SandraMariaGefangen

Sein Kopf dröhnte. Beim Versuch, seine Augen zu öffnen, bekam er das Gefühl, sich übergeben zu müssen. Er schluckte. Es fühlte sich an, als würde seine Kehle aus grobem Sandpapier bestehen. Andere hätten womöglich daran gedacht, dass das letzte Glas Wein am Vorabend doch zu viel gewesen sei. Er hingegen trank nicht. Schon seit Jahren nicht mehr. Natürlich hatte er trotzdem manchmal Kopfschmerzen. Aber diese hier waren anders. Es fühlte sich an, als würde jemand versuchen, mit einem Meißel einen Spalt in die linke Hälfte seines Schädels zu hämmern. Ruhig bleiben. Tief ein- und ausatmen. Er blinzelte. Allmählich gewöhnten sich seine Augen daran, länger offen zu bleiben. Er sah hinauf zur Decke. Der Raum war in ein unnatürliches Dämmerlicht gehüllt. Er fühlte den kühlen, harten Betonboden unter sich. Langsam richtete er sich auf. Sofort wurde ihm schwindelig und er musste aufpassen, dass er nicht wieder nach hinten umkippte. Das Dröhnen in seinem Schädel wandelte sich in ein rhythmisches Puckern.

Vor ihm befand sich eine kahle, graue Wand. Er drehte seinen Kopf wenige Millimeter nach links. Schlechte Idee. Ein Stechen durchzog ihn und er hielt inne. Neuer Versuch. Ganz langsam, als würde ein Film in Zeitlupe abgespielt, bewegte er seinen Kopf erneut, dieses Mal zur anderen Seite. Noch eine Wand. Ungefähr zweieinhalb Meter von ihm entfernt. In diesem Moment kam ihm die Distanz eher wie zehn Kilometer vor. Er versuchte aufzustehen, doch kaum hatte er beide Füße aufgestellt und sich zur Hälfte aufgerichtet, fühlte es sich an, als würde der Boden um 30 Grad zur Seite kippen. Er strauchelte und stolperte über seine eigenen Füße und bevor er auch nur einen Gedanken darauf verwenden konnte, seine rechte Hand zum Abfedern des Sturzes auszustrecken, fiel er der Länge nach hin.

Er stöhnte. Liegend tastete er seinen Kopf ab, der nun auch auf der rechten Seite schmerzte. Immerhin. Kein Blut. Wieder setzte er sich auf und versuchte sich neu zu orientieren. Bei seinem Sturz war er nicht nur der Wand, die er vorher gesehen hatte, näher gekommen, direkt rechts von ihm befand sich eine dritte Wand. Er rutschte den Boden entlang, bis er mit dem Rücken anlehnend in der Ecke des Raumes saß und nun in ihn hineinblicken konnte. Was zum… ?! Auf der vierten Seite, die er bislang nicht sehen konnte, befand sich eine massive Tür mit einer kleinen Aussparung, in der sich drei längs verlaufende Gitterstangen befanden. Panik stieg in ihm auf. Er versuchte, um Hilfe zu rufen, doch alles, was er hervorbrachte, war ein leises Krächzen. Sein Puls beschleunigte sich und die Sicht verschwamm vor seinen Augen. Kurz bevor er ohnmächtig wurde, kroch die Erkenntnis in sein Bewusstsein: Er war gefangen. Gefangen in einer Gefängniszelle.

Er hatte keine Ahnung, wie lange er ohnmächtig gewesen war. Es fiel ihm schwer, die Augen aufzuhalten. Er brauchte eine Weile, um sich wieder an das schummrige Licht, das ihn umgab, zu gewöhnen. Das Puckern in seinem Kopf war erneut dem bekannten Dröhnen gewichen, das mittlerweile jedoch ein bisschen leiser war als zuvor. Okay, denk nach. Er versuchte sich daran zu erinnern, was vor seinem Erwachen in der Zelle geschehen war, doch vergeblich. Lediglich einzelne Bilder tauchten in seinem Gedächtnis auf, die er aber nicht in einen logischen Zusammenhang bringen konnte:

Die Tasse Kaffee in seiner rechten Hand.

Der Blick aus dem Fenster auf den frischgemähten Rasen.

Das fragende Gesicht seiner Freundin.

Oh Gott, Lisa, wo bist du?

Er spürte die nächste Panikattacke in sich aufsteigen und schloss die Augen. Weitere Erinnerungsfetzen flackerten auf.

Das dunkle Laminat.

Der gedimmte Schein des Deckenleuchters.

Das vibrierende Handy in seiner Jackentasche.

Das Handy!

