TollkirscheVerrat

Daniel

 

..und sie hat mich richtig niedergemacht, weil ich nicht tun wollte was sie verlangt.“ Ich hörte gar nicht mehr richtig zu. Mein Blick wanderte durch den Raum. Die Möbel waren alle aus einem dunkeln Holz, vollgepackt mit Büchern, die ich lesen musste. Außerdem lagen überall kleine Dinge, mit denen man sich beschäftigen konnte während man redet, wie zum Beispiel einen Massageball oder ein Luftballon mit Mehl zum kneten. Patienten fällt es so anscheinend leichter etwas zu erzählen, das unangenehm ist oder wofür sie sich schämen, denn meisten griffen sie genau dann zu diesen „Spielzeugen“. Bei mir funktionierte das nicht. Es gibt wenig über das ich überhaupt reden wollen würde, bei meinem jetzigen Patienten allerdings funktionierte es einwandfrei. „…aber manchmal wünschte ich wirklich er würde verschwinden!“ Ich zuckte zusammen als mein Gegenüber meinen Gedanken laut aussprach. Ich wusste, dass es wieder um seine Frau und die vielleicht Affäre ging, darum ging es eigentlich immer. Froh darüber, dass er meine Gedanken nicht lesen konnte, ließ ich den Blick wieder wandern und blieb schließlich an meiner Spiegelung im Fenster kleben. Ich hatte wirklich kein freundliches Gesicht. Wenn ich meinen Dreitage Bart nicht hätte, könnte man das gut erkennen. Meine Augen sahen besonders in der Spiegelung schwarz aus, meine dunkelbraunen Haare lagen mir ins Gesicht, bald würden sie wieder über die Augen gehen. Wenn ich etwas an mir ändern könnte, wäre das mein Gesicht. Ich würde immer aussehen wie.. Ein leises Piepen unterbrach meine Gedanken. Die Zeit für den Patienten war endlich um. Warum machte ich diesen Job überhaupt? „Sie sollten wirklich anfangen Ihre Ängste und Sorgen mit Ihrer Frau zu teilen. Wenn es Ihnen leichter fällt, könnten wir das auch im Rahmen der Sitzung tun. Überlegen Sie sich, ob es nicht an der Zeit wäre endlich etwas zu tun, und wir besprechen das nächste Woche.“ „Ja vielen Dank Dr. Chester.“ Er gab mir seine Hand, lächelte und verschwand durch die Tür hinter ihm. Er war der letzte für heute. Holly wartete sicher schon vor der Praxis. Als ich den Schlüssel umdrehte um abzuschließen, hörte ich bereits Hollys Stimme. „Daniel! Ich bin hier drüben!“ Ich drehte mich um und entdeckte sie auf der anderen Straßenseite auf einer der Bänke, die dort standen. Sie sah toll aus. Ihr weißes Kleid betonte ihre weibliche Figur und die Haare lagen offen über ihren Schultern. Man konnte ihre blauen Augen fast schon über die Straße leuchten sehen. Seit einem halben Jahr trafen wir uns. Es ist keine wirkliche Beziehung, eher eine Freundschaft. Obwohl wir meistens im Bett landeten, wenn wir uns sahen. Ich weiß nicht, wie es um ihre Gefühle stand, aber ich wollte daran eigentlich auch nichts ändern. Eine Beziehung wäre .. zu gefährlich. Schließlich wusste ich nicht, wie gut sie Geheimnisse bewahren konnte. Und ganz besonders meines würde wohl niemand bewahren. „Kommst du auch rüber oder stehst du da jetzt für immer?“, rief Holly und zog eine Grimasse. Ich schloss die Tür fertig ab, steckte mir eine Zigarette an und ging über die Straße, um mich neben Holly auf der Bank nieder zu lassen. „Und wie war dein Tag heute?“ „Ich kann dir nur sagen das ich die Probleme der Patienten manchmal gern einfach…“ „…einfach in die Mülltonne werfen würdest“, unterbrach sie mich, da ich das eigentlich jedes Mal sagte, wenn sie mich nach meinem Arbeitstag fragte. „Ach Daniel, hoffentlich bekomme ich von dir irgendwann mal einfach ein ‚Gut danke und bei dir?‘ zu hören“ Sie lachte und ich lachte mit ihr. „Lass uns gehen, ich hab heute noch eine Party vor mir, und wenn ich nicht da bin, läuft gar nichts.“ Sie stand auf und klopfte ihr Kleid zurecht. Ich nahm meine Aktentasche und stand ebenfalls auf. „Was für eine Party ist es?“, fragte ich sie. Sie war Partyplanerin und organisierte alles mögliche. Wir hatten uns damals auf einem Klassentreffen von mir kennengelernt, die sie organisiert hatte. „Ein Geburtstag. Das Mädchen wird morgen 16 und die Eltern wollen alles perfekt haben. Ich glaube, das ist die teuerste Party, die ich je gemacht hab.“ Ich verzog das Gesicht. Während sie mir die Einzelheiten der Party erklärte, liefen wir zu meiner Wohnung. Weit entfernt von meiner Praxis war sie nicht. Ich mochte den Weg, den ich so gut wie jeden Tag lief. Nürnberg war in meinen Augen eine sehr schöne Stadt. Als wir in der Wohnung angekommen waren, fing Holly an in Ihrer Tasche herum zu wühlen. „Ich hab hier noch was für dich.“, murmelte sie und zog ein kleines Päckchen raus.“Hier, das lag vor deiner Praxistür als ich ankam, hab’s bis grade vergessen.“ Ich nahm ihr das Paket aus der Hand. Kein Absender, keine Zustelladresse. Das musste jemand dort hingelegt haben. Holly kam näher und legte ihre Hände auf meiner Brust ab. „Aber aufmachen musst du es später.“, hauchte sie, küsste mich und zog mich langsam Richtung Schlafzimmer.

Als ich aufwachte, war es bereits mitten in der Nacht. Ich war eingeschlafen, nachdem Holly gegangen war. Mit einem leisen Stöhnen stand ich auf und ging zum Badezimmer. Ich wusch mir mein Gesicht und sah mich im Spiegel an. Als ich das Wasser zudrehte, hörte ich ein leises Klingeln. Wo kam das her? Mein Handy oder Wecker waren das nicht. Ich ging aus dem Bad Richtung Wohnzimmer. Da entdeckte ich das Paket auf dem Boden, das ich eben achtlos fallen gelassen hatte. Das Klingeln kam aus dem Paket. Ich hob es auf, holte mir ein Messer und setzte mich auf das Sofa. Vorsichtig öffnete ich das Paket. Ich holte die Zeitung raus, in der etwas eingewickelt war und legte den Karton weg. Als ich die Zeitung weg hatte, lag da ein Handy in meiner Hand. Wer sollte mir denn ein Handy vor meine Praxis legen. Plötzlich fing es wieder an zu Klingeln. Es war ein Wecker. Es gab auch eine Alarmbezeichnung. Dort stand ~101083~. Nach zweimaligem Blinzeln verstand ich, dass das mein Geburtstag war. Kopfschüttelnd wischte ich den Wecker aus und sah mir den Bildschirm an. Der Sperrhintergrund war das Bild von mir, das auf meiner Homepage zu sehen war. Ich wischte nochmal über dem Bildschirm. Eine Pin Sperre verwehrte mir den Zugriff. Was sollte das alles? Wieso legt man mir ein Handy vor die Praxis. Ich wurde unruhig. Das ganze war doch nicht normal. Verwirrt legte ich das Handy neben mich auf das Sofa und ließ mich nach hinten fallen. Sollte ich mir Gedanken machen? Vielleicht die Polizei einschalten? Es könnte ein ehemaliger Patient sein, der mir drohen will. Oder sollte ich es einfach wegwerfen und ignorieren? Noch während ich darüber nachdachte, nickte ich ein. Doch das hielt nicht lange an, denn der Handywecker ging wieder los. Wieder mit meinem Geburtstag als Nachricht. Genervt wischte ich den Wecker aus und stand auf. Ich wollte mich wieder ins Bett legen. Als ich mich grade hinlegen wollte, fiel mir etwas ein. Hastig ging ich zurück ins Wohnzimmer, nahm das Handy von Sofa und tippte langsam meinen Geburtstag in die Tastatur. Mit einem ‚Klick‘ entsperrte sich das Telefon. Wieder hellwach und neugierig setzte ich mich wieder auf das Sofa. Der Hintergrund war der selbe wie der Sperrbildschirm, doch es wurde bearbeitet. Das Lächeln wurde viel zu lang gezogen, wodurch das Bild unnatürlich aussah. Meine Augen sahen böse aus, was eigentlich nicht nötig gewesen wäre, die sahen auch ohne Bearbeitung schon so aus. Ich musste zugeben, dass dieses Bild sehr beunruhigend auf mich wirkte. Schnell ging ich in das Menü. Das Handy war soweit leer. Die Standard Apps waren drauf, doch ansonsten nichts. In der Galerie gab es nur die beiden Bilder von mir. In den Kontakten war nur eine Nummer eingespeichert, unter dem Namen Aetna Biss. Ich wunderte mich über den eigenartigen Namen und ging schließlich in die Wecker App. Ich wäre noch oft von diesem Mistding gestört worden, wenn ich nicht verstanden hätte, wie ich in das Handy komme. Da wollte jemand ganz sicher gehen. Alle Wecker ausgeschaltet, legte ich das Handy auf den Wohnzimmertisch. Das ganze war wirklich seltsam. Da die Müdigkeit wieder kam, stand ich auf und ging in mein Bett. Meine Gedanken kreisten noch immer um das Handy und ich lag noch eine ganze Weile wach. Ich entschloss schließlich, nach dem Schlafen mit dem Handy zur Polizei zu gehen und das ganze checken zu lassen. Und endlich verstummten meine Gedanken und ich schlief ein.

