tabathaschubertDoppelte Rache

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Ruckartig wurde Celine durch einen Ohrenbetäubenden Krach aus ihrem Schlaf gerissen. Durch den Schreck wusste sie einen kurzen Moment nicht wo sie war. Sie musste sich erst einmal sammeln, bevor sie sich wieder orientierte und die Decke weg schlug. Sie schwang ihre Beine aus dem Bett und setzte sich erst auf die Bettkante, bevor sie ihre Nachttischlampe einschaltete und aufstand. Sie wühlte eilig auf dem Boden zwischen ihren ganzen Klamotten nach einem Sweatshirt herum. Nachdem sie endlich eines erwischte, eilte sie in den Flur und ging ins Wohnzimmer. Auf dem Weg zog sie das Sweatshirt über, welches ihr gerade so über den Bauch ging.

Sie schaltete das Licht im Wohnzimmer an und betrachtete geschockt die unzähligen Glasscherben und den Stein auf dem Boden. Ihr Wohnzimmer Fenster wurde eingeworfen. Das Fenster war bestimmt nicht versehentlich eingeworfen worden. Vorsichtig setzte sie sich einfach auf den Boden und fing in Ruhe an die Scherben ein zu Sammeln. Obwohl sie Angst hatte, wollte sie daraus keine große Sache machen. Sie war im siebten Monat schwanger und vertrug keinen Stress. Sie war in den letzten Monaten schreckhafter und vorsichtiger geworden. Zu ihrer eigen Beruhigung hatte sie immer ein kleines Taschenmesser in ihrem BH zwischen ihren Brüsten stecken.

Scherbe für Scherbe stapelte sie einfach vorsichtig  aufeinander. Greg, ihr Verlobter musste gemerkt haben das sie aufgestanden war. Er stand verschlafen in der Tür und betrachtete sie verwirrt und entsetzt während sie nur ab winkte und weiter die Scherben zusammen räumte. Das er den Lärm nicht mitbekommen hatte, wunderte sie nicht. Er schlief so fest, dass ein ganzes Orchester neben ihm spielen könnte, er würde nicht wach werden. Das er überhaupt gemerkt hatte das sie weg war, war ein Wunder.

Als sie sich an die Aufgabe machte von dem Boden aufzustehen, räumte Greg die Scherben in den Müll und begab sich wortlos wieder ins Bett. Erst nach dem Aufstehen, bemerkte sie das der Stein noch immer mitten im Wohnzimmer lag. Seufzend stellte sie sich genau über den Stein und ging so weit in die Hocke wie sie konnte. Blind, tastete sie mit der Hand den Boden ab, bis sie den Stein zu fassen bekam. Mit so einem riesigen Bauch war es fast unmöglich noch irgendetwas selbständig aufzuheben, geschweige denn sich die Schuhe zu binden. Dies musste meist Greg für sie übernehmen.

Mit dem Stein in der Hand ging sie einfach geradeaus in die Küche. Sie legte den Stein auf den Tisch und steckte das Kabel des Wasserkochers in die Steckdose. Während sie Wasser in den Behälter des Wasserkochers füllte, sah sie auf die Uhr. Es war gerade mal kurz vor fünf Uhr. Sie würde sich nach dem Tee auf jeden Fall noch etwas hinlegen. Das war eindeutig zu früh.

Während das Wasser kochte kümmerte sich Celine um den Stein. Sie ging wieder zum Fenster wo sie den Stein einfach raus warf. Um das Fenster würde sich Greg unbedingt kümmern müssen.

Gähnend machte Celine fürs erste einfach das Rollo runter. Zum Glück war es bereits Sommeranfang und die Nächte und Morgende waren nicht mehr kalt. Sie hoffte das derjenige, der das Fenster eingeworfen hatte nicht vor hatte einzubrechen. Innerlich hoffte sie das es nur ein betrunkener war, welcher irgendwo seine Wut ablassen musste. Trotz ihrer Bedenken ging sie einfach wieder ins Bett und ignorierte die Tatsache, dass sie eigentlich einen Tee machen wollte.

