Daniela KilbLeos Geheimnis

16+

Leo schlich mal wieder mehr nach Hause, als dass er lief. Sein Leben war ihm selbst zuwider geworden. Doch er „lebte“, wenn man es denn so nennen wollte. Als er gerade wieder angekommen war, fiel er beinahe über ein kleines Päckchen, das direkt vor seiner Tür lag. Er hob es auf und starrte einige Sekunden darauf. Es war kein Name zu sehen. Er schaute sich um, konnte aber niemanden erkennen, der es dorthin gelegt haben könnte. Schließlich nahm er es mit ins Haus. Mit gemischten Gefühlen öffnete er das Paket nach einigen Minuten. Ungläubig fiel sein Blick auf ein Handy, das darin lag. Er hob es auf. Was sollte das? Er hatte keine Ahnung und fragte sich, ob hier jemand ein Spiel mit ihm spielte. Wer schickte ihm ein Handy? Und vor allem, wieso?

Dann stellte er es an. Merkwürdigerweise brauchte er keine PIN-Nummer einzugeben, was ihn schon einmal wunderte. Er suchte zuerst nach Kontakten, nach Adressen, nach irgendetwas, was ihm helfen könnte, doch er fand nichts – außer eventuell bei „Galerie“? Es waren anscheinend Bilder darauf… Nach einigem Zögern klickte er auf besagtes Zeichen. Er erstarrte. Was er sah, ließ sein Blut in den Adern gefrieren. Ihm wurde kurzzeitig schwindelig. Die Vergangenheit kam hoch, etwas, was er seit gefühlten Ewigkeiten versuchte, zu vergessen. Es gelang ihm nicht, oder, zumindest nur sehr schlecht. Und nun musste er erkennen, dass irgendjemand sein Geheimnis kannte? Ihn beobachtet hatte? Er war bleich geworden.
Das Handy war ihm aus der Hand geglitten, und er würgte. Die Erinnerung überflutete ihn. Wer hatte ihm das geschickt? Und, vor allem, wieso? Es war kein Schreiben dabei, nichts! Keine Erklärung für das Unglaubliche. Wollte ihn jemand erpressen? Doch, wenn es so wäre, dann müsste doch noch etwas dabei sein, oder nicht? Wenigstens eine Erklärung, oder Forderung.
Er verstand es nicht. Dann trat er zum Fenster und starrte in die Ferne hinaus. War dort jemand? Wurde er beobachtet? Hatte dieser jemand ihn gesehen, damals? Sein Herz schlug so laut, dass er das Gefühl hatte, es würde ihm seinen Brustkorb zerschmettern. Wer auch immer das getan hatte, dieser jemand wusste, wo er lebte. Er kannte ihn, beobachtete ihn. Vielleicht schon seit der verfluchten Nacht, der Nacht, die er mehr als alles andere vergessen wollte? Sich wünschte, es wäre nie passiert? Was sollte er jetzt nur tun? Und er hatte Angst das Haus zu verlassen.

Die Angst war begründet. Auf der anderen Seite stand in der Tat jemand. Er hatte gesehen, wie sein Feind das Paket gefunden und es mitgenommen hatte. Auf seinem Gesicht breitete sich ein Grinsen aus. „Jetzt geht es los, mein „Freund““, knurrte er, und beobachtete ihn weiter.
Natürlich war die Sicht etwas eingeschränkt, aber er konnte sich denken, was jetzt im Kopf des Mistkerls vor sich ging. Es hätte ihn nicht gewundert, wenn er jetzt und hier heraus gerannt wäre, aber er sah ihn nicht. Leicht enttäuscht verließ er seinen Posten. Seine Zeit würde noch kommen. Bald, sehr bald sogar…

In der Zwischenzeit hatte Leo sich langsam wieder etwas beruhigt. Dennoch war ihm immer noch übel. Er musste erst einmal etwas trinken. Er wollte es nicht, aber dann hob er das Handy wieder auf und schaute sich doch noch einmal die Bilder an. Die Bilder dieser grauenhaften Nacht. Die er nie vergessen würde; wie könnte er auch. Die Erinnerung überflutete ihn: Er war betrunken gewesen. Und war trotzdem gefahren. Es waren nur ein paar Meter, und er hatte keine Lust gehabt, zu laufen. Wenn er es doch nur getan hätte. Der Aufprall kam ohne Vorwarnung, er hatte noch nicht einmal wirklich etwas davon mitbekommen. Nicht so wirklich, jedenfalls. Er war einfach weiter gefahren. Irgendwo ahnte er, dass er etwas angefahren hatte, doch er war davon ausgegangen, dass es ein Tier gewesen war, ein Reh, oder ähnliches. Also fuhr er nach Hause und legte sich schlafen.
Wieder spürte er, wie ihm die Galle hoch kam, als er an den nächsten Morgen dachte. Er hatte die Tageszeitung gelesen und es zuerst nicht glauben wollen; aber dann wurde ihm bewusst, dass es der Wahrheit entsprach, was er da las: Dort stand geschrieben, dass eine junge Frau überfahren worden war, genau an der Stelle, an der er das „Wildtier“ erwischt hatte… Da war ihm klar geworden, dass er kein Tier überfahren hatte, sondern einen Menschen. Eine Frau!
Was sollte er jetzt tun? Natürlich hatte er daran gedacht, zur Polizei zu gehen; sich zu stellen, zumal sie bestimmt Spuren finden würden, die auf ihn, oder zumindest auf sein Auto, stoßen würden. Aber er war zu feige gewesen. Und niemand war gekommen; zumal er zeitnah umgezogen war, um der Wirklichkeit zu entfliehen. In ein einsames Haus nahe an einem Wald. Und so vergingen die Monate, und er war zu einem lebenden Wrack verkommen. Schlich sich jeden Tag zur Arbeit, und danach nach Hause, immer mit der größten Schuld beladen, die man sich nur auflasten kann: Ein Leben ausgelöscht zu haben. Und jetzt traf ihn die Erkenntnis, dass anscheinend jemand das Furchtbare gesehen hatte? Nicht nur gesehen, sondern auch fotografiert? Die Bilder waren eindeutig. Zuerst war sein Auto zu erkennen, von hinten, mit seinem Nummernschild! Und er saß am Steuer! Auf dem letzten Bild sah er die Leiche! Ihn schauderte es. Aber wieso hatte derjenige es nicht zur Anzeige gebracht? Warum kam er jetzt damit? Und auf diese Art? Zudem derjenige anscheinend auch wusste, wo er jetzt wohnte? Etwas Übles kam auf ihn zu, und er wusste nicht, wie er sich davor schützen konnte…

