MarleneMenzelNicht ich

Prolog

Es wird sich alles klären, versuchte sie sich jede neue Minute einzureden. Die Uhr hatte man ihr abgenommen, sonst hätte sie wenigstens gewusst, wie spät es war. Oder wie viele Stunden seit ihrer Verhaftung vergangen waren. Es mussten nun ungefähr sieben sein, in denen sie diese grässlichen weißen Zellenwände am liebsten hinauflaufen wollte. Ihr kriegt mich nicht klein. Ihr Schweine!
Wutentbrannt hämmerte sie auf die weich gepolsterte Tür ein. Niemand reagierte, aber das kannte sie bereits.
Erschöpft ließ sie sich auf den Boden zurückgleiten. Gewalt war nicht ihr Stil. Sie musste einen kühlen Kopf bewahren und ihre Gedanken ordnen. Alles nach der Reihe, sonst würde sie noch ihren Verstand verlieren, und das war das Letzte, was sie und Tobias gebrauchen konnten.
Tobias …
Sein sommersprossiges Gesicht wie das eines kleinen Jungen kam ihr in den Sinn. Und sein wunderschönes Lächeln. Wie hatte sie diesen Menschen nur jemals aus ihrem Leben vertreiben können? Nie war ihr ein aufgeschlossenerer und liebevollerer Mann begegnet. Aber sie war damals nicht für etwas Festes bereit gewesen. Und jetzt war ausgerechnet er ihre einzige Chance, hier herauszukommen und wieder ein normales Leben zu führen. Der Mensch, den sie so sehr verletzt hatte.
Sie setzte sich in die Ecke des immer enger erscheinenden Raumes und umschlag ihren Oberkörper mit beiden Armen. Dann begann sie sich vor und zurück zu wiegen. So mussten sich also die Mandanten fühlen, denen sie nicht hatte helfen können. Weggesperrt in einer Gummizelle und vor sich hin brabbelnd. Vielleicht begann sie an Tag elf ja mit sich selbst zu sprechen und unaufhörlich zu sabbern.
Igitt! Ganz sicher nicht!
Dann ließe man sie direkt da, wo sie sich nur durch eine einzige Person befand. Immer noch fragte sie sich, was sie getan hatte, um jenes Schicksal zu verdienen. Die fremden Fotos und erpresserischen Nachrichten, diese vielen grausamen Spiele.
Ein riesiger, verdächtig dunkler Fleck auf der gegenüberliegenden Seite genoss von nun an ihre Aufmerksamkeit.
Blut? Ist hier jemand gestorben? Aber wie soll das gehen ohne Hilfsmittel? Hat er sich mit den Fingernägeln die Kehle aufgeschlitzt oder selbst blutig geschlagen? Wird mir das auch blühen?
Sie hatte um einen Anruf bitten dürfen, mehr war ihr nicht gewährt worden. Und sie wusste, dass kein Anwalt der Stadt ihren Fall übernehmen würde. Nicht seit damals. Ihr war keine andere Wahl geblieben, außer es nochmals bei Tobias zu probieren. Natürlich vergeblich, doch die Hoffnung hatte sie vorangetrieben.
Die Gedanken der Gefangenen schweiften erneut ab, während sie weiter den Fleck auf den Polstern gegenüber betrachtete.
Wer bin ich? Wer bist du? Oder bin ich du und du bist ich? 