Am späten Mittag wurde Celine von einem, für sie nerv tötendem Klingeln geweckt. Celine hatte sich wütend auf die Suche nach dem Übeltäter gemacht. Hinterher hatte sie ein Handy gefunden. Es war nicht ihres und Greg hatte seines mit zur Arbeit genommen. Mittlerweile saß sie, das Handy skeptisch betrachtend, auf der Couch. Sie vermutete, dass das eingeschlagene Fenster irgendwie mit dem fremden Handy in Verbindung stand. Dass, das eingeschlagene Fenster kein Zufall war, war ihr klar. Der Beweis lag unmittelbar vor ihr. Sie war zwar schwanger und dadurch übervorsichtig, aber jemand wollte sie auf eine sehr auffällige Weise kontaktieren. Celine hatte sich nicht getraut das Handy an zu fassen. Sie hatte nur den Wecker der sie geweckt hatte ausgestellt. Seitdem saß sie dort. Ihre Neugierde brachte sie praktisch um. Greg würde sie davon abhalten es genauer unter die Lupe zu nehmen, doch er war bei der Arbeit. Vielleicht griff sie genau deshalb zu dem Handy und versuchte es zu entsperren. Sie drückte auf den home button, woraufhin der Bildschirm aufleuchtete. Das Handy war nicht gesperrt. Sie begann am ganzen Körper zu zittern. Mehr vor Aufregung als vor Angst.

Sie strich über den Bildschirm um zum Startbildschirm zu gelangen. Das einzige was sie dort vorfand, war die Galerie. Mit zitternden fingern tippte sie auf das Icon. Ihr wurde nur ein einziges Video angezeigt. Nachdem sie auf Play getippt hatte, blieb der Bildschirm für fast zehn Sekunden schwarz. Danach wurde die Kamera aus einem Versteck heraus in einen wenig beleuchteten Raum direkt auf zwei Personen gehalten. Schlagartig wurde ihr übel und sie warf das Handy einfach achtlos auf die Couch. Sie zitterte am ganzen Körper und starrte nur wie paralysiert das Handy an. Sie war damals davor weg gelaufen. Sie hatte ein neues Leben angefangen, nur mit den Menschen den sie vertraute. Greg hatte extra dafür gesorgt, dass alle Kopien der Aufnahme und insbesondere das Original entsorgt werden. Auch hatten sie alle drei, neue Identitäten angenommen und waren zusammen nach Gelsenkirchen geflohen. Hier war sie als Marie Habrecht, Greg unter Leon Haas und Alex unter Marc Gabinski anerkannt.

Damals war ein Überfall geplant gewesen. Es wurde ein Vertrag ausgemacht, dass alle die dabei mitmachten gefilmt wurden, damit egal was passiert sich keiner da raus ziehen konnte. Hinterher waren nur noch sie und Alex übergeblieben. Natürlich hatten sie es durchgezogen aber es war gewaltig schief gegangen. Das „Opfer“ kam mit seinem Sohn viel zu früh nach Hause zurück. Sie und Alex waren nicht bewaffnet, also nahmen sie jeweils einen schweren Gegenstand aus dem Wohnzimmer und letztendlich schlug Alex den Vater und sie den Sohn zu Boden. So wie sie wenig später mitbekommen hatte, waren beide an einem Schädelbruch gestorben. Zu dem Zeitpunkt war sie neunzehn gewesen. Sie hatte panische Angst gehabt und daraufhin hatte sie Alex und Greg dazu bewegt ihr bei der Flucht aus Berlin zu helfen.

Jemand hatte sie ausfindig gemacht. Sie hatte erwartet, dass sie ihre Vergangenheit irgendwann doch einholen würde. Aber so früh hatte sie doch wieder nicht damit gerechnet.

Das Klingeln ihres eigenen Handys holte sie aus ihrer Schockstarre. Sie stand auf und lief ins Schlafzimmer um ihr Handy von ihrem Nachttisch zu holen. Sie ging einfach ran.

>>Wurde dir heute Nacht auch dein Wohnzimmer Fenster eingeschlagen?<< war das erste was Alex ihr aufgebracht ins Ohr schrie. Celine musste schlucken, es war klar, dass wenn man sie fand man auch Alex finden würde.

Unbewusst das Alex es nicht sehen konnte, nickte sie. >>Ja…<< erwiderte sie dann nachträglich und er lachte verzweifelt auf.

>>Du wurdest auch von einem fremdem Handy auf deinem Wohnzimmertisch geweckt?<< Alex wurde zum Ende hin leiser. Celine erwiderte gar nichts und ließ sich auf ihrem Bett nieder. Sie beide wussten, dass sie gehörig in der Scheiße steckten und daran konnten sie rein gar nichts mehr ändern.

Es war still in der Leitung bis das fremde Handy auf Celines Couch zu klingeln begann.