Plötzlich klingelte das Handy, das er noch starr in der Hand hielt, und er hätte es beinahe erneut vor Schreck fallen lassen. Es war ein fremdes Handy, und eine ihm völlig unbekannte Nummer, und doch fröstelte es ihn, da ihm instinktiv klar war, dass es derjenige sein musste, der ihm das hier antat. Vermutlich würde ihm jetzt der Erpresser mitteilen, was er von ihm wollte. Auch, wenn ihm das Herz bis zum Hals schlug, nahm er schließlich den Anruf entgegen. „Was wollen Sie?“ keuchte er. Zuerst hörte er nur leise Atemgeräusche, die ihn verwirrten. Dann sprach der Mann am anderen Ende der Leitung, und was er sagte, ließ Leo erneut erstarren: „Ich will Rache! Rache für das, was Du mir angetan hast! Du wirst keine ruhige Minute mehr haben, Du Dreckskerl! Du hast mir das Liebste genommen, was ich hatte!“ Leo schrie ihm entgegen, ohne groß darüber nachzudenken: „Ich wollte das nicht! Ich dachte, es wäre ein Wildtier! Es tut mir leid…“ Doch er kam nicht weiter. Der Unbekannte fuhr unbeirrt fort: „Ich werde dir dein Leben nehmen – aber, nicht auf die leichte Art!“ Damit legte er auf.
Leo starrte auf das Handy. Das war eindeutig eine Drohung gewesen. Der Mann hatte es auf ihn abgesehen! Er wollte ihn töten?! Ein Schauer rieselte über seinen Rücken. Wieder schaute er gehetzt aus dem Fenster. Er konnte nichts und niemanden sehen, so wie zuvor auch nicht. Und doch hatte er das Gefühl, dass da jemand war. Leo merkte, dass er beobachtet wurde, aber vielleicht bildete er sich das auch nur ein? Er wusste es nicht. Vielleicht wäre es ein leichtes gewesen, hinauszugehen und die Gegend zu überprüfen; aber, was war, wenn sein potentieller Mörder tatsächlich da draußen wäre? Ihm wurde schlecht. Er wusste wirklich nicht, was er tun sollte. Kurzzeitig kam ihm in den Sinn, die Polizei zu rufen, allerdings wusste er selbst, wie dämlich das sein würde. Was sollte er ihnen sagen? Dass ein Stalker ihn bedrohte? Natürlich könnte er das tun, es war ja auch die Wahrheit – allerdings wusste er genau, dass die ihn dann fragen würden, was dieser Stalker seiner Meinung nach für ein Motiv haben könnte. Was sollte er dann sagen? Dass er vor einigen Monaten eine Frau überfahren hatte? Und dieser jemand anscheinend irgendetwas mit ihr zu tun haben musste? Zumal er ja auch die Bilder würde zeigen müssen. Dann war er selbst dran. Also fiel die Polizei weg. Er musste es aushalten. Vielleicht wollte ihm der Fremde einfach nur drohen. Ihm Angst einjagen – was ihm durchaus gelungen war – und alles andere war nur heiße Luft? Mit diesem kleinen Hoffnungsschimmer ging Leo schließlich die Treppe hinauf in sein Schlafzimmer und legte sich auf sein Bett. Er hatte ein Messer aus der Küche mitgenommen, ohne wirklich zu wissen, warum eigentlich. Doch, natürlich wusste er es, tief in sich drin fraß ihn die Angst immer noch auf. Er bildete sich ein, Geräusche zu hören. Knarrte da nicht eine Diele im Wohnzimmer? Er schreckte hoch und horchte. Hielt das Messer so fest in seiner Hand, dass seine Knöchel weiß wurden. Er schwitzte. Da war doch jemand? Sein Herz knallte gegen den Brustkorb und drohte, ihn zu sprengen. Dennoch traute er sich nicht vom Bett aufzustehen, um nachzusehen. Er erwartete beinahe sekündlich, die Tür zu seinem Schlafzimmer auffliegen, und IHN ins Zimmer treten zu sehen. Würde er überhaupt eine Chance gegen ihn haben? Mit seinem Messer sicherlich nicht, wenn dieser jemand eine Pistole gegen ihn richten würde. Doch er erinnerte sich daran, dass sein Widersacher gesagt hatte, es würde nicht leicht für ihn werden… Wieder wurde ihm kalt. Eiskalt. Er wartete, doch niemand kam. Nach einigen weiteren Minuten wurde ihm klar, dass er sich die Geräusche vermutlich nur eingebildet hatte. Noch einige Zeit später schlief er tatsächlich ein, obwohl es ihm eigentlich beinahe unmöglich vorgekommen war, überhaupt schlafen zu können.

