AnnikaRFür immer Dein

Neben mir klingelte es plötzlich. Erst da fiel mir auf, dass auf dem Sitz neben mir ein Handy lag. Scheinbar hatte es jemand dort verloren. Ich schaute drauf, die Nummer die anrief war unbekannt. Als ich mir das Handy grade nehmen wollte um es dem Busfahrer zu bringen hörte das Klingeln auf und ich sah es. Genauer gesagt sah ich mich. Ein Foto von mir. Warum ist da ein Foto von mir drauf?, fragte ich mich geschockt. Ich schaute mich um. Es war kein anderer Fahrgast in der Nähe, also nahm ich das Handy hoch. Genau in dem Moment ging eine Nachricht ein.

„Hallo Benni, lange nicht gesehen“ erschien auf dem Display.

Das kann nicht sein, da erlaubt sich doch einer einen Scherz mit mir. Da erschien auch schon die zweite Nachricht. Zitternd versuchte ich das Handy zu entsperren, in der festen Annahme, dass es durch einen Code oder den Fingerabdruck zu entsperren sei. Doch da habe ich weit gefehlt. Das Handy ließ sich ohne Probleme entsperren. Ich öffnete die Nachrichten und las.

„Ich dachte mir, dass du deine Neugier nicht zügeln kannst, wenn du dein Bild und die Nachricht siehst. So warst du schon immer. Neugierig.“

Ich sah mich um. Das war bestimmt ein Scherz von meiner Freundin, schließlich war heute der erste April. Wer sonst nannte mich schon noch Benni. Dieser Spitzname war ein Überbleibsel meiner Jugend. Heute nannten mich Alle nur noch bei meinem vollen Namen, Benedikt.

„Haha Lisa, sehr witzig. Wo bist du?“, schrieb ich leicht verunsichert zurück. Im letzten Moment bemerkte ich noch, dass ich an der nächsten Haltestelle aussteigen musste. Ich schnappte mir das Handy und meine Tasche und eilte zur Tür. Ich war auf dem Weg zur Arbeit und holte mir wie jeden Morgen noch schnell ein Brötchen und einen Kaffee bei meinem Lieblingsbäcker. Im Büro angekommen sah ich auf das Handy, keine neuen Nachrichten. Ich legte das Handy neben mich und entschied mich es erst einmal zu ignorieren. Typisch Lisa dachte ich. Sie versuchte immer mich zu ärgern und zu erschrecken und schaffte es doch nie. Wobei ich zugeben musste, dass ich mich erschrocken hatte, als ich mich selbst auf dem Handybildschirm sah.

Heute hatte ich keine Termine, also klappte ich meinen Laptop auf und checkte meine Mails. Ein paar Mails im Spam Ordner und eine von meiner Teamleitung mit neuen Angeboten für unsere Jungs. Ein Fußballverein baut eine neue Mannschaft im Jugendbereich auf, ein Kickboxstudio eröffnet und bietet Kurse an und eine Kochschule hat wieder freie Kurse. Das könnte was für meine Jungs sein.

Der Vormittag verstrich schnell und zur Mittagspause hatte ich schon fast die Ereignisse des Morgens vergessen. Nach der Mittagspause sah ich das Handy und rief Lisa an.

„Hallo Schatz, was gibt’s?“ begrüßte mich Lisa fröhlich, aber auch ein bisschen besorgt.

„Ich wollte dir nur sagen, dass du es fast geschafft hast mich zu erschrecken. Aber nur fast.“

„Was meinst du?“, fragte Lisa noch ein bisschen besorgter.

