Kristina84Eine folgenschwere Entscheidung

EINE FOLGENSCHWERE ENTSCHEIDUNG

– von Kristina Becker

„Der Mensch ist nicht was er glaubt zu sein. Er ist das was er verbirgt.“

– Der französische Schriftsteller André Malraux

Kapitel 1

„Was wäre wenn ich vor einem Jahr diese Frau niemals kennengelernt hätte? Wäre ich heute hier und würde Euch eine Geschichte erzählen? Wahrscheinlich nicht, nein. Denn wenn es so gekommen wäre, würdet ihr mich nicht einmal kennen. Aber keine Sorge, ihr lernt mich im Laufe der Zeilen etwas kennen und könnt selbst beurteilen wer oder was ich bin. Denn ich weiß es nicht mehr. Ich dachte ich wüsste wer ich bin und was mich ausmacht, ein guter Kerl der sein Geld verdient für seine Familie, die er einst gründen wollte. Aber nun sitze ich hier und erzähle euch stattdessen, was in meinem Leben schief gelaufen ist. Ich habe Zeit, viel Zeit. Ihr auch?“

Nun es war wie gesagt vor etwa einem Jahr an einem kalten Januar Abend, an dem eine Party meines alten Arbeitskollegen zu Hause stattfand. Nein, er war nicht alt, wir waren nur langjährige Freunde. Es sollte eine Wiedersehensparty mit Freunden sein, nachdem das neue Jahr angebrochen war. Ich war etwas spät dran, da meine Anfahrt etwas länger war als die der anderen Leute. Als ich ankam, waren schon so gut wie alle da. Es waren sowohl bekannte, als auch unbekannte Gesichter. Männer und Frauen. Alle in guter Stimmung, denn es war schließlich Wochenende. Jeder brachte etwas mit, meistens war es Alkohol. Wir waren jung, wer braucht da schon was zu essen? Mir fiel schon zu Anfang an eine Frau auf, die aus der ganzen Menge herausstach. Ihre Haare waren lang und Honigblond, ihre Augen Stahlblau und ihre Lippen voll und einladend zum küssen. Ja, das war so ziemlich das erste, was ich dachte als ich sie zum ersten Mal sah. Aber ich musste mich ermahnen, schließlich war ich verheiratet und nicht auf ein Abenteuer aus. Zumindest noch nicht. Wir setzten uns alle an den Tisch um zumindest einige der Salate zu essen, die mein alter Freund Jakob organisiert hat. Schließlich waren wir keine Amateure, die uns schon auf leeren Magen berankten. Die hinreißende Frau wartete nicht lange und setzte sich zu mir und stellte sich mir vor. „Hi, mein Name ist Melinda. Ich bin neu im Freundeskreis und wollte mich dir kurz vorstellen.“ „Hi, ich bin Henry. Ein langjähriger Freund und Arbeitskollege von Jakob.“ antwortete ich ihr freundlich. „Freut mich, Henry. Ich hoffe, wir haben heute einen schönen Abend zusammen.“ Sie hält ein volles Glas hoch und signalisiert mir somit mit ihr anzustoßen. „Das hoffe ich auch.“ und ich folge ihrem Signal und stoße mit ihr an. Ich denke nicht weiter darüber nach, was sie gesagt hatte. Irgendwie hatte ich dabei ein leichtes kribbeln im Bauch, beschloss aber es zu ignorieren. Sie meinte bestimmt uns alle damit, nicht nur sie und mich allein. Nicht nur der Abend verlief gut, sondern auch der Alkohol. Es wurde immer ausgelassener gefeiert und jede Menge Fotos gemacht. Gruppenfotos, Pärchenfotos und weitere Fotos an die ich mich einfach nicht mehr erinnern kann. Es war der pure Spaß, so ausgelassen habe ich noch nie gefeiert. Irgendwann kam Melinda zu mir und fing an mich anzufassen. Erst an meiner Brust, dann an meinem Oberkörper entlang und dann wanderte ihre Hand immer weiter bis zu meiner Leistengegend. Ich wusste nicht wie mir geschieht, konnte es aber nicht abwehren. Nein, falsch. Ich wollte es nicht abwehren.

