HannahTwo Faced

10+

Prolog -Tom- 

Ich wache durch den Geruch von Kaffee und Eiern mit Speck auf, noch sehr müde drehe ich mich auf die Seite, um nach Kirsten zu sehen. Doch sie liegt nicht neben mir im Bett, was mich sehr wundert. Noch sehr müde quäle ich mich aus dem Bett heraus und folge dem köstlichen Duft in die Küche. Dort finde ich einen bereits gedeckten Frühstücks Tisch, sogar frischer Kaffee steht auf dem Tisch. Kirsten hat wie immer an alles gedacht, denke ich lächelnd. Ein wenig habe ich ein schlechtes Gewissen, da sie schon wieder alleine das Frühstück machen musste. Ich bin leicht verwundert, da sie mich im Normalfall weckt, wenn sie das Haus verlässt während ich noch schlafe. Ich sehe mich nach Kirsten um, kann sie aber nicht finden. Da entdecke ich einen Notizzettel, der an meinem Teller klebt: „Guten Morgen mein Schatz, ich bin mit den Kindern auf dem Spielplatz. Genieß dein Frühstück, ich liebe dich, Kirsten„. Ich bin zwar leicht verwundert denke mir aber nichts dabei, da sie öfters mit den Jungs am Wochenende etwas unternimmt und mich dann nicht wecken will. Ich setzte mich an den Tisch und beginne zu frühstücken. Ich gieße mir etwas Kaffee ein und genieße ihn, er schmeckt heute irgendwie anders als sonst. Leicht süßlich, aber vielleicht hat Kirsten einfach eine neue Sorte gekauft. Nach dem ich fertig bin stelle ich meinen Teller in die Spülmaschine und beginne damit den Tisch ab zu räumen. Ich merke wie mir leicht schwindelig wird, ignoriere es aber und mache damit weiter den Tisch ab zu räumen. Der Raum beginnt sich zu drehen, ich will mich an der Theke festhalten, schaffe es aber nicht und falle auf den Boden. Der Raum dreht sich und meine Sicht wird verschwommen. Plötzlich höre ich Schritte, ich will mich aufsetzen, um zu sehen, wer da kommt schaffe es allerdings nicht und verliere das Bewusstsein.  Das letzte was ich höre bevor alles schwarz wird ist das leises Kichern einer weiblichen Stimme.

