MaxC.HellGewissenlos

9+

„Aaaahhhh“
„Sie müssen jetzt pressen! Pressen sie!“
Die junge Frau schnappt unter Schmerzen nach Luft, dann nimmt sie all ihre Kraft zusammen und presst.
„Ja, ja. Das ist prima. Gut.“
Die Hebamme greift nach dem Kopf des Babys.
„So und jetzt warten und atmen.“
Die Frau gehorcht und atmet tief. Währenddessen dreht die Geburtshelferin das Kind.
„So und jetzt noch mal pressen. Sie haben es gleich geschafft.“
Die Frau presst unaufhaltsam.
„Na also!“ Die Hebamme hebt das kleine Wesen vom Laken hoch und betrachtet es lächelnd.
Ein leiser Schrei entweicht dem winzigen Mund.
„Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Mädchen“
Erleichtert lässt sich die Frau in das Kissen fallen, Tränen rinnen ihr aus den Augen.
Die Hebamme schneidet die Nabelschnur durch und ein Arzt kommt zur Tür herein.
„Wie mir scheint, komme ich grade im passenden Moment.“ Er tritt langsam in den Raum, während die Hebamme das Baby unter eine Wärmelampe legt.
„Du kommst genau richtig. Es ist Zeit.“

 

Er nickt und tritt an das kleine Wesen heran.
„Kümmerst du dich bitte um die Frau, während ich mir das Baby ansehe.“
Die Hebamme lächelt ihn kurz an und geht dann zur erschöpften Mutter.

 

Der Arzt betrachtet das Kind genauer, hebt es hoch und dreht es in alle Richtungen.
„Oh, das muss ich mir genauer anschauen“, er wickelt das Kind ein, in Begriff es mitzunehmen.
„Stimmt etwas nicht, Herr Doktor?“ Die junge Mutter sieht ihn ängstlich an.
„Es ist gewiss nur eine Kleinigkeit“, versichert die Hebamme, als der Arzt den Raum verlässt.
Mit geübten Handgriffen versorgt sie die Mutter.
„Wir müssen uns erst mal um Sie kümmern und die Blutung stoppen. Ich gebe Ihnen ein pflanzliches Mittel, das natürlich wirkt und gut verträglich ist.“ Sie geht zum Medikamentenschrank.
Die junge Frau nickt nur und scheint erst mal beruhigt zu sein.

 

Die Hebamme tritt zurück an das Bett und nimmt den Arm der jungen Frau. „Es könnte etwas brennen.“ Um von ihrem Tun abzulenken, verwickelt sie sie in ein Gespräch.

 

„Welchen Namen soll Ihr Baby eigentlich tragen?“

 

„Jana. Sie soll Jana, heißen.“ Die Frau dämmert langsam ein. Ihr Atem geht flach.

 

„Jana? Ein wundervoller Name.“

 

Der Körper der Frau beginnt unkontrolliert zu zittern.

 

Die Hebamme legt ihre Hand auf das Bein der Frau. „Es ist alles gut.“ Ein letzter Ruck durchzuckt die Mutter, dann ist es geschafft.

Jana ist zu einem kleinen Mädchen mit lockigem braunen Haar herangewachsen. Sie sitzt am Küchentisch und isst Müsli mit viel Milch.
Ihre Mutter Anna gießt zwei Kaffeebecher ein und reicht einen an ihren Mann Frank weiter, der soeben dazukommt. „Guten Morgen, meine beiden hübschen.“ Er lächelt das kleine Mädchen an.
Sie strahlt über das ganze Gesicht.
„Guten Morgen, Papa!“, ruft sie und springt ihm in die Arme.
„Hör zu Jana, wenn ich heute im Krankenhaus bin, musst du auf Mama aufpassen. Schaffst du das?“ Er sieht sie prüfend an.
„Klar, Papa.“

 

Sanft drückt er seine Stirn gegen ihre. „Das ist mein Mädchen.“
Seine Frau grinst ihn an. „Soso, ich brauche also einen Aufpasser.“
„Ich bin spät dran, Schatz.“ Er gibt ihr einen liebevollen Kuss.
Sie nickt und erwidert den Kuss. Als sie sich von ihm abwendet, gibt er ihr einen kleinen Klaps auf den Po.
Im Vorbeigehen greift er seine Schlüssel vom Tisch und drückt Jana einen Kuss auf den Scheitel.
„Habt einen schönen Tag, ihr zwei“, ruft er noch, dann fällt die Haustür ins Schloss.
„Schatz, wir müssen gleich auch los.“
Das Kind nickt nur und schlürft schnell ihre Milch auf.
Auf dem Weg zum Auto wirft die Frau einen Blick in den Briefkasten und zieht einen großen brauen Umschlag heraus. Verdutzt sieht sie ihn an. Merkwürdig. Kein Absender. Sie blickt sich um und entdeckt die Nachbarin.
„Hallo Susanne“, ruft sie winkend.
„Hallo Anna, kommst du zum Kaffee rüber, wenn du wieder da bist?“
„Klar doch“, versichert sie ihr und geht mit Jana weiter zum Auto, wo sie den Brief auf den Beifahrersitz legt, während ihre Tochter in den Kindersitz krabbelt.
„Sicherheit geht vor.“ Sie schnallt Jana an und tippt mit dem Zeigefinger an die Nase des Mädchens, welches lautlos kichert. Dann setzt sie sich ans Steuer und fährt los. Die Fahrt dauert nicht lange, der Kindergarten ist am Ende der Siedlung, in der die Familie wohnt. Sie bringt ihre Tochter routiniert wie jeden Tag in die Kita und hilft ihr drinnen beim Anziehen der Hausschuhe.