Ich schlug meine Augen auf, doch im ersten Moment sah ich nichts, da alles verschwommen war. Meine Augen brannten und ich war immer noch sehr müde. Eigentlich dachte ich, ich hätte genug geschlafen, aber dass ich zwischendurch wach war, hatte mich wohl doch mitgenommen. Ich sah auf die Uhr, die mir anzeigte, dass es viertel vor elf war. Außerdem hatte ich eine Nachricht von Holly. Sie schrieb, dass sie am Abend vorbei kommen wollte. Ich antwortete ihr schnell, dass ich ihr Bescheid geben würde, wenn ich wieder zuhause wäre und quälte mich aus dem Bett. Schlurfend ging ich ins Badezimmer und duschte. Als ich in die Küche ging, um mir etwas zu essen zu machen, fiel mein Blick auf das Handy. Bald wäre das nicht mehr mein Problem. Ich frühstückte nur wenig, ich war noch nie so der große Frühstücker. Ich war in meiner Kindheit die meiste Zeit in verschiedenen Heimen und ich hasste diese Runden, in denen man gemeinsam aß. Damals war auch mein Bruder noch bei mir. Wir waren gemeinsam von unseren Eltern zurückgelassen worden. Anfangs war ich froh, jemanden zu haben, der definitiv aus meiner Familie war, aber dann wollte ein Pärchen meinen Bruder zu sich holen, mich aber nicht. Da waren wir bereits im Teenager Alter und ich war wohl der Problembruder. Aber zu der Adoption kam es dann nie. Ich riss mich aus den Gedanken, ging zu meinem Kleiderschrank im Schlafzimmer und zog mich an. Als ich mein Handy nahm, hatte Holly wieder geantwortet. Es war aber nur ein grinsender Smiley, also steckte ich es ohne zu antworten in meine Hosentasche. Schließlich an der Tür überlegte ich mir eine Jacke anzuziehen, es war bereits Oktober und es wurde langsam kalt. Ich entschied mich schnell, griff nach dem Handy aus dem Paket, nahm meine Schlüssel und machte mich auf den Weg zur Polizei. Ich wollte nicht laufen, der Weg war dann doch etwas weiter. Also zur U-Bahn. Während der Fahrt wanderten meine Gedanken wieder zum Handy. Ich verstand nicht was der Absender damit bezweckte. Dachte er denn gar nicht daran, dass Menschen bei so etwas einfach zur Polizei gehen, anstatt sich Angst machen zu lassen? Es war ja auch nichts auf dem Handy. Das alles war wohl ein eher plumper Versuch. Als die blecherne Stimme der U-Bahn den Hauptbahnhof ankündigte, stand ich auf und ging zur Tür. Die Leute um mich herum drängten sich raus und machten Platz für die einströmenden Leute. Ich ließ mich mit treiben und gelang so an die erste Rolltreppe. Am Nürnberger Hauptbahnhof gab es zwischen U-Bahn und Oberfläche noch eine Zwischenebene, die ich erst mal durchquerte. Um zur Polizei zu kommen, musste ich Richtung Westhalle. Als ich endlich ankam, blieb ich noch vor der Tür stehen und steckte mir eine Zigarette an. Ich sah auf mein Handy. Es war der 3. Oktober. Noch sieben Tage bis zu meinem Geburtstag. Ich hatte wie immer vor, frei zu machen, mir Essen zu bestellen und Netflix zu gucken. Ich feierte meinen Geburtstag nicht. Ich schnippte meine Zigarette auf dem Boden und ging die wenigen Stufen zur Tür nach oben. Doch als ich grade die Hand auf der Klingel hatte, klingelte mein Handy. Nein, falsch. Dieses Handy klingelte. Es war nur ein sehr kurzes Klingeln. Ich nahm das Handy aus meiner Tasche. Da war doch tatsächlich eine Whatsapp Nachricht. Ich entsperrte das Telefon und öffnete die Nachricht.

Aetna Biss: Das würde ich nicht tun…

Aetna Biss

 

Er beobachtete, wie Daniel sich einmal um seine eigene Achse drehte und konnte nicht verhindern, dass er kicherte. Er würde ihn nicht entdecken. Dafür war seine Position zu weit weg. Dafür bräuchte Daniel schon ein Fernglas. Endlich sah er wieder auf sein Handy und anscheinend tippte er etwas. Ein leises klingeln bestätigte das. Aetna Biss nahm das Handy wieder zur Hand, welches er vorher vor sich abgelegt hatte.

Daniel: Ich weiß nicht wer du bist, aber ich werde dein Spielchen jetzt beenden.

Aetna Biss: Bist du sicher, dass ich mit der Polizei schreiben soll anstatt mit dir?

Aetna war froh das Ganze jetzt ins Rollen bringen zu können, seit heute früh um 4 stand er schon vor Daniels Haus und wartete darauf das etwas passierte. Jetzt war es soweit.

Daniel: Was willst du damit sagen?

Aetna Biss: Ich weiß ein paar Dinge über dich, von denen du sicher nicht willst, dass die jemand erfährt.

Daniel: Das sind nur leere Drohungen, du kennst mich nicht!

Aetna Biss sah mit einem raschen Blick durch sein Fernglas, dass Daniel immer noch wie angewurzelt vor der Tür der Polizeistelle stand. Er sah ziemlich beunruhigt aus. Aetna grinste. Er überlegte nur kurz und entschied sich, das Foto zu senden, mit dem er Daniel überzeugen konnte. Diesmal lachte er laut auf. Daniel hatte keine Ahnung, das Spielchen hatte grade erst begonnen. Mit vor Freude zitternden Fingern schrieb er..

Aetna: Ich freue mich schon auf die Reaktion…

..und klickte auf senden.

 

Daniel

 

Auf was für eine Reaktion freute er sich? Noch bevor ich darüber nachdenken konnte, kam eine Bilddatei an. Es dauerte nicht lang, bis diese fertig geladen war, aber es dauerte wesentlich länger, bis mein Gehirn verstand, was genau ich da sah. Und mit jeder Sekunde wurde das Bild vor meinen Augen schrecklicher. Ich fühlte mich, als müsste ich mich gleich übergeben. Das Bild war Nachts gemacht worden. Es zeigte mich, wie ich viel zu übertrieben grinste und ein Selfie machte. Und neben mir sah man den Tugendbrunnen am Lorenzer Platz, auf dem mein Freitagnachmittagspatient lag. Seine Augen waren Richtung Kamera gerichtet, doch sie starrten ins leere. Sein Bauch war von rechts nach links aufgeschnitten und der Darm war um ihn herum gelegt. In meinem Kopf raste es. Wie kann das sein, gestern hab ich ihn zuletzt gesehen, wie komme ich auf dieses Foto? Ich konnte meinen Blick nicht von dem Foto abwenden, ich hatte die Nacht doch zuhause verbracht. Es kann doch aber nur gestern Nacht passiert sein.