Sofort klopfte er seine Jacken- und Hosentaschen ab. Vergeblich. Sie waren vollkommen leer. Er blickte sich um. Die Zelle war genauso leer wie die Taschen seiner Kleidungsstücke. Insgesamt glich der etwa vier Quadratmeter große Raum in keiner Weise den Einzelzellen der modernen deutschen Gefängnisanlagen, die er schon mehrfach in Fernsehdokumentationen gesehen hatte. Diese waren mindestens doppelt so groß wie das Verlies, in dem er sich gerade befand. Neben einem Bett und einem Tisch, besaßen die dort gezeigten Häftlinge zum Teil sogar Fernseher in ihren mit Familienfotos und Postern von nackten Frauen dekorierten Arrestzellen. Sein gegenwärtiger Aufenthaltsort verfügte noch nicht einmal über ein Fenster. Oder eine Toilette, stellte er beunruhigt fest. Hier befand sich nichts außer ihm. Wütend schlug er mit der flachen Hand gegen die Wand hinter sich. Irgendwas musste es geben, das ihm half, hier herauszukommen. Er versuchte, sich auf seine bruchstückhaften Erinnerungen zu konzentrieren, doch es fiel ihm immer schwerer. Das Dröhnen in seinem Schädel gewann zunehmend wieder die Oberhand. Gleichzeitig breitete sich eine Müdigkeit in seinem gesamten Körper aus, die er das letzte Mal vor Jahren gefühlt hatte, nachdem er mehrere Nächte in Folge damit verbracht hatte, neben seinem Vollzeit-Job noch seine Studienabschlussarbeit rechtzeitig vor Ablauf der Deadline zu Ende zu bringen. Er zwang sich, an dem Gedanken an das Handy festzuhalten. Wie war das? Wer hatte ihn angerufen? Er sah das Telefon vor sich, in seiner Hand. Das Display leuchtete auf und zeigte… Keinen Anruf, eine Nachricht! In Gedanken ging er zu dem Moment zurück, als er den Bildschirm entriegelte und zum ersten Mal seit Monaten auf das Icon mit der Sprechblase klickte. Wer verschickt heute noch normale SMS?, ging es ihm durch den Kopf. Als Absender war eine unbekannte Zahlenfolge zu sehen. Ein weiterer Klick mit dem Zeigefinger hatte die Nachricht geöffnet. Ein Bild war erschienen. Er versuchte vergeblich, es sich in Erinnerung zu rufen, doch es verschwamm vor seinem inneren Auge. Je mehr er das Motiv in seinen Gedanken festhalten wollte, desto undeutlicher wurde es. Mit einem Mal überrollte ihn die Müdigkeit, wie eine Walze den frischen Teer auf einer Straße. Wenn er sich doch nur einen kurzen Moment lang ausruhen könnte…

 

Er fand sich auf einem Parkplatz wieder. Laternen erleuchteten die Nacht. Der Motor heulte laut auf. Er spürte den Wind durch das offene Fenster. Die weißen Streifen auf der Fahrbahn verschmolzen zu einer einzigen dünnen Linie. Er hörte das rhythmische Klacken des Autos auf dem Fahrbahnbelag. Gelächter erfüllte den Raum. Plötzlich verzerrten sich die Geräusche. Das Lachen  ging in einen Schrei über, der so laut und schrill war, dass er nur durch die Lautstärke seines eigenen Herzschlags übertönt wurde. Direkt vor seinen Augen tauchte ein grelles Licht auf. Blitzschnell näherte es sich ihm. Er riss die Hände vor sein Gesicht und bereitete sich auf den Aufprall vor –

 

Mit einem lauten Stöhnen wachte er auf. Gierig schnappte er nach Luft. Sein Herz pochte. Seine Hände waren kalt und feucht, die Kleidung durchnässt. Mit geschlossenen Augen versuchte er, wieder die Kontrolle über seinen Körper zu erlangen. Tief ein- und ausatmen. Es war nur ein Alptraum. Ganz allmählich normalisierte sich sein Herzschlag und er öffnete die Augen wieder. Er sah einen schwachen Lichtstrahl vor sich, der von mehreren länglichen Schatten durchzogen war. Er blinzelte und versuchte sich zu orientieren. Langsam folgte er dem Lichtstrahl mit den Augen – und erblickte die Stahltür mit den Gitterstangen. Kein Traum. Er schluchzte laut auf. Tränen liefen ihm über das Gesicht. Seine Kopfschmerzen kehrten zurück. Er legte sich auf den kalten Boden und rollte sich in Embryonalstellung ein. Er hatte Durst. Fühlte sich seine Kehle am Anfang dieses Alptraums trocken an, so war das kein Vergleich zum Staub, den er jetzt in seinem Hals verspürte. Wie lange war er schon in diesem Kerker? Und wie war er hier nur gelandet? Er schloss seine Augen und verschwand im nächsten ruhelosen Traum.