Am nächsten Morgen fühlte er sich wie gerädert. Er hatte das Messer immer noch auf sich liegen und nahm es erneut in die Hand. Obwohl er sich jetzt zumindest ein wenig sicherer fühlte. Es war ein neuer Tag angebrochen und er lebte noch. Vielleicht war ja alles nicht so schlimm, wie er vermutete. Dieser Bastard wollte ihm Angst einjagen, alles andere könnte ja nur vorgespielt gewesen sein? Er hatte keine Ahnung, aber schließlich ging er hinunter und wollte sich etwas zu Essen machen. Obwohl er eigentlich nicht wahnsinnig viel Hunger hatte; dennoch spürte er, dass es ihm durchaus gut tun würde, zumindest einen kleinen Happen zu essen, und auch einen starken Kaffee in sich hinein zu kippen. Dann erstarrte er. Er sah es schon, als er noch auf der Treppe stand: Etwas lag auf dem Boden im Wohnzimmer; etwas, was dort definitiv vorher nicht gelegen hatte! Und es war zugedeckt!
Mit klopfendem Herzen trat er langsam immer einen Schritt vor den anderen setzend, nach unten. Was war das? Litt er jetzt an Halluzinationen? Hatte er vollständig den Verstand verloren? Doch er wusste, dass dies nicht der Fall war. Schweiß trat aus allen seinen Poren. Ihm war klar, was das zu bedeuten hatte: Jemand war in der Nacht tatsächlich in sein Haus eingedrungen und hatte ihm etwas „hinterlassen“. Doch warum? Weshalb hatte derjenige, wenn es ihm schon gelungen war, hier einzubrechen, ihn nicht direkt umgebracht? Leo erinnerte sich wieder an die Geräusche, die er gehört hatte. Das Dielenknarren – es war keine Einbildung gewesen…
Langsam trat er weiter vor und hatte die unterste Stufe erreicht. Er stoppte. Sollte er sich das „Geschenk“, was ihm der Unbekannte hinterlassen hatte, wirklich ansehen? Doch ihm war klar, dass ihm keine andere Wahl blieb. Er musste es tun. Langsam schlich er beinahe zu dem „Etwas“, das dort auf dem Boden lag. Seine Angst wurde immer größer, was würde er wohl jetzt zu sehen bekommen? Was hatte der Unbekannte ihm dort hingelegt? Schließlich war er angekommen. Er kniete sich neben das Etwas und hielt seine Hand auf die Decke. Sie zitterte. Er zitterte genauso, wie er jetzt erst bemerkte. Doch nach einigen weiteren Sekunden gab er sich schließlich einen Ruck, zog die Decke weg – und schrie auf. Vor ihm lag ein totes Reh. Vermutlich erschossen, so wie es aussah. Und es schien noch nicht allzu lange her zu sein. Leo konnte sich nicht erinnern einen Schuss gehört zu haben, aber vielleicht hatte der Wahnsinnige einen Schalldämpfer, oder ähnliches, benutzt? Wie auch immer, er ahnte, was das hier zu bedeuten hatte: Er hatte ihm in seiner Panik gesagt, dass er gedacht hatte, ein Wildtier überfahren zu haben – und das hier war ein Wildtier. Es sollte ein Zeichen sein. Dennoch verstand er es nicht wirklich. Wollte der Fremde ihm damit noch mehr Angst einjagen? Wenn es das war, hatte er es definitiv geschafft. Er fühlte sich hier, in seiner selbstgewählten Einsamkeit, nicht mehr sicher. Das hatte er bis jetzt. Er wollte sein früheres Leben hinter sich lassen, seine frühere Identität. Daher hatte er sich die Einsamkeit ausgesucht, abgeschirmt von der Außenwelt. Wenigstens hatte er keine Familie, die er entweder in sein dunkles Geheimnis hätte einweihen, oder verlassen müssen. Aber er hatte sich eingebildet, hier sicher zu sein. Auch, wenn er sich vermutlich nirgends mehr wirklich wohl fühlen würde. Jetzt wusste er, dass er alles andere als sicher war. Dieser Kerl hatte ihn aufgespürt. Er war in sein Heiligstes eingedrungen, doch anstatt ihn direkt zu ermorden, hatte er ihm das hier „hinterlassen“. Weshalb? Doch er konnte es sich denken, als er an den Anruf dachte. Der Mann sagte, er habe ihm das Liebste genommen, und er würde es ihm nicht einfach machen. Das hier war der Anfang! Doch der Anfang, wovon?
Die Antwort folgte wenige Sekunden später. Er hörte ein Donnern, als ob jemand gegen die Haustür trat. Gehetzt drehte er sich um. Er raste zur Tür, das Messer hielt er immer noch in seiner Hand. Er hatte es nicht losgelassen. Die Schläge hatten aufgehört, deswegen traute er sich, durch den Spion zu schauen. Da war niemand. Zumindest konnte er niemanden erkennen. Doch er traute sich trotzdem nicht, die Tür zu öffnen. Vielleicht war der Kerl noch draußen, und hatte sich so hingestellt, dass er ihn auf die Art nicht sehen konnte? Während er noch überlegte, hörte er ein Klirren. Ein Fenster in der Küche war eingeschlagen worden. Leo drehte sich gehetzt um. Er war da. Der Mann, der ihn ermorden wollte. Leo hob das Messer in Verteidigungsposition. Sein Schweiß rann schneller, sein Herz raste. Und dann sah er ihn. Der Mann war dunkel gekleidet, Leo konnte sein Alter schlecht einschätzen. Aber er schien so in den Dreißigern bis Vierzigern zu sein. Was ihn aber wirklich erschütterte, war sein eingefallener Gesichtsausdruck. Er sah tatsächlich aus wie jemand, der alles verloren hatte – und der nichts mehr zu verlieren hat, was sein eigenes Leben angeht. Ähnlich wie es bei ihm der Fall war. Und doch ganz anders.