Kapitel 1 -Kirsten- 

„Noah, Elias! Beeilt euch wir gehen in zehn Minuten und ihr habt noch nicht gefrühstückt!“, rufe ich. Ich höre wie es poltert und kurz darauf lautes Getrampel auf der Treppe. Schnell drehe ich mich um und sehe wie sich meine beiden Jungs an den Küchentisch setzen und beginnen zu essen. Als sie fertig sind sage ich: „Also, gehen wir, aber sagt noch tschüss zu Papa!“, in diesem Moment kommt Tom die Treppe herunter und die Jungs verabschieden sich von ihm. Er kommt zu mir und küsst mich. „Ich wünsche dir einen schönen Tag, mein Liebling.“ „Danke, den wünsche ich dir auch“, antworte ich und laufe zum Auto wo die Jungs schon auf mich warten. Nach dem ich die beiden an ihrer Schule abgesetzt habe fahre ich in die Reinigung. Da sich dort aber leider bereits eine lange Schlange gebildet hat muss ich sehr lange warten. Leicht genervt nehme ich die Kleidung entgegen und verstaue sie im Auto. Spontan entscheide ich das ich Lust auf einen großen Kaffee habe. Ich fahre zu meinem Lieblings Café und betrete es gut gelaunt. „Einen großen Kaffee zum Mitnehmen, bitte.“, bestelle ich. Kurze Zeit später nehme ich meine Bestellung entgegen. Gut gelaunt Summe ich vor mich hin während ich etwas Milch in meine Kaffee gieße und anschließend den Deckel verschließe. Schwungvoll drehe ich mich um und will mich auf den Weg zum Ausgang machen, als ich plötzlich mit einem Mann zusammenstoße, der seinen gesamten Kaffee auf mir verteilt. „Mist!“, fluche ich und schaue auf meine Lieblingsbluse, die jetzt ein großer Kaffeefleck ziert. „Oh Gott, es tut mir so leid! Ich weiß nicht was heute mit mir los ist… entschuldigen Sie bitte.“, stammelt der Mann. Ich seufze verziehe leicht genervt das Gesicht und sage: “ Nicht so schlimm. Ich habe Kinder es ist nicht das erste Mal das ich ein Getränk über meine Kleidung gekippt bekomme.“ Bei den Erinnerungen an diese Momente muss ich ein wenig schmunzeln. „Sind Sie sicher das alles in Ordnung ist?“, frägt er mit leicht schlechtem Gewissen. „Ja ja, alles gut. Einen schönen Tag noch.“, damit gehe ich und steige in meinen Wagen, um nach Hause zu fahren. Nach diesem kleinen Unfall entscheide ich zuhause zu bleiben und dort ein wenig zu arbeiten. Nach dem ich mich um die Wäsche gekümmert habe und den Rasen gemäht habe, beginne ich damit mir etwas zum Essen zu kochen. Doch während ich die Gurken für meinen Salat klein schneide höre ich das dumpfe ´Ding´ einer Nachricht, die ich bekommen habe. Seltsam, ich dachte ich hätte meine Handys bereits aus der Tasche rausgenommen? Ich laufe zu ihr rüber, öffne sie und sehe hinein. Zuerst sehe ich nichts und bin verwirrt.  Daraufhin entscheide ich sie komplett auszuräumen, plötzlich sehe ich ziemlich am Boden der Tasche ein silbernes Smartphone das eindeutig nicht mir gehört. Verwundert und mir klopfendem Herzen ziehe ich es heraus und schalte es ein. Was ich auf dem Bildschirm lesen kann lässt mein Blut in den Adern gefrieren:  „Ich weiß was du zu verbergen hast. Ich weiß wo du hin gehst, wenn du deine Kinder jeden Donnerstag angeblich zum Chor bringst.