MichelleGH569Nichts bleibt ungestraft

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Die Beerdigung. Oh Gott wie lange habe ich mich nach diesem Tag gesehnt? Endlich bin ich aus den Fängen von Alexandra meiner Ehefrau. Sie kann nicht mehr über mich und mein Handeln bestimmen. Ich habe meinen Teil des Ehevertrages vollkommen erfüllt. Ich war die ganze Zeit für sie da. Habe sie gepflegt. War bis zu ihrem letzten Atemzug bei ihr. Auch um sicher zu gehen, dass sie wirklich das zeitliche segnet. Oder zur Hölle fährt? Egal, hauptsache sie lebt nicht mehr. Hauptsache sie kann mich nicht mehr terrorisieren, kann mein Leben nicht mehr ruinieren, kann nicht mehr bestimmen was ich darf und was nicht. Und sich dabei durch die ganzen Städte sexuell zu vergnügen .

Wäre ich damals nicht so dumm gewesen, wäre mein Leben vielleicht anders verlaufen.

Hätte ich vor fünf Jahren die Eier in der Hose gehabt, wäre ich jetzt glücklich mit Susanne irgendwo in Brasilien. Wir würden ein glückliches Leben führen mit ihren Kindern Grand und Lilly. Sie wäre weg von ihrem grausamen Ehemann, der sie nur verprügelt und misshandelt hat, genauso wie ihre Kinder.

Wäre nur nicht dieser beschissene Autounfall vor fünf Jahren gewesen.

Mir rollen Tränen übers Gesicht, als ich an Susanne denke und daran, dass ich sie nie wieder berühren, küssen, riechen oder ihre Stimme hören kann. Sie war die erste und einzige Frau in meinem Leben, die mir gezeigt hat was Bedingungslose Liebe ist und wie schön diese Liebe sein kann. Wie aufrichtig und ehrlich.

Alles was Alexandra in den 26 Jahren unserer Beziehung und Ehe zustande gebracht hat, war ein Wrack aus mir zu machen.

Alexandra und ich lernten uns damals in der Schule kennen, sie hatte mit ihren Eltern einige Jahre im Ausland gelebt. Ihr Vater arbeitete für das Militär und war dort sehr weit gekommen, somit wurde er immer wieder in anderen Ländern stationiert. Und hatte als General sehr viel Einfluss und Macht in den verschiedenen Städten.Wäre er bei der Mafia gewesen… Tja er wäre der Mafia Boss und wüsste wie man Menschen schnell und einfach auslöschen könnte ohne auch nur in den Verdacht zu geraten. Ihre Mutter hatte das Kochen und Backen für sich entdeckt und durch das ein oder andere tief greifende Gespräch eine eigene Koch- und Backsendung im Fernsehen bekommen, die sich erstaunlich lange hielt. Gut klar, ich kann es verstehen durch ihre ganzen Schönheits Ops sieht sie auch noch verdammt gut aus für ihr derzeitiges Alter. Trotzdem wäre dieser Gefühlskalte, selbstverliebte Eisklotz nichts für mich. Der Vater ist mit seiner strenge auch nicht sehr viel besser.

Alexandra war damals schon 18 Jahre Alt, als sie in meine Klasse kam. Ich war gerade 16 geworden.

Sie war ein wunderschöner Engel. Blonde Rapunzel Haare, leuchtend grüne Augen, ihr Körper glich dem von Pamela Anderson, eine engelsgleiche Stimme, groß… und ihre Klamotten… wow… Figurbetont, viel Ausschnitt und so knapp es eben ging und dann immer wieder andere Pumps.

Ja man merkt ich war damals sehr oberflächlich. Aber hey ich war eben gerade 16 und voll im Geschlechtsreifenalter. Als junger Kerl war Alexandra das absolute Schönheitsideal. Ein Traum von Frau.

Aber auch nur Äußerlich…

Ich erlag ihrem Scham. Oder besser gesagt ihrer Manipulativen Art. Wir hatten einige Dates, und ich wollte es ruhig angehen lassen. Gerade auch aus dem Grund, weil ich noch Jungfrau war und tierische Angst vor dem ersten Mal hatte. Also machte ich Alexandra alles recht. Brachte ihr zu jedem Date Blumen, Pralinen, eine aufgenomme Kassette oder eine VHS Kassette mit verschiedenen Liebesszenen mit.

Damals hatte ich ihre Freude als überschwänglich gesehen. Rückwirkend betrachtet (mit genügend Abstand) hat sie immer die Augen verdreht, genervt geseufzt und sich bedankt.

Wie schlimm diese rosa-rote-Brille sein kann, oder?

Irgendwann passierte es dann doch und ich hatte mein erstes Mal mit ihr. Begeistert war sie nicht gerade, weil ich zu dem Zeitpunkt ziemlich schnell fertig war.

Aber hey, wenn du als junger Bub da stehst, deine (damalige) Traumfrau vor dir in einem heißen, sexy negligé steht… sich an dir reibt und dich völlig wahnsinnig macht… wie sollst du dann noch stunden lang aushalten können?

Na, ja beim zweiten ersten Mal am selben Abend, konnte sie dann nicht mehr sprechen, weil sie so fertig war und es deutlich länger war, als das erste.

Es war schon ganz schön praktisch, dass ihre Eltern sehr oft unterwegs waren und wir sehr oft bei ihr alleine zu Hause waren.

Obwohl ich mich damals sehr angestrengt hatte, hassten mich ihre Eltern. Vorallem ihr Vater… Ihre Mutter versuchte mich ständig zu verführen. Alexandra glaubte mir natürlich kein Wort, als ich davon erzählte. Also schwieg ich dann irgendwann und ließ ihre Mutter weiterhin abblitzen. Schließlich liebte ich Alexandra.

Wir beide absolvierten unser Abitur mit 1,0. Ich hatte Alexandra immer von meinem Traum erzählt Pilot zu werden und damit viel Geld zu verdienen. Ich wollte mich auch für ein paar Jahre bei der Bundeswehr verpflichten, einfach um dort auch in die Kampfpilotenausbildung zu gehen usw. Sie war natürlich ganz und gar nicht davon begeistert und machte mir regelmäßig feuer unterm Hintern.

Einen Abend ging ich zu ihr, um mich bei ihr für mein Verhalten zu entschuldigen… Tja sagen wir es einmal so, dass war das erste von unzähligen malen wo ich sie mit einem anderen Mann im Bett erwischte.

Unter tränen beteuerte sie mir, dass es nicht das wäre wonach es aussehen würde. Und das ich selbst daran schuld wäre… schließlich würde ich sie ja von mir weg stoßen und sie nicht mehr an mich ran lassen und würde sie verlassen wollen usw.

Ich habe irgendwann aufgehört zu zuhören. Einfach, weil man dann ja auch keine Lust mehr hat sich ständig dieselbe leier anzuhören.

Als ich dann ein paar Wochen nicht mehr mit ihr geredet hatte, kam sie irgendwann verheult zu mir und wedelte mit einem Schwangerschaftstest vor meiner Nase herum.

Der ist positiv! Ich bin Schwanger von DIR Eric! Verdammt Du kannst mich nicht verlassen! Du wirst Vater und MUSST die Verantwortung für das Baby und mich übernehmen!“

Bitte? Von mir? Wir hatten schon lange keinen Sex mehr gehabt. Und vorallem keinen ungeschützten. Darauf hatte ich bestanden, weil ich gerade diese Situation mit 19 nicht wollte. Und schon war es passiert. Wie sollte ich denn so beweisen, dass ich nicht der Vater bin? An dem Tag bollerte es dann irgendwann gegen unsere Wohnungstüre nachdem wir meiner Mutter diese Botschaft überbracht hatten. Sie war semi erfreut jetzt schon Oma zu werden… Als sie die Türe öffnete stürmten Alexandras Eltern unsere Wohnung… Na, ja eher ihr Vater der drauf und dran war mich grün und blau zu schlagen. Während ihre Mutter heulend durch die Tür schwebte und es nicht fassen konnte, dass sie schon Oma werden sollte. Meine Mutter beruhigte schnell diese Situation. Und wir kamen alle überein, dass Alexandra und ich am besten heute noch heiraten sollten. Natürlich nicht ohne Ehevertrag… Und der viel mehr zugunsten von Alexandra, als von mir aus. Aber ich war dazu gezwungen ihn, ohne wenn und aber, zu unterzeichnen. Das hatte mir Alexandras Vater zuvor in der Küche unter vier Augen folgenden Worten klar zu verstehen gegeben. „Eric, kommst du mal eben bitte mit in die Küche, damit wir uns einmal von Vater zu Vater unterhalten können?“ Ich hatte nur genickt und war ihm in unsere Küche gefolgt mit einem mulmigen Bauchgefühl. „Nun gut wir sind jetzt alleine. Folgendes Schwiegersohn in Spe. Du solltest deine Vaterrolle verdammt ernst nehmen und auch die Ehe mit Alexandra. Ich kann Dinge in Bewegung setzen von denen du noch niemals etwas gehört hast. Du möchtest doch nicht, dass es deiner Mutter finanziell oder auch körperlich noch schlechter gehen soll, oder? Und du möchtest doch bestimmt noch sehr lange etwas von deiner Mutter haben, habe ich recht?“ Ich nickte, stumm wie ein Fisch. „Sehr gut, dann wirst du so lange bei Alexandra bleiben. In guten wie in schlechten Zeiten. In Gesundheit und Krankheit bis das der Tod euch scheidet. Oder aber Alexandra geht und etwas bessereres findet. Selbst dann wirst du deine Pflicht als guter Ehemann erfüllen und alles dafür tun, dass das nicht passieren wird. Du wirst außerdem auf einen Vaterschaftstest verzichten und selbst wenn einer gemacht werden sollte, wird dieser immer wieder besagen, dass du der Vater bist. Haben wir uns verstanden?“ Ich nickte erneut und er begann selbstgefällig zu grinsen. Legte den Arm um mich und wir gingen zurück zu den anderen ins Wohnzimmer. Scheiße auf was hatte ich mich da bloß eingelassen?!

8 Monate später kamen unsere Zwillinge Amy und Paul auf die Welt. Ich sagte mir, dass ich es für sie schaffen würde so lange wie nötig mit ihrerer Mutter zusammen zu bleiben, damit sie ein schönes Leben haben würden. Ich liebte die beiden abgöttisch. Während ich gezwungen wurde meinen Job aufzugeben und mich vollkommen den Kindern zu widmen, damit Alexandra ihre Karriere verfolgen konnte, als erfolgreiche Modedesignerin… passierte nach nur fünf Jahren des Lebens etwas grauenvolles. Unsere Kinder wurden Krank, schwer Krank. Amy hatte einen aggressiven Hirntumor, den man nicht behandeln konnte und Paul bekam kurze Zeit später eine seltene art von Blutkrebs, die kein Arzt rechtzeitig hatte feststellen können.

Unsere beiden Kinder starben, qualvoll obwohl sie Morphium bekommen hatten gegen die Schmerzen. Ich war bei beiden bis zu ihrem letztem Atemzug. Bis ihre kleinen Herzen aufhörten zu schlagen.

Alexandra hatte sich noch nicht einmal die Mühe gemacht zu kommen und bei unseren Kindern zu sein. Geschweige denn sie mal im Krankenhaus zu besuchen. Sie hatte sie vollkommen alleine gelassen, weil sie ganz dringend nach New York zur Fashion Week musste. Als ich ihr die Nachricht unter tränen überbrachte, dass unsere Kinder nun von uns gegangen waren hatte sie nur „Danke für die Info, Bye.“ gesagt und aufgelegt.

Ich hatte daraufhin die Beerdigung und alles andere alleine in die Hand genommen. Sie war zur Beerdigung und zur Trauerfeier gekommen. Gab die liebende Mutter ab, erzählte sie wäre bei ihren Kindern gewesen, als sie starben und wie weh ihr das ganze tat. Sie wäre so fertig. Als sie meine Mutter umarmte sah sie mich an und grinste mich dreckig an.

Ich war so wütend gewesen. Ich hatte am Abend meine Koffer gepackt und wollte verschwinden, als zwei mir völlig Fremde Männer, die locker einen Felsbrocken hätten zertrümmern können, mich mit Schlägen und Messerschnitten davon abhielten zu gehen.

Das passiert, wenn du sie verlassen willst. Schaffst du es wirklich zu gehen, werden wir dich aufsuchen und dich quälend langsam umbringen und niemand wird deine Leiche jemals finden können.“

Innerlich war ich mit meinen Kindern gestorben. Ich vegetierte vor mich hin. Machte den Haushalt und diente als Sklave für meine Frau. Sie ging sogar so weit, dass sie ihre Liebhaber zu uns nach Hause brachte und sich dort mit ihnen ausgiebig sexuell austobte. Und ich ihr Houseboy war. Irgendwann wurde ihr das alles zu viel und sie wollte mich aus dem Haus haben, weil ich ihr eine Tour vermasselt hatte. Blöd wenn man dann sagt:“nein ich bin der Ehemann der Dame, die sie gleich sexuell befriedigen werden. Aber viel Spaß mit der Landesmatratze, sie hatte vor kurzem nen Tripper, also würde ich an ihrer Stelle ein Kondom benutzen. Nur als gut gemeinter Ratschlag.“

So wütend hatte ich sie noch nie erlebt und ich wusste auch nicht, dass sie so kräftig war. Sie hatte mich an diesem Abend Krankenhaus reif geschlagen. Und als sie mich dort hatte hin bringen wollen, bin ich wohl angeblich die Treppen hinunhter gestürzt… sie hatte mich noch halten wollen, aber hatte nicht genug kraft gehabt und dann war es auch schon passiert.

