Silvia.SRache ist das Ziel

Samstag morgen, Viertel vor acht. Nicole schenkte sich ihre erste Tasse Kaffee ein, als es an der Haustür klingelte. „Wer kommt denn da so früh?“, wandte sie sich fragend an Kater Gustav und tappte barfuß zur Tür. „Ja bitte?“

„Ich habe eine Lieferung für Sie. Hier bitte unterschreiben“, sagte der Bote und hielt ihr den Scanner hin.

„Sie sind aber früh unterwegs“, meinte Nicole und quittierte mit ihrem Finger. Er überreichte ihr einen braunen Umschlag. „Das ist der Auftrag. Schönen Tag noch.“

„Ebenfalls.“ Mit gerunzelter Stirn musterte Nicole den Umschlag, drückte die Haustür zu und tappte zur Küche zurück. „Ich hab doch gar nichts bestellt.“ Grübelnd nippte sie am Kaffee und hätte sich fast verschluckt, als der Umschlag unverhofft zu klingeln anfing. „Oh Gott Gustav, jetzt bin ich aber erschrocken.“ Nervös kichernd öffnete sie die Verpackung. Zum Vorschein kam ein schwarzes Smartphone. Nachdem Nicole auf den Home-Button drückte, erschien im Display eine Mitteilung.

Nicole, entsperre mit dem Code 1-9-9-7

Entgeistert starrte Nicole das fremde Smartphone an. „Was bedeutet das?“, murmelte sie, als es erneut klingelte.

Hallo mein Liebling, ich habe eine Überrasc…

„Ach das ist ja Martin. Uff, Gustav, für einen kurzen Moment…“ Mit flinken Fingern tippte Nicole den Code ein.

Hallo mein Liebling. Ich habe eine Überraschung vorbereitet. In fünfzehn Minuten erwarte ich dich oben an der Lichtung. Komm pünktlich und allein!

„Oh Gustav! Denkst du, dass er mir einen Heiratsantrag macht?“, frohlockte sie und tappte zum Schuhschrank im Flur. „Na Gustav, was ist die bessere Wahl? Turnschuhe oder Ballerinas?“ Der kleine rothaarige Kater schnurrte leise und verzog sich dann in ein anderes Zimmer. „Ja, du hast recht, die Turnschuhe. Der Weg zur Lichtung ist extrem bergig. Aber das Kleid lass ich an, das schwingt so schön.“ Mit selbstverliebten Augen gönnte sie sich noch kurz einen Blick in den Spiegel, fuhr sich mit der Hand durch ihr gelocktes braunes Haar und schnappte sich den Hausschlüssel, den sie mit dem schwarzen Smartphone in ihre Handtasche warf. Ein Blick auf die goldene Armbanduhr verriet ihr, dass von den fünfzehn Minuten bereits fünf verstrichen waren. „Hui, jetzt muss ich mich aber sputen.“

Acht Minuten später kommt sie verschwitzt und außer Atem an der Lichtung im Nationalpark an.

„Was macht ihr den hier?“, schrie Nicole überrascht den beiden Frauen zu. Statt ihres Freundes warteten dort ihre ehemaligen Schulfreundinnen, die sie seit über zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte, aber gleich wieder erkannte. Julia, seit eh und je, die platinblonden Haare im kurzen Bob und die Hände in den Hosentaschen gesteckt. Katja mit ihrer unverkennbaren Liebe zu ausgefallenen Brillen und des ungekämmten rotem Haars.

„Das fragst du uns, Nicole? Wir dachten, die Botschaften kämen von dir, aber deinem erstaunten Blick nach, bist du ebenso hierher gelockt worden“, antwortete Julia verwundert. „Katja war die Erste hier, ich kam vor fünf Minuten an.“

Nicole starrte sie mit gefurchter Stirn an. „Was meinst du mit gelockt?“

„Wir beide“, sagte Julia und deutete auf sich und Katja, „erhielten ebenfalls eine Nachricht. Katjas Vater schickte eine E-Mail, und bei mir war eine Einladung der Hundestaffel in der Morgenzeitung. Deshalb habe ich auch Chicco dabei.“ Liebevoll streichelte Julia den neben ihr sitzenden Hund über den Kopf. „Schon merkwürdig, oder?“

„Was unternehmen wir jetzt?“, fragte Katja und schob ihre herabgerutschte Brille wieder auf die Nase zurück.

„Wir warten, oder? Denn schließlich wollte ja jemand das wir uns hier treffen“, schlussfolgerte Nicole.

„Eins sag ich euch. Lange werde ich nicht warten. Ich habe wirklich Besseres zu tun, als hier oben rumzustehen und auf etwas zu warten, wo ich nicht mal weiß, auf was“, wetterte Julia und zog eine Grimasse.

„Vielleicht ist es ein Zufall, dass wir zur selben Zeit …“ „Na klar, zufällig!“, unterbricht Julia Katja unwirsch.

„Scht! Seid still!“, zischte Nicole. „Hört ihr das? Da klingelt ein Handy.“

„Mensch, Nicole!“, sagte Julia gereizt und verdrehte die Augen. „Das kommt aus deiner Handtasche.“

Ungläubig wühlte Nicole in der Handtasche, bis sie das schwarze Smartphone fand.

„Ist das von ihm? Was schreibt er?“

„Moment, Julia, ich muss erst entsperren.“ Langsam tippte Nicole den Code ein.

„1-9-9-7.“

Ihr seid wieder vereint. Das freut mich. Zur Feier des Tages habe ich mir etwas Schönes einfallen lassen.

Geocaching.

Dazu müsst ihr einige Punkte beachten:

1. Kein Kontakt zu niemanden!

2. Haltet die angegebenen Zeiten ein!

3. In der Fotogalerie findet ihr eine Überraschung. Sie soll euch daran erinnern, dass ihr Punkt 1 und 2 einhaltet.

„Mach schon Nicole, öffne die verdammte Fotogalerie!“, drängelte Julia, doch es dauerte ihr zu lange. „Gib schon her“, sagte sie und riss Nicole das Handy aus der Hand. Energisch hämmerte sie auf die App ein und es öffnete ein einzelnes Bild. „Ach du Sch…“, entfuhr es ihr und wurde kreideweiß.

„Was hast du denn, Julia?“, erkundigte sich Nicole, doch Julia reagierte nicht. „Lass mal sehen“, flüsterte sie und drehte das Handy in Julias Hand in ihre Richtung, damit sie einen Blick auf das Foto werfen konnte. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ihr Gehirn, das verarbeitete, was auf dem Bild zu sehen war und nackte Panik stieg in ihr auf.