>>Bleib dran!<< war das einzige was sie sagte als sie mit ihrem Handy in der Hand wieder ins Wohnzimmer ging und das Handy von der Couch nahm. >Unbekannt< las sie und ging an das Handy. Sie stellte den Lautsprecher ein und hielt ihr Handy an das andere damit Alex mithören konnte.

>>Wer ist da?<< presste Celine mit fast tonloser Stimme aus sich heraus. Sie hörte rein gar nichts, aber der Bildschirm zeigte an, dass die Verbindung weiterhin bestand.

Nach fast einer Minute ertönte eine mechanisch veränderte Stimme. >>Um punkt halb sieben steigen sie in das schwarze Auto, das vor ihrem Wohnhaus parkt. Nur eine Minute später und sie sind tot.<< ehe sie etwas erwidern konnte wurde aufgelegt.

Celine schluckte und ließ das Handy achtlos liegen um ihres wieder ans Ohr zu nehmen. >>Hast du es gehört?<< fragte sie unsicher ins Telefon. Zur Bestätigung gab Alex nur einen murrenden Laut von sich. Danach war es in der Leitung totenstill. In der Zeit blieb sie einfach still in der Leitung. Erst nach zwei Minuten meldet sich Alex wieder zu Wort. >>Ich habe grad den selben Anruf bekommen. Ich soll um halb sieben in das schwarze Auto an der Westerkapellner Straße steigen. Ich bin in fünf Minuten bei dir.<< Alex legte auf. Celine wollte nicht einfallen, wer versucht haben könnte sie zu finden. Die Polizei hatte schon längst aufgehört zu suchen. Sie ging in die Küche und schüttete das alte Teewasser weg, bevor sie neues in den Wasserkocher machte. Bevor sie sich setzen konnte klopfte es ungeduldig an ihrer Haustür. Alex wohnte nur fünf Minuten entfernt, wenn er rannte, war er in zwei Minuten bei ihr. Seufzend setzte sie sich in Gang und öffnete Alex die Haustür.

>>Ist Greg da?<< war das erste was Alex ihr schnaufend entgegen warf, während er sich hastig, den Kopf durch die Tür steckend umsah. Celine schüttelte den Kopf und ging wieder Richtung Küche. Greg würde sie erst morgen früh sehen. Er hatte Nachtschicht und traf sich meist ein paar Stunden vor Schichtbeginn mit ein paar Arbeitskollegen. Zum Glück. Sie holte zwei Tassen aus dem Küchenschrank und machte Alex und sich jeweils einen Pfefferminztee. Vorsichtig balancierte sie die Tassen bis zum Wohnzimmer. Die zweite Tasse stellte sie Alex vor die Nase ihre eigene stellte sie halb auf ihrem Bauch ab nachdem sie sich gesetzt hatte.

Sie hatte es schon immer Faszinierend gefunden wie groß der Bauch während einer Schwangerschaft wurde. Lächelnd strich sie zärtlich über ihren Bauch. Alex räusperte sich und sie sah ihn fragend an. Er setzte sich näher zu ihr rüber und sah sie ernst an. >>Du steigst im Leben nicht in diesen Wagen.<< Celine zog nur eine Augenbraue hoch und stellte ihre Tasse ab. >>Seid wann hast du das bitte zu entscheiden?<<

Alex lachte höhnisch und strich sich durchs Gesicht. >>Celine, du bist schwanger und wirst dich bestimmt nicht in dieses Auto setzen.<< Vorsichtig nahm er einen Schluck aus seiner Tasse. Celine betrachtete ihn nur fassungslos. >>Nein. Keiner von uns beiden steigt in dieses Auto. Denkst du wirklich ich wäre so blöd in das Auto eines Menschen zu steigen der mein Fenster einwirft, bei mir einbricht und mir droht mich umzubringen? Und wag es ja nicht noch einmal zu versuchen mir vorzuschreiben was ich tue und was nicht. Schwangere macht man besser nicht wütend.<< Celine versuchte vorsichtig aufzustehen. Alex sprang von der Couch auf und half ihr. >>Und was hast du jetzt bitte vor?<< er betrachtet sie skeptisch während sie ins Schlafzimmer lief.

