NoelLilly

Schreie, diese entsetzlichen Schreie. Er wusste es waren nicht die Schreie seiner Kinder. Er wusste ja nicht einmal ob sie geschrien hatten. Vielleicht hatten sie das Bewusstsein verloren, durch den Aufprall oder den Rauch. War es nicht so, dass Menschen eher durch den Sauerstoffmangel bewusstlos wurden, als dass sie bei vollem Bewusstsein verbrannten? Hatte er das nicht irgendwo einmal gehört? Oder versuchte er sich das Ganze nur erträglicher zu machen? Diese Schreie. Seine Ohren rauschten als hätte er sie gerade wirklich gehört. Aber die Scheiben des Wagens waren zersplittert. Es war genug Sauerstoff hereingekommen. Den Flammen hatte es schließlich auch gereicht. Helen musste sofort tot oder bewusstlos gewesen sein sonst hätte sie die Kinder und sich befreit. Aber die Kinder… Lilly war vier, sie wäre niemals allein aus ihrem Hochsicherheitsgefängnis an Kindersitz herausgekommen. Und Maja? Hatte sie versucht sich und ihre Schwester zu befreien? War sie an der Kindersicherung gescheitert? Der Wind wehte eisige dicke Regentropfen in sein Gesicht. Sein Körper zitterte. Es war ein früher Morgen im Herbst und so langsam wurden die Tage dunkler und kälter. Erst wollte er aufstehen und sich auf die andere, die windstille Seite des Brückenpfeilers verkriechen. Aber dann entschied er einfach liegen zu bleiben. Warum sollte er sich überhaupt die Mühe machen? Die letzten Winter hatte er kleine Straftaten begangen, um im Gefängnis den Winter zu überstehen. Jetzt kreiste nur ein Wort in seinem Kopf:

Warum?

Vielleicht würde er diesen Winter einfach hier draußen erfrieren. Vielleicht würde er jetzt auch einfach hier liegen bleiben und verhungern. Es war ihm egal. Ein bitteres Lachen stieg aus seiner Kehle. Wer hätte gedacht, dass er, mehrfacher Bestsellerautor, Ehemann und Vater mit wunderschönem Haus und schicken Auto innerhalb von ein paar Jahren nichts mehr ist. Er hatte seinen Erfolg in Alkohol ertränkt. Der Bart, die verfilzten Haare und der Dreck der Straße hatten die Person versteckt, die er einst gewesen sein musste. Jetzt war diese Person ihm fremd. Er war niemand mehr.

Ein lautes Klingeln ließ ihn zusammenfahren. Erschrocken sah er sich um. Er war allein. Das Klingeln kam aus seinem eigenen Rucksack. Verwirrt durchsuchte er diesen und fand ein Smartphone. Er runzelte die Stirn. Ein Smartphone besaß er schon lange nicht mehr. Irgendwann hatte er seins versucht gegen eine Flasche Schnaps einzutauschen. Er wusste nicht mehr ob sein Plan aufgegangen war oder nicht. Seine Augen starrten auf das noch immer klingelnde Gerät. Es war ein Wecker, der mit der Nachricht „Zeit aufzustehen, Liebling!“ versehen war. Diese Worte hatte er über 10 Jahre lang jeden Morgen von seiner Frau gehört. Unter anderen Umständen wäre es ein lustiger Zufall, dachte er, unter diesen eher ein gruseliger. Wie war dieses Smartphone in seinen Rucksack gekommen? Wem gehörte es? Er sah sich erneut um, doch es war niemand zu sehen!

Der Regen hatte aufgehört und auch der Wind hatte sich etwas gelegt. Ratlos saß er da mit dem Handy in der Hand. Wahrscheinlich hatten Jugendliche jemandem das Gerät gestohlen und ihm untergejubelt. Er schaltete den Bildschirm ein und wischte mit seinen schmutzigen Fingern darüber. Der Bildschirm entsperrte sich, keine PIN, kein Passwort nötig. Er suchte nach den Kontakten, egal wem dieses Smartphone gehörte, es hatte sicherlich Nummern von Verwandten oder Freunden gespeichert, die ihm helfen konnten, das Gerät an seinen rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Als er die ersten drei Namen unter denen Nummern eingespeichert waren las, fuhr ihm ein eiskalter Schauer über den Rücken. Helen, Lilith, Maja. Im ersten Moment hatte er die Namen seiner Familie dort gelesen und selbst jetzt wo er sah, dass dort nicht exakt die Namen seiner Familie standen fühlte er sich mehr als unwohl. Die vierte Nummer war unter dem Namen Larissa gespeichert. Sein Daumen schwebte über dem ersten Namen, dem Namen seiner Frau. Warum zögerte er? Er schüttelte den Kopf und damit seine Irrationalität ab und rief Helen an, in der Hoffnung den Besitzer des Smartphones ausfindig zu machen.

Es klingelte unendlich lange, niemand antwortete, nicht einmal die Mailbox. Auch bei den anderen Nummern blieb er erfolglos. Er schickte allen vier Nummern die gleiche SMS: „Habe dieses Handy gefunden, würde es gerne zurückgeben.“

Vielleicht sollte ich dieses blöde Ding einfach loswerden, ging es ihm durch den Kopf. Aber du bist ein ehrlicher Mensch. Er grunzte. War er ein ehrlicher Mensch? Schreie. Er stand abrupt auf, fest entschlossen das Smartphone von der nächsten Brücke in den Rhein zu werfen. Aber er ging keinen Schritt weiter. Was würden Lilly und Maja von ihm denken und Helen? Er presste eine Faust gegen die Stirn und biss die Zähne aufeinander. Unentschlossen und verzweifelt schwankte er hin und her bis seine müden und kalten Beine ihn zwangen sich hinzusetzen.

