keine Einbrüche. Nach ein paar Tagen hatte Dahlia die Geschehnisse schon wieder verdrängt. Die letzte Lesung war so gut besucht gewesen, dass sie die halbe Nacht signiert hatte. Mit einem geliehenen Kugelschreiber.

 

Ohne Khan war es leer in ihrer Wohnung. Sein Futternapf stand noch immer an seinem Platz. Jedes Mal, wenn Dahlia daran vorbeiging, spürte sie wieder sein weiches Fell, das ihre Beine kitzelte. Das Schwein hatte ihm die Kehle durchgeschnitten und abgerissene Zettel mit Stecknadeln tief in seinen zarten Körper gerammt. Warum würde jemand so etwas tun? Die blutdurchtränkten Zettel ähnelten denen an ihrer eigenen Wand. Es waren Teile von Interviews. Der Katzenmörder hatte nur Zeilen aus Zeitungen geschnitten. Auf einem stand: „Woher hatten Sie die Idee für Ihr Buch „Die Nachgeburt“? Hatte es etwas damit zu tun, dass ihre eigene Mutter bei Ihrer Geburt verblutet ist?“

Auf einem anderen stand: „Können Sie sich als Expertin für psychisch Erkrankte besser in Soziopathen wie Ihrer Hauptfigur hineinversetzen?“

Dahlia hob den Futternapf auf und warf ihn in den Müll.

 

„Ich habe mich über Ihren Anruf sehr gefreut.“

„Sie hatten mir Kaffee versprochen und meiner war gerade ausgegangen.“

Ares lächelte. „Man liest und hört viel von Ihnen in letzter Zeit. Ihr Buch war in all meinen Buchhandlungen schon nach einem Tag vergriffen.“

„Es läuft… gut.“

„Stimmt etwas nicht? Sie sehen so in sich gekehrt aus.“

„Meine Katze ist gestorben.“

„Oh, äh, mein… Beileid.“

„Danke. Ist nur eine Katze. Vielleicht schaffe ich mir dieses Mal einen Fisch an.“

„Schreiben Sie schon an der Fortsetzung? Das offene Ende hat mich sehr neugierig gemacht. Was passiert am Ende mit dem Psychopathen? Wird er erwischt?“

„Ich arbeite dran. Lassen Sie sich überraschen, es wird noch heftig.“

Ares lachte und sah ihr in die Augen. „Noch heftiger als ein Krankenpfleger, der die entsorgten Nachgeburten seiner Patientinnen verspeist wie ein Steak medium rare?“

„Warten Sie’s ab.“ Dahlia zwinkerte. „Gehört ein Stück Kuchen eigentlich auch zu Ihrem Angebot?“

 

Herr Rützel stand wieder am Fenster. „Das Kleid steht Ihnen gut, Frau Faras. Betont Ihre Augen.“ Dabei sah er nicht in ihre Augen.

„Die Heizung geht wieder nicht an. Ich bin morgen außer Haus, dann können Sie sie reparieren.“ Dahlia öffnete die Haustür.

„Wo ist eigentlich Ihre Katze?“, fragte er und grinste. Dann schloss er das Fenster.

 

Dahlia entschied sich dagegen, die Polizei zu rufen. Sie hatte keine Lust auf diesen pickeligen Gude und die stramme Nowak.

Herr Rützel würde sicher keine ihrer Lesungen besuchen. Sie bezweifelte, ob er überhaupt richtig lesen konnte. Einmal hatte sie in seinem Briefkasten „Die Bild“ gesehen. Ihn konnte sie also ausschließen. Aysuns Traum war es schon immer gewesen, Autorin zu werden. Doch sie war einfach zu schlecht. Deshalb wurde sie Agentin. Konnte es sein, dass sie eifersüchtig auf Dahlias Erfolg war?