Plötzlich steht sie auf und begibt sich in das Zimmer nebenan, Jakobs Schlafzimmer. Ihr Blick wandert in meine Richtung und gibt mir zu verstehen ihr in dieses Zimmer zu folgen. Meine Gedanken überhäufen sich. Ich merke, wie Jakob mich beobachtet und große Augen macht, als ich vom Sofa aufstehe und ihr folge. Ich weiß dass es wahrscheinlich nicht richtig ist, doch in diesem Moment ist mir das ganz egal. Alles was ich will, ist SIE. Ihre Berührungen elektrisieren mich und ihr Geruch ist einfach betörend.Meine Gedanken spielen total verrückt, aber dennoch und ohne lange zu überlegen küsse ich Melinda. Wild, mit Zunge. Dabei führe ich sie sanft in die Richtung des Bettes und wir legen uns drauf. Weitere Küsse berühren unsere Gesichter,weitere Berührungen erkunden unsere Körper. Doch als sie meine rechte Hand berührt, merke ich was an dieser Situation falsch ist. Mein Ehering. Sie bemerkt es sofort und fragt:

„Was hast du?“

„Ich bin verheiratet“ entgegne ich.

„Ja, ich weiß. Stört es dich?“ fragt sie.

„Ja, der Ring stört mich.“

Und ohne zu zögern nehme ich in diesem Moment den Ring ab und werfe ihn lieblos auf das Bett neben uns.

„Bitte, setz ihn wieder auf. Du musst das nicht für mich tun.“

„Schon ok, vergiss einfach diesen Ring.“

Ich wusste nicht was ich da sagte, es war so als hätte mich jemand anderes unter Kontrolle, oder besser gesagt, SIE hatte mich unter Kontrolle. Ich war nicht ich selbst und doch war ich es, der in dieser Nacht mit ihr geschlafen hatte. Wir gingen nicht mehr aus diesem Zimmer raus, bis es hell wurde. Erst als ich langsam aus meinem Schlaf erwachte, wurde mir klar was passiert ist. Sie lag unter einer leichten Decke neben mir, wir beide Nackt darunter. Oh mein Gott, was habe ich getan? Panik überkam mich, als ich meinen nackten, rechten Ringfinger betrachtete. Wo kann er nur sein, ging es mir durch den Kopf und wühlte hektisch durch das ganze Bett. Melinda wachte in diesem Moment auf und fragte: „Suchst du den hier?“ und hielt mir ihre rechte Hand entgegen mit meinem Ehering an ihrem Finger.

„Ja“ antwortete ich knapp und nahm ihr ihn vom Finger ab. Dass sie ihn sich einfach aufgesetzt hatte, ignorierte ich besser.

„Entspann dich süßer, es ist nichts passiert was wir nicht wollten.“

„Ja, das sagt jemand, der nicht verheiratet ist wie ich.“ „Keine Sorge, deine Frau wird es nicht erfahren. Jedenfalls nicht von mir.“ sagte sie und lächelte kalt und verschwörerisch, wie ich fand.

Ich beschloss nicht weiter darauf einzugehen und das ganze so schnell wie möglich zu vergessen.

„Ich muss los.“ sagte ich kurz angebunden und fing an mich anzuziehen.

„Wir könnten das wiederholen, ich gebe dir gerne meine private Adresse, niemand wird das mitbekommen.“

„Hör zu, das war eine einmalige Sache, einverstanden? Ich habe nicht vor, irgendwas davon zu wiederholen. Das musst du verstehen.“ sagte ich schon leicht gereizt.

„Klar, verstehe. Erst verführst du mich und nimmst dabei sogar deinen Ehering ab nur um mir dann zu sagen, dass es einmalig war? Ziehst du das mit all deinen Frauen durch?“

Was hatte sie da gesagt? Mit all meinen Frauen?