 

Die B455 war leer. Seit sie die Theodor-Heuss-Brücke überquert hatten, hatten sie kein anderes Auto gesehen. Tagsüber unvorstellbar, doch um 2:45 Uhr nachts war kaum eine Menschenseele hier unterwegs. Er fuhr schnell. Das Adrenalin pumpte in seinen Adern. Mit dem rechten Fuß drückte er das Pedal noch etwas weiter nach unten. „Da hat es wohl einer eilig?“, hörte er eine nervöse Stimme neben sich. Unbeirrt fuhr er weiter. Seine Gedanken schweiften ab. „Hast du mir zugehört?“ Er sah nach rechts. Auf einmal blickte er nicht auf den Beifahrersitz, sondern in seinen Garten. Der Mann vor ihm kam ihm bekannt vor, doch er konnte das Gesicht nicht richtig zuordnen. Der Himmel war strahlend blau und die Sonne schien auf den frischgemähten Rasen. Lächelnd sah ihn der Mann mit der Brille und dem Dreitagebart an und wiederholte seine Frage: „Ihr erwartet wohl Gäste?“

 

Natürlich! Er schoss hoch. Der Traum hatte ihn zu einem Ereignis geführt, dass er erst vor kurzem erlebt hatte – das Gespräch mit seinem Nachbarn vor… Ja, vor wie vielen Tagen? Konnte es erst gestern gewesen sein? Es kam ihm vor, als wäre seitdem eine Ewigkeit vergangen.

Konzentriert versuchte er, seine Gedanken wieder auf das Ende des Traums zu lenken. Er hatte gerade den Tisch auf der Terrasse gedeckt, weil Lisa und er Besuch erwarteten. Ja genau, es war Lisas Geburtstag!, freute er sich. Seine Mundwinkel zogen sich nach oben. Die Haut in seinem Gesicht war so trocken, dass es schmerzte. Er nahm beide Hände vor das Gesicht und versuchte, sich so von seiner Umgebung abzuschirmen. Konzentriere dich! Mit langsamen Auf- und Abbewegungen massierte er seine Stirn.

 

Lukas, sein Nachbar, hatte ihn bei den Partyvorbereitungen gesehen und in ein Gespräch verwickelt. „Ihr erwartet wohl Gäste?“

„Hm? Ja, ein paar Freunde von Lisa kommen vorbei“, antwortete Alex. Lukas war ein ganz netter Kerl, aber etwas zu neugierig für seinen Geschmack.

In diesem Moment hielt ein Auto vor dem Grundstück an und ein Mann stieg aus. Alex erkannte ihn sofort, auch wenn er wesentlich mehr gealtert zu sein schien als die sieben Jahre, die sie sich nicht gesehen hatten.

„Was machst du hier?“, fragte er den Mann, der sich seinem Haus näherte.

„Ich muss dringend mit dir reden, Paul“, erwiderte dieser.

Sein Nachbar sah ihn verdutzt an. „Paul?“.

„Zweiter Vorname“, murmelte Alex, ehe er sich schnell von seinem Nachbarn verabschiedete und mit dem unerwarteten Besucher in Richtung seines Hauses ging.

„Was willst du hier, Markus?“, raunte Alex ihn an, nachdem er sich versichert hatte, dass der neugierige Nachbar verschwunden war.

„Ich weiß, es ist lange her“, flüsterte Markus, „und glaub mir, ich könnte mir auch was Besseres vorstellen, als jetzt hier zu sein. Aber es ging nicht anders. Ich habe ein ungutes Gefühl.“ Immer wieder blickte er sich um, als erwartete er jede Sekunde, dass jemand die Straße zum Haus hochgefahren kommt. „Die Sache läuft aus dem Ruder.“

Alex schüttelte ungläubig den Kopf. „Was soll das heißen?“

Markus wischte sich mit seiner Hand Schweiß von der Stirn. Er wirkte müde. Seine Haut war aschgrau. Alex glaubte, einen leichten Geruch von Whisky wahrzunehmen. „Hör zu, ich habe gerade keine Zeit für sowas, vielleicht sollten wir uns wann anders…“

„Er hat nach dir gefragt“, stieß Markus plötzlich hervor.

„Was?“, fragte Alex verdutzt. „Wer?“

Markus stöhnte. „Paul, ich werde erpresst. Schon eine ganze Weile. Hatte auf einmal ein Handy in meiner Tasche. Mit Nachrichten. Und Fotos. Von mir und Lara. Hat gedroht, meiner Frau von der Affäre zu erzählen.“ Er sprach immer schneller und leiser, sodass Alex ein Stück näher kommen musste, um ihn verstehen zu können. „Wollte Geld haben. Dachte, das wär alles. Aber das hat ihm nicht gereicht.“

Alex sah ihn skeptisch an. Markus war schon immer etwas verdreht, aber jetzt schien er wirklich den Verstand verloren zu haben. Er wollte ihm gerade sagen, dass er damit doch lieber zur Polizei gehen sollte als zu ihm, als Markus ihn zum ersten Mal direkt ansah.