Aetna Biss: Gefällt dir was du siehst? Ich denke mal, du solltest nicht mit der Polizei reden. Das könnte dich in Schwierigkeiten bringen. Oder?

Aetna machte sich lustig über mich. Ich war das nicht! Ich kann das nicht gewesen sein! Doch ich war klar und deutlich auf dem Bild zu sehen. Das musste gefälscht sein. Eine andere Möglichkeit gab es doch gar nicht. Torkelnd entfernte ich mich von der Polizeiwache. Was sollte ich jetzt machen? Wenn ich nicht in diesem Bild sein konnte, wäre es doch möglich, dass auch der Mord nicht passiert war. Hastig steckte ich das Handy weg und ging zurück zur U-Bahn. Ich musste mich davon überzeugen, also stieg ich ein und fuhr dorthin. Ich drängelte mich an der Haltestelle schnell nach draußen, sodass ich einige Leute anrempelte und begab mich nach oben zum Brunnen. Es fühlte sich an wie in Zeitlupe, als ich die Polizisten entdeckte. Ich registrierte die Absperrung und diesmal konnte ich es nicht aufhalten, Ich rannte zum nächst gelegenen Mülleimer und übergab mich. Ein Polizist kam auf mich zu. „Entschuldigen Sie, ist bei ihnen alles in Ordnung?“ Ich antwortete nicht sofort, um das Erbrochene mit einem Taschentuch von meinem Mund zu wischen. „Alles bestens, ich habe nur Magen Darm.“ Das war das beste, was mir einfiel. „Können Sie mir sagen was hier passiert ist?“ Der Polizist zögerte, sah mir aber schließlich ins Gesicht und meinte: „Es gab hier einen Mord, mehr kann ich allerdings nicht dazu sagen.“ „Das ist schrecklich..“, murmelte ich und spürte wie mir wieder schlecht wurde. Ich wollte mich eigentlich verabschieden, aber dazu kam ich nicht, da der Polizist gerufen wurde und ging. Bei mir drehte sich immer noch alles. Hatte ich das getan? Aber ich konnte mich nicht daran erinnern. Ich war zuhause, hab die meiste Zeit geschlafen. Es gab die Möglichkeit, das Bild auf Echtheit zu überprüfen, aber wie stellte ich das an? Ich konnte das Bild doch niemandem einfach geben. Ich musste nach hause. Ich drehte mich um und fuhr weg. In Treppenhaus nahm ich immer zwei Stufen auf einmal, um zu meiner Wohnung zu kommen. Mit zittrigen Fingern steckte ich den Schlüssel ins Schloss, da öffnete sich die Tür hinter mir, in der die Hausverwalterin wohnte. Sie steckte nur ihren Kopf heraus. „Da sind Sie ja schon wieder. Hat wohl nicht sehr lang gedauert.“, sagte sie und sah mich fragen an. Diese Neugier, die mir schon vorher immer wieder aufgefallen war, störte mich normalerweise nicht, doch grade jetzt tat es das eben doch. Ich drehte mich komplett zu ihr und entgegnete ihr gereizt: „Richtig, aber es wäre schön wenn Sie sich mal nicht um meine Angelegenheiten kümmern würden.“ Ohne darauf zu achten, dass sie noch etwas sagen wollte, drehte ich mich wieder weg, ging in meine Wohnung und schmiss die Tür mit einem Lauten krachen zu. Zwei tiefe Atemzüge blieb ich stehen und versuchte mein rasendes Herz und meine viel zu schnelle Atmung unter Kontrolle zu bringen. Dann zog ich meine Jacke aus und ging erst mal ins Bad um mir die Zähne zu putzen. Der Geschmack vom Erbrochenen war unangenehm und bevor ich irgendwas anderes in Angriff nahm, musste ich den los werden. Schließlich setzte ich mich aufs Sofa. Ich musste alles nochmal in Ruhe durchgehen. Was war da letzte Nacht. Klar war, dass der Mann tot war, ich anscheinend auf diesem schrecklichen Bild zu sehen bin, das der Verrückte mir geschickt hatte, und dass ich die Wohnung eigentlich nicht verlassen hatte. Also, was waren meine Optionen und wie erklärte sich das? Mein erster Gedanke, das Bild könnte gefälscht sein, ließ sich doch sicher irgendwie überprüfen. Ich nahm mein Laptop zur Hand, zog das Bild drauf und öffnete Photoshop. Dann ging ich ins Internet und suchte nach einer Möglichkeit, das Bild selbst zu überprüfen. Ganz einfach war das nicht, ich kannte mich eigentlich nicht wirklich damit aus, doch ich musste das selbst machen, wem sollte ich das schon anvertrauen? Nach einer gefühlten Ewigkeit, die ich das Bild laienhaft überprüfte, war ich mir trotz meines Unwissens sicher. Das Bild war echt, aber wie das möglich war, wollte nicht in meinen Kopf. Wurde mir irgendetwas eingeflößt? Aber was könnte auslösen das ich raus gehe, jemanden umbringe, wieder nach Hause gehe und weiter schlafe? Ohne irgendwelche Spuren, dass ich überhaupt weg gewesen wäre. Und noch viel interessanter, wann und wer hätte mir irgendetwas geben können. Das Handy klingelte und ich zuckte bei dem Geräusch zusammen, doch es war meins. Holly schrieb mir. Sie wollte wissen ob ich schon wüsste wann ich Zeit habe. Ich schrieb nicht zurück. Ich hatte keine Zeit. Ich nahm das andere Handy in die Hand und begann zu schreiben.

Daniel: Was genau willst du von mir, wie hast du das mit mir gemacht? Du kennst mich nicht, was genau ist dein Problem?

Es dauerte eine Weile bis Aetna zurück schrieb, doch ich starrte währenddessen die ganze Zeit auf den Bildschirm.

Aetna Biss: Ich habe gar nichts mit dir gemacht. Ich bin mir sicher, du weißt was ich meine, wenn ich dir sage, dass ich ganz sicher bin, dass der Mörder auf dem Bild tatsächlich in dir steckt. Und ich fand, es war endlich an der Zeit, das Ganze zu beginnen.

Diese Antwort hatte ich nicht erwartet und als ich sie las, fühlte es sich an wie ein sehr harter Schlag. Wusste er etwa von meiner Vergangenheit? Wusste er was damals passiert war? Aber das war unmöglich. Nur ich wusste davon, ich und mein Bruder. Und mein Bruder kann es nicht sein, das war genauso unmöglich. War das eine Art Bluff? Er konnte nichts davon wissen, vielleicht hatte er das nur so daher gesagt und zufällig ins Schwarze getroffen? Wenn das so war, durfte ich mich nicht verraten. Keine Anzeichen er hätte recht damit.

Daniel: Ich weiß nicht was du meinst, und der Zweck hinter dem Ganzen entgeht mir ebenfalls. Wenn hier jemand einen Mörder in sich hat, bin das nicht ich. Also sag mir was du mit mir gemacht hast. Wie kann es sein, dass ich auf dem Bild bin?

Aetna Biss: Ahh, du leugnest es, wie amüsant, Aber ich verstehe die Reaktion, du dachtest dir sicher, dass ich das ja gar nicht wissen kann. Aber ich versichere dir, ich kenne dich und ich kenne deinen Bruder. Und auf dem Bild bist du, weil du dort warst, wie ich es gesagt habe. Es steckt in dir.

Mir blieb mit einem mal die Luft weg. Diese Anspielung war kein Zufall mehr. Er wusste es. Warum? Habe ich damals einen Fehler gemacht? Aber das ist noch nicht mal die größte Frage.

Daniel: Ich kann mich an nichts erinnern, Wenn ich dort gewesen und das getan hätte, müsste ich Erinnerungen daran haben, Es müsste Spuren geben. Und was ist überhaupt dein Ziel? Was willst du von mir?

Aetna Biss: Ich will, dass du verzweifelst. Ich will, dass du leidest. Und du kannst gern mal in deinen Safe gucken.