>>Packen.<< gab Celine trocken von sich und kramte eine Reisetasche aus dem Schrank. >>Was?<< rief er aus dem Wohnzimmer. >>Bist du bescheuert? Wo willst du denn jetzt hin? Ich würde abwarten bis die Idioten hier waren. Die dürften eigentlich schon hier sein. Die machen sich bestimmt…<< mitten im Satz brach Alex ab. Sie hörte nur ein Poltern. Ihr Bauch sagte ihr wortwörtlich Gefahr an. Gerade als sie sich umdrehte um nach dem rechten zu schauen kam ihr ein maskierter Mann entgegen. Er zog ihr eins über, woraufhin alles Schwarz wurde.

Celine wachte mit höllischen Kopfschmerzen auf. Es war stockdunkel und sie wusste nicht wo sie war. Das letzte woran sie sich erinnerte, war das sie im Schlafzimmer eigentlich eine Tasche packen wollte. Danach hatte sie keine Erinnerung mehr. Sie konnte ihre Hände nicht bewegen, genauso wenig wie ihren Oberkörper. Sie versuchte ruhig zu atmen und ihre aufkommende Panik runter zu schlucken. Allein der Gedanke, dass sie ihren Bauch nicht beschützen konnte, machte sie verrückt. Sie versuchte ihre Arme zu bewegen. Sie waren zu fest angebunden. Würde sie ihre Arme dauerhaft bewegen, dann würde sie sich die Haut an ihren Handgelenken abscheuern. Neben ihr schien sich etwas zu regen und jemand stöhnte vor schmerz. Sie hatte tierische Angst und ihr Kopf Schmerzte höllisch.

Nach gefühlten Stunden, ging auf einmal das Licht an und Celine musste die Augen zu kneifen. Es war grell und löste eine Schmerzwelle in ihrem Kopf aus. Sie öffnete ihre Augen und musste erst ein paar mal blinzeln bevor sie sich überhaupt umsehen konnte. Sie sah neben sich und erkannte Alex, ebenfalls festgebunden an einem Stuhl. Bei ihm sahen die Seile fester gebunden aus als bei ihr. Er hatte sich schon die Handgelenke blutig gescheuert. Alex schien nur halb bei sich zu sein. Er hing gerade so auf dem Stuhl und schien ganz schön was verpasst bekommen zu haben.

Sie saßen in einem kleinen Raum mit recht niedriger Decke. Es gab nur ein kleines vergittertes Fenster. Der Raum an sich war vollkommen leer. Die Luft war staubig und der Boden unfassbar dreckig. Es musste ein Kellerraum sein. Was anderes konnte sie sich nicht vorstellen. Ihr gegenüber befand sich eine Massive Stahltür. Von außerhalb, vernahm sie ein lautes poltern. Jemand schien zu kommen. Wahrscheinlich derjenige der auch das Handy hinterlassen und gefordert hatte, dass sie einfach so in ein Auto stieg. Alex neben ihr gab regelmäßig Geräusche von sich die sich alles anders als gesund anhörten. Es war eine Art röcheln, wie als würde er jeden Moment an seinem eigenen Speichel ersticken.

Von außen wurde die Tür entriegelt. Celine verkrampfte sich instinktiv und versuchte wieder ihre Arme zu bewegen. Nach einer weile traten zwei maskierte Gestalten in den Raum. Jetzt schien auch Alex richtig da zu sein. Die zwei Männer, wie sie von der Statur her erkennen konnte schlossen die Tür hinter sich. Einer von den Beiden hatte einen Klappstuhl mitgebracht und setzte sich in die linke Ecke schräg gegenüber von Celine. Er starrte sie durchgehend an während der andere die beiden still musterte und sich dann räusperte.

>>Ich hatte echt erwartet, dass ihr meine Anweisung befolgt und einfach ganz brav, pünktlich in das Auto steigt. Aber nein, ich musste euch wirklich aus der Wohnung holen. Ich dachte ich habe schon genug Warnungen hinterlassen um euch klar zu machen wie ernst mir die Sache ist.<< er lachte leicht spöttisch und lief langsam umher. Celine betrachtete ihn nur abwertend während Alex wieder nur abwesend auf seinem Stuhl hing.

Es blieb eine ganze Weile still, bis der Fremde stehen blieb und sich vor Celine hin hockte. >>Jahrelang, hab ich nach den widerlichen Menschen gesucht die meinen Vater umgebracht haben. Und nach viereinhalb Jahren hab ich eine Nachricht von meinem Freund bekommen.<< Er zeigte auf den Mann in der Ecke. >>Er gab mir die Identitäten, Anschriften und Beweismittel. Aus heiterem Himmel. Ihr beiden seid die wertlosen Arschlöcher die mich und meinen Vater fürs Geld niedergeschlagen haben. Mein Vater ist daran gestorben. Ich, ich bin nochmal ganz sauber davon gekommen.<< Er lachte wieder spöttisch und stand auf.

