Schreibfeder2101Eins, zwei, drei, vier, Eckstein

 

Niemand wusste, dass sie hier war außer der Polizei. Sie hatte alles sorgfältig geplant und ihre Spuren konnten nicht verfolgt werden. So ihre Hoffnung…

Denn dieser Ort versprach für Sie etwas von dem sie sich vor einigen Tagen verabschieden musste. Dem Gefühl der Sicherheit. Dieses trügerische Gefühl hatte sie in den vergangenen 40 Jahren stets begleitet. Jetzt kennt sie nur noch ein Gefühl, die Angst…

Mit zitternden Händen nahm Anna Dobson der jungen Dame, deren Namen sie bereits wieder vergessen hatte, den Schlüssel ab. „Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt. Sollten Sie noch weitere Fragen haben, zögern Sie nicht mich anzurufen“, sagte sie freundlich und machte sich auf den Weg zurück zu ihrem Auto. Ihr langer blonder Pferdeschwanz wippte dabei fröhlich auf und ab. Früher sahen meine Haare auch einmal so aus, dachte sie sich und fuhr sich dabei wehmütig mit der Hand über die kurzen grauen Haare. Sie schaute der jungen Frau noch so lange hinterher, bis diese mit durchdrehenden Reifen aus der Einfahrt fuhr. Und dann war sie alleine, schon wieder. Die Sonne brannte auf sie herunter. Doch das war für sie etwas tröstliches, denn Sonnenlicht bedeutete für sie Sicherheit. Solange die Sonne schien, war das Böse fern.

Das Haus, das Anna für die kommenden Tage gemietet hatte war umgeben von einem kleinen Park. Bei der Buchung hörte sie auf ihr Bauchgefühl. „Suche dir etwas, dass sowohl abgelegen aber auch nicht völlig isoliert dasteht. Wenn du nach Hilfe rufst, sollte zumindest jemand in Hörweite sein.“ Und nun war sie hier. An dem Ort, an den sie nie wieder zurückkehren wollte. Das hatte sie sich vor vielen Jahren einmal geschworen. Zu düster waren die Erinnerungen. Das Schicksal hatte es aber dennoch anders gewollt.

 

Gedankenverloren ließ Anna den Blick über das Haus schweifen. Das Haus war unscheinbar. Ein kleines Holzhaus mit blauen Fensterläden, die dringend einen Anstrich gebrauchen könnten. Es war eines der wenigen Objekte, die man in dieser Gegend überhaupt mieten konnte, denn Yerkchester war nicht unbedingt für seine touristischen Anziehungspunkte bekannt. Und so war es auch keine Überraschung, dass die Vermieterin dieses Hauses ganz überglücklich war endlich jemanden zu finden, der dort zeitweilig wohnen wollte. Ein Geräusch vom gegenüberliegenden Haus ließ Anna zusammen zucken. Im Vorgarten des kleinen Backsteinhauses war ein älterer Herr, schätzungsweise in ihrem Alter dabei, die heruntergefallenen Äste eines Baumes auf eine Schubkarre zu laden. Noch bevor er ihren Blick auffangen und sie vermutlich ebenfalls beobachten konnte, drehte sie sich schnell wieder um, hob ihren Koffer auf und schritt auf die Veranda des Hauses zu.

 

Behutsam stieg sie die Stufen empor, die genauso ächzten und knirschten wie ihre eigenen Knie. Sobald sie die Eingangstür geöffnet und den ersten Schritt in das Hausinnere getan hatte, schlug ihr eine warme muffige Luft entgegen, die ihr kurz den Atem raubte. Es weckte Erinnerungen an einen anderen Ort, der hier ganz in der Nähe war, das „Internat“. Erinnerungen von denen sie hoffte, sie bald wieder ganz tief in ihrem Unterbewusstsein vergraben zu können.

