Ataos2015Die vergessene Erinnerung

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Jeden Tag ging sie Joggen. Der immer gleiche Weg zur immer gleichen Zeit. Jedoch war heute etwas anders.

 

Als Elaine heute ihre Dehnübungen machte entdeckte sie neben der Bank ein Handy. „Vermutlich ist es jemandem beim aufstehen aus der Tasche gerutscht“ dachte sie. Sie hob es auf und versuchte es zu entsperren.Tatsächlich öffnete es sich sofort als Elaine es versuchte. Als sie jedoch sah was der Bildschirm ihr in diesem Moment offenbahrte, blieb ihr das Blut in den Adern stehen. Sie sah sich selbst. Nun sah sie auch die Person an die neben ihr auf dem Foto zu sehen war. An diese Person hatte sie schon viele Jahre nicht mehr gedacht. „Jonas“ flüsterte sie. Jonas wohnte früher im Nachbarhaus bevor er mit seinen Eltern weggezogen war. Wie war es möglich, dass ein Foto von ihr und Jonas, der schon so lange nicht mehr hier wohnte, auf dieses fremde Handy kam? Vorallem, da das Foto über zehn Jahre alt war?

 

Noch immer am grübeln begab sie sich, das Handy weiterhin fest in der Hand, auf den Heimweg.Ihr tägliches Workout konnte sie nach diesem Fund nicht wieder aufnehmen.

 

 

Zuhause angekommen hatte sie noch immer keine Antworten auf ihre Fragen. Egal wie sehr sie darüber nachdachte sie wurde aus diesem Handy einfach nicht schlau. „Vielleicht gibt es einen Hinweis auf den Besitzer“ dachte sie und begann sich das Handy genauer anzuschauen. Aber auch damit kam sie nicht weiter. Bis auf die Grundeinstellungen und eben diesem Foto war nichts weiter auf dem Gerät zu entdecken. Plötzlich schrak sie zusammen. Erst jetzt bemerkte sie die Gestalt in der Tür. „Hallo Elaine, warum bist du denn schon so früh wieder hier? So bald habe ich noch gar nicht mit dir gerechnet.“ sagte ihre Mutter. Schnell verbarg Elaine das Handy mit ihren Händen. Solang sie sich keinen Reim auf ihren Fund machen konnte wollte sie diesen besser für sich behalten.

 

Hallo Mommy“ angtwortete Elaine. „Irgendwie bin ich heute nicht so richtig warm geworden. Deshalb habe ich früher den Heimweg angetreten.“ Noch bevor ihre Mutter weiter darauf eingehen konnte,versuchte Elaine das Thema zu wechseln. „Sag mal kannst du dich noch an Jonas erinnern? Er wohnte früher im Haus nebenan.“ „Jonas? Diesen Namen habe ich ja schon ewig nicht mehr gehört. Ja natürlich kann ich mich noch an ihn erinnern. Wie könnte ich ihn jemals vergessen? Nachdem das damals passierte.“ Sie ging ans Fenster und schaute zum Nachbarhaus. Dann drehte sie sich wieder zu Elaine um und fragte: „Wie kommst du denn so plötzlich auf Jonas? Wir haben schon so lange nicht mehr über ihn und die von Kirchbergs gesprochen.“

 

Von Kirchberg. Genau. So hießen sie. Elaine könnte sich mit dem Nachnamen auf die Suche begeben und herausfinden wo Jonas inzwischen wohnt. Vielleicht kann er ihr sagen wie dieses Foto auf das Handy kommt. Ihre Mutter setzte sich neben Elaine und hatte schon die nächste Frage an sie gerichtet: „ Du kannst dich doch noch an dieses schlimme Ereignis von damals erinnern, oder Elaine?“ Nein das konnte sie nicht. Was in aller Welt war denn passiert?

 

Von welchem schlimmen Ereignis sprichst du Mommy? Sie sind einfach von heute auf morgen umgezogen. Was soll denn da so schlimm gewesen sein?“ „Ach Elaine.“ Ihre Mutter strich sanft eine Strähne von Elains Haaren hinter ihr Ohr.