„Tu nicht so Lisa, du weiß ganz genau was ich meine. Das Handy? Ich weiß zwar nicht wie du das angestellt hast, aber ich habe auch nicht auf die anderen Fahrgäste im Bus geachtet. Dein Bruder hat dir bestimmt geholfen und ich habe ihn nur nicht gesehen, weil ich gelesen habe.“

„Schatz, ich weiß nicht wovon du redest. Welches Handy? Geht es dir wirklich gut?“

„Du willst mir also erzählen, dass du nichts damit zu tun hattest, dass heute Morgen im Bus neben mir ein Handy lag auf dem mein Bild als Hintergrundbild eingestellt war und mir dann auch keine Nachrichten auf dieses Handy geschickt hast. Nachrichten die an Benni gerichtet waren?“ fragte ich ein wenig genervt, weil Lisa nicht zugeben wollte, dass sie der Übeltäter war.

„Wie soll ich das gemacht haben Benni? Als du aus dem Haus bist stand ich unter der Dusche, das weiß du doch. Und mein Bruder ist momentan auf Geschäftsreise. Lass uns heute Abend darüber reden. Da hast du dir bestimmt was eingebildet. Das liegt nur an den Büchern die du liest. Ich hab dir schon immer gesagt du sollst nicht immer diese Thriller lesen.“

„Ist ja gut. Du weiß, dass ich diese Bücher am liebsten lese. Wir reden später, ich muss gleich nochmal raus. Jonas hat grade auf meinem Diensthandy angerufen.“

„Okay Schatz. Bis heute Abend. Ich liebe dich.“

„Ich dich auch, Bis nachher.“

Ich konnte immer noch nicht glauben, dass Lisa damit nichts zu tun hatte und warf nochmal ein Blick auf das gefundene Handy. Überrascht stellte ich fest, dass auf dem Hintergrundbild ein anderer Mann, der mir sehr ähnlich sah, zu sehen war. Das kann doch nicht sein. Ich öffnete die Nachrichten. Keine Nachrichten. Ich habe mir das doch nicht eingebildet. Etwas verwirrt legte ich das Handy zur Seite und rief Jonas an, der schon wieder auf meinem Diensthandy erschien.

Nachmittags besuchte ich ihn noch, weil er mal wieder Stress mit einem Mitbewohner hatte. Da konnte ich auch direkt ins Kickboxstudio gehen, das lag auf dem Weg. Der Besitzer war auch gleichzeitig der Trainer und warb damit, dass er selber eine schwere Kindheit hatte und er deshalb ein super Vorbild für meine Jungs sein könnte. Ich ließ mir ein paar Flyer geben und verabschiedete mich mit dem Versprechen mich zu melden. Ich machte von da aus Feierabend und entschied mich auf dem Weg, Lisa und mir noch etwas zu Essen bei unserem Lieblingschinesen zu holen.

Zuhause angekommen legte ich meine Tasche in die Ecke und begann den Tisch zu decken. Ich schrieb Lisa eine Nachricht, dass ich zuhause sei und bereits Essen für uns besorgt habe. Nach einer Stunde hatte sich Lisa immer noch nicht gemeldet. „Schatz wo bleibst du?“. Keine Antwort. Sie ist bestimmt nur beim Sport. versuchte ich mich zu beruhigen. Ich rief sie an und landete sofort auf der Mailbox. Nach einer weiteren Stunde, in der ich von Lisa kein Lebenszeichen erhielt, wurde ich immer nervöser. Nach drei Stunden entschied ich mich ihren Bruder anzurufen. Dennis ging auch nicht an sein Handy. Ich tigerte durch die Wohnung und wusste nicht was ich tun soll. Lisa hat sich noch nie nicht gemeldet. Sie sagte mir auch immer Bescheid wenn sie zum Sport ging. Langsam machte ich mir wirklich Sorgen und ich entschied mich dazu bei der Polizei anzurufen.