Celine bekam kein Wort heraus. Sie überkam Angst, Schuldgefühl und Reue auf einmal. Der Junge, den sie vor fast fünf Jahren eigentlich umgebracht hatte stand vor ihr. Sie hatte damals die Information bekommen, dass der Junge auch gestorben wäre. Es hatte sie noch lange in ihren Träumen verfolgt. Sie war nicht damit klar gekommen einen zwölf jährigen Jungen tot geschlagen zu haben. Sie begann zu zittern und sah nach rechts zu Alex der den Jungen nur ungläubig anstarrte während er seine Maske abnahm.

In seinem Gesicht zog sich eine Narbe, von der Schläfe bis zu seinem Haaransatz und wahrscheinlich noch etwas weiter. Dort war die Stelle an der sie ihn mit der Mamorfigur getroffen hatte. Der Junge stellte sich vor die beiden. >>Damit ihr es wisst, ich werde euch in keinster Weise Schmerzen oder anderes zufügen. Aber sobald mein Freund da drüben mit euch fertig ist,<< Er zeigte wieder auf den Mann in der Ecke. >>…werde ich euch samt des Videos an die Polizei übergeben. Meinen Teil habe ich schon erfüllt indem ich die Handys plaziert und euch gehörig eines über gezogen habe.<< Er wandte sich zu dem Mann in der Ecke. >>Na dann, ich überlasse sie dir.<<

Der Junge wechselte die Position mit dem Mann. Celine bekam ein ganz ungutes Gefühl, als er sich zu ihrem Bauch herunter hockte und leicht darüber strich. Die Berührung verpasste ihr eine unangenehme Gänsehaut. Der Mann seufzte enttäuscht und sah ihr direkt in die Augen. >>Ich wusste vom allerersten Moment an, dass das Kind nicht von mir ist.<< Er sagte es so emotionslos und kalt. Celine bekam keine Luft mehr und sie schüttelte ihren Kopf. Es durfte nicht wahr sein. Das konnte er nicht sein. Er war zur Arbeit gefahren. Sie hatte ihn selbst wegfahren sehen. Sie versicherte sich immer das er auch wirklich weg war. Er richtete sich wieder auf und auch er nahm seine Maske ab. Es war Greg. Greg der sie mit purem Hass in den Augen ansah. Sie konnte nichts weiter als den Kopf schütteln.

>>Weißt du was ich an dem Ganzen so witzig finde?<< begann er an Celine gewandt. Sie schüttelte den Kopf, woraufhin er nur lachte und sich durch die Haare fuhr. >>Du warst einfach zu naiv um noch irgendetwas zu bemerken. Ich habe regelmäßig dein Zeug durchwühlt und nach einer Weile, als kurze Erledigungen anfingen Stunden zu dauern, habe ich angefangen dir hinterher zu gehen. Ich war erstaunt, wie oft mich der Weg zu der Wohnung dieses Wichsers geführt hat.<< Er deutete wütend auf Alex. >>Monatelang betrügst du mich, aber weißt du was ich am Schlimmsten an der Sache finde?<< Greg legte eine kurze Pause ein und kam ihr ganz nahe. >>Das schlimmste daran ist, dass du mich schamlos belogen hast und mir weis machen wolltest das Kind wäre von mir. Genau! Deshalb versteckt meine Freundin den Schwangerschaftstest im Bettkasten und bucht Flugtickets für sich und ihren Lover nach Australien?<< Er war ihrem Gesicht immer näher gekommen. Beide starrten sich gegenseitig verhasst in die Augen. >>Du musst dich doch nicht wundern!<< Wütend beugte sie sich so weit sie noch konnte vor. >>Du bist doch derjenige der ewig besoffen von der Arbeit kommt und ständig gewalttätig mir gegenüber ist.<< Mit jedem Wort wurde Celine lauter und dementsprechend wütender. Sie stand kurz vor dem Weinen. Eher vor Wut als vor Trauer. Sie konnte nicht glauben, dass Greg, sie und Alex so schamlos ausgeliefert hatte. Sie war im Glauben gewesen, er hätte alle Beweise vernichtet. Greg lachte nur verächtlich auf und entfernte sich von ihr bevor er sich Alex widmete.