Es waren keine neuen Nachrichten eingegangen. Verdammt, er wollte dieses Ding loswerden! Er suchte nach der Bildergalerie. So viele Menschen wie er sah täglich niemand. Er lebte auf der Straße und kannte eine ganze Menge Leute. Vielleicht würde er jemanden wiedererkennen. Die Frau, die ihm jeden Morgen einen heißen Kaffee spendierte vielleicht, oder der Vater von dem Jungen, der ihm immer einen seiner Kekse gibt. Vielleicht auch dieser arrogante Schnösel, der ihm diese Woche schon zweimal seinen Pappbecher umgetreten hatte.

Sein Herz machte einen Satz, als er das erste Bild sah. Es war ein Bild von Lilly. Er starrte auf das Bild. Hatte er dieses Bild irgendwann einmal im Internet gepostet? Nein. Er schüttelte den Kopf. Die Identität seiner Kinder hatte er soweit es geht geheim gehalten. Seine Augen lösten sich von Lilly und scannten das Bild. Es musste von hinter unserem Garten aufgenommen worden sein, schoss es ihm durch den Kopf. Adrenalin kroch durch seinen Körper. Er wischte zum nächsten Bild und es fühlte sich an als würde sein gebrochenes Herz erneut zerbrechen. Er sah sich zusammen mit seiner Frau Helen in der Küche sitzen. Er versuchte sich an diesen Abend zu erinnern, aber er konnte es nicht. Waren all unsere Abende gleich? Waren wir in einem grauen Alltagstrott gefangen? Oder vergesse ich langsam all die schönen Erinnerungen? Sind es überhaupt noch meine Erinnerungen? Tränen stiegen ihm in die Augen. Er war nicht mehr dieser Mann und er würde es nie wieder sein. Er wischte die Tränen weg und betrachtete, das Foto genauer. Es musste direkt vor seinem Küchenfenster im Vorgarten aufgenommen wurden sein. Er hatte einen Stalker gehabt. Ein Gefühl der Verzweiflung kroch aus seinem Magen in sein Bewusstsein und sein Herz pochte wild. Er wischte durch die nächsten Bilder; seine Frau beim Einkaufen, die Kinder mit ihm lachend durch den Garten tobend, er, wie er die Kinder zur Schule brachte, er, Backstage bei irgendeinem Fernsehsender, er und Helen schlafend in ihrem Ehebett- OH GOTT! Das Bild war von der Schlafzimmertür aus aufgenommen worden. Der Stalker war in sein Haus eingedrungen. Panisch wischte er weiter. Bilder von seinen schlafenden Kindern, ein Porträtfoto von Lilly vor einem hellblauen Hintergrund. Sein Atem stockte. Oder war es Maja? Erkannte er nun seine eigenen Kinder nicht mehr? Sein Brustkorb schnürte sich zu. Er wollte sie nicht vergessen, niemals. Er hörte Helens Stimme in seinem Kopf: „Die beiden hätten eigentlich Zwillinge werden sollen, Lilly hat sich leider erst 5 Jahre später auf die Welt getraut!“ Er musste lächeln. Helen hatte die beiden immer Zwillinge genannt. Das Mädchen auf dem Foto musste 6 oder 7 Jahre alt sein. Lilly starb als sie vier war, aber Maja hatte kürzere Haare in diesem Alter und er erinnerte sich auch an die riesige Zahnlücke, die sie damals hatte. Es konnte unmöglich Maja sein, es musste Lilly sein! Aber… Er spürte etwas seltsames in seiner Brust, in seinem Kopf herrschte ein dumpfes Gefühl der Leere, sein Körper wollte losrennen. Er sprang auf. Die Kälte spürte er nicht mehr, ebenso wenig den Hunger. Lilly. Wenn sie noch lebte, musste er alles tun, um sie zu finden. Er keuchte und obwohl sein Herz so laut und schnell pochte war ihm schwindelig.

Die Polizei, er musste zur Polizei! Gerade als er sich auf den Weg machte klingelte das Handy. Vor Schreck hätte er es beinahe fallen lassen. Er wusste nicht wieso, aber er hatte entsetzliche Angst vor dem was das Handy gerade zum Klingeln gebracht hatte. Es war eine SMS von Larissa:

„22.11.2002“

Ihm gefror das Blut in den Adern.

Diese entsetzlichen Schreie.

Er konnte nicht zur Polizei gehen. Nicht wenn jemand davon wusste. Aber woher wusste Larissa es? Niemand konnte davon wissen. Und wer war diese Larissa? Er kannte niemanden, der Larissa hieß.

Tränen liefen über sein Gesicht als er schrie. Er rannte hin und her und weinte und fluchte. Er übergab sich mehrmals in das Gebüsch neben dem Brückenpfeiler. Du musst dich beruhigen, sagte er sich selbst. Er musste vernünftig sein. Er musste Lilly finden. Nur wie? Polizei ging nicht. Das Smartphone und Larissa waren die einzigen Optionen, die er hatte. Als er die Namen in der Kontaktliste auf dem Display sah, wusste er das Helen dort nicht zufällig eingespeichert war. Und Lilith und Maja? Was hatte das zu bedeuten? Er versuchte erneut Larissa anzurufen. Nach dem zweiten Klingeln nahm jemand das Gespräch an. Sein Körper wurde erneut mit Adrenalin geflutet.

Stille.

„Larissa? Wo ist Lilly?“

Stille.

„Bitte. Wo ist meine Tochter?“

„Der Akku hält nicht ewig. Du solltest ihn sinnvoller nutzen.“ Hörte er eine Computerstimme sagen bevor das Gespräch beendet wurde.

Verzweiflung und Angst erfüllten ihn immer mehr. Seine unzähligen Versuche Larissa erneut ans Telefon zu bekommen blieben erfolglos.

Es sinnvoller nutzen? Was wollte Larissa von ihm? Wer war Larissa überhaupt? Woher wusste sie vom 22.11.2002? Wieso ging sie nicht zur Polizei? Vielleicht wollte sie, dass er Lilly fand, aber wieso? Und wieso sagte sie ihm dann nicht einfach wo er sie finden konnte? Und wie konnte es überhaupt sein, dass Lilly noch lebte? Sein Verstand ratterte eine unendliche Liste an Fragen herunter auf die er keine Antworten hatte. Bis eine Frage alle anderen verstummen ließ: Ging es Lilly gut?