Beide Männer starrten sich an und schwiegen zuerst. Leo bemerkte, dass der Mann ein Jagdgewehr in der Hand hielt. Damit hatte er wohl das Reh erschossen. Dann hörte er ihn sprechen. Es war eindeutig die Stimme, die er am Telefon gehört hatte: „Hat dir mein Geschenk gefallen?“ Er sah Leo mit funkelnden und vor Hass sprühenden Augen an. Leo schluckte. Er wusste nicht, was er davon halten sollte. Was sollten diese Spielchen? Schließlich antwortete er, mit heiserer Stimme, und kam direkt zur Sache: „Ich weiß, weshalb Sie hier sind. Ich kann gar nicht sagen, wie leid es mir tut! Bitte! Wie ich Ihnen schon am Telefon versucht habe zu sagen, ich, ich habe nicht gewusst, dass ich eine Frau überfahren hatte! Ich war betrunken! Ich habe es erst einen Tag später erfahren, durch die Zeitung…“ Weiter kam er nicht. Sein Gegner kam ihm gefährlich nahe. Sein Gesicht hatte sich zu einer furchteinflößenden Fratze verzogen. „Das soll eine Entschuldigung sein? Dafür, dass Du Bastard mir das Liebste genommen hast, was ich hatte? Meine Frau? Und du auch noch zu feige dazu warst, dich dafür zur Verantwortung ziehen zu lassen? Ich habe lange gebraucht, um dich zu finden, aber jetzt habe ich dich! Und glaube mir, ich werde dir das nehmen, was du mir genommen hast: Dein Leben!“
Leo war vor ihm zurückgewichen. Ihm war der Sinn des Ganzen schon klar geworden, aber eine Frage spukte ihm trotzdem im Kopf herum. Genaugenommen waren es zwei. Schließlich traute er sich, sie dem Widersacher zu stellen: „Wieso haben Sie diese Bilder gemacht? Wenn Sie anscheinend Ihre Frau gefunden haben? Und, warum haben Sie die Bilder nicht der Polizei übergeben?“ Er wusste es natürlich nicht genau, aber dennoch konnte er es sich denken, denn sonst wäre er vermutlich schon lange von dieser aufgegriffen worden.
Der Mann blickte ihn wieder mit funkelnden Augen an, und einem Ausdruck im Gesicht, der Leo frösteln ließ. Dann antwortete er, nach einigen Sekunden des Schweigens: „Ich hatte sicher nicht vor, diese Bilder zu machen. Es wäre mir um einiges lieber gewesen, ich hätte sie nicht machen müssen.“ Er schluchzte, dann riss er sich wieder zusammen. „Meine Frau hatte eine Verabredung. Wir hatten vereinbart, dass ich sie abholen würde, da es schon sehr spät war und sie nicht alleine nach Hause laufen sollte. Aber sie entschied sich dafür, früher zu gehen und rief mich von unterwegs an. Ich habe mich so schnell beeilt wie ich konnte, dennoch war es zu spät. Ich konnte nur noch fassungslos mit ansehen, wie du Bastard sie über den Haufen gefahren hast! Ich konnte nichts mehr für sie tun. Sie war tot! Das habe ich sofort erkannt. Alles, was ich noch tun konnte war, die Bilder zu machen. Von deiner Karre, und von dir! Und ganz zum Schluss musste ich auch ein Bild von ihr machen, von meiner Liebsten, meiner Suzanne…“ Er drohte erneut, seine Beherrschung zu verlieren, doch dann riss er sich wieder zusammen. Zornesröte stieg in sein Gesicht, als er weiter sprach: „Du willst wissen, warum ich nicht zur Polizei gegangen bin, mit diesen Beweisen? Ja, es wäre natürlich das Nächstliegende gewesen, und ehrlich gesagt hatte ich auch kurz daran gedacht. Aber dann wurde mir klar, dass die es dir viel zu leicht machen würde. Wenn du geschnappt worden wärst, was ich auch irgendwo gehofft hatte, hätte die Justiz dir vermutlich nicht mehr als ein paar Jahre gegeben. Und das nicht mal wegen Mordes, sondern gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge oder so etwas. Zudem du ja gerade selbst gesagt hast, dass du besoffen gewesen warst – da wäre eventuell sogar noch Bewährung, oder sogar Freispruch raus gekommen…“ Er lachte humorlos auf. „Unser Rechtssystem ist der letzte Dreck! Nein, das konnte ich nicht riskieren. Also habe ich mich selbst auf die Suche begeben. Es hat lange gedauert, aber ich habe dich schließlich gefunden. Und nun, bekommst du das, was du auch verdienst.“ Seine Augen funkelten, und Leo begriff, dass das Unglück, was er über diesen Mann gebracht hatte, diesem den Verstand geraubt hatte.
Er ließ das Messer fallen. Sein Leben hatte schon lange keinen wirklichen Sinn mehr, und doch hatte er es irgendwie gelebt. Doch jetzt wusste er, dass das kein wirkliches „Leben“ gewesen war. Und im Grunde verdiente er dieses Leben auch nicht. Er hatte ein Leben ausgelöscht, war von daher schon mit einer zentnerschweren Schuld beladen, und nun wusste er auch, dass er im Grunde zwei Leben auf dem Gewissen hatte. Der Mann, der da vor ihm stand, war auch nur noch ein „lebender Toter“, wenn man das so nennen konnte. Ebenfalls ein wandelndes Wrack, so wie er, und er trug die Schuld daran.
Leo sah den Mann an und hob das Messer wieder auf. Der andere blickte darauf. Sein Mund verzog sich zu einem gespenstisch aussehenden Grinsen. „Willst du mich damit erstechen? Ich glaube, du kommst nicht mal annähernd in meine Nähe“, und er hob sein Gewehr.
Leo schluckte, dann blickte er ihm genau in die Augen. „Nein“, sagte er, und dann fragte er etwas, was den anderen Mann sichtlich verwirrte. „Wie heißen Sie?“ Der Mann starrte ihn an. Sollte er die Absicht gehabt haben, in diesem Moment auf ihn zu schießen, hielt ihn kurzzeitig etwas davon ab. Leos Frage schien ihn irritiert zu haben. Dennoch beantwortete er sie ihm, nach ein paar Sekunden der Stille: „Mario – und was hast du nun davon?“
Leo blickte Mario immer noch in die Augen, dann sagte er: „Mario, ich weiß, ich kann nichts von dem wieder gut machen, was ich getan habe. Und ich kann deinen Hass auf mich gut verstehen, denn im Grunde hasse ich mich seit dieser vermaledeiten Nacht, selbst. Ich lebe kaum noch, vermutlich genauso wie du…“ „WIESO ERZÄHLST DU MIR DAS?“ brüllte Mario ihn an. Er wollte sicherlich keine Märchenstunde, oder irgendwelche Erklärungen von ihm hören. Und vergeben würde er ihm garantiert auch nicht. Das war das letzte, was er tun würde. Dies wusste auch Leo, und deswegen tat er das, was ihm vor einigen Sekunden klar geworden war, was er einfach tun musste: Er drehte das Messer in seine Richtung, und sagte, noch einmal an Mario gewandt: „Du brauchst sie nicht mehr zu rächen. Die „Arbeit“ und die Last nehme ich dir jetzt und hier ab! Wenigstens dein Leben soll jetzt frei sein!“ Daraufhin stach er sich selbst mit einem Ruck das Messer in die Brust.