„Paul, er weiß Bescheid! Er wollte von mir wissen, wo du wohnst!“

 

Bei der Erinnerung an Markus schmunzelte er und stieß dabei Luft durch die Nase aus. Sieben Jahre war es her. Er hatte sein Studium abgeschlossen und war so schnell es ging weggezogen, von Rheinland-Pfalz nach Brandenburg, möglichst weit weg. Seitdem stellte er sich überall mit seinem zweiten Vornamen vor und versuchte, seine Vergangenheit ruhen zu lassen. Bis zum Besuch von Markus war ihm das auch ganz gut gelungen. Sogar Lisa glaubte, er wäre in Potsdam aufgewachsen und nicht in einem Vorort von Mainz. Irgendwann holt einen die Vergangenheit immer ein, dachte er wehmütig. Er war erschöpft. Seit er in dieser Hölle gefangen war, hatte er weder etwas gegessen noch getrunken. Sein Magen knurrte und sein Hals schnürte sich mit jedem Schlucken mehr zu, doch schon beim Gedanken daran, Nahrung zu sich zu nehmen, wurde ihm schlecht. Er fühlte sich vollkommen kraftlos. Und er konnte förmlich spüren, wie ihm mit jeder Erinnerung noch mehr Energie aus dem Körper gezogen wurde. Er wusste, er musste weiter machen, doch sein Körper gehorchte ihm nicht mehr. Je mehr er sich wehrte, desto müder wurde er. Für einen Moment fielen ihm wieder die Augen zu.

Ein metallisches Geräusch schreckte ihn hoch. Der Lichtstrahl war verschwunden. Stattdessen war es so dunkel, dass er kaum die Gitterstäbe wenige Meter vor sich erkennen konnte. Was war das? Auf allen vieren begann er zur Tür zu krabbeln. Erst langsam, dann immer schneller.

„Hallo?“, fragte er. Es klang, als hätte er drei Tage lang auf einem Rockfestival jedes einzelne Lied mitgegrölt. „Ist da jemand?“

Keine Antwort.

Noch zwei Meter bis zur Tür. Er richtete sich auf, wollte die letzten Schritte zur Tür aufrecht zurücklegen, in der Hoffnung, etwas durch die Gitterstäbe zu sehen. Oder jemanden? Panisch, aus Angst, dieser Jemand könnte wieder verschwinden, wenn er nicht schnell genug war, setzte er einen Fuß vor den anderen – doch sein Körper war die schnellen Bewegungen nicht mehr gewöhnt. Er schaffte es nicht, seinen Fuß hoch genug anzuheben, und ihm war, als bliebe er mit den Zehen am Boden hängen. Wieder fiel er der Länge nach hin. Um ein Haar wäre er mit dem Kopf gegen die Tür geknallt. Dieses Mal schaffte er es, den Sturz mit den Händen etwas abzufedern. Dennoch war der Aufprall hart. Ausgestreckt lag er auf dem Boden. Geschwächt vom Versuch, zur Tür zu gelangen, gab er dem Drang nach, seine Augenlieder zu senken. Die Kühle des Betons milderte die Schmerzen. Die Haare an seinen Armen stellten sich auf. Ein angenehmes Gefühl breitete sich in seinem gesamten Körper aus. Weg war das Dröhnen in seinem Kopf. Weg die Angst. Zum ersten Mal, seit er in diesem dunklen Loch aufgewacht war, spürte er eine Ruhe in sich. Die Anspannung entwich seinem Körper. Hier konnte er liegen bleiben, alles andere vergessen und die Stille um sich herum genießen.

Dann hörte er erneut ein Geräusch. Ein Rascheln, nicht weit von seinem Kopf entfernt. Panisch riss er die Augen wieder auf, hörte das Blut in seinen Ohren rauschen, versuchte sich mit den Händen auf dem Boden abzustützen und hochzustemmen, doch fiel sofort wieder und schlug mit dem Kinn auf dem Beton auf. Es wurde schwarz vor seinen Augen. Er spürte nichts mehr, keinen Boden unter sich, keine Kühle, die durch seinen Körper fuhr. Er fiel, tiefer und tiefer in ein schwarzes Loch, und in diesem Moment wusste er, dass er nie wieder aus diesem Abgrund herauskommen würde, der sich bereits vor sieben Jahren aufgetan und ihn still und heimlich Stück für Stück in sich hineingezogen hatte, ohne dass er es mitbekam. Er gab nach, hörte auf sich zu wehren, ließ alles los und gab sich dem Sturz hin, hinein in seine Gedankenwelt, die in eine Vergangenheit führte, der er lange zu entkommen versucht hatte.