Celine beobachtete Greg genau. Er fuhr sich durch die Haare und atmete tief durch bevor er zu sprechen begann. >>Und jetzt zu dir du armseliger Wichser.<< Er stellte sich vor Alex und betrachtete ihn abfällig von oben herab. >>Ich habe dich noch nie gemocht, aber ich habe dich akzeptiert, weil du Celine wichtig bist. Und du nutzt das aus um meine Freundin zu schwängern. Weißt du was ich mit Arschlöchern mache die ohne mein Einverständnis meine Freundin anfassen? Bestimmt nicht, also zeig ich es dir besser.<< Greg ging vor Alex in die Hocke und sah kurz zu Celine die ihn mahnend und voller Hass ansah. Danach sah er zu dem Jungen und wies ihn mit einem Kopfnicken an, aus dem Raum zu gehen. Als der Junge außer Reichweite war, widmete er sich voll und ganz seinem Vorhaben.

>>Arschlöcher die meine Freundin anfassen, denen werden die Patsche Händchen gebrochen und eigentlich auch die Genitalien entfernt. Aber da ich dir schon die Zähne eingeschlagen habe, gebe ich mich mit deinen Patsche Händchen zufrieden.<< Greg lachte belustigt, während Alex ihm nur wütend einen Blutklumpen ins Gesicht spuckte. Greg versuchte sich zu beherrschen, stattdessen griff er nach Alex kleinem Finger und bog ihn in jede erdenkliche unnatürliche Richtung. Da der Raum hallte, schien das Geräusch seiner zerberstenden Knochen und die darauf folgenden Schreie extra laut von den Wänden wieder zu hallen. Celine kniff ihre Augen zu und schüttelte ihren Kopf. Sie hoffte es wäre nur ein böser Traum. Greg griff zu Alex rechtem Ringfinger und machte mit diesem dasselbe. Daraufhin folgten die weiteren Finger seiner rechten Hand. Alex schreie waren unerträglich. Sie spürte seinen Schmerz, nur anhand seiner Schreie. Sie begann zu weinen. Dadurch das sie ihr arme dauerhaft bewegte spürte sie, wie sie sich die Haut an ihren Handgelenken blutig scheuerte. Alex trat um sich, was Greg nicht zu stören schien. Ihm gefiel was er tat. Es bereitet ihm Freude Alex vor ihren Augen zu verletzen. Allein nur das Zuhören war reine Folter für sie.

Greg ließ ihm eine Kurze Pause um seinen Vortrag weiter zu führen. >>Verpissen wolltest du dich mit ihr? Hattet ihr gedacht ich merke nicht wenn ihr auf einmal weg seid? Dachtet ihr ich komme euch nicht auf die Schliche?<< Er lachte wieder und griff nach dem nächsten Finger. Celine beruhigte sich etwas und versuchte die Chance zu nutzen während Greg mit Alex beschäftigt war und versuchte ihre Brüste so zusammen zu drücken, dass sie wenn sie den Kopf runter neigte an das Taschenmesser kam. Es war vielleicht zu klein, um das Seil durch zu bekommen aber sie musste es versuchen. Schnell versuchte sie mit den Zähnen den Schlüsselring der oben rausragte mit den Zähnen zu packen. Als Greg Alex nächsten Finger brach und Alex Schreie wieder den ganzen Raum erfüllten, beugte sich vor um das Taschenmesser in ihre linke Hand zu nehmen und mit den Zähnen die Klinge raus zu ziehen. Noch immer zitterte sie am ganzen Körper. Sie wollte sich nicht ausmalen, was passieren würde wenn Greg es bemerkte. Scheinbar war er aber zu blöd um auf sie zu achten und zu beschäftigt mit Alex Fingern. Vorsichtig versuchte sie das Seil durch zu schneiden. Zu ihrer Verwunderung gelang es ihr. Das Taschenmesser war wohl doch scharf genug.

Greg war wie in seinem Element und brach Alex einen Finger nach dem Anderen. Nach jedem Finger ließ er eine Pause um Alex triumphierend zu beobachten wie er am ganzen Körper zitternd seine verdrehten Finger ansah und wütend schreiend um sich trat. Nach ein paar Minuten hatte sie das poröse Seil an ihrem linken Handgelenk durch. Greg war beschäftigt genug, damit sie auch das Seil an ihrem Oberkörper durchtrennen konnte.