Auf der Intensiv Station lernte ich dann die wundervollste Person auf Erden kennen. Susanne, die auch Patientin war. Susanne war gerade 26 Jahre Jung, hatte rote mittellange Haare, strahlend blaue Augen, war kurvig und klein, als wir uns kennen lernten. Ich war mittlerweile 36 Jahre alt, bekam schon ein zwei graue Haare (wundervoll wenn man schwarze Haare hat) meine Geheimratsecken wurden größer, mein rausche Bart wuchs vor sich hin, genauso wie meine Bauchmuskeln sich mittlerweile unter einem kleinen Bäuchlein versteckten. Sie erzählte mir von ihren beiden Kindern und ihrem Mann. Ihr Mann war Drogen abhängig und Alkoholiker. Er missbrauchte und verprügelte sie wohl regelmäßig, so hatte er auch ihre derzeitige Schwangerschaft manuell beendet, woran sie fast gestorben wäre. Sie war damals von ihren Eltern an ihn verkauft worden, weil ihre Eltern sie nie hatten haben wollen. Selbst ihr Vater hatte begonnen sie schon als kleines Mädchen zu missbrauchen und hatte ihre Mutter verprügelt.

Mir klappte die Kinnlage hinunter, als sie mir davon erzählte. Wir wunderten uns beide, dass wir so eine starke und innige Verbindung zueinander spürten. Wir hatten ein starkes Vertrauensverhältnis, wurden wir beide doch auf eine art und weise misshandelt von unseren Partnern. Wir tauschten unsere Handynummern aus vorher hatten wir uns Prepaid Handys besorgt, damit niemand unsere Nachrichten auf unseren Vertrags-Handys lesen und zurück verfolgen konnte.

Nachdem wir aus dem Krankenhaus entlassen wurden, besuchten wir beide eine Trauergruppe für Eltern, die ihre Kinder durch Krankheiten oder Unfälle verloren hatten. So konnten wir uns immer sehen, denn ihr Mann hatte ihre letzten beiden Schwangerschaften Manuell beendet, sodass sie totgeburten hatte.

Susanne war so lieb, nach den Treffen gingen wir immer noch einen Kaffee trinken mit ein paar weiteren Teilnehmern oder auch mal alleine, damit nichts zu auffällig wurde. Wir redeten dann noch ein paar Stunden mit einander. Sie erzählte mir, dass ihr Mann regelmäßig für einige Wochen verschwand um ungestört seine Drogen nehmen und sie betrügen zu können mit anderen Frauen oder Männern, je nachdem wonach ihm gerade war. Meine Frau war auch am laufenden Band unterwegs, manchmal auch für ein paar Wochen. So konnten Susanne und ich uns ungestört, aber dennoch äußerst vorsichtig näher kommen. Wir verliebten uns in einander, wussten wir doch das wir nur eine gemeinsame Zukunft haben könnten, wenn unsere Partner sterben oder sich von uns scheiden lassen würden. Was so schnell alles nicht passieren würde.

Ich liebte ihr lachen. Ihre positive Ausstrahlung. Wenn wir beide zusammen waren, dann war die Welt bunt. Alles war möglich. Ich war ein Held für sie und sie war eine Heldin für mich. Ich begann mir einen Job zu suchen. Bisher hatte ich nur in der Logistik gearbeitet, weil nichts anderes möglich gewesen war, nachdem Alexandra schwanger geworden war und ich mich um sie hatte kümmern müssen, während sie so lange wie möglich ihr Modedesigner-Studium durch gezogen hatte und nach der Geburt unserer Zwillinge sofort ihr Studium wieder aufgenommen hatte.

Man bot mir an, dass ich den Abschluss zum Logistiker per Externenprüfung nachholen konnte und danach mich weiter qualifizieren konnte, was ich dankend annahm. Da Alexandra gerne in der Weltgeschichte unterwegs war und sie auch definitiv keine Kinder mehr wollte, weil der Schmerz ja zu tief saß, konnte ich mich nun meiner Karriere und auch weiterhin meiner Trauer um meine Kinder widmen. Susanne unterstütze mich, während sie weiterhin mit Leib und Seele Hausfrau und Mutter war. Eines Tages allerdings verriet sie mir, dass sie gerne Tierärztin geworden wäre. Sie liebte Tiere über alles, ihr Mann wollte aber keine Tiere in seinem Haus haben.

Unsere Liebe wurde tiefer und inniger, wir begannen über eine gemeinsame Zukunft zu reden und irgendwann wurde der Wunsch und die Sehnsucht danach immer größer und ließ sich nicht mehr aufschieben.

Also beschlossen wir ( zwei Jahre Später) ihre Kinder über die Osterferien zu meiner Mutter zu bringen und sie so lange dort zu lassen, bis wir in Brasilien ein neues Leben unter anderen Namen aufgebaut hatten und die Kinder danach dann zu uns zu holen. Meine Mutter hatte ich eingeweiht, weil sie immer schon gegen Alexandra gewesen war und nie geglaubt hatte, dass sie Zwillinge von mir gewesen waren. Alexandra hatte uns damals aber einen Vaterschaftstest präsentiert, der dies widerlegt hatte. Wobei mir klar gewesen war, dass ihr Vater dort seine Finger bzw. seine Kontakte mit im Spiel hatte. Dennoch hatte meine Mutter ihr nie geglaubt. Wir wollten uns. Wir wollten ein lebenswertes Leben. Zusammen. Mit ihren Kindern.

Wir planten alles akribisch durch und alles war perfekt. Bis die durchsage eines Sturms in den Nachrichten kam. Sie fing an zu zweifeln, ob das alles gut gehen würde und in dem Fall sprach ich ihr diesmal den Mut zu, den sie benötigte. Ich wollte Sie. Ich wollte ein Leben mit Ihr. Mit ihren Kindern. Sie weinte viel an diesem Abend und war hin und her gerissen, entschied sich dann aber doch dazu, dass wir das jetzt durch ziehen und durch brennen. Die falschen Pässe und alles waren dort. Wir hatten neue Identitäten. Sie hatte ihre Haare bei meiner Mutter gefärbt und meine Mutter hatte sie ihr geschnitten. Als gelernte Meisterfiseurin war das ein leichtes für sie gewesen. Die Kinder waren schon mit Susanne zu meiner Mutter gekommen und Susanne hatte ihnen alles erklärt. Lilly ihre Tochter hatte es noch nicht verstanden, wie denn auch mit 4 Jahren? Ihr Sohn Grand war zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt gewesen und hatte nichts dazu gesagt und seine Schwester getröstet. Susanne hatte mir erzählt, dass er immer schon sehr aufmüpfig gewesen, oft widerworte gegeben hatte und letztendlich immer da tat, was er wollte. Er wirkte immer ein wenig zurück geblieben bei seiner Wortwahl. So als ob er gerade 9 Jahre alt war in seinem Kopf.

Er hatte nur gesagt: „Mama du kommst auch bestimmt wieder und lässt uns nicht alleine, sodass Volker uns nicht länger etwas antun kann, oder?“

Nein mein Herz, ich komme wieder und dann hole ich euch, damit wir zusammen mit Eric ein neues Leben beginnen können und Volker uns allen nie wieder weh tun kann. Du weißt ich Liebe euch und will immer nur das beste für euch beide.“

Ja Mama das weiß ich. Ich Liebe Dich. Komm bitte bald wieder zurück. Und nun Lilly hör auf zu weinen. Mama hat versprochen wieder zu kommen. Und du weißt das Mama immer ihr versprechen hält.“

Wer hatte ahnen können, dass das das letzte Gespräch und ihre letzten Worte an ihre Kinder sein würde? Wer hätte gedacht, dass der Sturm so unsagbar schlimm werden würde? Das der Vater die Kinder anrufen und nach Hause ordern würde? Und das ihre Kinder einen unachtsamen Moment meiner Mutter nutzen würden, um nach Hause zu laufen und dort auf ihre Mutter zu warten und dem Befehl ihres Vaters nach zu kommen? Wer hätte gedacht, dass diese nächsten Stunden mitunter zu meinen schlimmsten werden könnten?

Wir fuhren los, meine Mutter und die Kinder winkten uns vom Fenster aus zum Abschied zu. Susanne stieg ein und breitete zur vorsicht noch die Karte aus, weil sie dem Navi nicht vertraute. Sie war eine super Beifahrerin und achtete immer mit auf die Autos und vermeidete somit auch brennsliche Situationen.

Wir fuhren eine beschädigte Landstraße entlang. Mittlerweile hatten Susanne und ich die Plätze getauscht, weil ich auch schon ziemlich müde geworden war. Wir wollten mit dem Auto und den Schiffen rüber nach Brasilien wegen der Kontrollen und, weil unser Weg somit schwerer zurück zu verfolgen war und man den ein oder anderen besser bestechen konnte. Also fuhren wir zu dem Hafen in Flensburg.

Die Sicht wurde durch den Schneeregen immer schlimmer, die Straßen waren spiegel Glatt und dann klingelte ihr Handy. Es war eine Nachricht von ihren Kindern, dass sie zu Hause waren, um dort auf ihre Mama zu warten, sie hatten wohl das Geschäftshandy von meiner Mutter mit gehen lassen, worauf Susannes Nummer gespeichert gewesen war. Susanne bekam Panik und weckte mich, schlaftrunken sah ich sie an und dann auf die Straße… zu spät… ein LKW-Fahrer krachte Frontal in unser Auto…

Stille… absolute Stille… mein Leben zieht vor meinem inneren Auge vorbei. Ich schlage irgendwo gegen … und dann öffne ich wieder meine Augen. Ich liege neben dem fast zerquetschten Auto… Habe ich die Beifahrertür geöffnet und bin noch hinaus gesprungen? Scheiße was ist mit Susanne… Susanne… ich rappel mich auf und taummel zum Auto… ich sehe hinein… Susanne ist eingequetscht … sie reagiert nicht… ich schnappe mir meine Sachen aus dem Wrack und renne weg… voller Panik… voller Trauer…

Meine Schwiegereltern reißen mich aus meinen Gedanken, der Sarg ist noch geöffnet. Sie hatten es so gewollt… bevor Alexandra in die Erde gelassen wird und man nie wieder ihr „wunderschönes“ Gesicht sehen wird.

Es tut mir so leid, dass dich das alles so mit nimmt. Ich bin immer für dich da mein Junge. Sie war so eine liebevolle Ehefrau und Mutter. Sie hat immer alles für ihre Familie getan und sich so aufgeopfert.“ Sagt Ursula.

Natürlich… die Beine haben sich ja immerhin nicht von alleine gespreizt für ihre tausenden liebhaber die auch heute alle andwesend sind und trauern.

So eine wundervolle Partnerin wirst du nicht wieder finden. Wer will sich schon so einen Versager wie dich ans Bein binden. Jetzt muss unsere kleine nicht mehr leiden und sich nicht mehr um dich kümmern.“ Sagt Günther.

Hatte ich schon erwähnt das meine Schwiegereltern mich hassen? Nein? Sie hassen mich. Abgrundtief. Und was für tröstende Worte sie gewählt haben. Der Hammer.

Ich dagegen schweige und nicke einfach nur, weil ich keine Lust auf ein Gespräch mit ihnen habe. Der Klügere gibt nach, auch wenn sie das nicht so sehen würden. Währenddessen begleite ich sie zu ihrem Wagen.

Würdet ihr bitte schon einmal zu dem Restaurant vor fahren. Ich würde mich gerne noch einmal allein und in aller Ruhe von Alexandra verabschieden, bevor der Sarg geschlossen und sie in das Grab gelassen wird.“

Sie nickt und er rümpft nur die Nase. Dann fahren sie los. Wie gerne würde ich Ihnen jetzt den Mittelfinger hinterher zeigen. Nur noch der Leichenschmaus und dann habe ich es endlich hinter mir. Dann muss ich nie wieder in meinem restlichen Leben etwas mit ihnen zu tun haben. Ich kann mein Leben dann endlich so gestalten wie ich es gerne hätte. Eine neue Frau werde ich mir nicht suchen. Meine große Liebe starb vor fünf Jahren bei dem Autounfall und so eine Frau werde ich nie wieder finden.

Der Pfarrer ist schon mit der restlichen Gesellschaft zu dem Restaurant gefahren. Ich bin also wirklich alleine mit Alexandra… ein letztes mal…. ich nähere mich dem noch geöffneten Sarg… unschuldig liegt sie da. Gott wie hart muss der Bestatter gearbeitet haben, um dieses Gesicht so zu entspannen? Es war Schmerzverzerrt. So viel Morphium hatte sie nicht mehr bekommen als sie starb.

Er hat sich echt Mühe gegeben mit dem Make-Up, den Ohrringen, der Kette, dem Kleid… und dem Handy in ihren Händen…

Dem Handy? Auf den Blumen? In ihren Händen? Verdammt, wie kommt das da hin?

Ist es jemandem aus der Hand gefallen beim fotografieren? Oder aus der Hemdtasche?

Aber dieses Handy ist mir bei niemandem aufgefallen. So schwarz und schlicht… das würde zu niemandem passen.

Ich sehe mich um, um mich zu vergewissern, das ich auch wirklich alleine bin und niemand in der nähe ist. Nicht, dass mir noch Leichenschändung hinterher gesagt wird. Ich nehme das Handy in die Hand. Es ist ein altes Smartphone. Ich tippe auf dem Bildschirm herum. Er bleibt dunkel. Ich verziehe den Mund und packe es erst einmal in meine Hosentasche. Wenn ich nachher zu Hause bin werde ich ihn ruhe schauen wem das Handy gehört. Ich sehe Alexandra an und würde ihr am liebsten ins Gesicht spucken…

Ruhe in Frieden in der Hölle, für alle deine boshaften Taten.“

sage ich leise, als ich Richtung Auto gehe.