“, mit einem Angehängtem Bild, das mich in einer dunklen Seitenstraße zeigt, wie ich Giovanni, unserem Mann fürs Grobe, wenn wir Probleme mit Konsumenten haben, gerade einen Umschlag überreiche. Mein Herz bleibt für einen Moment stehen. Ich kann das Blut in meinen Ohren rauschen hören. Ich merke wie ich beginne zu zittern und mein Herz wiedereinsetzt und schneller zu schlagen beginnt. Das kann unmöglich sein! Niemand weiß davon ich bin immer extra vorsichtig bei diesen Dingen, wähle nie zweimal denselben Ort aus an dem ich solche Deals mache. Fahre Umwege, um Mögliche Verfolger zu identifizieren und sie los zu werden. Aber wer würde mich schon verdächtigen? Die langweilige, perfekte Hausfrau, die nichts anderes macht als Kuchen für den Kuchenverkauf der Schule zu backen und ihre Kinder abzuholen und zu ihren Freizeitaktivitäten zu bringen. Ich kann es einfach nicht fassen. Wer hat mir die Nachricht geschrieben? Und wo kommt dieses verdammte Handy her?! Im Kopf gehe ich nochmal meinen Tagesablauf durch. Ich habe heute Morgen meine Kinder zur Schule gebracht, bin aber vor der Schule nicht ausgestiegen. Danach war ich in der Reinigung, um etwas abzuholen. Hat man mir da das Handy in die Tasche geschoben? Wer stand hinter mir in der Schlange? Verdammt ich weiß es nicht mehr!! Es könnte aber auch passiert sein als ich mir in meinem Lieblingscafe einen Coffee to go geholt habe… ich bin dort mit einem Mann zusammen gestoßen der mir den heißen Kaffee über meine Lieblingsbluse geschüttet hat. Ist er der Täter? Oder bin ich nur paranoid? Egal. Ich muss etwas unternehmen! Jetzt! Sofort laufe ich zu meiner Tasche und hole mein Handy heraus, dass ich ausschließlich für unsere Geschäfte verwende. Ich wähle G´s Nummer und er hebt sofort ab. „Giovanni, ich habe gerade ein Bild bekommen, auf dem wir beide zusammen zu sehen sind. Finde heraus wer mir das Bild geschickt hat.“, damit lege ich auf, ohne ihm die Möglichkeit zu geben mir zu antworten. Genervt seufze ich, dabei fällt mein Blick auf die Uhr. Schon zehn nach fünf! Verdammt! Ich muss mich beeilen, um die Kinder noch rechtzeitig vom Fußball abzuholen. Ich schnappe mir das fremde Handy und werfe es in eine Schublade, nehme mein anderes Handy und meine Tasche und laufe zu unserem Auto. Gerade noch rechtzeitig schaffe ich es zum Sportplatz und hole Noah und Elias ab. Wir fahren nach Hause dabei erzählen sie mir von ihrem Training und wie viele Tore sie geschossen haben. Ich freue mich mit ihnen und höre ihnen zu allerdings bin ich ein wenig abgelenkt da ich immer noch an die SMS denken muss. Zuhause angekommen öffne ich die Tür und die Jungs rennen an mir vorbei in ihre Zimmer. „Noah, Elias vergesst nicht eure Hände zu waschen!“, rufe ich den beiden hinterher und laufe in die Küche, um das Abendessen zu kochen.
Nach dem Abendessen setze ich mich mit Tom und einem Glas Wein auf das Sofa. Ich erzähle ihm von der beunruhigenden SMS. „Verdammt! Das kann doch nicht sein! Wir waren IMMER vorsichtig! Der einzige der weiß wer wir sind ist Giovanni! Denkst du er hat etwas damit zu tun?!“, fragt Tom wütend und aufgebracht. „Niemals! G würde uns nie verraten!! Er hat schon als Jugendlicher für meinen Vater gearbeitet. Er hat Schulden, die man in unserer Welt nicht mit Geld begleichen kann. Wir haben ihn gerettet dafür ist er jetzt loyal uns gegenüber.“, versuche ich ihn zu beruhigen. Ich hoffe wirklich das ich recht habe aber in der Welt, in der ich aufgewachsen bin, ist das Ehrenwort eines Mannes noch etwas wert. Wenn dir jemand sein Leben und seine Loyalität verspricht wie es G bei meiner Familie getan hat dann ist diese Person auch verlässlich bis in den Tod. Tom sieht mich einen Moment schweigend an seufzt dann und sagt: „Du hast recht, im Moment können wir so wieso nicht viel tun. Lass uns hoffen das du mit deiner Meinung über G richtig liegst. Ich hoffe wirklich er kann uns bald einen Namen nennen. Lass uns einfach schlafen gehen.“