 

Er hatte nur ein wenig feiern wollen. Wochenlang hatte er an nichts anderes denken können, nichts anderes machen können, als zu arbeiten. Tagsüber bei seinem Job in der Versicherungsagentur. Nachts an seiner Abschlussarbeit fürs BWL-Studium. An diesem Tag war es endlich soweit: Das Studium war beendet, er konnte endlich nach vorne blicken. Die Zukunft stand ihm weit offen. Das musste gefeiert werden! Also traf er sich mit einem Kumpel, trank ein paar Bier und wollte entspannen. Das tat er am besten am Steuer seines 3er BMW. Und was soll an den paar Bier schon schlimm sein? Er wusste schließlich, was er tat.

„Und Paul, ist es was Ernstes mit Natalie?“, fragte Markus.

Alex sah zum Beifahrersitz und grinste Markus an. „Möglich.“, antwortete er. „Wir haben jedenfalls Spaß.“ Beide lachten. Alex drückte das Gaspedal weiter nach unten.

„Da hat es wohl einer eilig? Schalt mal einen Gang runter.“ Markus wirkte wie immer etwas nervös.

„Hey, ganz ruhig. Hier ist doch niemand“, sagte Alex. Seit zehn Minuten hatten sie kein anderes Auto gesehen. Endlich konnte er den Wagen mal ein bisschen ausfahren. Er blickte erneut zu Markus rüber und sah ihn herausfordernd an. „Oder hast du etwa Angst?“, lachte er.

Plötzlich veränderte sich etwas in Markus‘ Blick. Seine Augen waren weit aufgerissen und er rief etwas. Alex drehte den Kopf zur Straße und sah den hellen Lichtkegel direkt vor sich. Instinktiv drückte er beide Füße gegen die Pedale. In letzter Sekunde riss Alex das Steuer nach rechts. Die Reifen quietschten und das Auto geriet ins Schleudern, bis es endlich zum Stehen kam. Sein Kopf dröhnte. Sein Atem ging so schnell, dass sein Herz drohte, aus seiner Brust zu springen. Er drehte sich zu Markus um, der genauso aussah wie er sich fühlte. Alex schnallte sich ab, öffnete die Tür und stieg aus. Er blickte sich um – und sah das andere Auto. Es war gegen einen Baum geprallt. Die qualmende Motorhaube wirkte, als wäre sie um die Hälfte geschrumpft, so zusammengedrückt war sie durch den Zusammenstoß. Im Innenraum konnte er keine Regung erkennen.

„Was… was siehst du?“, fragte Markus mit zitternder Stimme.

„Nichts“, sagte Alex und stieg wieder in seinen Wagen. Er knallte die Tür zu und startete den Motor.

Markus‘ Panik steigerte sich ins Unermessliche. „Du willst doch wohl nicht einfach wegfahren? Wir müssen Hilfe holen!“

„Halt die Klappe, Markus!“, keifte Alex ihn an. „Niemand hat uns hier gesehen! Wir müssen abhauen, und zwar schnell!“

 

Er spürte, wie eine Träne über seine Wange zur Nasenspitze lief. Langsam richtete er sich auf. Er hatte gewusst, dass er nicht ewig vor seiner Vergangenheit davonlaufen konnte. Anfangs hatte Markus versucht, ihn zu überreden, sich zu stellen. Zur Polizei zu gehen und alles zu beichten. Sie hatten sich gestritten, als sie sich das letzte Mal sahen. Vor sieben Jahren, bei einem Glas Whisky. Er hatte Markus deutlich gemacht, dass auch er dran wäre, wenn die Sache rauskam. Dann wurde ihm der Job in einer großen Firma in Berlin angeboten. Er hatte es als Chance gesehen, alles hinter sich zu lassen. Sieben Jahre waren seitdem vergangen. Sieben Jahre, bis er mit einer Wucht zurück in sein früheres Leben geholt wurde, die ihm den Boden unter den Füßen weggezogen hatte. Erst tauchte Markus plötzlich bei ihm auf. Dann fand er während der Geburtstagfeier seiner Freundin in seiner Jackentasche ein fremdes Handy, auf dem er eine SMS mit einem Foto fand.

Das Foto.

Jetzt erinnerte er sich wieder. Es war ein Bild einer Frau. Er schätzte, sie war nur ein paar Jahre älter als er. Es war schwer zu sagen, denn er konnte ihr Gesicht nicht vollständig sehen. Mehrere Schläuche ragten aus ihrer Nase und ihrem Hals. Sie lag in einem Krankenbett, angeschlossen an verschiedenste Apparate. Unter dem Bild stand nur ein Satz: „Ich weiß, wer du bist.“

Er sog Luft durch die Nase ein und pustete sie durch den Mund wieder aus. Beim Anblick des anderen Autos hatte er angenommen, niemand hätte den Unfall überleben können. Doch damit lag er falsch. Es war noch schlimmer.