„Was habt ihr denn? Was seht ihr so geschockt aus?“

„Da… da ist mein Freund… und… und…“, stotterte Nicole.

„Und meine Mutter!“, vollendete Julia versteinert den Satz und reichte das Handy an Katja weiter.

„Das i-ist mein Vater“, kreischte Katja und schlägt sich die Hand vor dem Mund, als sie ihren Vater und die beiden anderen gefesselt und geknebelt auf dem Foto sah.

Wie gelähmt standen die drei Frauen inmitten der Lichtung und es verging eine gefühlte Ewigkeit, bis wieder Leben in ihnen zurückkehrte.

„Das muss ein Fake sein!“, war das Erste, was Katja einfiel.

„Glaube ich nicht. Dazu ist der Aufwand viel zu organisiert. Komisch ist nur, dass wir drei zusammen hier sind. Deshalb denke ich, dass uns etwas miteinander verbindet“, spekulierte Julia. „Und das einzige was mir einfällt, ist unsere Schulzeit. Da waren wir echt krass unterwegs, wenn wir mal ehrlich sind.“ Sie sog die Wangen ein, um ihr Lachen zu unterdrücken. „Denkt an die Spinnenaktion in der Brotzeitbox von Klaus, oder, wie wir Conny vor der ganzen Klasse den Rock runtergezogen haben … Da dürften einige dabei sein, die einen Groll gegen uns haben.“

„Du könntest recht haben. Mir fällt auch keine andere Verbindung ein. Aber findest du das nicht ein bisschen übertrieben, jetzt, nach all den Jahren?“, hinterfragte Nicole. „Klar ist das übertrieben. Aber es gibt sonst nichts Gemeinsames zwischen uns.“

„Ich hab seit Jahren nicht mehr an die Schulzeit gedacht.“

„Derjenige schon, sonst wären wir nicht hier, oder, Katja?“

„Du hast recht, Julia. Oh, mir ist so schlecht“, klagte Katja mit verzweifelter Stimme. Was Julia noch mehr in Rage brachte. „Reiß dich zusammen. Herrgott nochmal, du hast dich kein bisschen verändert, genauso weinerlich wie früher.“

„Aber was ist, wenn er meinen Vater etwas antut. Ich hab doch nur ihn. Warum rufen wir nicht die Polizei?“

Nicole legte beruhigend die Hand auf Katjas Schulter. „Er schreibt ausdrücklich, dass wir zu niemanden Kontakt aufnehmen dürfen, und das schließt die Polizei mit ein.“

„Hör jetzt auf zu Heulen, Katja, das nervt!“

„Lass sie doch“, murmelte Nicole, blickte in den Himmel hinauf und seufzte schwer. „Keine einzige Wolke am Himmel. Das wird wieder ein heißer Tag. Kommt, gehen wir in den Schatten.“

Die beiden Frauen folgten ihr in die Kühle des Waldes.

Zehn Minuten später lehnte Julia nachdenklich an einem Baum und kraulte ihren Hund. Nicole lief wie ein aufgescheuchtes Huhn am Waldrand auf und ab. Katja erleichterte sich im Gebüsch. Sie schwiegen, verbunden mit ihrer gemeinsamen Sorge, bis das Piepen des schwarzen Smartphones alle aufspringen ließ.

Ahnt ihr schon, weshalb ihr hier seid?

„Der spielt mit uns!“, keuchte Nicole und schloss für einen Augenblick ihre Augen.

„Na klar spielt der mit uns! Fällt dir das jetzt erst auf?“, blaffte Julia sie an.

1. Etappenziel:

Folgt den Weg Richtung Norden und ihr gelangt an eine blaue Bank.

Dort ist eine Kiste, in der ihr weitere Hinweise findet.

JULIA: Binde deinen Hund an einen Baum!

Denkt nicht, dass ich euch nicht sehe!

„Niemals! Ich lass Chicco nicht zurück!“, brüllte Julia außer sich und kniete sich neben den Hund.

„Fünf Kilometer! Das schaffe ich niemals mit den Schuhen“, jammerte Katja und betrachtete ihre schwarzen Riemchensandalen.

Nicole glotzte entgeistert die beiden Frauen an. „Grundgütiger, Katja! Lauf meinetwegen barfuß, aber bitte hör mit dem Genörgel auf“, platzte es aus ihr heraus. „Und du Julia, wirst gefälligst deinen Hund hier anbinden. Ich hab keine Ahnung, was hier läuft, aber ich werde nicht zulassen, dass wir wegen eurer Zickereien, das Leben der anderen aufs Spiel setzen.“

Die forsche Ansprache von Nicole brachte Julia und Katja auf den Boden der Tatsachen zurück.

So machten sie sich auf dem Weg und erreichten nach einer Stunde die blaue Bank. Erschöpft und verschwitzt ließen sie sich darauf nieder und suchten mit ihren Blicken die Gegend nach der Kiste ab. Lange mussten sie nicht suchen. Eine rustikale Truhe mit Deckel wurde direkt hinter der Bank abgestellt.

„Hoffentlich liegt da jetzt keiner drin.“

„So ein Quatsch kann aber auch nur von dir kommen, Katja. Da passt doch nie und nimmer ein Mensch rein!“, schnauzte Julia missgelaunt und zog kräftig am Deckel, der sich mit quietschenden Scharnieren öffnete.

Drei Köpfe beugten sich über die Truhe.

„Was ist das denn alles?“, fragte Katja.

„Sieht nach einem Brief aus und …“. Nicoles Augen fingen zu leuchten an, als sie sah, was sich noch in der Truhe befand. „Wasser!“, rief sie aus. „Gott sei Dank. Ich hab so einen Durst“ Sie schraubte eine Flasche auf und nahm einen langen gierigen Schluck.

„Das ist aber viel Wasser“, stellte Julia besorgt fest.

Meine lieben Klassenkameradinnen

Macht euch bereit für eine Reise.

Ihr werdet LAUFEN. Sehr weit!

Der Kontakt zu anderen ist weiterhin verboten.

Bedenkt, dass ich euch weiter beobachte!

Seid zügig unterwegs und pünktlich am Etappenziel.

Falls nicht, werde ich dafür sorgen, dass einer stirbt.

Deadline 17 Uhr.