Der Albtraum

Jana Fassberg begann ihre morgendliche Runde wie jeden Tag mit Blick auf die Uhr und dem Nachziehen ihres Pferdeschwanzes. Sie joggte Punkt fünf Uhr direkt vor ihrer Haustür los und umrundete einmal den beliebten Badesee, danach führte sie ihr Weg über die große hölzerne Brücke auf eine Insel, um kurz zu verschnaufen, ehe es dieselbe Route in umgekehrter Reihenfolge zurückging. Ein Tag wie jeder andere also. Im Anschluss würde sie ins Büro fahren, das sie sich mit drei weiteren Rechtsanwälten teilte, und hoffte auf einen neuen Fall. Juristisch gesehen erging es ihr seit drei Jahren nicht besonders gut. Genauer gesagt seit Erich Steinermann, einem Vergewaltiger und Mörder der übelsten Sorte. Jana hatte dafür gesorgt, dass er durch ihre im System gefundenen Schlupflöcher freikam und erneut rückfällig wurde. Man hatte ihn daraufhin in die Sicherungsverwahrung gesteckt, in der er bis heute verdient sein Leben fristete. Sie gab sich die Schuld am Tod eines weiteren kleinen Kindes. Und nicht nur sie selbst. Unter ihren Kollegen und der Konkurrenz hatte sie ihren einst vortrefflichen Ruf mit einem Mal verspielt. Aktuell bearbeitete sie lediglich kleine Delikte, die kaum der Rede wert waren, aber sie hielten Jana über Wasser und bezahlten ihre Rechnungen.
Schweiß rann ihr in den Nacken. Sie war sich bewusst, gut auf ihre Umgebung zu achten, während sie Sport trieb. Jana besaß erlaubterweise ein Pfefferspray für den Fall, dass ihr ein paar der Junkies zu nahe kamen. Oder ein wütender Gegner vom Gericht. Seit Steinermann fühlte sie sich verfolgt und hatte mehrmals mit dem Gedanken gespielt, in Therapie zu gehen. Stattdessen kaufte sie sich tonnenweise Tabletten, Pillen und Kapseln, die sie beruhigen sollten, wenn sie wieder einmal nicht schlafen konnte vor schlechtem Gewissen oder Angst.
Sie steigerte ihr Tempo wie jedes Mal auf der Brücke. Ein kurzer Spurt, ehe sie sich auf die pflanzenumrankte Bank niederlassen und zu Luft kommen wollte. Dort angekommen verschnaufte sie und nahm gierig Flüssigkeit aus ihrer Wasserflasche auf. Das kühle Nass tat ihrer angestrengten Kehle gut und sofort entspannte sich diese.
Ein Brummen ließ Jana zur Seite schrecken. Sie hatte seit ihrer Kindheit Angst vor Bienen und Wespen. Aber die Quelle dessen war kein Insekt, erkannte sie stirnrunzelnd. Es war ein Smartphone, das neben ihr lag. Jemand musste sein Handy verloren oder vergessen haben. Jana spielte nicht mit dem Gedanken, es an sich zu nehmen und zu behalten. Dafür war sie zu vorbildlich erzogen worden, auch wenn es finanziell nicht besonders rosig um sie stand. Dennoch wollte sie versuchen, der armen Person ihr Telefon zukommen zu lassen. Schließlich hatte nicht jeder die Ortungsapps aktiviert und konnte es von selbst aufspüren. Außerdem würde es der nächste Finder womöglich in die eigene Tasche stecken. Ihr Gerechtigkeitssinn war größer. Und ein wenig Neugier spielte dabei natürlich auch eine Rolle, als sie das Display des Handys aufleuchten ließ.
Kein Code, keine PIN. Und dennoch null Vordringen, da man das Gesicht des Besitzers zum Entsperren forderte.
Zu dumm. Sehr schade.
Der Hintergrund war schwarz gehalten und somit konnte Jana nicht einmal einen Blick auf etwaige Bilder erhaschen, die ihr hätten weiterhelfen können.
Sie probierte es dennoch ohne große Hoffnung und nahm ihre eigenen Gesichtszüge zu Hilfe. Schließlich spannen diese Geräte und Verfahren gelegentlich. Prompt entsperrte sich das Handy. Jana konnte es nicht fassen und starrte einige Sekunden perplex auf den Bildschirm. Sie musste beinahe lachen. Solch glückliche Zufälle bräuchte sie häufiger in ihrem Leben!
Die Anwältin wusste, dass sie gerade in der Privatsphäre eines anderen Menschen stöberte, und dennoch ließ sie nicht davon ab. Vielleicht kannte sie den Besitzer sogar, wenn es jemand aus der Gegend war, und könnte es ihm direkt überreichen.
Es gab nur ein paar belanglose Standardprogramme, nach wie vor kein Hintergrundbild und auch keine Chatnachrichten. Das Handy war erstaunlicherweise auf den Namen Janas Leben getauft worden. Zufälle gab es! Ein Modell von vor einem halben Jahr mit den aktuellen Updates. Es wurde also regelmäßig benutzt. Verwunderlich blieb dann allerdings der wenige Inhalt. Im Bilderordner wurde sie endlich fündig.
Zahlreiche Fotografien und ein längeres Video lagen darin. Jana öffnete das erste Bild und erstarrte. Mit einem Mal wurde ihr eiskalt, was nicht an dem inzwischen stärker gewordenen Wind lag.
Das … das ist unmöglich.
Sie klickte sich mit immer hektischer werdenden Fingerbewegungen durch alle Fotos. Ihre Hand zitterte und ihre Lippen begannen zu beben. Sie führte das Display ganz nah vor ihre Augen, um auch ja kein Detail zu übersehen. Dann vergrößerte sie das erste Bild nochmals mit den Fingern und zoomte heran, ehe es zu verpixelt aussah, um etwas zu erkennen.
Auf allen Fotos war ein und dieselbe Frau zu sehen. Brünettes langes Haar mit einem etwas zu weit hinten liegenden Ansatz, dunkle große Rehaugen, hohe Wangenknochen und ein etwas zu schmaler Mund für ihren Geschmack. Außerdem ein kleines markantes Muttermal auf der rechten Wange.
Aber die Art, wie sie fotografiert wurde, war stümperhaft. Als seien es zufällige Schnappschüsse gewesen. Verwackelt, falsch belichtet oder halb aus dem Bild herausgeschnitten. Dennoch blieb eindeutig zu erkennen, wer darauf zu sehen war. Jana entdeckte Fotos von Alkohol- und Drogenpartys. Harter Stoff, von dessen Konsum die Frau auf dem Handy alles andere als abgeneigt schien. Halb neben einer frischen weißen Line auf dem Tisch eingenickt und zur Seite gekippt, ihr Slip verrutscht und alles präsentierend, lag sie da wie ein Häufchen Elend. Sie trug zahlreiche blaue Flecken auf Armen und Schenkeln. Auf der nächsten Bilderserie war sie komplett nackt und mit gespreizten Beinen auf einem Bett zu sehen. Sie lächelte laszive in die Kamera, als habe sie dies schon etliche Male getan. Hierzu gehörte auch das Video. Jana zögerte mit dem Finger über der Playtaste. Sie schaute sich nochmals beunruhigt um. Zuschauer konnte sie gerade jetzt so gar nicht gebrauchen. Der Park lag still und verlassen da. Irgendwo in der Ferne bellte ein Hund, mehr war nicht zu hören. Sie startete das Video und machte sich auf das Schlimmste gefasst. Wie erwartet handelte es sich um ein dilettantisches Pornofilmchen. Auch darauf war die Frau gut zu erkennen sowie eine kleine bunte Schmetterlingstätowierung an ihrer Hüfte, ihr Bettpartner blieb dafür im Verborgenen.
Jana stoppte das Video, als ihr Mageninhalt drohte, nach oben zu kommen. Das Brennen in ihrer Speiseröhre klang erst nach ein paar weiteren Schlucken Wasser ab. Ihr war zum Heulen zumute. Das konnte alles nicht wahr sein! Das durfte es nicht!
Janas Leben. Wie einfallsreich.
Sie kannte diese Frau besser als jede andere. Jeden Morgen blickte sie sie im Badezimmerspiegel an, lächelte ihr von ihrer Website entgegen und prangte auf ihren Ausweisen und Karten.
Das bin ich! Das bin eindeutig ich und doch wieder nicht. Ich war nie dort und habe das auch sicher nicht gemacht! Das ist doch Wahnsinn!
Nein, es gab keinen Zweifel. Die Andere sah exakt genauso aus wie sie.
Fast hätte Jana das Smartphone erschrocken von sich geschmissen, als es erneut vibrierte. Nun sah sie auch den Grund für das erste Mal: zwei SMS blinkten auf. Sie ahnte, dass sie jemand gerade in diesem Augenblick beobachtete. Vielleicht ein Test. Ängstlich erhob sie sich und ging mit eiligen Schritten zurück Richtung Brücke. Sie wollte nur noch nach Hause und fort von ihrem ganz persönlichen Albtraum. Die Anwältin öffnete die ältere der beiden Nachrichten und las, während sie ihren Weg fortsetzte.
‚Wer bin ich? Wer bist du? Oder bin ich du und du bist ich?‘
Was sollte dieser Schwachsinn? War sie das Opfer eines Irren geworden? Sollte das ein Rätsel sein? Oder verarschte sie hier jemand nach Strich und Faden, sprang womöglich gleich aus dem Gebüsch neben ihr und rief laut: „Reingelegt“?
Die zweite Botschaft war umso erschreckender:
‚Keine Polizei oder Kollegen, sonst landet der Inhalt im Netz! Und das Internet vergisst nie!‘
Jemand spielte ihr eindeutig einen bösen Streich. Jana hatte viele Feinde seit der Geschichte mit Steinermann. Kein Wunder, dass sie jemand am Boden sehen mochte. Aber was wollte der Verrückte damit erreichen? Etwa Geld erpressen? Noch gab es keine Forderung diesbezüglich.
Sie bewegte sich immer schneller über den Kiesweg, entlang des still daliegenden Wassers. Inzwischen begegneten ihr vereinzelte Jogger und ein, zwei Hundebesitzer, achteten aber nicht weiter auf Jana, die wie in Trance vor sich hin starrte und nicht mehr wusste, wie ihr geschah.
Sie überdachte ihre Chancen vor Gericht. Natürlich könnte sie jemanden davon überzeugen, dass es nicht ihr Gesicht auf den Bildern war, doch trotz Janas Berufszweigs würden sie es als gefundenes Fressen sehen, sie anzuprangern. Zudem hätte sie versagt, sollte der Inhalt des Handys tatsächlich im Netz landen. Dann konnte sie einpacken und ihr Studium sowie die jahrelange Berufserfahrung getrost an den Nagel hängen. Ihr Ruf wäre ruiniert.
Jana spürte einen dicken Kloß in ihrem Hals, der auch nicht verschwand, als sie sicher in ihrer Zweizimmerwohnung saß. Sie überprüfte ängstlich jeden Raum auf Veränderungen, doch es schien niemand in ihrer Abwesenheit hier gewesen zu sein. Alles stand und lag akkurat an seinem Platz. Jana hasste Unordnung. Umso verärgernder, dass ein Fremder ihren Alltag nun so durcheinanderwarf.
Sie überdachte ihr Vorgehen. War das alles nur ein Witz und jemand wollte ihr lediglich etwas Angst einjagen? Das konnte sie nicht riskieren. Sie musste definitiv zur Polizei, vielleicht zu einer außerstädtischen Wache, bei der man sie nicht all zu sehr kannte. Jana hoffte, mit der heißen Dusche für einen kurzen Augenblick zu entspannen, aber auch unter dem fließenden Wasser ergründete sich ihr nicht, wer sie so sehr hasste, dass er sie leiden sehen wollte. Sie würde sich am Nachmittag nochmals die Akte Erich Steinermann vornehmen. Immerhin hatte sie mit seinem Freispruch die Familien der toten und misshandelten Kinder vor den Kopf gestoßen. Aber es war nun mal ihr Job gewesen. Sie hatte Steinermann sogar als Chance gesehen, aufzusteigen, da sein Fall als unlösbar für einen Rechtsanwalt gegolten hatte.
Tja, falsch gedacht. Hättest du mal auf dein Herz gehört und nicht auf dein Bankkonto. Du dummes Ding!
Dass Fotos und Video Fälschungen waren, wusste sie. Jana selbst war nie in die Nähe von Drogen gekommen. Zudem trank sie höchstens ein Glas Wein am Abend eines anstrengenden Tages vor Gericht. Alkohol vertrug sich nämlich mit ihren Tabletten nicht und vernebelte ihre Sinne zu schnell. Dennoch spielte sie den Bruchteil einer Sekunde mit dem Gedanken, dass sie sich womöglich an eine bestimmte Zeit in ihrem Leben nicht erinnern konnte. Jana verneinte innerlich. Es gab keine einzige Phase, in der sie nicht Herr über ihr Tun gewesen war. Irgendjemand hatte ihr Gesicht oder ihren kompletten Kopf per Computertechnik eingefügt und wollte sie nun erpressen. Doch wieso forderte er nicht direkt das Geld an? Weshalb wartete der Unbekannte so lange? Und wie konnte er von der Tätowierung wissen?
Das Handy vor ihr auf dem gläsernen Couchtisch leuchtete auf und vibrierte kurz. Vorsichtig nahm Jana es wieder zur Hand. Sie wagte es nicht, zu atmen, während sie die neue SMS las.
‚Schau ins Adressbuch. Ich meine es ernst! Ruf sie an!‘
Sie tat, was er verlangte, und entdeckte lediglich einen Kontakt mit der Bezeichnung Mutter.
Bebend drückte sie auf den Namen und hielt sich das Handy ans Ohr.
„Hallo?“, meldete sich die Stimme einer Frau. Jana blieb in Schockstarre kerzengerade sitzen und keuchte auf. „Hallo? Wer ist denn da?“
„M … Mama?“
„Jana? Bist du das? Was ist denn los? Wieso rufst du mich mit einer fremden Nummer an?“
„Ja, das ist nicht mein Handy, es ist …“ Es vibrierte laut an ihrem Gesicht. „Ich … also … geht es dir gut?“
„Ja, natürlich geht es mir gut. Sehr sogar. Ich habe gestern Betti am Blumenstand getroffen und sie hat mir erzählt, dass …“
„Du, Mama, ich rufe dich später noch mal an, okay? Gerade habe ich wenig Zeit, aber wir sprechen dann ausführlich.“
„Na schön“, seufzte ihre Mutter am anderen Ende der Leitung. „Aber dieses Mal wirklich.“
Zwei Küsse wie an jedem Telefonatende. Jana erwiderte sie. Sie war den Tränen nahe. Daraufhin schaute sie nach, was ihr der Verrückte mitteilen wollte.
‚Kein Wort zu ihr! Sonst ist sie schon jetzt tot!‘
Schon jetzt? Was meinte er damit? Jana fasste ihren Mut zusammen und antwortete ebenfalls per Textnachricht.
‚Wer bist du? Wieso quälst du mich? Und was hat meine Mutter damit zu tun?‘
Die Nummer des Absenders war Jana unbekannt. Eventuell könnte sie ihn orten lassen, aber sie bezweifelte, dass er so einfallslos war, ihnen in die Falle zu gehen. Zudem durfte sie nicht zur Polizei. Aber sie hatte einen alten Bekannten, der ihr früher bei ein paar kniffligen Fällen geholfen hatte. Jana schnappte sich ihr eigenes Handy, während sie auf Antwort wartete, und schrieb Felix Ullrich an, einen Computerspezialisten. Sie kannte seine Arbeitsweise gut genug. Er tat für Geld alles und ihn interessierten die Hintergründe wenig. Bei ihm waren die Bilder gut aufgehoben, denn er würde keinen Vorteil daraus ziehen. Sie speicherte die Dateien zunächst auf ihrem eigenen Handy, danach sendete sie ihm alles zu. Es dauerte nicht lange, da erhielt sie auf beiden Telefonen jeweils eine Nachricht.
‚Kann ich mir mal anschauen. Kriegst spätestens in zwei Stunden Bescheid, ob das Fälschungen sind. Ich hab da meine eigenen Möglichkeiten. Bist mir dafür aber ein Abendessen schuldig. Bye.‘
Die andere war weniger beruhigend.
‚Deine Mutter ist der Grund für dein Ende! Du wirst alles verlieren, wenn du nicht gehorchst! Kommen wir also zu Aufgabe 1: Klau dem Baby aus der Wohnung unter dir den Schnuller. Und beeil dich, sonst sind sie weg …‘
Tatsächlich vernahm Jana das gewohnte Klappern der Schlüssel im Treppenhaus. Sie war unschlüssig. Sollte sie sich auf das kranke Spiel eines Psychopathen einlassen? Sie musste! Aber was würde er noch alles fordern?
Sie schlich aus der Wohnung und warf einen Blick die Treppe hinunter. Familie Thomas verließ ihr Heim wie jeden Tag zur selben Zeit mit den beiden Kleinen. Ihre zweite Tochter lag bereits in einem vor Decken aufgebauschten Kinderwagen, die ältere hing an der Hand ihrer Mutter und alberte herum. Als die Eltern unaufmerksam waren und mit der sperrigen Haustür kämpften, gab sie sich einen Ruck, schlurfte wie selbstverständlich die Stufen hinab und zum Briefkasten herüber. Jana tat, als wolle sie über dem Wagen ihren Posteingang prüfen. Sie grüßten einander freundlich.
„Die ist ja echt süß, die Kleine“, meinte die Anwältin gespielt angetan und beugte sich leicht über das Kind.
„Ist gestern genau ein Jahr alt geworden. Und schreit regelmäßig das ganze Haus zusammen. Dann würden Sie sie nicht mehr so niedlich finden“, lachte der Vater müde und wandte sich an seine Frau, die ebenfalls abgelenkt wurde, als ihre größere Tochter nach draußen und Richtung Straße rannte.
Janas Herz pochte bis zum Hals. Sie konnte nicht fassen, auf welche Stufe sie sich herabließ, als sie hastig neben dem Kopf der Kleinen nach dem Schnuller spürte. Sie konnte ihn erst nach endlos wirkenden Sekunden finden und steckte das vor Sabber triefende Etwas schnell in den hinteren Hosenbund. Die großen blauen Augen musterten sie argwöhnisch, aber sie schrie zum Glück nicht los. Kurz darauf waren sie fort und Jana atmete erschöpft auf. Sie ließ sich stöhnend gegen die kalte Steinwand fallen und schniefte.
Das Handy meldete sich. Vor lauter frischen Tränen erkannte sie die Nachricht kaum und wischte sich über die nassen Augen und Wangen. Sie musste sich zusammenreißen. Was hätte sie jetzt für eine der vielen Pillen aus ihrer Wohnung getan, um sich im Anschluss ins Bett zu legen und den Tag einfach zu verschlafen!
‚Braves Mädchen. Nun zu Aufgabe 2: Stopf den soeben gestohlenen Schnuller einem Hund ins Maul. Vor den Augen seines Herrchens.‘
‚Wie viele Aufgaben gibt es, bis du mich endlich in Ruhe lässt? Willst du Geld?‘
‚Geld ist so viel weniger wert als Freiheit!‘, entgegnete er geheimnisvoll.
Also etwas Persönliches. So viel stand fest.
‚Was hat meine Mutter getan, dass ich jetzt darunter leiden muss?‘, wollte sie unbedingt wissen, als sie sich an seine vorherigen Worte erinnerte.
‚Du lebst ein Leben, das nicht dir gehört.‘
‚Was willst du von ihr? Was hat sie dir getan?‘
Eine längere Pause, dann überraschenderweise eine MMS. Jana öffnete den Bildanhang darin. Ein extra abfotografiertes altes Foto, vergilbt und teilweise brüchig, präsentierte sich ihr. Zwei Säuglinge waren darauf zu sehen, die seelenruhig in einem Babybettchen nebeneinander schliefen. Sie waren etwa im selben Alter.
‚Sind das deine Kinder?‘, hakte Jana nach.
‚Sie sind nicht mehr da.‘
‚Das tut mir leid, aber was habe ich damit zu tun? Gehörst du zum Fall Steinermann? Das war ein riesiger Fehler von mir. Ich hätte ihn ablehnen sollen, aber ich wollte meinen Beruf ausüben wie sonst auch. Ich kann nichts dafür!‘
‚Du kapierst nichts, du dumme Schlampe!‘
Jana erschrak. Sie hatte ihn wütend gemacht. Sehr wütend. Nicht, dass er ihrer einzigen verbliebenen Verwandten noch etwas antat. Oder ihr. Janas Vater hatte die kleine Familie früh verlassen und war vorheriges Jahr verstorben. Die beiden hatten keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt, seit Jana zwei Jahre alt war. Sie kannte ihn lediglich von Bildern und Erzählungen ihrer Mutter, die sich bei diesem Thema äußerst bedeckt hielt. Dann kam überraschenderweise die Todesmitteilung. Sie waren auf Wunsch ihrer Mutter nicht zur Beerdigung gegangen. Ihr blieb also niemand mehr außer ihr.
Und Tobias.
Der Gedanke blitzte wie ein Feuerball in ihrem Gehirn auf. Der ehemalige Polizist und inzwischen Privatdetektiv lebte nicht weit von ihrer Wohnung und war vielleicht ihre letzte verbliebene Hoffnung. Immerhin arbeitete er weder fürs Gericht noch für die Polizei. Zumindest nicht mehr. Aber würde er sie überhaupt empfangen? Und dann noch mit so einer aberwitzigen Geschichte, die sich sogar für sie selbst komplett verrückt anhörte? Würde der Erpresser etwas davon mitbekommen? Anscheinend beobachtete er sie immer und ließ sie kaum aus den Augen.
Jana hatte keine andere Möglichkeit als diese. Vielleicht käme sie so auch um Aufgabe 2 herum, wenn sie sich direkt auf den Weg machte. Als hätte der Unbekannte ihre Gedanken gehört, meldete sich das fremde Handy erneut.
‚Du hast noch genau zehn Minuten zur Erfüllung deiner Aufgabe! Wenn du es nicht rechtzeitig schaffst, ist sie tot!‘ 
Dann folgte ein aktuelles Foto ihrer Mutter beim Einkaufen. Jana wusste, dass sie immer um diese Zeit dort war. Auch der Tag stimmte. Vielleicht ja eine alte Aufnahme. Doch er sendete ihr mehr als das und das Folgende war umso beängstigender. Der Eingang einer Videodatei blinkte auf. Jana öffnete sie und betrachtete die Szene angespannt. Ein metallischer Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus.
Auf dem Video war ihre Mutter in derselben Kleidung, also am selben Tag wie auf dem Foto, zu erkennen. Nur, dass sie hier einen Anruf entgegennahm. Ihr Beobachter filmte sie heimlich und unauffällig aus einer der vorderen Regalreihen heraus.
„Hallo? … Hallo? Wer ist denn da? … Jana? Bist du das? Was ist denn los? …“
Dann stoppte die Aufnahme. Sie war also hochaktuell. Aber wie konnte der Erpresser gleichzeitig sie und ihre Mutter beobachten? Sie wohnten nicht gerade um die Ecke voneinander. Janas Magen sackte herab und sie begann zu würgen.
Ein Albtraum! Wo bin ich hier nur hingeraten? 
Hektisch fummelte sie ihr eigenes Handy aus der Tasche und schrieb Tobias eine Chatnachricht. Es war so lange her, dass sie miteinander gesprochen hatten. Seit ihrem Aus damals war etwas zwischen den beiden zerbrochen.
‚Ich brauche deine Hilfe! Bitte hör mir erst zu, bevor du es löschst, okay?‘
‚Schieß los. Ich muss gleich los zur Arbeit.‘ 
Eine prompte Antwort, aber keine Smileys, ausschließlich Fakten. Allerdings überhaupt eine Reaktion von ihrem ehemaligen Geliebten. Immerhin. Das war mehr, als sie erwartet hatte.
Jana umriss ihr Problem mit kurzen Sätzen und sendete ihm ohne Umschweife alle Bilder und das Video zu. Es dauerte eine Weile, bis er sie anrief.
„Die sieht ja aus wie du“, begann er direkt, als sie abhob.
„Ja, damit will man mich erpressen. Ich soll den Schnuller jetzt einem Hund vor den Augen des Herrchens ins Maul stecken. Kannst du dir das vorstellen? Man wird mich für eine Verrückte halten!“
Und sie hatte keine Zeit mehr, denn ihre Frist war so gut wie abgelaufen. Jana musste sich beeilen. Sie rannte mit dem Handy am Ohr nach draußen und drehte sich einmal um die eigene Achse, auf der Suche nach einem Lebenszeichen. Die Sonne schien mittlerweile und die kühle Frühlingsluft lockte zahlreiche Menschen an den See. Sie entdeckte einen alten Mann mit einem Dackel. Beide trotteten gemächlich in ihre Richtung.
„Warte kurz“, meinte sie zu Tobias und hetzte hinüber zu dem kleinen wurstförmigen Hund.
Der Alte beäugte sie mit Unbehagen in den glasigen Augen und zog seine Leine mit einem Ruck zurück, so dass sein Haustier ebenfalls stoppte.
„Es tut mir leid, aber ich muss das hier tun. Ihm passiert nichts“, versprach sie.
Ehe er sich‘s versah, drückte sie den Schnuller auf den Mund des Tieres.