Kapitel 2

Am nächsten Morgen wache ich sogar vor meinem Wecker auf, obwohl ich noch sehr müde bin da ich die ganze Zeit über die SMS nachdenken musste. Es macht mir Angst, dass jemand da draußen mein dunkelstes Geheimnis kennt und ich keinerlei Einfluss darauf habe, ob derjenige es für sich behält oder mich verpfeift. Ich stehe auf, mache mich fertig und bereite das Frühstück zu. Nach dem alle gegessen haben fahre ich die Jungs in die Schule und beschließe mich ein wenig zu entspannen. Mein erster Weg führt mich in meinen kleinen Lieblings Buchladen, in dem ich ein wenig herumstöbere und mich schließlich für einen Krimi und einen Roman entscheide. Freudestrahlend trage ich meine Beute aus dem Laden heraus und gehe in ein Café, indem ich eine große Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen bestelle. Zufrieden beginne ich zu lesen und kann auch wenig später meinen Kuchen und den Kaffee genießen. Ich bin tatsächlich schon viel entspannter und entscheide, dass ich meine Aufgaben für heute einfach auf Morgen verschiebe und mir etwas Ruhe gönne. Ich ziehe mein Geschäftshandy aus meiner Tasche und checke, ob Giovanni sich bereits gemeldet hat. Leider nicht. Egal, denke ich und stecke das Handy zurück in die Tasche. Nach zwei weiteren Stunden beschließe ich, dass es Zeit ist nach Hause zu gehen. Ich bezahle die Rechnung und fahre nach Hause. Dort angekommen stehe ich gut gelaunt in der Küche und mache mir einen Kaffee. Doch irgendwie fühle ich mich heute nicht wirklich wohl in unserem Haus. Ich bin zwar allein zuhause habe allerdings das beklemmende Gefühl beobachtet zu werden. Zum gefühlt tausendsten Mal an diesem Tag schaue ich über meine Schulter, um zu sehen ob ich auch wirklich alleine bin. Ich schüttle nur den Kopf und denke mir das ich langsam verrückt werde. Nach dem mein Kaffee endlich fertig ist laufe ich ins Esszimmer und will mich an den Tisch setzen. Doch bevor ich dort ankomme, spüre ich wie ich an der Schulter gepackt werde und zu Boden geworfen werde. Sofort lasse ich meine Tasse fallen und schaffe es gerade noch so den Sturz abzufangen und mich wegzurollen. Ich stehe auf und sehe mich nach meinem Angreifer um, zuerst sehe ich nur ihre dunklen Haare und ich will gerade ausholen und einen Schritt auf sie zu machen als sie sich umdreht. Mit der Vase von unserem Tisch in der Hand. Ich halte in der Bewegung inne da ich ihr Gesicht jetzt endlich erkennen kann. Schockiert schnappe ich nach Luft und zögere kurz. Diesen kleinen Moment nützt sie aus, um mir die Vase gegen meine Schläfe zu schlagen. Ich taumle einige Schritte zurück und alles wird schwarz. Das letzte was ich bemerke ist, wie ich auf dem harten Boden aufschlage.