Das Einzige, das wirklich zählte war doch, dass es ihr gut ging. Er musste sie finden. Er musste sichergehen, dass es ihr gut ging. Sein Blick verharrte auf dem Smartphone, seiner einzigen Chance irgendeinen Anhaltspunkt zu finden.

Er entschloss sich das ganze Smartphone zu durchsuchen. Irgendwo würde er vielleicht einen Hinweis finden. Es gab keine Videos, keine Dokumente und keine weiteren Bilder. Das Porträtfoto von Lilly war das letzte Bild. Ihm war nicht bewusst gewesen wie sehr er gehofft hatte auch aktuellere Bilder von Maja und Helen zu finden.

Er durchsuchte das Smartphone weiter und sprang auf vor Entsetzen als er sah, dass zu der Nummer, die unter Helen gespeichert war, auch eine Adresse angegeben war. Konnte es wirklich Helens Nummer und Adresse sein? Aber warum sollte sie ihren und den Tod ihrer Kinder vorgetäuscht haben?

Beatusstr. 37

Er kannte diese Straße. Es konnte nicht sehr weit vom Hauptbahnhof weg sein. Hatte Helen hier die letzten paar Jahre direkt vor seiner Nase gelebt? Stolpernd und keuchend sprintete er los. Der Weg zog sich wie Kaugummi. Konnte es wirklich sein, dass Helen und die Kinder noch lebten, hier lebten? Endlich in der Beatusstraße angekommen rannte er auf der Suche nach Hausnummern Richtung Hauptbahnhof.

100

98

96

Es fühlte sich an als liefe er auf einem Laufband. Er bemerkte nicht, dass sein Körper, steif vom täglichen Rumsitzen, versuchte sich gegen seinen plötzlichen Bewegungsdrang zu wehren.

38

36

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite war nichts als ein unendlich langer Zaun, keine Häuser weit und breit. Verzweifelt schaute er sich um.

„Entschuldigung.“ Keuchte er. Als er die kleine gebückte Frau entdeckte, die auf ihren Rollator gestützt eine Pause einzulegen schien. „Ich suche die Hausnummer 37.“

Die alte Frau beäugte ihn kritisch. „Beatusstraße 37?“

Ein Funken Hoffnung und Nervosität erwachte in ihm und er nickte eifrig.

„Das ist die Adresse vom Friedhof.“ Sagte sie kichernd und deutete mit ihrem Kopf auf den Zaun zu ihrer linken.

Ungläubig starrte er den Zaun an. Er erinnerte sich, dass der Friedhof hinter diesem Zaun lag. Hier war ihr Grab, Helens, Majas und Lillys Grab. Seit der Beerdigung war er nicht hier gewesen.

Das Smartphone klingelte.

1 Neue Nachricht von Helen

„Komm mich besuchen!“

Eine Mischung aus Zorn und Trauer überkam ihn.

„WAS WILLST DU VON MIR?“ brüllte er das Smartphone an.

Dann ging er auf den Friedhof. Es fühlte sich an wie damals. Er erinnerte sich nicht mehr wo das Grab seiner Familie war, aber seine Füße liefen einfach weiter. Wer spielte dieses Spiel mit ihm? Und warum? Was würde ihn am Grab erwarten? Würde Helen dort sitzen? Er versuchte den Gedanken beiseite zu schieben. Es würde einfach nur ihr Grab sein. Vermutlich ein tristes verwahrlostes Grab. Er hatte sich nie darum gekümmert. Den Friedhof nach dieser Tortur der Beerdigung erneut betreten war für ihn unmöglich gewesen und doch war er jetzt hier.

Helen Bertram

Ein beängstigendes Gefühl machte sich in seiner Brust und seinem Magen breit, als er ihren Namen las. Es war wie damals als die Polizei vor seiner Haustür stand.

„Herr Bertram, Ihre Frau und ihre Kinder hatten einen Autounfall…“

Er wischte sich mit der Hand über das Gesicht und zwang sich das Grab seiner Familie anzusehen.

Das Grab war zu seiner Überraschung sehr gepflegt. Helen hatte keine lebenden Familienangehörigen außer ihm. Und seine Familie lebte in der Nähe vom Bodensee und hatte schon keinen Kontakt mehr zu ihm bevor er Helen kennengelernt hatte. Bevor er weiter darüber nachdenken konnte wer sich um das Grab seiner Familie kümmerte fiel sein Blick erneut auf den riesigen Grabstein.

Hier ruhen

Helen Bertram Geliebte Mutter

Maja Bertram Geliebte Schwester

Johannes Bertram

Für einen Moment war er verwirrt. Johannes? Erst als er „Geliebter Vater“ las, wurde ihm bewusst, dass sein Name dort stand. Sein Puls raste und er schüttelte heftig den Kopf. Was wurde hier gespielt? Lebte Lilly wirklich noch? Tränen liefen über seine Wangen und seine Knie wollten nachgeben. Es stimmte, dass er irgendwie tot war. Was wenn es auch stimmte, dass Lilly noch lebte? Er zog die Nase hoch und wischte die Tränen an seinem Handrücken ab.

„Ich werde dich finden, Lilly“ sagte er laut und schaltete erneut den Bildschirm des Smartphones ein. Vielleicht würde Lillys Adresse einfach eingespeichert sein, genauso wie die Adresse des Friedhofs.

Im Telefonbuch stellte er fest, dass Lillys Nummer gar nicht eingespeichert war, sondern die einer Lilith. Wer war zur Hölle war Lilith? Hatte sie etwas mit Larissa zu tun? Er tippte auf Majas Namen und fand dort die gleiche Adresse wie bei Helen. Bei Lilith und Larissa waren keine Adresse angegeben. Kopfschüttelnd ließ er den Arm mit dem Smartphone sinken. Was sollte er tun? Vielleicht sollte er doch zur Polizei gehen. Wenn er gleich von vornherein reinen Tisch machen würde… Würden Sie würden ihm glauben und versuchen Lilly zu finden? Aber er wollte nicht noch ein Leben zerstören.