Als ich im Auto sitze habe ich das Gefühl, als ob mir jemand eine Spritze reingejagt hat, die all meine Energie ausgesaugt hat. Voll automatisch und wie ein Zombie fahre ich zum Restaurant und sitze teilnahmslos in einer Ecke, nicke nur oder schüttele den Kopf, wenn sich Menschen mit mir unterhalten. Sie erzählen mir alle, wie toll Alexandra doch gewesen ist und was sie alles gutes für Menschen getan hat. Was sie für eine tolle Chefin war. Wie super sie das Unternehmen aufgebaut hat und was ich doch für ein Glück mit ihr hatte. Ihre Liebhaber erzählen mir nur, wie toll sie im Bett war und was ich erlebt haben muss, wenn sie und ich dann mal Sex hatten. Das sie, sie am liebsten geheiratet und eine ganze Fußballmannschaft gegründet hätten. Was für ein mieser Ehemann ich doch war.

Irgendwann gehen die ersten und dann dauert es nicht mehr lange bis alle weg sind. Meine Mutter und ich sind alleine. Alexandras Eltern haben die Rechnung für den Leichenschmaus komplett übernommen und sind wortlos verschwunden. Die Eltern bekommen Alexandras Firma und ich bekomme das ganze Geld. Nett… zumindest etwas und die Eigentumswohnung darf ich auch behalten. Meinen Job habe ich damals wegen ihr Verloren. Ich bin nie über den Tod von unseren Kindern und Susanne hinweg gekommen. Ich bin letztendlich komplett am Boden und darf nun wirklich von null an beginnen. Darf meine Persönlichkeit entwickeln… aber die Frage ist nun „Wer bin ich?“ und die zweite Frage „Wem gehört dieses verdammte Handy?“

Meine Mutter reißt mich aus meinen Gedanken.

Junge alles okay? Du wirkst so, als ob du jeden Moment eine Dummheit begehst? Oder Alexandra jeden moment auferstehen könnte.“

Nein alles okay. Es ist alles nur zu viel aufeinmal und der Tod der Zwillinge und von Susanne kommen wieder hoch. Alle Erinnerungen und auch alle Erinnerungen an das was Alexandra mir in den ganzen Jahren angetan hat.“

Eric ich weiß was sie dir angetan hat. Und ich hatte jedesmal Angst um dich, dass du dir das Leben nimmst. Aber bitte gib jetzt nicht auf. Jetzt ist deine Zeit gekommen endlich zu Leben. Heraus zu finden wer du bist. Zu sehen das es auch so wundervolle Dinge im Leben gibt. Und bestimmt findest du noch mal eine Partnerin. Auch wenn Susanne deine Seelenverwandte und große Liebe war. Lass den Kopf nicht hängen und gib die Hoffnung nicht auf. Du bist jetzt endlich frei.“

Hmmmm Mmmmhhhh. Danke Mama. Ich denke ich werde jetzt nach Hause fahren. Ich brauche Ruhe und Zeit.“

Kann ich nur noch hervor bringen. Stehe auf und gehe. Sie folgt mir nach draußen. Wir geben uns einen Abschiedskuss und dann fährt jeder zu sich nach Hause.

In der Wohnung angekommen, reiße ich mir alle Kleider vom Leib, weil ich das Gefühl habe, dass sie mich ersticken wollen. Dabei fällt das Handy aus meiner Hosentasche und erweckt erneut meine Neugier heraus zu finden wem es gehört. Ich hebe es vom Boden auf und setze mich an meinen Schreibtisch. Ich betrachte es von allen Seiten und es nichts auffälliges daran zu erkennen. Irgendwann finde ich die Powertaste und drücke diese. Der Bildschirm leuchtet auf und weist mich an, dass Display zu entsperren, damit ich das Handy benutzen kann. Entsperren mit einer PIN? Da sind doch milliarden von Möglichkeiten gegeben… Fuck… wie soll ich dieses Mist Teil entsperren… Ich probiere es mit 1234… nichts tut sich… Ich kam schon immer besser mit Computern als mit Handys klar. Ein kleines Hobby, welches ich mir angeeignet habe, damit ich mehr Ruhe von Alexandra bekam. Außerdem hatte sie mich dazu gezwungen, damit sie kein Geld für eine Firma ausgeben musste, die ihr dann eine Website programmiert und designed. Wie praktisch… Ich habe es immer irgendwo gehasst… es aber getan, weil sie mich dann in Ruhe ließ und netter zu mir war. Ich probierte Alexandras Geburtstag… Immerhin hätte ein Liebhaber das Handy ja dort verstecken können, damit ich dann von ihrem tollen zweit oder dritt Leben erfahre… immerhin war ihr ja alles zu zutrauen. Wieder ein Fehler. Der Krebs von Alexandra hätte ruhig aggressiver sein können… die 12 Monate hätten nicht sein müssen… weniger wäre besser gewesen. Ich legte das Handy zur Seite, weil die Wut in mir aufstieg und mir etwas an der heutigen Tageszeitung ins Auge sprang.

Volker Sperring… Wieso kam mir dieser Name so bekannt vor? Ein Artikel über seinen Leichenfund… keiner wusste bisher so genau was passiert war. Seine Tochter Lilliane Sperring wurde auch Tod aufgefunden… das Haus war halb niedergebrannt worden… Die Polizei benötigt wohl Hilfe, um den Tat hergang zu rekonstruieren und braucht Zeugen um den Täter zu finden. Ob er wohl eine Frau hatte? Komisch das gerade er und seine Tochter umgebracht worden waren.

Ich ließ es für heute gut sein, stand vom Schreibtisch auf, schaltete überall in der Wohnung das Licht aus und ging ins Bett. Ich war müde von dem gesamten Tag. Müde von den gesamten Jahren. Ich wollte einfach nur mal wieder richtig lange und ausgiebig schlafen. Mein neuer Lebensabschnitt hatte begonnen. Ich schlief zwar sofort ein doch…

In der Nacht hatte ich schlimme Albträume. Alexandra jagte mich mit einem Beil durch die Wohnung, weil sie mein geheimes Handy gefunden hatte. Sie hatte all die Nachrichten darauf gelesen und die Bilder darauf gesehen, die Susanne und ich uns geschickt hatten. Zumindest hatten wir damals die Bilder immer doppelt geschossen, sodass sie das identische Bild auf ihrem Handy hatte wie ich. Bluetooth usw waren da noch nicht so weit entwickelt gewesen. Was uns überhaupt nichts ausgemacht hatte, weil wir so teilweise noch länger zusammen kuscheln mussten. Ich sah Susanne wie sie lächelte und dachte der Albtraum mit Alexandra wäre vorbei… dann kippte wieder alles und ich sah Susanne in dem Auto eingequetscht…

Ruf Hilfe, hol jemanden zur Hilfe, ich Lebe noch, rette mich.“ sagte sie immer und immer wieder.

Ich bekam Angst und rannte weg, mein Handy Akku war leer und ich hatte keinen Empfang, ich konnte keine Hilfe rufen. So sagte ich ihr, dass es mir leid täte und ich nichts für sie tun könnte. Und wieder tauchte Alexandra mit dem Beil auf und lief schreiend hinter mir her… Unsere Zwillinge schossen irgendwann wie Zombies aus der Erde und verfolgten mich zusätzlich. Sie warfen mir Dinge an den Kopf, die ich akustisch nicht verstand… irgendwo ertönte ein mir bekanntes Klingeln… ich versuchte meine Ohren zu verschließen, schloss dabei fest die Augen, weil ich all das Leid um mich herum nicht mehr ertragen konnte… ich öffnete kurz die Augen, da stand Alexandra vor mir… diabolisch lachend und ließ das Beil auf mich hinab sausen…

Ich wachte schreiend und schweiß gebadet auf… mein Herz raste… Ich bekam kaum Luft… Ich schaltete die Nachttischlampe ein und sah, dass alle Kissen verstreut auf dem Boden lagen… Ich musste sie wohl geworfen haben um Alexandra auf Abstand zu halten…

Was war das bitte für ein Traum gewesen? Die Albträume hatte ich nur nach dem Tod unserer Kinder und nach dem Tod von Susanne gehabt. Alles Menschen die ich über alles geliebt hatte.

Ich stand auf und ging zum Schrank, ich suchte mein Geheimfach wo ich die Kiste versteckt hatte die Susanne und ich jeweils gemacht hatten. Dort waren unsere Liebesbriefe unsere schönsten Fotos, Tickets von unseren Dates, unsere Listen was wir einmal zusammen machen wollten, Rosen usw. aufbewahrt. Ich holte die Kiste immer nach solchen Albträumen hervor… alles darin beruhigte mich irgendwie. Gab mir neue Kraft alles durch zu stehen, irgendwie weiter zu machen, auf ein besseres Leben zu hoffen. Darauf zu hoffen, dass Susanne und ich irgendwann vereint sein werden oder jeder von uns zumindest ein besseres Leben führen wird, wenn es mit uns nicht mehr klappen sollte. Es hätte klappen können… es hätte für das „für immer“ ausgereicht. Sie war meine, eine große Liebe. Doch auch sie wurde mir auf grausame Art und Weise genommen, genauso wie meine Kinder… Alles was ich liebte starb in kurzer Zeit. War es mir nicht vergönnt zu lieben und glücklich zu sein? Ein lebenswertes Leben zu führen?

Warum war alles so gekommen, wie es gekommen war? Hatte ich grundlegend etwas falsch gemacht? War ich zu gierig gewesen? Sollte ich für immer allein sein? Sollte ich für die Taten in meinen früheren (Ja ich glaube an die Reinkarnation) Leben jetzt in diesem dafür büßen? Was war der Grund für meine derzeitige Situation? Sollte alles so sein? Worin bestand der Sinn? Was sollte ich lernen? Warum? Fragen über fragen, wobei man bei den meisten sowieso keine Antwort erhält. Und das jetzige Gedankenkarussell dann doch nicht mehr anhält. Nachdem alle Fragen abgearbeitet wurden, geht es an die Schuldzuweisung und an die Vorwürfe. An das, hättest du mal lieber dies und hättest du mal lieber das… nein stattdessen hast du jenes getan. Und ich weiß ich kann das vergangene nicht ändern. Hätte ich eine Zeitmaschine, dann würde ich dies auf jeden Fall tun. Aber ohne Alexandra hätte es Susanne niemals in meinem Leben gegeben. Das ist das einzig gute an ihr gewesen. Gut unsere Kinder auch, aber die sind mir ja leider viel zu früh genommen worden. Ich höre schon wieder das Klingeln eines Handys… Dieser Ton… Irgendwie kommt er mir seltsam vertraut vor… wieder ist es still… Ich gehe wieder zu meinem Schreibtisch… An Schlaf ist jetzt um 03:00 Uhr morgens eh nicht mehr zu denken.

Der Bildschirm des Handys ist dunkel. Ich nehme es erneut hoch und drücke auf die Powertaste. Schon wieder werde ich angewiesen mit dem PIN das Display zu entsperren… Meine Gedanken schweifen wieder zu Susanne… heute hätte sie Geburtstag gehabt, wir wären mit ihren Kinder in Brasilien gewesen… hätten dort ein wundervolles und erfülltes Leben geführt. Sie wäre vielleicht von mir Schwanger gewesen, wir hätten gelacht. Ich hätte bei einer IT Firma gearbeitet, sie hätte ihr eigenes Restaurant gehabt… Niemand hätte uns länger etwas anhaben können. Alexandra wäre wieder glücklich geworden und mit Glück wäre Susannes Mann an einer überdosis gestorben. Wir wären zusammen frei gewesen. Nie wieder gewalt, nie wieder dramen, nie wieder psychische Vergewaltigung. Einfach nur sie und ich und die Kinder… das typische und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage. Ein Traum wäre wahr geworden für uns beide.

Gedankenverloren an Susanne, tippe ich ihren Geburtstag als PIN ein… von dem erfolgreichen Ton werde ich wieder in die Realität zurück geholt. Und ich habe schon wieder vergessen, wie ich dieses Handy entsperrt habe. Auf dem Startbildschirm befindet sich direkt die Galerie, das Telefonbuch, Sms und ein Internetbrowser… Ich schaue erst in das Telefonbuch, nichts… leer… na super wer speichert denn bitteschön so gar keine Nummern auf dem Handy ab? Dafür ist es doch da, dass man zumindest die wichtigsten Nummer darauf abspeichert. Ich gehe zurück… bei der Sms bekomme ich nur die Benachrichtigungen angezeigt, dass ein Unbekannter Teilnehmer bereits zwei mal versucht hat mich zu erreichen. Na toll… das ist nun auch für mich nichts neues mehr. Immer hin ist es ja offensichtlich, dass jemand zwei mal angerufen hat, sonst wäre das Handy ja stumm und leblos geblieben. Na gut, dann eben die Galerie…. Da wird ja wohl etwas dabei sein, was hinweise auf den Besitzer liefern wird. Hoffe ich doch zumindest. Ich öffne die Galerie und ein paar Sekunden später gleitet mir das Handy aus den Händen… ich werde leichenblass…

VERDAMMT! WIE ZUM TEUFEL! WER HAT…?!

Scheiße verdammt noch mal! Wie kommen bitteschön Fotos von mir auf dieses Handy?! Von wem ist das bitte?! Wieso ist Susanne zum Teil mit darauf? Warum sind da nackt Bilder von uns drauf? Wie hat…?

Scheiße! Scheiße! Scheiße!

Teilweise wurden die Fotos hier in der Wohnung gemacht… teilweise in der freien Natur. Ich frage mich, wie uns jemand nackt fotografieren konnte. Oder mich schlafend. Wie zum Teufel?