 

Nein Jonas ist nicht einfach umgezogen. Jonas hat sich damals das Leben genommen. Seine Eltern konnten nicht länger in dem Haus in dem er geboren wurde wohnen. Alles erinnerte sie an ihn. Es schmerzte sie einfach zu sehr. Seitdem haben wir nichts mehr von ihnen gehört. Schade eigentlich. Denn wir hatten so ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen. Wahrscheinlich haben auch wir sie zu sehr an ihn erinnert.“ „Das Leben geommen?“ Elaine wurde ganz blass. Wie konnte sie soetwas vergessen? Nein! Das war doch nicht möglich.

 

Sie schüttelte den Kopf. „Warum kann ich mich nicht daran erinnern? Warum dachte ich er sei ebenso wie der Rest seiner Familie weggezogen?“ „An dem Tag an dem Jonas starb warst du mit ihm zusammen. Er hat sich in deiner Gegenwart dazu entschieden sich das Leben zu nehmen. An diesem Tag hast du einen schweren Schock erlitten. Anscheinend hast du bis heute die Ereignisse von damals verdrängt.Das ist in so einer Situation nicht unüblich.“ Elaine musste es ihrer Mutter glauben. Als praktizierende Psychologin wusste sie schließlich wovon sie sprach. Diese Erkentniss musste Elaine ersteinmal verdauen. Wie war es möglich, dass ein fremdes Handy sie auf diese Erinnerungslücke aufmerksam machen konnte? Wem war es möglich ihr dieses Bild zukommen zu lassen? Sie verstand die Welt nicht mehr. „Ist es irgendwie möglich diese Erinnerungen wieder aufleben zulassen?“ fragte sie ihre Mutter. Diese sah sie an und nickte nachdenklich.

 

Ja es ist möglich deinem Gedächnis auf die Sprünge zu helfen. Aber möchtest du das denn wirklich? Meist ist unbewusstes verdrängen ein Selbstschutz. Ich bin mir nicht sicher, ob du diese Bilder wirklich wiedersehen möchtest.“

 

Ich bin mir sicher Mommy“ antwortete Elaine fest entschlossen und mit nachdruck. Sie musste es einfach herausfinden. Wie sonst sollte sie hinter das Geheimnis des gefundenen Handys kommen? „Bitte hilf mir mich zu erinnern.“

 

Ihre Mutter seufzte „Nunja du bist alt genug um dir bewusst zu sein was du damit ins rollen bringen kannst. Ich habe alles was dich an Jonas erinnern könnte und auch einige Sachen über seinen Tod, in einer Kiste auf den Dachboden gebracht.“ „Danke Mommy.“ Elaine gab ihrer Mutter einen Kuss und machte sich fest entschlossen aber dennoch mit einem mulmigen Gefühl im Magen auf den Weg zum Dachboden. Und somit auf den Weg ihren Erinnerungen auf die Sprünge zu helfen.

 

Ihre Hände zitterten als sie den Karton öffnete und damit anfing die Fotoalben und Zeitungsartikel durchzugehen. In einem Artikel war die Rede von einem alten Bahnhof. Ja dort haben sie sich als Jugendliche gerne getroffen. Eventuell könnte sie sich daran erinnern was passierte wenn sie genau eben diesen Ort aufsuchte. Allerdings war es heute schon zu spät um damit zu beginnen. Elaine pakte alles bis auf ein Fotoalbum wieder zurück in den Karton. Das Fotoalbum nahm sie mit in ihr Zimmer und sah sich die Fotos aus einer längst vergessenen Zeit vor dem Schlafengehen an.

 

 

In dieser Nacht schlief Elaine sehr unruhig. Ihre Träume waren wirr. Immer wieder tauchte das Gesicht von Jonas auf. Er wie er ihr über den Zaun zum Nachbargarten zuwinkte. Jonas wie er neben ihr her Joggte. Auch am alten Bahnhof tauchte er auf. Nur war er nicht alleine. Sie sah sich selbst neben Jonas stehen. Die zwei unterhielten sich. Elaine konnte aber nicht hören worüber sie sprachen. Sie konnte sehen, dass sie plötzlich große Augen bekam und vor Jonas zurück wich. Er trat immer weiter auf sie zu und sie wich zurück. Solange bis sie mit ihrem Rücken das leerstehende Wärterhäuschen berührte. Nun hatte sie keine Möglichkeit weiter vor Jonas zurück zu weichen. Elain verstand noch immer nicht was die beiden sagten. Aber sie sah wie sie gegen Jonas Brust trommelte. Mit einem mal gelang es ihr ihn von sich weg zu stoßen.