„Hey! Was soll das? Sie spinnen ja wohl! Lassen sie meinen Gary in Frieden! Das ist Tierquälerei!“
Der Hund spielte sowieso nicht mit und begann sofort, nach Janas Hand zu schnappen. Das sollte genügen. Ihr guter Wille war schließlich da gewesen.
„Es tut mir so leid! Bitte verzeihen Sie mir! Es kommt nicht wieder vor!“
„Verschwinden Sie, ehe ich die Polizei rufe! Sie sind ja irre!“
Jana lief davon. Etwas Peinlicheres hatte sie noch nie getan. Ihr war elend zumute. Er meldete sich wieder, während sie am anderen Ende des Sees zu Atem kam.
‚Sehr schön! Das hat doch fast tadellos funktioniert. Du kriegst wohl langsam Übung darin. Aufgabe 3 ist wieder viel einfacher. Dafür begibst du dich zum Polizeirevier 12 in deiner Nähe. Und keine Spielchen!‘
„Bist du noch dran?“ , fragte sie in den Hörer.
Anscheinend hatte der Erpresser noch nichts von ihrem Anruf bei Tobias bemerkt. Oder er duldete ihn aus unerfindlichen Gründen.
„Ja, hast du es wirklich getan? Das mit dem Hund?“
„Ich musste. Das war so unglaublich schlimm, sage ich dir.“
„Wer steckt dahinter? Und wird deine Mutter tatsächlich bedroht? Klingt für mich ansonsten nämlich nach einem schlechten Scherz. Bist das wirklich nicht du auf den Fotos?“
„Ganz sicher nicht. Er will jetzt, dass ich zum Revier laufe. Felix, du müsstest ihn noch kennen, überprüft die Bilder aktuell auf Anzeichen einer Fälschung. Könntest du vielleicht Mama irgendwie in Sicherheit bringen? Ich weiß, dass das zu viel verlangt ist. Immerhin sind wir nicht mehr … na ja … und mein Abgang war …“
„… herzzerfetzend?“, half er aus. Dennoch hörte sie ein Schmunzeln in seiner Stimme. „Natürlich helfe ich euch. Schickst du mir ihre Adresse noch mal zu? Dann bringe ich sie zur Polizei und da kümmern sich die Beamten rund um die Uhr um sie. Man kennt mich dort auch noch von früher und vertraut mir. Mach dir keine Sorgen.“
„Warte, was willst du ihnen sagen? Wenn sie den Grund wissen möchten, bekommen sie das Filmchen und die schlimmen Bilder in ihre Hände. Dann wird der Dackel mit dem Schnuller mein geringstes Problem sein.“
„Ich kann sie auch fürs Erste zu mir mitnehmen. Ich melde mich heute krank und bleibe ohne Pause bei ihr. Um den Polizeibesuch kommst du aber nicht herum. Irgendwann wirst du reden müssen, wenn du nicht dein Leben lang vor einem Verbrecher davonlaufen willst. Du bist nun mal erpressbar, selbst wenn das nicht du bist. Die Stadt wird es aber glauben.“
Tobias hatte recht. Doch primär musste sie den Grund für all das herausfinden.
„Mir schwant Böses. Ich frage mich, wieso er mich ausgerechnet dorthin schickt.“
„Das wirst du nur vor Ort herausfinden, solange er nichts Präzises von sich gibt.“
„Viel Glück, Tobi“, wünschte sie und bedankte sich. Er war ein wundervoller Mann. Noch immer. „Melde dich bitte, sobald es etwas Neues gibt. Und erzähl ihr nichts davon. Denk dir irgendwas aus. Wenn sie es erfährt, will er sie töten, hat er behauptet.“
„Weswegen? Was hat sie ihm getan? Oder geht es um dich?“
„Das weiß ich nicht genau. Aber ich finde es heraus. Und wenn es das Letzte ist, was ich tue.“
Jana war schweißgebadet. Sie hatte das Gefühl, dass alle sie anstarrten, als sie mit vorsichtigen Schritten auf das hohe Gebäude zuging. Davor erhob sich eine helle Treppe bis zum Haupteingang.
‚Siehst du den kleinen fetten Kerl in Uniform? Greif ihn an! Du musst ihn einmal im Gesicht erwischen, dann hast du die Aufgabe erfüllt‘, hatte ihr der Fremde soeben mitgeteilt.
‚Warum tust du mir das an? Wer bist du?‘
‚Ich bin dein größter Albtraum, Jana Kletzke!‘
Jana hatte gestutzt und ihre Stirn verwundert in Falten gelegt.
‚Mein Name ist Fassberg.‘
Zur Antwort war ein schlichtes Nein erschienen.
Es reichte ihr. Er überspannte den Bogen gewaltig. Sie war nicht in der Verfassung und auch nicht in der Laune, einen Polizisten vor den Augen aller anderen oder überhaupt niederzustrecken. Warum zwang er sie zu diesen grotesken seltsamen Aufgaben? Hatte er Spaß daran, sie so zu sehen?
‚Ich werde es nicht machen‘, verkündete sie ihm. ‚Das ist gewalttätig. Ich bin keine Schlägerin.‘
Stattdessen wollte sie dem Herrn am unteren Ende der Treppe alles erzählen. Sie konnte nicht mehr so weitermachen. Es ging einfach nicht, denn ihre persönliche Hölle schien keinen Abschluss zu finden. Jana bewegte sich vorsichtig auf den Beamten zu. Er füllte die Uniform tatsächlich voll aus. Sie schien sogar etwas zu eng zu sitzen.
„Kann ich Ihnen helfen?“, erfragte er freundlich lächelnd.
Die SMS riss Jana aus ihrem Vorhaben. Sie konnte nicht anders, als nachzuschauen.
‚Wage es ja nicht! Sonst ist dein Leben vorbei, aber zuerst das deiner Mutter! Ich zerstöre alles, was dir lieb ist! Auch Tobias! Oder dachtest du, ich weiß nichts von euren kleinen Absprachen hinter meinem Rücken? Gefährlich und dumm war das, Jana Kletzke! Jetzt hast du einen Unschuldigen mit in das Spiel gebracht!‘
Wieso zum Teufel nannte er sie so? Das musste einen guten Grund haben.
‚Noch mal: Ich heiße Fassberg! Wer ist Jana Kletzke? Du verwechselst mich!‘
‚Wer bin ich? Wer bist du? Oder bin ich du und du bist ich?‘, wiederholte er wie vor ein paar Stunden.
Jana hätte um diese Zeit längst im Büro sein müssen, aber es gab gegenwärtig Wichtigeres zu tun.
‚Was habe ich dir getan? Was willst du eigentlich genau?‘‘
Der Beamte hatte sich kopfschüttelnd abgewandt, als er bemerkte, dass sie sich nicht mehr auf ihn, sondern auf ihr Handy konzentrierte.
‚Ich will Rache für euer dunkles Geheimnis!‘
Welches Geheimnis? Meinte er die gefälschten Fotografien? Wollte sich Felix nicht längst bei ihr diesbezüglich melden? Sie rief ihn an, doch niemand meldete sich. Dann probierte sie aus einer unbändigen Wut heraus, ihren Erpresser zu erreichen. Das Freizeichen brach nach zwei tutenden Geräuschen ab, als habe man sie weggedrückt.
‚Wenn du Rache willst, muss ich wenigstens verstehen können, um was es hier geht. Sonst ist deine Rache umsonst.‘
Janas Konter saß.
‚Das wirst du noch. Je mehr Aufgaben du erfüllst, desto mehr erfährst du. Die erste Belohnung war das Bild, die zweite der Name.‘
Er meinte das Foto der beiden Kinder. Wer waren die zwei? Seine Verwandten? Erneut betrachtete Jana es eingehend. Sie tippte auf Geschwister, höchstens ein Jahr auseinander, vielleicht auch Zwillinge. Das konnte man in diesem Alter und bei der Qualität des Bildmaterials nicht exakt bestimmen.
Sie erhielt augenblicklich eine weitere MMS. Jana glaubte, sie bräche zusammen. Ihre Beine wackelten und hielten ihrem Gewicht kaum noch stand.
‚Tu es, sonst tu ich es!‘, schrieb ihr der Verbrecher.
Auf dem Foto waren ihre Mutter und Tobias zu sehen, die beide gefesselt und mit zugeklebten Mündern ängstlich in die Kamera blickten. In seinen Augen las sie Panik, in ihren blankes Entsetzen. Sie starrte ihn an, als könne er ihr zu Hilfe eilen, aber auch Tobias war der Gefangene eines Besessenen. Sie befanden sich in seiner Wohnung, wie Jana erkannte. Sie erinnerte sich an die Details darin, die sich seit all den Jahren nicht verändert hatten.
Janas Herz setzte beinahe aus, glaubte sie. Ein klägliches Jaulen drang aus ihrer Kehle. Sie rang um Atem und sackte erschöpft zu Boden. Der adipöse Polizist beugte sich zu ihr hinab und fragte, was los sei und ob er ihr helfen könne. Dann war es, als habe man in Janas Kopf einen Schalter umgelegt. Sie sah ihm direkt in die Augen und schlug ohne Vorwarnung zu. Es war mehr eine Ohrfeige als ein wirklicher Schlag mit der Faust, aber sie traf ihn dennoch voll im Gesicht. Irritiert taumelte er zurück. Diese Sekunden nutzte sie und rannte davon. Lautes Schimpfen drang an ihr Ohr, das immer leiser wurde. Bisher folgte man ihr nicht.
Erst zwei oder drei Blocks weiter stoppte sie im Schatten eines Baumes und hielt sich ihre stechende Seite. Das war zu viel Sport für einen Tag. Als sie wusste, dass ihr niemand mehr Beachtung schenkte, lief sie schnurstracks zur U-Bahn, löste ein Ticket und fuhr Richtung Innenstadt, ehe ihr der Erpresser eine weitere Aufgabe stellte. Sie musste unbedingt Felix sehen und mit ihm über die Fotos sprechen. Jana konnte ihn auch auf dem Hinweg nicht erreichen. Er schien voll und ganz in seine Arbeit vertieft zu sein.
Endlich stand sie vor dem Elektronikgeschäft, das er führte. Im Schaufenster liefen verschiedene Sender auf den Fernsehern, darunter ein paar Naturdokumentationen und Nachrichtensendungen. Jana versteinerte, als sie ihr Gesicht auf einem der Monitore entdeckte. Man suchte sie, da sie von den Überwachungskameras dabei gefilmt worden war, einen Polizeibeamten grundlos niedergestreckt zu haben. Die Anwältin verschwand eilig im Laden, als ihr Fußgänger entgegenkamen.
Endlich wurde der Straßenlärm ausgeblendet und sie atmete keuchend auf. Das konnte doch alles nicht wahr sein!
„Felix, bist du da? Ich bin’s, Jana Fassberg!“, rief sie um die gläserne Theke herum in die hinteren Räume. „Jemand da?“
Sie hatte keine Zeit, wusste sie. Also sah sie sich kurz um, kontrollierte, dass auch wirklich kein Kunde zugegen war, und verließ den Verkaufsraum in den privaten Bereich des Mannes. Es gab eine kleine schäbige Küche mit milchigen Fensterscheiben, daneben ein winziges dunkles Studio für die Fotoentwicklung. Der letzte Raum müsste demnach die Toilette sein.
„Bist du hier drin?“, erfragte Jana und machte einige vorsichtige Schritte in das schwarz gehaltene Zimmer hinein, das nach Chemikalien roch.
Sie keuchte vor Schreck auf, als sie über etwas Großes am Boden stolperte, konnte ihren Sturz jedoch abfangen. Ihre Hand schmerzte, nachdem sie hart gegen einen Tisch oder etwas Ähnliches gestoßen war. Jans Herz pochte wie wild, als sie ihr Handy zur Hand nahm und die Taschenlampenfunktion gebrauchte. Im Schein erkannte sie den erschreckenden Grund für ihren Beinaheunfall.
„F … Felix?“, hauchte sie geschockt.
Sie ließ sich zu seinem leblosen Körper am Boden nieder und tastete nach Kopf und Hals des Mannes. Dann schrak sie so schnell zurück, dass sie erneut gegen den Tisch knallte und etwas davon zu Boden fiel und zerbarst.
Felix war tot! Er starrte sie aus leeren aufgerissenen Augen an, die Lippen leicht geöffnet. Ein rotes Rinnsal floss noch immer aus seinem Mundwinkel und am Kinn hinab. Jemand hatte ihn brutal in der Kammer erschlagen. Janas Hände klebten ebenfalls vor Blut, das von einer Wunde an seinem Hinterkopf herstammte. Der Verrückte meinte es also wirklich ernst mit seinen Drohungen!
Nein, nein, nein, nein, dachte sie panisch und heulte auf.
Schlagartig verstummte sie, als sie Stimmen im vorderen Teil des Ladens vernahm. Kundschaft. Es gab kein Entrinnen. Zu allem Unglück erreichte sie eine SMS ihres Erpressers.
‚Nimm die Vordertür, und zwar jetzt (!), wenn du nicht willst, dass deine Mutter genauso endet wie er!‘
‚Du bist ein Mörder! Du Schwein! Ich hasse dich! Was haben wir dir getan???‘, schmetterte sie ihm in Textform entgegen.
‚Du lebst mein Leben! Es wird Zeit, dass ich es mir zurückhole!‘
‚Wieso DEIN Leben? Ich habe nur mein eigenes! Und warum siehst du so aus wie ich?‘
‚Weil wir uns näher stehen, als du denkst. Beeil dich, Jana, deine Zeit läuft in einer Minute ab!‘
Also schrieb sie mit einer Frau. Mit dieser Frau. Sie überlegte angespannt, während sie mit fassungslosem Blick auf den armen Felix hinabsah. Jana schritt hin und her, ganz in der Hoffnung, die Kunden mochten doch endlich verschwinden und sie alleine lassen. Den Gefallen taten sie ihr aber nicht. Sie hatte noch 30 Sekunden, bis sie den Laden verlassen musste. Da fiel ihr Blick auf einen handbeschriebenen Zettel mit ihrem Namen darauf, der zwischen Tür und Angel auf dem Boden lag. Felix hatte sich Notizen zu ihrem Fall gemacht. Daraus ging eindeutig hervor, dass er herausgefunden hatte, die Bilder wären tatsächlich echt. Keine Fälschung, kein doppelter Boden.
Wie kann das sein? Das ist unmöglich!
Oder war es gar nicht so abwegig? Es sollte schließlich mehrere Doppelgänger auf dieser Welt geben, wie sie mal aufgeschnappt hatte. Sieben Stück von jedem! Vielleicht war eine Frau auf die glorreiche Idee gekommen, Janas Leben zu zerstören, um es anschließend zu übernehmen. Sie war schlicht und ergreifend an eine Besessene geraten, eine Art Stalkerin. Jana ließ das Display aufleuchten. Keine neue Nachricht, aber ihre Frist war in zehn Sekunden um. Sie wischte sich die blutigen Hände an einem Handtuch ab, warf es zurück ins Waschbecken und wartete keinen Moment länger. Die drei älteren Damen schauten ihr interessiert und verwundert nach, als sie zur Tür hinausrannte, mitten hinein in eine weitere Gruppe von Touristen. Ein Aufschrei erklang, als einer davon ihre ebenfalls blutige, schmutzige Kleidung entdeckte. Jana hetzte weiter.
Nur weg hier!
Im Park um die Ecke fand sie einen alten Hoodie im Mülleimer, den sie sich überstreifte. Ekel fühlte sie inzwischen keinen mehr, egal wem das muffige Kleidungsstück einst gehörte. Mit der Kapuze über dem Kopf würde sie niemand so schnell erkennen. Aber zurück in ihre Wohnung konnte sie nicht, solange man nach ihr fahndete. Sicher hatten die Beamten längst das gesamte Wohnhaus abgeriegelt.
Jana hörte das Knacken von Ästen hinter sich zu spät. Als sie sich umwandte, fühlte sie nur noch einen stechenden Schmerz im Hals und sofort wurde ihr übel. Ihre Sicht verschwamm und sie fiel zu Boden. Den Aufprall bekam sie nicht mehr mit. Sie glaubte, ihr eigenes Spiegelbild zuletzt gesehen zu haben, aber es war sofort zu einer breiigen Masse aus Farben und Formen zerflossen.
Das berichtete sie auch den Ermittlern, die sie nun seit zwei oder drei Stunden nonstop befragten. Natürlich glaubte ihr niemand.
Man hatte sie nach dem anonymen Tipp eines Mannes im Park liegend aufgegriffen und verhaftet. Ihre Brieftasche sowie beide Handys fehlten. Offenbar hatte jemand Janas Situation schamlos ausgenutzt.
„Ich habe Ihnen doch gerade die ganze Geschichte erzählt!“, rief sie kläglich leiernd. „Wie oft denn noch? Ich werde erpresst, meine Mutter und mein Ex werden bedroht, ich kann Ihnen alle Details meines Lebens nennen. Also bitte glauben Sie mir doch endlich! Ich muss sofort hier raus, sonst denkt sie, ich habe sie verraten, was ja auch irgendwie stimmt! Bitte lassen Sie mich gehen! Die nächste Aufgabe wartet bestimmt schon auf mich!“
„Immer mit der Ruhe. Sie gehen nirgendwohin. Sie stehen unter Mordverdacht, werden zudem für den tätlichen Angriff auf einen Polizeibeamten verantwortlich gemacht und haben sich darüber hinaus in eine vollkommen wirre Geschichte verwickelt, die Sie uns selbst erzählten.“
„M … Mord? Ich habe nichts damit zu tun!“
„Wirklich?“ Der sture Beamte warf einen Blick in die Schriftstücke vor sich auf dem Tisch. „Wir haben aber Ihre Fingerabdrücke im Atelier von Herrn Ullrich gefunden, zudem Ihre DNA zusammen mit seinem Blut an einem Handtuch, das Sie dagelassen haben. Wie erklären Sie das?“
„Ich wollte ihm helfen!“
„Und danach sind Sie geflohen? Statt einen Arzt oder die Polizei zu rufen?“
„Ich konnte doch nicht!“, heulte Jana und verbarg ihr Gesicht in beiden Händen. „Sie hat mich erpresst!“
„Wenn es diese Dame wirklich geben sollte, wie kann sie dann an mehreren Orten gleichzeitig gewesen sein? Ihre Geschichte ist nicht schlüssig und Sie widersprechen sich ständig.“ Er machte eine kurze prägnante Pause, ehe er fortfuhr: „Wir haben eine große Menge an Medikamenten in Ihrer Tasche gefunden, darunter Psychopharmaka. Zudem können Sie sich nicht ausweisen, Ihre Handydaten sind nicht auffindbar, das Handy von Herrn Ullrich ist absolut leer von Ihren angeblichen Nachrichten an ihn.“
„Dann prüft es doch endlich mal genauer! Ihr könnt so was, weiß ich!“
„Schreien Sie mich nicht an, den Ton gewöhnen Sie sich direkt wieder ab!“, schnauzte er sie an und Jana verstummte. „Ich bin Jana Miriam Fassberg, geboren …“
„Das sagten Sie bereits. Dennoch können Sie es nicht beweisen und … tja …“ Er druckste herum. „Es gibt da ein Problem für Sie. Die echte Jana Fassberg hat sich vor zehn Minuten auf dem Revier gemeldet und möchte Sie sehen. Sie können Ihre Charade also aufgeben und endlich Klartext reden.“
Die echte Jana? Wollt ihr mich verarschen?
Kurze Zeit später verschwand der Beamte Richtung Tür und blieb dort als Bewacher stehen, während sich eine Fremde zu Jana in den Verhörraum gesellte. Sie setzte sich ihr direkt gegenüber.
Jana starrte in ihr eigenes Gesicht samt Muttermal auf der Wange. Es war erschreckend.
„Guten Abend“, sagte sie ruhig. Sogar ihre Stimmen ähnelten sich stark.
„Das ist unmöglich“, hauchte Jana und wollte sie am liebsten ungläubig berühren, bevor sie die Andere geohrfeigt und zu Boden geschleudert hätte. „Du bist nicht ich! Das glaube ich nicht!“
„Bist du dir da sicher?“ Die Unbekannte, die ihr so stark ähnelte, aber in einem viel besseren Zustand als Jana zu sein schien, winkte den Polizisten heran. „Wäre es möglich, dass ich mich kurz mit ihr alleine unterhalte? Vielleicht spricht sie ja wenigstens mit mir. Sie wissen, dass ich Erfahrung habe.“
Er kämpfte mit sich selbst.
„Nur zehn Minuten, nicht länger. Mein Boss killt mich sonst.“
„Sie sind ein Schatz.“
„Ruhig Blut, Frau Fassberg. Wir haben immer noch eine Rechnung offen wegen Erich Steinermann. Sie wissen ja, was hier gerade wieder los ist. Ihr Fall schlägt hohe Wellen.“
„Ich weiß. Danke, ich stehe in Ihrer Schuld, Knut.“
Sie kennt seinen Namen. Woher?
Er verließ das Zimmer.
„Sie hören uns nicht ab, sie tun nur so“, begann Janas Gegenüber selbstsicher. „Dazu fehlt es Ihnen aktuell an nötigem Kleingeld und Personal.“
„Wer bist du und wieso tust du mir das an? Darf ich jetzt endlich so direkt fragen und bekomme eine Antwort? Und warum zum Teufel siehst du aus wie ich? Was hast du mit Tobias und meiner Mutter gemacht? Geht es ihnen gut? Ich habe alles getan, was du verlangt hast.“
„Bravo. Und genau deshalb leben die beiden auch noch. Obwohl ich ihr am liebsten ihr dreckiges Lügenmaul gestopft hätte. Aber eins nach dem anderen.“
Sie sprach sonor und ohne jegliche Aufregung. Diesen Auftritt hatte sie lange geprobt, erahnte Jana. Sie besah sich nach wie vor jede einzelne Bewegung der Fremden. Jene hatte die Anwältin bis ins kleinste Detail kopiert. Ihr bekannter Fingerzeig wie vor Gericht, der Augenaufschlag, sogar wie sie die Beine übereinanderschlug. Es passte einfach alles. Sie trug außerdem ein ordentliches und perfekt passendes Kostüm, welches Jana sonst nur bei der Arbeit kleidete. Ihre Haare waren zu einer adretten Frisur nach oben gesteckt.
„Mein Name ist Melina Kletzke. Mein Vater ist dein Vater und deine Mutter ist meine Mutter. Wir sind Geschwister, nur ein paar Minuten auseinander. Sie nahm nach der Trennung ihren Mädchennamen wieder an.“
„Das Kinderbild“, flüsterte Jana. „Du … du bist meine Zwillingsschwester. Das sind wir!“
„Richtig. Im Gegensatz zu dir wusste ich es aber noch und sprach ihn irgendwann darauf an. Ich hatte immer gespürt, dass etwas fehlte. Als wäre ein Teil von mir verloren gegangen. Hast du das nie gefühlt?“
„Nein, um ehrlich zu sein. Aber wieso diese Rache? Was kann ich denn dafür?“
„Ich hatte kein schönes Leben, während du Karriere machen konntest. Mein Vater und ich hausten in einer winzigen Wohnung, nachdem er seine Arbeit verloren hat. Ich konnte uns nur mit ein paar Jobs über Wasser halten, von denen du deine feinen Finger lassen würdest. Das wäre nichts für die kleine Jana, meine ach so tolle Schwester. Wäre ich die jüngere von uns gewesen, hätte Mama sicher mich statt dir behalten und dich zu ihrem Trunkenbold von Exmann geschickt. Sie hat mich da einfach vegetieren lassen und für immer vergessen. Deshalb gehört sie bestraft. Sie hatte nicht mal den Anstand, zu seiner Beerdigung zu erscheinen. Wollte dir wahrscheinlich nicht die Wahrheit erzählen. Und du selbst kannst dich auch nicht an mich erinnern. Deine eigene Schwester wird von allen ignoriert. Ich sagte ja schon, dass es die beiden Kinder von damals nicht mehr gibt. Sie sind nicht mehr da. Dein Leben hätte meines sein sollen, Jana. Ich bin ab jetzt du. Und daran wirst du nichts mehr ändern. Darauf bereite ich mich seit langer Zeit vor. Ich habe alles von dir übernommen: deine Eigenschaften, die Art zu sprechen, dein Aussehen, alle wichtigsten Paragraphen auswendig gelernt, deine Fälle studiert und habe Sport getrieben, wenn du es getan hast.“
„Du … du bist doch krank. Wir können nicht genau gleich sein.“
„Ach ja? Ich habe mir mein Muttermal operativ anpassen lassen, damit es exakt wie deines aussieht, und meine Zähne leicht verändert. Jetzt würde niemand mehr den Unterschied erkennen, so ähnlich sind wir uns von vorneherein. Wir waren uns sowieso immer extrem nah. Ich habe dich seit Jahren beobachtet und mir deinen Tagesablauf, deine Arbeitsweise, die Gerichtsfälle und all deine Hobbys angeeignet. Da du keine Freunde hast, war es ein Leichtes für mich. Ich habe eben Talent, von dem niemand wusste. Gefördert haben sie mich höchstens in Pornofilmen. Tja, die hast wohl nun du in Wahrheit gedreht und nicht ich. Du Nachahmerin.“
Sie kicherte gehässig.
„Lügnerin!“, schrie Jana fassungslos. Sie sprang vom Stuhl auf und wollte ihrer Peinigerin den Hals umdrehen. Verhindert wurde dies durch die Handschellen zu beiden Seiten, die sie zurück in den am Boden befestigten Stuhl zogen. Man hatte sie Jana wegen ihres Übergriffs auf den Polizeibeamten sowie ihrer tätlichen Anfälle, während man sie abführte, angelegt. Zur Sicherheit der Mitarbeiter, hatte es geheißen. Als wäre sie ein wildes Tier. Melina zuckte während ihres kläglichen Angriffsversuchs nicht einmal zusammen. „Woher hast du das Geld für all diese OPs? Angeblich warst du ja so arm.“