Daniel: Was bringt es dir? Ich kenne niemanden, der viel mit mir und meinem Bruder zu tun gehabt hätte. Das heißt, dass es dich nichts angeht. Egal was du weißt. Und wieso erst jetzt? Was hat dich abgehalten mich früher unter Druck zu setzten? Oder einfach zur Polizei zu gehen?

Aetna Biss: Es geht mich sehr wohl etwas an! Aber, dass du das jetzt nicht erkennst ist völlig in Ordnung, wir beide haben ja grade erst angefangen. Und warum jetzt? Warum nicht Polizei? Denk doch mal nach. Die Polizei wäre zu einfach für dich und mach dir doch mal Gedanken darüber was demnächst für ein Tag ansteht. Und jetzt geh zu deinem Safe!

Ich las die Nachricht zweimal. Zu einfach für mich? Tag der ansteht? Meine Gedanken fühlten sich so wirr an, dass ich nicht verstand worauf er hinaus wollte und mir graute es davor zu meinem Safe zu gehen. Ich wollte es ignorieren, aber ich musste es wissen, außerdem wollte ich nicht riskieren was dieser Verrückte machen würde, wenn ich nicht tat was er sagt. Also stand ich auf, das Handy nahm ich mit und ging zu meinem Safe. Langsam klappte ich das Bild um, als mir die Frage aufkam woher er überhaupt von dem Safe wusste. Doch das schob ich beiseite. Er schien mich ja zu beobachten, eine bessere Erklärung gab es da wohl nicht. Ich tippte meinen Code ein. 2003 war die Summe aller drei Zahlen meines Geburtstags und während ich diese eintippte verstand ich. Es war mein Geburtstag! In ein paar Tagen war mein Geburtstag und es ist auch der Tag, an dem es fast 25 Jahre her ist. Während diese Erkenntnis mich durchfuhr, öffnete ich langsam den Safe. Erst erkannte ich nicht wirklich was ich sah, außer die Farbe rot. Nach längerem ansehen war es jedoch klar. Es waren Klamotten, meine Klamotten, die, die ich auf dem Foto anhatte. Ich nahm alles heraus, als mit einem dumpfen Geräusch etwas auf den Boden fiel. Ich sah mich um und entdeckte das Messer, bedeckt mit getrocknetem Blut. Ich starrte darauf, meine Gedanken waren erloschen, wieder wurde mir leicht schlecht und mir wurde schwarz vor Augen.

 

Aetna Biss

 

Aetna war belustigt und gleichzeitig spürte er, wie er wütend wurde. Jetzt hatte Daniel doch tatsächlich das Bewusstsein verloren. Dabei war er doch damals nicht so kleinlich. Es könnte ihm auch diesmal egal sein, dass jemand tot war. Vielleicht spielte es ja eine Rolle, dass er jetzt ein Leben hatte, das auf dem Spiel stand. Doch jetzt musste Aetna alles ein wenig verschieben. Er griff nach seinem Handy und stand von dem Stuhl auf, der an dem Fenster stand, von dem aus man die Wohnung sehr gut im Blick hatte. Glücklicherweise war Daniel wohl der Meinung, man bräuchte im zweiten Stock keine Gardinen am Fenster. Da die Haushälterin eben so nett war, Aetna die Tür zu öffnen, war es ein leichtes gewesen, die Sachen in dem Safe zu verstauen. Den Code kannte er nun schon eine Weile, so wie auch alles andere. Er hatte genug Zeit damit verbracht, Daniel zu beobachten. Er war auch schon in die Praxis eingebrochen und hatte das perfekte erste Opfer gefunden. Es lief eigentlich alles sehr gut, doch es wurde auch Zeit etwas Fahrt aufzunehmen. Da Aetna nicht wusste, wie lang Daniel weggetreten bleiben würde, beschloss er die Zeit dazu zu nutzen, den nächsten Stein ins Rollen zu bringen. Nur brauchte er dann jemanden, der aufpasste, ob er wieder aufwachte. Und er wusste auch schon, wen er dafür einspannen würde. Er ging in sein Telefonbuch und klickte bei ihrer Nummer auf Anruf. Sie ging schon nach dem ersten Klingeln ran. „Was gibt’s?“ „Ich brauche deine Hilfe. Kannst du zu der Wohnung kommen, die ich gemietet habe? Er ist weggetreten und du musst mir Bescheid sagen, falls er aufwacht.“ „Ist gut.“, war ihre kurze Antwort und gleich darauf kam der Ton, dass sie aufgelegt hatte. Grinsend ging Aetna zum Schrank und packte ein, was er alles brauchen würde, ging dann zurück zu dem Stuhl und wartete. Während der Wartezeit dachte Aetna daran, das der Zeitpunkt wirklich perfekt war, um das alles zu machen. Dabei war das eher Zufall. Hätte sie Daniel nicht zufällig gefunden hätte es sein können, dass er niemals zu all dem gekommen wäre. Aetna kannte sie schon seit seiner Kindheit. Sie war seine Stiefschwester und sie hatten damals viel Zeit miteinander verbracht. Sie liebte ihn sehr und war ihm immer hinterhergelaufen, wie ein kleines Hündchen. Als Aetna ihr dann irgendwann seine Geschichte erzählte, beschloss sie ohne zu zögern, das sie ihm helfen würde. Es machte Aetna sehr glücklich, dass er grade jetzt, fast ein viertel Jahrhundert später, dazu kam sich zu Rächen. Nach zwanzig Minuten klingelte es an der Tür. Er ging schnell zur Tür und öffnete, die Tasche hatte er bereits in der Hand. Als sie die Treppen hoch kam und Aetna sah, blitzen ihre Augen auf. „Wer ist jetzt dran?“, fragte sie und man hörte einen gewissen freudigen Unterton heraus. „Nun, ich werde nicht weit weg sein.“, antwortete Aetna, trat durch die Tür und ließ sie rein. „Wie lange wirst du brauchen?“ „Das wird nicht kompliziert, gibt mir vielleicht 45 min.“. Damit war alles gesagt, er ging die Treppe runter und hörte wie die Tür ins Schloss viel.

Nach ca. 40 min war Aetna tatsächlich fertig geworden. Er ging wieder zurück zur anderen Wohnung und als er die Wohnung betrat, stand sie schon im Flur. „Daniel hat sich noch keinen Millimeter bewegt. Alles gut gelaufen?“, fragte sie und sah ihn an. „Alles bestens, aber ich hätte da noch eine Aufgabe für dich. Hast du noch was wichtigeres vor?“ „Nein. Kein Problem.“ Aetna grinste und entgegnete: „Perfekt, dann geht es jetzt endlich weiter.“

 

Daniel

 