„Ich habe eine Ehefrau, sonst keine andere Frau in meinem Leben. Das war ein Ausrutscher, wir hatten viel Alkohol getrunken und alles führte zum anderen. Also bitte, lass mich in Ruhe.“ ich muss zugeben, dass die Wut aus mir sprach und ich immer lauter wurde. Ich beschloss es damit gut sein zu lassen und verließ das Zimmer. Im Wohnzimmer herrschte das Chaos, der Rest der Bande schlief noch und ehe mich jemand sehen konnte, wie ich aus dem Schlafzimmer ging, war ich schon draußen. Ich konnte mich nicht von Jakob verabschieden, die Scham war einfach zu groß. Ich wusste nicht einmal wie viel er von diesem Abend mit mir und Melinda mitbekommen hatte. Ich hoffte nur, dass sein Alkoholkonsum ebenso groß war wie meiner. Ich fuhr nach Hause, wütend und voller Hass auf mich selbst. Ich ging gleich unter die Dusche, bevor meine Frau mich sehen und vor allem riechen konnte. Sie durfte nichts davon erfahren, sonst war’s das mit unserer kurzen Ehe.

Kapitel 2

Der Februar war angebrochen und ich habe von Melinda nichts mehr gehört. Auch Jakob sagte kein Wort, obwohl wir uns Tag für Tag im Büro gesehen haben. Ich wusste, dass auf ihn Verlass ist und er dichthalten würde. Wie viel auch immer er von diesem Abend wusste, ich traute mich nicht danach zu fragen.

Es war ein langer Tag im Büro, ich war ständig von einem Meeting ins nächste geeilt, als ich endlich Feierabend hatte. Zu Hause angekommen öffnete ich meine Ledertasche um die Protokolle der Meetings noch einmal durchzugehen. Dabei fiel mir ein Handy auf, welches ich nicht kannte. Merkwürdig, habe ich das versehentlich bei einem der Meetings eingesteckt? Das Gehäuse war rot und ich wüsste auf Anhieb nicht, wem das gehören könnte. Ich setzte mich auf meinen Stuhl in meinem eigenen Bürozimmer und betrachte das Handy einige Sekunden lang. Wenn ich mir die Fotos darin ansehen würde, könnte ich herausfinden wem dieses Handy gehört, dachte ich. Aber wenn es durch ein Passwort geschützt ist? Doch beim Versuch das Handy zu entsperren stellte ich fest, dass es nicht durch ein Passwort geschützt war. Wie unvorsichtig von der Person, dem dieses Handy gehört, dachte ich nur. Auf dem Display waren nicht viele Apps drauf. Lediglich die Galerie, der SMS-Dienst, die Foto-und die Wetter-App waren darauf zu sehen. Mir kam das seltsam vor, selbst auf meinem Geschäftshandy, welches ich nur zum telefonieren nutzte, sind mehr Apps drauf. Ich ging gleich auf die Galerie, um mir die Fotos darauf anzusehen und sogleich stockte mir der Atem. Da waren erst Fotos von mir drauf und dann weitere mit mir und Melinda, im Bett! Ich fing an zu schwitzen und die Erinnerungen kamen bei mir wieder zum Vorschein. Es kam alles wieder hoch, der Alkohol, der Sex, einfach alles. Oh, mein Gott… In diesem Moment kam meine Frau ins Zimmer.

„Ist alles in Ordnung? Du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen!“ fragte sie mich und sah das Handy in meiner Hand.

Ich erschrak und stand abrupt vom Stuhl auf. „Nein, alles in Ordnung. Ich habe nur gesehen, dass ich morgen schon wieder viele Meetings im Büro habe, das ist alles.“

„Hast du ein neues Handy? Das kenne ich noch nicht.“

Ich starrte das Handy an und brachte kein Wort heraus.

„Henry? Was hast du denn? Wem gehört dieses Handy?“

„Oh, das hier. Ja, das habe ich heute bekommen, weil mein altes Geschäftshandy mir heruntergefallen ist.“

„Verstehe. Dann kannst du deine Termine nochmal durchgehen und dann essen kommen. Es ist in fünf Minuten fertig.“

Sie schaute mir nochmal skeptisch in die Augen, drehte sich um und ging wieder aus dem Zimmer.