„Man braucht lediglich Kontakte in dunkleren Kreisen, meine Liebe. Wenn du noch mal so herumschreist, bekommst du nicht alle Antworten, die du dir wünschst. Also frag ruhig, solange ich noch hier bin. Danach wanderst du nämlich in eine Zelle und ich spaziere als Jana Fassberg hinaus. Dein Portemonnaie mit allen Ausweisen gehört sowieso schon mir. Auch dein Handy, deine von meinem Freund gehackten Passwörter und dein Wohnungsschlüssel. Die einzige Person, die mich nun noch auffliegen lassen könnte, wäre unsere Mutter. Aber bei ihrer wenigen Liebe zu uns wird sie den Unterschied vielleicht nicht mal bemerken.“
„Damit kommst du nicht durch, du Hexe. Wo ist sie?“
„Es geht ihr gut. Noch. Aber sobald ich hier herausspaziere, muss ich das Zeichen geben, denn sie könnte uns sonst zu gefährlich werden.“
„Du hast also Komplizen. Das dachte ich mir.“ Jana war nur noch erschöpft und ließ Schultern und Kopf müde hängen. „Wie sonst hättest du an so vielen Orten gleichzeitig sein können? Mich beobachten, meine Telefonate abhören, Felix ermorden und zugleich Tobias und Mama knebeln.“
„Das ist wahr, bis auf die Sache mit dem Abhören. Ich habe dein Handy nie angezapft. Und er auch nicht. Wir haben nur deinen PC zu Hause und bei der Arbeit gehackt, um an alle Daten und dein Bankkonto zu gelangen. Versuch es also erst gar nicht, Jana. Die Codes sind längst verändert.“
„Wo ist Tobias?“
„Auch er ist wohlauf. So, jetzt wird es aber Zeit.“
Melina erhob sich zu Janas Entsetzen und wollte verschwinden.
„Wo gehst du hin? Du kannst nicht einfach rausspazieren und so tun, als seist du ich!“
„Denk immer daran: Wer bin ich? Wer bist du? Oder bin ich du und du bist ich?“
Sie lachte erneut. Anschließend klopfte Melina einmal gegen die Tür, die sofort geöffnet wurde. Herein trat der Beamte namens Knut. Es folgte ein kurzes unvernehmbares Gespräch zwischen den beiden. Dann ein verführerischer Blick, der ihn irritiert zum Grinsen brachte. Vielleicht hatte sie ihm für seinen Gefallen mehr versprochen, als es Jana selbst je getan hätte. Ihre Schwester verabschiedete sich von ihm und verschwand aus Janas Blickfeld, ohne noch mal zurückzusehen.
„Geh nicht!“, begann sie zu rufen und zerrte wieder an ihrem Stuhl. „Du dreckige Lügnerin! Ich kriege dich und dann ist es das Ende für dich und dein Fakeleben! Ich lasse dich auffliegen und bringe dich vor Gericht!“
„Hören Sie endlich auf, sonst müssen wir Sie wohl oder übel sedieren! Wir finden schon noch heraus, wer Sie sind und was Sie mit dem Mord an Felix Ullrich bezweckt haben! Kommen Sie mit!“
Knut öffnete ihre Handschellen und führte sie ab. Auf dem Weg wehrte Jana sich nach Leibeskräften, aber gegen den starken Mann kam sie nicht an. Sie wurde in eine Zelle mit weichen hellen Wänden geschoben. Die Stille danach ließ Jana beinahe durchdrehen. Sie versuchte, sich zu beruhigen und wieder normal zu atmen. Dann überdachte sie ihre Chancen sowie einen Schlachtplan. In ihrem jetzigen Zustand wollte ihr keine Lösung einfallen. Die einzigen Menschen, die ihr hätten helfen können, waren selbst in größter Gefahr. Sicher hatte Melina sie weiterhin in der Gewalt ihres Freundes gelassen, solange Jana noch nicht verurteilt war. Stundenlang grübelte sie über all die offenen Fragen nach und kam zu keinem Schluss.
„Ich will einen Anwalt!“, rief sie durch die Tür, aber niemand antwortete. Alle hielten sie bloß für eine Verrückte, die nicht weiter beachtet werden musste.
Tobias! Nur du kannst mich jetzt noch hier herausholen! Beeil dich und rette dich selbst! Was haben diese Schweine mit dir gemacht?
Nach einer Weile verlor Jana das Gefühl für Zeit und Raum, während sie den großen dunklen Fleck auf der gegenüberliegenden Seite betrachtete.
Wer bin ich und wer bist du – Müllers Kuh, kicherte sie nach einer weiteren Stunde in Gefangenschaft. Du wirst langsam irre. Und dann haben sie alle recht. Reiß dich zusammen, Jana Fassberg, oder muss ich jetzt Kletzke sagen?
Eine Klappe öffnete sich im unteren Bereich der Tür und ihr wurde endlich etwas zu Essen und zu Trinken in die Zelle geschoben. Janas Magen knurrte wie verrückt. Mit etwas im Bauch ließe sich sowieso besser nachdenken.
Sie hat mich angeblich nicht abgehört? Woher wusste sie dann von Felix? Er war bereits tot, als ich eintraf, es kann also nicht erst dann passiert sein. So langsam vervollständigte sich das verwirrende Puzzle in ihrem Kopf, während sie das ungenießbare Mahl hinunterschlang. Und woher wusste sie von meinem Tattoo? Das sieht man auf keinem meiner Social-Media-Fotos. Nicht mal in meinem Handy hatte ich davon welche gespeichert. Hat sie mich heimlich beim Umziehen in meinem Zimmer gefilmt? Oder auf der Damentoilette der Kanzlei, als ich mich frisch gemacht habe? Diese kranke Stalkerin!
Endlich wurde die Pforte wieder geöffnet und zu Janas großer Überraschung stand plötzlich Tobias vor ihr.
„Ist das real oder bin ich verrückt?“, kam ein ungläubiges und erleichtertes Hauchen über ihre trockenen Lippen. Sie sprang auf und fiel ihm um den Hals. Tränen rannen ihr über beide Wangen, so glücklich war sie. „Dir geht es gut! Ich bin so froh! Ich dachte, diese Verrückte hätte dir etwas angetan! Was ist mit Mama?“
Weder antwortete er, noch erwiderte er ihre herzliche Geste. Enttäuscht und verwirrt betrachtete sie sein ernstes Gesicht. Tobias hatte sich kaum verändert seit ihrer Liaison von vor Jahren, fand sie. Bloß die Haare trug er inzwischen etwas länger.
„Das wissen wir nicht. Sag du es uns doch. Wo hast du sie hingebracht, nachdem du sie entführt hast?“
„Ich habe was?“ Jana wich entgeistert einen Schritt zurück. Dann fügte sich endlich das letzte Puzzleteil ein. „Du … du warst es. Du bist der Komplize.“
Ihre Stimme versagte und sie musste sich räuspern. Janas Augen waren weit aufgerissen vor Schock.
„Ich war was? Ich bin hier, um ein paar Antworten zu finden. Dafür haben mich meine einstigen Kollegen netterweise zu dir gelassen. Wie ist dein wirklicher Name und woher kommst du? Was hast du mit Janas Mutter gemacht?“
Hinter ihm entdeckte sie zwei Beamte, die die Szene neugierig beobachteten und eingreifen würden, sollte das Gespräch aus den Fugen geraten. Janas Magen schlug Purzelbäume und sie übergab sich würgend auf dem Boden zu ihrer Rechten. Das konnte alles nicht wahr sein!
„Du bist ihr Freund, der ihr bei diesem ganzen Scheiß auch noch behilflich ist. Und ausgerechnet an dich habe ich mich in meiner Not gewandt. Ihr wusstet es genau und habt nur mit mir gespielt.“
„Ich weiß nicht, wovon du sprichst.“
„Sie kann nichts von meiner Tätowierung wissen. Aber du hast mich nackt gesehen und mich auch nackt fotografiert damals. Immerhin hatten wir was miteinander. Und du bist der Einzige, der wusste, dass ich Felix geschrieben habe, um ihm Melinas Fotos und das perverse Video zu zeigen, damit er beides prüft.“
„Du hast eine blühende Fantasie, das muss man dir lassen. Wo ist Janas Mutter? Wir haben nicht mehr viel Zeit.“
„Frag doch Melina Kletzke, die muss es ja wissen. Vögelst du sie? Seid ihr vielleicht sogar ein Paar? Hast du das mit ihr zusammen eingefädelt, weil ich damals gemein zu dir war?“ Jana imitierte ein quakendes Baby. „Du armer, armer Kerl. Weinst dich bei ihr aus, um dann von ihr noch viel schlimmer ausgenutzt zu werden. Wie konntest du so tief sinken? Hast meinen Korb nicht überwunden und rächst dich nun so an mir. Armselig ist das. Und für sie bist du sogar zum Mörder geworden.“
Jetzt verstand Jana auch endlich den Blick ihrer geknebelten Mutter auf dem Bild zusammen mit Tobias. Sie hatte ihn nicht panisch angesehen, sondern vielmehr verständnislos. Er musste so getan haben, als sei er ebenfalls gefesselt, um das Foto mit dem Selbstauslöser zu schießen. Während Melina hinter ihrer Schwester her war, um ihr immer grausamere Aufgaben zu stellen, sie zu verfolgen und genau zu beobachten.
„Wer sagt, dass ich zum Mörder geworden bin?“
„Also war sie es? Hat sie das in der Gosse gelernt, wo sie herkommt? Bist du also nicht mal dafür Manns genug?“
Tobias war mit einem Satz bei ihr und presste sie gegen die Wand.
„Du weißt gar nichts. Rede nie wieder in diesem Ton über sie und mich, hast du das verstanden?“, zischte er gefährlich. Jana blieb die Luft weg. Die Beamten befreiten sie und zogen Tobias fort, der sich eine kleine Standpauke anhören durfte. „Du hast genau das bekommen, was du verdienst. Man nimmt sich nicht einfach das Leben eines Anderen. Jana geht es deinetwegen total dreckig.“
„Och, das tut mir aber leid“, erwiderte sie höhnisch. „Dann soll sie sich einfach ein paar von meinen Tabletten in den Rachen werfen, sonst reißt sie ja alles andere auch an sich. Ach nein, die hat sie dummerweise alle heimlich in meiner Tasche verstaut, nachdem sie mich in die Ohnmacht gespritzt hat. Was war das eigentlich für Zeug? Aber ein guter Plan, denn jetzt glauben die Beamten erst recht, dass ich verrückt bin. Und natürlich hast du Felix ermordet, sie hätte es zeitlich gar nicht schaffen können, während sie mir nachstellte.“
Tobias schüttelte bloß noch den Kopf und die drei verließen ihre Zelle wieder. Janas letzte Hoffnung war damit gestorben.
Schlecht für eine Anwältin! Sauschlecht, urteilte sie selbst. Ich habe mich viel zu sehr von Gefühlen leiten lassen. Hätte ihn vielmehr aus der Reserve locken sollen. Er liebt sie und sie benutzt ihn. Zu dumm für mich.
Als die Tür wenig später erneut geöffnet wurde, trat Knut zu ihr in die Zelle, sah sich kurz um und schloss sie hinter sich.
„Was denn? So hoher Besuch? Achtung, hier liegt Erbrochenes, das ich noch nicht entfernen konnte ohne Wischer“, lachte sie schlaff und deutete auf ihre Pfütze, die grässlich riechen musste, aber sie bemerkte den Gestank längst nicht mehr.
Jana saß an die Wand gelehnt auf dem Boden und atmete flach, während Knut auf sie zukam und sich vor sie hinkniete.
„Ich kann Sie ja nicht besonders leiden, Frau Fassberg. Wegen der Sache mit den Kindern und so. Deshalb habe ich das bis hierher auch stur mit angesehen und mich vielleicht sogar daran erfreut. Immerhin bekommen Sie endlich eine Abreibung. Aber eines weiß ich genau: Sie sind keine Frau, die einen Polizeibeamten anflirtet, damit sie ihren Willen bekommt. So kenne ich Sie nicht. Das passt nicht zusammen.“
Jana sah ermutigt auf. Hoffnungsvoll versuchte sie, in seinem Gesicht zu lesen. Er hatte sie bei ihrem Namen genannt. Knut glaubte ihr also.
„Sie … Sie …“
„Ja, ich denke, dass ich Sie erstmal aus dieser Zelle herausbekomme. Ich bin hier, um Sie abzuholen und ins Vernehmungszimmer zu bringen. Außerdem erhalten Sie vorher eine vernünftige Mahlzeit und neue Kleidung. Danach reden wir weiter und Sie schildern mir bitte noch mal in aller Ruhe Ihren Fall. Aber von Anfang an.“
Jana meinte, zusammenzuklappen, als er sie auf die Beine wuchtete. Knut stützte die erschöpfte Frau den gesamten Weg über. Doch innerlich begann sie zu brodeln.
Ich komme, Schwesterherz. Und dieses Mal hält mich niemand auf.
Die beiden wurden im Internet nicht fündig, was Melina Kletzke oder ihren gemeinsamen Vater betraf. Sie hatte gekonnt alle Spuren ihrer Vergangenheit verwischt. Nicht einmal eine Geburtsurkunde schien es zu geben. Diese Frau existierte theoretisch nicht.
Aber das Netz vergisst nie, erinnerte sich Jana an die Worte ihres Zwillings.
Irgendwo musste ein Hinweis schlummern. Und wenn es im Darknet wäre. Polizist Knut Hauser, wie er mit vollem Namen hieß, durchsuchte die polizeilichen Datenbanken und wurde endlich belohnt, was ihren Vater anbelangte. Er lag auf einem Friedhof knapp außerhalb der Stadt begraben. Es war von einer Tochter die Rede, aber ohne einen Namen zu nennen. Von einer zweiten sprach niemand.
„Gibt es Krankenhausakten, Proben Ihres Blutes oder Zahnabdrücke?“
„Ja, in der Tat. Alles davon.“
„Die könnten wir abgleichen lassen und damit wäre der Fall dann endlich klar.“
„Klingt sehr einfach.“
„Sollte es auch sein, aber so schlau diese Frau bisher vorging, bezweifle ich, dass die jeweiligen Akten überhaupt noch existieren.“ Knut erledigte ein paar Telefonate, ehe er resigniert den Kopf schüttelte. „Nichts zu machen. Genau wie gedacht.“
„Und die Daten dazu? Im Computer?“
„Auch weg. Da hat jemand schon vor langer Zeit ganze Arbeit geleistet. Sie sind komplett aus dem Leben gelöscht worden, würde ich mal so sagen.“
„Aber wie kam sie dort ran? Nicht mal für mich als Anwältin wäre das alles möglich. Sie muss unglaubliche Kontakte besitzen.“
„Das können wir nur vermuten.“ Knut sah sie aus traurigen Augen und mit betretener Miene an. „Noch eine Idee?“
„Überprüfen Sie bitte, ob Melina meine Handydaten auch geändert hat. Die Zugangsdaten meiner Cloud zum Beispiel.“
Jana durfte sich am Computer der Station versuchen einzuloggen, was ihr misslang. Verzweifelt raufte sie sich die Haare.
„Wir müssen sie ins Kreuzverhör nehmen und irgendwie aus der Reserve locken. Vielleicht verspricht sie sich ja“, schlug Knut vor und Jana willigte notgedrungen ein. „Möchten Sie einen Anwalt dabeihaben?“
„Nein, das regle ich selbst.“ Sie drückte seinen Unterarm einmal und schenkte ihm ein trauriges Lächeln. „Danke.“
Eine offizielle Gegenüberstellung mit Befragung sollte es geben. Jana war nervös. Sie hatte sich keinen Schlachtplan zurechtgelegt. Knut hatte Melina auf die Station zurückbeordert mit der Auflage, es gebe noch offene Fragen, die zu klären seien. Nun saßen sich die beiden Schwestern gegenüber, zwischen ihnen nichts weiter als ein karger Tisch und ein Aufnahmegerät darauf. Knut führte das Gespräch zusammen mit einem Kollegen, den Jana nicht kannte.
„Wie hast du dich in meiner Wohnung eingelebt?“, wollte sie wissen und versuchte, ihrer Stimme einen harten Unterton zu verleihen.
Innerlich bebte sie und hätte ihrem Zwilling am liebsten die Leviten gelesen. Melina begann zu lächeln. Immer noch gruselte es Jana, in ihr eigenes böses Spiegelbild zu blicken.
„Es ist meine Wohnung. Du verwechselst da was.“
„Wir stellen hier die Fragen, meine Damen“, ermahnte der Polizeibeamte, der ihr unbekannt war. Er stellte sich auch nicht weiter vor, als man ihre beiden Unterschriften verglich, Fragen über Fragen zu Janas Hobbys und Privatleben stellte oder ihre Mutter thematisch mit einbezog.
„Wo ist sie?“, wollte Jana wissen. „Was hast du mit ihr gemacht?“
„Das sollst du uns sagen und nicht umgekehrt“, log Melina gekonnt. Jana erstrebte, ihr das siegessichere Grinsen, das sie aufsetzte, sobald die Beamten miteinander sprachen und abgelenkt waren, aus dem Gesicht zu wischen. „Du bist schließlich die Betrügerin von uns.“
„Sie haben beide alle Fragen bravourös und richtig beantwortet. Gibt es ein Merkmal oder ein Detail in Ihrer Vita, das sonst niemand kennt, etwas, das uns hier weiterbringen könnte?“
„Ich gehe jetzt“, verkündete Melina und erhob sich. Sie streifte das perfekt sitzende Kostüm glatt. „Tobias Panke wartet draußen auf mich. Wir sind zum Essen verabredet. Ich habe allen Fragen standgehalten und weiß nicht, wieso man mir immer noch keinen Glauben schenkt, dass diese Frau dort eine Nachahmerin ist. Sie kann nicht mal beweisen, wer sie ist. Vielleicht weiß sie es ja gar nicht mehr. Ich habe noch Arbeit auf dem Tisch liegen und nicht den ganzen Tag Zeit.“
„Was hat Erich Steinermann zuletzt zu dir gesagt, vor den Ohren des Gerichts?“, wollte Jana auf einmal wissen. Sie benötigte wenigstens eine kleine Sache, die ihre Schwester nicht beantworten konnte, um sie festzuhalten. „Wie war sein genauer Wortlaut?“
Melina beugte sich zu ihr hinab und funkelte Jana dämonisch an. Dunkle Schatten lagen über ihren Gesichtszügen.
„Er sagte direkt nach seinem Freispruch, er habe es genossen, meine Gegenwart einmal näher gespürt zu haben. Und dass man sich vielleicht jetzt häufiger über den Weg laufen würde. Meintest du das?“
Melina musste irgendwie an die Prozessakten gekommen oder direkt vor Ort gewesen sein. Dieser Versuch ging kläglich nach hinten los. Sie wusste einfach alles aus Janas Leben!
Die Polizisten sahen sich kurz an, schüttelten die Köpfe und wollten sie nach draußen begleiten, als Melina etwas tat, was die verzweifelte Jana aus dem Augenwinkel bemerkte. Dennoch reichte der kurze folgende Blick, um zu erkennen, dass ihre Zwillingsschwester denselben Code für Janas ehemaliges und nun gestohlenes Handy gebrauchte wie sie selbst ursprünglich: nämlich ihr gemeinsames Geburtsjahr. Es gab eine winzige Chance, die sie nutzen wollte.
„Warte! Ich möchte, dass du dein Handy entsperrst!“
„Das habe ich doch gerade getan.“
Melina runzelte die Stirn, aber Knut erkannte, wie wichtig es für Jana war, und führte ihre Zwillingsschwester zurück zu ihrem Stuhl. Die Betrügerin seufzte theatralisch, setzte sich erneut und zückte Janas Telefon.
„Bitte entsperren Sie es“, forderte sie der andere Ermittler auf, woraufhin sie den Vorgang ohne Zögern wiederholte.
„Und jetzt? Kann ich dann endlich gehen? Ich muss sonst noch auf Verdienstausfall klagen.“
Sie schenkte ihrer Stimme einen gelangweilten Tonfall und gähnte sogar einmal.
„Nein, kann sie nicht!“, schmetterte Jana kraftvoll dazwischen.
„Was wollen Sie denn noch?“, stöhnte der Beamte genervt. „Lassen Sie es gut sein. Wir führen Sie jetzt lieber zurück in Ihre Zelle, bis geklärt ist, wer Sie überhaupt sind.“
„Warte“, ermahnte Knut mit stoischer Ruhe und warf Jana einen auffordernden Blick zu. „Bitte. Was wollten Sie sagen?“
Jana nahm all ihren Mut zusammen.
„Der Fingerabdruckscan. Sie hat ihn nicht gelöscht oder verändert, hoffe ich. Ich habe beim Entsperren gesehen, dass er zunächst abgefragt wurde, ehe sie ins Menü für den vierstelligen Code gekommen ist. Sie kann sich noch so viel anpassen, aber auch bei Zwillingen sind die Fingerabdrücke ein Leben lang verschieden.“
An Melinas erstarrtem und aschfahlem Gesicht erkannte Jana, dass sie ins Schwarze getroffen hatte.
„Das … das ist doch Blödsinn“, versuchte sich ihr Gegenüber aus der Bredouille zu manövrieren. „Wir wissen alle, dass diese Dinger manchmal spinnen.“
„Ich würde es gerne versuchen“, meinte Knut und bat um ihr Handy, das ihm Melina nur widerwillig überreichte.
Sie hatte keine Wahl, wenn sie sich nicht verdächtig machen wollte. Ihre Schwester gab weiterhin die Coole, doch Melinas Fassade bekam langsam Risse. Janas Hoffnung wuchs. Und tatsächlich ließ Knut Melina selbst und schließlich Jana das Handy per Fingerabdruck entsperren. Ihre Hand zitterte so sehr, dass es erst beim zweiten Versuch funktionierte, dann aber fünfmal hintereinander, während Melina nicht ein einziges Mal hineinkam, egal mit welchem Finger sie es probierte. Jene knabberte zeitgleich angespannt auf ihrer Unterlippe herum und wurde immer hektischer in ihren Bewegungen. Schließlich gelangten ein paar derbe Flüche über ihre Lippen.
„Diese Kuh hat was daran geschraubt“, behauptete sie wenig überzeugend.
„Und wie? Ich hatte dein Handy überhaupt nicht in meiner Gewalt. Niemals.“
„Wir müssen uns bei Ihnen entschuldigen, Frau Fassberg“, wandte sich der namenlose Polizist an Jana. „Gerne können Sie direkt Anklage erheben.“
„Das werde ich.“ Melina war derweil immer blasser geworden. Sie hatte Ähnlichkeit mit einem Gespenst. Und mehr war sie auch nicht. Nur ein böser Geist, der als Albtraum in Janas Leben getreten war. „Siehst du, liebe Schwester, die Technik, mit der du mich zerstören wolltest, hat sich jetzt an dir gerächt und meine Unschuld bewiesen. Zu dumm, wenn man sich jahrelang darauf vorbereitet und dann an die einfachste Sache nicht mehr denkt, nicht wahr? Du warst dir zu siegessicher. Genau wie Tobias, dein Komplize.“
Melina gab ihr keine Antwort, sondern starrte ihre Verwandte nur hasserfüllt an, während die Beamten sie in Handschellen legten und abführten.
„Alle weiteren Fragen in der Einzelvernehmung.“
Jana blieb zurück und wäre auf ihrem Stuhl beinahe zusammengebrochen vor Erschöpfung und Erleichterung. Es war vorbei! Endlich! Ihr würde kein Verbrechen zulasten gelegt werden.
„Was ist mit meiner Mutter?“, fragte sie nach einer Viertelstunde, in der sie eine Tasse Tee in Knuts Büro trank und ihre Gedanken endlich wieder geordnet hatte.
„Wir haben sie in Tobias Pankes Wohnung vorgefunden. Außer einer leichten Dehydrierung geht es ihr gut. Sie wurde befreit, untersucht und fragte direkt nach Ihnen. Was die beiden noch mit ihr vorhatten, bleibt zum Glück unklar. Aber irgendwann hätten sie die Dame sicherlich loswerden müssen, um ungebetene Zeugen auszumerzen.“
Jana atmete auf. Ihre Mutter lebte und war wohlauf. Mehr zählte nicht.
„Und Tobias?“
„Der wird sich wegen Freiheitsberaubung und Mord an Felix Ullrich vor Gericht verantworten müssen. Der Plan dafür stammt sicherlich von Frau Kletzke, aber den genauen Hergang erschließen wir zurzeit noch. Sie haben sich beide bereits gegenseitig belastet und wollen die Tat dem jeweils anderen zuschieben. So viel zu dieser tollen Beziehung. Herr Panke hat ihr mit seinen Kenntnissen geholfen, in die unterschiedlichen Datenbanken zu gelangen. Er steckt wohl auch dahinter, dass Ihre Akten verschwunden sind.“
„Nehmen Sie ihn bitte richtig hart ran. Er hat es verdient.“
Knut schmunzelte.
„Aber bitte alles im Rahmen des Gesetzes, Frau Fassberg.“
Jana schaute aus dem Fenster. Ihre Augen folgten einem Schwarm Vögel.
„Wer bin ich? Wer bist du? Oder bin ich du und du bist ich?“, murmelte sie verträumt.
„Wie bitte?“, wollte Knut verwirrt wissen, aber Jana winkte lächelnd ab.
„Nur eine vage Erinnerung an jemanden, den ich mal kannte.“