Mario starrte entgeistert auf den leblosen Körpers seines Widersachers, der zu Boden gefallen war, als er sich selbst gerichtet hatte. Er hatte die Waffe fallen lassen, mit der er ihn erschießen wollte. Das war eine Wendung, mit der er nun wirklich nicht gerechnet hatte. Und es ärgerte ihn, dass es so ausgegangen war! Monatelang hatte er nach ihm gesucht! So lange hatte es gedauert, bis er ihn endlich gefunden hatte – und nun nahm er ihm auch noch die Freude der Rache? Mario brüllte! Er ging zu Leo, um zu ertasten, ob er eventuell noch lebte, aber er konnte kein Lebenszeichen mehr an ihm erkennen. „Verflucht, du Hurensohn“, knurrte er, dann  verließ er das Haus und ließ seine Waffe liegen. Es war so einsam in diesem Wald, dass man ihn vermutlich, wenn überhaupt, erst in einigen Wochen, wenn nicht sogar Monaten finden würde. Man hatte ihn ja schon zu Lebzeiten nicht aufgespürt. Auch Mario hatte Pläne. Er würde sich jetzt in ein anderes Land absetzen, vermutlich Brasilien. Abgesehen davon, dass seine Waffe – mit seinen Fingerabdrücken – neben der Leiche lag, hütete auch er ein finsteres Geheimnis; eines, das noch nicht einmal – oder erst recht nicht – dieser Leo wusste: Seine Frau war nicht einfach so auf die Straße, und ihm vor die Karre gelaufen. Er hatte sie verfolgt! Die Schlampe wollte sich von ihm trennen, das hatte er natürlich nicht hinnehmen können. Also wollte er sie wieder zu sich zurückholen. Doch dieser Kerl hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht! Er hatte sie ihm tatsächlich weggenommen, vielleicht auf eine andere Art, als er es selbst meinte. Er hätte es schon geschafft, sie wieder zurückzugewinnen, doch so waren sie für immer getrennt. Die Rachegelüste in ihm waren immer stärker geworden – was auch der Grund war, weshalb er der Polizei die Beweise unterschlagen hatte. Natürlich waren die bei ihm gewesen, nachdem ihre Leiche gefunden wurde. Er hatte sie verlassen, nachdem er die Bilder geschossen hatte. Dann begann seine Suche – und sie endete leider nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte… Dennoch war er zufrieden. Sein Widersacher hatte im Grunde das bekommen, was er verdient hatte, den Tod. Er hatte sich selbst gerichtet. Auch dies war im Grunde ihm zuzuschreiben. Mario grinste, und dann lief er pfeifend in sein neues Leben, vielleicht würde er irgendwo eine neue Suzanne kennenlernen?

16+

27 thoughts on “Leos Geheimnis

    1. Danke :). Hm, ich wundere mich auch gerade über die fehlenden Absätze, eigentlich hatte ich welche drin… Mal schauen, ob ich das noch ändere.
      Was das „bildhafte“ angeht: ich schreibe normalerweise durchaus bildhaft – aber dann sind meistens die Sätze ausführlicher 😁.
      Vielen Dank für deine konstruktive Kritik :).

      0
      1. Flüssig zu lesen und guter Plottwist, hat mich echt überrascht 😊 zwischendurch habe ich mich über ein paar Dinge gewundert, aber die haben sich noch aufgeklärt, das fand ich auch gut. 😊

        1+
  1. Hallo Daniela,

    Deine Geschichte hat mir gut gefallen – der Plot ist logisch aufgebaut und den Dreh ganz am Ende, dass nicht nur Dein Protagonist, sondern auch dessen Widersacher ein dunkles Geheimnis hat, finde ich toll!

    Kleiner Kritikpunkt: Es fiel mir etwas schwer, in die Geschichte reinzukommen (und eine Beziehung zu Leo aufzubauen), weil Du den Anfang ziemlich nüchtern „runtererzählst“. Manch einen Leser verlierst Du dadurch vielleicht schon nach den ersten Absätzen, und das wäre doch schade.