 

„Denk dran, Mama, morgen dürfen wir unser Lieblingskuscheltier mitbringen.“ Jana lacht über ihr ganzes Gesicht.

 

„Gut, dass du mich daran erinnerst. Das dürfen wir auf keinen Fall vergessen“, versichert Anna ihr, dann bringt sie sie in den Spielraum.

 

„Guten Morgen“, sie winkt allen Kindern und Erziehern, bevor sie sich Jana zuwendet. „So, mein Engel, ich komme heute Nachmittag wieder.“ Sie gibt Jana einen Kuss, die daraufhin in fröhlich in den Raum läuft. Anna schließt die Tür und verlässt den Kindergarten.

 

Am Auto angekommen setzt sie sich wieder hinter das Steuer, dreht den Zündschlüssel und fährt zurück zum Haus. Ihr Auto parkt sie wie immer an der Straße und bleibt einen Moment dort sitzend. Sie starrt auf den Brief an. In ihrem Hals breitet sich ein Kloß aus, als wenn sie von einem Apfel abgebissen und zu kauen vergessen hätte. Es macht sich ein brennendes Gefühl in ihr breit.

 

Ist dies der Moment, auf den sie seit Jahren wartet? Holt ihre Vergangenheit sie nun doch noch ein?

 

Sie zögert einen Moment, nimmt den Brief aber dann doch in die Hand. Sie schaut sich abermals um, kann aber nur Susanne entdecken, die schon auf sie wartet. Der Brief wird später auch noch hier sein. Er kann ja nicht weglaufen. Genauso wenig wie ihre Schuld.

 

Sie schiebt das miese Gefühl beiseite und atmet einmal tief durch. Als sie sich gesammelt hat, steigt sie aus und schreitet zum Haus ihrer Freundin.

 

Susanne, eine schlanke groß gewachsene Frau mit blondem Haar, hat schon Kaffee vorbereitet. Sie backt jede Woche frische Kekse, welche sie in ihrem Café in der Stadt anbietet. Montags war ihr freier Tag, den sie stets nutzt, um neue Kreationen auszuprobieren. Anna ist ihre Verkosterin und das seit Jahren. Susanne legt viel Wert auf ihre Meinung. In der Regel liegt sie richtig mit ihrer Einschätzung was geht und was bei der Kundschaft nicht gut ankommt.

 

Heute sind es Kekse mit leichter Orangennote und Erdbeergeschmack für eine spezielle Teesorte, welche sie sich extra zusammenstellen lassen hat. Sie sind durchaus lecker, allerdings kann Anna sich heute kaum auf ein Gespräch konzentrieren.

 

„Sag mal, hörst du mir überhaupt zu, Anna? Du wirkst abgelenkt.“ Susanne mustert sie skeptisch.

 

„Es tut mir unendlich leid.“ Ein Schauder läuft Anna über die Haut, sie fühlt sich ertappt. „Sag mal, Susanne, hattest du jemand Fremden an unserem Briefkasten gesehen?“

 

„Nein, niemanden. Warum fragst du?“

 

„Ach, vermutlich mache ich mir umsonst Gedanken. Da war nur ein Umschlag ohne Absender heute drin.“ Sie nippt an ihrem Kaffee, der inzwischen jedoch schon kalt geworden ist. „Ich glaube, ich bin dir heute keine große Hilfe.“ Sie lächelt verlegen.

 

„Das macht nichts, du bist es sonst ja immer. Soll ich dir einen neuen Kaffee machen?“

 

„Ja, sehr gerne.“

 

Nachdem Anna ihre Sorgen erfolgreich verdrängt

 

 hat, wird es doch noch ein schönes Beisammensein.

 

„Es, war wieder wunderbar bei dir Susanne.“ Sie wirft einen Blick auf ihre Armbanduhr. „Schon so spät? Ich muss gleich Jana holen.“

 

„Soll ich sie nicht heute abholen? Vielleicht kann sie mir ja mit den Keksen helfen?“ Sie zwinkert Anna grinsend zu.

 

„Sie ist dir mit Sicherheit eine bessere Hilfe als ich. Zum Abendessen soll sie aber bitte zu Hause sein.“ Sie verabschiedet sich von Susanne und geht zum Auto, wo sich der unheilvolle Umschlag tatsächlich nicht vom Fleck bewegt hat. Mit einem Seufzen nimmt sie den Brief vom Beifahrersitz und betritt schnellen Schrittes ihr Haus. Am Tisch setzt sie sich auf einen Stuhl. Den Brief legt sie vor sich ab, als beinhalte er hochexplosives Material.