 

Dahlia saß Tage später geschminkt in ihrem T-Shirt und der grob gewebten Strickjacke auf dem Sofa. Die verdammte Heizung war immer noch aus. Sie lackierte sich ihre Fußnägel, während sie auf dem Laptop beobachtete, wie die Likes für ihren neusten Selfie in die Zehntausende gingen. Einige der Fotos auf dem gefundenen Handy sahen wirklich gut aus. Vielleicht konnte sie ja eins hochladen, schließlich war sie selbst abgebildet. Sie öffnete die Galerie. Und erstarrte sofort. Die noch feuchten Fußnägel waren vergessen. Das Video war zuvor nicht drauf gewesen. Dahlias Daumen klickte auf das Play-Symbol. Eine große Hand hielt Khan grob am Nackenfell und riss seinen Kopf zurück. Dahlia kniff die Augen so fest zusammen, dass es wehtat. Sie hörte ein langgezogenes, grässliches Miauen. Dann war es vorbei.

Sie schmiss das Handy von sich, wollte es zerstören, sollte es endlich zur Polizei bringen. Tränen traten ihr in die Augen.

Das Klingeln eines Telefons durchbrach die Stille.

Mit zitternden Fingern nahm sie ihr eigenes Handy mit Glitzerhülle vom Tisch, doch der Bildschirm war schwarz. Das Klingeln ertönte wieder. Das war gar nicht ihr Klingelton. Es war das verdammte Smartphone, das jetzt auf dem Boden lag. Sie hob es auf und nahm ab.

„Wissen deine Fans, dass du nie deine Wäsche wäschst?“

„Du krankes Schwein! Was hast du mit meiner Katze gemacht?“

„Hast du nicht selbst gesagt, es ist „nur eine Katze“?“ Ein tiefes Lachen.

Dahlia umklammerte das Handy. Diese Stimme… „Ares?“, fragte sie heiser.

„Ares klingt so viel besser als Hannes, oder? Und Ares sieht auch viel besser aus.“

„Aber Hannes ist…“

„Fett? Du hast selbst gesagt, ich soll Sport machen, Dr. Faras. Als Ausgleich für meine… Neigung sozusagen.“ Wieder dieses Lachen. „Außer Muskeln hat es mir aber nichts gebracht. Übrigens, haben dir die Fotos gefallen?“

„Was willst du, Ar-…Hannes? Wozu das Handy? Was soll ich damit anfangen?“

„Ich war auf jeder deiner Lesungen und jedem öffentlichen Termin von dir und du hast nicht ein einziges Mal gemerkt, dass ich da bin. Ich stand direkt vor dir!“ Seine Stimme wurde lauter. „Selbst Ares hast du nicht erkannt, so sehr bist du von deinem gestohlenen Ruhm besessen!“

„Hör mal, es tut mir wirklich leid, Hannes…“

Während sie sprach, nahm sie ihr eigenes Handy in die Hand und entsperrte es.

„Das würde ich lieber sein lassen.“ Die Stimme kam nicht mehr nur aus dem Hörer.

Dahlia drehte so schnell ihren Kopf herum, dass es knackte. Eine Gestalt trat aus dem hintersten Zimmer, das Dahlia seit Wochen nicht mehr betreten hatte. Wie ein Ölfleck auf schwarzem Leder zeichneten sich die Umrisse eines großen Mannes im dunklen Flur ab. Dahlia wich zurück. In ihrer linken Hand hielt sie noch immer ihr eigenes Handy.

„Wie bist du hier eingebrochen? Die Tür ist verschlossen.“

„Eingebrochen… oder eingezogen?“ Er kam näher. „Dein Hausmeister sollte nicht jeden, der Handwerkerkleidung trägt, einfach in deine Wohnung lassen. Ich könnte doch ein Psychopath sein, der dir wehtun möchte.“

Er lachte. Vor ein paar Monaten, als sie noch therapiert hatte, hatte dieses Lachen sie in ihren Albträumen verfolgt.

Doch der Mann, der nun ins Licht des Wohnzimmers trat, war Ares, nicht Hannes.  Er grinste, doch nicht das schiefe Lächeln, das Dahlia so anziehend gefunden hatte. In Ares‘ attraktiven Zügen erkannte sie nun so deutlich ihren adipösen, soziopathischen Patienten, dass sie sich fragte, wieso sie es nicht direkt gesehen hatte.

„Du bist so sehr mit dir selbst beschäftigt, dass du nicht einmal gemerkt hast, dass ich es mir hier seit zwei Tagen gemütlich mache.“

Sie musste die Polizei anrufen. Schnell. Langsam senkte sie die Hand mit ihrem Handy und versuchte blind die 110 zu wählen, ohne Erfolg. Blöder Touchscreen!