    Ich würde Dir deshalb empfehlen, so wie Frank das schon getan hat, gerade zu Beginn etwas bildhafter und lebendiger zu schreiben: Wie sieht die Gegend/das Haus aus, in dem Leo lebt? Was ist er für ein Mensch: Wie alt ist er, was hat er für einen familiären oder beruflichen Hintergrund? Hier würden schon wenige, gezielte „Pinselstriche“ genügen, um das Kopfkino der Leser ans Laufen zu bringen und sie in die Geschichte reinzuziehen, damit sie dann auch richtig mitfiebern können.

    Liebe Grüße,
    Ana2020

    1+
    1. Vielen Dank für deinen netten Kommentar :).
      Ich schreibe normalerweise durchaus ausführlicher (hobbymäßig), aber hier habe ich eben versucht, es zu einer „Kurzgeschichte“ werden zu lassen…
      Aber ich kann mir den Anfang noch einmal durch den Kopf gehen lassen; mittlerweile habe ich durchaus längere „Kurzgeschichten“ gelesen…
      Schön, dass sie dir trotzdem gefallen hat, und du ein like dagelassen hast 😁

      0
  2. Hallo Daniela,

    du hast die Parameter in der Geschichte gut umgesetzt. Anfangs fiel es mir etwas schwer, in die Geschichte einzutauchen, das gab sich dann aber mit der Zeit.

    Um einen besseren Lesefluss zu erreichen, würde ich dir empfehlen, ein paar Absätze mehr einzubauen. Auch bei der Rückblende wird dann deutlicher, dass sie nicht zur Gegenwart zählt (hier zum Beispiel: „Wieder spürte er, wie ihm die Galle hoch kam, als er an den nächsten Morgen dachte.“ – da war ich nicht sicher, ob es der folgende Morgen war, an den er dachte, oder der Morgen nach der Tatnacht. Das wurde dann zwar beim Weiterlesen klar, doch im ersten Moment kam ich ins Stocken).

    Die Wende am Ende war dann nochmal eine interessante Überraschung, mit der ich nicht gerechnet hätte.

    Viel Glück fürs Voting,
    LG Yvonne / voll.kreativ („Der goldene Pokal“)

    1+
    1. Vielen Dank für deinen Kommentar :).
      Ja, die Absätze… Ehrlich gesagt habe ich da tatsächlich etwas wenig, obwohl ich schon welche nachträglich hinzugefügt habe.
      Aber zuerst hatte ich an die Länge (oder eher gesagt Kürze) der Geschichte gedacht… Vielleicht schaue ich da noch mal.

      Vielen Dank für deine Rückmeldung, und es freut mich, dass dir die Geschichte gefallen hat :).

      Deine Story habe ich schon gelesen und sie hat auch ein Like von mir erhalten :).

      1+
    1. Vielen Dank :).
      Wo genau fandest du es denn „holprig“, wenn ich fragen darf?
      Vielleicht wegen der kurzen Sätze manchmal? Ich hatte es extra etwas kürzer gelassen, weil die Story ja nicht so lang werden sollte…
      Aber trotzdem schön, dass sie dir gefallen hat :).

      0
  3. Liebe Daniela,
    Mir hat deine Geschichte richtig gut gefallen. Der erste Satz hatte mich schon und ich wusste, die Geschichte würde mir gefallen.
    Ich konnte mich mega gut in die Figuren hinein versetzen, die Geschichte hatte genug Tempo und es war nicht viel um den heißen Brei geredet. Die Länge war für eine KG passend.
    Ich bin nur über sehr wenige Sachen gestolpert, z. B. „vermaledeite“ Nacht. Das hat irgendwie nicht zu deinem Schreibstil gepasst und den Unfall heruntergeredet, fand ich.
    Ich hab mich übrigens genau in dem Moment, wo die Erklärung kam, gefragt, wieso der Mann überhaupt vor Ort war… Das fand ich wirklich spannend… Auch wenn es nicht der Wahrheit entsprach.
    Den Plot fand ich auch toll, auch wenn es gegen Ende etwas zu sehr in eine „Erklärung“ übergegangen ist… Das hätte man vielleicht noch geschickter machen können.
    Der Titel war mir etwas zu offensichtlich, wenn ich das sagen darf 😊
    Ich hoffe, ich hab nichts vergessen.

    Mach weiter so.

    Liebe Grüße, Jenny / madame_papilio

    1+
    1. Vielen Dank für dein liebes Feedback und schön, dass dir meine Story gefällt.
      Hm, das mit der „vermaledeiten Nacht“ sollte es jetzt nicht herunter spielen, Leo verzweifelt ja daran.
      Und den Titel hatte ich passend zur Geschichte ausgesucht…
      Freue mich auch über ein Feedback zu meiner anderen Story :).

      1+
      1. Hallo Daniela,

        Vermaledeit ist mir vielleicht einfach zu flapsig oder umgangssprachlich – aber hey. Das ist nur ein Wort 🙂

        Die andere Geschichte habe ich auch schon bewertet.

        Liebe Grüße

        0
  4. Liebe Daniela,
    jetzt habe ich es endlich zu dir geschafft 😅. Und zumindest eine Geschichte habe ich nun von dir gelesen. Du schreibst flüssig und verständlich. Der rote Faden zieht sich logisch durch deinen Plot.
    Kurz vorm Schluss geht es noch einmal heiß her. Wow! Damit hätte ich nicht gerechnet. Zwei Wendungen in so kurzer Zeit. Spannend! Genau wie es in einer Kurzgeschichte sein soll.
    1. „Daraufhin stach er sich selbst mit einem Ruck das Messer in die Brust.“
    2. „Die Schlampe wollte sich von ihm trennen, das hatte er natürlich nicht hinnehmen können.“
    Dabei dachte ich, Mario würde seine Frau lieben? Uiiii ….