Langsam richtete er sich auf. Zum ersten Mal stand er direkt vor der Tür, die zwischen ihm und der Freiheit lag. Er rüttelte am Türknauf. Verschlossen. Wäre auch zu einfach gewesen. Suchend blickte er durch einen Spalt zwischen zwei Gitterstäben, doch alles, was er sah, war ein schmaler Gang, der zu beiden Seiten in Kurven mündete und damit aus seinem Blickfeld entschwand. Ich komm hier nie wieder raus, dachte er und steckte die Hände resigniert zwischen die Metallstangen. Dabei ertastete er mit der linken Hand etwas, das sich nach Kunststoff anfühlte. Mit einem Mal war er wieder voll da. Er stellte sich auf die Zehenspitzen, drückte sein Gesicht gegen die Stäbe und streckte seine Hand weiter aus. Komm schon, noch ein ganz kleines bisschen. Mit den Fingerspitzen suchte er nach einer Ecke, um das Plastiketwas richtig zu fassen zu kriegen. Geschafft! Er riss es von der Wand und zog es mit einem Ruck durch den Spalt zwischen den Gittern zu sich ins Verlies. Es war eine Plastiktüte, die mit Klebestreifen an der Tür befestigt worden war. Und in ihr war – das Handy! Schnell riss er die Tüte auf und zog das Telefon heraus. Er drückte auf den seitlichen Knopf und sah, dass eine SMS eingegangen war. Nicht schon wieder. Er klickte auf die Nachricht und begann zu lesen.

 

Die Frau, die du auf dem Bild gesehen hast, ist meine Mutter. Sie liegt im Koma, seit sieben Jahren. Und der Grund dafür bist du, Paul Alexander Mertins.

Es ist schlimmer als der Tod. Sie ist gefangen. Gefangen in ihrem eigenen Körper, der langsam vor sich hin vegetiert. Gefangen und gefesselt an ein Bett, aus dem sie nie wieder aufstehen wird. Gefangen in einem inneren Verlies, aus dem sie nicht entkommen kann. Einem Verlies, in das du sie gesperrt und den Schlüssel dann weggeworfen hast. Alles, was ich tun kann, ist dabei zuzusehen. Ihr, wie sie dahin scheidet. Und ihrem Mann, wie er weiter um sie weint, weil er es nicht fertig bringt, den Mord an ihr, den du begonnen hast, zu vollenden.

Früher war ich noch zu jung, um es zu begreifen. Ich war traurig und wusste nicht, was ich tun soll. Ich hatte nicht nur meine Mutter verloren, sondern auch meinen Vater. Wenn er nicht gerade Überstunden machte, um die Kosten der Privatklinik bezahlen zu können, war er an ihrer Seite, Tag und Nacht. Er beachtete mich kaum noch. Ließ mich oft tagelang allein zuhause. Ich fragte mich, warum er mich nicht liebte, was ich ihm getan hatte. Doch mit der Zeit begriff ich, dass weder er noch ich daran schuld waren, sondern du!

Schon komisch, was einem das Schicksal manchmal für Spielchen spielt, oder? Bin ich in meiner Verzweiflung doch genau in der Bar gelandet, in der vor Jahren jemand gehört hat, wie sich zwei Kerle über einen Vorfall auf der Bundesstraße stritten. Und dann lern‘ ich doch glatt auch noch die Affäre deines Kumpels kennen! Du solltest dir deine Freunde wirklich besser auswählen, Paul. Dieser hier redet mit Frauen einfach über alles…

Wie findest du es in deinem neuen Zuhause? Zugegeben, es ist etwas eintönig. Aber glaube mir, im Gegensatz zu meiner Mutter hast du es noch gut getroffen. Für dich wird es immerhin bald ein Ende geben.

 

Er starrte auf das Handy. Immer und immer wieder las er den letzten Satz.

Für dich wird es immerhin bald ein Ende geben.

Plötzlich leuchtete ein Text auf dem Display auf. „Akkustand niedriger als 10%“, verriet die Anzeige. Er hielt den Atem an. Wie konnte ich nur so dumm sein? Den roten Balken in der oberen rechten Ecke des Displays hatte er vorher nicht wahrgenommen. Was an Konzentrationsfähigkeit nach seiner Gehirnerschütterung noch übrig geblieben war, hatte ihm wohl die Müdigkeit und die fehlende Nahrungszufuhr genommen. Seine Finger waren steif und schmerzten jedes Mal, wenn er die Oberfläche des Telefons berührte, doch er ließ sich nicht beirren. Er schloss das Nachrichtenfenster und klickte auf das Icon mit dem Telefonhörer. Dann aktivierte er die Zahleneingabe, wählte 110 und betätigte den grünen Wahlknopf. Seine Hand zitterte, als er das Telefon gegen sein Ohr presste. Es klingelte einmal – dann verstummte es wieder. Ungläubig senkte er seinen Arm wieder ab und blickte auf das schwarze Display. Es dauerte eine Weile, bis das Bild, das sich auf seine Netzhaut brannte, an sein Gehirn weitergeleitet wurde und er verstand, was er vor sich sah. Das war’s. Der Akku war leer. Er hatte die Chance, seine letzte Chance, verpasst.