Ares nahm einen Stuhl vom Esstisch und drückte sie darauf. Er hob den Laptop vom Tisch und klickte darauf herum. „Hallo, liebe Follower“, sagte er plötzlich und lächelte breit in die Webcam. „Heute biete ich euch ganz großes Kino. Ruft eure Freunde und Familie zusammen, denn heute seht ihr, wie Dahlia Faras entlarvt wird!“

Sein irres Lachen verängstigte Dahlia mehr als seine Videobotschaft. Wie eine Maus in Schockstarre beobachtete sie, wie er den Laptop auf dem Tisch positionierte, sodass die Webcam direkt auf Dahlia zeigte. Ihr eigenes blasses Gesicht starrte ihr entgegen. Er blieb neben ihr stehen. Neben dem Live-Video erschienen die Kommentare so schnell, dass sie nicht mitlesen konnte.

„Wusstet ihr, dass Dr. Faras jeden Tag das gleiche T-Shirt trägt? Und damit meine ich jeden Tag.“ Er beugte sich zu ihr hinunter und atmete tief ein.

„Stinkt fast so sehr wie ihre Katze, die sich beim Sterben eingeschissen hat.“

Ihr kam die Galle hoch. Er hatte ihr das Handy noch nicht weggenommen. Sie wagte es nicht, darauf zu blicken, aber tastete mit ihrem Daumen darauf herum.

„Dr. Faras und ich haben viele intensive Stunden miteinander verbracht, nicht wahr? Ich habe ihr vertraut, habe ihr meine tiefsten Geheimnisse erzählt.“ Er streichelte sanft ihren Nacken, doch sie blieb ruhig. Er war gefährlich, wie sie selbst nur zu genau wusste.

„Wisst ihr, was sie mit meinen Geheimnissen gemacht hat? Sie hat daraus einen Roman gebastelt und der Welt als Psychothriller verkauft. Und“ Er lachte auf, als hätte er einen guten Witz erzählt. „sie so berühmt gemacht, dass sie ihren gefährlichsten Patienten einfach im Stich gelassen hat!“ Seine Hand umklammerte ihren Nacken.

„Sie wusste, dass ich nicht aufhören kann, wenn ich keine Hilfe bekomme. Aber sie hat mich aus ihrer Praxis geworfen und meine Geschichte der ganzen Welt verkauft.“

Seine Fingernägel bohrten sich tief in ihre Haut. „Sie hat zugelassen, dass ich Menschen wehtue!“ Er warf den Stuhl mitsamt Dahlia um. Ihr Kopf schlug hart auf dem Boden auf. In ihr explodierte ein glühender Schmerz. „Wegen dir musste ich töten!“ Sein Fuß traf sie in den Bauch. Ihr blieb die Luft weg. „Diese beschissene Krankenschwester hat mich nur erwischt, weil du mich nicht aufgehalten hast!“ Immer wieder trat er auf sie ein. Die Handys waren längst aus ihrer Hand gefallen. Sie hörte, wie er weinte. Zusammengekrümmt und halb bewusstlos ertrug sie seine Schläge und betete, dass ihre Follower die Polizei gerufen hatten. Plötzlich hörte er auf. Sie öffnete die Augen einen Spalt breit und sah etwas Silbernes zwischen all dem Müll unter dem Sofa liegen. Sie streckte die Hand danach aus. Ares/Hannes riss sie brutal an den Haaren hoch und sah ihr wutverzerrt ins Gesicht. Als sie sah, wie seine linke Hand in seine Hosentasche griff, zögerte sie nicht und stieß ihm mit letzter Kraft die spitze Küchenschere tief ins rechte Auge. Augenblicklich ließ er sie los und fiel in sich zusammen wie ein geplatzter Luftballon. Eine Blutlache bildete sich rasch unter seinem Kopf. Den Boden würde sie erneuern müssen. Schwer atmend klappte Dahlia den Laptop zu. Und spuckte ihr eigenes Blut auf seinen Leichnam aus. Bevor die Polizei kam, ließ sie das Foto verschwinden, das er aus seiner Hosentasche ziehen wollte.