43.951149,1335.376644

„Sind das Koordinaten?“, wandte sich Nicole an Julia.

„Weiß nicht. Gib mal die Zahlen in die Suchmaschine ein.“

„Mist!“, sagte Nicole und biss sich auf die Unterlippe.

„Hat das Handy kein Internet?“, wollte Julia wissen.

Ungläubig was sie sah, startete Nicole die Suche auf dem schwarzen Smartphone neu. „Doch, aber die Adresse liegt dreißig Kilometer von hier entfernt“.

Julia lachte bitter. „Steht dabei, wie lange wir dazu brauchen?“

„Knapp über sechs Stunden.“ Nicole blickte auf ihre Uhr. „Jetzt ist es elf. Wenn wir zügig laufen, schaffen wir es.“

„Möglich“, krächzte Julia mit rauer Stimme.

 

„Wie weit ist es denn noch?“, kam es kleinlaut von Katja.

„Laut dem Navi, nur noch den Hang runter“, erklärte Nicole und strich sich die gelösten Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Ich stell mir grad vor, das eine kühle Dusche und ein flauschiges Bett auf uns wartet. Dieses Ziel halte ich mir vor Augen, sonst kann ich keinen einzigen Schritt mehr laufen.“

Vorsichtig lugten sie den Hang hinunter. „Der sieht aber steil aus“, raunte Katja.

„Du hast recht. Gehend fallen wir bestimmt auf die Nase, aber wenn wir mit dem Hintern runterrutschen … Das Laub am Boden dürfte sogar zum Vorteil sein“, stimmte Julia zu.

Die Arme auf den kühlen Waldboden abgestützt, schoben sie sich mit den Beinen langsam den Berg hinunter und landeten in einer Wiese. Direkt am Waldesrand stand ein einsamer alter Schuppen.

„Ich dachte schon, der Berg endet nie.“. Erleichtert wischte Nicole sich das Laub ab.

„Sei froh, dass es bergab war und nicht bergauf“, entgegnete Julia.

Nicole stieß einen tiefen Seufzer aus.

„Was gibt es da zu seufzen?“

„Weil du immer das letzte Wort haben willst.“

„Ich muss gar ni…“

„Leute! Schaut mal! Was ist das da vorne?“, schrie Katja aufgeregt und deutete auf einen Laubhaufen, der neben dem Schuppen angehäuft war.

„Das ist Nicoles flauschiges Bett“, bemerkte Julia sarkastisch.

„Haha wie witzig du sein kannst.“

„Habt ihr das gesehen?“

„Was denn, Katja?“

„Es hat sich bewegt!“

„Nö, ich hab nichts gesehen.“

„Ich auch nicht.“

„Da! Schon wieder! Oh lieber Gott steh uns bei.“ Katjas Augen waren geweitet vor Angst, und sie zitterte.

„Mensch Katja, das wird ein Tier sein. Lasst uns hingehen und nachsehen. Womöglich wartet da ein Hinweis auf uns.“

„Ich geh da nicht hin. Weiß Gott, was da verbuddelt ist“, fiepte Katja ängstlich.

„Nix da. Wir bewältigen das gemeinsam“, befahl Julia mit bestimmender Stimme.

„Vergiss es.“

„Die Anweisung ist, dass wir zusammen bleiben“, versetzte Julia scharf und schaute sich nach etwas um, das dafür geeignet ist, um in den Haufen zu stechen. „Ah, da liegt ein Stock, der hat die richtige Länge.“

Mit zögerlichen Schritten wagten sich die drei auf den Laubhaufen zu. Julia schwang den Stock und schlug auf die Spitze des Haufens kräftig ein. Ein erstickter Laut drang heraus. Schreiend wichen die Frauen zurück.

Nachdem sich ihr Pulsschlag etwas beruhigt hatte, schob Julia das obere Laub zur Seite.

„Aaahhh. Daddy oh nein, oh nein. Helft mir, ihn vom Laub zu befreien. Los!“ Das spitze Schreien von Katja lässt Julia und Nicole erschaudern.

„Zum Glück nicht meine Mutter“, flüsterte Julia Nicole zu, die sie entsetzt anschaute. „Was redest du da! Du weißt doch gar nicht, ob es deiner Mutter nicht noch schlimmer trifft“, erwiderte sie. Woraufhin Julia beschämt den Kopf einzog.

„Helft mir. Ich schaffe es nicht allein. Er blutet am Kopf.“ Zusammen zogen sie den alten Mann aus dem Laub.

„Herr im Himmel. Das sieht übel aus. Atmet er noch?“, erkundigte sich Nicole und wühlte in ihrer Tasche nach einem Taschentuch.

„Ja“, erwiderte Katja erleichtert.

„Hier, drück das auf die Wunde.“

„Danke.“ Beherzt presste Katja das Tuch auf die Platzwunde, woraufhin sich die Lider des Vaters leicht öffneten. „Oh Daddy. Kannst du mich hören?“, heischte sie ihn hysterisch an. „Ruft einen Krankenwagen. Wer weiß, wie lange er schon bewusstlos war.“

„Abgesehen davon, dass wir hier unten keinen Empfang haben, ist der Kontakt zu anderen immer noch verboten“, belehrte Julia sie. „Schaut mal hier. Was ist das?“ Sorgsam zog Julia an dem weißen Fetzen, der aus der Hosentasche des bewusstlosen Mannes lugte. „Moment, da steht was.“

Ihr werdet die Nacht hier verbringen.

Morgen früh erhaltet ihr neuen Koordinaten.

Ach, und Katja, du bist das kleinere Übel von euch dreien, deshalb wirst du dich hier um deinen Vater kümmern.

„Ich seh mal in den Schuppen, ob es sich als Nachtlager eignet“, sagte Julia und begab sich auf dem Weg.

„Du wirst doch nicht glauben, das ich heute Nacht ein Auge zu kriege. Was ist, wenn der kommt und uns umbringt?“, schrie Nicole Julia hinterher und folgte ihr in die Hütte.

„Wenn, dann hätte er das doch längst erledigt. Nein, der verfolgt einen anderen Plan.“ Unbeeindruckt von Nicoles Ausbruch drehte sich Julia einmal im Kreis. „Da schau, er ist sogar so gnädig und hat uns was zum Essen und Trinken hingelegt“, bemerkte Julia und deutete auf eine Bäckerei-Tüte und drei Flaschen Cola.

„Sag mal, was ist mit dir los? Du wirkst so unberührt“, wollte Nicole wissen.