Das Erste, was ich wieder wahrnahm, war ein Klingeln. Doch ich war noch sehr betäubt. Das Nächste war eine Reihe von nervenden Klopfgeräuschen, die mich dann aber langsam wieder in die Wirklichkeit zurück holten. Was war denn überhaupt passiert? Mein Kopf und mein Arm und Bein auf denen ich lag, schmerzten. Dann hörte ich eine besorgte Stimme, die immer wieder meinen Namen rief, aber es klang sehr dumpf. Endlich verstand ich, dass die Geräusche und die Stimme von der Tür kamen, und ich war ohnmächtig gewesen! Die Stimme gehörte eindeutig Holly. Ich setzte mich auf. Die blutigen Klamotten, das Messer und das Handy von Aetna lagen vor mir. Hastig nahm ich alles auf einmal und stopfte es in den Safe zurück. Verdammt, warum war Holly überhaupt hier? Ich hatte ihr gar nicht geantwortet. Ich ging Richtung Tür und sah dabei auf mein Handy. Ich war über eine Stunde weggetreten. Und ich hatte dutzende Anrufe von Holly. Das erklärte ihre Anwesenheit, sie machte sich Sorgen. Aber das kam zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, wenn man bedenkt, in was für einer beschissenen Situation ich steckte. Ich öffnete die Tür einen Spalt, da wurde ich schon nach innen weggedrückt, weil Holly die Tür schnell öffnete und auch so schnell wieder schloss, dass ich nicht mal raus gucken konnte. „Daniel! Was zum Teufel ist passiert?“ Sie sprach etwas gereizt und es wäre auch lauter gewesen, wenn sie ihre Stimme nicht unter Kontrolle gehalten hätte. „Ich habe etwas geschlafen, ich war heute Nacht eine Weile wach und bin ziemlich erledigt.“ , log ich, denn es war absolut nicht in meinem Interesse, sie da irgendwie mit rein zu ziehen. Vor allem weil dann die Gefahr bestünde, dass sie etwas raus bekommt, was mich ins Gefängnis bringen könnte. „Das meine ich aber nicht!“, entgegnete sie, diesmal doch ein wenig lauter. Mit einem mulmigen Gefühl fragte ich sie: „Was meinst du denn bitte dann?“ Sie seufzte und man sah ihr an, wie ihre Miene sanfter wurde. „Der Typ, der immer Freitags bei dir eine Sitzung hat, der ist überall in den Nachrichten. Er wurde getötet.“ Jetzt war das, was sie sagte, nur noch ein flüstern. Sie senkte den Kopf und fügte hinzu. „Der Mord war wohl sehr grausam. Ich dachte, du wüsstest das bereits“. Sie sah mich nicht an, aber das hätte sie tun können. Ich war mir sicher, dass mein Gesicht überrascht und schockiert aussah. Nur nicht weil mich die Nachricht überraschte, sondern die Tatsache, dass es in den Nachrichten ist. Ich hätte es mir eigentlich denken können. Aber ich hatte in dem Moment nicht damit gerechnet. Holly sah zu mir auf. „Es tut mir Leid.“, meinte sie mit besorgtem Unterton. Ich sagte nichts. Auch nicht, als sie einen Schritt näher kam und meine Hände nahm. „Willst du das ich bleibe?“ Ich dachte noch darüber nach, ob ich sie hier haben wollte, da erinnerte mich ein leises Klingeln an die Sachen in meinem Safe. Sie guckte sich fragend um. „Hast du deinen Klingelton geändert?“, fragte sie. „..Nein.. ah ja, ja hab ich. Aber der gefällt mir nicht. Ich werd ihn wieder umändern. Hör mal Holly… ich weiß zu schätzen das du zu mir gekommen bist und mir das gesagt hast aber ich äh.. Mir geht es nicht so gut. Ich glaube es wäre besser wenn ich mich wieder hinlege.“ Meine Worte hinkten ein wenig, da ich mit den Gedanken bei der Nachricht war, die offensichtlich angekommen war. „Okay, dann werde ich wieder gehen. Wenn irgendetwas sein sollte kannst du mich anrufen.“ Ich nickte und sie meinte noch: „Ich gehe noch schnell auf deine Toilette.“ „Gut.“ Mehr sagte ich nicht mehr. Ich ging in die Küche und trank ein Glas Wasser, während Holly ins Bad ging. Kurz darauf Hörte ich, wie sie durch das Wohnzimmer Richtung Tür ging und schließlich fiel die Tür zu. Nur Sekunden danach ging ich mit schnellen Schritten zum Safe. Ich musste das Zeug los werden. Komplett vernichten am besten. Ich kannte eine einsame Straße in der Nähe, in der ich die Klamotten verbrennen konnte. Dann musste ich das Zeug nicht total weit transportieren. Und das Messer war aus meiner Küche. Ich musste im Internet gucken wie ich das Blut restlos Abwaschen konnte, ohne dass man unter Schwarzlicht etwas sieht. Doch zuerst das Handy. Schnell öffnete ich den Safe und durchwühlte alles danach. Als ich es hatte, beeilte ich mich zu lesen.

Aetna Biss: Schön das du wach bist und es dir wohl noch gut geht. Es hat fast angefangen langweilig zu werden. Aber ich hatte ja auch einiges zu tun.

Mir wurde kalt und heiß zugleich. Ich hätte es mir wieder einmal denken können. Aber das war die Bestätigung, dass er mich auch hier beobachtete. Ich sah mich um, sah aus dem Fenster, aber ich registrierte nichts ungewöhnliches. Da musste aber etwas sein. Und der letzte Satz von Aetna beunruhigte mich noch viel mehr. Wenn es nichts mit mir zu tun hätte, würde er mir ja nicht mitteilen, dass er was zu tun hatte. Doch ich musste das beiseiteschieben. Wenn ich fertig war mit dem was ich tun musste, würde ich mich dem Rätsel Aetna Biss widmen. Ich musste unbedingt herausfinden wer das war, sonst würde das am Ende noch ewig gehen. Ich packte mir eine Reisetasche die ich eh nie benutzte, die konnte ich gleich mit verbrennen, stopfte die Klamotten rein und schloss die Tasche. Dann ging ich zu meinem Laptop und googelte. Als ich gefunden hatte was ich brauchen würde nahm ich meinen Geldbeutel, die Tasche, zog mir die Jacke über und verließ das Haus. Ich brauchte nicht lang bis zu dem Laden, kaufte Benzin und Bleichmittel und dann steuerte ich zu der Straße, zu der ich wollte. Es wurde langsam dunkel und die Straßen waren sowieso schon leerer, als ich ankam war niemand zu sehen. Ich bespritzte jedes Kleidungsstück mit Benzin, auch die Tasche, von innen und außen und legte diese dann in die kleine Metallmülltonne, die hier stand. Hoffentlich war das keine blöde Idee. Dann nahm ich ein Streichholz aus meiner Tasche und zündete vorsichtig den Henkel an, den ich hab raus hängen lassen. Dann schmiss ich das Streichholz ebenfalls in die Mülltonne, nahm mir eine Zigarette und zündete auch diese an. Dann wartete ich, bis ich sicher war, dass selbst wenn das Feuer gelöscht wird, niemand identifizieren könnte, was genau da verbrannt war. Es war wie ich dachte, keiner war in der Straße gewesen. Alles war verlassen. Ich hoffte nur, dass ich dadurch nicht mehr abfackelte als ich wollte. Ich wollte schnell nach hause, das Messer wartete noch auf mich und ich musste duschen um den Benzin Geruch los zu werden. Ich bewegte mich im Treppenhaus so leise wie nur möglich und ging langsam nach oben. Als ich in meinem Stockwerk ankam, sah ich, dass die Tür meiner neugierigen Nachbarin einen Spalt offen war. Ich stöhnte leise auf und sagte im Flüsterton: „Können sie mich nicht einfach in Ruhe lassen? Und die andern Bewohner hier?“ Ich hatte keine Lust auf die Antwort, aber diesmal wartete ich. Doch es kam keine Antwort und als ich genauer hinsah, nahm ich auch kein Licht in der Wohnung war. Mich beschlich ein ungutes Gefühl. Das konnte nicht sein, oder? Ich ging mit stark klopfendem Herzen zu der Tür meiner Nachbarin und öffnete sie komplett, das Licht im Treppenhaus beschien den Eingang der Wohnung, die so geschnitten war wie meine, nur gespiegelt. Ich zuckte zusammen als das Handy klingelte. Das bedrückende, ungute Gefühl wurde stärker und verwandelte sich beim lesen der Nachricht in Angst.

Aetna Biss: Du bist aber lange im Treppenhaus. Hast du endlich die offene Tür entdeckt?

Ich sträubte mich davor, die Wohnung zu betreten. Was machte ich denn jetzt? Doch die Polizei rufen? Ich habe schließlich nur eine offene Tür registriert. Aber wenn ich das melden würde, würde ich sicher länger befragt werden. Das konnte ich nicht riskieren. Eine weitere Nachricht.

Aetna Biss: Ich will, dass du es dir ansiehst.

Daniel: Das warst du. Du meintest du hättest einiges zu tun gehabt. Du warst das!

Aetna Biss: Das tut nichts zur Sache. Ich hab es getan weil du es mir gesagt hast. Also warst du es auch.

Daniel: So etwas habe ich niemals gesagt!!

Aetna Biss: Solltest du nicht wissen, dass ich so etwas nicht ohne Beweis sagen würde. Und jetzt geh rein.