Gerade als Greg dabei war einen weiteren Finger zu verbiegen, nutzte sie das Überraschungsmoment, sprang von dem Stuhl auf und schleuderte den Holzstuhl mit dem Arm der noch angebunden war mit voller Wucht in Richtung Greg und der Wand. Der Stuhl zerbrach in mehrere Teile. Dadurch das Greg kurz ausgeknockt war, hatte sie genug Zeit um sich auf ihn zu stürzen. Hemmungslos begann sie schreiend mit dem kleinen Messer auf ihn ein zu stechen. Er schlug nach ihr und versuchte sie von sich herunter zu drücken. Trotz der vorherigen Einstiche, verpasste sie ihm einen aggressiven Schnitt an der Halsschlagader. Greg begann zu röcheln und hielt sich vergebens die Wunde zu. Celine blieb nur reglos auf seinem Oberkörper sitzen und beobachtete ihn beim verbluten. Sie betrachtete seinen erschrockenen Gesichtsausdruck und das dunkle Blut, das sich rings um ihn verteilte und sich in ihre Hose saugte. Die rechte Stuhllehne hing noch an ihren Arm gebunden. Erst in dem Moment realisierte sie was sie getan hatte. Sie war wieder wie gelähmt. Im Hintergrund vernahm sie nur dumpfe Schreie und wie sie von Greg herunter gezogen wurde. Er lag nur noch reglos am Boden und ein Polizist stürmte auf ihn zu. Sie wurde von einer Polizistin auf die Beine gezogen und aus dem Raum gezerrt. Celine schrie und weinte, versuchte sich zu wehren, dies aber vergebens. Als sie aus dem Raum, die Treppen hoch gezerrt wurde, konnte sie nur noch erkennen, wie Alex befreit und ebenfalls abgeführt wurde. Oben an der Treppe wartete der Junge. Er sah so brav und gutmütig aus. Dabei war er nur auf Rache aus gewesen, genauso wie Greg. Beide hatten ihre Gründe, aber gingen anders damit um.

Celine wurde erst auf das Revier und dann ins Gefängnis befördert. Sie bekam eine zehn Jahre Gefängnis Strafe. Alex wurde ins Krankenhaus gebracht. Nach der Op hatte er sich mit einem Kugelschreiber als er unbeaufsichtigt war das Leben genommen. Er hatte die Halsschlagader durchtrennt. Celine bekam ihr Baby im Gefängnis, durfte es aber nicht behalten. Ihre kleine Tochter wurde nach nicht einmal vierundzwanzig Stunden von dem Jugendamt abgeholt.

Ihre Vergangenheit hatte sie letztendlich doch eingeholt. Anders als geplant. Jetzt versauerte sie in diesem Gefängnis und durfte nicht einmal Besuch empfangen. Sie hatte erst überlegt ob sie nach dem Essen einfach die Gabel mitgehen lassen und sich wie Alex das Leben nimmt. Aber das hätte sie ihren Stolz gekostet. Und sollte sie in zehn Jahren dort raus kommen, dann wollte sie für ihre Tochter da sein.

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9 thoughts on “Doppelte Rache

    1. Hey, mich hat die Geschichte angezogen weil ich Celine heiße 😀 Jetzt hab ich sie fertig und ich find sie gut. Es ist super das nicht nur eine Person betroffen ist. Das ist mir bisher nicht unter gekommen. Außerdem finde ich den Hintergrund der Charaktere super. Du wiederholst manche Sätze/Wörter ab und zu, aber mich persönlich hat es nicht ganz so gestört. Ich hätte mir das Ende vielleicht etwas ausführlicher gewünscht. Das kommt aber daher das es eine Kurzgeschichte sein musste. Und dafür ist es wirklich gelungen. Ich drück die Daumen für deine Geschichte.
      Wenn du Lust hast würde ich mich auch über Feedback freuen. (Verrat) 🙂 LG

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  1. Hallo, mir hat die Geschichte gut gefallen.
    Aber ein paar kleine Fragen/Anmerkungen hätte ich:
    -So ganz konnte ich nicht nachvollziehen, wie Celine genau an das Messer genommen ist. Wenn die Hände an den Stuhl gefesselt waren, ist das glaube ich, schon generell nicht leicht, sich mit dem Oberkörper zur Hand zu beugen (der ja auch noch festgebunden war…), im 7. Monat ist Frau da sicher noch etwas weniger gelenkig – meine war das jedenfalls;). Zudem ist es glaube ich, kaum möglich, sich mit nur einer Hand die fesseln durchzuschneiden.
    – Für eine Kurzgeschichte hätte ich mir ein knackiges Ende gewünscht, aber das ist rein subjektiv.
    Vielleicht lohnt es sich ja, nochmal dran zu arbeiten?
    Aber wie gesagt, das ist rein subjektiv. Mit hat die Geschichte ansonsten sehr gefallen!