 

Ihr läuft ein eiskalter Schauer über den Rücken. Sie schüttelt sich. Es hilft ja nichts. Sie nimmt den Brief kurzerhand, öffnet ihn vorsichtig und zieht ein Blatt Papier heraus, das mit vielen kleinen Textschnipseln versehen ist. Ihre Pupillen weiten sich und sie fängt an zu schwitzen. Verdammt, was ist das bloß? Sie beginnt Zeile um Zeile zu lesen.

 

Ich weiß es!

 

Sommer vor drei Jahren!

 

Ihr könnt mir nicht entfliehen!

 

Ich werde euch kriegen!

 

Ein Zittern macht sich von der kleinen Spitze ihres Fußzehs auf, breitet sich über die Beine und den restlichen Körper aus und dringt ihr bis tief ins Mark. Augenblicklich lässt sie den Brief fallen. Panik macht sich breit. Sie rennt wie von Sinnen los, zum Briefkasten. Hastig sucht sie die Umgebung ab, ohne zu wissen, was sie zu finden hofft. Verdammt! Da ist nichts! Das kann nicht sein. Stürmisch rennt sie den Weg wieder entlang, stolpert fast an einer der Treppenstufen zum Haus. Sie rudert mit den Armen, um nicht zu fallen. Sie hastet weiter in die Tür und durch den Flur. Dann steht sie wieder vor dem vor dem Tisch. Wie Mahnmale schreien die zusammengesetzten Letter aus Zeitschriften und Zeitungen sie an. Wer war ihnen auf die Schliche gekommen? Und warum erst jetzt?

 

„Das…, Das kann einfach nicht möglich sein. Oder etwa doch?“ sie tippt auf den Zettel auf den Tisch und greift nach ihrer Tasche, kramt hastig darin herum. Das ist nicht wahr! Sie nimmt die Tasche hoch und schüttelt den Inhalt über dem Tisch aus. Zielstrebig geht ihre Hand in Richtung Handy. Sie wählt schnell eine Nummer, ihr Puls rast und ihre Atmung geht schneller.

 

„Frank! Jemand weiß, was vor drei Jahren passiert ist!“

 

Stille in der Leitung. Nach einer Pause „Wer?“

 

„Woher soll ich das wissen? Ich habe hier diesen Brief!“

 

„Schick mir ein Foto davon!“

 

Sie macht hastig ein Foto und schickt es ihm.

 

„Ich werde gleich kommen, warte auf mich und verlasse das Haus nicht mehr!“

 

„Sicher werde ich das Haus nicht verlassen, ich will noch nicht sterben!“

 

Sie legt auf und starrt den Brief weiter an.

 

Das Klingeln der Tür reißt Anna aus ihren Gedanken. Ist es schon so spät? Ein Blick auf die Wanduhr verrät, dass es Wirklichkeit ist. Sie räumt alles schnell in ihre Tasche zurück. Jana braucht das Chaos nicht zu sehen. Es klingelt ein zweites Mal. Auf dem Weg zur Tür versucht sie, die verwirrenden Gedanken abzuschütteln. Kaum ist die Tür offen, fällt Jana ihr um den Hals.

 

„Hallo Mama!“ Sie strahlt über beiden Ohren.

 

„Wie war dein Tag, mein Schatz?“ Anna setzt ihre Tochter ab und lächelt sie an.

 

„Super, wir haben eine neue Erzieherin.“ Sie löst sich von ihrer Mutter und stürmt ins Wohnzimmer.

 

„Neue Erzieherin?“

 

„Ja eine Frau Pauls oder sowas“, erklärt Susanne. „Du brauchst ihr nichts mehr zu Essen machen.“  Susanne zwinkert ihr zu und verabschiedet sich.

 

Anna folgt ihrer Tochter ins Wohnzimmer. Jana hat es sich mit einem Buch auf dem Sofa bequem gemacht.

 

„Können wir das bitte lesen?“

 

„Wenn du dich umziehst und Zähne putzt, können wir es uns gerne mit dem Buch gemütlich machen.“

 

Nach kurzer Überlegung nickt Jana. Sie will das Buch grade auf das Sofa legen, als ihre Mutter nachhakt.

 

„Eine neue Erzieherin?“

 

„Ja, Simone heißt sie, sie ist sehr nett. Ihre Schwester hat eine Tochter, die wie ich ein Kind ist.“

 

„Okay, mach dich fertig und ich komme gleich.“

 

Eine neue Erzieherin. Das ist merkwürdig. Sie zückt ihr Handy um nach ihren Emails zu schauen. Ach, da ist es. Simone Pauls. Interessiert liest sie den Text. Praktikum für ein Jahr. Nichts Besonderes eigentlich. Komisch ist nur, dass die Information so kurzfristig geschickt wurde.