Wut stieg in ihm auf. Mit letzter Kraft schrie er so laut er konnte und warf das Handy mit voller Wucht gegen die Mauer links von ihm. Dann sank er mit dem Rücken gegen die Tür gelehnt zu Boden und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. In der Ferne hörte er ein leises Kichern und ein metallisches Geräusch, das klang, als sei eine schwere Tür zugefallen.

32 thoughts on “Gefangen

  1. Spannend ,etwas verwirrend am Anfang , als ich etwas mehr gelesen habe konnte ich besser folgen . OK , ich hoffe das das Ende humaner wird und Selbstjustitz bringt auch keinen Frieden , würde mich freuen die komplette Geschichte lesen zu können

  2. Sehr guter Stil. Gerade die Wechsel von diffuser und verstörender Situation in der sich der Protagonist zu Beginn befindet zu der durch Flashbacks immer deutlicher werdenden Selbsterkenntnis ist super spannend. Am Ende legt sich ein dumpfes Gefühl auf die Brust. Gern würde ich mehr davon lesen.

  3. Tolle Kurzgeschichte die du dir da ausgedacht hast. Flüssiger, bildhafter Schreibstil. Am Anfang beschreibst du meine heutige Nacht, so einen starken Migräneschub hatte ich schon lang nicht mehr. Ich hatte glatt wieder das Gefühl es wäre 3.00h früh. Wirklich toll.

    LG Frank aka leonjoestick ( Der Ponyjäger)

  4. Hallo du liebe Sandra

    Ich muss dir jetzt wirklich mal ein Kompliment aussprechen.

    Ich bin komplett zufällig hier gelandet.

    Und deine Geschichte hat mich direkt erreichen können.
    Unglaublich.
    Die schönsten Geschenke sind immer diejenigen, die man nicht erwartet.
    🙂

    Du hast mich direkt gepackt und begeistert.
    Respekt.

    Ich mag deine Story, deine Grundidee und das grandios verfasste Finale.

    Man spürt deutlich und bereits nach wenigen Sätzen, dass du das Schreiben liebst.
    Das überträgt sich auf den Leser.
    Und zwar zu 100 Prozent.

    Liebe Sandra

    Ich wünsche dir und deiner Geschichte alles Gute und viel Erfolg.
    Und noch viel mehr Likes.

    Ich lasse dir sehr gerne ein Like da.
    Und ein Herzchen.
    🙂

    Du hast ein riesiges Potenzial.
    Nutz es.
    Und schreibe noch viele bezaubernde Geschichten.

    Ich würde es dir und deinen Lesern gönnen und wünschen.

    Bitte bleib gesund.
    Liebe Grüße aus dem Münsterland,
    Swen Artmann (Artsneurosia)

    Vielleicht hast du ja Lust und Zeit, auch meine Story zu lesen.
    Ich würde mich sehr freuen.

    Meine Geschichte heißt:
    „Die silberne Katze“

    Vielen Dank für deine tolle Geschichte.

    Swen

    1. Hallo Swen,
      wow, ich danke dir vielmals für deine lieben Worte, die mich etwas sprachlos gemacht und mir gleichzeitig ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben. Ich freue mich sehr, dass dir meine Geschichte gefallen hat.
      Bleib auch du gesund.
      Liebe Grüße,
      Sandra

  5. Liebe Sandra!
    Gerne lasse ich dir ein Like da, eine spannende Geschichte, die aus deiner Feder geflossen ist. Vor allem der Anfang ist klasse, da wollte ich gleich weiterlesen. Die Rückblenden sind gut platziert und der Schluss ist genial. Deine Geschichte hat mich mitgerissen und ich war mittendrin im Geschehen. Super. Ich drücke dir die Daumen fürs Ebook.
    Vielleicht hast du auch Lust meine Geschichte zu lesen, sie heißt „Der alte Mann und die Pflegerin“.
    Liebe Grüße und alles Gute für dich
    Lotte

  6. Hallo Sandra,
    Ich fand deine Geschichte gut. Flüssiger Schreibstil, gut inszenierte Rückblenden spannendes Ende. Echt toll 😊. Dafür gibt es von mir ein Like.
    Wünsche Dir viel Erfolg 🍀.