Das Smartphone klingelte.

Eingehender Anruf von Lilith

Johannes nahm das Gespräch entgegen.

„Hallo?“

Ein quietschendes Kinderlachen antwortete. „Paaaapppiiii.“ Hörte er Lilly vergnügt rufen. Dann wurde das Gespräch beendet.

„Lilly!“

Mehrfach versuchte er Lilly anzurufen, aber niemand antwortete. Er versuchte sich zu beruhigen. Sie klang glücklich. Sie hatte gelacht. Es ging ihr gut. Er musste sie natürlich finden, aber er brauchte keine Angst zu haben. Sein kleines Mädchen war glücklich.

1 Neue Nachricht von Lilith

„Papi, du musst mich finden!“

Johannes schüttelte den Kopf. Wieso Lilith?

15% Akku verbleibend. Schließen Sie das Gerät bald an ein Stromnetz an.

„Nein, nein, nein!“ hörte er sich sagen. Er brauchte dieses blöde Smartphone. Er hatte weder ein Kabel um es aufzuladen noch ein Stromnetz um es daran anzuschließen. Johannes war immer begeistert von Technik gewesen und navigierte zu den Stromspareinstellungen. Er fand dabei eher zufällig eine sehr gut versteckte App, die permanent seinen Standort an ein anderes Gerät übermittelte. Überwachte Larissa ihn? Hatte sie auch die Kamera oder das Mikrofon gehackt? Was sollte das Ganze? Wieso überwachte sie ihn? Plötzlich kam ihm eine Idee. Vielleicht konnte er ihren Standort über diese App ermitteln. Vielleicht war Lilly bei ihr?

Die angegebene Prozentzahl des verbliebenen Akkus erschien ihm wie ein Countdown und er hatte das Gefühl er liefe im Minutentakt runter.

Nach ein paar Minuten hatte er ihren Standort herausgefunden, sie war in einem Wohngebiet im Stadtteil Rauental in dem er sich nicht auskannte. Johannes schaltete das GPS an seinem Smartphone aus, damit Larissa nicht merkte, dass er zu ihr kam.

Der Countdown tickte.

13%

Er musste so schnell es geht zu dem kleinen roten Punkt auf dem Bildschirm laufen. Wenn das Smartphone sich ausschaltete würde er sie niemals finden. Es waren keine Straßennamen auf der Karte in dieser App angezeigt. Die nächste Links, direkt nach den Gleisen wieder links, dann die erste rechts und ziemlich mittig auf der Straße war sein Ziel.

Johannes rannte los und wiederholte die Wegbeschreibung wie ein Mantra immer wieder in seinem Kopf. Wenn der Akku nicht bis dorthin reichte würde er einfach an allen Haustüren klingeln. Er wusste nicht wie Larissa aussah, aber würde einfach so laut er konnte den Namen seiner Tochter brüllen.

Nach den Gleisen links, dann die erste rechts. Es war nicht leicht dem Drang zu widerstehen ständig nach der Prozentzahl, seinem Countdown zu schauen.

Was wenn Lilly ihn nicht erkannte? Was wenn sie Angst vor ihm hatte?

Als er ungefähr die Hälfte der Straße hinter sich gelassen hatte, drehte er sich um. In einem dieser Häuser war Larissa und mit ihr vielleicht auch Lilly. Voller Hoffnung schaute er auf das Smartphone. 4% Akku. Er öffnete die App und schaltete das GPS ein, um seinen und Larissas Punkt auf der Karte zu sehen. Jetzt war es egal ob sie wusste, dass er kam. Er war nahe genug, sie hatte keine Zeit mehr vor ihm wegzulaufen.

Das Gerät wird in 30 Sekunden heruntergefahren.

„Komm schon!“ flüsterte er, während die App über die Karte hin und her sprang und versuchte seinen Standort zu lokalisieren. In dem Moment wo die App ihn lokalisiert hatte erschien ein weißer Banner am unteren Ende des Bildschirms.

Das Gerät wird heruntergefahren.

Johannes konnte gerade noch sehen, dass er drei Häuser zu weit gelaufen war, als der Bildschirm schwarz wurde.

Bevor er weiter darüber nachdenken oder sich einen Plan überlegen konnte klingelte er einfach an Larissas Haustür. Die Frau, die ihm jeden Morgen einen Becher Kaffee spendierte, öffnete die Tür und sah ihn erstaunt an.

„Du bist Larissa?“ fragte er ungläubig.

Sie grinste.

„Wo ist Lilly?“

Sie lachte. „Komm rein.“

Johannes folgte ihr in den kleinen Flur. Sobald die Haustür geschlossen war, zückte sie eine Waffe und schob ihn in eine kleine Küche. „Setz dich!“ Larissa deutete auf einen Stuhl am Küchentisch. Johannes setzte sich ohne Wiederworte. Mit einer Kugel im Kopf konnte er Lilly nicht finden.

„Du hast mich mit der App gefunden mit der ich deinen Standort überprüft habe oder?“

Sie presste die Lippen aufeinander und nickte. „Das war die einzige Lücke im System und du findest sie natürlich.“ Sie trat gegen einen der anderen Küchenstühle. Dann ging sie in der Küche auf und ab.

„Ich hatte alles so gut durchdacht! Es war alles geplant!“ Larissa war wütend.

Dann nahm sie einen tiefen Atemzug, lächelte und richtete die Waffe wieder auf Johannes.

Hier wäre Lilly niemals glücklich. Nicht bei dieser Verrückten. Ging es ihm durch den Kopf.

„Warum tust du das? Wo ist Lilly?“

Larissa lachte erneut und hatte den Wahnsinn in den Augen stehen.