„Ich mach mir Sorgen um meinen Hund.“

„Bitte was? Spinnst du jetzt völlig“, entgeistert glotzte Nicole Julia mit weit aufgerissenen Augen an. „Ein Irrer jagt uns wie Marionetten durch den Wald. Da draußen liegt Katjas Vater halb tot im Laub und was mit deiner Mutter und meinem Freund ist… Oh Gott da drüber spekuliere ich nicht mal … Aber du … du denkst an deinen Hund?“

„Ja, verdammt. Er hat mir über den Tod meines Mannes und meiner Tochter hinweg geholfen.

Versöhnlich trat Nicole einen Schritt vor und legte ihre Hand auf Julias Schulter. „An dieser Lichtung kommen viele Menschen täglich vorbei, Julia. Irgendjemand wird sich seiner annehmen und im Tierheim abgeben. Da bin ich mir sicher“, beteuerte sie und wollte Julia in den Arm nehmen, doch diese schubste sie mit leichten Druck weg.

Nachdem sie aus der kühlen Hütte hinaustraten, schlug ihnen die brütende Hitze mit voller Wucht entgegen und sie mussten mit der Hand die Augen vor der grellen Sonne abschirmen.

„Wie geht es deinem Vater?“, erkundigte Nicole sich besorgt.

„Er war nur kurz bei Bewusstsein und faselte unverständliches Zeug“, schluchzte Katja und wischte sich die Tränen ab.

„Wir sollten ihn aus der Hitze schaffen.“

Der Schweiß rann ihnen vor Anstrengung über den gesamten Körper, als sie den bewusstlosen Mann in den Schuppen trugen. Erschöpft und ausgelaugt ließen sie sich anschließend auf den staubigen, kühlen Boden fallen.

 

„Na, du bist mir ja ne tolle Nachtwache“, meinte Julia und stupste mit ihren Zeigefinger in Nicoles Rücken, worauf diese erschrocken hochschreckte. „Hä? Wo bin ich?“ Sie schüttelte den Kopf, um wach zu werden. „Kein Traum?“

„Nein.“

„Katja, was ist mit deinem Vater?“

„Immer noch bewusstlos. Das wird er nicht überleben“.

„Weiß jemand wo das Handy ist?“, fragte Julia.

„Das liegt hier bei mir“, antwortete Nicole in die Dunkelheit hinein.

„Schalte mal die Taschenlampen-App ein.“

„Warte“, bat Nicole. Mit der flachen Hand suchte sie nach dem am bodenliegenden Handy. Blind drückte sie auf den Home-Button und zog scharf die Luft ein. „Verdammt! Dieser Mistkerl!“, schimpfte sie.

„Was ist?“, kam es gleichzeitig von Julia und Katja.

„Es zeigt eine Nachricht an.“ Nicole stöhnte, bevor sie die nächsten Worte aussprach. „Sie wurde um vier Uhr geschickt.“

„Das war vor fast zwei Stunden“, stieß Julia hervor.

Guten Morgen Julia und Nicole

Begebt euch JETZT auf den Weg.

Ihr wisst, was passiert, wenn ihr zu spät kommt …

Deadline 10 Uhr

43.951149, 1335.377754

„Wo ist das?“, forderte Julia und griff nach dem Handy.

„Jetzt warte doch mal“, gab Nicole unwirsch zurück. „Verdammt, es zeigt immer noch keinen Empfang an. Lass uns den Berg hochlaufen, da hatten wir gestern doch guten Empfa… “

„Oh!“, flüsterte Julia.

„Was ist denn?“

„Er war hier drin“, antwortete sie leise. Viel zu leise.

„Wie kommst du da drauf?“

„Wie soll eine Nachricht ohne Empfang ankommen, ha?“

„Das hätten wir doch mitbekommen, wenn er reingekommen wäre“, kommt es kaum vernehmbar von Katja.

„Er wusste, dass wir tief schlafen werden, nach dem gestrigen Marsch in der Bruthitze.“

„Hör auf, da läuft es mir eiskalt den Rücken runter“, beteuerte Nicole und schüttelte sich.

„Lass uns aufbrechen, Nicole.“

Als die beiden aus der Hütte traten, hüllte sie die frische Waldluft ein. Die Vögel zwitscherten bereits um die Wette und die aufgehende Sonne kündigte dieselbe Hitze wie am Vortag an.

Das Laub, worüber sie gestern noch froh waren, erschwerte ihnen heute den Weg nach oben.

Als sie endlich Empfang hatten, gaben sie die Koordinaten in die Suchmaschine ein und stöhnten auf.

„So ein verdammter Mist“, fluchte Julia aus vollem Herzen, als das Navi sie wieder den Hang hinunter leitete.

„Dann also wieder runter“, kapitulierte Nicole und setzte sich auf ihren Hintern.

Unten angekommen, führte ihr Weg links am Schuppen vorbei, in einen Wanderweg, den sie fünfzehn Kilometer folgten.

Nicole wagte einen Blick auf ihre Uhr. „Halb zehn. Wie viele Kilometer haben wir schon geschafft“, ächzte sie.

„Fünfzehn. Jetzt sind es nur noch fünf.“

„Das schaffen wir nicht mehr.“

„Fängst du jetzt auch zum Jammern an wie Katja?“

Nicole blieb abrupt stehen und funkelte Julia aus wütenden Augen an. „Nein, aber ich hab bald keine Kraft mehr.“

Julia verdrehte die Augen und stampfte weiter.

„Früher warst du anders“, fauchte Nicole hinter ihr.

„Lass mich raten. Du hast dich kein bisschen verändert?“

„Wie meinst du das?“

„Was Männer betrifft. Verhältst du dich immer noch so?“

Nicole sah sie mit gefurchter Stirn an. „Du redest in Rätseln.“

„Spannst du die Männer den Frauen immer noch aus?“

„Unglaublich. Du nimmst mir das Techtelmechtel mit Frank vor zwanzig Jahren immer noch übel.“

„Ich mochte ihn. Aber dir war es wichtig, zu beweisen, dass du besser bist.“

„Wir waren fünfzehn, Herrgott. Aber wenn wir schon dabei sind: Du hast ihn doch genauso benutzt, um einen anderen eifersüchtig zu machen“, feuerte Nicole ungehalten zurück.