    Kurz zur Sprache:
    Wiederholung „ja“:
    „Vielleicht war ja alles nicht so schlimm, wie er vermutete. Dieser Bastard wollte ihm Angst einjagen, alles andere könnte ja nur vorgespielt gewesen sein?“
    „die“ = hört sich nicht so gut an, ist aber vielleicht subjektiv:
    Natürlich waren die bei ihm gewesen. (die Polizei)

    Das sind nur Kleinigkeiten und schnell verbessert, wenn du magst.

    Viel Glück weiterhin🍀. Mein Like 👍 hast du.
    Liebe Grüße, Martina 😉 (Happy birthday) 🎈

    1+
    1. Huhu 👋.
      Vielen Dank für dein liebes und positives Feedback. Hat mich sehr gefreut. Natürlich auch über das Like :).
      Bei den Wiederholungen könnte ich generell nochmal schauen.
      Und der letzte Punkt: ich hatte die Polizei schon im Satz zuvor erwähnt; daher wollte ich das nicht nochmal schreiben. Und naja, man sagt doch bestimmt auch mal „die“ – zumal er jetzt auch nicht so begeistert von der Polizei ist ;).

      Gruß,
      Daniela :).

      1+
  5. Hallo Daniela

    Jetzt habe ich es dann endlich auch mal geschafft, die erste von deinen Geschichten zu lesen.

    Sie hat mir gut gefallen.
    Respekt.
    Man spürt, dass du schon viel Erfahrung im Bereich des Schreibens hast.

    Deine Geschichte ist konsequent und stringent erzählt, logisch aufgebaut, spannend und am Ende natürlich doppelt überraschend.

    Dein Schreibstil ist seriös und abgeklärt. Du bläst die Story nicht unnötig auf.
    Das gefällt mir grundsätzlich.

    Man merkt, dass es dir um die Handlung ging, die Aussagen, die Fakten.

    Das Finale fand ich gut, hätte es mir aber etwas „knackiger“ gewünscht.

    Insgesamt muss deine Geschichte, müssen deine Geschichten noch viel mehr Likes und Leser erreichen.
    Hau auf die Werbetrommel, dass es nur so knallt.

    Erwähne deine Stories bei jeder Gelegenheit. Du musst sie nicht verstecken.

    Du kannst sehr stolz auf dich sein.
    Natürlich lasse ich dir ein ein Like zurück 🙂

    Bitte schreib weiter.
    Man merkt und spürt deutlich, dass dir das Schreiben viel bedeutet.

    Dir und deiner Geschichte alles Gute und viel Erfolg.

    Und bleib gesund.
    Liebe Grüße,
    Swen Artmann (Artsneurosia)

    „Die silberne Katze“

    P.S. Ich verspreche dir, dass ich deine zweite Geschichte spätestens am Wochenende auch noch lesen werde.

    1+
    1. Hallo Swen :).
      vielen lieben Dank für dein liebes und positives Feedback und für dein Like 😃.
      Es freut mich, dass dir meine Geschichte gefallen hat :).

      Ich werde einmal schauen, ob ich deine Story schon gelesen habe, (bei so vielen Geschichten verliere ich da schon den Überblick, ehrlich gesagt 😁), wenn nicht, werde ich das nachholen.

      Vielen Dank
      Daniela (danielamela75) 🙂

      1+
  6. Hallo! 😊😃
    Du kommst in deiner Kurzgeschichte sehr schnell zum Punkt, was mir großartig gefiel. Mir waren es rein sprachlich etwas zu viele Hauptsätze ohne Nebensatz, aber dadurch kamen die Hektik und die Panik des Protagonisten irgendwie auch besser zur Geltung, also alles gut. 😉
    Mit diesem Ende und der Wendung habe ich so gar nicht gerechnet. Zuvor fand ich die Geschichte etwas vorhersehbar und üblich, aber damit hast du noch mal alles umgeworfen. Das war ziemlich toll und hat mir sehr gefallen! 😱😊👍🏼😃
    Natürlich bekommst du mein Like dafür!!! ♥️💪🏼 Weiter so und viel Glück fürs Ebook!!! 🍀

    Liebe Grüße
    Marlene (Geschichte „Nicht ich“: https://www.wirschreibenzuhause.de/geschichten/nicht-ich)

    2+
    1. Huhu :).

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar :).
      Was die fehlenden Nebensätze angeht: Das war eigentlich so gedacht, weil es ja „KURZgeschichten“ sein sollen. Ich bin normalerweise eher ein Kenner in Sachen Schachtelsätze – aber hier hatte ich mich stark zusammen gerissen :D.
      Aber es freut mich zu lesen, dass es die Panik und Gefühle des Protagonisten trotzdem gut zur Geltung kommen lässt.

      Freut mich auch zu lesen, dass das Ende seine Wirkung nicht verfehlt hat :-).

      Ich werde auch mal schauen, ob ich eventuell deine Story schon gelesen habe, wenn nicht, werde ich das ebenfalls nachholen 🙂

      Daniela

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  7. Hallo Daniela, danke dass Du meine Geschichte gelesen hast (Zu spät), hier kommt auch endlich mein Feedback zu Deiner 😉 Erstmal fand ich es lustig, dass wir beide das gleiche Thema hatten – aber natürlich völlig anders umgesetzt. Du schreibst finde ich sehr spannend und flott, ich hätte mir noch etwas mehr Sinneseindrücke gewünscht, um mehr einzutauchen und Leo besser kennenzulernen. Und am Ende wird es mir etwas zu „berichtend“. Aber ansonsten top: Schöne Schreibe, spannend, temporeich, gute Idee – gefällt mir 🙂 Liebe Grüße, Anna

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  8. Liebe Daniela,
    ich hatte es dir versprochen und nun kommt nach einigen Wochen noch mein Kommentar. Was viele andere im Vorhinein schon angesprochen haben, ist mir auch aufgefallen. Du erzählst sehr viel und zeigst recht wenig. Bei mir kommt es nicht hauptsächlich auf die Beschreibung der Umwelt drauf an, ein Haus und den Blick auf die andere Straßenseite kann ich mir sehr gut vorstellen, ohne dass du mir erzählst, wo der Küchentisch steht und ob er von 4 oder von 6 Stühlen umstellt ist. Für mich war das Wichtigste, dass dein Protagonist fast nicht fühlt, riecht, hört. Du sprichst seine Sinne nicht an. Zwar sagst du an ein paar Stellen so etwas wie „Ihm wurde schlecht“, aber das war es dann auch schon wieder. Und dadurch ist es mir sehr schwer gefallen, mich in ihn hineinzuversetzen.