„Weißt du, ich hatte die ganze Sache viel größer geplant. Aber du musstest es ja unbedingt ruinieren und mich vorher finden.“

Sie lachte verächtlich.

„In Wirklichkeit ist Lilly Lilith, eine Dämonin, die dich endgültig zu Fall bringt und das wusstest du insgeheim schon bei ihrer Namensgebung. Wieso sonst hättet ihr sie Lilly nennen sollen!“

Er setzte an zu antworten, aber Larissa unterbrach ihn.

„Ah! Du möchtest doch nicht, dass ich dich erschieße, oder? Hab ich mir gedacht.“ Erneut lächelte sie breit.

„Es hätte alles so schön werden können. Du und ich.“

Sie nickte.

„Weißt du wie schwierig es für mich war diesen Autounfall wirklich wie einen Autounfall aussehen zu lassen! Ich meine man lernt viel aus Filmen und so aber…“

Johannes Gedanken rasten. Das Rauschen in seinen Ohren überdeckte Larissas Stimme. Es war kein Unfall. Sie hatte seine Familie auf dem Gewissen? Er sprang auf und machte einen Satz auf sie zu.

Sie richtete die Waffe auf seine Stirn.

„Wie willst du die kleine Lilith retten, wenn dein Hirn über meine Küchenwand verteilt ist?“ fragte sie amüsiert.

Lilly. Tränen schossen in seine Augen, aber er weinte nicht. Er schluckte sie herunter und setzte sich.

„Wieso-„ Seine Stimme brach ab.

„Tu nicht so als würdest du dich nicht an mich erinnern!“ Larissa wurde wütend.

„Ich war dein größter Fan! Ich habe alle deine Bücher gelesen und geliebt, auch die die von den Kritikern zerrissen wurden! Ich habe jede Möglichkeit genutzt, um dich live zu sehen und du hast mich angelächelt, jedes Mal! SAG MIR, DASS DU DICH AN MICH ERINNERST!“ Ihre Stimme ging in ein grelles Kreischen über.

Johannes erinnerte sich nicht und es war ihm egal. Er schüttelte den Kopf.

„Wieso hast du sie umgebracht?“

Ein verständnisloser Blick kroch über Larissas Gesicht.

„Wieso? Damit du frei und mit mir sein konntest! Und was tust du? Du verkaufst das Haus, was unser Haus werden sollte und tauchst unter. Und als ich dich endlich wieder finde bist du ein Alkoholiker, der nichts mehr hat als einen Pappbecher! Und ich, ich komme jeden Tag zu dir und gebe dir einen Kaffee, ein Lächeln, eine Möglichkeit von der Straße zu kommen. Erinnerst du dich als ich dir angeboten habe, bei mir unterzukommen, um wieder auf die Beine zu kommen?! WIR HÄTTEN HEIRATEN UND GEMEINSAM GLÜCKLICH WERDEN KÖNNEN!“

Er erinnerte sich nicht. Alles was er wollte war Lilly zu finden und weit weg von dieser Wahnsinnigen mit ihr ein normales Leben zu führen

„Wo ist Lilly?“ wollte er erneut wissen.

„OH, ICH BIN NOCH NICHT FERTIG! DAS HIER IST MEINE RACHE! ICH WERDE DICH ZERSTÖREN UND DAS WERDE ICH VERDAMMT NOCH MAL GENIEßEN!!“

„Wie wäre es, wenn du mir die ganze Geschichte erzählst und dich rächst nachdem du mir gesagt hast wo meine Tochter ist.“ Schlug er vor, obwohl er ziemlich sicher war, dass sie nicht auf seine Idee eingehen würde.

Sie überlegte einen Moment bevor sich ein breites Grinsen auf ihr Gesicht legte.

„Okay. Du hast Recht, du solltest erst deine Tochter finden. Steh auf und komm her.“

Verwundert stand er auf, ließ sich von Larissa die Waffe in den Rücken drücken und durch die Küche zurück in den kleinen Flur zur Haustür schieben.

„Geh, finde die kleine Lilith. Wenn du sie gefunden hast, kannst du gerne wieder herkommen. Wenn du vorher herkommst und um Hilfe flehst werde ich dich erschießen. Und vergiss nicht, ich weiß vom 22.11.2002 und bin ziemlich neugierig wie sehr sich die Polizei und vor allem dein kleines Brüderchen freuen würden, wenn euer süßes kleines Geheimnis ans Licht käme.“

Johannes wusste dass er keinerlei Hinweise auf Lillys Aufenthaltsort hatte. Der Akku des Smartphones war leer. Larissa war seine einzige Chance. Wenn er jetzt ging würde er Lilly niemals finden. Und er konnte nicht zur Polizei, nicht wenn Larissa dann von seinem Geheimnis berichtete.

„Woher weißt du davon?“

Er hörte wie sie tief einatmete und seufzte.

„Der kleine Tim hat es mir erzählt.“

Johannes wollte sauer auf seinen Bruder sein, aber er konnte es nicht. Er wusste sehr wohl wie schwer es war dieses Geheimnis mit sich herumzuschleppen.

„Und das beste an der Sache ist, dass du das wunderschöne Leben deines geliebten kleinen Bruders zerstören würdest, wenn die Wahrheit ans Licht käme. Du hast schon so viele Leben zerstört. Kilians Eltern, seine Schwester und natürlich auch Kilians, zumindest die letzten Augenblicke seines Lebens.“

Johannes erinnerte sich nur noch bruchstückhaft an Kilian. Er und sein kleiner Bruder Tim hatten ihn totgeprügelt. Es hatte als eine harmlose Prügelei angefangen, aber irgendwann hatte Kilian nur noch gekreischt und geschrien und die Brüder konnten einfach nicht aufhören bis Kilian reglos, da lag. Sie hatten seine Leiche im Bodensee versenkt und soweit er wusste ist sie nie wiederaufgetaucht. Die beiden hatten sich geschworen niemals ein Wort darüber zu verlieren. Tim war jetzt glücklich. Er hatte eine Frau und vier Kinder. Larissa hatte Recht, Johannes würde das Leben seines kleinen Bruders zerstören, wenn jemand herausfand, dass sie Kilian getötet hatten.