 

„Mama, kommst du?“

 

Anna legt das Handy weg und geht zu ihrer Tochter.

 

 

Es ist schon spät, als Frank nach Hause kommt, er setzt sich zu Anna an den Tisch. Legt seinen Aktenkoffer hin und öffnet ihn. Dann zieht er einen Brief aus dem Stapel. Anna sieht sofort, dass es die gleiche Art Brief ist, welchen sie heute Morgen erhalten hat.

 

„Wann hast du den bekommen?“

 

„Vor ein paar Tagen schon!“

 

„Vor Tagen schon…“ Sie ist fassungslos, hatten sie jetzt schon Geheimnisse voreinander? Sie dreht sich zu ihm und haut ihm mit den Fäusten auf die Brust.

 

Er hält ihre Hände fest. „Beruhige dich, bitte!“

 

Anna fängt an zu weinen.

 

Es dauert eine ganze Weile, bis Frank sie beruhigen kann.

 

„Es gibt da noch etwas, kam heute von unserem Steuerbüro. Wir werden für die letzten 10 Jahre geprüft.“ Frank lässt Anna aus seiner Umarmung los.

 

Sie steht da, starrt ihn nur wortlos an.

 

„Es muss jemand auf uns abgesehen haben“, schiebt er noch nach.

 

Ja mit Sicherheit. Jemand, der ihr größtes Geheimnis kennt und sie zerstören wird!

 

Die Nacht wacht Anna immer wieder schweißgebadet auf. Jedes Geräusch ließ sie aufschrecken. Frank hingegen schnarcht seelenruhig neben ihr. Wenn er eins kann, dann alles andere ausblenden. Sie aber nicht, sie weiß, was sie getan hat und vor allem was Frank so neben seinem Beruf treibt. Sie weiß, sollte es je ans Tageslicht kommen, würden sie dafür bezahlen und nun ist es wohl soweit.

 

Am Morgen fährt Frank früher als sonst zur Arbeit. Vom Schlafmangel gerädert bringt Anna ihre Tochter zum Auto.

 

Oh Mann, auch das noch. Ihr Reifen ist platt, platt wie eine Flunder. Sie muss Jana zu Fuß zum Kindergarten bringen.

 

„Schatz, heute müssen wir wohl gehen.“ Sie streckt die Hand nach ihrer Tochter aus.

 

„Ist doch nicht schlimm Mama, weit ist es ja nicht.“ Jana lacht vergnügt.

 

Sie ist ein Sonnenschein, ja ein richtiger Engel sogar. An Annas Hand hüpft sie die Straße entlang. Anna bekommt eine Gänsehaut, beobachtet sie jemand? Das Gefühl will sie nicht loslassen. Sie sieht sich um, aber da ist keiner.

 

 ist ihr platter Reifen kein Zufall. Anna zuckt zusammen, als ein Auto langsam an ihnen vorbei fährt.

 

„Alles gut, Mama?“, fragt ihre Kleine.

 

„Klar, Mama hat nur schlecht geschlafen.“

 

„Ach, das habe ich manchmal auch, aber Kaptein Bär passt auf mich auf.“ Sie hält ihr ihren Teddy entgegen. „Hast du auch einen Kaptein Bär?“

 

„Mama hat …“

 

„Hallo Jana, schön dass ich dich hier treffe.“ Eine junge Frau kommt seitlich herangeeilt und winkt ihnen zu.

 

Anna bekommt ein flaues Gefühl im Magen. Die junge Frau streckt ihr die Hand entgegen. „Hallo ich bin Simone Pauls, die neue Erzieherin.“

 

„Ach Hallo, ja ich habe es gestern erzählt bekommen. Freut mich.“

 

„Soll ich Jana die letzten paar Meter mitnehmen?“

 

„Ich weiß nicht.“ Anna blickt sich noch mal um.

 

„Ach bitte, Mama.“ Jana schaut ihre Mama zuckersüß und herzerwärmend an.

 

„Na gut, aber ich hole dich heute schon nach dem Mittagessen ab.“

 

„Super.“ Frau Pauls nimmt Janas Hand in ihre.

 

„Jana sagte, Sie hätten eine Nichte in ihrem Alter?“

 

„Ja, meine Schwägerin hat vor gut drei Jahren eine Tochter bekommen“, flüstert Frau Pauls ihr leise zu. „Und wissen Sie was, der Name der Kleinen wäre auch Jana gewesen.“

 

Annas Herz setzt aus. Was hat sie gesagt? Diese Frau, die lachend mit Jana wegging? Ist das ein blöder Scherz, ein Witz von Ihr? Pauls? Nein so hieß sie nicht! Nein! Das war nicht möglich! Anna war nicht in der Lage ihnen zu folgen. Auch das auf Wiedersehen ihrer Tochter vernahm sie nicht.