    P.S. vielleicht hast du ja Lust, auch meine Geschichte zu lesen >>Glasauge.
    Über ein Feedback würde ich mich freuen!

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    1. Hay🙂
      Danke für dein Feedback.
      Ich hab versucht Celines Handlungem so gut wie möglich zu beschreiben.😅 Ich bin leider noch recht „jung“ (haha) und eher etwas unerfahrener und freue mich deshalb über verbesserungsvorschläge und bedanke mich auch recht herzlich für diese.😊
      Ich habe sowieso vor mir die Kurzgeschichte nochmal vor zu nehmen.

      Lg.

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      1. Jugend muss ja nicht hinderlich sein…
        Ich finde Sebastian Fitzek hatte das mal ganz gut beschrieben : man sollte am besten von Situationen schreiben, die man auch selbst ein Stück weit nachempfinden kann. Der Vergleich mit Bestsellerautoren, die eben z.B. Gerichtsthriller schreiben, weil sie selbst Anwälte waren, als Handlungsort einen zu nehmen, den man kennt …
        Diese Tipps haben mir schon sehr bei meiner Geschichte geholfen, wobei ich auch da den Fehler gemacht habe, von Photoshop zu schreiben, ohne wirklich je damit gearbeitet zu haben… Also, auch Alter schützt vor Fehlern nicht. Aber gerade deshalb finde ich diese Kommentarfunktion hier so gut. Es gibt immer jemanden, der einen auf kleine Fehler stößt, aus denen man lernt.
        Mach auf jeden Fall weiter mit dem Schreiben!
        LG

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  2. Mir hat deine Geschichte sehr gut gefallen, wobei ich nicht alles zu 100% nachvollziehen konnte. (Z. B. dass jemand einfach wieder schlafen geht, nachdem das Wohnzimmerfenster eingeschlagen wurde)
    Das Ende finde ich ein bisschen traurig, aber die Geschichte ist wirklich sehr spannend!
    Du hast auf ein Kommentar geantwortet, dass du noch jung und unerfahren bist, einfach immer schön weiter schreiben! 😉
    Ich habe auch noch nicht so extrem viel Erfahrung, wie manch anderer hier und würde mich auch über dein Feedback zu meiner Geschichte freuen. 🙂
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/lilly

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  3. Hallo

    Das Negative zuerst:
    Man spürt, dass du noch am Anfang deiner Entwicklung stehst.

    Ein Fremdleser hätte da und dort Wiederholungen, Rechtschreibfehler und Zeichensetzungsfehler gefunden und berichtigen können.

    Aber das nur am Rande.

    Es geht um deine Geschichte.
    Die Idee dahinter.
    Den Inhalt und um das Ende.

    Mir hat deine Geschichten gefallen.
    Sie hat mich gefesselt.
    Und ich habe sie gerne gelesen.

    Meinen Like hast du auf jeden Fall.

    Ich fand es toll, mich in deine Geschichte zu vertiefen.
    Deine Protagonisten waren glaubhaft und intensiv.

    Die Rahmenhandlung finde ich interessant, intensiv und nachvollziehbar.
    Du hast wirklich viel Arbeit in diese Geschichte gesteckt.
    Das merkt man.

    Und man merkt, dass sie dir viel bedeutet.
    Und das ist auch gut so.

    Bitte schreib weiter.
    Du hast Potenzial.

    Arbeite an deiner Technik, deinem Wissen, deinem Stil.
    Und alle deine zukünftigen Geschichten werden von Tag zu Tag besser.

    Obwohl ich diese hier schon wirklich gelungen fand.

    Gib niemals auf, nimm dir Ratschläge zu Herzen…. und kämpfe.

    Mein Like hast du auf jeden Fall.

    Diese Story ist bereits jetzt der Beweis dafür, dass du es drauf hast.

    Liebe Grüße, Swen Artmann (Artsneurosia)

    Vielleicht hast du ja Lust und Zeit, auch meine Story zu lesen.
    Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen.
    Meine Geschichte heißt:

    „Die silberne Katze“

    Ich danke dir und pass auf dich auf.
    Swen

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