„Sie haben die 110 gewählt, wie kann ich Ihnen helfen?“

„Ja, hallo. Meine Freundin ist nicht nach Hause gekommen und ich kann sie auch nicht erreichen. Ich mache mir wirklich Sorgen.“

„Okay, sagen Sie mir bitte erst Mal ihren Namen.“

„Ach ja, Entschuldigung. Ich heiße Benedikt Dorn. Und meine Freundin heißt Lisa Klein.“

„Und Sie sagen Herr Dorn, dass ihre Freundin heute nicht nach Hause gekommen sei. Wie lange wird sie schon vermisst?“

„Naja wir haben uns heute Morgen noch gesehen, bevor ich zur Arbeit gefahren bin und heute Mittag haben wir noch telefoniert. Und jetzt warte ich seit drei Stunden zuhause auf sie. Ich habe ihr eine Nachricht geschickt und sie angerufen, aber ihr Handy scheint aus zu sein.“

„Haben Sie bereits versucht andere Personen, Freunde oder Familie, zu kontaktieren? Vielleicht ist Ihre Freundin ja dort.“

„Ja habe ich, ihren Bruder. Aber auch er geht nicht an sein Handy. Lisa sagte mir er sei auf Dienstreise, deshalb wird sie nicht bei ihm sein.“

„Was ist mit den Eltern?“

„Die sind in ihrer Jugend verstorben.“

„Okay Herr Dorn. Noch kann ich nichts für Sie tun. Ich habe alles aufgenommen. Wenn Sie eine Vermisstenanzeige aufgeben wollen, müssen Sie allerdings in ein Revier kommen und das dort angeben. Vielleicht ist Ihre Freundin ja verabredet und sie haben es nur vergessen.“

„Das kann nicht sein. Sie hat sich vorhin mit den Worten „Bis heute Abend“ verabschiedet.“

„Wie gesagt, Sie müssen eine Anzeige in einem Revier aufgeben, am Telefon kann ich nichts für Sie tun.“

„Hm, okay. Aber was soll ich denn jetzt tun?“

„Warten Sie heute Abend noch ab, vielleicht klärt sich die Sache ja. Sie ist wahrscheinlich noch unterwegs und ihr Akku ist leer. Sie wird bestimmt im Laufe des Abends nach Hause kommen.“

Aber das tat sie nicht. Ich wartete die ganze Nacht. Am nächsten Morgen stand ich früh auf und machte mich auf den Weg zur Polizei.

Im Revier wurden meine und Lisas Daten aufgenommen und der Polizist schaltete eine Vermisstenanzeige. Viel mehr würde erstmal nicht passieren, da es keine Anzeichen dafür gab, dass ihr Leib oder Leben bedroht sei, sagte mir der Beamte. Doch das reichte mir nicht. Lisa würde nicht einfach von zuhause weg bleiben ohne sich bei mir zu melden. Das passte einfach nicht zu ihr. Ich ging nach Hause um nach ihrem Terminkalender zu suchen. Irgendwo musste es einen Anhaltspunkt geben, wo sie sein könnte.

 

Zwei Tage später war Lisa immer noch nicht wieder da. Ich hatte bereits in den sozialen Medien ihr Bild geteilt mit der Bitte sich zu melden, wenn sie Jemand sieht. Auch die Polizei hatte keine neuen Hinweise, aber ich glaubte auch nicht, dass die sich besonders bemühten Lisa zu finden. Dennis konnte ich auch nicht erreichen und ich hatte keine Nummer von Lisas Freundinnen. Montagmorgens entschied ich mich zu Lisas Arbeit zu fahren und dort ihre Kollegen zu fragen.

„Hallo, kann ich Ihnen helfen?“ begrüßte mich eine der Erzieherinnen, als ich den Kindergarten betrat.

„Ja ich suche meine Freundin, Lisa Klein. Sie ist seit dem Wochenende nicht mehr zuhause gewesen und ich hatte die Hoffnung sie hier zu finden.“

„Warum sollte Ihre Freundin hier sein?“

„Na, weil sie hier arbeitet.“

„Entschuldigung, aber hier arbeitet keine Lisa Klein.“

„Das kann nicht sein. Ich bin mir sicher. Ich habe Lisa oft hier her gefahren.“

„Glauben Sie mir ich weiß wer hier arbeitet und hier hat noch nie eine Lisa Klein gearbeitet.“

„Sie müssen sich irren“, erwiderte ich gereizt.