Ich hastig auf und beginne in der Wohnung auf und ab zu laufen. Ich frage mich, warum ausgerechnet jetzt diese Fotos auftauchen. Wer sie gefunden hat? Wie sie überhaupt gefunden werden konnten? War jemand an meinem geheimen Handy gewesen? Aber wie? Alexandra hätte mich sofort darauf angesprochen, ich wäre tot gewesen. Hatten mich ihre Eltern beschatten lassen von einem Detektiv? Susanne und ich waren doch immer so vorsichtig gewesen. Ich hatte meine Rolle als Ehemann immer so gut vor Alexandras Eltern gespielt. Niemand hatte einen Verdacht geschöpft, dass ich eine Affäre hatte. Und Susannes Mann war viel zu sehr mit seinen Drogen und Nutten beschäftigt gewesen. Der hätte auch kein Geld für einen Detektiv gehabt.


Wem zum Teufel gehörte dieses Handy?!

Jetzt um 05:00 Uhr würde ich niemanden erreichen können, ich musste mindestens bis um 08:00 Uhr warten um auch nur den hauch einer Chance zu haben, dass ich einen Provider erreichte. Fuck…. Denk nach wer könnte noch dahinter stecken… Einer ihrer Lover vielleicht… Hatte Susanne noch Familie gehabt?… Scheiße ich werde schon ganz Paranoid… Aber wie soll man auch bei solch intimen Fotos nicht Paranoid werden… Waren es vielleicht die Typen gewesen, die mich damals verprügelt hatten, als ich Alexandra verlassen wollte? Mein Vater hatte meine Mutter schon längst verlassen, seit jahren hatten wir keinen Kontakt mehr gehabt. Lange bevor ich Alexandra traf…

Nur Susanne und ich hatten solch deart intimen Fotos zusammen gemacht. Aber ich war auf ihrer Beerdigung gewesen und hatte gesehen wie der Sarg in die Erde gelassen wurde. Sie hatte ein Armutsbegräbnis bekommen, weil ihr Mann nicht mehr Geld hatte ausgeben wollen. Die Trauergruppe in der Susanne und ich gewesen waren, hatte sich angeboten Geld zu spenden für eine anständige Beerdigung. Ihr Mann hatte lediglich gesagt, dass er genug Geld habe aber so eine Schlampe, wie sie eine war, es nicht verdient habe eine anständige Beerdigung zu bekommen. Oh wie gerne hätte ich ihm an diesem düsteren Tag eine rein gehauen… Ich hätte so lange zu geschlagen bis kein Lebenszeichen mehr in ihm gewesen wäre. Aber das hätte ich Susanne niemals antun können und vorallem nicht ihren Kindern. Ihr Sohn war nur kurz mit seinen Pflegern auf der Beerdigung gewesen. Der Junge wurde wohl in eine Psychatrie eingewiesen, wie eine Nachbarin, von Susanne, erzählte. Der Vater hatte keinen Bock sich noch zusätzlich um ihn kümmern zu müssen und der Junge müsse weg gesperrt werden. Na klar, damit er seelenruhig Lilly schlagen und vergewaltigen konnte. Aber jeder in der Nachbarschaft hatte Angst vor diesem Kerl. Ob er jetzt eine Mafia oder ähnlichem angehörte erzählte niemand. Aber er wurde gefürchtet. Machte mal einer den Mund ihm gegenüber auf, verschwand er dann spurlos und wurde ein paar Tage später Tod aufgefunden. Die Todesursachen waren immer kurios und konnten auf eigene unverantwortlichkeit zurück geführt werden… Alles Unfälle… was für ein Zufall…. komisch… Aber keiner wagte es die Polizei einzuschalten oder das Mädchen aus den Fängen ihres Vaters zu holen und sie in ein Kinderheim zu stecken. Stattdessen herrschte die Ignoranz. Lilly wäre es mit uns zusammen in Brasilien so gut gegangen. Ich hätte ihr niemals etwas angetan. Sie hätte bedingungslose väterliche Liebe von mir bekommen und ihr Bruder auch. Wir wären zur Not mit ihnen zu einem Psychologen gegangen, hätten alles zusammen aufgearbeitet und sie hätten später ein normales Leben führen können. Wie kann man seine Kinder nur so grausam und herzlos behandeln? Wie kann man ihnen nur Gewalt antun? Wie kann man seine eigene Tochter vergewaltigen? Wie nur, wie? Susanne wollte diesem Leben entfliehen. Sie wollte glücklich sein. Nicht mehr Gewalt erfahren. Wollte Liebe machen, statt vergewaltigt zu werden… Sie war so ein herzensguter Mensch gewesen. Ich wollte sie glücklich machen. Sie auf Händen tragen. Ihr genau die Liebe schenken, die sie brauchte. Einfach alles tun damit sie diesen schrecklichen Albtraum für immer vergessen kann.

Susanne läuft lachend und glücklich am Strand auf mich zu… Ihr Haar weht im Wind… die Sonne scheint ihr ins Gesicht, sodass sie ihre wunderschönen Augen zusammen kneifen muss. Sie lacht trotzdem und läuft weiterhin auf mich zu. Sie öffnet ihre Arme. Und als ich sie endlich fest in meinen Armen halte beginnt sie zu weinen. Blut läuft aus ihrem Mund.

Warum hast du mir nicht geholfen? Warum hast du keinen Krankenwagen gerufen? Warum bist du weg gerannt? Warum hast du mich alleine gelassen?“

Fragt sie mich mit tränen und Blut überströmten Gesicht. Und dann höre ich dieses diabolische Lachen…

Du hättest ihr mal lieber helfen sollen. Dann hätte ich dich, genauso wie jetzt, mit freuden umbringen können!“

Ich sehe mit tränen in den Augen auf…

Alexandra und das Beil was wieder auf mich hinab rast.

Ich wache wieder Schweißgebadet auf! Völlig außer atem. Und tränen überströmt.

Schon wieder dieser Albtraum. Irgendwann drehe ich noch durch, wenn das so weiter geht. Mittlerweile ist es 08:00 Uhr. Ich brauche aber ein wenig Zeit um mich zu erholen von dieser Nacht, von dem fremden Handy mit den Bildern und von den Albträumen. Was wollen mir diese Albträume sagen? Haben sie eine nähere Bedeutung? Ich rufe mit dem fremden Handy, mein Handy an, um die Nummer aufschreiben zu können für den Provider. Wer weiß vielleicht bekomme ich ja die Informationen die ich benötige um dann den Besitzer zu kontaktieren oder auch anzeigen zu können. Kann man so etwas überhaupt anzeigen? Gilt sowas schon als Bedrohung oder ähnliches? Das kann ich ja danach dann raus finden, um dann zu schauen ob die Polizei dagegen etwas unternehmen kann.

Ich wähle die Nummer des Provider die ich mit Hilfe des Internet schnell gefunden habe. Es klingelt… eine langweilige und nervige warteschlangen Musik ertönt… immer dieser Schwachsinn… als ob das warten dadurch angenehmer werden würde… Wenn sie die Nummer eins der Charts wenigstens spielen würden, dann wüsste man ja was zur Zeit so angesagt ist. Obwohl… Nee… Bitte nicht… dann läuft irgend so ein schwachsinn von Kollegah , Farid Bang oder ähnlichem Mist. Nee… solche Texte muss ich echt nicht bei solchen Telefonaten hören… Nein wirklich nicht… mit meinen 42 Jahren bin ich zu alt für so einen scheiß. Das muss nicht sein… hmmm… okay 80er oder 90er Musik wären dann schon eher was für solche Warteschlangen… Das war damals noch Musik. Susannes, obwohl sie noch so blut jung war, und mein Lied war Enjoy the Silence von Depeche Mode. Das lief im Radio als wir uns im Krankenhaus kennen gelernt hatten. Damals… vor fünf Jahren als die Welt noch vollkommen in Ordnung war. Als ich noch in ihre wunderschönen strahlend blauen Augen blicken und mich in ihnen verlieren konnte. Wo ich endlich ein Zuhause in einem anderen Menschen gefunden hatte, dem ich mich blind anvertrauen konnte. Alexandra hatte schon zu unserer Schulzeit dafür gesorgt, dass ich bald keine Freunde mehr haben würde. Das es nur noch sie gab und alle schlecht wären, nur sie würde mich ja so lieben und verstehen wie ich bin. Und nun? Ja wie bin ich denn überhaupt? Die dämliche Musik läuft immer noch… zwei Minuten warte ich bereits… Gott können zwei Minuten lang sein… eine Ewigkeit. Ich hätte schon dreimal Kaffee trinken können… Wäre schon mit Frühstück, Mittag- und Abendessen fertig… Ist diese Ungeduld jetzt meine neue Art? Früher war ich viel geduldiger… habe mich nie aufgeregt. Gut viel sagen durfte man bei Alexandra ja sowieso nicht. Susanne war da das komplette Gegenteil. Bei ihr war eine Unterhaltung so angenehm. Abwechselnd. Sie konnte reden, aber sie konnte auch genauso gut zu hören. Es war einfach für uns Themen zu finden über die wir den ganzen Tag philosophieren konnten. Und wir haben uns nie gestritten. Jedes Treffen lief so harmonisch und im einklang ab. Wie ein altes, verliebtes, eingespieltes Ehepaar. Meine Seelenverwandte. Und nun ist sie auch seit fünf Jahren nicht mehr da. Tränen schießen mir wieder in die Augen…

Bis eine nörgelige, gelangweilte Frauenstimme mich aus meinen Gedanken reißt.

Herzlich Willkommen Bei Quatsch viel und Zahl Wenig, Ihr Provider des Vertrauens, mein Name ist Schmidt, was kann ich für sie tun?“

Bei der Stimmlage wohl eher, wie kann ich sie schnell wieder los werden, aber na ja ich probiere mal mein Glück.

Guten Tag, ich habe ein Handy gefunden, kann ich Ihnen die Nummer durch geben, damit wir den Besitzer gemeinsam finden können?“

Nein das geht leider aus Datenschutzrechtlichen Gründen nicht. Das einzige was ich machen kann ist den Besitzer hinter per Post zu kontaktieren und Sie schicken uns das Handy zu damit wir es dann an den rechtmäßigen Besitzer schicken können.“

Das klingt plausibel, aber würden Sie sich nicht über die Kosten ärgern die entstehen, wenn ich vielleicht gleich um die Ecke wohne und es dem Besitzer persönlich zurück geben kann?“

Um die Kosten machen Sie sich bitte mal keine Sorgen. Wir machen das schon. Kein Problem. Ihnen entstehen auch keine Kosten, wenn Sie einen alten Karton haben und das Handy mit einem Paketschein von uns, an uns senden.“

Nun das würde ich gerne.“ Ich seufze. „Hören Sie es ist mir äußerst unangenehm und peinlich. Meine Frau hat dieses Handy hier liegen lassen. Ich bin gestern von einer Geschäftsreise wieder gekommen und habe das fremde Handy hier in der Wohnung gefunden. Ich vermute stark, dass sie mich betrügt und ich würde gerne nur dem Besitzer dieses Handy zurück geben und sie auf frischer Tat mit ihm ertappen, damit ich aus unserem Ehevertrag raus kann und nicht meine gesamte Existenz verliere. Können Sie mir da wirklich nicht weiter helfen?“

Okay, wo kam das jetzt auf einmal her? War ich früher auch schon so? Oder hat was von Alexandras Art auf mich abgefärbt?

Sie seufzt genervt.

Na gut, wenn sie das für sich behalten und mich dann vollkommen in Ruhe lassen. Und niemals wieder in ihrem Leben hier anrufen werden, dann kann ich mal schauen. Aber ich darf Ihnen auf keinen Fall sagen, dass dieses Handy einer gewissen Frau Magaret Hartmut-Sperring. So schönen Tag noch.“

Aufgelegt. Magaret Hartmut-Sperring? Wer ist das nun schon wieder? Und wie kommen unsere Intimbilder auf ihr Handy? Ich muss diese Frau finden. Also werde ich erst einmal alle Sozialen Plattformen im Internet durch forsten. Irgendwo muss diese Frau doch zu finden sein.

Früher hätte ich solche Dinge nie gemacht. Es hat mich nie interessiert wer mit wem, wann, wo, was getan hat. Ich hatte mich auch nur auf drängen von Alexandra bei Facebook, Twitter und Co angemeldet.

Nun jetzt kam mir das dann doch sehr zu gute. Ich fing erst einmal an jegliche Magaret Hatmut-Sperrings online raus zu suchen aus den „Telefonbüchern“. Danach würde ich das ganze auf Hamburg und Umgebung zu reduzieren. Das würde ein ganzes Stück Arbeit werden.

Ich las von Magaret Hartmut-Sperring die berühmte Künstlerin, die in Italien ein Atelier besaß und große Kunstausstellung hatte zu Themen wie zum Beispiel, Vergewaltigung bei Frauen, oder generell das Thema häusliche Gewalt usw.

Eine andere Magaret Hartmut-Sperring arbeite beim Jugendamt und war spezialisiert auf Kinder mit migrations Hintergrund und die aus gewalttätigen Familien kamen.

Die dritte arbeitete in einem Frauenhaus… die nächste in einer Abtreibungsklinik.

Hatten sie sich verabredet extra in solch, für mich, extremen Bereichen zu arbeiten, geschweige denn dort solchen Menschen zu helfen. Lag das am Namen, dass sie solch eine Arbeit verrichteten?

Eine andere war recht jung und arbeitete als Influenzerin und machte täglich Werbung für sechs verschiedene Proukte und Firmen. Sie hatte eine hohe Followerzahl und freute sich, wenn täglich mehr dazu kamen.

Alle weiteren die ich fand waren recht, nun es klingt vielleicht sehr böse wenn ich das jetzt so ausdrücke, langweilig. Hausfrauen, Mütter, Büroangestellte und vieles mehr.