108 thoughts on “Nicht ich

  1. Parameter super umgesetzt, man merkt das du schon einige Bücher geschrieben hast. Für eine Kurzgeschichte recht lang, aber super Schreibstil. Hat mir gut gefallen. Plot war echt stark. Wobei ich sagen muss das ich das Ende etwas anders geschrieben hätte…um nicht zu Spoilern verrate ich aber nicht wie.. 😉
    LG Frank

    1. Ja, ich wollte einen abgeschlossenen Thriller aus den Parametern bauen und die Figuren nicht zuuuu kurz kommen lassen, damit man wenigstens eine Bindung zu ihnen aufbaut und auch alle Fragen geklärt werden können. Leider wurde sie somit etwas lang (hätte ruhig noch länger sein dürfen, aber dann wäre es weit weg von einer Kurzgeschichte). 🙈🤷🏻‍♀️ Ich hatte ein offenes Ende angedacht, mich dann allerdings doch dagegen entschieden. Wäre für mich nicht richtig gewesen irgendwie. Am liebsten hätte ich ein ganzes Buch daraus gemacht, kannst du dir sicher denken. Das ging bestimmt vielen so. 😂📖👍🏼
      Vielen lieben Dank für deinen positiven Kommentar!!! 😘😌 Jetzt bin ich aber neugierig, wie du es hättest enden lassen… 😉

      LG
      Marlene

      1. Hallo Marlene, mir hat deine Geschichte auch sehr gut gefallen. Was andere zu lang fanden, war für mich genau richtig. Ich mag es wenn Personen oder Orte ausführlich beschrieben werden. Dann ist man als Leser so richtig dabei und kann sich alles bildlich vorstellen 😉 Dafür ist es natürlich wichtig, dass die ersten Seiten gleich Lust auf mehr machen und das ist dir mit deinem Prolog definitiv gelungen.