Ich nickte stumm und blieb noch eine Weile stehen und starrte das Handy an. Nach einer geschlagenen Minute, ertönte ein SMS-Ton. Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich auf das Symbol klickte. Es war nur ein einziger Satz darauf zu lesen: „Bereust du deine Tat?“

Kapitel 3

Diese Fotos, diese Nachricht… Das alles kann nur von Melinda sein. Aber wie kommt das Handy in meine Arbeitstasche? Steckt Jakob mit ihr unter einer Decke und hat es mir während einer meiner Meetings heute eingesteckt? Nein, das würde ich ihm nicht zutrauen. Wir sind schon so lange befreundet, er würde mir sowas nicht antun, egal wie viel er von dieser Nacht wusste. „Okay, okay Henry. Denk nach!“ ermahnte ich mich selbst. Aber es gab so viele Möglichkeiten, wie sie mir das Handy unterjubeln konnte. Die Firma ist schließlich keine Festung, jeder kann dort ein- und ausmarschieren wie er oder sie es möchte. Wie dem auch sei, ich musste diese Bilder von diesem Handy löschen. Ich beschloss nicht auf die SMS zu antworten und löschte diese ebenfalls. Ich musste Ruhe bewahren, obwohl alles in mir vor Wut kochte. Als ich mich in dieser Nacht zu meiner Frau ins Bett legte, fand ich einfach keinen Schlaf. Immer mehr Bilder tauchten vor meinem inneren Auge auf und ich wälzte mich hin und her. Plötzlich ertönte wieder dieses Handy, denn ich hatte vergessen den Ton abzustellen. Bevor es noch mehr Töne von sich gab, eilte ich aus dem Bett und las eine weitere Nachricht.

„Gehen dir die Bilder unserer gemeinsamen Nacht nicht mehr aus dem Kopf?“ und dann immer weitere Nachrichten, wie:

„Ich kann nicht aufhören an dich zu denken. Komm doch lieber zu mir ins Bett.“

„Was kann dir deine Frau schon bieten? Ich habe dir bewiesen, was ich alles kann.“

Wie aufs Stichwort kamen weitere Fotos an, wie wir es miteinander trieben.

Ich merke nicht einmal wie mir die Tränen liefen, bis ich nur noch alles verschwommen sehen konnte.

Diesmal schrieb ich ihr zurück: „Lass mich endlich in Ruhe, es war eine einmalige Sache! Warum tust mir das an?“

Prompt kam eine Antwort zurück: „Weil ich weiß, dass du mich willst und es nur noch nicht weißt. Komm zu mir und lass dich davon überzeugen. Wenn du es nicht tust, wird deine Frau die ganze Wahrheit erfahren. Noch heute!“

Okay, sie hatte mir gedroht. Damit wird sie nicht durchkommen, schwor ich mir.

„Dann lass uns morgen Nachmittag bei dir treffen und reden. Wir müssen das klären.“

„Aber gern mein Süßer, wir können gerne vorher miteinander reden. Dann sehen wir was der Abend uns noch bringt.“

Ich ging nicht weiter darauf ein, ich sah ein, dass es derzeit nicht viel bringt ihr meinen klaren Standpunkt zu erklären. Sie gab mir ihre Adresse und ich stellte fest, dass ihre Wohnung keine zehn Minuten von mir entfernt lag. Na großartig, dachte ich. Ich bin sowas von erledigt.

Kapitel 4

Ich ließ das letzte Meeting ausfallen, damit ich mich noch mit Melinda treffen und dennoch rechtzeitig zu Hause ankommen konnte. Sie wohnte in einem kleinen Fachwerkhaus, klein, friedlich und idyllisch. Wie der Schein doch trügerisch sein kann, dachte ich mir. Diese Melinda ist genau das Gegenteil. Da fiel mir ein, dass ich ihren Nachnamen noch gar nicht kannte, doch während ich diesen Gedanken hatte, summte schon das Schloss der unteren Haustür. Ich ging hinein und traf sie schon im Erdgeschoss. Gott sei Dank, dachte ich, dass sie nicht schon nackt vor mir steht. Denn irgendwie hatte ich sowas erwartet, nach all den Nachrichten und Fotos, die sie mir geschickt hatte.