Eine Magaret Hartmut-Sperring viel mir dann doch ins Auge, sie war sehr angegiert in vielen Bereichen, hatte eine eigene Stiftung die Familien in Krisengebieten half, hatte schon eine Schule in Afrika gebaut und finanziert. Und sie sah meiner liebsten und schon verstorbenen Susanne so verdammt ähnlich. Sie war allerdings blond und trug einen kurzen und sehr wilden Haarschnitt und ein auffälliges Muttermal unter ihrem linken Auge. Aber ansonsten hätte sie eine Kopie von Susanne sein können. Auf ihrer Facebook Seite hat sie einige Posts, Fotos und Videos von sich und ihren Projekten an denen sie gearbeitet hat. Laut ihrem Status Post von gestern ist sie hier in Hamburg unterwegs und hat einige Meetings.

Aber was hat das alles mit dem Handy zu tun? Oder haben die beiden sich irgendwann einmal getroffen, damit Susanne die Hilfe und Unterstützung bekam die sie benötigte um von ihrem Tyrann von Ehemann zu entkommen? Warum ist ihr Handy bei mir gelandet? Warum waren Susannes und meine Fotos darauf? Warum waren es gerade unsere intimsten Situationen?

Die ganzen Fragen bringen mich ohne die passenden Antworten überhaupt nicht weiter. Also beschließe ich Magaret eine E-Mail zu schreiben, um mich morgen mit ihr bei einem Kaffee zu treffen und alles mit ihr zu besprechen. Ich bin erschöpft nachdem ich diese E-Mail mit ach und krach gerade eben so geschrieben und abgeschickt habe und sinke mit meinem Kopf auf die Tastatur des Laptops.

Wieder träume ich von Susanne, wie wir uns in den armen liegen und nackt kuscheln, bis ein komisches und dumpfes Geräusch mich weckt. Ich reiße die Augen auf und schnelle mit dem Kopf hoch, was sich sofort als riesiger Fehler erweist, weil mir direkt schwindelig wird.

Ich schaue nach ein paar Sekunden hinab auf meinen Schreibtisch und das Handy von Magaret ist verschwunden. Da ich gerade nach all der Belastung nicht weiß ob ich träume oder schlafe, kneife ich mich selbst um zu sehen ob ich jetzt in der Realität bin. Was tatsächlich funktioniert.

Ich bin wieder da und das Handy ist tatsächlich weg. Fast schon panisch gehe ich in der gesamten Wohnung danach auf die Suche. Ich beginne zu zittern als ich ins Schlafzimmer komme und dort alles absuche. Mit einem Blick nach rechts fällt mir auf, dass das Schlafzimmerfenster offen steht. Das Glas ist noch völlig intakt. Habe ich es Schlaftrunken offen stehen lassen? Hatte jemand das Fenster geöffnet obwohl es nur gekippt war? Hatte ich das alles nur geträumt? Zum jetzigen Zeitpunkt wusste ich nicht ob ich wieder eingeschlafen oder wach war.

Es brachte nichts weiter danach zu suchen. Ich schloss das offen stehende Fenster im Schlafzimmer, ging in die Küche um mir eine Kanne Kaffee zu kochen und danach zurück an meinen Schreibtisch. Ich schaltete, während ich den ersten Schluck meines Kaffees trank, das Laptop ein und schaute danach in mein E-Mail Postfach.

Magaret hatte mir geantwortet und nahm sich Zeit, um sich morgen mit mir zu einem Kaffee zu treffen. Sie würde mir meine Fragen beantworten. Ich schrieb ihr kurz zurück und fuhr danach das Laptop runter. Ich sah kurz hinab auf meine Füße und entdeckte das gesuchte Handy, hob es auf und trug es jetzt überall dort hin, wo ich auch in der Wohnung hin ging. Es sollte nicht noch einmal verschwinden. Immer hin wollte ich es morgen Magaret zurück geben, oder auch nicht. Je nachdem wie das ganze ausgehen würde.

Ich machte mir eine Kleinigkeit zu Essen. Und setzte mich damit dann auf die Couch um noch ein bisschen fern zu sehen beim essen. Der Tag war so schnell rum gegangen, ich hatte das gefühl, dass ich kaum etwas geschafft hatte. Innerlich fühlte ich mich leer, kalt, ausgelaugt und müde. So als ob jemand einem die ganze Lebensenergie geraubt hätte. Ich weiß nicht wie ich das mit den Kindern geschafft hätte. So war ich nun alleine, konnte einschlafen wann ich wollte, konnte tun und lassen was ich wollte. Ich musste auf niemanden Rücksicht nehmen. Wenn unsere Kinder jetzt hier gewesen wären, hätte ich sie trösten müssen, mich um sie kümmern müssen, hätte stark sein müssen. Ob ich das geschafft hätte? Bestimmt. Paul und Amy wären mein Leben gewesen. Ich hätte alles für sie getan um ihnen den Schmerz des Verlustes zu nehmen. Obwohl sie ihre Mutter nicht wirklich vermisst hätten, denn diese hatte sich ja schließlich nur um das befruchtet werden und gebären gekümmert. Den ganzen Rest hatte ich machen dürfen. Sie hatten ja von anfang an direkt die Flasche bekommen. Vielleicht wäre ich dann aber auch niemals Susanne begegnet. Sie würde immer noch leben, oder aber sie wäre mit ihren Kindern in einem Frauenhaus untergebracht worden. Ich vermisse Susanne nun mehr denn je. Und endlich kann ich wirklich um sie trauern. Alexandra ist meine Trauer nicht Wert. Diese Frau hat zum großen Teil mich und mein Leben zerstört und hatte auch noch großen Gefallen daran.

Nach dem essen lege ich mich auf der Couch lang und schaue mir „Das Beste kommt zum Schluss“ an. Jack Nicholson und Morgan Freeman wissen wie man seine letzten Tage so richtig leben kann. Auch wenn man das nötige Kleingeld hat. Aber der Film macht auch irgendwie Hoffnung, dass egal wie schlimm es im Leben aussieht, man sich die schönsten und besten Momente schaffen kann. Und das man nicht immer alles bis zum Schluss aufheben soll. Damit man auf dem Totenbett nichts bereuen muss. Ich denke so ist nun auch meine Zeit jetzt und diese werde ich nutzen, sobald ich die Sache mit dem Handy geklärt habe. Ich kann prinzipiell nun mein gesamtes Leben erneut leben. Zumindest die Jahre, die Alexandra mir zur Hölle gemacht hat. Mal sehen was passieren wird. In mir keimt ein wenig Hoffnung auf, dass doch noch alles gut werden wird, aber diese wird schnell wieder in meinem Traum zerstört.

Wieder wache ich schweißgebadet auf…

Wieso beginnt dieser Traum immer so wunderschön mit Susanne und endet damit, dass Alexandra mich köpft oder erschlägt? Warum können Susanne und ich nicht einfach friedlich zusammen sein? Wenigstens in meinen Träumen? Was will mir dieser Traum sagen? Verdächtige ich etwa Alexandra oder ihren Vater, dass sie etwas an dem Wagen gedreht haben, sodass Susanne und ich absichtlich diesen Unfall hatten? Warum war mir nichts passiert und die Liebe meines Lebens musste sterben?

Fragen über Fragen und keine Antworten dazu.

Es ist erneut 03:00 Uhr morgens und diesmal läuft irgendein Horrorfilm im Fernsehen. Ich schalte den Fernseher ab und gehe ins Schlafzimmer. Dort angekommen und mittlerweile wieder hellwach sehe ich mir unseren Schrank an. Ich schiebe die Türen beiseite und fange Alexandras Kleidung aus dem Schrank zu holen. Vielleicht muss ich ihre Sachen los werden, damit ich sie auch aus meinen Träumen los werde. Ich hole mein Smartphone und lade mir die Kleiderkreisel App herunter. Danach fotografiere ich jedes einzelne Kleidungsstück und alle Schuhe von Alexandra und lade sie in der App zum Verkauf hoch. Ich gebe alle geforderten Daten an, Marke, Größe, Preis, etc. Vielleicht freuen sich ja ein paar Damen über die Schnäppchen die sie damit bekommen können. Ich meine Alexandras Schrankseite ist ja immerhin voll mit Marken Klamotten. Große Designer wie Jean Paul Gaultier, Karl Lagerfeld, Loui Vuitton und viele mehr.

Ich beginne auch einige Kleidungsstücke von mir auszusortieren, na ja ein paar ist gut. Fast alle, weil Alexandra sie mir gekauft hat. Es wird Zeit den Mist los zu werden und sich selbst neu zu entdecken. Und wenn ich sowieso schon mit Magaret verabredet bin, dann kann ich vor oder nach unserem Treffen mir ein paar neue Kleidungsstücke zu legen. Vielleicht kommt sie dann ja auch mit, damit das Treffen ungezwungener wird. Wer weiß wie viel Zeit Magaret überhaupt hat.

Es ist mittlerweile schon 08:00 Uhr geworden und ich bin sehr gut voran gekommen. Das meiste werde ich mit der Post verschicken und die Empfänger zahlen sehr gerne das Porto.

Ich begebe mich ins Badezimmer und mache mich frisch, dusche, putze meine zähne, rasiere mich.

Danach trinke ich kurz einen Kaffee und esse eine Schale mit Müsli, um mich danach auf dem Weg in die Stadt zu machen. Die Straßen sind frei, sodass ich gut durch komme und da es gerade erst 09:00 Uhr ist, bekomme ich im Parkhaus auch einen super Parkplatz. Magaret und ich sind um 11:00 Uhr in einem Café verabredet was nicht weit von dem Einkaufszentrum entfernt ist. Somit habe ich genügend Zeit ein paar Kleidungsstücke in den Geschäften zu ergattern. Hemden, Jeans Hosen, Stoffhosen, T-Shirts, Sweater uvm. Landen in meiner Einkaufstasche. Und vieles davon war im Angebot, weil zur Zeit der Winterschlussverkauf lief. Ich bekam außerdem noch zuätzliche Rabatte, weil ich so viel einkaufte. In einem anderen Laden fand ich schöne Krawatten und Fliegen, im nächsten schöne Jacken und Jacketts und der Schuhladen gab auch so einiges her. Ich hatte mich nun völlig neu eingekleidet. Mit dem was mir gefiel und was mir auch empfohlen wurde. Ich konnte die Sachen seriös und lässig verwenden, war sportlich schick. Etwas was mir schon immer sehr gefallen hatte. Ich brachte meine Einkäufe zum Wagen, damit ich mich in Ruhe mit Magaret treffen konnte. Als ich den Wagen aufschloss und begann alles zu verstauen, überkam mich ein komisches Gefühl, als ob mich jemand beobachten würde. Also packte ich alles schneller ein, schloss den Kofferaum und schnellte herum um zu sehen, ob ich mit meinem Gefühl richtig lag. Nichts… da war niemand. Ich war immer noch alleine. Zumindest sah ich keine Person die mich anstarrte. Nur Personen die wie ich heute auch früh in die Stadt beziehungsweise in das Einkaufszentrum kamen, um shoppen zu gehen oder sich mit ihrer Verabredung zu treffen.

Ich schloss den Wagen schnell ab und ging zum Café denn mittlerweile war es dann doch schon 10:45 Uhr. Ich wollte nicht zu dem Treffen mit Magaret zu spät kommen, als plötzlich ihr Handy klingelte. Ich war alleine in dem Parkhaus. Ich nahm es aus meiner Hosentasche. Wieder die unbekannte Nummer. Diesmal ging ich ran.

Hallo? Hier bei Magaret Hartmut-Sperring?“

Nichts…

Stille…

Nur das atmen des Gegenübers war zu hören. Dann legte die Unbekannte Person auf.

Hallo? Hallo? Ist da jemand? Können Sie mich hören?“

Nichts mehr absolute stille und dann der übliche Ton, wenn jemand aufgelegt hat. Ich sah das Handy weiterhin an, als ob es mir gleich sagen würde wer da gerade angerufen hatte und wusste was er oder sie von mir wollte. Ich schüttelte den Kopf und steckte es zurück in meine Hosentasche und ging schneller zu dem Aufzug des Parkhauses, der mich dann zum Ergeschoss und damit zum Ausgang brachte. Dort angekommen, ging ich zügig zu dem Café und setzte mich draußen an einen der freien Tische. Ich wählte den Tisch aus, der ein wenig abseits stand und nicht direkt in hörweite der anderen Tische war, wenn man sich dort unterhielt. Der Kellner fragte mich, ob ich denn schon bestellen wolle, aber ich lehnte erst einmal dankend ab und sagte ihm, dass ich erst einmal noch auf meine Freundin warten wollen würde, damit wir dann hinterher zusammen die Bestellung aufgeben konnten. Er nickte und sagte mir, dass er dann später zu uns kommen würde, wenn sie da wäre und wir uns was ausgesucht hätten. Ich dankte ihm und wartete auf Magaret. Die Zeit verging mittlerweile war es 11:00 Uhr und sie war noch nicht da. Ich nahm mein Smartphone aus meiner Hemdtasche und schaute nach meinen E-Mails. Bis jetzt war noch keine Absage von ihr gekommen. Also wartete ich weiterhin. Der Kellner sah mich um 11:20 Uhr mitleidig an und kam dann auf mich zu.


„Wollen sie nicht jetzt doch etwas bestellen? Dann können sie ja gleich etwas anderes trinken, wenn ihre Freundin kommt. Sie steht bestimmt im Stau oder findet keinen Parkplatz oder macht es wie andere Frauen auch und braucht länger um sich noch schöner zu machen.“

Ähm… Ja okay… das könnte alles sein. Also bestellte ich schnell einen Cappuccino bei ihm, damit er mich in Ruhe lies. Der Kerl war mir nicht ganz geheuer.