        Vielleicht magst du meinen Beitrag auch gerne lesen. Ich bin aber blutiger Anfänger und habe nicht dein Niveau. 😉https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/blaues-mondlicht

      2. Hallo Marlene,
        deine Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Für eine Kurzgeschichte war sie zwar etwas lang ( ich bin durch Rony Rindler sehr auf kurze Kurzgeschichten getrimmt worden, sorry), aber durch den Prolog hast du mich echt neugierig gemacht und die Spannung so gut aufrecht erhalten, dass ich gerne bis zum Ende gelesen habe. Für mich eine gelungene Umsetzung der Parameter.
        Ich drücke dir gerne die Daumen dass du es ins E-Book schaffst.
        Liebe Grüße Veronika

    2. Hallo und guten Tag
      Ja, da schrieb ein Profi.
      Jemand mit sehr viel Erfahrung.

      Sehr gute, raffinierte, hervorragend ausgearbeitete Story. Und zudem mit super Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik. Sorry, aber das ist mir echt wichtig.
      Der Prolog ist schon einmal äußerst professionell. Er macht Lust auf mehr, macht neugierig.
      Alles, was dann kommt, ist durchdacht, perfekt geschrieben, hervorragend umgesetzt. Ich fand die Geschichte nicht zu lang. Im Gegenteil. Hätte sie auch genial gefunden, wenn sie noch ausführlicher gewesen wäre.
      Schließlich ist jeder Satz, jedes Wort von einem „Könner“ verfasst worden. Da würde ich gerne auch mal ein ganzes Buch von lesen.

      Hervorzuheben sind, neben dem starken Ende, die glaubwürdigen Dialoge. Die lesen sich wirklich realistisch.
      Ich wünsche dir für deine Geschichte und für dein gesamtes weiteres Schreiben alles Gute und viel Erfolg.
      Denn eines ist klar:
      Du hast es drauf. Respekt!

      Liebe Grüße, Swen (artsneurosia)

      Würde mich geehrt fühlen, wenn du dir meine Geschichte „Die silberne Katze“ durchlesen würdest. Dabei geht es mir nicht um einen Like. Es geht mir darum, zu erfahren, was jemand mit so viel Erfahrung von ihr hält.

      1. Wow, was für ein tolles Lob!!! 😍 Danke für den schönen und ausführlichen Kommentar! 😘👍🏼
        Ich bin weit weg von Profi, muss ich leider sagen. Aktuell arbeite ich nebenberuflich als Selfpublisher, verkaufe aber leider nicht die Welt (bei Interesse: https://www.marlenemenzel.com). 😅🙈 Habe niemals Kurse besucht oder bin einer entsprechenden Arbeit / einem Studium nachgegangen. Derzeit stehe ich an der Druckmaschine und bedrucke Briefumschläge. Nur zu Hause lasse ich meiner Fantasie freien Lauf und denke mir Geschichten aus. 😏 Zudem lese ich viel, insbesondere Krimis und Thriller. Ich habe versucht, mich über die Jahre hinweg immer weiterzuentwickeln und zu verbessern, wobei mir die Kritiken meiner Leser sehr geholfen haben.
        Das mit der Grammatik und Rechtschreibung ist mir auch wichtig, also verstehe ich dich in diesem Punkt ziemlich gut. Allerdings passieren mir auch noch Fehler, vor allem bei der Kommasetzung bin ich manchmal unsicher. 😆🤷🏻‍♀️

        LG und natürlich schaue ich bald bei deiner Geschichte vorbei (bin gespannt)… 😊👍🏼
        Deine Marlene

  2. Super Story, toll geschrieben, spannend und interessante Wendungen. Gefällt mir sehr gut.
    Ein Mini-Hinweis von der Apothekerfrau – „Pharmazeutika“ ist ein anderes Wort für Arzneimittel – meinst Du „Psychopharmaka“?

      1. Ach, das ist die Art von Fehlern, die wir alle irgendwo machen. Aber umso schöner, dass sich das hier so leicht verbessern kann. Und Thema Buch: Das bleibt Dir ja noch, ein Buch draus zu machen. Die Geschichte gibt genug dafür her 😃👍

  3. Liebe Marlene,
    da hast du aber wirklich was hingezaubert!✨richtig tolle Story mit einigen Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Ich hab mich die ganze Zeit beim Lesen gefragt, wie der Prolog und die Haupthandlung zusammenhängen und das hast du- finde ich- echt elegant gelöst. Auch wurde es wirklich immer krasser 😱
    Mega!❤️

  4. Super Geschichte, die Story hat mich vom ersten Moment an gepackt! Mir persönlich war das Ende im Vergleich zum Rest ein bisschen zu schnell erzählt- ich nehme aber an, das ist dem Umstand der Kurzgeschichte geschuldet. Ansonsten echt gut geschrieben 🙂

  5. Liebe Marlene,
    eine echt tolle Geschichte. Dein Schreibstil ist wirklich super. Ich würde vielleicht etwas kürzen, um mehr Tempo aufzubauen. Einige kleine Fragen sind noch geblieben: Haben die einzelnen Aufgaben eine tiefere Bedeutung? Wie schnell erscheint man in den Nachrichten, weil man einen Polizisten geohrfeigt hat? Wird man in der Untersuchungshaft wirklich gleich an einen Stuhl gekettet? Warum haben sich die Polizisten nicht mehr über das gleiche Aussehen der beiden Frauen gewundert? Das hätte doch die Geschichte der Protagonistin unterstützt. Was ist ganz stark fand: Der Prolog! Dein Prolog ist wirklich super. Für mich der beste Teil der Geschichte! Toll fand ich auch den Satz „Wer bin ich? Wer bist du? Oder bin ich du und du bist ich?“ und das er sich durch die ganze Geschichte zieht. Das sich die Rolle von Tobias so dreht, ist auch klasse. Damit hätte ich nicht gerechnet. Insgesamt eine tolle Geschichte.

    1. Ja, diese Details stimmen definitiv. Hast du recht. Sollte man noch mal drüberschauen und ich hätte sicherlich auch vieles etwas ausführlicher erklären und beschreiben müssen. Dass sie sich zuvor bereits wie eine Furie mit wilden Geschichten und Handgreiflichkeiten gezeigt hat, hätte das mit den Handschellen beispielsweise besser erklärt. 😉

      Danke für dein Lob ansonsten noch! Ich freue mich, dass dir die Geschichte gefallen hat.😊

      LG
      Marlene

      1. Super umgesetzt. So einfach kann es gehen 😉 Die Anmerkungen sind auch wirklich Kleinigkeiten. Die Geschichte an sich ist trotzdem toll und der Prolog ist der absolute Knaller.

  6. Liebe Marlene,

    tolle, spannende Geschichte, sehr guter Schreibstil! Vlt um eine Spur zu lange, aber das ist „Meckern“ auf sehr hohem Niveau 🙂

    LG, Florian

    PS. Würde mich auch sehr freuen, wenn du meine Geschichte lesen und evtl einen Kommentar/ein Feedback und – wenn sie dir gefällt – vlt sogar ein Like hinterlassen würdest!

    1. Danke für das großartige Kompliment! 😃
      Ich bin Selfpublisher und lasse einige meiner Bücher mittlerweile auch selbst drucken, weil die meisten Leser nicht nur Ebooks wollen. Falls du also Interesse hast an weiteren Werken: http://www.marlenemenzel.com 😉

      Ja, sie ist etwas zu lang geworden für eine reine Kurzgeschichte. Eine Art Mini-Thriller. 😅🤷🏻‍♀️🙈 Aber toll, dass sie euch trotzdem so gefällt! 😊

      LG
      Marlene

      1. Hi, tolle Geschichte und tolle bildliche Sprache. Man hatte, in Gegensatz zu vielen anderen Geschichten, auch nicht das Gefühl, dass die Dialoge künstlich seien.
        Einzige Kritik von meiner Seite wäre, dass sich die Spannung relativ lange aufbaute und dann etwas zu hektisch zum Abschluss kam. Auch denke ich, dass gerade bei einer Gegenüberstellung das auffällig gleiche Aussehen der beiden wohl sofort zur Überprüfung der Fingerabdrücke etc. geführt hätte.
        Das sind aber nur Kleinigkeiten, ansonsten fand ich die Geschicjt

      1. Ich danke dir! 😉
        Ja, ich hätte die Geschichte gerne länger gezogen, musste aber notgedrungen zum Schluss kommen, vielleicht deshalb die kleine Hektik gegen Ende. Sonst wäre es keine Kurzgeschichte mehr gewesen. 😅🙈

        Liebe Grüße
        Marlene

  7. Wow, da merkt man schon, dass das nicht Dein 1. Werk war. 👍🏼 Echt klasse gemacht. Hätte tatsächlich noch länger sein dürfen. Glückwunsch zu einer spannenden Geschichte. 👏🏻👏🏻👏🏻🙋🏼‍♂️
    Würde mich über ein Feedback zu meiner Geschichte freuen.
    „Der Charmeur“
    Grüße, TS

  8. Liebe Marlene, wir hatten wohl ähnliche Gedanken beim Schreiben unserer Geschichten, der Plot ist wirklich sehr ähnlich, aber die Geschichten an sich sind dafür total verschieden, was ich wahnsinnig interessant finde. Allerdings merkt man auf jeden Fall, dass du schon mehr Erfahrung im Schreiben hast, dein Schreibstil ist wirklich sehr angenehm und obwohl die Geschichte ja etwas länger ist, habe ich sie wirklich sehr gerne gelesen!

  9. Hallo Marlene,
    deine Geschichte lässt mich ehrlich gesagt sehr zwiegespalten zurück – was vielleicht zum Thema passt. 😉 Ich versuche mal, möglichst spoilerfrei zu schreiben.
    Die Idee gefällt mir sehr gut, ich habe eine Schwäche für diese Thematik. Das hat es andererseits aber auch sehr vorhersehbar gemacht, zumindest für mich. Ich bin bei den Bildern und dem Video schon dahinter gekommen – die Spannung bestand für mich darin, zu erfahren, wie das mit den körperlichen Details funktionieren sollte. Wer der Helfer war, habe ich geahnt, bin aber erst auf den Gedanken gestoßen, als Jana selbst ihn erwähnt hat. Die Handlung war so packend, dass ich diese Tatsache einfach vergessen hatte (obwohl zwischendurch angedeutet wird, dass niemand gleichzeitig an zwei Orten sein kann).
    Die Aufgaben fand ich interessant und die Reaktionen der „Mitspieler“ gut nachvollziehbar. Ein, zwei Infos, weshalb es diese Aufgaben gibt, hätte ich mir noch gewünscht, denn sie tragen nicht alle dazu bei, dass Jana dort ankommt, wo sie hin soll.
    Das Gespräch mit der Mutter fand ich etwas gekünstelt – die Tochter ruft seit Ewigkeiten an, legt direkt wieder auf und die Mutter erhebt nicht mal Einspruch? 🤔 Sicher, das Telefonat hatte einen Zweck, aber der Dialog wirkt abgehackt. Ebenso wie das Ende – im Vergleich zum Anfang rast die Geschichte hier nur so davon. Auch dass Knut plötzlich so viel Handlungsspielraum hat, wirkt ein wenig erzwungen. Auf der anderen Seite gibt das der Handlung eine gewisse Dynamik und man gerät noch tiefer in deinen erzählerischen Ereignisstrudel. Beim Ende selbst würde mich die offene Variante sehr interessieren. Auch ein negatives Ende könnte ich mir vorstellen, das wäre aber unter den gegebenen Umständen (Polizeiverhör und Janas starker Charakter) wohl eher unwahrscheinlich.
    Dein Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm. Du schaffst es, auch einzelne Momente zu dehnen, ohne dass es langweilig wird, indem du den Fokus immer wieder auf andere Dinge legst, z. B. bei der Verschaufpause (Job – Steinermann – nochmal Job – Pfefferspray und Tabletten – Sport). Dadurch wird es nicht zu langatmig.
    Es hat großen Spaß gemacht, die Geschichte zu lesen. 🙂 Auch wenn ich persönlich an zwei, drei Punkten angeeckt bin, hinterlässt sie doch einen bleibenden Eindruck. Insofern – Daumen hoch. 😉
    Falls du Zeit und Lust hast, kannst du gerne mal bei meiner Geschichte vorbei schauen, ich freue mich über jede Kritik. 🙂
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/vergessen-3

    LG
    Peter

  10. Deine (lange 🙂 )Geschichte gefällt mir sehr gut. Ich bin recht früh darauf gekommen das es die Zwillingsschwester sein muss. Auch kamen beim Lesen Fragen auf wie z.B. wie sie an mehreren Orten gleichzeitig sein kann, aber da kam dann auch schon dir Frage in deiner Geschichte auf…
    Die Idee das der ehemalige Kollege ihr als einziger glaubt, der Fingerabdruck etc. finde ich total gelungen. Gerne gebe ich dir ein Like.

    Vielleicht hast du Lust in meine (allererste) Geschichte zu sehen und mir einen Kommentar zu schreiben wie es dir gefällt, da du Erfahrung darin hast?
    http://www.wirschreibenzuhause.de/geschichten/zeitvergisstnicht

  11. Hallo Marlene,

    Deine Geschichte ist wirklich klasse und hat uns gänzlich überzeugt! Wir waren sehr froh, dass sich am Ende alles aufgelöst und das Gute die Oberhand behalten hat!

    Dein Schreibstil ist sehr ansprechend und wir hoffen, dass wir in nächster Zeit noch einiges von Dir lesen werden!

    Liebe Grüße

    JoLo

    Falls du Zeit und Lust hast, kannst Du gerne mal bei unserer Geschichte reinlesen, wir freuen uns über jede Rückmeldung. 🙂

    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/exit

  12. Hallo!
    Tolle Geschichte, passt gut in einen Roman.😁
    Sehr spannend und die Fragen die ich mir stellte, wurden kurze Zeit später beantwortet. Das es sich um Zwillinge handelte war sehr früh klar, fand ich aber nicht schlimm. Der Schluß war spitze. Ein klares LIKE für diese Geschichte.