Er schluckte.

„Bitte, ich will doch nur wissen wo meine Tochter ist.“

Larissa überlegte eine halbe Ewigkeit und zuckte dann die Achseln.

„Okay, ich werde dir alles sagen, die ganze Wahrheit über den Nicht-Unfall deiner Familie und vor allem über Lillys Schicksal, aber nur wenn du dann für immer bei mir bleibst!“

„Was?“

Johannes war mehr als irritiert, jetzt wollte sie dass er bei ihr bleibt. Er schüttelte den Kopf. Wenn er Lilly erst gefunden hatte, würde er sich um sie kümmern und er wollte auf gar keinen Fall, dass Lilly bei dieser Verrückten aufwuchs.

„Denkst du Helen wäre bei dir geblieben, wenn sie gewusst hätte was du getan hast? Was hätten Maja und Lilith wohl von ihrem tollen Papa gehalten, wenn man ihnen erzählt hätte, dass er jemanden totgeprügelt hat?! ICH STEHE IMMER NOCH HINTER DIR! SIE HÄTTEN DICH VERLASSEN ALLE DREI! ICH HABE DAS FÜR DICH ERLEDIGT! ICH HABE SIE AUS DEM WEG GESCHAFFT! SIE SIND ALLE TOT UND JETZT STARTEST DU GEFÄLLIGST DEIN NEUES LEBEN MIT MIR!“

Larissa hielt kurz inne und atmete schwer.

Sie sind alle tot…

Dann sprach sie weiter: „Du und ich wir können gemeinsame, wunderschöne Kinder kriegen und…“

Johannes hörte ihr nicht mehr zu.

Sie sind alle tot…

„Lilly ist tot.“ Seine Worte brachen ihm das Herz.

„Was? Nein, ich…“ setzte Larissa an doch Johannes unterbrach sie.

„Lilly starb gemeinsam mit Helen und Maja. Du hast das alles nur erfunden, um mich in eine Falle zu locken.“

Die Erkenntnis war ein Schlag tief in die Magengrube. Johannes hatte das Gefühl er müsse sich übergeben. Sein kleines Mädchen war tot. Mit der Hoffnung verschwand auch alle Lebensenergie.

„Ja, Sherlock, du hast mich erwischt!“ erwiderte sie schnippisch. „Aber meine Photoshopskills sind der Wahnsinn oder! Das Porträt find Lilith ist echt beeindruckend gut geworden, aber es war auch ziemlich einfach so ähnlich wie deine Kinder sich sahen!“

Die Mörderin seiner Familie grinste ihn an und richtete die Waffe auf seine Stirn. Aber es machte ihm keine Angst. Er wünschte sich sie würde einfach abdrücken.

„Ich kriege immer was ich will, weißt du. Du wirst nämlich bei mir bleiben, sonst werde ich dich erschießen!“ Zufrieden lächelte sie ihn an.

Johannes musste lachte. „Wirklich? Was hast du denn bis jetzt gekriegt?“

Er beobachtete wie das Lächeln aus ihrem Gesicht verschwand und spürte einen kleinen Funken an Genugtuung.

„Wenn du mich nicht umbringst, werde ich es selbst tun.“ Fügte er hinzu, öffnete die Haustür und ging.

Johannes hoffte darauf den Knall eines Schusses zu hören und zu spüren wie eine Kugel in seinen Körper einschlug. Es war später Abend und es war still, die ganze Nachbarschaft würde es hören. Er wollte sterben und er wollte, dass Larissa als seine Mörderin gefasst wurde. Sie würde Tim nicht verraten, wenn er tot war, da war er sich ziemlich sicher. Es ging ihr nur im ihn, nicht um seinen Bruder.

Der erlösende Schuss blieb aus und Johannes Füße liefen immer weiter. Irgendwann fand er sich auf einer der Rheinbrücken wieder.

Larissa hatte gesagt sie wollte ihn zerstören, das hatte sie geschafft. Sie hatte gewonnen. Johannes war am Ende. Er kletterte über das Geländer, dachte an Lilly, Maja und Helen. Seine wunderschöne kleine Familie, er hatte sie belogen. Das ganze würde jetzt ein Ende nehmen. Mit dem Blick auf den schmutzigen Rhein unter sich gerichtet, sah er sein Leben an sich vorbeiziehen.

Ein Teil von ihm war damals mit Kilian gestorben. Aber dann hatte er Helen kennengelernt und das hatte ihn gerettet. Als seine Familie getötet wurde zerbrach seine Welt auf einen Schlag. Er hatte gespürt, wie er seit diesem Tag langsam, aber sicher jeden Tag ein bisschen mehr starb.

Aber an diesem Morgen hatte Larissa ihm Hoffnung geschenkt. Hoffnung, das Lilly noch lebt. Hoffnung, dass er es vielleicht wieder in ein halbwegs normales Leben schaffen könnte, mit seinem kleinen Mädchen. Und das ganze nur um dann alles wieder zu zerstören und Lilly erneut zu töten. Er weinte. Der heutige Tag war eine Achterbahnfahrt gewesen, auf die er hätte verzichten können.

Aber die eigentliche Hölle hatte er doch schon hinter sich…

Hatte Larissa wirklich gedacht sie könnte ihn zerstören? Zugegeben sie war es sehr schlau angegangen. Aber zerstört? Sie hatte irgendetwas in ihm zum Leben erweckt. Er hatte heute zum ersten Mal an seine Familie gedacht, ohne Kilians Schreie zu hören, ohne an Helens brennenden Wagen zu denken. Es war irgendwie schön gewesen an Lilly zu denken und Maja und seine wunderschöne Frau Helen. Sein Herz schien wieder etwas Leben durch seine Adern zu pumpen, nach all den Jahren.

Johannes lachte.