11:30 Uhr und immer noch keine Magaret. Ne halbe Stunde Verspätung ist aber auch echt dreist. Ich schaute erneut auf mein Smartphone und da war eine E-Mail. Und wie konnte es anders sein. Eine Absage von Magaret, weil sie angeblich einen wichtiges Meeting vergessen hat. Sie bietet mir aber an, heute Abend zu mir zu kommen, damit wir dann in Ruhe miteinander sprechen können. Ich schreibe ihr zurück und schicke ihr meine Adresse.

Dann rufe ich den Kellner zu mir und bezahle meinen Cappuccino. Irgendwie kommt mir dieser Kellner bekannt vor. Ach bestimmt war er mal eine nebensächliche, kurze, sexuelle Geschichte von Alexandra gewesen. Es waren ja verdammt viele Männer bei uns ein- und ausgegangen.

Der Kellner freut sich überschwänglich über seine 5 Euro Trinkgeld und versucht mich noch in ein Gespräch zu verwickeln. Ich wimmle ihn aber ab, weil mir dieser Typ nicht ganz geheuer ist. Er kommt mir bekannt vor, obwohl ich ihn noch niemals zuvor in meinem Leben gesehen habe. Wie ein richtiger Kellner verhält er sich auch nicht wirklich. Na ja vielleicht hat er ja heute gerade seinen ersten Arbeitstag. Da muss nicht alles professionell und super genau rüber kommen. Er wird es noch schon lernen.

Ich gehe langsam zurück zu meinem Auto, währenddessen wird mir aber schlecht und auch irgendwie schwindelig. Im Aufzug des Parkhauses angekommen drücke ich schnell auf die Parkebenen Nummer 3 und hoffe, dass ich schnell bei meinem Auto ankomme.

Die Türen schließen sich noch bevor weitere Menschen in den Aufzug steigen können. So bin ich alleine und muss mich nicht rechtfertigen, wenn ein Missgeschick passieren sollte. Der Schwindel wird schlimmer und als ich auf meiner Parkebene angekommen bin, torkele ich so schnell wie möglich zu dem Kassenautomaten, bezahle mein Parkticket, um danach wankend zum Auto zu gehen. Ich schaffe es noch die Türen zu öffnen und mich in das Auto zu setzen, danach verschimmt alles und ich bekomme nur noch nebenbei mit, wie ein junger Herr mich fragt ob alles in Ordnung ist. Ich kann nur noch ein „Ja“ nuscheln. Und es wird schwarz vor meinen Augen, sodass ich nichts mehr mit bekomme.

Irgendwann werde ich wach. Alles um mich herum ist dunkel. Ich kann mich nicht bewegen, weil der Platz es auch einfach nicht hergibt. Den geräuschen nach zu urteilen befinde ich mich in einem Auto. Verschnürrt im Kofferraum. Hahaha… Dinge die doch eigentlich nur im Film passieren. Besser kann es ja nun nicht mehr werden. Ob Alexandras Vater die Finger im Spiel hat, weil er mich auslöschen oder bestrafen will für den Krebs seiner Tochter? Zu zutrauen wäre es ihm auf jeden Fall. Er hat mir ja damals in der Küche raffiniert angedeutet wozu er in der Lage wäre. Wie lange war ich wohl weggetreten? Wohin werde ich gebracht? Wird ihr Vater mir höchst persönlich die Kehle durchschneiden? Hmmm… diese ganze Situation ist auch ziemlich suboptimal wenn man Klaustrophobie hat. Ich versuche mich auf meine Atmung zu konzentrieren und nicht vollkommen in Panik zu verfallen. Der Unbekannte/der Entführer oder die Entführer haben das Radio eingeschaltet. Delta Radio 107,7 läuft, sie spielen ja alles mögliche. Also wird derjenige auch so zwischen 25 und 40 Jahre alt sein. Eine breite Spanne ich weiß aber weiter eingrenzen kann ich es auch nicht. Nun fällt mir so langsam der pochende und stechende Kopfschmerz auf. Hat er/haben sie mir noch einen schlag auf den Kopf verpasst, damit ich ruhig bleibe? Ich habe doch schon Drogen zum ruhig stellen bekommen. Es beginnt stark zu ruckeln und zu schaukeln, ich vermute mal das diese Straße entweder verdammt viele Schlaglöcher hat oder aber auch ein Waldweg oder ähnliches sein könnte. Ich donnere mit meinem Kopf gegen den Kofferaumdeckel, als ein tieferes Schlagloch kommt. Autsch… das hätte man auch vermeiden können. Erst jetzt merke und schmecke ich den Knebel in meinem Mund. Schon klar, ich soll die Klappe halten, damit niemand verdacht schöpft. Sie hätten mich aber auch einfach so mit nehmen können… ohne dieses ganze Theater.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt der Wagen endlich zum stehen. Es wird ruhig, als der Motor abgestellt wird. Und ich beginne den Atem anzuhalten, damit meine Ohren auch alle Geräusche wahr nehmen zu können. Die Stille wird langsam unerträglich, ich will mich wieder bewegen können. Mich in eine andere Position begeben können. Die aktuelle Situation gefällt mir ganz und gar nicht. Okay… okay… okay… ich habe jetzt zwei Möglichkeiten, entweder ich bewege mich und mache jetzt schon theater und gebe mich meiner Panik hin… ODER… ich bleibe ruhig und spiele demjenigen vor, dass ich weiterhin noch betäubt bin, sodass ich die Chance bekomme mehr über dieses ganze Spiel was hier gespielt wird zu erfahren. Außerdem müssen weitere Schläge echt nicht sein. Ich hasse es wenn manche Menschen alles mit Gewalt lösen wollen.

Die Person oder die Personen steigen aus sowohl die Fahrer- als auch die Beifahrertür werden jeweils geöffnet und geschlossen. Draußen unterhalten sich die Personen. Sie denken wahrscheinlich, dass ich noch bewusstlos bin, also wäre die zweite Möglichkeit die bessere.

Lass mich das mit ihm klären! Du bist zu weich und kriegst das eh nicht hin!“

Sagt eine männliche Stimme.

Tu ihm bitte nicht weh. Du weißt wie sehr sie ihn geliebt hat.Und ich kann sie absolut verstehen.“

Erwidert eine weibliche Stimme.

Ja, ja! Sie hat ihn geliebt und uns abgeschoben und im Stich gelassen um mit diesem Kerl abzuhauen! Du weißt ganz genau, was ich durch diesen Mistkerl alles verloren habe! Und sie war einfach schwach und hätte am besten nie werfen sollen!“

Sagt die männliche Stimme äußerst gereizt.

Oh, oh… das wird kein Spaziergang werden. Ich sollte tun was gesagt wird, damit ich nicht am Ende doch noch irgendwo tot aufgefunden werde. Ich versuche die Stimmen zu erkennen aber mir fällt dazu auch kein Gesicht ein. Hoffentlich ist das alles nur ein großes Missverständnis und sie suchten nicht mich, sondern einen Kerl der mir ähnlich sieht. Obwohl…

Junge ich weiß was du alles verloren hast. Mir geht es nicht anders. Du weißt ich habe mindestens genauso viel verloren wie du. Aber es bringt doch nichts, wenn du tust was du vor hast. Was nützt es dir? Es bringt doch nur noch mehr ärger mit sich, als das es hilft.“

Die weibliche Stimme klingt verzweifelt.

Jetzt halt endlich deine dumme Klappe und lass mich tun, wozu ich ihn hier her geholt habe!!! Er soll verdammt noch mal seine gerechte Strafe bekommen!“

Schreit die männliche Stimme die weibliche an. Diese fängt daraufhin nur leise an zu schluchzen.

Und jetzt sei ruhig bis wir ihn hineingeschafft haben! Dieser Mistkerl soll nicht noch durch dein Geheule wach werden! Du bist fast genauso Schwach wie sie! Ich hätte dich niemals in all das einweihen sollen! Aber darüber unterhalten wir uns nachdem das alles vorbei ist! Und jetzt schieb die verdammte Schubkarre hier hin! Der Typ ist schwer und ich werde ihn ganz bestimmt nicht rein tragen!“

Okay it´s showtime! Licht, Kamera, Aktion! Bloß nicht blinzeln und so tun, als ob du immer noch bewusstlos bist. Bleib schön ruhig und atme ruhig und gleichmäßig. Ich höre die Schubkarre näher kommen. Die Frau versucht das Schluchzen zu unterdrücken. Sie scheint angst vor dem Kerl zu haben. Wer weiß wie groß und stark er ist, aber sie scheinen sich auf jeden Fall näher zu stehen. So wie sie mit ihm geredet hat. Ich versuche alle Gedanken zu unterdrücken, als sich der Kofferaumdeckel öffnet und mir die nass, kalte Luft in den Rücken bläst. Es hat wohl irgendwann begonnen zu regnen und hat die Luft ganz schön abkühlen lassen.

Plötzlich spüre ich zwei Hände an meinem Körper, die eine umfasst meine linke Schulter die andere meine linke Hüfte. Und sie beginnen mich auf den Rücken zu drehen und mich ein wenig aus dem Kofferraum zu ziehen. Irgendwann schaffen sie es mich in die Schubkarre zu verfrachten, schließen den Kofferaum und das Auto und schieben mich dann fort. Ich wage es nicht einmal zu blinzeln. Mein Herz pocht vor Panik und ich muss mich weiterhin auf meine Atmung konzentrieren. Es regnet und es ist kalt, so wie es sich anfühlt scheint es zu stürmen. Irgendwann fahren sie mich eine kleine Rampe hinauf, sie bleiben beide während der gesamten Zeit stumm. Einer der beiden öffnet eine Türe und schieben mich durch diese durch. So wie die Schritte der Frau auf dem boden hallen, muss der raum riesig sein. Es klingt fast so wie in einer Kirche oder einem alten Fabrikgebäude. Zumindest riecht es so, als ob hier mal was hergestellt wurde. Farben, keine Ahnung für was, aber immerhin. Meine Sinne scheinen ganz hervorragend zu funktionieren. Irgendwann kommen wir in dem Raum an, den er wohl für die Folter oder ähnliches vorgesehen hat. Sie heben mich irgenwie aus der Schubkarre und platzieren mich auf einem Stuhl. Ich spüre wie Kabelbinder und seile um mich herum gespannt werden, sodass ich mich nun gar nicht mehr bewegen kann, wie im Kofferraum, nur jetzt in einer anderen Position.

Geh und hol Wasser, damit wir ihn wach bekommen.Sofort!“

Fährt er sie an und sie läuft so schnell sie kann, um seiner Forderung nach zu kommen. Nur eine gefühlte Minute später ist sie wieder da und überreicht ihm einen Behälter mit Wasser.

Ging das nicht schneller?! So und nun bleib da stehen wo du jetzt stehst und schweig! Das ist jetzt nicht mehr deine Angelegenheit!“

Sagt er ihr in einem sehr bestimmenden und scharfen Ton. Ich höre seine Schritte die sich mir nähern und zack da hat er auch schon das Wasser uber mich geschüttet. Ich bekomme kaum Luft. Hätten sie denn den Eimer so voll machen müssen?! Ein paar Spritzer mit einer Wasserpistole hätten es auch getan. Ich huste und pruste und reiße meine Auge auf. Durch die helle Lampe die auf mich gerichtet ist, werde ich geblendet, damit ich nicht so schnell erkennen kann, wer denn da mit mir spricht. Blöd sind sie ja nicht. Ich könnte ja entkommen und dann könnte ich ja direkt zur Polizei… Ähm… Ja… gut, umsehen wäre jetzt nicht so gut gewesen… Messer, Haken, Schusswaffen… Sorry aber das Licht war völlig unnötig… Selbst wenn ich es schaffen würde mich befreien zu können… Ich wäre tot bevor ich hier aus dem Fabrikgebäude raus wäre. So ein schwachsinn! Ich ärgere mich gerade, dass mein kleiner Hoffnungsschimmer schon direkt erstickt wurde beziehungsweise meine Chance hier lebend raus zu kommen echt gen null fällt. Gut, dann bleibt nur noch ruhig bleiben, zu hören, die richtigen Fragen stellen und zu sehen, dass die beiden so lange wie möglich beschäftigt bleiben. Einen Notruf kann ich nicht tätigen. Meiner Mutter kann ich auch nicht Bescheid sagen. Also kann ich schon einmal vorsorglich mein Testament im Kopf durch gehen. Jetzt fragt sich nur, was ich so schlimmes in meinem Leben getan habe, dass es so enden muss? Na ja ein Ende hätte was gutes, dann könnte ich meine liebste Susanne wieder sehen. Sie in den Arm nehmen, sie küssen, spüren… hmmm… was hält mich eigentlich noch hier? Meiner Mutter geht es gut, sie ist mittlerweile Schuldenfrei und kann ihren Lebensabend in vollen zügen genießen. Kann verreisen und hat nun endlich einen Mann kennen gelernt, der sie zu schätzen weiß. Um sie muss ich mir keine Sorgen machen. Vielleicht lässt mich mein eventuell Mörder ja noch einen Abschiedsbrief für meine Mutter verfassen, damit sie besser über den Verlust hinweg kommt und sie weiß, was sie mir bedeutet. Aber das kann ich ja auch alles verhandeln. Schließlich stünde mir ja vor meinem Tod ein letzter Wunsch zu. Den kann er oder den können mir beide ja nicht verwähren.