Kapitel 3 -Annabell- 

Ich kann nicht glauben wie leicht sich meine ehemals beste Freundin, die wohl das Drogengeschäft ihres Vaters übernommen hat, von mir hat überwältigen lassen. Niemals hätte ich ihr zugetraut das sie in so ein herzloses Geschäft einsteigt und es dann im Verborgenen leitet. Dabei ist sie auch noch sehr gut, sie führt das Gewerbe besser als ihr Vater damals. Deshalb hatte ich auch wirklich mehr von ihr erwartet. Schließlich hat ihr Vater schon von klein auf mit ihr trainiert damit sie sich später einmal verteidigen kann. Unteranderem brachte er ihr Kickboxen bei und hat später dann auch mir ein paar einfach kniffe gezeigt. Scheinbar hat sein Training bei ihr gewirkt, denn sie ist zurzeit die meist gesuchte Person des Drogendezernats, da sie das größte Kartell unter sich hat. Noch dazu ist sie nicht gerade dafür bekannt schwach und gnädig zu sein. Ich schaue auf Kirsten hinab und lächle boshaft, von wegen gefährlich. Sie ist zu unvorsichtig und weich geworden. Dachte wohl sie könnte mit dem davon kommen was sie mir angetan hat, aber nicht mit mir. Sie hat es nicht verdient glücklich mit ihrer Familie zusammen zu leben, während ich wieder einmal leiden muss. All die Jahre in denen ich zu schauen musste wie sie immer genau das bekam was sie wollte… aber das ist jetzt vorbei! Lange genug habe ich auf genau diesen Moment im Verborgenen gewartet. Jetzt ist es endlich so weit, ich werde das bekommen was ich will und was mir zusteht. Ich laufe zu meiner Tasche, die ich mitgebracht habe und hole einige Seile, um Kirsten zu fesseln und zu knebeln. Als ich damit fertig bin beginne ich damit meine Spuren zu verwischen, ich wische den verschütteten Kaffee auf, stelle die Vase auf den Tisch zurück und nehme die Scherben der Tasse mit. Schließlich schleppe ich Kirsten unbemerkt zu meinem Wagen und werfe sie hinein. Die Nachbarn sind hier so unaufmerksam und mit sich selbst beschäftigt das ich sie nicht mal hätte beschatten müssen, denke ich. Schnell steige ich in meinen Wagen und starte den Motor. Ich fahre mit ihr davon ohne, dass ich von irgendjemandem aufgehalten werde, niemand scheint mich zu bemerken. Zufrieden lächle ich und drehe das Radio lauter.