 

Fünf Monate später

 

„Nadine, ruf Aysun an und sag ihr, dass Band zwei fertig ist.“

„Soll ich danach den Stift abholen gehen?“

„Ja. Sag ihnen, sie sollen Rosen eingravieren.“

Dahlia warf ihr Glitzer-Handy in die Tasche und suchte nach ihrem Schlüssel.

„Komisch, dass ausgerechnet Hannes Kurz‘ Krankenakte aus Ihrer alten Praxis verschwunden ist.“

Nowak stand an ihrem Auto gelehnt.

„Dann sollten Sie weitersuchen.“ Dahlia zog den Schlüssel mit dem neuen Anhänger heraus.

Gude kratzte irgendetwas in sein Notizbuch.

„Wussten Sie, dass Kurz mehrere konservierte Plazenten unbekannter Herkunft in seiner Wohnung aufbewahrt hat?“

Hatte sie nicht gewusst.

„Die Parallelen zu der Geschichte in Ihrem Buch sind verblüffend“, fuhr Nowak fort. „Wissen Sie, was ich glaube, Frau Faras?“

Dahlia schwieg. Sie dachte an die Termine, die sie heute noch wahrnehmen musste.

„Ich glaube, dass Hannes Kurz, alias Ares May, mehr Menschen auf dem Gewissen hat, als wir bisher wissen. Und ich glaube, dass Sie das wussten, aber seine Geschichte lieber als Bestseller verkauft haben, anstatt ihn anzuzeigen.“

„Ich habe seine Geschichte nicht verkauft, wie oft denn noch!“ Dahlia versuchte, sich an Nowak vorbeizudrängen, um zur Fahrertür zu gelangen. „Hannes war besessen von meinem Buch, er war ein krankhafter Fan! Vielleicht wollte er der Hauptfigur nachahmen, was weiß ich!“

„Die Wahrheit werden wir wohl nie herausfinden. Da Sie ihn getötet haben.“

„Aus Notwehr! Das Gericht hat mich freigesprochen, wie Sie sehr genau wissen.“

„War es tatsächlich Notwehr?“ Verdammtes Kratzen. „Irgendetwas stimmt nicht mit Ihnen und ihrer Version und ich werde herausfinden, was es ist. Darauf können Sie sich verlassen.“

 

Dahlia streute etwas Futter in das Aquarium und nahm sich dann ein Sprudelwasser aus dem Kühlschrank. Sie setzte sich auf das Sofa und nahm die neue Schere vom Tisch. Die nächste Stunde verbrachte sie damit, Hannes Kurz‘ Akte in winzige Fetzen zu schneiden, die sich zu den anderen Zeitungschnipseln gesellten.

 

10 thoughts on “Die Nachgeburt

  1. So ich bin jetzt endlich dazu gekommen, auch deine zweite Geschichte zu lesen und ich bin echt begeistert!

    Beide Geschichten sind so unterschiedlich, aber in beiden Geschichten hast du total lebendige Charaktere geschaffen und hilfst einem durch deine Beschreibungen total in deine Geschichte einzutauchen.

    Ich habe mir immer mal wieder Notizen beim Lesen gemacht und gehe die jetzt einfach mal durch:

    Durchbruch als berühmte Schriftstellerin -> hat sich ein bisschen komisch gelesen. Kann man einen Durchbruch als berühmte Schriftstellerin haben? Oder hat man den Durchbruch und wird dann mit der Zeit berühmt? Keine Ahnung, ist auch nicht so wichtig, aber ich dachte mir ich schreibe das mal mit auf

    „Sie sah Fell. Ihr Herz begann zu rasen. Sie riss den Sack mit beiden Händen auf. Dass sie sich übergab, merkte sie erst, als sie auf allen Vieren an ihrer Tür hockte.“ -> Das ist so gut. Mir gefällt auch total, dass man erst ein paar Sätze später mitbekommt, was genau mit Khan passiert ist.
    Ich glaube, was mir daran so gefällt ist dass man genau wie Dhalia wahrscheinlich nur Bruchstücke wahrnimmt und sich daraus dann die Erkenntnis bildet: das da drinne ist Khan. Dass du den Leser erst eine Beziehung zu Khan aufbauen lässt, indem man ihn erst einmal am Fressnapf kennenlernt und auch seine Eigenheiten, wie er über den Baum dann immer nach Hause geht und seine eigenen „Katzenangelegenheiten“ (sau cooles Wort übrigens) hat. Danach trifft einen Khans Schicksal nur noch mehr.