    LG Kat

  13. Liebe Marlene, danke, dass ich Deine Geschichte lesen durfte.
    Ich schließe mich im Großen und Ganzen meinen VorrednerInnen an, was Länge und Plot bzw Schluss angeht.
    Allerdings hätte ich nach dem Prolog (und nach allen Geschichten, die ich bisher habe lesen können) nicht gedacht, dass einmal jemand ein für die/den Protagonistin/en positiv ausgehendes Ende erdenkt. Fand ich aber spannend.

    Ich würde mich freuen, wenn Du auch meine Geschichte „Die Nacht, in der das Fürchten wohnt“ liest. Danke! 🙂

  14. Hallo Marlene,
    gefällt mir sehr gut, guter Stil und fesselnd geschrieben. Manche Stellen könnte man vielleicht noch minimal feilen, aber insgesamt super! Gestolpert bin ich nur bei dem Anruf bei der Mutter. Erst ruft sie wohl nie an, dann mit falscher Nummer und sagt dann, passt gerade nicht. (Warum rufts Du dann jetzt an?). Sonst aber echt gut. Könnte auch als richtiges Buch erweitert werden.

    Vielleicht willst Du ja unsere auch lesen und bewerten.

    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/das-experiment

    Viele Grüße
    Armin

  15. Hallo Marlene,

    Ich finde deine Geschichte und die Idee super. Auch dein Schreibstil ist toll, wie bereits mehrfach erwähnt. Daher hast du von mir einen like.
    Aber auch ich denke, dass es kürzer besser gewesen wäre. Dann wäre es noch spannender geworden. Aber das ist ja auch oft Geschmackssache, zumal meine Geschichte glaube auch länger ist 😉

    Ich würde mich auch freuen, wenn du meine Geschichte liest und ggfs. ein Feedback gibst.

    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/alles-verloren

    Lg Bine

  16. Hallo Marlene,

    Du hast einen schönen, flüssigen Schreibstil und einen interessanten Plot.
    Deine Geschichte fand ich auch etwas zu lang für eine Kurzgeschichte und leider ging das etwas zu Lasten der Spannung (zumindest für mich).
    Die zeitgleichen Ereignisse ließen mich grübeln, spätestens nach dem Bild von Tobias und der Mutter wurde mir dann klar, dass er da mit drin steckt 😉
    Die Sache mit dem Anruf bei der Mutter hat mich auch etwas irritiert und die Tatsache, dass sofort nach ihr gefahndet wird nach dem Angriff auf den Polizisten.
    Vielleicht wird aus deiner Geschichte ja doch noch ein Buch, in dem man noch etwas mehr erfährt – zum Beispiel auch, was es mit den echt schrägen Forderungen auf sich hat?

    Viele Grüße und viel Glück,
    Yvonne / voll.kreativ (Der goldene Pokal)

    1. Hey! 😊
      Ja, gerne würde ich die Geschichte länger ziehen und wollte es beinahe auch, aber für den Wettbewerb musste sie natürlich kurz genug bleiben. 😅🙈
      Danke für deine Meinung! Ein paar Dinge sind von mir bereits ausgebessert worden, andere warten noch auf Verbesserung. 😃👌🏼
      Vielen Dank für deine Tipps! 👍🏼

      Liebe Grüße
      Marlene

  17. Hey Marlene,
    mir hat die Idee deiner Geschichte super gut gefallen und auch dein Schreibstil war sehr angenehm und flüssig zu lesen. Wenn es nach mir ginge, hätte der Plot enden können, als Jana im Gefängnis war und von ihrer Schwester sozusagen komplett in die Falle gelockt wurde. Dass du dich für das Happy-End entschieden hast, kann ich aber auch gut nachvollziehen. Kompliment in jedem Fall 🙂

    Vielleicht hast du ja auch Lust und Zeit mal bei mir vorbeizuschauen, ich würde mich freuen.

    Liebe Grüße
    Farina

    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/splitter-einer-identitaet

    1. Hallo Marlene,

      eine wirklich tolle Kurzgeschichte und sie hat auf jeden Fall mein Like verdient!
      Dein Schreibstil gefällt mir sehr gut und auch die Art wie du die Geschichte erzählst ich hätte gern noch weitergelesen und fand nur das Ende etwas fix gestaltet – zum Rest der Geschichte. Aber ja mit ist klar, dann wäre es keine Kurzgeschichte mehr gewesen ; -) Ganz ehrlich, Ich glaube mir ging es ähnlich.

      Mich würde es freuen, wenn du auch meine Geschichte einmal lesen würdest. Gern auch mit Kritik!

      https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/verloren-einfach-alles-verloren

      LG Lydel

      1. Na du! Danke für dein Lob! 🙂

        Hatte auch kleine Schwierigkeiten bezüglich des Endes, weil ich es zum Abschluss bringen musste, damit meine Geschichte kurz genug bleibt. Hätte sie gerne noch weiter ausgebaut. 😉

        LG
        Marlene

    2. Hallo! 😊
      Hatte wirklich mit dem Gedanken gespielt, es schlecht ausgehen zu lassen, aber irgendwie wollte ich dann doch ein Happy End. Zumindest für Jana soweit, auch wenn viele Dinge sicher keines für sie darstellen in ihrer Situation am Schluss. 😅😉😐

      LG
      Marlene

  18. Hallo Marlene,

    vielen dank für die interessante Geschichte. Man merkt, dass du dir sehr viele Gedanken gemacht hast und du noch so viele Ideen gehabt hättest um einen Roman daraus zu machen. Das „schnelle“ Ende ist mir auch passiert:) aber ich denke, dass ist die Schwierigkeit bei einer Kurzgeschichte und besonders dann wenn die ganzen Ideen im Kopf während des Schreibens nur so heraussprudeln und die Geschichte ihren eigenen Lauf nimmt.
    Mir hat es Spaß gemacht sie zu lesen. Würde mich freuen zu hören was du über meine denkst. Wünsch dir viel Erfolg beim Wettbewerb.
    Liebe Grüße
    Jana
    (Reminisici)

    1. Hey! Vielen Dank für deinen schönen Kommentar! 🙂

      Ja, dieses „schnelle“ Ende hätte ich mir anders gewünscht und die Geschichte gerne noch weiter gezogen, aber das ging für eine Kurzgeschichte leider nicht. So ist sie bereits zu lang. 😅🙈

      Liebe Grüße
      Marlene

  19. Sehr tolle Geschichte, tolle Dialoge und auch kein Grammstikfehler, wo ich drüber gestolpert bin 🙂
    Lies sich mega gut lesen, aber für eine KG schon sehr lange. Dadurch konntest du aber die Personen sehr gut einführen, was die Geschichte auch aus macht.
    Man hat früh gemerkt, worauf die Geschichte hinaus läuft, das hat aber nicht gestört. War eben sehr klar – das mag ich normal nicht so – hat hier aber super gepasst.
    Liebe Grüße, Jenny /madame_papilio

    1. Hey, das mit den Fehlern ist mir auch immer sehr wichtig und stört mich bei vielen Texten richtig stark, wenn ich so was lese. 😅🙈 Ich mache zwar auch noch welche, aber hoffentlich keine auffälligen. 😉

      Danke für dein Like und den Kommentar!!! Schaue gleich mal bei einigen von euch wieder rein und lese weiter. 😊👍🏼📖

      LG
      Marlene

  20. Hallo liebe Marlene,

    ich wüsste gerade nicht, was ich den Kommentaren meiner Vorredner bzw. -schreiber 🙂 hinzufügen könnte, ohne mich zu wiederholen.
    Das worüber ich beim Lesen gestolpert bin oder mir aufgefallen ist, wurde bereits mehrfach erwähnt, wie das etwas hurtig geratene Ende und generell die Länge – aber gerade Letzteres ist oft auch Geschmacksache, die einen schmücken gerne aus und mögen es auch gerne blumiger, die anderen eher kurz und knackig (ich neige auch eher dazu, zu kürzen als in die Länge zu ziehen).

    Daher beschränke ich mich auf die Lobpreisung: Deine Geschichte gefällt mir wirklich sehr, sehr gut! Du hast einen angenehmen, flüssigen Stil und benutzt eine schöne Melodie.
    Schön finde ich, wie Du immer Deinen Schlusssatz des Prologs (der mir ausnehmend gut gefällt) immer wieder in Deine Geschichte eingewebt hast und damit spielst.

    Für das Voting wünsche ich Dir von Herzen viel Erfolg!

    Liebe Grüße
    Anita („Räubertochter“)

  21. Hallo Marlene,
    ich bin froh auf deine Geschichte aufmerksam geworden zu sein. Erstens, weil sie sich richtig gut ließt und weil deine Geschichte, wie ich finde, genau zu die an uns gestellten Vorgaben passt.
    Noch viel mehr aber, weil du scheinbar genau den gleichen Ansatz verfolgt hast wie ich: eine komplette (Thriller)Geschichte zu schreiben, auch wenn dies etwas mehr Länge in Anspruch nimmt. Und witzigerweise haben wir sogar noch einen zusätzlichen Parameter gemeinsam 🙂 Mehr sag’ ich dazu nicht, denn vielleicht hast du ja Lust, auch meinen Beitrag zu lesen.

    Recht viel mehr gibt es da auch schon nicht mehr zu sagen. Folgend hab ich nur noch drei Stellen rausgepickt, die mir aufgefallen sind.

    An dieser Stelle bin ich kurz gestrauchelt:
    – Nein, es gab keinen Zweifel. Die Andere sah exakt genauso aus wie Jana.
    Nein, es gab keinen Zweifel. Die Andere sah exakt genauso aus wie sie. – Oder: Nein, es gab keinen Zweifel. Die Andere wirkte wie eine perfekte Kopie von Jana.

    Bei dem hier war ich mir unsicher.
    Den Ausdruck „Ehe ihm geschah…“ im Satz „Ehe ihm geschah, drückte sie den Schnuller auf den Mund des Tieres“, hab ich noch nie vorher gehört/gelesen. Hätte da eher an „Ehe er sichs versah…“ gedacht. Aber wie gesagt, dass ich es nicht kenne, heißt ja nicht, dass es das in der Form nicht gibt.

    Und hier, hat sich wohl ein kleiner Fehler eingeschlichen:
    – Je mehr Aufgaben zu erfüllst, desto mehr erfährst du.
    Je mehr Aufgaben du erfüllst, desto mehr erfährst du.

    Das soll’s von mir auch schon gewesen sein. Tolle Geschichte gut geschrieben = Like.

    Ich wünsch dir noch viel Spaß bei deinen weiteren Projekten.

    J.D.
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/das-leben-eines-toten-mannes

    1. Hallo! 😊

      Danke für dein Lob und die Hinweise. Habe alle drei nun geändert, wobei der erste Punkt nicht grundsätzlich notwendig war, aber sobald ein Leser da strauchelt, sollte das besser abgeändert werden. 😉👍🏼
      Jetzt bin ich sehr neugierig auf deine Geschichte. 😃

      LG
      Marlene

  22. Hallo Marlene,
    eine wirklich richtig spannende Geschichte, die du da kreiert hast. Man merkt auf jeden Fall, dass du sehr viel Schreiberfahrung hast. Die vorgegebene Parameter sind wirklich maximal gut umgesetzt. Auch wird die Ur-Angst angesprochen, dass einfach jemand das eigene Leben übernehmen könnte. Ist zwar eigentlich (ohne Zwilling) recht unwahrscheinlich, aber ich hatte das mit den 7 Doppelgängern auf der Welt auch mal gelesen und finde den Gedanken daran irgenwie Spookie. Besonders gut empfand ich noch bei der Geschichte, wie schwierig es auf einmal war, zu beweisen, dass man wirklich die richtige Person ist.

    Ich hoffe du schaffst es ins E-Book 🙂

    Ich würde mich freuen, wenn du dir auch die Zeit nehmen würdest, meine Geschichte zu lesen. Lasse gerne auch ein Feedback da 🙂
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/rate-wer-ich-bin

  23. Hallo liebe Marlene,

    ich kann mich dem vielen Lob meiner „Vor-Kommentatoren“ nur anschließen – eine echt spannende Geschichte ist Dir da gelungen – mein Herz hast Du!
    Vieles wurde schon geschrieben, gelobt, bewundert – auch ich war von Anfang bis Ende gefesselt und habe mir gleich Deinen Link zu den weiteren Werken (in einem der Kommentare weiter oben entdeckt) zum Weiterlesen herausgepickt 🙂
    Vielleicht magst Du ja auch mal bei mir vorbeischauen (Die Nachtschicht)? Über Deine persönliche Meinung würde ich mich wirklich sehr freuen!
    Liebe Grüße
    Anna

    1. Hey du! Vielen Dank für dein tolles Lob und den schönen Kommentar! 😘😊👍🏼
      Freut mich, dass ich dich mit meiner Geschichte so fesseln konnte. Gerne schaue ich nachher bei dir vorbei. Diese Woche schiebe ich sogar zufällig Nachtschicht, das passt also wie die Faust aufs Auge! Bin schon gespannt! 😃🌙😉✨

      Liebe Grüße
      Marlene

  24. Hallo Marlene,
    ich habe vorhin zufällig die Geschichte von J. D. gelesen, der wie oben geschrieben eine Sache „gemeinsam“ mit dir hat. Trotzdem sind eure Geschichten total unterschiedlich. Dein Ende hat mir sehr gefallen, da ich die ganze Zeit überlegt habe, wie ich wohl aus diesem Schlamassel rausgekommen wäre. Tolle Idee!
    Ich wünsche dir viel Freude beim Weiterschreiben!
    Grüße Jana (Strafe)

  25. Liebe Marlene!
    Was für eine tolle Geschichte, ich konnte gar nicht aufhören zu lesen. Ich fand sie auch nicht zu lang, wüsste nicht, was man weglassen könnte. Der Schreibstil ist routiniert und flüssig. Für das Ende hast du dir wirklich was Tolles einfallen lassen, Hut ab.
    Gerne lasse ich dir mein Like da und drücke dir die Daumen fürs Ebook.
    Über ein Feedback meiner Geschichte würde ich mich sehr freuen.
    Liebe Grüße Lotte
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/der-alte-mann-und-die-pflegerin

    1. Hey du! 😊
      Vielen Dank für deine Zeit und den lieben Kommentar! Toll, dass dich die Story gefesselt und dir das Ende so gefallen hat. 😃👍🏼

      Natürlich schaue ich auch super gerne bei dir vorbei und lese deine Geschichte – selbstverständlich lasse ich dir auch meine Meinung da! 😉

      LG
      Marlene

  26. Liebe Marlene,

    ich bin heute zufällig auf deine Geschichte aufmerksam geworden. Was für eine krasse Story. Du hast den Spannungsbogen super aufgebaut. Durch deinen flüssigen Schreibstil bin ich direkt in die Geschichte reingezogen worden und habe sie in einem Rutsch durchgelesen. Auch das Ende hat mir sehr gut gefallen. An der Art wie du dich ausdrückst merkt man, dass du schon Schreiberfahrung hast. Toll gemacht, mein Like hast du 🙂
    Viel Glück weiterhin!
    lg Kerstin
    Falls du Lust und Zeit hast, schau doch mal bei mir vorbei.
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/das-maedchen-dana

    1. Hallo Kerstin,

      danke für dein Lob und den schönen Kommentar. Es freut mich, dass dir meine Geschichte gefallen hat. Ich schreibe schon länger, aber nie ganz professionell, eher im Selfpublishing-Bereich. Vielen Dank also für das große Kompliment! 😊😘👍🏼
      Ich schaue gleich mal bei deiner Story vorbei – bis bald!!! 😃

      LG
      Marlene

  27. Liebe Marlene,

    du hast das Thema „Identität“ super umgesetzt. Ich habe es genossen, dass deine Geschichte so lange ist, wollte immer weiterlesen. Ich wünsche mir, dass du es ins Ebook schaffst.