Kapitel 4 -Kirsten-

Ich wachte mit dröhnenden Kopfmerzen auf. Verwirrt sah ich mich um. Ich befand mich in einem Raum, den ich noch nie zuvor gesehen hatte. Der ganze Raum bestand aus nackten Betonwänden wie in einem Keller oder etwas Ähnlichem. Rechts von mir entdeckte ich eine Treppe, die nach oben in die Dunkelheit führte. Ich fröstle. Mir war zuerst nicht aufgefallen wie kalt es war. Erschrocken bemerkte ich das ich an einen Stuhl gefesselt war und mich nicht wirklich bewegen konnte. Was ist passiert? Wo bin ich und wer hat mir das angetan? Plötzlich tauchten Bilder vor meinem inneren Auge auf. Annabell wie sie mich von hinten angreift, wie wir miteinander kämpfen und sie es schafft mich mit einer Vase vom Tisch K.O. zu schlagen. Annabell?? Die Annabell die meine beste Freundin im Kindergarten war? Die ich seit der Uni nicht mehr gesehen habe?? Hat sie mir etwa diese SMS geschickt? Das kann unmöglich sein… sie kann doch gar nicht wissen das Tom und ich das hiesige Kartell leiten und die wahren Fadenzieher sind. Nein, das ist unmöglich. Ich habe sie doch wirklich seit der Uni nicht mehr gesehen?! Plötzlich höre ich Geräusche von oben, die Tür öffnet sich langsam und quietscht dabei leise. Ein Lichtstrahl fällt durch die Tür und auf die Treppe. Mein Herz schlägt schneller und ich versuche mich verzweifelt aus meinen Fesseln zu befreien, doch es gelingt mir nicht. Ich sehe wie am Anfang der Treppe eine dunkle Gestalt erscheint. Sie beginnt langsam die Treppe herunter zu laufen und auf mich zu zu kommen. Mein Herz schlägt noch schneller und meine Finger verkrampfen sich. Die Gestalt tritt ins Licht. Jetzt kann ich ihr Gesicht erkennen. Mein Atem stockt und ich traue meinen eigenen Augen nicht. Es ist tatsächlich Annabell, meine beste Freundin seit dem Kindergarten. Wir sind zusammen aufgewachsen und gemeinsam zur Schule gegangen. Wir waren ein Herz und eine Seele und haben alles zusammen gemacht. Auf der Uni haben wir uns dann beide aus den Augen verloren, als wir uns für unterschiedliche Studiengänge entschieden haben und ich Tom kennenlernte. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Was zur Hölle sollte das?? Sie grinst mich hämisch an und fragt zuckersüß: „Na, Kirsten, lange nicht gesehen. Wie geht es dir?“ „Annabell, was soll der quatsch. Was willst du von mir? Mach mich sofort los!“, knurre ich wütend. Sie lacht nur höhnisch und sagt: „Was ich von dir will? Tz, nur das war mir zusteht.“ „Was dir zusteht?? Ich verstehe nicht.“ „Du verstehst nicht?! Tom gehört mir. Ich hatte ihn zuerst, doch du hast ihn mir absichtlich weggenommen, weil du neidisch warst. Neidisch, dass mein Leben auch einmal besser lief, nach dem ich dir meine ganze Kindheit lang dabei zugesehen habe wie du dein perfektes Leben mit der perfekten Familie führst. Zusehen musste wie meine Familie auseinander viel und deine Eltern aus Mitleid versuchten sich bei mir ein zu schmeicheln. Bestimmt hast du es mir nicht zugetraut dein Geheimnis aufzudecken.“ Schockiert hörte ich ihr zu, doch dann wurde ich wieder wütend. „Was redest du da? Meine Eltern haben dich immer wie ihre eigene Tochter behandelt. Du hast zur Familie dazugehört und jetzt wirfst du mir so etwas vor! Ich glaube es nicht, du spinnst doch!!“ “Was fällt dir ein! Jeder wusste doch das ihr mich nur aus Mitleid immer zu euch eingeladen habt, um dann später hinter meinem Rücken über mich zu lachen. Das kleine dumme Mädchen, deren Vater sie und ihre Mutter sitzen gelassen hat.“, schreit Annabell aufgebracht. Ich erschrecke, da sie mich so hasserfüllt anschaut und rechne damit das sie mich schlägt. Doch nichts passiert sie funkelt mich nur weiter hasserfüllt an. Dann dreht sie sich auf einmal um, stürmt die Treppe nach Oben und schlägt die Tür zu. Auf einmal bin ich wieder alleine in meinem kalten Gefängnis, zitternd hole ich Luft. Ich bin froh, dass sie gegangen ist, ohne mir etwas anzutun, allerdings hat sie mir auch nicht verraten was sie will. Immer noch schockiert von den Dingen, die sie mir gerade an den Kopf geworfen hat, denke ich an all die Dinge, die wir bereits gemeinsam erlebt haben. Bei diesen Gedanken muss ich kurz lächeln, da Annabell und ich wirklich wie Schwestern waren als wir noch klein waren. Deshalb schockiert es mich noch mehr, dass mich meine ehemalige beste Freundin scheinbar so abgrundtief hasst.  Ich schaudere als ich daran denke, wie sie uns all die Jahre wahrscheinlich heimlich beobachtet hat. Bei diesem Gedanken wird mir etwas bewusst. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Angst vor Annabell.