 

„ICH finde dich… Ich finde DICH… ICH FINDE DICH… Eins, zwei, drei, vier, Eckstein… Die Kinderstimme kam immer dichter. Es kam ihr fast so vor, als könnte sie den Atem des Kindes in ihrem Nacken spüren. Erneut sprach die Stimme „Eins, zwei, drei, vier, Eckstein.“ Hastig drehte sie sich um und tatsächlich stand dort ein Junge hinter ihr. Er wirkte verängstigt und schaute sie aus großen Augen erwartungsvoll an. Doch plötzlich veränderte sich sein Ausdruck. Er lächelte und dieses Lächeln wurde immer breiter. „Eins, zwei, drei, vier, Eckstein“, flüsterte er und Blut quoll dabei aus seinen Augen und seinem Mund. Ängstlich bewegte sich Anna rückwärts. Das Lächeln wich nicht aus dem Gesicht des kleinen Jungen. Plötzlich packten sie Hände von hinten und drückten sie so fest, dass sie keine Luft mehr bekam. Eine zweite Stimme flüsterte ihr ins Ohr: „Hab dich.“

 

Wie eine Ertrinkende schnappte Anna nach Luft als sie aus diesem Albtraum erwachte. Sie konnte noch immer die Stimme ganz genau hören und beinahe den Atem an ihrem Ohr fühlen. Panisch sah sie sich in dem Zimmer um. Niemand war da. Die kleine Nachttischlampe warf verschiedene Schatten an die Wand, doch keiner davon wirkte menschlich. Sie hatte das Gefühl, als würde ihr Herz aus der Brust springen. Sie schloss die Augen und versuchte sich auf ihre Atmung zu konzentrieren.

„Mich trifft keine Schuld. Ich habe das getan, was von mir verlangt wurde. Nur Gott kann mich richten. Mich trifft keine Schuld“. Immer und immer wieder flüsterte sie diese Worte vor sich hin. Es war das Mantra ihrer Gruppe gewesen. „Mich trifft keine Schuld, keine Schuld.“ Ihr Kopf und ihre Lippen schienen keine anderen Worte mehr formulieren zu können.

Und in diesem Moment dachte sie an ihre Gruppe. An all die jungen Frauen, die die gleiche Geschichte wie sie teilten. Alle hatten sie das gleiche erlebt, die Entscheidungen mitgetragen und das Leid geteilt. Schlussendlich war jede damit anders umgegangen. Sie hatten sich geschworen die Vergangenheit ruhen zu lassen und nicht mehr darüber zu sprechen. Mit niemandem. „Es würde keinem etwas bringen, das unveränderliche immer wieder durchzukauen“, hatte Annas Freundin Clara gemeint. „Was geschehen ist, ist geschehen.“

Und für eine Weile konnte Anna auch damit leben, mit niemandem darüber zu sprechen. Wem hätte sie auch davon erzählen wollen. Doch irgendwann konnte sie mit den Albträumen und dem schlechten Gewissen nicht mehr leben. Es fraß sie von innen auf. Wie durch Zufall traf sie Pfarrer Petersen in London wieder. Sie kannte ihn aus der Zeit als sie im „Internat“ gearbeitet hatte. Er war damals der neue Pfarrer der Gemeinde gewesen und besuchte sie häufig im „Internat“ um zu predigen und sich die Sorgen der  Anwohner anzuhören.  Sie vertraute sich ihm an, erzählte ihm alles. Geschockt, hörte er von all den gequälten Seelen und den traurigen Schicksalen, die über die Jahre hinweg entstanden.  Wie konnte so etwas nur geschehen, ohne das man etwas davon erfuhr. Er schwor ihr stillschweigen zu wahren. Eine Absolution erteilte er ihr aber nicht. Zu groß war der Schaden gewesen, der angerichtet worden war.

Und Pastor Petersen war es auch, der die ganze Sache vor einigen Tagen ins Rollen bringen sollte. Ein kleiner Artikel auf einer der letzten Seiten der Tageszeitung, berichtete über den Angriff und die beinahe tödlichen Verletzungen eines älteren Herren in London. Er war auf einem Parkplatz im Stadtteil Paddington aufgefunden worden. Keine Namensangabe, keine weiteren Informationen. Anna selber wäre der Artikel überhaupt nicht aufgefallen, wäre da nicht dieser Anruf gewesen.

 

„Hast du es gelesen?“, flüsterte die Stimme am anderen Ende. Anna war diese Stimme unheimlich bekannt. Sie hatte sie zwar seit nunmehr fast 40 Jahren nicht mehr gehört, doch hätte sie sie unter hunderten heraushören können.  „Elisabeth?“, fragte Anna verwundert. „Bist du es?“ Stille am anderen Ende.