Ich wollte ihm weder weiter antworten, noch die Wohnung betreten, aber was blieb mir schon anderes übrig? Immer noch gepackt von meinen Gefühlen setzte ich mich in Bewegung. Die Wohnung war dunkel und eine typische Wohnung, wie man sie bei älteren Menschen erwartete. Die Möbel waren schön, aber alt, überall Fotos und kleine Stehrümmchen, viel Papierkram. Als ich vor der Schlafzimmertür stand, atmete ich schnell und hatte das Gefühl, als würde mein Hals zusammen gedrückt. Die Türklinke in der Hand, stand ich da und starrte auf den Boden, um mich zu beruhigen. Als ich dann endlich öffnete, sah ich erst mal gar nichts. Es war zu dunkel, im ersten Moment wunderte ich mich, doch dann Begriff ich, dass ich meine Augen zu gepresst hatte. Als ich sie öffnete, bot sich mir ein Anblick, den ich im Leben nicht mehr vergessen werde. Das war so viel Blut. Meine Nachbarin hing von der Decke. Wieder war da eine sehr lange Schnittwunde, diesmal von Hals abwärts bis zur Hüfte. Auch diesmal war der Darm raus geholt worden, diesmal in einem Kreis auf dem Boden. Ich konnte mich nicht rühren, fühlte mich wie betäubt. Was sollte ich jetzt tun? Weg von hier. Das war das einzige, dass mir durch den Kopf ging. Doch ich bewegte mich eine ganze Weile nicht. Ich stand nur da und starrte. Dann endlich drehte ich mich weg und genau in dem Moment in dem meine Augen das grausige Bild nicht mehr sahen, konnte ich mich auch wieder kontrollieren. Ohne darüber nachzudenken, verließ ich die Wohnung und schloss die Tür komplett, betrat meine eigene Wohnung und ging in die Küche. Ich musste das Messer säubern, ich musste etwas dagegen tun, dass ganze musste aufhören. Doch als ich nach dem Messer greifen wollte, lag es nicht mehr da. Kalter Schweiß trat mir auf die Stirn und meine Hände begannen unkontrolliert zu zittern. Dieses verfluchte Handy klingelte wieder. Konnte es jetzt noch schlimmer werden? Mit immer noch zitternden Händen nahm ich das Handy aus meiner Hosentasche, wo ich es eben geistesabwesend hineingleiten hatte lassen, und entsperrte es.

Es war ein Bild von dem Messer, wo es lag bevor ich gegangen war. Doch daneben lag noch ein zweites, auf dem ebenfalls Blut klebte, nur nicht ganz so eingetrocknet. Und dann kam ein Video an. Ich erkannte am Standbild, dass dieses Video in der Nacht gemacht worden war, aus der auch das erste Bild kam. Aber man sah nur den Brunnen im Hintergrund, nicht die Leiche. Außerdem stand ich in der Mitte des Bildes. Mit wirklich unguten Gefühlen drückte ich auf Play. Das Erste, was man hörte, war eine total verzerrte Stimme, wahrscheinlich von demjenigen, der das Video in dem Moment filmte. Doch sehen konnte man nur mich, wie ich mit recht ausdruckslosem Gesicht in die Kamera starrte.

>Und jetzt will ich von dir wissen, wie du dich fühlst und was du gerne als nächstes tun möchtest.<

Trotz der Verzerrung erkannte ich, dass es eine Frauenstimme war. Und irgendwie kam sie mir bekannt vor. Doch zuordnen konnte ich sie nicht. Dann antwortete ich, mit meiner eigenen Stimme.

>Mir geht es ganz normal. Schließlich hab ich nicht das erste mal getötet. Der hat mich einfach genervt. Und du hast mir endlich ermöglicht das raus zu lassen.<

Die verzerrte Stimme lachte kurz, was mir eine Gänsehaut verursachte. Und dann begann ich zu erklären, dass als nächstes am besten meine neugierige Nachbarin sterben sollte. Mit absolut jeder Kleinigkeit gab ich die Befehle zu dem Mord. Und doch störte mich etwas daran. Ich konnte aber nicht ausmachen, was es war. Schockiert beobachtete ich, wie ich mich noch dort umzog und mir mit Wasser aus einer Flasche das Blut abwusch, während ich redete. Dann brach das Video ab. Das alles konnte nicht möglich sein. War ich verrückt geworden? War diese Frau der Drahtzieher? Und wo waren die Messer hin? Hatte Aetna sie sich geholt? Und wie hatte das alles mit damals zu tun?

Aetna Biss

 

Aetna beobachtete, wie Daniels Gesicht sich immer mehr verzog. Es war soweit. Endlich konnte er es beenden. Er fühlte schon die Vorfreude in sich kribbeln. Für den nächsten Schritt war es egal, was Daniel bis dahin macht. Er nahm das Handy und schrieb Daniel.

Aetna Biss: In drei ein halb Stunden erwarte ich dich beim Haupteingang vom Volksfestplatz. Wir werden so viel Spaß haben.

Er erwartete keine Antwort, also steckte er das Handy weg und machte sich daran alles zusammen zu packen, was er brauchte. In seinem Transporter waren schon der Stuhl und das kleine Partyzelt. Auch alles andere, das in der Wohnung war, nahm er wieder mit, er würde nicht mehr hier her kommen. Dann ging er runter und fuhr zum baldigen Treffpunkt. Natürlich war der endgültige Ort nicht der gut überschaubare Platz. Dort würde Aetna Daniel nur aufgreifen. Angekommen machte er sich erst mal an die Arbeit. Er stellte das Zelt auf, was länger dauerte als gedacht. Währenddessen stieg seine Vorfreude und er grinste vor sich hin. Als der Aufbau fertig war, stellte er den Stuhl in das Zelt. Mehr brauchte er nicht. Dann rief er sie an. Diesmal brauchte sie etwas, um ran zu gehen.

Hallo, was brauchst du?“

Aetna antwortete mit einer Gegenfrage: „Hast du die Messer aus der Wohnung geholt?“

Ja, war kein Problem.“

Gut, du weißt wo das Finale stattfindet. Begib dich zu Daniel. Wenn er die Wohnung verlassen hat, weißt du was du zu tun hast. Und dann kommst du ebenfalls hier her.“

Also ist es schon soweit. Gut.“

Sie legte auf und Aetna sah auf die Uhr. Noch eine Stunde. Genug Zeit, um sich beim Platz zu verstecken. Er fand es schade, dass es schon bald vorbei war. Nicht einmal sie wusste die letzten Details seines Plans. Aber sein Ziel war so gut wie erreicht. Und das Gefühl der Zufriedenheit überschattete alles andere.

Daniel

 

In diesen letzten Stunden hatte ich mir den Kopf zermartert, was sehr schwer war, denn ich konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Die letzte Nachricht von Aetna hatte mich noch mehr aus der Bahn geworfen. Ich konnte doch nicht dort hin gehen. Das war eine offensichtliche Falle. Aber was blieb mir anderes übrig? In mir brodelte so viel Angst, dass mir schlecht wurde. Würde ich in dieser Nacht sterben? In meinen Augen gab es keinen anderen Ausweg. Bedrückt stand ich von dem Sofa auf, auf dem ich die ganze Zeit reglos gesessen hatte. Es war soweit, wenigstens würde ich nicht unwissend sterben. Und was hatte ich schon zu verlieren. Anscheinend hatte ich meinen Verstand bereits verloren. Ich ging raus und die kühle Nachtluft schlug mir entgegen. Ich fuhr diesmal mit meinem Wagen. Normalerweise fand ich das unnötig, doch es war jetzt eh schon egal. Langsam fuhr ich durch die Stadt. Als ich beim Haupteingang ankam, hatte ich noch ein paar Minuten Zeit. Ich schaute mich um. Mein Bauch fühlte sich an als hätte mir jemand hinein geschlagen. Wieder schnürte mir die Angst die Kehle zu. Ich umklammerte mit viel zu festem Griff das Messer, das ich mir mitgenommen hatte. Kampflos wollte ich nicht aufgeben. Doch im selben Moment in dem ich das dachte, spürte ich nur noch einen harten Schlag am Hinterkopf.