„Nein“, sagte die Dame bestimmt, „und wenn Sie jetzt nicht augenblicklich gehen, rufe ich die Polizei.“

„Gut, dann werden die vielleicht endlich auch nach Lisa suchen.“

Als die Polizei eintraf befand ich mich bereits im Büro der Dame. Wie sich herausstelle, handelte es sich um die Kindergartenleitung. Ich hörte wie sie vor der Tür mit den Beamten sprach.

„Ja er tauchte einfach hier auf und behauptete seine Freundin würde hier arbeiten. Auch nachdem ich ihm sagte, dass sie nicht hier arbeiten würde, bestand er darauf. Ich wusste nicht was ich tun sollte, da er auch nicht gehen wollte.“

„Sie sind also der Herr, der seine Freundin sucht? Wir würden Sie bitten mit uns mit zu kommen.“

Ich fuhr mit den Beamten zur Wache. Die, in der ich auch die Anzeige aufgegeben habe.

„So Herr Dorn, Sie suchen Ihre Freundin?“

„Ja, Lisa. Ich habe hier schon am Samstag eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Aber da mir keiner helfen wollte, habe ich das alleine in die Hand genommen.“

„Und warum waren Sie in dem Kindergarten?“

„Weil meine Freundin da arbeitet.“

„Frau Klein arbeitet dort nicht. Das hat Ihnen auch die Leiterin gesagt.“

„Das kann nicht sein, meine Freundin arbeitet da. Ich habe sie schon mal dorthin gebracht.“

„Herr Dorn, wie war die Beziehung zu ihrer Freundin?“

„Wie meinen Sie das?“

„Haben Sie ein gutes Verhältnis gehabt? Oder streiten Sie oft?“

„Wir streiten nie.“

„Hm.“

„Was heißt denn hier „Hm“?

„Ich habe in unserem System nach Ihnen gesucht Herr Dorn. Und da habe ich einiges Interessantes gefunden.“

„Aha. Und was genau haben Sie interessantes gefunden?“

„Sie haben als Jugendlicher gerne mal ausgeteilt.“

„Das ist Jahre her und belangt wurde ich dafür nie. Und was hat das mit Lisa zu tun?“

„Vielleicht teilen Sie heute ja auch noch gerne aus.“

„Was?“

„Und vielleicht wurde es Ihrer Freundin zu viel. Vielleicht ist sie gar nicht verschwunden, sondern gegangen.“

„Ich würde Lisa niemals etwas antun. Als Jugendlicher habe ich viel Mist gebaut. Das ist richtig. Aber das habe ich hinter mir gelassen. Heute helfe ich Jugendlichen, die in einer ähnlichen Situation stecken wie ich früher.“

„Tja Herr Dorn, so wie ich das sehe, ist ihre Freundin weg. Und Sie wissen nicht wieso und wohin. Und scheinbar hat ihre Freundin Sie auch angelogen, was ihre Arbeitsstelle anging. Man muss kein Mathematiker sein um eins und eins zusammen zu rechnen.“

„Was meinen Sie denn jetzt damit schon wieder?“

„Ich glaube, dass Ihre Freundin es nicht mehr mit Ihnen ausgehalten hat und weg wollte. Und das hat sie jetzt in die Tat umgesetzt.“

„Das ist doch absurd. Könnte ich vielleicht mit Jemandem sprechen, der kein Hobbypsychologe ist und der mir helfen will meine Freundin zu finden?“

„Passen Sie auf was Sie sagen Herr Dorn.“

„Okay, okay, wenn Sie nichts weiter haben, kann ich dann gehen?“

„Ja dürfen Sie. Aber Herr Dorn, denken Sie über meine Worte nach.“

Ich ging nach Hause. Wütend, weil mir keiner helfen wollte. Wütend, weil der Beamte mir die Schuld an Lisas Verschwinden gab. Wütend auf die Kindergartenleitung, weil Sie behauptete Lisa arbeite dort nicht. Und wütend auf Lisa, weil Sie nicht nach Hause kam und mich vielleicht wirklich angelogen hatte. Aber warum?