„Hast du es gelesen?“, fragte die Stimme erneut. „Was meinst du“, antwortete Anna verwundert. „Den Artikel über den verwundeten Mann in Paddington. Wir kennen ihn alle, es ist Pastor Petersen.“ Und noch bevor Anna etwas erwidern konnte führte Elisabeth fort: „Sie haben bei ihm etwas gefunden, ein Handy. Darauf waren Bilder von mir. Die Polizei war schon hier. Es ist noch nicht vorbei. Die Schuld muss beglichen werden.“

Anna spürte wie sich die Haare in ihrem Nacken aufstellten. „Das kann nicht sein“, sagte sie mit lauter Stimme, „Kein Schuld, erinnere dich!“

„Wir müssen uns sehen Anna“, antwortete Elisabeth. „Du musst zurückkommen. Wir müssen die Schuld begleichen“.

Anna versuchte noch auf Elisabeth einzureden, doch ohne Erfolg. Sie hatte bereits aufgelegt. „Du musst zurück kommen“, murmelte sie vor sich hin. Zurück an den Ort ihrer Vergangenheit. 

 

Mit klopfendem Herzen stand Anna zwei Tage nach dem Telefonat vor Elisabeth‘ Tür. Nach so langer Zeit würden sie sich wieder sehen und über die Vergangenheit sprechen. Anna wusste nicht, was sie nervöser machte. Sie klopfte an, doch erhielt keine Antwort. Sie klopfte erneut. Wieder nichts.

Sie schritt um das Haus herum, um durch die Fenster zu schauen. Doch es war nichts zu sehen. Die Räume waren leer und kurz bevor sie schon aufgeben wollte, entdeckte sie die angelehnte Terrassentür. „Elisabeth“, rief sie als sie eintrat. Doch keine Antwort. Sie ging durch die Zimmer des kleinen Hauses und rief immer wieder ihren Namen, erhielt jedoch keine Antwort. Sie blieb vor einer verschlossenen Tür stehen. Behutsam öffnete sie diese und wünschte sich heute, sie hätte dies nicht getan. Blut, so viel Blut war auf dem Boden und an den blaugefliesten Wänden zu sehen. Sie konnte es in ihrem Mund schmecken. Dieser kupferartige Geschmack den sie teilweise noch heute schmecken konnte. Elisabeth lag in der Badewanne, ihre erstarrten grauen Augen schauten sie direkt an.

Anna weiß bis heute nicht, wie sie den Weg zurück aus dem Haus geschafft hatte. Sie erinnert sich nur noch an die beiden Frauen, die sie dazu zwangen sich auf den Bordstein vor dem Haus zu setzen und die Polizei riefen. Auch kann sie sich nicht mehr daran erinnern, wie das Blut an ihre Hände gekommen ist. Das Gefühl, wie die warme Flüssigkeit an ihren zitternden Händen hinunter lief verursachte bei ihr noch immer ein Gefühl der Übelkeit. 

Man ging davon aus, dass Elisabeth Selbstmord begangen hat. In den Augen der Polizisten sprachen die aufgeschnittenen Pulsadern für sich. Auf dem Polizeirevier erzählte Anna von ihrer Verabredung mit Elisabeth und beantwortete die Fragen der Polizistinnen. Nein, sie könne sich nicht vorstellen, warum Elisabeth Selbstmord begangen haben könnte. Nein, sie wüsste auch nichts von irgendwelchen Streitereien in der Familie oder irgendwelchen totbringenden Krankheiten. Sie war hierher zurück gekommen, um sich mit einer alten Freundin zu treffen. In Annas Ohren klangen diese Antworten durchaus plausibel und die beiden Polizistinnen schienen ihr auch soweit zu glauben. Bis zu dieser einen letzten Frage. Die nach dem Schriftzug an der Wand im Badezimmerwand. Ob Anna wüsste was diese bedeuten könnte und schoben ihr ein Foto über den Tisch. „Die Schuld begleichen“, stand dort in blutroten Buchstaben. Geschrieben mit dem Blut von Elisabeth. „Nein“, log Anna, sie habe keine Ahnung was das zu bedeuten habe.

Man entließ sie mit der Bitte sich für weitere Fragen bereit zu halten. Sie könne den Ort nicht verlassen und müsse hierbleiben. Das war nun wirklich das letzte, das Anna wollte aber es blieb ihr keine andere Wahl. Damit war sie gefangen an diesem Ort; schon wieder.