Wach auf, wir wollen uns doch unterhalten. WACH AUF!“. Ich spürte, wie mir jemand mit der flachen Hand ins Gesicht schlug. Die Stimme war männlich und klang irgendwie unnatürlich. Ich stöhnte auf, als ich den Schmerz in meinem Kopf wahrnahm. Dann öffnete ich die Augen. Die Stimme sprach wieder mit mir. „Oh, wie schön. Dann lass uns anfangen.“. Ich sah genauer hin. Die Stimme klang so unnatürlich wegen dem Stimmenverzerrer, den er sich vor den Mund hielt. Die obere Hälfte des Gesichts war von einer Maske bedeckt. Doch man konnte erkennen, dass es ein Mann war. Von der Statur her ähnelte er mir. Etwa 1,80m groß und schlank. Doch er hatte mehr Muskeln als ich. Ich versuchte mich zu bewegen, da merkte ich, dass ich an den Stuhl auf dem ich saß, festgebunden war. Als ich anfing zu sprechen hörte man mir die Angst an: „Wer bist du? Wie hast du das alles angestellt? Und warum?“ Die letzte Frage war fast schon geflüstert. „Wie wäre es wenn wir bei null anfangen? Anders wirst du das ja nicht verstehen“ Trotz der Verzerrung konnte ich auch bei dieser Stimme das Gefühl nicht abstellen, sie zu erkennen. Aber bei ihm war es noch etwas eigenartiger. „Du hast deinen Bruder getötet!“ Dieser Satz kam nicht von dem Mann. Mein Blick flog hinter ihn und ich sah, wie eine mir sehr bekannte Frau das Zelt betrat, in dem wir uns befanden. „Holly..“, keuchte ich, mehr bekam ich nicht heraus. Der Mann drehte sich zu ihr um. „Wie schön, dass du jetzt auch da bist.“. Jetzt verstand ich, warum die Frauenstimme aus dem Video mir bekannt vorgekommen war. Der Mann wandte sich wieder mir zu. Ich konnte nichts sagen. Es war, als hätte ich meine Stimme verloren. „Ich möchte dir eine kleine Geschichte über dich erzählen. Also hör mir gut zu.“. Der Mann begann um mich herum zu laufen. Holly stellte sich in eine Ecke und beobachtete uns. Ich konnte es nicht fassen, dass sie etwas damit zu tun hatte. Wenn ich daran zurück denke, ist es manchmal schon fast ein bisschen lächerlich. Du wusstest, dass dein Bruder bald nicht mehr da sein würde und hast mit deinen 12 Jahren den Plan geschmiedet, ihn zu töten. Was war dabei nur dein Ziel? Ich denke, du wolltest nicht, dass er glücklich wird. Wahrscheinlich hattest du das Gefühl, es wäre ihm egal gewesen, was dann mit dir passierte. Du hast ihn angefleht zu bleiben, wenigstens bis zu eurem Geburtstag. Aber schon zu diesem Zeitpunkt wusstest du, dass du es nicht zulassen würdest. Mit deinen fast 12 Jahren hattest du absolut kein Problem damit, diesen Mord zu planen. Mein Gott, man hätte bemerken können, dass du ein Problem hast. Doch keiner kam darauf, dass du tatsächlich krank im Kopf bist. Als du deinen Bruder dann in den Wald gelockt hast, weil du ihn angeblich überraschen wolltest, hätte man das als Falle erkennen müssen. Aber was war schon dabei wenn zwei Brüder weggingen, um zu spielen, nicht wahr?“ Der Mann hielt an, beugte sich zu mir runter und nahm den Stimmenverzerrer weg. Ich saß nur da und starrte zurück. Ich verstand noch nicht, wie er das wissen konnte. Als er weitersprach, hörte man die Wut in seiner Stimme.Und in dem Wald hast du getan, als sei alles in Ordnung. ‚Ich hoffe du wirst glücklich.‘ hast du gesagt. ‚Ich hoffe du kommst mich besuchen.‘ Du hast ihn immer weiter in den Wald geführt, bis zu dem Fluss, an dem ihr immer wart um zu reden. Und als der richtige Moment gekommen war -“, er brach kurz ab und holte tief Luft. Meine Augen wurden groß, weil ich auch seine Stimme nun erkannte. Er zog sich die Maske vom Kopf und funkelte mich an. „ .. und als der richtige Zeitpunkt gekommen war, DA HAST DU MIR ETWAS ÜBER DEN SCHÄDEL GEZOGEN, MICH IN DEN FLUSS GEWORFEN UND ZUGESCHAUT WIE ICH WEGGETRIEBEN BIN!“ Diese letzten Worte hatte er geschrien. Ich sah ihn an, sah in das wutverzerrte Gesicht das aussah wie meins. Mein Zwillingsbruder, der hätte tot sein müssen. Mit meiner Stimme, meinem Gesicht. Und plötzlich verstand ich auch, was mich an dem Video gestört hatte. Man hatte erkennen können, dass der Mann, den man dort sah, sehr viel besser trainiert war als ich. Ich flüsterte so leise, dass man es wahrscheinlich kaum hörte: „ Sebastian..“, noch bevor ich weiter reden konnte drehte Sebastian sich um und unterbrach mich, indem er wieder redete. „Ja genau, dein dir so wichtiger Zwilling Sebastian, oder auch Aetna Biss.“ Seine Schritte wurden schneller und er lachte auf. „Anagramme sind schon etwas tolles. Du hättest darauf kommen können. Du warst Zwölf. Dein Schlag war nicht so fest wie du damals dachtest. Das größte Problem für mich war die Strömung des Flusses. Ich wäre fast ertrunken. Doch ich wollte kämpfen und überleben, um mich an dir rächen zu können. So gesehen haben wir wohl beide nicht grade eine gesunde Psyche. Ich trieb ziemlich weit und als man mich fand, gab ich vor, nichts mehr zu wissen. Und durch einen glücklichen Zufall bemerkte nie jemand, wer ich wirklich war. Ich bekam eine neue Identität. Doch als ich endlich wieder kam, warst du bereits fort. Ich wusste nicht wohin. Du hattest ja nun einen neuen Nachnamen. Aber obwohl ich nicht wusste, ob oder wann ich dich wieder sehen würde, fing ich an alles zu planen. Ich wollte unbedingt, dass du dich so schlecht fühlst, wie du es verdient hast. Ich wollte, dass du soviel Angst hast wie ich sie damals hatte und das du erkennst, wie verrückt du bist. Und dann bist du Holly begegnet, einer Frau die mit mir in Kontakt stand, meine Stiefschwester, die sich nichts besseres vorstellen konnte, als mir zu helfen.. Sie hat dich ein halbes Jahr lang für mich ausspioniert und alles in Erfahrung gebracht was nötig war.“ Immer noch total schockiert beobachtete ich wie Holly aus der Ecke kam und sich neben meinen Bruder stellte. „Du bist wahnsinnig..“, flüsterte ich, doch das war ein Fehler. Böse funkelte Sebastian mich an. „Wahnsinnig? DU bist wahnsinnig und dein Verrat hast mich in den Wahnsinn getrieben. Bitte tu doch nicht so, als wärst du das verdammte Opfer. Niemand hier ist ein Opfer.“ Schwach ließ ich den Kopf hängen. Es machte immer noch nicht alles Sinn, also beschloss ich zu fragen: „Und was jetzt? Ich weiß, dass ich das nicht bin auf dem Bild oder dem Video. Also was hast du jetzt vor? Was sollte das mit den Messern?“ Ahh ja und damit kommen wir zu Ende.“ Sebastian seufzte und zog das Messer aus seinem Gürtel, das er mir wohl abgenommen hatte. Er legte die Spitze des Messers vorsichtig an seine, mit einem Handschuh bedeckte, Fingerkuppe und ließ es kreisen. „Ich wollte dich umbringen, aber ich habe mich dazu entschlossen, dass ich dich lieber leiden sehe. Also habe ich dafür gesorgt das deine Fingerabdrücke auf den Messern sind, auch über dem Blut. Du hast auch die Wohnung der alten Dame betreten und dort an die Türklinken gegriffen. Was denkst du, was die Polizei in diesem Augenblick in deiner Wohnung findet? Richtig, alle Beweismittel die sie brauchen.“ „Du willst mich leben lassen? Glaubst du denn das ich denen nicht die Wahrheit sage?“ Grinsend ging Sebastian wieder um mich herum und blieb schließlich hinter Holly stehen. Noch bevor ich verstand was passieren würde sagte mein Bruder: „Danke für alles, tut mir sehr Leid.“ und schnitt Holly mit einer raschen Bewegung die Kehle auf. Ihre Augen weiteten sich überrascht und sie griff sich an den Hals. Das Blut quoll heraus und man sah wie ihr das Leben aus den Augen wich, während mein Bruder sie fest hielt. Ich hörte jemanden schreien und merkte erst nach einigen Sekunden, dass ich es selbst war, der schrie. Mir wurde so übel, dass ich den Blick abwenden musste. Tränen rannen mir über das Gesicht. Das war zu viel. Ich wollte nicht sehen, wie jemand starb. Ich schloss die Augen und hörte meinen Bruder hysterisch lachen. Dann merkte ich, wie er hinter mich trat und mir in mein Ohr flüsterte: „Auch dieses Messer hattest du in der Hand. Du hast es mir sogar mitgebracht. Natürlich wirst du die Wahrheit erzählen. Aber keiner wird dir irgendetwas glauben. Bis man dich findet sind die K.O. Tropfen nicht mehr nachweisbar. Und mit Holly hier, erwischen sie dich sozusagen auf frischer Tat. Aber versuch es ruhig.“ Dann zwang er mich das Glas Wasser zu trinken das er plötzlich in der Hand hielt. Ich öffnete erschrocken wieder meine Augen und das letzte das ich sah bevor ich das Bewusstsein verlor war Holly’s Leiche.