    Auch ist mir aufgefallen, dass du sehr viele Fragen stellst. (so in der Art: Was sollte das? Wo kam das plötzlich her? Was hatte er vor). Diese Fragen immer in den Text zu schreiben, ist mir persönlich ein bisschen zu viel. Diese Fragen sollte sich der Leser selbst stellen, während er den Text liest und das erreichst du gut, indem du die seltsame Situation darstellst. Dass es merkwürdig ist, musst du dabei nicht explizit aufschreiben, damit der Leser es versteht.

    Auch ist mir an ein paar Stellen die Wortwahl aufgefallen. An einer ziemlich spannenden Stelle schreibst du zum Beispiel „Ein Schauer rieselte über seinen Rücken“. Warum hast du an der Stelle das Wort „rieseln“ gewählt und nicht ein stärkeres Wort? Für mich ist das Wort „rieseln“ sehr leicht, unbeschwerlich, was in die Situation nicht allzu gut reinpasst.

    Das sind natürlich nur ein paar Tipps zu dem Handwerklichen, die ich hätte. Ansonsten hast du eine sehr fantasievolle Geschichte geschrieben, bei dir mir das Setting und die Wahl der Charaktere sehr gut gefallen hat. Man merkt tatsächlich auch, dass du schon länger schreibst. Wenn du an der einen oder anderen Stelle noch etwas feilst, kann das sehr gut werden!

    LiIebe Grüße, Leandra (Versteckspiel)

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    1. Hallo, erst einmal danke für dein Feedback :).

      Hm, ehrlich gesagt bin ich etwas überfragt, was ich darauf antworten soll..
      Die Art, wie mein Protagonist denkt und fühlt, ist meine Art, ihn denken und fühlen zu lassen…

      Er stellt sich die Fragen selbst, auch wenn der Leser sich diese ebenfalls stellen könnte.
      Dass ich vielleicht nicht alles ganz so ausführlich beschrieben habe (Gefühle) könnte daran liegen, dass es eine KURZGESCHICHTE ist, und ich dahingehend nicht allzu ausschweifend werden wollte. Andere Stories sind mir dahingehend zu lang und zu ausschweifend. Dass ich in anderer Hinsicht zu viel erzählt habe (Umwelt), ist mir jetzt gar nicht so aufgefallen.

      Was die Wortwahl angeht: mir persönlich gefällt es so. Und das Wort „rieseln“ passt zu einem Schauer.

      Trotzdem vielen Dank für dein Feedback :).
      Hast du auch meine zweite Story „verlorene Identität“ gelesen? Die ist etwas ausführlicher; vielleicht spricht sie dich ja etwas mehr an :).

      Daniela

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      1. Hallo Daniela,
        das kann ich gut nachvollziehen und waren auch nur Tipps, wie es mir persönlich leichter gefallen wäre, mich in deinen Protagonisten hineinzuversetzen. Dass du trotzdem so an deinem Stil festhältst, finde ich super, weil man daran merkt, dass du alles mit einer bestimmten Intention geschrieben hast. Das braucht man definitiv, weil nicht jeder Leser jeden Text mag 🙂 Von daher alles gut!
        Mit der „Umwelt“ bin ich auf einen anderen Kommentar eingegangen. Du hast die Umwelt fast gar nicht beschrieben und in dem anderen Kommentar meinte jemand, um es sich besser vorstellen zu können, wären ein paar Beschreibungen gut. Ich wollte darauf nur eingehen und sagen, dass das für mich nicht notwendig wäre, dass für mich die anderen Punkte die entscheidenden sind. Du merkst – jeder Leser ist unterschiedlich und jedem Leser gefällt etwas anderes besser 🙂

        LIebe Grüße, Leandra

        1+
  9. Hallo Daniela, jetzt habe ich es gecheckt, du hast sogar zwei Geschichten geschrieben 😂 Von der Story her hat mich die „Verlorene Identität“ mehr angesprochen, aber auch bei dieser Geschichte merkt man, dass Du nicht zum ersten Mal geschrieben hast. 🙂 Da ich selbst blutiger Anfänger bin, bewerte ich Geschichten nur danach ob dir mir gefallen oder nicht. Und du hast das zweimal gut gemacht 👍 LG Melanie https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/blaues-mondlicht

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  10. Einen wunderschönen guten Abend,
    Ich mochte deine Geschichte sehr, auch wenn ich mich am Anfang mit der Erzählweise etwas schwer tat. Aber zum Glück hat mich das nicht aufgehalten 😊, denn sie wurde immer besser. An manchen Stellen hätte ich mir vielleicht ein paar mehr „Gefühle“ gewünscht, aber das ist nur meine persönliche Meinung 🙃. Da deine Geschichte mir trotzdem gut gefallen hat gibt es natürlich auch ein Like von mir!
    Viel Erfolg 🍀.

    Viele Grüße

    Maddy

    P. S Meine Geschichte heißt „Alte Bekannte“ und ich würde mich freuen wenn du sie liest 😊🙈😁.

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