Kapitel 5

Es kommt mir so vor, als ob ich bereits Tage hier unten auf diesem Stuhl sitze, allerdings könnten es auch nur ein paar Stunden sein oder vielleicht eine Woche? Dadurch das es hier keine Uhr gibt habe ich mein Zeit Gefühl komplett verloren. Immer wieder muss ich an die Dinge denken die Annabell zu mir gesagt hat, dabei war sie doch immer so ein nettes Mädchen. Wir hatten wirklich viel Spaß zusammen, und haben viel gemeinsam erlebt. Ich erinnere mich daran, wie wir als kleine Mädchen in meinem Garten gemeinsam schaukelten. Anfangs hatten wir nur eine Schaukel aber nach dem Annabell so viel Zeit bei uns verbrachte und wir beide die Schaukel liebten, baute mein Vater eine zweite in den Garten. Von da an verbrachten wir jede freie Minute in unserem Garten, eine Zeit lang versuchten wir sogar unsere Hausaufgaben dort zu machen. Allerdings endete es meistens so dass man so gut wie nichts lesen konnte, da unsere Schrift undeutlich wurde. Deshalb zwang uns meine Mutter dazu unsere Hausaufgaben drinnen zu machen. Aber wie konnte aus dem Mädchen, mit dem ich so viel erlebt habe, so eine verbitterte Person werden? Ich hab ihr doch nichts getan, im Gegenteil, ich habe sie immer unterstützt. Jedes Mal, wenn es ihr wegen ihrer Familie schlecht ging habe ich versucht für sie da zu sein und sie aufzumuntern. Eine Zeit lang, hat sie fast jeden Tag bei mir geschlafen und meine Eltern hatten nie etwas dagegen. Sie wussten ja was bei ihr zuhause los war. Deshalb freuten sie sich auch jedes Mal, wenn sie bei uns blieb und nicht nach Hause ging. Ich wusste, dass das alles nicht einfach für sie war, aber ich hätte nie gedacht das sie uns all die Jahre so abgrundtief gehasst hat. Doch wie hatte sie das mit meinem Vater herausgefunden? Nicht mal meine Mom wusste davon und mich hat er erst mit sechzehn eingeweiht. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als er mich das erste Mal in unser Hauptquartier mitnahm, um mich Giovanni und den anderen als seine Nachfolgerin vorzustellen. Er brachte mir alles bei was er wusste und bald schloss ich meine ersten kleinen Deals mit unseren Händlern selber ab. Natürlich waren Giovanni und die Männer anfangs nicht begeistert, dass ausgerechnet eine Frau sie anführen sollte. Doch nach dem ich sie aus ein paar sehr heiklen und riskanten Aufträgen wieder sicher herausgeführt hatte, habe ich diese Zweifel beseitigt. Außerdem habe ich sie fast alle bei unseren kleinen Übungskämpfen, die wir veranstalten, um fit zu bleiben, schon mindestens einmal besiegt. Ich schrecke aus meinen Gedanken auf, als ich höre wie sich die Tür erneut öffnet und Annabell mein Gefängnis erneut betritt. Sie sieht nicht besonders fröhlich aus, eher wütend. „Annabell, lass uns reden. Bitte erklär mir das ganze ich verstehe nicht was hier los ist.“ „Du verstehst nicht was hier los ist? Pass gut auf, ich werde es dir erklären. Mein ganzes Leben lang musste ich dir immer dabei zusehen, wie du alles bekamst was du wolltest und ich nichts. Egal ob es Spielzeuge, Kleider oder Bücher waren, du bekamst einfach alles! Irgendwann haben dann deine Eltern angefangen mir aus Mitleid auch Dinge zu schenken. Das hat das alles aber noch schlimmer gemacht! Ich schwor mir, dass ich eines Tages etwas finden würde was nur mir gehören würde. Auf einer Party traf ich Tom und schlief mit ihm, ich wusste sofort, dass wir zusammengehören. Was glaubst du, wie überrascht ich war als ich feststellte, dass du auf einmal mit ihm zusammen warst und ihr heiratet. Jahrelang habe ich auf den heutigen Tag gewartet. Ich werde ihn mir zurückholen und ihn nie wieder gehen lassen.“ Ich war sprachlos. Total entsetzt. Was sollte ich dazu sagen?! Sie war ganz klar geisteskrank. Sie schien wirklich zu glauben, dass das was sie da von sich gab die Wahrheit war. „Annabell, das stimmt nicht. Ich wusste nicht das du in Tom verliebt warst, ich habe ihn an der Uni kennengelernt. Bitte, das musst du mir glauben!“, flehte ich sie an. Sie sah mich nur ausdruckslos an, kam auf mich zu und versetzte mir eine heftige Ohrfeige. Mein Kopf flog zur Seite und ich konnte Blut schmecken. Entsetzt und ein wenig verängstigt sah ich sie an. Sie schaute mir Eiskalt in die Augen und sagte: „Lügen, nichts als lügen. Ich werde nun zu Tom gehen und mich um ihn kümmern. Was mit dir passiert überlege ich mir noch.“, damit drehte sie sich um und ging davon. „Annabell komm zurück!!“, brüllte ich. „Annabell!“ Doch ich wusste, dass sie bereits weg war.