„Du hast es ihm erzählt, nur damit du ihn rumkriegst. Hast du das bei der Frau deines jetzigen Lovers auch abgezogen?“

Entgeistert fixierte Nicole sie an. „Martins Frau starb, bevor wir uns kennenlernten. Und ich weiß jetzt gar nicht, warum ich vor dir Rechenschaft ablegen soll.“

„Es ist alles so unfair.“

„Was ist unfair? Das wir glücklich sind und du nicht! Hör mal, es tut mir wirklich leid, dass du deine Familie verloren hast.“ Sachte berührte sie Julia am Oberarm. „Aber das mit Frank, tut mir nicht leid“, verkündete sie belustig und zwinkerte. „Soweit ich weiß, hat er sich vor Jahren endlich geoutet.“

„Einer Freundin spannt man den Mann nicht aus.“

„Ich werde jetzt nicht vor dir auf die Knie fallen und um Gnade flehen, damit du mir verzeihst? Ich bin kein dummes Mädchen mehr, die sich von dir herum kommandieren lässt“, brauste sie auf und unterstrich die Worte mit deutlichen Gesten.

„Ach nein?“

„Nein!“, sagte Nicole entschlossen und stakste stur voraus.

„Sie haben ihr Ziel erreicht“, erklang es unvermittelt aus dem Smartphone.

Überrascht sah Nicole zu Julia zurück. „Wir sind wieder mitten im Wald. Weit und breit nichts. Nur Bäume.“

„Da, kontrollier selbst“, antwortete Julia trocken und drückte ihr das Handy in die Hand.

Das Piepen des schwarzen Smartphones ertönte ein zweites Mal. Nervös sahen sie sich um.

„Ich werde das Gefühl nicht los, das er uns sehr nah ist“, kam es flüsternd von Julia.

„Geht mir genauso“, erwiderte Nicole ebenfalls flüsternd und ein kalter Schauer lief ihr den Rücken hinunter.

Ihr seid pünktlich, aber am falschen Ort.

Hättet ihr mitgedacht, wäre euch aufgefallen, dass ihr für zwanzig Kilometer mehr Zeit hattet, als gestern bei den dreißig Kilometern.

Warum? Weil das hier eine Zwischenstation ist.

„Oh Gott, mir wirds schlecht. Weißt du, was er uns damit sagen will?“, murmelte Nicole entsetzt.

„Ja. Er hat uns reingelegt, damit wir das Ziel niemals rechtzeitig erreichen werden.“

Die Erkenntnis raubte Nicole fast die Besinnung. „Du Miststück. Ich bring dich um. Das ist alles deine Schuld“, schrie sie und schlug auf Julia ein.

Deren Gesicht lief rot an und sie versuchte, die Schläge abzuwehren. „Hast du nen Knall? Meine? Wieso?“.

„Hättest du damals nicht alle verarscht und gemobbt, dann wären wir überhaupt nicht hier.“

„I-ch!“, brüllte Julia zurück. „Du vergisst, dass du genauso mitgemacht hast. Dein Lachen höre ich immer noch.“

„Oh lieber Gott steh mir bei“. Nicole sank auf die Knie und bedeckt ihr Gesicht mit den Händen. „Das darf alles nicht wahr sein. Das muss ein Alptraum sein“, schluchzte sie.

Im selben Moment klingelte das Smartphone ein zweites Mal.

Ihr seid zu spät und habt somit gegen die Regel verstoßen.

Ich wünsch euch ein schönes Leben.

P.S. folgt den roten Punkten, und ihr gelangt zum Ziel.

„Welche roten Punkte?“, ratlos guckte Julia sich um.

„Da sind sie doch“, sagte Nicole und deutete auf eine Reihe von Bäumen, die mit roten Punkten einen Weg kennzeichneten.

„Ich hab eine Sehschwäche. Rot und Grün kann ich nicht sehen. Geh du voraus.“

Die Route führte sie mitten ins Unterholz hinein, das sich als ein nicht endendes Dickicht entpuppte. Größtenteils konnten sie sich nur robbend fortbewegen.

„Ich sags dir, Nicole, er beobachtet uns in diesen Moment wieder! Ich spür es“, raunte Julia in der Sekunde, als in der Nähe ein Ast knackte.

Nicoles Herz setzte für einen Schlag aus und ihr Körper weigerte sich, weiter zu robben. Sie schloss ihre Augen, um die Fassung wiederzuerlangen. Neben sich hörte sie Julia ebenfalls nach Luft schnappen.

Sie warfen sich Blicke zu und jede versuchte, ihren Herzschlag unter Kontrolle zu bekommen.

In stummer Einigkeit nahmen sie den Kampf durchs Gestrüpp wieder auf.

Die Haut durch Dornen zerkratzt und die Haare wirr am Kopf, erreichten sie letztendlich das Ziel. Während sie sich langsam aufrichteten, erspähten sie den Baum mit dem letzten roten Punkt und das Blut gefror ihnen in den Adern.

Am Baum waren zwei Gestalten geknebelt angebunden.

Angst und Wut vermischten sich in Nicoles Kopf. „Ne-in! Mar-tin“. Ihr Schrei durchbrach die Stille des Waldes. Kopflos stürmte sie durch die Bäume hindurch. Julia hinterher.

Ein Schuss hallte durch den Wald und schlug in einen Baum ein, so dass die Rinde explosionsartig absplitterte.

Ruckartig warfen sich die Frauen auf den Bauch und suchten Schutz hinter einem alten Baum.

Alles blieb still, bis auf das Rascheln des Laubes unter ihnen, das durch das Zittern ihrer Körper entstand.

„Was geschieht hier nur?“, wisperte Nicole und ihre Unterlippe zitterte unkontrolliert.

„Nichts Gutes“, antwortete Julia sorgenvoll und lugte vorsichtig um den Baum herum.

Ein weiterer Schuss, der keine zwei Meter neben ihnen in den Boden einschlug.

Schreiend sprangen sie aneinandergeklammert auf.

Ein Lachen, das mehr das Kichern eines Irren ähnelte, erklang. „Zeigt euch!“

Julia und Nicole sahen sich unsicher an und wagten einen kleinen Schritt zur Seite. Neben den angebundenen Gestalten stand eine dunkel gekleidete Person.

„Kommt her“, ertönte die irre Stimme noch einmal.

Schritt für Schritt wagten sich die beiden aus ihrem Versteck und je näher sie dem Unbekannten kamen, desto erstaunter und fassungsloser wurden sie.

„Hallo ihr beiden“, begrüßte sie Katja.