 

Und mit einem Ruck saß Elaine kerzengerade und schweißgebadet in ihrem Bett. Was hatte sie da nur geträumt? Waren das die ersten Erinnerungen die zurück kehrten? Was geschah nachdem sie sich von Jonas befreien konnte?

 

Wieder hatte sie so viele Fragen und keine Antworten. Elain sah auf ihren Wecker. Es war schon beinahe Zeit aufzustehen. Also beschloss sie erstmal den Traum unter der Dusche weg zu spülen. Der Traum wollte sich aber nicht wegspülen lassen. Sie musste der Sache auf den Grund gehen. Daher entschied sie sich kurzerhand heute zu dem alten Bahnhof zu Joggen und nicht ihre übliche Joggingroute zu laufen.

 

Auf dem gesamten Weg zum Bahnhof kreisten ihre Gedanken immer und immer wieder um ihren Traum. Was war denn nur damals zwischen Jonas und ihr vorgefallen?

 

In der Nähe des Bahnhofs drosselte sie ihr Tempo immer weiter bis sie irgendwann stehen blieb. Es sah wirklich alles noch genauso aus wie damals. Die Büsche und Bäume hatten zwar etwas an Größe gewonnen doch das trügte ihre Erinnerungen nicht. Denn selbst das Wärterhäuschen stand noch so verlassen und verwarlost da. Langsam und mit kleinen Schritten ging sie an die Stelle an der sie in ihrem Traum stand. Es war ein seltsames Gefühl nun hier zu stehen. Die Gleise verliefen nur wenige Meter an ihr vorbei. Von weitem hörte sie das näher kommen eines Zuges. Refleksartig vergrößerte sie ihren Abstand zu den Gleisen. Tatsächlich sie hatte richtig gehört. Ohne langsamer zu werden fuhr der Zug an ihr vorbei. Als sich der Zug weit genug entfernt hatte und sich ihre Ohren von dem Lärm erholt hatten bemerkte sie endlich die Person die langsam auf sie zukam.

 

Elaine traute ihren Augen nicht. Wie konnte das möglich sein? Wie konnte es möglich sein, dass Jonas, der Jonas der Selbstmord begangen hatte, immer näher kam.

 

Jonas?“ fragte sie ungläubig. „Wie kann es sein dass du hier bist? Ich dachte du seist Tot.“

 

Jonas fing an zu lachen. Warum lachte er? Was konnte er an dieser skurilen Situation amüsant finden? „Hallo Elaine. Ich habe so lange auf diesen Moment gewartet. So viele Jahre habe ich mir, genau das gerade, ausgemalt. Und nun ist es endlich soweit. Endlich kann ich dir genau das antun, was du mir vor so vielen Jahren angetan hast.“ Mittlerweile war er bis zu ihr vorgedrungen. Sie wich zurück. Noch immer völlig ungläubig sprach sie : „ Was? Wovon sprichst du? Was habe ich dir angetan? Du stehst hier vor mir. Ich dachte du hättest dich umgebracht.“

 

Pah“ er spuckte voller Verachtung vor ihr auf den Boden. „Tu nicht so scheinheilig. Du hast mein Leben zerstört. Wegen dir ist nichts mehr so geblieben wie es war. Alles nur wegen dir und deiner unüberlegten Handlung. Wie konntest du nur diesen Zug nicht mitbekommen?“ Er trat immer näher auf sie zu. Es war genauso wie in ihrem Traum letzte Nacht. Und da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Nocheinmal in diese Situation gedrängt kamen die Erinnerungen wieder. Sie stöhnte auf. Es fühlte sich an wie ein Schlag in die Magengrube als ihr klar wurde was an jenem Tag passierte.