Er kletterte zurück über das Geländer.

So klar und ruhig wie in diesem Moment hatte er sich seit Ewigkeiten nicht mehr gefühlt. Er würde den Mord an Kilian gestehen. Es waren 18 Jahre vergangen. Niemand würde mehr Kilians Leiche finden und niemand würde seinen Bruder in die Sache hineinziehen können. Larissa würde sich nicht selbst verraten.

„Ich war nicht immer ein guter Mann, aber ich bin ein ehrlicher Mann, Lilly.“ Flüsterte er in die Nacht und ging zur Polizei.

32 thoughts on “Lilly

  1. Hallo Noel ich finde deine Geschichte echt gut, ich hab mit ihm mitgefiebert, gehofft und war wie er sehr enttäuscht, dass er seine kleine Lilly zum Schluss dann doch nicht wiedersehen konnte. Aber richtig spannend, das mit dem Akku fand ich richtig gut, was ich nur gehofft hatte, war, dass er selbst Rache nimmt als er alles erfährt, aber wäre vielleicht auch zuviel geworden dann als Kurzgeschichte. Auf jeden Fall hast du meinen Daumen 👍und ich drücke beide, dass du ins ebook kommst 🙂

      1. Hallo!
        Ja, Deine Geschichte ist wirklich gut! Man fiebert mit und hofft natürlich auf ein „Happy End“ – aber dann würde man es dem Leser ja zu leicht machen, oder?
        Aber halt, wenn ich es mir recht überlege: meine eigenen beiden Geschichten gehen eigentlich mehr oder weniger gut aus – kommt auf die Betrachtungsweise an. Aber ich liebe definitiv einen vernünftigen, glaubwürdigen Schluss am Ende einer Geschichte – und Deine Geschichte hat diesen auf jeden Fall.
        Mein „Like“ hast Du – mach‘ weiter so!

        Und wenn Du Lust hast, kannst Du auch noch meine andere Geschichte lesen – vielleicht gefällt diese Dir genau so gut wie „Jagdfieber“:
        https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/doppeltes-spiel

  2. Hallo Noel,
    sehr spannend, deine Geschichte! Sie hat zwar kein richtiges Happy End, aber irgendwie für Johannes doch. Er nimmt sein Leben wieder in die Hand, gesteht den Totschlag, geht ins Gefängnis, aber er hat aufgeräumt, ist nicht mehr erpressbar und findet hoffentlich ins Leben zurück.
    Kriegst meine Stimme!

  3. Hallo Noel,
    Deine Geschichte hat mich von Anfang an gepackt. Mein like hast Du!
    Schade, dass es nur eine Kurzgeschichte ist, als Buch würde sie sich sehr gut machen. Ab der Mitte/zum Ende hin ging mir die Geschichte teilweise zu schnell, man merkt, dass du noch viel mehr erzählen wolltest.
    Die Idee mit dem Handyakku fand ich richtig toll! Das gab dem ganzen Spannung.

  4. Liebe Noel,

    nach deinem lieben Kommentar komme ich nun auch dazu einen Blick auf deine Geschichte zu werfen. Sie ist sehr, sehr gut! Sie hat alles, was es für ein perfektes Chaos braucht.

    Mit einer unendlich quallvollen Trauer beginnt sie, um dann durch das auftauchende Handy und die Frage, ob doch jemand überlebt hat, eine strickte Fahr aufzunehmen, in der es um Geschwindigkeit und Hoffung geht. Der Leser wird hin und her gerissen, aufgepeitscht, fiebert beim Zählen des Akkus mit und dann, dann kommt der Moment, in dem der Atem angehalten wird. Der Akku ist aus! Schaffte er es?
    Ja!

    Doch die triste Ernüchterung folgt. Es ist doch nur das typische Klischee. Der Fall ist so hart, so grausam, dass es dennoch unmöglich ist die Geschichte zur Seite zu legen, auzuhören. Bleibt es ein Klischee? Nein! Ja, oder? Dieses stete Wechseln hat mich wahnsinnig gemacht! Sie will ihn einfach gehen lassen? Warte? Wo ist das Klischee? Geht er jetzt? Dass kann er nicht! Tut er auch nicht! Erleichterung folgt für den Leser, gepaart mit Verwirrung. Kann sie wirklich glauben, dass ihr Angebot angenommen wird? Nein oder?

    Und dann kommt er große leere Raum! Die aufgestauten, verwirrten Emotionen haben keinen Halt, alles löst sich auf und plötzlich bleibt nur noch Verwirrung. Wo geht er hin? Was ist mit ihr? Was will er tun, will er sterben? Will er leben? Er lebt…

    …aus…

    Ende…

    Nach deiner Geschichte bleibt dieser Hauch von Leichtigkeit, Hoffung und doch auch der Schmerz des Anfangs. Du lässt den Leser völlig überfordert mit der Frage zurück, ob er denn jetzt glücklich ist! Und wie genau ging die Geschichte denn nun aus? Ist das das Ende? Wirklich?

    Diese absolut geniale Taktik regt mich schon wieder dazu an, noch einmal zu lesen und zu schauen, ob ich nichts übersehen habe. Der Aufbau hat etwas, das mir sehr gut gefällt. Es ist jedoch Geschamckssache, wie man zum Ende steht. Der wirklich starke Anfang wird von einem „vergleichsweise schwachen“ Ende abgelöst und bietet diesen Hauch von „Bin ich jetzt glücklich?“, kombiniert mit viel Verwirrung.

    Mir gefällt es sehr gut und meine Stimme hast du auf jeden Fall!

    Ganz liebe Grüße
    Traumfänger

  5. Liebe Noel,

    grundsätzlich fand ich den Inhalt des Einstiegs gut; dass man direkt vom Unfall erfährt. Allerdings dachte ich beim Lesen, dass dieser in der Szene passierte. Ich glaube, das lag an den beiden Sätzen: „Er wusste, es waren nicht die Schreie seiner Kinder.“ und „Aber die Scheiben des Wagens waren zersplittert.“ Wenn die in der 2. Vergangenheit geschrieben wären, hätte ich das besser verstanden.
    Ein paar Kommafehler haben sich eingeschlichen.
    Der immer leerer werdende Akku war sehr spannend!