„Hallo Henry, komm doch rein.“

„Hallo“ sagte ich nur knapp und wir gingen in ihre Wohnung. Ich musste zugeben, dass sie bei ihrer Wohnungseinrichtung einen guten Geschmack hatte. Es war zwar spartanisch eingerichtet, aber alles hatte seinen richtigen Platz eingenommen.

„Hör zu, lass uns bitte gleich miteinander reden.“ begann ich, ohne mich auch nur hinzusetzen.

„Es war eine schöne Nacht mit dir, das gebe ich zu, aber es wird sich nicht wiederholen. Das musst du verstehen.“

„Henry, bevor du noch mehr zu sagen hast, muss ich dir was gestehen.“

Sie geht ins Wohnzimmer und nimmt etwas aus der Schublade heraus, um es mir in die Hand zu drücken.

Es war eine Abbildung in schwarz/weiß und bevor ich nachfragen konnte, dämmerte es mir. Es war ein Ultraschallbild!

„Was zum…?“

„Henry, ich bin schwanger. Das ist dein Baby, was du da siehst.“ Sie schaute mich lächelnd und voller Hoffnung an, als würde das nun alles ändern.

„Schwanger? Von… von mir? Das kann nicht sein!“ und wieder packte mich diese Wut und ich wurde mit einem Mal lauter.

„Du lügst! Was willst du damit bezwecken? Willst du, dass ich jetzt für immer mit dir zusammen bleibe? Meinst du, es ändert sich etwas für mich? ICH. WILL. DICH. NICHT. Kapier das doch endlich!“

Ich stürmte aus der Wohnung raus und knallte die Tür mit voller Wucht zu. Ich dachte, ich wäre in einem falschen Film. Wer tut nur sowas?

Auf dem Rückweg nach Hause ertönt immer wieder das rote Handy. Es waren Bilder von Melinda, allesamt vom Ultraschall. Ich war kurz vorm durchdrehen. Ich fuhr zu Jakob und beschloss ihm alles zu erzählen. Vorher fuhr ich noch zur Tankstelle und kaufte mir mehrere Flaschen Bier und betrank mich schon auf dem Weg zu ihm. In meinem betrunkenen Zustand erzählte ich ihm alles, von der Nacht, vom Handy, von den Nachrichten und Fotos und von dem angeblichen Baby. Ich heulte wie ein Schlosshund. Ich wusste einfach nicht mehr weiter. Meine Frau versuchte mich auf dem Handy zu erreichen, aber ich konnte da jetzt einfach nicht darauf antworten. Jakob hatte sich alles angehört und beschloss im Internet über Melinda zu recherchieren. Über eine Freundin von ihm erfuhren wir ihren Nachnamen, Melinda Kamen. Auf einer Social Media Plattform fanden wir sie und praktisch ihren gesamten Lebenslauf in Form von Fotos. Wir mussten uns nicht sonderlich viel Mühe geben etwas mehr über sie herauszufinden, denn ihre Fotos sagten schon alles. Und dann fanden wir ein aktuelles Foto, es musste von gestern sein. Sie, mit einem fremden Mann und einer Vodka-Flasche in der Hand.

„Sie ist nicht schwanger, Mann!“ schrie ich das Handy-Display an. „Dann würde sie doch nicht öffentlich Alkohol trinken!“

Jakob schaute sich noch weitere Fotos an, es waren immer andere Männer, mit denen sie sich vergnügte.

„Ich glaube die kleine ist eine Betrügerin.“ sagte Jakob. „Das darfst du dir nicht gefallen lassen, mann!“

Ich fand, dass Jakob recht hatte. Und fasste einen Entschluss.

„Wo willst du denn jetzt noch in deinem Zustand hin?“

„Ich tue jetzt das, was ich schon längst tun sollte.“ sagte ich wütend und taumelte aus seiner Wohnung zu meinem Auto.

Ich wollte nur noch eins, nach Hause zu meiner Frau. Ich musste ihr von der Nacht und von den ganzen Drohungen erzählen, bevor sie es von Melinda oder sonst wem herausfindet.

Kapitel 5

Es war schon dunkel und nach einundzwanzig Uhr, als ich zu Hause ankam. Es war still und dunkel in der Wohnung, was ich merkwürdig fand. Meine Frau liebte Musik und hatte es immer laufen, wenn sie alleine zu Hause war. Doch heute war es anders. Adrenalin packte mich und plötzlich fing ich an, mir Sorgen zu machen. Als ich im Wohnzimmer ankam, saß sie mit gesenkten Kopf da und rührte sich nicht.