 

 

Es war ein wunderschöner sonniger Tag. Elain und Jonas trafen sich wie so oft am alten Bahnhof. Dies war einfach der Ort an dem sie sein konnten wie sie wollten. Nur hier war es ihnen möglich den ganzen Alltag abzuwerfen. Die Beiden verband eine ganz besondere Freundschaft. Sie konnte mit ihm einfach über alles reden und er war ihr in vielen Dingen eine große Stütze. Sie fühlte sich so wohl und geborgen bei ihm wie sonst bei niemandem. Heute jedoch bemerkte sie eine Veränderung an Jonas. Er war so still und in sich gekehrt. So kannte sie ihn gar nicht. Sie dachte sich nichts dabei als sie Jonas ganz unverblümt fragte: „Jonas was ist los? Du bist heute so komisch. Ist etwas passiert?“ „Nein. Ja. Ach ich weiß nicht wie ich dir das sagen soll.“ Nervös strich er sich durch seine verwuschelten Haare. „Ach was solls. Ich muss es dir jetzt einfach so sagen wie es ist.“ Er verringerte ihren Abstand zueinander. Jonas kam viel näher auf sie zu als er es jemals machen würde. Sie wich zurück bis ihr Rücken an das Wärterhäuschen stieß. Jonas nahm ihr jede Möglichkeit noch weiter vor ihm zurück zu weichen. „Elaine ich liebe dich. Ich kann und will nicht mehr ohne dich sein. Bisher reichte es mir aus wenn ich für dich da sein konnte wann immer du mich brauchtest ob bewusst oder unbewusst. Doch das reicht mir nun einfach nicht mehr. Ich habe alles versucht selbst meine Beobachtungen helfen mir nicht mehr. Ich will dich für immer bei mir haben.“

 

Verliebt? Jonas in sie? Er war doch ihr bester Freund. Wie konnte er sich in sie verlieben? Und was noch viel schlimmer war er beobachtete sie? Das war doch nicht normal. Was ging denn nur in ihm vor? „Du beobachtest mich? Warum beobachtest du mich? Und warum habe ich das nie bemerkt? Das ist doch einfach nur krank.“ „Das sagte ich doch bereits. Ich will nicht mehr ohne dich sein. Mich sehnt es mit jeder Faser meines Körpers nach dir. Immer wenn ich sehe wie du dich in deinem Zimmer zurecht machst oder dich umziehst stelle ich mir vor wie schön es wäre wenn du dies für mich machst.“ Sie konnte es einfach nicht glauben. Was war nur mit Jonas passiert? Wie konnte er nur solche Gedanken ihr gegenüber haben? Während sie versuchte sich aus seinem Griff zu befreien trommelte sie immer und immer wieder auf seine Brust ein. Und da auf einmal gelang es Elain ihn von sich zu stoßen. In genau diesem Moment in dem der Zug angefahren kam.

 

 

Noch immer stand Jonas vor ihr. Seine Arme gegen die Wand gestützt und wieder hatte sie keine Möglichkeit zu entkommen. Höhnisch sah er sie an. „ Na? Wie es scheint konnte ich dir auf die Sprünge helfen. Jetzt weisst du hoffentlich was du mir genommen hast.“ Elaine war verwirrt sie wollte schreien konnte es aber nicht. Der Ton blieb ihr in der Kehle stecken. Was lief hier für ein krankes Spiel? Wie war es möglich, dass Jonas trotz allem hier stand? Das konnte unmöglich wahr sein.

 

Auf einmal packte Jonas sie am Arm und wollte sie zu den Gleisen ziehen. „Nein! Lass mich los. Was hast du vor? Jonas nein! Hilfe!“ Die ruckartige Bewegung hatte sie wach gerüttelt. Sie wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen und nun schrie Elaine aus voller Kehle. „Hilfe! Hilfe! Bitte so helft mir doch. Er will mich umbringen.“ Bevor Jonas sie auf die Gleise schmeißen konnte kamen Ihr zwei Hände zu Hilfe. Sie hielten Jonas zurück damit Elain sich aufrappeln konnte.

 

Elain nimm mein Handy und rufe die Polizei. Ich halte ihn solange unter Kontrolle.“ Es war ihr Vater der in letzter Sekunde eingeschritten war. Sie tat wie ihr geheissen und sackte nach ihrem Anruf auf den Boden. Ihr Vater jedoch hielt Jonas solange fest bis die Polizei erschien. Ihr wurde schwarz vor Augen.