Zuhause setzte ich mich auf die Couch und versuchte meine Gedanken zu sortieren. Da ich die letzten Tage jedoch kaum geschlafen hatte, fiel ich sofort in einen komatösen Schlaf.

Bzzzz Bzzzz

Ich schreckte aus meinem Schlaf hoch. „Lisa? Schatz bist du hier?

Bzzzz Bzzzz

Ich schaute auf mein Handy. Nichts. Aber ich war mir sicher ein Handy vibrieren gehört zu haben. Handy, natürlich. Ich rannte zu meiner Arbeitstasche. Das Handy, das ich Freitag gefunden habe. Ich schaute auf das Display. Zwei Nachrichten.

„Hallo Benni, wie kannst du überhaupt schlafen, nach all dem was du getan hast?“

„Was habe ich getan und wer bist du?“, schrie ich das Handy an. Ich klickte auf Antworten und schrieb:

„Wer bist du und was willst du von mir?“

Das Handy klingelte noch in der Sekunde in der ich die Nachricht verschickt habe.

„Hallo?“

„Oh Benni, du weiß ganz genau wer ich bin.“

„Nein weiß ich nicht. Was hast du getan?“

„Ich habe nichts getan. Du bist Derjenige den die Schuld trifft. Nicht ich.“

„Was hast du mit Lisa gemacht?“

„Ich hab gar nichts mit Lisa gemacht, aber du.“

„Was soll ich…“. Aufgelegt. Ich wählte die Nummer, doch niemand ging ran. Ich muss das der Polizei erzählen. Doch ich hielt inne. Würden Sie mir glauben? Sie verdächtigten mich eh schon und wenn ich Ihnen jetzt von der Geschichte mit dem Handy erzählen würde, würden Sie mir glauben? Unwahrscheinlich, ich würde es mir selber nicht glauben. Deswegen entschloss ich mich noch eine Nachricht zu schreiben.

„Okay, ich weiß nicht wer du bist, oder was du von mir willst, aber das hat nichts mit Lisa zutun. Wenn du was von mir willst, dann lass und das klären. Nur du und ich.“

Ich wartete, doch nichts passierte. Vor Wut schmiss ich unseren Couchtisch um und der stieß gegen unser Regal. Klirrend fiel das Foto von Lisa und mir zu Boden und der Rahmen zersplitterte. Noch bevor ich es aufheben konnte, klingelte es an der Tür. Ich öffnete und vor mir stand ein Postbote.

„Herr Dorn?“

„Ja“

„Ein Brief für Sie. Per Einschreiben. Würden Sie den Empfang bitte quittieren?“

„Ja klar.“ Ich unterzeichnete und nahm den Brief entgegen. Komisch ich erwartet nichts Wichtiges. Ich ging in die Küche und öffnete den Umschlag und nahm einen Brief heraus.

„Hallo Benni,

wenn du wissen willst, was hier los ist dann tu Folgendes:

Im Umschlag findest du noch eine Karte und auf dieser ist eine Stelle markiert. Fahr dort hin, noch heute Nacht. Sag Niemandem was du tust. Ich werde dort auf dich warten, um 23:00Uhr. Sei pünktlich.“

Ich schaute in den Umschlag und fand die Karte. Der Ort lag etwas außerhalb der Stadt. Ich beschloss mich an die Forderungen zu halten. Die Polizei würde mir eh nicht helfen, ich war auf mich alleine gestellt. Um 21 Uhr machte ich mich auf den Weg. Gut, dass Lisa nicht unser Auto genommen hat. Ich fuhr zu dem markierten Ort. Dort angekommen sah ich eine Brücke, auf der eine dunkle Gestalt stand.

Mein Handy klingelte. Erschrocken hob ich ab.