Das schlagen der großen Wanduhr holte sie zurück aus ihren Gedanken. In der Ferne konnte man bereits die Sonne aufgehen sehen. Die aufkommende rötliche Farbe am Himmel zeigte ihr, dass sie wieder eine Nacht überstanden hatte. „Sicherheit,“ dachte sie sich. Sie stand auf und machte sich für den Tag fertig. Gegen Mittag klingelte es an der Tür. Eine der beiden Polizistinnen vom Vortag stand vor ihr  und bat dringend darum mit ihr zu reden.

„Es war kein Selbstmord“, begann die junge Polizistin namens May die Unterhaltung. „Bei der näheren Betrachtung der Leiche habe man einen Zettel gefunden, der tief in ihren Rachen geschoben worden war. Darauf standen die Worte Eins, zwei, drei, vier, Eckstein. Anna hatte das Gefühl ihr Herz würde stehen bleiben. Doch die andere Frau war mit ihren Ausführungen noch nicht zu Ende. „Man habe außerdem bei der Toten ein Handy gefunden“, erklärte diese in einem schon beinahe beängstigenden ruhigen Ton. „Das wäre zunächst nichts ungewöhnliches, doch ist es augenscheinlich nicht das Handy der Toten.“

Sie holte aus ihrer Tasche eine kleine durchsichtige Plastiktüte hervor und legte diese auf den Küchentisch. Darin befand sich ein Klapphandy, so viel konnte Anna erkennen. „Das ist jedoch immer noch nicht alles“, mahnte sie May. „Man hat darauf Fotos gefunden und zwar von Ihnen, Mrs. Dobson.“ Anna schaute sie mit großen Augen an. Die ausgedruckten Fotos die nun vor ihr ausgebreitet wurden, zeigten sie an unterschiedlichen Tagen der vergangenen Wochen. Einer Zeit, in der sie noch nicht einmal daran gedacht hatte, dass sie jemand beobachten könnte. „Ich kann mir das nicht erklären“, sagte sie mit bebender Stimme. Die Tasse in ihren Händen begang so stark zu zittern, dass der Kaffee darin beinahe überschwappte. „Was soll das bedeuten?“

„Ich habe gehofft sie könnten mir das beantworten“, antwortete die andere Frau und legte ihr behutsam eine Hand auf den Arm. „Aber egal was es auch bedeuten könnte, ich möchte dass Sie wissen, dass wir auf sie aufpassen werden. Sie können mir alles erzählen. Je mehr wir wissen, desto mehr können wir oder viel mehr kann ich für sie tun“, versicherte sie ihr und schenkte Anna ein aufmunterndes Lächeln. „Wir stehen außerdem mit Kollegen aus London in Verbindung. Es gibt Anhaltspunkte, dass es einen Zusammenhang mit einem Überfall auf einen Pastoren in London gibt, der hier aus der Gegend kommt. Bei dem Überfall wurde ebenfalls ein Handy mit Fotos gefunden. Fotos, die die Verstorbene zeigen. Die Kollegen in London konnten bis jetzt leider noch keine Vernehmung des Verletzten vornehmen, da dieser immer noch im Koma liegt. Aber ich dachte, dass vielleicht Sie mir etwas hilfreiches zu der ganzen Sache sagen können.“

Die Angst, die Anna in diesem Moment verspürte war lähmend. Sie hatte das Gefühl, etwas würde ihr die Kehle abschnüren. Sie hätte gerne alles erzählt. Von den Kindern die verschwunden waren, verkauft unter neuen Namen, mit neuen Identitäten. Von den Spielen, die man mit ihnen spielte, damit sie keine Angst hatten wenn die fremden Paare kamen um sie mitzunehmen. Oder die jungen Frauen die schreiend zusammenbrachen, wenn sie von den Schicksalen der Kinder (ihrer Kinder) erfuhren. Das alles und noch viel mehr hätte sie so gerne erzählt, doch das konnte sie nicht. Noch nicht.