 

Stumm und um Fassung ringend bleibt Anna wie angewurzelt stehen. Erst als ihr Kind mit der Frau in der Kita verschwunden ist, kann sie sich rühren und läuft los. Als wenn ihr Leben davon abhinge, schnell, schneller, so schnell wie die Beine sie tragen. Nach Hause, sie will einfach nur nach Hause.

 

Susanne, die soeben aus ihrem Hoftor tritt, ignoriert sie vollkommen. Sie will nur noch rein. An der Tür angekommen zieht sie ihren Schlüssel aus der Tasche, der sogleich zu Boden fällt, sie hebt ihn rasch wieder auf. Zitternd versucht sie, ihn in das Schloss zu bekommen.

 

„Alles okay bei euch, Anna?“ Susanne tritt besorgt an sie heran, legt ihr eine Hand auf den Rücken.

 

„Ja, ja alles in Ordnung! Entschuldige mich bitte.“ Endlich lässt der Schlüssel sich drehen. Schnell schließt sie die Tür auf und schlüpft hinein. An der Wand lässt sie sich zu Boden rutschen. Dann vergräbt sie ihren Kopf zwischen den Händen. Im Augenwinkel nimmt sie etwas rotes wahr. Auf dem Tisch steht etwas, das vorhin nicht dagewesen ist. Sie lugt durch die Spalten ihrer Finger. „Frank? Bist du da?“ Keine Reaktion. Was ist das dort auf dem Tisch? Sie hat es nicht dort stehen lassen. Ist Frank zwischenzeitlich nach Hause gekommen? Sie rafft sich auf, schreitet auf wackeligen Schritten auf den Tisch zu. Eine Kamera? Das ist weder eine von Frank noch von ihr selber. Anna hebt sie hoch und schaltet sie ein. Während sie das Menü öffnet, überprüft sie, ob die Terrassentür verschlossen ist. Alles okay.

 

Wie kommt dieses Ding bloß hier rein? Sie drückt auf den Kopf und zappt sich durch die Bilder.

 

Ihr gefriert das Blut in den Adern. Ihr Herz hört einen Moment auf zu schlagen. Sie hält sich eine Hand vor den Mund. Tränen steigen in ihre Augen. Es sind Bilder von ihr darauf. Bilder von vor drei Jahren. Wo sie mit den Anderen Hebammen drauf ist. Bilder von ihr und Jana. Sie werden seit Jahren beobachtet. Bilder von Frank im Operationskittel. Was zur Hölle ist hier bloß los?

 

Frank, sie muss Frank anrufen. Er hat doch heute diesen Termin. Der, von dem so viel abhängt. Egal, sie muss ihm sagen, was passiert ist. Es ist zu gefährlich geworden.

 

Auf einem Tisch in einer Lagerhalle, die in helles Licht getaucht ist, schrillt ein Handy unentwegt und stört den melodischen Klang des klassischen Stücks, das aus den Boxen dringt. Der Bereich hinter dem Tisch ist mit weißen Planen abgehängt, welche das Licht reflektieren und den Raum surreal wirken lassen. Das Handy will einfach nicht verstummen.

 

„Mensch, Frank, stell es ab oder geh ran! Ich muss mich auf die Operation konzentrieren!“, schnauzt sein Kollege ihn über den Mundschutz hinweg an.

 

Aus großen Augen sieht die OP-Schwester zwischen ihnen hin und her.

 

„Verdammt, ja ich kümmere mich drum!“ Frank zieht sich die Handschuhe aus und die Maske vom Gesicht und stampft Richtung Tisch. 7 Anrufe in Abwesenheit. Was ist passiert? Anna ruft sonst nie an und wenn, lässt sie es nur einmal klingeln und wartet auf seinen Rückruf.

 

Als er eben zurückrufen will, klingelt es wieder. Er hebt ab und hört direkt Annas hysterische Stimme, doch er versteht kein Wort.

 

„Was? Anna, bitte beruhige dich. Wer hat was getan?“

 

„Jemand muss in unserem Haus gewesen sein. Hier ist eine Kamera mit Bildern von uns, Frank!“

 

„Von uns?“

 

„Ja von uns und welche von der Arbeit.“

 

„Na ja, es machen immer mal wieder Menschen Fotos auf der Arbeit.“

 

„Nicht diese Art von Arbeit. Frank, jemand verfolgt uns schon seit Jahren!“

 

Er muss sich sortieren. Jemand war in seinem Haus und hat eine Kamera platziert, auf der delikate Bilder zu sehen sind. Dazu die Drohbriefe. „Wenn derjenige, der uns die Geschenke gemacht hat, aus ehrenhaften Gründen handeln würde, hätten stattdessen bereits die Handschellen geklickt. Es ist also jemand, der ein Stück vom Kuchen abhaben will. Das ist gut.“

 

„Nein, Frank. Da ist noch mehr. Jana hat eine neue Erzieherin. Sie sagt, sie hätte eine Nichte im Alter von Jana gehabt. Und ihr Name sei auch Jana gewesen! Ich bin fix und fertig. Bitte, komm sofort nach Hause!“

 

„Ich kann nicht, Anna, dieser Auftrag ist zu wichtig!“

 

„Mensch Frank, jemand weiß über uns Bescheid. Wir können nicht einfach so tun als sei alles normal.“

 

„Bewegst du jetzt deinen Arsch wieder hier her, oder soll ich das Herz alleine rausholen, du Held!“ Sein Kollege klingt mehr als zornig.