    Gruß

    Maddy

    P. S Vielleicht findest Du ja noch Zeit und Lust meine Geschichte „Alte Bekannte“ zu lesen ☺️🙈.

  7. Moin, Sandra! Danke Dir – hier – für Deine lieben Worte zu meiner Geschichte!
    Ich hab mich asap zu Deiner Story aufgemacht.

    Hab ich das richtig verstanden: Er lässt den jungen Mann da nun in der Zelle in irgendeinem Keller verhungen und verdursten? Tja – wieso haben die damals auch keine Hilfe geholt, wenn sie schon zu feige waren, auf die Polizei zu warten? Was ist denn mit dem Kumpel passiert? Eigentlich müsste der ja auch ….

    Ach, das wirst Du sicherlich noch ausführen, wenn Du mehr draus machst, oder?
    Mein Like hast Du jedenfalls!
    Kollegiale Grüße!
    Kathrin aka Scripturine / https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/die-nacht-in-der-das-fuerchten-wohnt

  8. Liebe Sandra,

    bei meinem sonntäglichen Lesemarathon bin ich zum Glück auch über deine Geschichte gestolpert. Nun habe ich schon so viel hier gelesen, aber immer wieder findet man eine neue Geschichte, die einen umhaut. Auch deine Kurzgeschichte hat mir unheimlich gut gefallen! Der Anfang war zwar ein wenig holprig, aber dann nahm sie immer mehr Fahrt und Spannung auf. Dein Schreibstil und der Plot haben mich sehr überzeugt. Ich gebe dir sehr gern den verdienten Like. 😊
    Falls du noch Zeit und Lust hast, würde ich mich über einen Gegenbesuch sehr freuen.
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/stunde-der-vergeltung

    Liebe Grüße
    Angela

  9. Hallo Sandra,
    Wie versprochen, habe ich mich gleich mal an deine Geschichte gesetzt.
    Und gleich zu Anfang: Hut ab! Makelloser Text (soweit ich das beurteilen kann), cooler Plot (hatte wegen dem Anfang deiner Geschichte gleich während dem Lesen den Drang mir im Anschluss „Saw“ anzuschaun:-)) und astreiner Stil.
    Hand aufs Herz, das war nicht deine erste Erzählung, oder? (Zumindest vermittelten mir solche Stellen wie „in keiner Weise“ und „auf allen vieren“ dieses Gefühl. Sind dies doch so typische Fehlerquellen 🙂 Die haben bei dir offensichtlich keine Chance ;-))

    Es hat mir wirklich Spaß gemacht, deinen Beitrag zu lesen. Schon alleine deswegen, weil deine Geschichte eine der weinigen war, die für mich wirklich spannend zu lesen war. Und dann natürlich der Schluss. Was soll ich dazu sagen? Wir schwimmen wohl auf einer sehr ähnlichen Welle 😉

    Ich lasse dir liebend gerne meine Stimme da und bin froh, damit einer derjenigen zu sein, die dich ein Stück weiter in Richtung eBook schubsen dürfen.

    Viele Grüße und viel Erfolg
    J. D.
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/das-leben-eines-toten-mannes

  10. Hallo SandraMaria,

    danke für Deinen Kommentar unter meiner Geschichte („Und der Tod fragte sich, wer er eigentlich ist“) und Dein Herzchen.

    Jetzt ist das Voting bald vorbei und ich bin froh, dass ich Deine Geschichte noch lesen konnte. Toller Schreibstil, gute Rückblenden, super Schluss. Mein Herzchen lasse ich Dir gerne da!

    Liebe Grüße von der Charlie

  11. Liebe Sandra,

    ich bin total begeistert von deiner Geschichte 😁

    Sie beginnt spannend, bleibt spannend und endet spannend. Schon wie du uns in die Geschichte hineingeworfen hast, ist super. Schmerzen, Orientierungslosigkeit und Flashbacks – eine gruselige Kombination. Dein toller Schreibstil hat dazu beigetragen, dass ich die Beklemmung in diesem Verlies beinah selber gespürt habe 😱 Und das Ende mit dem Kichern – Gänsehaut. In Pauls/Alex Haut möchte ich nicht stecken 😅

    Ich hoffe, du hast vor weiterzuschreiben 😊

    Sehr gerne lasse ich dir ein Herzchen da ❤

    Liebe Grüße
    Sarah (Rache ist süß)

  12. Hey Sandra!
    Ich habs zum Glück noch geschafft, deine Geschichte zu lesen! Ich machs jetzt einfach mal ganz kurz, weil ich ehrlich gesagt etwas erschöpft bin (nicht von deiner Geschichte, einfach allgemein 😉 ). Ich finde es toll, dass du so verständlich schreibst und deinen tollen Plot so außergewöhnlich und bildlich darstellen kannst! Tolle Arbeit, mein Like hast du 🙂
    LG Ann-Kristin („Nacht der Unschuld“)

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