Sie wusste nun, was sie zu tun hatte. Die anderen Frauen der Gruppe mussten gewarnt werden. Es hatte mit Elisabeth angefangen und würde so schnell nicht aufhören. Wer auch immer hinter all diesem steckte, musste ihre Namen kennen. Vielleicht musste Pastor Petersen auch deswegen jetzt in einem kalten Krankenzimmer liegen, dazu verdammt mit Schläuchen beatmet zu werden, weil genau das kannte, die Namen der Frauen aus dem „Internat.“ Anna nahm die Hand der jungen Polizistin in ihre und beantwortete ihre Fragen so gut es ging. Bevor sie ging fragte May, ob Anna nicht lieber mit auf das Revier kommen wolle. Dort wäre sie sicher. Doch Anna lehnte ab. „Sie würde nirgendwo sicher sein,“ dachte sie sich. Sie konnte sich jetzt nicht verkriechen. Noch nicht.

Die junge Polizistin verabschiedete sich etwas später von ihr mit dem Versprechen, sich morgen wieder bei ihr zu melden. Es gab nichts was sie anderes hätte tun können. Nachdem die Polizistin fort war nahm Anna das Telefon in die Hand und wählte drei Telefonnummern. Die anderen mussten es erfahren. Sie mussten gewarnt werden. Im Anschluss daran setzte sie sich an den Küchentisch, nahm einen Schluck des kalten Kaffees vom morgen und schrieb einen Brief. In diesem berichtete sie über alle Geschehnisse im „Internat“. Dieser Brief sollte als Sicherung dienen, denn sollte sie nicht selber  der Polizei alles sagen können, dann sollte es eben auf diesem Weg passieren.

 

Ein Geräusch riss Anna aus dem Schlaf. Ein dumpfer Aufprall war von unten zu hören. Anna nahm all ihren Mut zusammen und ging die Treppe herunter. Sie versuchte Licht zu machen, doch nichts passierte. Kein Strom, dachte sie sich. Die Geräusche waren weiterhin zu hören., doch jetzt konnte sie diese erst richtig zuordnen. Es waren schwere Schritte, die sich langsam näherten. Es ist ein Traum, versuchte sie sich einzureden. „Ein Traum“, flüsterte sie. Hinter ihr war ein leises Lachen zu vernehmen und dann eine zischende Stimme. „Nein, kein Traum heilige Anna.“ Weitere schwere Schritte waren zu hören. „Hast du Angst, heilige Anna? Ich weiß was da hilft.“ Und mit einer verzerrten auf kindlich veränderten Stimme flüstere er: „Wollen wir ein Spiel spielen“. „Bitte nicht“, flehte sie. „Weißt du was ich mich frage“, erwiderte die Stimme aus der Dunkelheit. „Ich frage mich, ob meine Mutter genau diese Worte wohl auch gefleht hat. Was sie wohl empfunden hat, nachdem ihr klar wurde, dass sie mich nie wiedersehen würde. Das ich fort war, verkauft. Was wohl ihre letzten Gedanken waren, kurz bevor sie sich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Galten diese mir?“

Anna fing an zu weinen. Sie wusste, dass das Ende war. „Wir hatten keine Schuld. Wir haben das getan was uns aufgetragen wurde. Bitte tun Sie mir nichts. Wir können über alles reden“, flehte sie. Sie fühlte wie ihr Tränen der Angst über die Wangen liefen. Wieder dieses Lachen, es klang eiskalt. „Reden, es gibt nichts zu reden. Ihr habt mich verkauft!“, schrie die Stimme. „Meine Mutter ist tot. Worüber sollten wir reden. Mein Leben, das ihr zerstört habt? Du hast mir mein Leben genommen, meine Identität. Ich werden nie wirklich wissen wo ich herkomme. Wie es ist eine liebende Mutter zu haben. Nein, nein heilige Anna. Es Zeit die Schuld zu begleichen.“

 

Wieder Schritte… Das letzte das Anna hörte, bevor sie ihr Bewusstsein für immer verlieren würde, war eine Kinderstimme die ihr leise ins Ohr flüsterte eins, zwei, drei, vier, Eckstein.

 

 

 

14 thoughts on “Eins, zwei, drei, vier, Eckstein

  1. Hi, mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Sehr düster und eindringlich geschrieben. Hier und da mal ein Rechtschreibfehler, ein fehlendes Satzzeichen, aber das lässt sich ja schnell beheben.
    Einziger Kritikpunkt : Der Pastor hatte doch keine Ahnung von allem, bis Anna es ihm erzählte. Warum musste er sterben ?
    Mein like hast Du auf jeden Fall.