    Der direkte Übergang zu der Szene mit den Kommissaren gefällt mir auch gut.

    Ich bin ein kleines bisschen frustriert gewesen, dass man nicht sofort erzählt bekommt, was das für Zeitungsartikel waren, aber später hast du sie an passender Stelle in die Geschichte eingebracht.

    Den Teil, in dem sie das Interview noch einmal durchgeht und die „Standardfragen“, finde ich richtig gut! Da spürt man richtig die Last des Interviews und dass es eben ermüdend für sie ist.

    Du scheinst dich gut in Frankfurt auszukennen und das macht die Geschichte noch realer! (Lieblingscafe in Bornheim zum Beispiel)

    Tippfehler: Erbnussbutter-Himbeer-Kuchen. (ich glaube irgendwo in der ersten hälfte der geschichte war noch einer, aber den finde ich jetzt nicht mehr sorry)

    Irgendwie finde ich es passend, dass sie keine Inspiration für die Fortsetzung ihres Thrillers hat. Wie als hätte sie sich den Wunsch, Autorin zu werden erfüllt und ist an einem Punkt angekommen an dem sie sich fragt: und jetzt?

    „Gudes Stift kratzte auf dem Notizblock.“ -> sooo gut! das passt sehr zu dem gefühl, das man von den beiden kommissaren bekommt: sie tun zwar ihre arbeit, aber wirklich hilfreich sind sie nicht sondern sie sind eher ein Ärgernis für Dhalia. Gude macht sich wieder Notizen, aber kommt auch was dabei herum?

    „Warum nahm er sie nicht ernst? Sie war eine verdammte Bestsellerautorin!“
    Dass passt irgendwie zu dem Eindruck, den ich von Dhalia bekomme: Ich bin Bestsellerautorin geworden. Und was hat mir das gebracht?

    „Dahlia hob den Futternapf auf und warf ihn in den Müll.“ sehr starker Moment, nachdem sie noch einmal diese unsensiblen Fragen der Reporter im Kopf durchgegangen ist!

    An manchen stellen gefällt mir das springen innerhalb der geschichte sehr gut (zum beispiel wenn die kommissare eine frage stellen oder auf ihrem notizbuch kratzen. Aber an der stelle „Ich habe mich über Ihren Anruf sehr gefreut.“ Kam es mir etwas zu plötzlich. Aber wenn die Sprünge so gewollt sind ist das auch gut

    Herr Rützel stand wieder am Fenster. „Das Kleid steht Ihnen gut, Frau Faras. Betont Ihre Augen.“ Dabei sah er nicht in ihre Augen. ->Wow, so gut!

    Übrigens machst du mich echt fertig mit den Videos in deinen Geschichten 😀

    Irgendwie war es sehr unterwartet, dass er durch den stich durchs auge gestorben ist. also er ist relativ schnell zu einem Leichnam geworden. Vielleicht wäre es besser wenn er sie irgendwo anders trifft? Ich kenne mich mit sowas nicht aus, es ging mir nur etwas schnell und hat mich gewundert

    Bevor die Polizei kam, ließ sie das Foto verschwinden, das er aus seiner Hosentasche ziehen wollte. -> meeeega gut! da MUSS man unbedingt weiterlesen!

    Und dein Ende finde ich auch, richtig richtig gut. Dieser letzte Absatz ist mega stark.

    1. Ich bin am überlegen, eine online „Lese/Schreib-Gruppe“ zu eröffnen. Also irgendeinen Chat, vielleicht auf twitter oder instagram, bei dem wir uns gegenseitig unsere Texte gegenlesen und Feedback geben können und Fragen zu den Geschichten stellen.

      Hättest du an so etwas Interesse? Also deine Geschichten haben mir so gut gefallen, dass ich noch mehr von dir lesen möchte und auch deine Meinung zu Sachen, die ich noch schreiben werde, gerne einholen würde.

      Du bist jetzt die erste Autorin, die ich danach frage. Ich habe noch ein oder zwei andere Autoren die hier mitgemacht haben im Kopf, deren Geschichten mir so gut gefallen haben, dass ich mir mit denen eine Feedback-Gruppe gut vorstellen kann.