Abrupt blieben sie stehen und es folgte eine eigenartige Stille. Es schien, als wären selbst die Vögel verstummt.

Verwirrt starrten sie Katja an. „Wie kommst du denn hierher?“, fragten Julia und Nicole in die Stille hinein. „Wo ist dein Vater? Wie geht es ihm?“

Hoch erhobenen Hauptes stand Katja vor ihnen „Das war nicht mein Vater, sondern ein Trottel von der Straße, der nicht mal gemerkt hat, dass er mit Betäubungsmittel sediert wurde“, antwortete sie naserümpfend. „Genau wie ihr. Denn sonst hättet ihr mitbekommen, dass ich mir in der Nacht das Smartphone schnappte, den Berg hochlief und eine Nachricht darauf sendete.“

„Du steckst hinter dem Ganzen?“, Kam es entgeistert von Julia. „Wie hast du uns betäubt?“,

Nicole schaute ungläubig von einer zur anderen. „Warum?“

„Das fragst du mich allen Ernstes“, heischte Katja kopfschüttelnd. „Ihr hättet die belegten Brote nicht essen sollen“, klärte sie sie kichernd auf. „Mit euch befreundet zu sein, war für mich die reinste Hölle! Ständig wurde ich kritisiert, rumkommandiert, ausgelacht, angelogen, benutzt. Kurz gesagt, ihr habt mich behandelt, wie den letzten Rotz und nicht wie eine Freundin“, fügte sie in einem gehässigen Ton hinzu.

„Was redest du denn da“ verdutzt starrte Nicole Katja an. „Warum bist du dann bei uns geblieben?“

„Ich hatte vor, euch zu verlassen, doch dann war das mit meinem kleinen Bruder und ich war entschlossen, ihn vor euch zu beschützen. Aber das ging nur, wenn ich mit euch befreundet blieb.“

„Was für ein Bruder?“

„Seit wann hast du einen Bruder?“

„Hatte“, knurrte Katja durch geschlossene Lippen. „Mein Bruder hat sich in dich verliebt, Julia. Aber du hast ihn ausgenutzt, hintergangen und beschmutzt. Wie mich!“

Julias Augenbrauen schossen in die Höhe.

„Wer war denn dein Bruder?“, erkundigte sich Nicole perplex.

„Oh warte, Nicole. Es wird noch besser“, heischte Katja. „Denn dann kamst du. Dir reichte es nicht, deiner besten Freundin den Freund auszuspannen. Nein, nein, du setzte dem Ganzen die Krone auf, indem du ihn, vor aller Augen, als Schwuchtel bezeichnet hast, nur weil er bei dir keinen hochbekam.“

Julia furchte die Stirn. „Frank ist dein Bruder?“

„Er war mein Bruder“, donnerte Katja den beiden entgegen.

„Das wusste ich nicht. Entschuldige, Katja“, kam es beschämt von Nicole.

„Du bist doch ein Einzelkind. Warum wussten wir nicht, dass du einen Bruder hast?“, hinterfragte Julia.

„Er war mein Halbbruder. Ich erfuhr durch Zufall davon, dass mein Vater ein Fremdgeher war. Und um den Schein der heiligen Familie zu wahren, durfte ich niemanden sagen, dass daraus ein Kind entstand.“ Katja schnaubte verächtlich. „Für mich war es aber pures Glück, einen Bruder zu haben. Er war ein wunderbarer Mensch, bis zu dem Tag, an dem er euch kennenlernte. Danach war nichts mehr, wie es war. Er geriet in den Drogensumpf. Zwanzig Jahre ging das, bis er letzten Monat elendig im Straßengraben starb. Ein Glück nur, dass unser Vater seinen Tod nicht miterleben musste.“ Katja schloss ihre Augen und die zurückgehaltenen Tränen liefen ihr den Wangen hinunter. „Ihr habt mir meine Familie genommen. Ich denke, es ist an der Zeit, den Spieß umzudrehen“ flüsterte sie und grinste.

„Katja, das ist schrecklich, was dir widerfahren ist, aber…“

„Lass es, Nicole. Das bringt nichts“, unterbricht Julia sie. „Katja ist voller Hass. Sie sucht ein Ventil, ihre Trauer zu bewältigen. Das sie uns die Schuld am Tod ihrer Familie gibt, erleichtert es ihr, der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen zu müssen“, erklärte Julia ruhig.

„Und was ist deiner Meinung nach, die Wahrheit, Frau Besserwisserin?“

„Frank war schwul, nur weigerte er sich, sich das selbst einzugestehen“, bemerkte Julia genauso ruhig wie zuvor.

„Ach, und das weißt du so genau, weil…?“

„Komm schon, Katja. Du weißt es ebenfalls. Die Anzeichen waren eindeutig. Sein Gang, seine Sprechweise, schlicht und einfach alles.“

Nicole trat nervös von einem Bein auf das andere. „Was hast du jetzt mit uns vor?“

„Etwas, dass ihr euer restliches Leben nicht vergessen werdet“, antwortete Katja und fuchtelte mit der Pistole herum. „Ich lasse euch spüren, wie es ist, einem geliebten Menschen beim Sterben zuzusehen.“ Sie verzog die Lippen zu einem hässlichen Grinsen.

Nicole riss panisch die Augen auf. „Das ist doch komplett der Wahnsinn, was du hier treibst. Lass sie frei. Wir vergessen den Vorfall und jeder geht wieder seinem Leben nach.“

Ihre Augen sprühten Funken. „Welches Leben? Alles was mir lieb war, habe ich verloren.“

„Du bist nicht die Einzige hier, die solch ein Verlust erlebt hat, Katja. Ich verstehe deine Wut, weil ich sie ebenfalls tagtäglich spüre. Dennoch laufe ich nicht los und kille den Autofahrer, der meine Familie auf dem Gewissen hat.“

„Lass uns dir helfen, Katja. Das ist doch kein Ausweg“, flehte Nicole, als sie sah, dass Katja die Waffe auf sich selbst richtete.

„Ich bin nicht so stark wie du, Julia“, wimmerte Katja.

„Du bist stärker, als du denkst. Und den ersten Schritt machst du, wenn du jetzt die Waffe zur Seite legst“, sprach Julia beruhigend auf Katja ein. „Sieh nur, wie du dich für deinen Bruder eingesetzt hast. Dazu braucht es viel Mut und Stärke. Lass mich dir zeigen, wie man damit umgeht.“

Daraufhin brach Katja schluchzend zusammen und sie verlor die Kontrolle über die Waffe.