 

„Es tut mir leid, Anna, ich werde heute Abend da sein und dann reden wir in Ruhe über alles.“

 

Mit geübten Handgriffen zieht Frank sich neue sterile Handschuhe über und tritt zurück zum Operationstisch.

 

„Wärst du dann so gütig, die Klammer zu spreizen?“

 

„Sicher, entschuldige bitte die Unterbrechung. Weiter geht es.“

 

Der andere schneidet die Gefäße durch, überall ist Blut. „Um das Leben des Patienten brauchen wir uns keine Sorgen machen“, lacht der andere. „Aber Absaugen wäre nicht schlecht, damit ich das Organ unversehrt herausbekomme.“

 

Die assistierende OP-Schwester hält den Schlauch vorsichtig hinein und legt den Blick auf das Herz frei.

 

„Ach, schon viel besser!“

 

Als das Herz lose ist, nimmt Frank es behutsam entgegen und legt es in die Transportbox mit der Aufschrift Achtung Biologisches Material! Dann verschließt er diese sicher. Sein Kollege legt das Skalpell ab und zieht sich Operationskittel sowie Handschuhe und Maske aus.

 

Die Schwester zieht ein weißes Laken über den Mann auf dem Tisch.

 

„Die Arbeit ist erledigt. Frank, kontaktiere den Käufer, er kann es sofort abholen. Das Geld müsste bereits auf dem Konto sein. Tina, checkst du das bitte sogleich!“

 

„Sicher, Schatz!“

 

Frank läuft ein kalter Schauer über den Rücken. Wie skrupellos sie waren. Das Leben eines Menschen war nichts wert. Bisher hat er stets ohne jedes Gefühl der Reue gehandelt. Doch jetzt regt sich eine Stimme in ihm, die behauptet, dass das alles falsch ist.

 

Nach einem kurzen Blick auf den Pc und den Kontostand nickt Tina zufrieden. Jetzt muss Frank nur noch den Käufer informieren. Einen reichen Diplomaten, dessen Junge ein neues Herz brauchte. Was tut man nicht alles, um seine Lieben zu retten, die Million werden ihm kaum fehlen.

 

„Der Kunde ist in 15 Minuten da und hupt dann dreimal.“

 

Nach einer Weile ertönt wie vereinbart das Zeichen. Frank greift die Box und läuft in einigem Abstand hinter den beiden anderen her. Als sie das Tor öffnen, sehen sie die Bescherung, eine Spezialeinheit der Polizei hat alles umstellt. Frank zieht seine Pistole aus dem Rückenholster, verschwindet aus dem Blickfeld und schleicht geduckt zu seinem Auto, das in der Halle geparkt ist.

 

„Bleiben Sie stehen und lassen sie alle Waffen auf den Boden fallen“, erklingt es hinter ihm.

 

Frank wirft einen Blick über seine Schulter und erkennt, dass seine Komplizen mit Pistolen bedroht werden.

 

„Schon gut, ich lege sie hin!“ Mit einem Arm in die Luft gestreckt legt sein Kollege die Waffe auf den Boden und besiegelt damit sein Schicksal. Ihm ist nicht mehr zu helfen.

 

„Und jetzt auf dem Bauch mit ausgestreckten Armen, die Handflächen nach oben gerichtet!“

 

Auch das befolgen die beiden, ohne Gegenwehr.

 

Frank ist am Auto angekommen, er darf nicht riskieren, dass die beiden seinen Namen nennen, also was tun? Er startet das Auto und drückt das Gaspedal durch.

 

Das Auto rast ungebremst durch das Tor und über die beiden hinweg. Ein gnädiges Ende.

 

Dann eine harte Rechtskurve Richtung Pier. Die Sondereinheit eröffnet sofort das Feuer auf ihn, aber Frank ist schneller als ihre Kugeln. Zwei Autos nehmen die Verfolgung auf.

 

Frank drückt das Gaspedal bis zum Anschlag durch, als er den kleinen Hang hinauf rast und mit einem gewagten Manöver auf die Straße abbiegt. Von dort aus geht es weiter Richtung Stadt. Ziemlich schnell stellt Frank fest, dass sich ein Stau gebildet hat. Egal dann durch die Fußgängerzone. Er fährt über die Bürgersteige, ohne auf Passanten zu achten. Doch eine Frau mit Kindern lässt Frank instinktiv aus weichen. Das ist seine einzige Regel: Kinder dürfen niemals zu Schaden kommen! Ein Polizeiwagen fährt ungebremst in seinen Wagen. Dann wird es für immer dunkel um Frank.