    Herzliche Grüße
    Nina
    (Kurzgeschichte: Tot, ohne zu sterben)

  28. Liebe Marlene,
    je länger man durch diese Seite surft, umso außergewöhnlicher werden die Geschichten. Wow! Du bist Profi, oder?
    Mehr als meine grenzenlose Bewunderung (Ich lüfte meinen Hut, verbeuge mich staunend) und ein leider nur ein einfaches Like – mehr gehen dummerweise nicht – kann ich bedauernswerterweise nicht zurücklassen.
    Also diese Geschichte muss auf jeden Fall ins E-Book! Ich drücke sämtliche Daumen!
    Megabeeindruckte Grüße
    Tom

    PS: Es wäre phantastisch, wenn Du bei Gelegenheit die Zeit fändest, mal bei mir (https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/melanie) vorbeizuschauen und meine Geschichte durchlesen würdest. Würde mich sehr interessieren, was jemand mit offensichtlich sehr viel Erfahrung in diesem Segment dazu sagt.

    1. Wow, was für ein toller Kommentar! 😊
      Vielen lieben Dank noch mal dafür! 😘👍🏼

      Es freut mich, dass dir mein Stil und meine Story so gefallen haben. Ich schreibe selbst inzwischen nur noch als Selfpublisher. Außer ein paar Ebooks bei einem richtigen Verlag kam leider nie mehr bei rum, vielmehr Enttäuschungen, was Verlage angeht. Mittlerweile verlege ich somit lieber selbst. Die Übung habe ich also nur durch das ständige Schreiben, eure Rezensionen und Kommentare erlangt.

      Gerne schaue ich nachher oder morgen bei deiner Geschichte vorbei und lasse dir eine Bewertung da! 😉👍🏼😃

      Liebe Grüße
      Marlene

  29. Hallo Marlene,

    Du springst gut in die Geschichte rein. Tobias hatte ich gleich in Verdacht und auch das Thema Zwilling war ziemlich schnell klar. Du lässt Deinen Leser schon vor der Auflösung erraten, was passieren wird.
    Dein Schreibstil gefällt mir. Deine Geschichte ist gut und flüssig zu lesen.

    …aber leider auch hier wieder keine Kurzgeschichte. Dein Werk zu komplex, zu detailliert, kein offenes Ende…
    Es liest sich wie ein kurzer Roman – Du hast eine gute Novelle verfasst.

    Falls Du Dich auf das Genre Kurzgeschichten festlegen willst, befasse Dich mit den Merkmalen, die eine Kurzgeschichte ausmachen und feile an Deinem Werk. Kurzgeschichten machen unglaublich Spaß – grade weil sie so einfach scheinen, aber doch so gut durchdacht sein müssen.

    Ich habe auch mehrfach neu ansetzen müssen, bis ich von einer Novelle weggekommen bin und mit meinen Kurzgeschichten zufrieden war.

    Mach weiter – Du hast Potential und Fantasie 🙂

    Liebe sonnige Grüße
    Xanny

    Hier meine Kurzgeschichten :
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/niemand
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/maedchenmoerder

    1. Hey du! Danke für deinen ausführlichen Kommentar. 👍🏼
      Ich hatte mehrmals versucht, sie zu kürzen, und wollte sie nach langem hin und her dann doch nicht offen enden lassen, sondern abschließen. Da Sebastian Fitzek gesagt hatte, dass die klassischen Kurzgeschichtenregeln nicht unbedingt eingehalten werden müssen, habe ich dann anders entschieden. 🙂

      Liebe Grüße und viel Glück für den Wettbewerb! 🍀
      Deine Marlene

  30. Liebe Marlene,
    eine echt fiese geschichte. Gut für einen Thriller. Ich habe mich gewundert, dass die böse Schwester im Verhörraum ihren Plan so einfach ausplaudern konnte. Weiß nicht, wie realistisch das ist.
    Interessant finde ich, dass einige Schreiber*innen hier das Zwillingsthema genutzt haben. Da wäre ich nicht drauf gekommen.

    Wenn du Lust hast, schau doch mal bei unserer Geschichte vorbei:
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/allein-allein

    Und mach weiter.

    Liebe Grüße,
    Linda von Allein Allein

    1. Hey ihr! Ich danke euch für euer Feedback und schaue gleich mal vorbei! 😊👍🏼
      Ja, deshalb hatte sie das mit dem Planausplaudern auch erklärt. Dass sie in dieser Zeit nicht abgehört wurden usw. Deshalb konnte die Schwester ganz locker drauflosreden und es war egal. 😉

      Liebe Grüße
      Marlene

  31. Liebe, inzwischen ein wenig (durch das, was ich während der letzten Wochen von dir lesen durfte) liebgewonnene Marlene.

    Ich bin es nochmal.

    Ich bin gerade einmal durch meine „gelesenen Geschichten“ gescrollt und habe dabei fast entsetzt festgestellt, dass ich deine geniale Story zwar gelesen und kommentiert hatte, dass aber das Herz nicht rot aufleuchtete.

    Irgendwie hat sich da ein Fehler eingeschlichen, oder ich habe damals vergessen, den Like zu setzen.

    Das tut mir leid, obschon ich es mir nicht erklären kann.

    Zum Glück bin ich auf diesen Umstand aufmerksam geworden.

    Und wer hat schon das unendliche Vergnügen, einen „Fehler“ der Vergangenheit so einfach wieder ausbügeln zu können, ohne dass er direkt in brutale, lebensverändernde, gefährliche, blutige und gewalttätige Situationen gerät?
    Hier auf wirschreibenzuhause konnte man ja lesen, wie sich besagte „Fehler der Vergangenheit“ auf das aktuelle Leben auswirken können.
    🙂

    Natürlich lasse ich dir jetzt ein Like zurück.

    Besser spät als nie.

    Deine großartige, genial geschriebene und inszenierte Geschichte hat es mehr als verdient.

    Ich wünsche dir alles Gute.

    Swen Artmann (Artsneurosia)

    „Die silberne Katze“

    P.S.
    Und verzeih mir!!!!!!

  32. Liebe Marlene,

    Vielen, vielen lieben Dank für dieses tolle Leseerlebnis. Entspannt mit meinem Kaffee und einem Stück Kuchen, hast du mir heute den Nachmittag versüßt 🍰☕. Du schreibst so wunderbar routiniert und ich war am Ende fast traurig, dass es schon vorbei war. Ich bin froh, dass ich deine Geschichte doch noch gelesen habe. Sie stand schon seit Juni auf meiner Liste, du warst ja eine der ersten, die bei Sabs etwas gepostet hatte. Aber dann kamen jeden Tag neue Posts hinzu, da bin ich nicht mehr hinterherkommen. Mittlerweile hat es sich ja beruhigt 😅.

    Wieder so eine grandiose Zwillingsgeschichte mit zwei unterschiedlichen Charakteren, die du anschaulich herausgearbeitet hast, z. B. ein kleines markantes Muttermal auf der rechten Wange, die eine lebt in ärmlichen Verhältnissen, die andere nicht usw. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein.
    Was man doch alles mit Zwillingen anstellen kann 😬. Ich liebe jede einzelne Geschichte zu diesem Thema. Und surprise, surprise 🎉, bei mir geht’s auch um Zwillinge 😊. Hab zwar auch schon Kritik bekommen, dass Zwillingsgeschichten nicht so originell sind, aber nun gut …

    Ich finde es immer wieder spannend, wie unsere Hauptfiguren das Handy finden und Dank deiner plastischen Schreibweise, muss ich nun immer, wenn mein Handy vibriert, an 🐝 denken:
    „Ein Brummen ließ Jana zur Seite schrecken… „

    Sehr gekonnt, wie sich dein roter Faden durch die Geschichte zieht. „Wer bin ich? Wer bist du? Oder bin ich du und du bist ich?“

    Wie du schon schreibst: Krankes Spiel eines Psychopathen bzw. von zweien. Zwischenzeitlich hatte ich sogar Tobias in Verdacht, als er am Telefon so ruhig blieb, obwohl er doch zur Arbeit musste.
    Die Wendung am Ende kommt auch sehr gut an, es muss ja nicht immer in Mord und Totschlag enden. Dein Plot bleibt auf jeden Fall hängen.

    Du kreierst ebenfalls interessante Bilder in den Köpfen deiner Leser
    Also, wenn ich mir das mit dem Schnuller vorstelle, komme ich schon ins Schmunzeln 😊.

    Mach weiter so, liebe Marlene. Viel Glück 🍀 fürs Voting. Mein Like 👍 lasse ich dir sehr gerne hier.

    Über ein Feedback zu meiner Geschichte würde ich mich natürlich auch freuen. Sie heißt „Happy birthday“ 🎈.
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/happy-birthday

    Liebe Grüße,
    Martina

  33. Liebe Marlene,

    wow, was für eine professionelle Geschichte, ich verstehe gar nicht, warum sie nicht mit in die Anthologie aufgenommen worden ist! Wirklich, wirklich gut!

    Auf die Länge sind hier ja schon einige eingegangen (Ich habe nicht alle Kommentare im Vorhinein gelesen, also tut es mir leid, falls sich etwas wiederholt).
    Dein Plot ist wirklich super, in sich schlüssig und obwohl ich schon mit dem Ende gerechnet hatte, trotzdem spannend bis zum Schluss. Das schafft nicht nur dein toller Schreibstil, sondern auch deine total lebendigen Charaktere. Alle Entscheidungen wirkten so natürlich, so normal wie aus dem echten Leben und das ist es, was mich bei einem Thriller mitfiebern lässt – dass man denkt, das alles könnte einem selbst oder den einem nahestehenden Personen passieren.
    Besonders möchte ich dabei erwähnen, dass du für deine Protagonistin wirklich eine ausweglose Situation geschaffen hast, die es ihr unmöglich macht, freiwillig zur Polizei zu gehen. In anderen Geschichten war es häufig der Fall, dass man gemerkt hat, dass der Schreibende kurz überlegt hat „Aber wieso ruft mein Protagonist nicht einfach die Polizei?“ und dann schnell eine Ausrede („Es gab hier kein Netz“, „Akku versagte“,…) in den Text gesetzt hat.

    Zwei Kleinigkeiten sind mir auf sehr, sehr hohem Niveau aufgefallen, die ich dir aber nicht verwehren möchte.

    1. „Immerhin hatte sie mit seinem Freispruch die Familien der toten und misshandelten Kinder vor den Kopf gestoßen.“ An der Stelle weiß ich nicht genau, ob sich der Hass der Familien auf die Anwältin bündelt. Diese macht lediglich ihren Job und ich denke, obwohl es so eine Ausnahmesituation ist, können viele noch zwischen dem Täter und seinem Anwalt unterscheiden. Was ich mir höchstens vorstellen könnte, ist, dass sich die Wut gegen die Richter oder unser Rechtssystem richtet, weil diese den Freispruch aufgrund von Lücken in der Ermittlungsakte möglich gemacht haben.

    2. „[…] als ihre größere Tochter nach draußen und gefährlich Richtung Straße rannte.“ Hier finde ich die Anordnung der Wörter etwas „seltsam“, es klingt so, als würde sie gefährlich rennen, dabei weiß ich gar nicht, wie das aussehen soll. „Gefährlich rennen“. Vielleicht wäre „Gefährlich nah an die Straße“ oder so etwas in der Art eine schönere Version gewesen.

    Ansonsten finde ich, dass noch heraussticht, dass auch du mal eine ganz andere Geschichte geschrieben hast. Der Prolog, der die Protagonistin direkt in einer schlimmen Situation zeigt und der Fakt (SPOILER!), dass das dunkle Geheimnis gar nichts mit dem tatsächlichen Ausgang zu tun hat, sondern nur die falsche Fährte ist, finde ich super.
    Ich hätte, um die falsche Fährte noch etwas klarer zu machen, vielleicht geschrieben, dass sie zufällig einem der Kläger aus dem alten Fall über den Weg läuft, aber dann wäre die Geschichte wohl nur noch länger geworden – und es ist ja auch nicht meine 😀

    Von daher, alles richtig gemacht, mein Herzchen hast du selbstverständlich erhalten und ich drücke dir die Daumen für die Abstimmung – da sieht es ja recht gut bei dir aus!

    Liebe Grüße,
    Leandra (Versteckspiel)

    1. Wow, was für ein ausführlicher Kommentar und so ein tolles Lob dazu! Vielen herzlichen Dank und natürlich auch für deine zwei Anmerkungen. Werde sie gleich mal beachten und der Story damit den letzten kleinen Feinschliff verpassen. 😃😉👍🏼
      Deine Geschichte ist auch richtig klasse! Kann ich jedem nur empfehlen!!! 😃🤩📖

      Liebe Grüße
      Marlene

  34. Hallo Marlene,
    Dein bildlicher Schreibstil hat mich direkt gefesselt. Die Spannung hat sich langsam und schleichend aufgebaut, was mir persönlich gut gefallen hat. Das Ende kam dann etwas abrupt und schnell, das schiebe ich jetzt aber mal den Rahmenbedingungen zur vorgegebenen Länge 😅. Hat mir aber trotzdem sehr gut gefallen 😁.
    Meine Stimme bekommst du und ich wünsche Dir viel Erfolg 🍀.

    Ganz liebe Grüße

    Maddy

    P. P🙈 Meine Geschichte heißt „Alte Bekannte“ und ich würde mich freuen wenn du sie lesen würdest ☺️.

    1. Hey Maddy,

      vielen lieben Dank für deine tolle Meinung und dein Herzchen für mich und meine Geschichte! Freut mich, dass sie dir gefallen hat.
      Ja, mit der Länge habe ich gehadert und MUSSTE dann ja leider zum Ende kommen, hätte sie viel lieber länger gezogen, noch ein paar falsche Fährten eingebaut und die Charaktere weitergesponnen, aber das war dann nicht mehr möglich. Vielleicht nach dem Wettbewerb irgendwann, wenn ich sie in einem Buch einbaue. 😁😉✍🏼
      Gerne schaue ich noch heute bei deiner Geschichte vorbei und lasse dir meine Meinung und ein Herzchen da. Sie wird mir bestimmt gefallen. 😘😊

      Liebe Grüße
      Marlene

  35. Hallo Marlene,

    Jetzt habe ich es kurz vor Ende noch geschafft deine Geschichte zu lesen, da fiel mir bei der 1. Aufgabe auf, dass ich die Geschichte schon kannte. Wie das bei mir aber immer so ist, konnte ich mich an der Rest nicht erinnern, nur wenn ich es gelesen habe. Da ich aber weder geliked hatte, noch einen Kommentar von mir gefunden habe, dachte ich, ich müsste mich irren. Aber ich kannte sie schon! 🤗😂

    Dann muss ich sie ganz zu Anfang gelesen haben, obwohl sie auch nicht auf meiner Liste der gelesen Stories war. Mysteriös!

    Jedenfalls habe ich natürlich ein ❤️und hiermit auch einen Kommentar da gelassen.
    Du wirst sicher im EBook erscheinen, dann werde ich wieder denken, „das mit dem Schnuller kommt mir doch bekannt vor.“ 😅

    Ganz liebe Grüße und ein großes Lob für die spannende Story
    Monika (Ende Gut?)

  36. Liebe Marlene,
    jetzt folge ich Dir schon eine Weile auf Instagram und frage mich, warum ich nie Deine Geschichte hier bei #wirschreibenzuhause gelesen habe?

    Jedenfalls habe ich das vergangene Nacht nachgeholt und möchte Dir nun noch gerne mein Herzchen und diesen Kommentar da lassen.

    Ich finde die Umsetzung der Parameter gelungen und Dein Schreibstil gefällt mir auch. Irgendwo in den Kommentaren habe ich beim Überfliegen gelesen, dass Du zum Tempoaufbau das Ganze etwas hättest straffen können. Das wäre auch von meiner Seite der einzige Kritikpunkt. Hervorheben möchte ich, wie schon vorher geschehen, die Dialoge. Die haben mir besonders zugesagt. 🤩

    Ich wünsche Dir noch viel Erfolg fürs Ebook und würde mich freuen, wenn Du vielleicht noch Zeit fändest, meine Geschichte zu lesen.

    Liebe Grüße von der Charlie
    („Und der Tod fragte sich, wer er eigentlich ist?“)
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/und-der-tod-fragte-sich-wer-er-eigentlich-ist

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