Ein Schuss löste sich.

Julia und Nicole duckten sich instinktiv, doch es wäre zu spät gewesen, wenn der Schuss in ihre Richtung gegangen wäre. So verlor er sich in der Weite des Waldes.

47 thoughts on “Rache ist das Ziel

  1. Hi, erstmal ein Lob für deine Geschichte.
    Die Grundidee finde ich nicht schlecht.
    Man merkt allerdings schon etwas, dass du nich nicht so lange / viel geschrieben hast. Mir waren viele Dialoge zu konstruiert / unecht. Das ist gar nicht böse gemeint, hat ein bisschen was mit Übung zu tun, wird also werden.
    Ich denke auch, dass du am Aufbau der Geschichte noch weiter arbeiten solltest. Viele Informationenen aus der Vergangenheit der Mödels würde ich vielleicht nicht über die Dialoge beschreiben, so wird es möglicherweise etwas flüssiger für den Leser.
    Ich glaube,deine Geschichte hat Potential, arbeite weiter daran, dann wird sie noch besser.
    LG

    P.S. vielleicht hast du ja Lust, auch meine Geschichte zu lesen >>Glasauge
    Über ein Feedback würde ich mich freuen

  2. Hallo Silvia,
    mir gefällt deine Geschichte sehr gut. Es ist die erste, die ich im Ganzen durchgelesen habe, weil ich unbedingt wissen wollte, was passiert. Super gemacht. Sprachlich gibt es sicher noch Luft nach oben, aber dafür muss man viel viel üben. Muss ich auch noch 😉 Aber die Idee ist wirklich super, und auch ein sehr brisantes Thema. Hast du eine Website mit weiteren Geschichten?
    LG, Viktoria

    PS: In meiner Geschichte „Fesseln“ geht es auch um ein früheres Trauma. Ich finde es immer spannend, wie unterschiedlich Menschen mit so etwas umgehen. Weiter viel Spass am Schreiben.

    1. Liebe Silvia
      Ich finde deine Idee und die Geschichte sehr gut.
      Diese Handlung erinnert mich an hervorragende Filme, die ich gesehen habe.
      Jagt, Spannung, Zweifel, ein Unbekannter, Drohungen, Angst.

      Du hast deine Story gut umgesetzt und geschrieben.
      Respekt.

      Ich habe sie gerne gelesen und wollte unbedingt direkt wissen, wie sie endet.

      Schön, dass sie nicht zu düster, zu negativ endet. Das macht Hoffnung.
      Hoffnung auf das Erklären.
      Hoffnung auf das Verzeihen.
      Hoffnung auf das Verstehen.

      Du hast einen guten Stil.
      Deine Dialoge lesen sich realistisch und fließend.
      Und du hast die Parameter gut umgesetzt.

      Es verlangt Mut, eine Story sooo enden zu lassen.
      Achte in Zukunft darauf, dass du deine Geschichten von anderen Menschen gegenlesen lässt.
      Es haben sich einige Rechtschreibfehler und Zeichensetzungsfehler in die Story eingeschlichen.
      Ist aber okay.
      Passiert jedem.

      Insgesamt fand ich deine Geschichte gut.
      Die Jagd durch den Wald hast du perfekt umgesetzt.
      Spannend!!!

      Schreib weiter. Du hast Potenzial und definitiv Talent.
      Mein Like hast du auf jeden Fall verdient.

      Liebe Grüße, Swen Artmann (Artsneurosia)

      Vielleicht hast du ja Lust und Zeit, meine Geschichte auch zu lesen.
      Die heißt: „Die silberne Katze“.
      Über einen Kommentar und vielleicht sogar ein Like würde ich mich sehr freuen.
      Gib niemals auf.
      LG.
      Swen

  3. Deine Geschichte ist spannend geschrieben. Bis zur Auflösung wer ihnen das alles antut dachte ich immer das es eine andere Person von früher sein müsste. Tolle Idee 🙂
    Vielleicht hast du ja Lust meine Geschichte zu lesen „Zeit vergisst nicht“. LG

  4. Hallo Silvia,

    Deine geschichte gefällt mir sehr. Sie ist sehr gut lesbar, auch wenn mir persönlich einige Dialoge zu künstlich erschienen. Die Idee fand ich super und auch das Ende. Mal was ganz anderes.
    Ich habe schon andere Geschichten gelesen, die nicht so gut waren und viel mehr Likes hatten als deine.
    Unverständlich, aber jetzt hast du eine Stimme mehr.

    Lg Bine (Alles verloren)

  5. Hallo Silvia,
    mir haben die Idee deiner Geschichte und der Twist gut gefallen. Dass Katja dahinter steckt hätte ich nicht gedacht 😉
    Zu den Dialogen muss ich auch sagen, dass sie oftmals etwas aufgesetzt wirken, vielleicht auch, weil teilweise in einem Satz alle Namen vorkamen (da kam ich etwas durcheinander)…
    Viele Grüße und viel Glück
    Yvonne / voll.kreativ (Der goldene Pokal)

  6. Hallo, du hast da eine schöne und spannende Geschichte geschrieben, die Idee hat mir sehr gefallen. Auch das Ende war top, ich hätte mit der Wendung nicht gerechnet. Aber ein paar Fragen bleiben mir nur, wie hat Katja im Beisein ihrer ehemaligen Schulkameraden die Nachrichten unbemerkt versenden können und wie hat sie die Brote in der Hütte bereit gestellt, wenn sie doch auch den 6 stündigen Marsch zur Hütte mitgemacht hat? Da wäre eventuell ein Komplize nicht schlecht gewesen.