 

 

Es ist bereits Abend, als es an der Tür klingelt. Frank ist bis jetzt nicht nach Hause gekommen. Anna hastet die Treppe runter und sieht dabei durch das Glas, das zwei Personen vor der Tür stehen. Als sie zögerlich die Tür öffnet, stellen sich ihr die beiden als Beamte der Kriminalpolizei vor.

 

„Frau Brandt, dürfen wir herein kommen?“

 

Anna durchfährt es wie ein Schlag. Sie versucht, ihr Zittern zu unterdrücken, und macht eine Handbewegung Richtung Wohnzimmer. „Treten sie doch bitte ein.“

 

Die zwei Beamten gehen den Flur entlang und dann ins Wohnzimmer. Dort deutet Anna ihnen, dass sie Platz nehmen können.

 

Anna setzt sich hin und fährt mit beiden Händen über das glatte Holz des Tisches, dabei hinterlässt sie feuchte Spuren. Nach einer kurzen Weile beginnt der ältere der Beamten zu sprechen. „Frau Brandt, wir müssen ihnen mitteilen, dass Ihr Mann tot ist.“

 

Wie von einem Stromschlag gepackt springt Anna auf und taumelt haltsuchend durch das Zimmer. Mit dieser Nachricht hat sie nicht gerechnet. Frank ist tot. „Wie ist es passiert?“, wispert sie, nicht fähig einen klaren Gedanken zu fassen.

 

„Frau Brandt, bitte setzen Sie sich wieder hin, dann schildern wir Ihnen das Geschehen.“

 

Anna geht zum Schrank und öffnet ihn. Dort stehen Gläser und Hochprozentiges.

 

„Es stört Sie doch nicht?“ Sie wartet die Antwort nicht ab und gießt sich etwas ein.

 

„Ich weiß es“, sagt sie und stürzt den Inhalt des Glases in einem Schluck herunter.

 

Die beiden Beamten wechseln verwunderte Blicke.

 

„Deswegen sind sie doch hier?“, stellt Anna kalt fest.

 

Die beiden erheben sich. „Es wäre besser, wenn Sie mit auf das Revier kommen.“

 

„Und was mache ich mit Jana?“ Sie gießt sich nochmal nach, wohl wissend, dass sie die Wärme im Bauch brauchen wird, bei dem, was sie bei der Polizei aussagen wird.

 

„Für Ihre Tochter ist jemand da, packen Sie Ihre Papiere zusammen und dann fahren wir.“

 

Sie nickt nur stumm. Der jüngere Polizist weicht ihr nicht mehr von der Seite. Nicht beim Packen, nicht im Auto und auch nicht auf dem Revier.

 

In dem Verhörraum steht eine Kamera zur Aufnahme bereit.

 

Anna sitzt Händeknetend auf dem Stuhl. Ihr läuft kalter Schweiß über den Rücken. Sie starrt die ganze Zeit auf die Kamera.

 

„In Ordnung, Frau Brandt, möchten Sie von sich aus reden oder ist es Ihnen lieber, Fragen zu beantworten?“ Der Beamte sieht sie erwartungsvoll an.

 

„Ich erzähle Ihnen alles, was ich weiß und wenn Sie dann noch Fragen haben, können sie diese gerne stellen.“

 

Der Beamte stellt die Kamera an. „Vorweg müssen wir noch ein paar Formalitäten klären.“

 

Anna nickt zustimmend.

 

„Nennen Sie uns bitte ihren Namen und ihren Geburtstag.“

 

„Ich bin Anna Brandt, geboren am 22.06.1982 in Hamm. Mein Mädchenname ist Schneider.“

 

„Gut, Frau Brandt. Können Sie bestätigen, dass Sie gesundheitlich und geistig in guter Verfassung sind? Und diese Aussage freiwillig, ohne Beisein eines Anwalts abgeben möchten?“

 

Anna richtet sich in dem Stuhl auf. „Sicher. Ich bin in gesunder geistiger und körperlicher Verfassung und ich gebe diese Aussage freiwillig zu Protokoll. Außerdem verzichte ich auf mein Recht, einen Anwalt zugegen zu haben.“

 

„Gut, dann bitte, erzählen Sie uns, was Sie wissen.“

 

Anna schluckt kurz gegen den Kloß in ihrem Hals an, aber es muss einfach raus nach all den Jahren. Frank ist tot und nun würde ohnehin alles zusammenbrechen. Wer sollte sie jetzt noch schützen? Diese Irre ist hinter ihr her und wird sie nicht mehr vom Haken lassen. Es ist vorbei.

 

„Ich habe die Frau getötet.“ Anna verzieht nicht eine Miene. Regungslos kommt es ihr über die Lippen, ohne auch nur eine Emotion.

 

Die Beamten rutschen auf dem Stuhl hin und her.

 

„Wen haben Sie getötet?“ Hakt der junge Polizist nach.

 

„Die Mutter von Jana.“

 

Ein Raunen geht durch den Raum, damit hat hier wohl keiner gerechnet.