Der Typ kommt näher und tritt ins Licht. Sie bleibt wohl an dem Punkt stehen, an dem er es ihr befohlen hat. Er scheint ganz schön übel zu sein, wenn sie ihm so gehorcht. Als er endlich vor mir steht erkenne ich den Kellner aus dem Café. Klar das er mir nicht ganz geheuer gewesen war, wenn er solch ein Psychopath ist. Aber irgendetwas an ihm kommt mir bei genauerer Betrachtung doch auch schon sehr bekannt vor. Aber ich weiß nicht was.

Hallo Eric.“ versucht er freundlich mit einem hämischen Grinsen zu sagen, stattdessen sieht sein Gesicht bei diesen Worten schon extrem wütend und angewiedert aus.

Ich hoffe die Fahrt war angenehm für dich. Immerhin hast du ja dann mal länger als drei Stunden geschlafen heute. Und das auch noch am Stück, ohne zu schreien, ohne hoch zu schrecken. Ich habe versucht nicht alle Schlaglöcher mit zu nehmen, aber bei den Straßen heutzutage ist das ja auch irgendwie unmöglich.“ Er grinst erneut. Ha! Als ob! Was vormachen kann ich mir auch selbst. Tu nicht so freundlich du komischer, kranker, Mensch du. Wie gerne hätte ich ihm das direkt ins Gesicht gesagt. Aber dafür ist der Kloß in meinem Hals zu groß und ich muss mich immer noch vor lauter Panik auf meine Atmung konzentrieren. Vor Alexandra hätte ich ihm längst eine verpasst oder ihm die passende Antwort gegeben. Diese Hexe hat mich gebrochen. „Du fragst dich sicher warum du hier bist Eric, hab ich recht? Nun das könnte ich dir sofort sagen, aber ich genieße es gerade die Mischung aus Wut und panischer Angst in deinem Gesicht zu sehen. Wie sie wohl vor dem Aufprall aussah?“ Sie? Aufprall, welcher Aufprall? Alexandra ist an Krebs gestorben du krankes Geschöpf! Nein, immer noch schweigen der Kloß ist zu groß. „Du siehst ein wenig verwirrt aus Eric. Hast du denn keine Fragen? Dir müssen doch tausende davon im Kopf herum schwirren. Na stell sie ruhig, du sollst wissen warum du qualvoll sterben wirst. Hupps Spoiler Alarm.“ Sein Grinsen wird noch breiter. Ich schlucke und versuche einen Ton heraus zu bringen… Allerdings kommt nur ein gequältes krächtzen aus meinem Mund.

Oh, nein. Ist dein Mund trocken? Soll dir meine Begleitung nach helfen, damit du besser reden kannst?! Na los komm schon her und gib ihm ein schluck zu trinken. Ich will gleich sein bitten und betteln verstehen können. Beweg dich schneller du Schnecke.“ Erst freundlich und dann schlägt alles sofort um. Schnellen schrittes tritt nun auch seine Begleitung ins Licht. Ich werde bleich und reiße meine Augen auf. Susanne? Meine liebste Susanne? Sie lebt noch? Und all die Jahre habe ich geglaubt, dass sie gestorben wäre? Der Unfall hat keine Spuren in ihrem Gesicht oder ihrem Körper hinterlassen. Sie sieht immer noch genauso wunderschön aus, wie damals. Nur das sie jetzt blondes langes Haar trägt. Hat sie es endlich geschafft ihren Mann zu verlassen? Wird sie mir verzeihen, dass ich so dumm war und glaubte, dass sie verstorben wäre bei dem Unfall. Ich habe sie so vermisst. Ihre Stimme, ihren Geruch, ihre Wärme. Oh Susanne. Meine geliebte Susanne. Sie kommt näher und gibt mir etwas zu trinken. Gierig nehme ich ein paar große schlucke, bis die Tasse leer ist. Sie lächelt mich dabei an.

Susanne mein Liebling, gott ich konnte dich in all den Jahren nicht vergessen. Wie konnte ich nur so dumm sein zu glauben, dass du bei dem Unfall ums Leben gekommen bist. Du bist noch genauso wunderschön wie damals. Ich will nicht mehr ohne dich Leben müssen. Es war ein fehler, dass ich weg gelaufen bin. Ich habe absolut falsch gehandelt. Es tut mir so unendlich leid, kannst du mir verzeihen? Bitte ich kann nicht mehr ohne dich Leben mein wunderschöner Engel. Ich werde dich nie mehr los lassen. Wir holen Grand und Lilly zu uns und führen endlich das Leben, was wir uns damals zusammen vorgestellt haben. Bitte Liebling verzeih mir.“

Flüstere ich ihr zu, nachdem sie die Tasse von meinem Mund nimmt und ich den letzten Schluck Wasser durch meine Kehle laufen gelassen habe. Sie sieht mir in die Augen. Sie lächelt und kann ihre Tränen nicht unterdrücken.

Ich bin nicht Susanne, Eric. Ich bin Magaret. Susannes Eineiige-Zwillingsschwester:“ Mir stockt der Atem. Was?! Susanne hatte eine Zwillingsschwester?! Sie hatte Familie???? Warum hatte sie mir nie etwas davon erzählt?!

Du scheinst sehr verwirrt zu sein, Eric. Lass es mich dir erklären. Susanne und ich haben unser Leben getauscht, weil sie Stärker war als ich. So konnte ich ihr erfolgreiches Single dasein ab und zu Leben und sie meines. Unsere Eltern haben wir nie kennen gelernt, weil wir schon als Babies im Kinderheim landeten. Susanne war ein paar Minuten älter als ich und hat immer auf mich aufgepasst. Grand und Lilly sind tatsächlich ihre Kinder. Mein Exmann Volker hatte es geschafft sie zwei mal mit k.O. Tropfen außer gefecht zu setzen und sie zu vergewaltigen. Dadurch entstanden Grand und Lilly und ein paar diverse Fehlgeburten, die sowohl sie als auch ich hatten, weil Volker sie manuell beendet hatte. Kurz bevor sie dich im Krankenhaus traf hatte sie mit Volker schluss gemacht, der sie daraufhin verprügelt hatte, sodass sie auch erneut ein Kind verlor und sie in Lebensgefahr schwebte. Wir beide wollten Volker nicht mehr in unserem Leben haben. Wir wollten beide glücklich werden. Ich habe versucht Grand und Lilly so oft wie möglich zu mir zu nehmen, damit sie der Gewalt ihres Vaters entkamen. Es tat mir alles so unendlich leid. Und als Susanne dich getroffen hat, wurde es für uns immer schwieriger die Maskerade aufrecht zu halten. Ich konnte Grand und Lilly kaum noch zu mir holen. Und dann wolltet ihr weg. Eines Tages stand ein Mann vor meiner Tür. Ein General. Er erzählte mir, dass er der Vater deiner Frau Alexandra war. Er bot mir Geld an, damit ich beziehungsweise Susanne mit dir Schluss machte. Warum auch immer ihn das interessierte, dass du bei Alexandra bleibst. Euch verband ja nichts mehr. Aber genauer ging er auch nicht darauf ein. Er war uns beiden einfach unheimlich. Er bedrohte mich indirekt, dass wenn ich dich nicht verlassen würde, ich mein blaues Wunder erleben könnte. Dagegen wären die Prügel meines Mannes ein witz. Ich muss dazu sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt bei Volker gewesen war, weil Susanne beruflich einige Termine hatte und ich diese diesmal nicht für sie hatte wahrnehmen können. Im Prinzip hast du mich an diesem Abend getroffen. Grand und Lilly hatte ich vorher zu eine meiner Freundinnen gebracht, weil Volker ja auch unterwegs gewesen war, wegen seiner Sucht Befriedigung. Ich habe mich in dieser Nacht so wohl bei dir gefühlt. Du warst so lieb und einfühlsam, hast mir das Gefühl gegeben die schönste und tollste Frau auf Erden zu sein. Susanne habe ich davon nie erzählt, damit sie nicht wütend wurde und mich fallen ließ. Sie war ja immerhin die einzige die für mich da war und mir half wo sie nur konnte. Immerhin war sie ja auch genauso wie ich durch die Hölle mit Volker gegangen. Und der wusste auch nicht, dass ich eine Zwillingsschwester hatte. Wir hatten extra uns und unsere Familie verleugnet, damit wir leben konnten, ohne das jemand zu Schaden kommen würde, falls eine von uns mal an einen Mann wie deinen Schwiegervater geraten würde. Oder an einen Mann wie deinen Vater der nur Spielschulden machte und euch so früh im Stich gelassen hatte. Ich kann mir sehr gut vorstellen wie sich deine Mutter gefühlt hat. Und das sie alles dafür getan hat, damit die Gläubiger deines Vaters bezahlt werden, wie hart sie gearbeitet hat… das war der wahnsinn. Sie ist so eine starke Frau. Sie hat mir an dem Abend, an dem du und Susanne nach Brasilien wolltet alles erzählt von eurer Vergangenheit. Ich bin bis zur Tankstelle mit dir gefahren und als wir getankt haben, haben Susanne und ich die Rollen getauscht, sodass sie bei dir war bis der schreckliche Unfall passierte. Sie hat dich geliebt. Und ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt in dich verliebt. Das einzige was dein Fehler war… „

Der kranke Kerl unterbrach sie.

SO! Das reicht jetzt auch mit dem Gesülze! Seinen Fehler werde ich ihm gleich erörtern. Und du hast nun genug geredet! Denk daran, dass du ihn niemals haben wirst, weil er zur Hölle fahren wird!“

Sie schrak auf, als der Kellner Verschnitt sie unterbrach. Sah mir noch einmal in die Augen und lächelte sanft. Ihre Tränen rannen ihre Wangen hinab. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt immer mal wieder gewundert, warum Susanne sich manchmal anders verhielt und zwischendurch ein wenig abeweisend gewesen war. Hinterher war der Unterschied nicht mehr zu bemerken.

Jetzt geh von ihm weg! Verdammt beeil dich mal! Als ob das hier deine Sache wäre.“

Magaret richtet sich auf und weicht schnell von mir zurück. Sie versucht ihre Tränen mit den Händen weg zu wischen und leise zu sein. Der Kerl geht mir so langsam auf die nerven. Wenn er doch mich will, dann soll er gefälligst nicht so mit ihr reden.

Rede nicht in diesem abwertenden Ton mit ihr! Und lass sie in Ruhe sie hat dir überhaupt nichts getan!“

Entgegne ich ihm plötzlich und bin erstaunt darüber wie kräfitg und bestimmend ich klinge.Shit hätte ich doch lieber meine Klappe halten sollen.. zu spät. Da paart sich seine Faust auch schon mit meinem Gesicht. Verdammt! Das tat jetzt echt weh.

Schnauze du Mistkerl und mach jetzt hier nicht einen auf Ritter in der glänzenden Rüstung! Das kommt viel zu spät!“

Ich spucke ein wenig Blut zur Seite. So langsam geht mir dieser Kerl echt auf die Nerven. Kann er nicht mal endlich auf den Punkt kommen? Wer ist er überhaupt?

Sag mal Bursche, kannst du nicht mal langsam auf den Punkt kommen, sagen wer du bist und was du von mir willst? Ich meine wenn du mich umbringen willst, dann solltest du das ja wirklich bald machen, wenn es dich derartig fertig macht was ich dir angeblich angetan haben soll. Es nervt nämlich so langsam wirklich….“

Und wieder schnellt seine Faust in mein Gesicht, bevor ich meine kurze Ansprache beenden kann. Wieder auf dieselbe Stelle. Mein Kopf schnellt zur rechten Seite und ich spucke nun ein wenig mehr Blut aus meinem Mund. Der Kiefer schmerzt wie Hölle. Und am liebsten würde ich jetzt auf stehen und diesen Kerl grün und blau schlagen. Er innert mich von seiner Art an Alexandra. So abwertend und respektlos wie er schon alleine mit Magaret umgeht.

Halt deine Schnauze verdammt. Keine Sorge ich komme schon früh genug zu den Antworten die du so dringend suchst. Schon komisch, dass du in fünf Jahren vergessen konntest wer ich bin. Aber meine Mutter hat Lilly und mich ja so gut es ging von dir fern gehalten. Ich bin Grand, Susannes Sohn.“

Grand?! Der kleine Grand?! Der Susanne immer Kummer und Sorgen bereitet hat??? Er lebt noch? Moment Volker… War das der Volker?