Kapitel 6 -Tom-

Blinzelnd öffne ich die Augen. Was ist passiert? Ich erinnere mich nur noch wie ich ohnmächtig wurde und auf den Boden in der Küche fiel. Merkwürdig, seit wann ist unser Boden so weich, frage ich mich bis ich feststelle das ich in unserem Schlafzimmer im Bett liege. Wie bin ich denn hier hingekommen? Kirste kann mich unmöglich die Treppen nach oben getragen haben oder etwa doch? Doch noch etwas anderes ist seltsam. Meine Arme sind nach oben gestreckt, als ich versuche sie nach unten zu ziehen und aufzustehen bemerke ich, dass ich an Händen und Füßen gefesselt bin. Was soll das? Ich merke wie mein Herz zu rasen anfängt und ich ziehe verzweifelt an meinen Fesseln. Doch sie geben keinen Millimeter nach. Die Schlafzimmer Tür springt plötzlich auf und im Türrahmen steht eine Frau, die eindeutig nicht Kirsten ist. Sie hat dunkles Haar und ist sehr hübsch. Allerdings ist ihr Blick hasserfüllt, bis sie bemerkt das ich wach bin. Plötzlich strahlt sie mich an und kommt auf mich zu gerannt und fällt mir um den Hals. „Tom, mein Liebling, du bist endlich wach!! Ich habe dich all die Jahre so schrecklich vermisst, aber jetzt können wir zusammen sein! Allerdings hat es mich schon sehr verletzt, dass du einfach diese hässliche Schlampe geheiratet hast, nach dem du nach unserer gemeinsamen Nacht einfach abgehauen bist. Aber keine Sorge ich werde dir verzeihen, unter einer Bedingung.“, völlig verwirrt und panisch schaue ich sie an. „Ich weiß nicht wovon Sie reden. Welche gemeinsame Nacht meinen Sie denn? Ich habe Sie noch nie in meinem Leben gesehen.“, stammle ich entsetzt. Wer war diese Irre unbekannte, die mich scheinbar unter Drogen gesetzt hatte und anschließend an mein Ehebett gefesselt hat? Doch die Frau lacht nur hysterisch und schaut mich mit einem Irren Ausdruck in ihren Augen an. „Du musst doch nicht mehr so tun, als ob du dich nicht an mich erinnern kannst, deine Frau ist nicht hier. Sie wird auch kein Problem mehr für uns darstellen keine Sorge, Darling.“, kichert sie Irre. „Was meinen Sie damit? Wo ist Kirsten? Haben Sie ihr etwas getan??“, frage ich sehr besorg. Auf einmal mache ich mir wirklich große Sorgen um Kirsten. Die Frau scheint vollkommen gestört zu sein und sagt das meine Frau kein Problem mehr darstellt. Als ob sie sie bereits aus dem Weg geräumt hat. Nein, daran darfst du nicht denken! Die Irre lacht noch mehr und schmiegt sich an mich. „Keine Sorge, bald können wir beide zusammen sein, ohne dass uns je wieder jemand stört. Wir werden die Jahre nachholen, in denen ich dich immer nur aus der Ferne beobachten konnte, weil diese Hure sich zwischen uns gedrängt hat und dich verhext hat.“, sagt sie, ohne auf meine Fragen einzugehen. Vielleicht sollte ich einfach so tun, als ob sie recht hätte, damit sie mich losbindet und ich sie überwältigen kann. „Ja, du hast recht. All die Jahre habe ich Kirsten nie wirklich geliebt, ich habe immer nur auf dich gewartet.“, säusle ich in der Hoffnung das sie mir glaubt. „Dann erinnerst du dich also wieder? Du weißt welche Nacht ich meine?“, fragt sie begeistert. Verzweifelt überlege ich, was sie meinen könnte und wo ich ihr begegnet sein könnte. Doch es fällt mir nichts ein. „Aber natürlich. Du sahst so wunderschön aus in dieser Nacht.“, lüge ich. Zuerst sieht sie sehr glücklich aus, doch dann schaut sie mich misstrauisch an. „Ich sah also wunderschön aus?! Warum hast du dann zuerst mit dieser einen Schlampe auf der Party von Ed geflirtet? Warum bist du nicht sofort zu mir gekommen?“, schreit sie. Ed? Ist es möglich, dass sie meine Klassenkameraden Ed meint? Ich war mal auf eine seiner Geburtstagspartys eingeladen, weiß allerdings nicht mehr viel davon, da ich ziemlich betrunken war. Am nächsten Morgen bin ich neben irgendeinem fremden Mädchen aufgewacht und habe mich schnell aus dem Zimmer geschlichen. Ist es möglich, dass sie das war? Ich denke fieberhaft nach und versuche mich an ihren Namen zu erinnern. Verdammt! Er fällt mir nicht ein! Ich glaube er fing mit A an… Anja? Nein. Anna? Annabell? Ja! Das war es!! „Ach Annabell, bitte verzeih das ich so dumm war. Ich habe sofort aufgehört mit ihr zu reden nach dem ich dich entdeckt hatte.“, versuche ich sie zu beschwichtigen. Gespannt beobachte ich ihre Reaktion und hoffe, dass ich mit dem Namen richtig lag. Sie schaut mich verträumt an und lächelt dann zu frieden. Doch bevor sie etwas sage kann, beschließe ich einen Versuch zu wagen frei zu kommen. „Annabell, Liebes, kannst du vielleicht meine Fesseln lösen? Es tut so weh, ich verspreche auch, nicht weg zu laufen.“, bettle ich sie an. Plötzlich ändert sich ihre Stimmung und sie sieht mich wütend und enttäuscht an. „LÜGNER!“, kreischt sie und stürzt sich auf mich. Ihre Fingernägel graben sich in meine Schultern und krallen sich dort fest. „Du lügst! Du willst doch nur abhauen und nach Kirsten suchen!“, schreit sie. Sie holt aus und schlägt mir mit der Faust ins Gesicht. Ich sehe Sternchen. „Ich werde dir dabei helfen, sie zu vergessen. Ein für alle Mal. Sie stand uns schon immer im Weg. Aber keine Sorge, wenn ich zurück komme wird sie kein Problem mehr für unsere Liebe darstellen.“, sagt sie und klettert vom Bett. Panik steigt in mir hoch. Ich muss etwas unternehmen, sie wird Kirsten töten. Das kann ich nicht zulassen, ich muss es verhindern! „Neeiiinnn!“, schreie ich. Doch sie dreht sich nur mit einem zufriedenen Lächeln und einem Irren Ausdruck in ihren Augen um und wirft mir einen Kuss zu. Sie schließt die Zimmertür und ich sinke verzweifelt in die Kissen zurück und versuche nicht durch zu drehen. Bei dem Gedanken, was sie Kirsten antun wird, fange ich verzweifelt an zu weinen.

 

 

 

 

 

10+

One thought on “Two Faced

  1. Moin,

    eine schöne Geschichte die du dir da ausgedacht hast.

    Ich mag das offene Ende, dass lässt viel Platz für Spekulationen und man darf sich selbst Gedanken machen wie die Storie weitergehen könnte.

    Deine erste Geschichte? Man spürt das du viel Spaß am Schreiben hast. Das du aber nicht zu den stärksten Autoren in diesem Wettbewerb gehörst, ist dir sicherlich selbst bewusst, oder?

    Aber das ist auch gar nicht wichtig, wichtig ist das du den Mut hattest deine Geschichte mit uns zu teilen.
    Ich kann dir nur den Tip geben: versuche aus diesem Wettbewerb möglichst viel mit zu nehmen, in dem du selbst Geschichten liest und du dir so Anregungen und Inspiration holst, für deine kommenden Projekte. So mache ich es…

    Mein Like lass ich dir gerne da und wünsche dir alles Gute für’s Voting.

    LG Frank aka leonjoestick ( Geschichte: Der Ponyjäger)

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