„Herr Dorn, wo sind Sie?“

„Wer spricht da?“

„Kommissar Rausch. Wir haben uns heute schon auf dem Revier unterhalten. Wir wurden über eine Ruhestörung in ihrer Wohnung informiert. Ich frage Sie nochmal, wo sind Sie und was haben Sie mit ihrer Freundin gemacht?“

„Gar nichts. Ich habe Lisa nichts angetan.“

„Ihre Wohnung erzählt eine andere Geschichte.“

„Hören Sie mal ich würde Lisa niemals etwas antun.“

„Natürlich nicht Herr Dorn. Sagen Sie mir einfach wo Sie sind und wir kommen Sie abholen. Dann reden wir nochmal in Ruhe über alles.“

„Danke für das Angebot, aber ich muss ablehnen. Auf Wiederhören Herr Rausch.“, ich legte auf nahm meine Taschenlampe, die ich zum Glück noch eingesteckt hatte bevor ich losgefahren bin und stieg aus. Mit pochendem Herzen und einer unvorstellbaren Wut im Bauch ging ich auf die Person zu.

„Halt. Das ist nah genug.“

„Wer bist du?“

„Ach Benni, weiß du es immer noch nicht?“

Die Person tat einen Schritt auf mich zu und da traf es mich.

„Dennis?!“

„Ja Benni ich bin es. Warum so überrascht?“

„Was soll das Alles? Warum hast du das getan?“

„Was habe ich getan? Dir Nachrichten schicken? Dich aus deinem bequemen Leben holen? Ach Benni, das hast du verdient. Nach all dem was du getan hast.“

„Was habe ich getan? Dennis ich verstehe nicht was hier los ist? Wo ist Lisa?“

„Wag es dich noch einmal nach Lisa zu fragen! Du hattest sie nicht verdient!“

„Dennis was hast du getan?“

„Ich habe nichts getan, du bist schuld, dass sie weg ist.“

Und mit diesen Worten holte er etwas auf seiner Tasche. Der pure Instinkt übernahm mein Handeln und ich wich aus, grade noch rechtzeitig bevor der erste Schuss fiel. Ich rannte auf Dennis zu und packte ihn. Er war deutlich stärker als ich und ich wünschte mir doch öfter das Fitnessstudio besucht zu haben. Dennis stieß mich zurück und ich prallte gegen das Brückengeländer, sodass mir die Luft weg blieb.

„Du hast mir alles genommen was mir noch wichtig war Benni.“

„Dennis wir können das doch so klären. Bitte beruhige dich.“

„Du wirst dafür büßen.“, schrie mich Dennis an und rannte los. Er kam so schnell auf mich zu, dass ich nicht ausweichen konnte. Durch den Stoß verlor ich das Gleichgewicht und fiel über das Geländer. Im letzten Moment konnte ich es noch greifen.

„Dennis hilf mir.“

„Ich werde dir nicht helfen. Jetzt siehst du endlich wie Lisa sich gefühlt hat.“

Und mit diesem Gedanken verließ mich all meine Kraft und ich stürzte in die Tiefe.

 

„Und er ist seit heute Morgen so?“

„Ja Herr Doktor Rausch. Wir können es uns selbst nicht erklären. Er fragt immer nur nach Lisa.“

„Lisa? Sagen Sie, welchen Tag haben wir heute?“

„Heute ist der vierte April.“

„Hm, das erklärt es.“

„Was denn Herr Doktor?“

„Benedikt ist schon sehr lange bei uns. Eigentlich ist er ein sehr ruhiger Patient aber jedes Jahr am vierten April bekommt er diesen Schub.“

„Wieso?“

„Ein Jahr bevor er zu uns kam, er war damals 16, wollten er, seine Freundin und ihr Bruder schwimmen gehen. Sie kamen auf die Idee von einer Brücke in den Fluss zu springen. Das Mädchen wollte nicht, doch Benedikt überredete sie. Das arme Mädchen verstarb dabei. Benedikt kam nie über den Verlust seiner Freundin hinweg, genauso wenig wie ihr Bruder. Er erschoss sich ein Jahr später auf genau dieser Brücke, in dem Beisein von Benedikt.“

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