    Alles Liebe
    Pauline

  6. Hallo Noel,
    Ich habe deine Geschichte mit Spannung gelesen und sie hat ein paar interessante Elemente. Doch eine Frage habe ich;
    wie funktioniert das mit dem Grabstein? Warum steht da sein Name drauf, warum ist das aus Perspektive von Lilly?
    Sollte das auch zu Larissas perfiden Plan gehören?

    Wenn ich das mal so fragen darf, sofern das hier nicht eine bewusst offen gelassene Frage als Stilmittel ist…

  7. Moin Noel,

    eine schöne Geschichte die du dir da ausgedacht hast. Danke das du sie mit uns geteilt hast.

    Die Zerrissenheit vom Vater, der ohne seine Familie nicht mehr leben kann/will und der dann neuen Lebensmut schöpft , weil er seine Tochter finden möchte, konnte ich beim Lesen deutlich spüren, dass hast du super geschrieben.

    Dazu den Spannungsbogen, durch die Akku Leistung bis zum Bersten gespannt…Bekommt er alle Info‘s? Wo findet er Larissa? Gutes Stilmittel. Genialer Einfall.👍🏻

    Sehr bildlich geschrieben, deine Gefühle mit dem du deine Figuren „ lebendig „ machen wolltest, kamen bei mir gut an! TOP! Trauer, Wut, Zerrissenheit, Hoffnung alles war greifbar.

    Mein Like lass ich dir gerne da und wünsche dir alles Gute für‘s Voting. Und hoffe das noch Viele, meinem Beispiel folgen. Deine Geschichte verdient es einfach.

    LG Frank aka leonjoestick ( Geschichte: Der Ponyjäger)

  8. Liebe Noel,

    nachdem du bei mir einen Kommentar und ein Like hinterlassen hast wollte ich mich mal revanchieren.

    Ich hatte große Freude beim Lesen deiner Kurzgeschichte. Die Figuren waren sehr lebendig durch die Art, wie du sie beschrieben hast. Ich habe mit dem Vater richtig mitgefiebert und das Stilmittel mit dem Akku war auch sehr cool.

    Toller Beitrag und von mir bekommst du natürlich auch einen Like 🙂

  9. Hallo!
    Ja, Deine Geschichte ist wirklich gut! Man fiebert mit und hofft natürlich auf ein „Happy End“ – aber dann würde man es dem Leser ja zu leicht machen, oder?
    Aber halt, wenn ich es mir recht überlege: meine eigenen beiden Geschichten gehen eigentlich mehr oder weniger gut aus – kommt auf die Betrachtungsweise an. Aber ich liebe definitiv einen vernünftigen, glaubwürdigen Schluss am Ende einer Geschichte – und Deine Geschichte hat diesen auf jeden Fall.
    Mein „Like“ hast Du – mach‘ weiter so!

    Und wenn Du Lust hast, kannst Du auch noch meine andere Geschichte lesen – vielleicht gefällt diese Dir genau so gut wie „Jagdfieber“:
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/doppeltes-spiel

  10. Der Anfang Deiner Geschichte ist bereits so gut, dass man als Leser sofort in der Geschichte drin ist. Den gesamten Plot finde ich toll, weil Du immer weiter Spannung aufbaust. Ich finde Deine Geschichte insgesamt sehr gelungen, daher bekommst Du mein „Like“.
    LG
    L. Paul (Die Mutprobe)

  11. Hallo Noel,

    was für eine traurige Geschichte! Ich habe mit deinem Protagonisten mitgefiebert, seine Trauer gefühlt und dann entsetzt von seiner Schuld erfahren. Trotzdem hat meine Sympathie für ihn nicht gelitten, da er am Ende ja das richtige tut. Larissa ist eine würdige Gegenspielerin, die die Geschichte erst richtig spannend macht. Eine rundum gelungene Story, der ich gerne ein Like gebe. Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass es deine Geschichte noch ins eBook schafft.

    Ich würde mich riesig freuen, wenn du auch bei meiner Geschichte vorbeischauen würdest. Sie heißt „Stunde der Vergeltung“. https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/stunde-der-vergeltung

    Liebe Grüße
    Angela

  12. Hallo Noel,
    erstmal ein riesen Kompliment zu Deiner Geschichte.
    Sie hat mir sehr gefallen!
    Ich habe die ganze Geschichte über mit Johannes mit gefiebert, in der Hoffnung, er würde seine Lily finden.
    Du hast die Charaktere unheimlich gut und eindringlich zum Leben erweckt. Die Story ist von vorn bis hinten absolut gut und schlüssig durchdacht und geschrieben. Du hast es geschafft, einen durchgehend guten Spannungsbogen aufzubauen.
    Für mich zählt Deine Geschichte hier definitiv zu den besten, die ich hier bisher gelesen habe.
    Mein Like hast Du natürlich und ich würde Dir sehr wünschen, dass noch sehr viele dazu kommen!

    LG,
    der schweenie

    P.S. vielleicht hast Du ja Zeit und Lust, auch meine Geschichte zu lesen und ein Feedback da zu lassen…
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/glasauge

  13. Hey Noel,
    Deinen Geschichte hat echt Eindruck bei mir hinterlassen. Die Emotionen die du dargestellt hast wirkten immer so real, dass meine Gänsehaut gar nicht weichen wollte. Auch das Thema fand ich gut gewählt und umgesetzt. Daher ein Like von mir 💛.

    Ich wünsche Dir viel Erfolg 🍀

    Beste Grüße

    Maddy

    P. S Meine Geschichte ist „Alte Bekannte“ und vielleicht hast du ja Lust und Zeit sie zu lesen ☺️🙈😁. Würde mich natürlich freuen 😊.

Schreibe einen Kommentar