    P.S. vielleicht hast Du ja Lust, auch meine Geschichte zu lesen… >>Glasauge
    Ich würde mich über ein Feedback freuen.

  2. Whow.
    Düster, interessant, intensiv, spannend bis zum Schluss.
    Kompliment und Respekt für die tolle Geschichte.

    Hat mir sehr gut gefallen.
    Das Thema ist hart und beängstigend. Es löst Bilder und Gefühle aus.
    Aber so muss es bei einer Kurzgeschichte auch sein.

    Das Ende ist gut ausgearbeitet.
    Super, und ziemlich überraschend.

    Dein Schreibstil sagt mir zu.
    Du schaffst mit deiner Sprache Atmosphäre.
    Lass deine Geschichten in Zukunft immer noch einmal gegenlesen.
    Dadurch können Flüchtigkeitsfehler vermieden werden.

    Du erzeugst mit dieser Geschichte einen wahren Fluss. Einen Sog. Man will und muss unbedingt wissen, wie die Story weitergeht. Wie sie endet.

    Kann mir deine Story gut als Film vorstellen.
    Mir gefallen deine Beschreibungen der örtlichen Gegebenheiten. Vor allem die des Hauses. Man hat alles direkt vor Augen.

    Der Kinderreim ist natürlich magisch. Der und somit auch dein Titel alleine erzeugt schon Interesse und eine subtile Spannung.
    Echt gut.

    Ganz liebe Grüße.
    Swen Artmann (Artsneurosia)

    Vielleicht hast du ja Lust und Zeit, meine Geschichte auch zu lesen.
    Würde mich freuen.
    Sie heißt: „Die silberne Katze“.

    Danke und alles Gute:)

  3. Tolle Geschichte,super spannend geschrieben und ich war leider so schnell durch. 🙂
    Ich war wirklich gepackt und gefesselt.
    Hoffe man kann noch öfter was von dir lesen.
    Lg Christin

    Vielleicht magst du ja meine auch lesen. (Patrick)

  4. Hallo Schreibfeder,

    ich habe mich dazu entschieden deine Geschichte zu lesen, weil mich deine Titelauswahl neugierig gemacht hat.
    Und muss dir nun sagen, dass mir deine Kurzgeschichte sehr gut gefallen hat 😀
    Sie ist spannend, packend, und dein Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen.
    Die Art wie du die Dinge, Orte und Taten beschreibst ist sehr bildhaft und gut vorstellbar.

    Mach weiter so und hab noch viel Spaß beim Schreiben
    Sarah

    Ich würde mich freuen, auch deine Kommentar zu meiner Geschichte zu lesen 😉
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/unschuldskind

  5. Spannende, fesselnde Geschichte über ein krasses Thema. Mir hat dein Schreibstil unglaublich gut gefallen.

    Der Titel und die Verwendung des Versteckspiels im Allgemeinen hat was Düsteres erzeugt, richtig gut.

    Ich würde gerne wissen, wie es weitergeht.

    Schade, dass du noch so wenig Likes hast. Das müssten deutlich mehr sein.

    Alles Liebe,

    Jenny /madame_papilio

    (Nur ein kleiner Schlüssel)

  6. Hallo Schreibfeder,
    der Wettbewerb fürs ebook ist zwar abgeschlossen, aber ich möchte trotzdem noch einige Geschichten lesen. Auf instagram gab mir Jennifer den Tipp zu deiner Geschichte und ich habe es wirklich nicht bereut, hier vorbei geschaut zu haben.
    Deine Geschichte hat mir unheimlich gut gefallen, sie ist sehr spannend, du hast eine tolle Spannung erzeugt, die mich nicht mehr aufhören ließ zu lesen. Ich hätte gerne noch mehr gelesen, mehr erfahren was damals schlimmes passiert ist, wer die Kinder waren usw. Aber das wäre dann warscheinlich zu viel für eine Kurzgeschichte gewesen. Aber Potenzial hat dein Plot um mehr daraus zu machen, und du auch. Dein Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, und es wäre toll, wenn du dran bleiben würdest.
    Leider kann ich dir kein ❤ mehr da lassen, oder dir die Daumen für den Wettbewerb drücken, aber ich lasse beides trotzdem gedanklich hier.
    Mach weiter so und pass gut auf dich auf.
    Liebe Grüße frechdachs 🙃

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