 

 

Als Elain wieder zu sich kam war sie nicht mehr am alten Bahnhof. Nein sie lag in einem Krankenzimmer. Wie war sie hier her gekommen? „Sie wacht auf. Schnell hol einen Arzt.“ Ihr Vater verließ das Zimmer und ließ sie mit ihrer Mutter zurück.“Mommy? Was ist passiert? Wo ist Jonas?“ „Elain, Schatz beruhige dich. Es wird alles wieder gut. Dir kann nichts mehr passieren. Jonas oder soll ich besser sagen Juna wurde verhaftet. Sie kann dir nichts mehr tun.“ Ihre Mutter versuchte Elain alles schonend zu erklären. Wie sich rausstellte steckte Juna hinter all dem. Juna die Zwillingsschwester von Jonas kam an jenem Tag zum alten Bahnhof als Elain Jonas von sich stieß. Sie musste alles mit ansehen konnte sich aber nicht bemerkbar machen. An diesem Tag schwor Juna rache an Elain zu nehmen. Rache daran, dass Elain ihr ihren geliebten Bruder genommen hatte. Nach Jonas Beerdigung und ihrem Umzug fing sie an sich immer mehr in Jonas zu verwandeln. Sie wollte ihm immer ähnlicher werden. Während des ganzen Verwandlungsprozesses schmiedete sie diesen kranken Plan zurecht. Juna wusste von Elains täglicher Joggingroute, da sich diese seit ihrer Jugend nicht verändert hatte. Sie präperierte das Handy und legte es so hin, dass Elain es finden musste. Die ganze Zeit über behielt sie Elain im Auge. Sie wusste, dass Elain zum alten Bahnhof gehen würde. Dort wartete sie auf Elain. Es war auch nicht weiter verwunderlich, dass Elain dachte sie sehe Jonas vor sich. Dadurch, dass Jonas und Juna Zwillinge waren und seit der letzten Begegnung zwischen ihnen einige Jahre lagen konnte sie sich gut in die ältere Version ihres Bruders verwandeln. Der Schmerz den Juna durch Jonas Tod erlitten hatte kann man nicht beschreiben. Sie dachte, dass es ihr Linderung verschaffe wenn eben die Person die ihren geliebten Bruder auf dem Gewissen hat genau das gleiche druchmachen müsse wie er. Zum Glück war Elains Vater gerade noch rechtzeitig gekommen. Doch wie konnte das sein? Sie hatte schließlich niemandem erzählt, dass sie statt ihrer Routinerunde den Weg zum alten Bahnhof einschlagen würde.

 

 

Diesen Zufall hatte sie ihrer Mutter zu verdanken. War es mütterlicher Instinkt oder einfach die Tatsache, dass sie ihre Tochter richtig einzuschätzen wusste? Jedenfalls schickte sie ihren Mann los um nach Elain am alten Bahnhof zu suchen nachdem sie nicht zur üblichen Zeit wieder zuhause ankam.

 

Als Elain all dies von ihrer Mutter erfuhr brach es aus ihr heraus. Unter Tränen erzählte sie was sich alles vor zehn Jahren am alten Bahnhof zugetragen hatte.

 

Schhhh schhh“ ihre Mutter nahm sie tröstend in die Arme.

 

Schatz das alles musst du auch der Polizei erzählen. Sie werden zu uns kommen und dann musst du noch eine Aussage machen.“ Elain nickte nur an der Brust ihrer Mutter. Diese Erkenntnisse heute waren ihr einfach zu viel.

 

Nachdem die Polizei ihre Aussage aufgenommen hatte durfte Elain mit ihren Eltern nach Hause gehen. „Mommy, Daddy? Denkt ihr ich werde wegen Jonas zur rechenschaft gezogen? Schließlich bin ich für seinen Tod verantwortlich. Ich wollte ihn nicht auf die Gleise stoßen. Das war alles ein Unfall.“ „Nein Liebling“ ihr Vater schüttelte den Kopf.“Als du dich im Krankenhaus fertig gemacht hast haben die Polizisten uns mitgeteilt, dass sie denken, dass die Ermittlungen eingestellt werden. Du hast in Notwehr gehandelt und Jonas nicht mit absicht auf die Gleise gestoßen.“

 

Und so war es auch. Elaine wurde nicht zur rechenschaft gezogen.

 

Trotz all der Erlebnisse machte sich Elaine weiterhin zur gewohnten Zeit auf um ihre alltägliche Joggingrunde zu laufen.

 

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