 

Anna fährt weiter fort. „Es war vor drei Jahren, nach mehreren Fehlgeburten haben wir uns dazu entschlossen, unsere Familie auf eigene Faust komplett zu machen. Es war mein letzter Tag als Hebamme, die Geburt von Jana zeigte, dass es  Schicksal war. Alles passte perfekt.“

 

Der Beamte schüttelt den Kopf. „Es passte also einfach, ja? Wie sind Sie vorgegangen?“

 

„Ja, es war perfekt, meine Schicht fast zu Ende, Frank nahm das Baby mit und ich erledigte den Rest.“ Sie lächelt.

 

„Wie den Rest?“, hakt der Beamte nach.

 

Anna zuckt mit den Schultern. „Ich injizierte der Mutter eine Überdosis eines Medikamentes, das in der Nebenwirkung den Atem lähmt und sie schlief in meinem Beisein ein. Vorher fragte ich noch, wie das Kind heißen solle. Und so haben wir die Kleine auch genannt.“

 

Die Beamten wechseln Blicke miteinander, es lässt sie sprachlos zurück.

 

„Nachdem Frank die Kleine versorgt hat, habe ich sie nach der Schicht bei ihm abgeholt und unter meiner Kleidung versteckt. Er stellte zwei Totenscheine aus, keiner stellte auch nur eine Frage, zumal in der Pathologie unsere Freundin Tina gearbeitet hat. Für ein paar Scheine erledigt sie auch gerne Unmoralisches. Es war so einfach.“

 

„Meinen Sie Tina Sonntag?“

 

Annas Pupillen weiten sich. „Ja, woher wissen Sie das?“

 

Der Beamte zieht einen Notizblock. „Weil Frau Sonntag heute mit Ihrem Mann und Torsten Strank bei ihrem Tun auf frischer Tat ertappt wurde.“

 

„Ja, das war Franks anderes Team.“

 

„Anderes Team, sagen Sie?“

 

„Genau, sie haben zusammen ein gut laufendes Geschäft geführt. Organhandel. Eine Leber, neue Nieren, ein Herz, alles kein Problem, wenn das Geld stimmt.“

 

Die Beamten sind sprachlos, anhand der Kaltherzigkeit in der Anna Brandt berichtet.

 

„Sie wussten also Bescheid über das Handeln Ihres Mannes?“

 

Anna nickt.

 

„In Ordnung. Dann erzählen Sie weiter.“

 

Anna erzählt Stunde um Stunde, jede einzelne Kleinigkeit. Sie gibt sogar an, dass Frank über seine „Patienten“ Buch geführt hat.

 

Als sie am Ende anlangt, erzählt sie von den Briefen und der Kamera im Haus. Das jemand sie beobachtet hat und erpressen wollte.

 

„Sie haben recht, Sie wurden beobachtet und diese Person hat uns zu Ihnen geführt.“

 

Der Beamte legt ihr Handschellen an und führt sie aus dem Raum in Richtung Flur zum Zellentrakt. Als sie an einer großen Scheibe vorbeikommen, sieht sie Frau Pauls mit einem Mann und einer Frau zusammen sitzen.

 

In ihr steigt Hass auf. „Das ist doch…“

 

„Das ist Familie Pauls, kennen Sie diese schon?“

 

„Allerdings, die eine Frau kenne ich zumindest.“

 

„Herr Pauls haben wir es zu verdanken, dass wir Ihrem Mann das Handwerk legen konnten.“

 

Anna schnaubt vor Wut, als der Beamte sie weiter zieht.

 

„Und wissen Sie, was das Beste ist? Die Pauls sind die nächsten Verwanden von Jana!“

 

„Das darf nicht sein!“, schreit Anna wie von Sinnen.

 

Der Beamte lacht. „Doch, Bruno Pauls ist der Bruder der Frau, die sie vor drei Jahren getötet haben!“

 

Ihre Wut flacht langsam ab. Frank ist tot und Anna kann von nun an nicht mehr für ihr kleines Mädchen da sein. Wenigstens wird Jana eine richtige Familie haben. Menschen, die sie über alles lieben. So wie Anna es tut und immer tun wird. Von dort aus, wo sie vor hat hinzugehen.

 

Vorhin, als sie im Bad ihres Hauses war, hat sie sich eine Rasierklinge gegriffen und in einer Lasche ihres BHs versteckt. Gleich wird sie wieder mit Frank vereint sein und fortan mit ihm über Jana wachen, wie es sonst niemand vermag. Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht lässt sie sich abführen.

 

Ende

 

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4 thoughts on “Gewissenlos

  1. Hi. Mir gefällt die Grundidee sehr gut, es hat Spaß gemacht die Geschichte zu lesen 🙂
    Ein kleiner „Verbesserungsvorschlag“: Ich fände es spannender, das „letzte Zucken“ wegzulassen, damit nicht zu viel vorweg genommen wird.
    Liebe Grüße, Simone mit
    „Momentaufnahme“ (falls du Lust hast :-))

    1+

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