Du siehst überrascht aus Eric. Warum denn? Oh du fragst dich sicher warum ich lebe und hier bin, oder? Du hast doch bestimmt die Anzeige von Volker Sperring gelesen. Der Mann der mit seiner Tochter in den Resten seines verbrannten Hauses gefunden wurde. Und beide recht leblos waren. Tja… ich löse dieses Rätsel mal auf. Nachdem er mich hat zwei mal in eine Irrenanstalt einweisen lassen und ich die Ärzte dort hinters Licht geführt habe, musste ich wieder zu ihm zurück. Er hat Lilly täglich verprügelt und für seine sexuelle Befriedigung benutzt, dieser Bastard! Lilly wollte sich mehrfach das Leben nehmen, hat es aber leider nie geschafft, weil dieser Wixxer leider immer zum richtigen Zeitpunkt dazu kam und sie davon abhielt. Natürlich nicht ohne sie fast ins Koma zu prügeln und sie danach zu vergewaltigen, denn nun konnte sie ja nicht schreien, weinen oder sich in irgendeiner Art und Weise zu wehren. Schön oder? Ich habe mehrfach versucht dazwischen zu gehen und Lilly zu retten und wurde selbst halb tot geprügelt. Natürlich hat er uns nie ins Krankenhaus gebracht. Die Nachbarin kam rüber sobald er weg war und hat uns gepflegt und versorgt. Gut, dass sie Krankenschwester und mit einem Arzt verheiratet war. Das war Lillys und mein Glück, sonst wären wir schon längst gestorben. Nur zogen sie dann ein paar Monate bevor Lilly umgebracht wurde weg, weil ihre Eltern schwer krank wurden und sie ihre Hilfe benötigten. Das war es dann mit unserem Glück im Unglück. Und es passierte was hätte längst passieren müssen. Volker kam völlig zugedröhnt und besoffen nach Hause. Lilly war gerade dabei in der Küche das Geschirr zu spülen während ich ihr half und die obere Etage aufräumte. Volker kam leider nicht alleine zurück, sondern hatte noch zwei Drogenbuddies dabei. Und es passierte. Sie sahen Lilly die im Schlabberlook in der Küche stand und spülte und bedrängten sie. Ich hörte sie oben schreien, ließ alles stehen und liegen und rannte runter in die Küche. Einer seiner Kumpels hielt Lilly fest, der ander streichelte sie bereits an den Brüsten und versuchte ihren Kopf runter zu drücken. Volker stand vor ihr und sie konnte nichts tun. Ich riss den, der rechts von ihr stand und sie bedrängte Volker einen zu blasen, von ihr weg und schleuderte ihn gegen den Kühlschrank. Volker stieß ich von ihr weg. Und den anderen trat ich in die Eier, sodass auch er von ihr ablassen musste. Wir wollten weg rennen, ich schubste Lilly nach vorne und schrie sie an, dass sie rennen und sie nicht umdrehen solle egal was sie auch hören würde. Sie sollte einfach weg aus diesem Albtraum. Da zog mir Volker auch schon ein Bein weg und ich fiel mit dem Gesicht nach vorne auf die Steinfliesen. Er und einer seiner Kumpels prügelten auf mich ein, während sich der dritte Lilly schnappte und ihr die Klamotten vom Leib riss. Ich verlor das Bewusstsein und als ich wieder aufwachte sah ich Lilly… nackt, blutüberströmt, leblos… Volker saß neben ihr und war gerade fertig damit sich einen runter zu holen. Er stand auf und kam zu mir. Seine letzten Worte brachten das Fass zum überlaufen. „Siehst du was du angerichtet hast Junge? Wenn du schön still gewesen und uns in Ruhe hättest machen lassen, dann würde deine Schwester noch leben. Du bist schuld, dass sie sterben musste. Und nun bist auch du dran. Ich habe genug von dir. Grüß deine Schlampe von Mutter schön und sag deiner Schwester, dass ich schon einmal einen besseren Fick hatte.“ Es war einfach zu viel. Ich erinnere mich nur noch stückweise an das was nach seinen Worten passierte, aber um das nun abzukürzen. Die Messer in unserer Küche waren hervorragend. Ich habe sehr oft zu gestochen, ihm seine Genitalien abgehackt. Ihn aufgeschlitzt und noch so vieles mehr mit diesem Schwein gemacht. Danach ging ich zu Lilly trug sie ins Badezimmer,
wusch sie, trocknete sie ab und zog sie an. Ich habe sie danach in ihr Kinderzimmer getragen und in ihr Bett gelegt und sie zugedeckt. Anschließend ging ich in den Keller und holte die Bezinkanister und das Zippo von Volker. Ich verteilte das Benzin im ganzen Haus und zündete es danach an und rannte davon. Hätte es dich niemals in unserem Leben gegeben Eric, dann würden Mama und Lilly jetzt noch leben. Dann wäre ich nicht völlig alleine. Dann hätte ich nicht alles verloren.“

Ich blicke immer noch verwirrt drein. Welche Schuld trage ich denn jetzt an dem ganzen?

Entschuldige Grand, aber wo habe ich denn jetzt schuld? Deine Mutter starb bei dem Unfall für den weder sie noch ich etwas konnten. Und das was dein Vater getand hat, dass habe ich ihm niemals befohlen. Außerdem seid du und Lilly damals von meiner Mutter abgehauen und nach Hause gelaufen. Ihr solltet doch dort bleiben, damit ihr in Sicherheit seid. Wir hätten euch in einer oder zwei Wochen dann nach Brasilien geholt. Und in der Zeit wäre euch kein Leid zugestoßen. Also sage mir bitte woran ich jetzt Schuld haben soll?“

Du bist weg gelaufen und hast sie sterben lassen! Du Feigling! Sie würde heute noch leben, wenn du direkt einen Krankenwagen gerufen hättest.“

Woher willst du das wissen Grand?!“

Weil ich mit dem Arzt gesprochen habe, Eric! Schon vergessen unsere Nachbarn die uns medizinisch versorgt haben?! Er war ihr behandelnder Arzt gewesen, sie hat noch ein paar Atemzüge gemacht, bevor sie starb. Also war sie noch am leben. Sie hatte zwar innere Blutungen gehabt, die nicht so schlimm ausgegangen wären, wäre sie sehr viel führer im Krankenhaus gewesen. Sie hätte heute also noch leben können. Wir hätten sie heute noch gehabt und vielleicht wären wir jetzt glücklicher, weil sie Volker verlassen und wir ein neues Leben gehabt hätten. Du bist Schuld, weil du eine Affäre mit ihr angefangen hast! Weil du mit ihr abhauen wolltest! Weil du deine Frau verlassen wolltest und dein Schwiegervater das verhindern wollte! Weil du vom Unfallort einfach abgehauen bist! Weil du nicht mal einen Rettungswagen gerufen hast! DU trägst all diese Schuld Eric! Und nun bist du hier so selbstgefällig und tust so, als ob du das Opfer wärst! PAH! Das ich nicht lache! Du hast es nicht verdient weiter zu leben! Du hast es verdient Qualvoll zu sterben und zur Hölle zu fahren!“

Ich wusste nicht ob das stimmt was er da so von sich gab, weil er letztendlich ja nicht nur einmal in der Psychatrie gelandet war. Er war schon damals Psychisch sehr auffälig gewesen, das war zumindest das was ich mitbekommen hatte von den wenigen malen, die wir uns gesehen hatten und das was Susanne mir erzählt hatte, wenn sie total verzweifelt war.

Nun gut, ich trage die Schuld daran, dass ich keinen Rettungswagen gerufen habe. Aber sie war bewusstlos und atmete nicht mehr, als ich weg lief. Es war die falsche Reaktion gewesen, da hast du vollkommen recht. Was mein Schwiegervater getan hat weiß ich nicht. Aber du bist ja nicht vollkommen alleine. Du hast noch deine Tante. Das was du erlebt hast und durch machen musstest ist furchtbar. Aber was wird es dir jetzt bringen, wenn du mich tötest? Meinst du, dass dieser Schmerz und dieses Leid was auf deinen Schultern lastet, dann verblassen wird? Meinst du, dass sich dadurch irgendetwas ändern wird? Ich habe den Zeitungsartikel zwar überflogen über Volker, aber darin stand das, dass Mädchen auf seltsame Art und Weise das alles überlebt hat und auf einer Intensivstation im Koma liegt. Also lebt Lilly immer noch. Du hast nicht alles verloren Grand. Volker ist tot, ja. Susanne ist tot, ja. Aber du hast Lilly und Magaret noch. Und wenn du dich stellst und auf unzurechnugsfähigkeit plädieren würdest, könntest du bestimmt eine Strafmilderung oder so bekommen. Wenn du mich jetzt tötest wird dir das keinen Frieden bringen. Geh zur Polizei und stell dich. Dann kann Lilly dich immer noch im Gefängnis besuchen kommen.“

Ich hatte Grand abgelenkt, sodass Magaret ihr Handy hatte heimlich hervor holen und den Notruf wählen können. Ich hatte so laut gesprochen, dass der Notruf alles hatte verstehen können, Grand aber nicht mit bekommen hatte, was Magaret tat. Wir mussten ihn aufhalten.

NEIN!!!! DU LÜGST!!!! Lilly ist TOT!!!! Ich habe sie in meinen Armen gehalten!!! LEBLOS!!! KEINE ATMUNG!!!! DU kannst mich NICHT täuschen!!! DU willst NUR deine Haut retten!!! Aber das wird DIR NICHT GELINGEN!!!! Ich werde DICH und anschließend Magaret töten!!! Und dann bin ich frei!!!! Frei von jeglicher Last!!!! Frei von allem!!!! HAHAHAHA!“

Magaret hatte geistes gegewärtig ihr GPS eingeschaltet gelassen. Sie zeigte mir heimlich das in zwei Minuten die Polizei da wäre. Also mussten Wir Grand noch hin halten.

Wie kommst du darauf, dass du frei sein wirst? Wie kannst du mir die Schuld für Dinge in die Schuhe schieben, für die ich keine Schuld haben kann, weil ich sie nicht getan habe? Warum willst du deine Tante töten? Sie hat doch schon solche Angst vor dir, dass sie alles tut was du ihr sagst. Meinst du, dass sie dann noch zur Polizei rennen wird und ihnen alles erzählen wird? Was hast du gegen sie in der Hand, dass sie alles tut was du ihr befiehlst?Warum willst du deine gesamte Zukunft aufs Spiel setzen, wegen mir?“

Ach, Eric. Meinst du das jemals jemand heraus finden wird, was hier passiert ist? Das sie meine DNA finden werden. Ich werde frei sein, weil ich denjenigen umgebracht habe, der mein Leben zerstört hat. Und du trägst Schuld an allem, weil du in unser Leben getreten bist. Alleine das reicht schon aus. Und ganz ehrlich du würdest doch wohl keine möglichen Zeugen am Leben lassen, die dich hinter Gittern bringen könnten, oder? Sie kann es sich ja irgendwann anders überlegen. Und was ich gegen sie in der Hand habe? Na schau sie dir doch an, wie sie dich anblickt. Sie liebt dich. Du bist das was ich gegen sie in der Hand habe und sie hat auch schon vor Jahren mal eine Straftat begangen, die bis jetzt nicht ans Licht gekommen ist. Volker war nicht ihr erster Mann. Er war der Bruder ihres ersten Mannes. Den sie zusammen mit Volkers Hilfe umgebracht hat, um an die Kohle ran zu kommen. Und wer keine Zukunft mehr hat, der kann auch nichts aufs Spiel setzen. So hast du noch Fragen die eine Antwort benötigten oder einen letzten Wunsch?“

Ich bin schockiert was in dieser Familie so abgeht. Das was Magaret getan hat, kann sie nicht mehr rückgängig machen. Der Zug ist abgefahren. Aber dafür hat sie ja auch ihre gerechte Strafe bekommen.

Ich würde meiner Mutter gerne einen Brief schreiben, damit sie die Trauer und den Schmerz besser verarbeiten kann.“


„Und du glaubst, dass ich so dumm bin und dich los binden werde, damit du dies tun kannst? Als ob. Du kannst deine Worte Magaret diktieren und sie wird den Brief für dich schreiben.“

Ich stimme mit einem Nicken zu. Das ist besser als gar nichts und verschafft uns wertvolle Zeit in der Grand abgelenkt ist und nicht mit bekommen kann, wie die Polizei das Gebäude stürmt. Magaret steht mit einem Stift und Zettel bereit und wartet auf meine Worte.

Magaret schreibe bitte folgendes auf. Liebe Mama ich weiß du wirst dich wundern warum du einen Brief bekommst. Warum ich nicht mehr da bin. Warum all das geschehen ist. Aber bitte sei dir sicher, dass ich nun endlich wieder mit Susanne zusammen und glücklich sein kann. Ich konnte mir keine Welt mehr ohne sie vorstellen geschweige denn weiterhin darin leben. Ich wollte mit ihr wenigstens im Jenseits zusammen sein. Jetzt wo Alexandra nicht mehr unter den lebenden weilt muss ich auch nichts mehr tun, was ihren Vater zufrieden stellt. Ich weiß du hast dich immer gefragt warum ich damals klein bei gegeben und Alexandra geheiratet habe. Ihr Vater hatte mir in der Küche gedroht, dass dir etwas zustoßen würde, wenn ich nicht gehorchen und Alexandra heiraten würde. Der Ehevertrag hat mich an Alexandra gefesselt und als ich versuchte sie zu verlassen, nachdem Paul und Amy verstorben waren, da wurde ich halb tot geprügelt. Und als ich es erneut versuchte, wurde die Liebe meines Lebens getötet. Ich wollte nicht, dass sie dir auch noch etwas antun. Ich konnte das nicht zulassen. Also habe ich alles getan was von mir verlangt wurde bis zu Alexandras letzten Atemzug. Mama bitte lebe dein Leben weiter. Lache und Liebe. Genieße die vielen schönen Momente und sei glücklich. Du hast endlich den richtigen Mann an deiner Seite und kannst die Welt sehen. Ich würde nicht mehr glücklich werden, weil Susanne nicht mehr bei mir ist. Bitte Mama sei mir nicht böse, dass ich nicht mehr kann. Ich Liebe dich. Ich werde dich immer Lieben und ich werde auch immer auf dich aufpassen, auch wenn ich nicht mehr physisch da bin. In Liebe, Eric.“

Och nein wie süß. Magaret heult von diesen Zeilen und dein letztes Stündlein ist nun endlich gekommen. Magaret verabschiede dich von ihm. Und sie zu, dass du deinen Arsch schnell von ihm weg bewegst. Du wirst auf eine andere Art und Weise sterben. Und da die ganze Schnulze hier zu lange gedauert hat, schaue ich mal wie treff sicher ich mit der Pistole bin. Gibt es sonst noch letzte Worte die du los werden willst oder eine Erkenntnis der letzten Stunde?“

Ja die gibt es. Magaret es tut mir alles so leid. Danke für alles. Und hätten wir beide mehr Zeit gehabt und uns richtig kennen gelernt, hätte ich dir sehr gerne das Leben geboten, welches du dir gewünscht hast. Danke für deine Offenheit und danke für die damalige schöne Zeit mit dir. Ich… ich… ich Liebe Dich.“

Und dann fällt der Schuss und alles ist still.

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