„Schatz, ist alles in Ordnung?“ fragte ich sie vorsichtig.

„Lisa?“

In diesem Moment hebt sie den Kopf, ihre Augen sind gerötet, die Wangen mit Tränen überströmt.

„Ich sagte doch, dass sie es von mir erfährt, wenn du es ihr nicht sagst.“ ertönt eine andere Stimme, die jetzt immer näher kommt.

„Melinda! Was zum Teufel machst du hier!?“

„Nein, Henry. Ich frage dich, was du hier noch tust!“ fragte meine Frau mit brüchiger Stimme.

„Du hast mich betrogen und jetzt ist diese Frau auch noch schwanger von dir!“

„Nein, du irrst dich. Sie ist nicht schwanger, sie lügt!“ versuche ich ihr zu erklären.

„Ach, Schätzchen. Bleib bei der Wahrheit und steh zu deiner Tat.“ sagte Melinda so freundlich wie sie nur konnte.

Sie spielt mit dir Henry, sagte ich zu mir selbst. Du musst aus dieser Situation irgendwie wieder rauskommen.

„Ich verlasse dich Henry. Es macht keinen Sinn mehr mit dir zusammen zu sein, ich bin fertig mit dir!“

„Nein, wir können darüber reden. Ich will nur mit dir zusammen sein, nicht mit ihr! Wir wollten doch eine Familie zusammen gründen.“

„Oh, du hast bald eine Familie und zwar mit ihr!“

Ich sah nur noch wie Lisa aufstand, ihre gepackte Tasche in ihre Hand nahm und sich in Richtung Haustür bewegte.

Da war sie wieder die unbändige, blinde Wut, die mich überfiel. Ich stürzte auf Melinda zu und packte sie mit beiden Händen am Hals. Ich drückte und drückte so fest, bis ihre Beine nachgaben und sie nach einer gefühlten Ewigkeit aufhörte zu atmen. Ich weiß nur noch, wie meine Frau versuchte mich davon abzubringen. Sie schlug auf mich ein, zerrte an mir, aber ich konnte nicht anders. Diese Frau hatte nicht das Recht mir so das Leben zu zerstören. Also beschloss ich, ihres zu zerstören. Erst als Melindas Körper erschlaffte und sie zu Boden sank, ließ ich von ihr ab. Ich war völlig außer Atem, kniete vor ihr und sah wie das Leben aus ihr heraustritt. Meine Frau war weinend und schreiend im Hintergrund und dann merkte ich, dass sie den Notruf wählte. Es war vorbei, das war mir jetzt klar. Ich war zu weit gegangen. Was sage ich da? Ich habe einem Menschen das Leben genommen! Sie hatte meins zwar zerstört, aber ich habe sie getötet!

Kapitel 6

„Ja, das ist meine kleine Geschichte. Ich erzähle euch diese von meiner Zelle aus, in der ich noch achtzehn Jahre meines Lebens abzusitzen habe. Zu Recht, findet ihr nicht auch? Ich habe es verdient. Vielleicht könnt ihr mir jetzt sagen, wer oder was ich bin. Habe ich meine Identität verloren oder ist mein wahres Ich nur dadurch zum Vorschein gekommen? Ich weiß es nicht. Noch vor einem Jahr hatte ich alles, einen guten Job, eine wundervolle Frau und Freunde. Jetzt habe ich eine Zelle und viel Zeit zum Nachdenken.

Moment mal, hört ihr das auch? Irgendetwas vibriert hier unter meiner Matratze? Es ist ein rotes Handy! Wie kommt das hier rein? Erschrocken schaue ich mich erstmal um, ob jemand in der Nähe ist. Aber ich bin vollkommen allein.

Mit zitternden Händen nehme ich das Handy, es fällt mir fast aus der Hand. Es ist eine SMS, mit bebendem Herzen lese ich die Nachricht: „Bereust du deine Tat?“

 

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— ENDE —

 

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