    Wenn du magst, lies auch mal in meine Geschichte rein, ich freue mich über Kritik oder Lob! “Fünf Tage“
    Liebe Grüße

  7. Liebe Dani,
    vielen lieben Dank für dein Feedback 🙂
    Zu deinen Fragen gibt es eine Antwort: sie sind dem kürzen zum Opfer gefallen…
    Ich dachte, wenn ich Katja in die Büsche schicke und das Smartphone klingelt, erklärt sich das von selbst. Bei den Broten dachte ich mir, dass sie wie alles andere, kurz vorm Treffen vorbereitete…

  8. Moin Silvia,

    Coole Storie die du dir da ausgedacht hast! Mir gefällt die Interaktion der drei Frauen richtig gut…auch wenn die Dialoge etwas zu aufgesetzt wirken. Ich weiß wie schwer es ist gute Dialoge zu verfassen, aber mit ein wenig Übung wird‘s schon werden! Dein Plot wirkt insgesamt sehr durchdacht. Echt gut…Enttäuscht war ich etwas über den letzten Absatz, den Schluss. Das hättest du meiner Meinung nach besser lösen können. Diese tolle Geschichte hätte einfach ein anderes Ende mehr verdient, als dieses. Finde ich…

    Mein Like lass ich dir trotzdem gerne da und wünsche dir alles Gute für‘s Voting

    LG Frank aka leonjoestick ( Geschichte: Der Ponyjäger)

      1. Ich hätte beide Frauen leben gelassen , aber das was ihnen am meisten bedeutet, hätte ich getötet und dann Selbstmord begangen…aber das ist meine Vorliebe für „ Mord und Totschlag „ 😅😅

        Ich bin halt ein kranker Geist..😅😅

        LG Frank

  9. Jap, das war auch mein ursprünglicher Plan, nur den Selbstmord hatte ich als offenes Ende.
    Wurde ich von den Testlesern beeinflusst? Ja definitiv, aber dadurch ist die Geschichte nicht weniger interessant geworden, meiner Meinung nach😅

  10. Hallo Silvia,
    vielen Dank für deine Geschichte, sie hat mir wirklich gut gefallen.
    Der Twist am Ende war echt genial, nur das Ende war mir persönlich ein bisschen „zu offen“.
    Vorallem hat mir gefallen, dass du die Geschichte nicht endlos lang gemacht hast (einige Geschichten sind mehr als doppelt so lang wie deine), da es ja immerhin eine KURZgeschichte sein soll.
    Liebe Grüße,
    Theresa (Jahrestag – http://www.wirschreibenzuhause.de/geschichten/jahrestag)

  11. Hallo Silvia,
    der Plot der Geschichte gefällt mir sehr gut! Auch die „Schnitzeljagd“ durch den Wald war sehr spannend. Auf Katja, als Täterin wäre ich nie gekommen. Diese Wendung hat mich sehr überrascht. 👍 Über die Dialoge ist schon einiges geschrieben worden. Da kann ich mich nur anschließen. Ansonsten eine sehr gute Geschichte, die immer mehr an Fahrt und Spannung aufgenommen hat und mich dadurch sehr fesselte. Deshalb bekommst du von mir sehr gerne ein Like. ❤️😊
    Liebe Grüße
    Angela
    PS: Falls du magst …, meine Geschichte heißt „Stunde der Vergeltung“ 😊
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/stunde-der-vergeltung

  12. HI Silvia, du hast einen erfrischenden Schreibstil. Dass eine der drei Frauen die Täterin ist , überraschte mich.
    Ich habe sie gern gelesen und wünsche dir weiterhin alles Gute
    LG Minka
    Vielleicht hast du Interesse, meine Geschichte zu lesen, sie heisst
    „Aimee`s Lächeln“
    Du bekommst von mir ein Like

  13. Liebe Silvia,
    ich bin auf Deine Geschichte durch den Zufallsgenerator „noch nicht gelesene Geschichten“ gestoßen und muss wirklich zugeben, dass ich mich freue, dass es Deine Geschichte „getroffen“ hat.
    Ich war wirklich von A bis Z gefesselt, habe gleich zwischendrin schnell das Herzchen gedrückt, dass ich es am Ende nur nicht vergesse <3 und war wirklich verblüfft, wer am Ende dahintersteckte!!!
    Vielen Dank für die spannende, fesselnde Lektüre!
    Vielleicht magst Du ja auch mal bei mir "vorbeilesen" (Die Nachtschicht)? Ich würde mich freuen!
    Liebe Grüße
    Anna

  14. Ich finde Deine Geschichte insgesamt sehr gut. Ansonsten ist hier ja schon einiges zu den Dialogen und zum Ende geschrieben worden. Das ist mir auch aufgefallen. Ich gebe Dir aber gerne ein „Like“.
    LG
    L. Paul (Die Mutprobe)

  15. Liebe Silvia,

    Hab deine Geschichte in einem Schatz durchgelesen und finde die Grundidee auch wirklich gut, schade ist nur, dass du durch die vielen Dialoge, die Spannung ein wenig rausnimmst, aber vielleicht ging es ja nur mir so. Der offene Schluss und die Tatsache dass es Katja war haben mir allerdings wieder echt gut gefallen, da ich damit gar nicht gerechnet habe. Da hatte ich noch eher Julia am Schirm🤔✌️.

    Hab dir natürlich ein Like da gelassen. Mach weiter so.

    LG Verena (wenn du Lust dazu hast kannst du ja auch meine Story lesen „Wegen mir!“)

  16. Hallo Silvia,
    Tja was soll ich noch sagen 😅, es wurde bereits alles geschrieben. Deine Geschichte fand ich toll, die Handlung hat mir gut gefallen und das Ende hat mich sehr überrascht. Die Interaktion der Frauen finde ich klasse, auch wenn, wie andere auch schon erwähnten, die Dialoge sicher noch ausbaufähig sind. Ein Like bekommst du natürlich trotzdem ☺️.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg 🍀.

    Schönen Abend

    Maddy

    P. S Meine Geschichte ist „Alte Bekannte“, vielleicht hast Du ja Lust und Zeit sie zu lesen 😊🙈😁.

  17. Hallo Silvia,

    zwar habe ich deine Story erst jetzt entdeckt, aber ich habe sie trotzdem gerne gelesen.
    Da mein Mann und ich in der Corona-Zeit mit wandern und Geocaching angefangen haben, war ich gleich mitten drin. Da deine „Koordinaten“ mir aber nichts sagten, oder vielmehr falsch erschienen, habe ich sie gegooglet, und was soll ich sagen, das Ergebnis war ein Zitat aus deiner Geschichte….. 😉

    Wie alle anderen schon erwähnt haben fand ich die vielen Dialoge auch zeitweise etwas „nervig“, aber so sind Frauen ja wirklich meist, und daher ist das rückblickend betrachtet okay. Auf Katja bin ich erst gekommen, als sie zurück bleiben durfte, bis dahin hatte ich auch an ein Mobbingopfer aus der Schule gedacht.

    Alles in allem hättest du mein Like bekommen, wenn ich sie nur früher entdeckt hätte.

    Liebe Grüße
    Monika (Ende Gut?)

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