      Falls du daran Interesse hast, sag mal Bescheid, dann lasse ich mein twitter bzw instagram handle da für alles weitere

      1. Ich finde deine Idee mit der „Lese-/Schreibgruppe“ total gut! Ich habe selbst kürzlich einen lokalen „Buch- und Schreibclub“ gegründet, aber dort gibt es wenig Interesse fürs Schreiben. Deshalb wär ich sofort bei einer Runde dabei, wo es genauso passionierte Schreiberlinge wie mich gibt!
        Twitter habe ich nicht, aber Instagram schon.

    2. Vielen, vielen Dank. Als (Hobby-)Autor*in ist es das größte Lob, so eine ausführliche Kritik zu bekommen. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, auf so viele verschiedene Aspekte einzugehen und danke dafür, dass du auch die Kritik nicht vergessen hast. Nur wirkliche Kritik hilft dabei, sich zu verbessern.
      Es freut mich aber dennoch sehr, dass dir so viel an der Geschichte doch gefallen hat.

      1. Das freut mich, dass du bei einer „Lese/Schreibgruppe“ dabei wärst!
        Ich schreibe mal mein Twitter und Instagram Handle in meine Profilbeschreibung (da kann ich das dann auch wieder löschen).

  2. Hi Mery,
    bin nun auch dazu gekommen, Deine zweite (oder ist es die erste?) Geschichte zu lesen.
    Sie gefällt mir sogar noch besser als „die Kebab-Morde“!
    Ich finde, Du hast es geschafft, die Charaktere unheimlich tief anzulegen, ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen. Die falschen Fährten sind unheimlich gut ausgelegt und wie Alexander Poulin schon geschrieben hat, ist die Geschichte um Khan total genial eingebaut.
    Rundherum eine echt richtig gute Geschichte!

    Mein Like hast Du!

  3. Hi Mery,
    ich bin durch Zufall auf deine Story gestoßen und hängengeblieben. Klar, wenn man sich selbst als Autorin versucht, liest man gern über andere Autoren. Es war von Anfang an klar, dass Dahlia irgendwie Dreck am Stecken hat. Ich war gefesselt, nachdem ich über den (für mich etwas langatmigen) Anfang hinaus war. Die Erzählperspektive wechselt vom Erzähler zur Perspektive von Dahlia, aber das störte mich nicht. die Szenenwechselt waren etwas abrupt, auch wunderte mich, dass Dahlia Ares/Hannes nicht erkannt hat – sie hat ihn doch sehr lange therapiert. Da frage ich mich, wie viel Zeit vergangen ist seither? Wenn es 20 Jahre sind, okay, aber in ein paar Jahren verändert man sich nicht so, auch wenn man abnimmt. Außerdem war er böse, dass sie ihn nicht erkannt hat, also hat er sich nicht bewusst anders gemacht.
    Aber trotzdem – eine tolle Geschichte, vor allem der Ausgang – mein Like hast du. Aus den Kommentaren sehe ich, dass du noch eine zweite Geschichte geschrieben hast, die suche ich jetzt mal.
    Weiterhin alles Gute und viele Schreibideen, bleib dran.
    Liebe Grüße Lotte
    PS: Ich würde mich sehr über Feedback bei meiner Geschichte freuen: Der alte Mann und die Pflegerin.

  4. Moin Mery,

    da hab ich zum Schluss des Wettbewerbs aber noch ne Perle entdeckt. Super geschrieben!

    Dein Plot ist gut durchdacht und die Idee dahinter sehr gut umgesetzt. Am besten gefallen mir deine Dialoge. Sehr authentisch! Mein Lieblingssatz in deiner Geschichte ist aber der :

    Wie ein Ölfleck auf schwarzem Leder zeichneten sich die Umrisse eines großen Mannes im dunklen Flur ab.

    Sehr schöne Bildsprache.

    Ich mag dein Ende, hat was von Hollywood! Die Polizei weiß bescheid, aber es fehlen die Beweise. Gefällt mir richtig, richtig gut!

    Mein Like lass ich dir gerne da und wünsche dir alles Gute für‘s Voting.

    LG Frank aka leonjoestick ( Geschichte: Der Ponyjäger)

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