Ich hatte keine Chance. Niemand glaubte mir meine Geschichte. Sie gingen davon aus, dass ich wegen der Schuldgefühle eine Persönlichkeitsstörung entwickelt hatte. Stellten es so dar, dass eine Sicherung in mir durchgebrannt wäre. Ich wurde in eine geschlossene Anstalt gesteckt. Die meiste Zeit war ich weggetreten durch die Medikation. Oder ich verbrachte meine Zeit in einer Gummizelle, in die ich immer kam wenn ich einen klaren Moment hatte und ausrastete. Ich hatte sogar schon angefangen zu glauben, dass es tatsächlich so war wie sie sagten. Wie hätte mein Zwillingsbruder das damals auch überleben können. Und wer sagte denn, dass ich nicht halluziniert habe? Ich kicherte und sah die Pillen an, die ich angefangen hatte zu sammeln, als die Ärzte beschlossen hatten das ich nicht mehr fixiert werden müsste. Es müssten ja inzwischen genug sein, um mein Leben zu beenden. Endlich ruhe zu haben. Nach all den Jahren hier, wollte ich einfach nicht mehr. Ich war abgemagert und schwach und zweifelte an mir. Ich hob die Hand und schluckte die Pillen. Mir wurde übel, aber ich zwang mich, alles drinnen zu behalten. Als mir schon etwas schummrig wurde öffnete sich die Zellentür. Ein Pfleger kam herein und gab mir einen Brief. Er ging auch wieder, ohne zu merken, was mit mir los war. Mit meinen letzten Kräften öffnete ich den Brief und holte den Zettel heraus. Die Worte verschwammen bereits, aber ich konnte sie grade noch lesen, bevor ich einschlief..

Aetna denkt noch heute an dich.. 🙂

23 thoughts on “Verrat

    1. Tolle Geschichte, hat Spaß gemacht, sie zu lesen! Und ich hab tatsächlich nichts zu meckern, ich fand es richtig gut und spannend. Mein Like hast du auf jeden Fall.
      Liebe Grüße, Melli (Der fliederfarbene Schmetterling und Ohrenbetäubende Stille sind meine Geschichten)

  1. Tolle un dsehr spannende Geschichte, hat mir sehr gut gefallen.

    LG, Florian

    Ich lasse dir mal den Link zu meiner Geschichte da – vlt hast du ja Zeit und Lust sie zu lesen und vlt ein kurzes Feedabck zu hinterlassen – denn ein Feedback allgemein ist immer aufschlussreich und zeigt auf, wo vlt Schwachstellen liegen und an welchen Stelen eine Verbesserung möglich wäre.

    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/schach-matt

  2. Hey 🙂
    Die Geschichte ist wirklich sehr spannend und mitreißend. Ich hätte gerne noch mehr davon gelesen, aber dann hätte es den Rahmen einer Kurzgeschichte hier gesprengt.
    Wirklich gut, bleib da auf jeden Fall dran! 🙂
    LG Anja

  3. Liebe Tollkirsche,
    Toll, du hättest aus deiner Geschichte einen Thriller mit viel mehr Seiten machen können … Wer weiß, vielleicht schreibst du weiter? Ich bin auf sie aufmerksam geworden, weil dein Künstlername🤩 etwas mit meiner Kurzgeschichte zu tun hat. Wer sich die Mühe macht und deinen Text liest, wird mit einem logischen Spannungsaufbau belohnt.
    Beginnend mit „Ich nahm ihr das Paket aus der Hand. Kein Absender, keine Zustelladresse. Das musste jemand dort hingelegt haben.“ über ein Foto, dass stutzig macht und einen Mord, den die Hauptperson nicht begangen haben konnte, baust du langsam die Spannung auf … bis es mir zum Schluss dämmerte, wie alles zusammenhängt. Puh, das war spannend, aber ich möchte hier auch nicht zu viel verraten, falls jemand diesen Kommentar liest. Auf jeden Fall, hat es mich sehr gefreut, dass ich deine Geschichte kommentieren durfte.

    Meine Geschichte weist ein paar Parallelen auf. Vielleicht hast du Lust, sie auch zu lesen. Sie heißt „HAPPY BIRTHDAY“. Über ein Feedback würde ich mich sehr freuen.
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/happy-birthday  
    Liebe Grüße aus Düsseldorf,
    Martina

      1. Liebe Tollkirsche

        Deine Geschichte hat alles, was eine gute Kurzgeschichte braucht.

        Sie ist nachvollziehbar aufgebaut, inhaltlich stark, spannend und mit einem ganz starken Ende versehen.
        Meinen Respekt.

        Ich fand die Perspektive und die Spannung gut umgesetzt und geschrieben.
        Ich mochte die Story beim Lesen sehr.
        Sie hat mich förmlich immer wieder zum Weiterlesen gezwungen.

        Fast schon Suchtpotential.

        Du hast die Parameter gut umgesetzt und du verfügst über ein angenehmes Erzähltalent.

        Hätte gerne noch weiter gelesen.
        Ich könnte mir die Story auch als Roman oder Film vorstellen.

        Mein Like hast du natürlich sicher.

        Ganz liebe Grüße und schreib immer weiter.
        Ich bin sicher, dass du noch viele tolle Geschichten verfassen und kreieren wirst.

        Swen Artmann (Artsneurosia)

        Vielleicht hast du ja Lust und Zeit, meine Geschichte auch zu lesen.
        Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen.

        Meine Geschichte heißt:
        „Die silberne Katze“

        Vielen Dank.

  4. Hallo,
    du hast einen sehr ausführlichen Schreibstil, wodurch die Spannung sich nur langsam aufgebaut hat. Einiges hättest du anfangs weglassen können, dass die Geschichte etwas schneller in Fahrt kommt. Durch die Erklärungen war es für mich – zumindest was die Gegner betrifft – schon recht früh offensichtlich, wer dahinter steckt (wenngleich die Frage noch offen war, warum). Die Taten haben mich dann wieder überrascht, ebenso das Ende. Dennoch lässt sich deine Geschichte gut lesen und die zwei Erzählperspektiven passen zu zusammen.
    Hier und da wurde ich etwas stutzig, wie z.B. bei seinem Einkauf am 3. Oktober – welcher Laden hat feiertags geöffnet und verkauft Benzin und Bleichmittel? Auch fehlende Reaktionen auf die erste Aufforderung, er solle den Safe öffnen, oder als Holly kurz ins Bad geht und ohne ein weiteres Wort die Wohnung verlässt.
    Lächeln musste ich bei dieser Szene: Sie stand auf und klopfte ihr Kleid zurecht. Ich nahm meine Aktentasche und tat es ihr gleich.“ (Mir kam ein Bild vor Augen, wie er sein Kleid zurecht klopft ;-))
    Viel Glück für’s Voting,
    Yvonne / voll.kreativ (Der goldene Pokal)

  5. Hallo Tollkirsche,
    deine Geschichte wurde mir gerade als ungelesene Geschichte vorgeschlagen.
    Ich finde sie sehr spannend und wirklich heftig!
    Alles Gute weiterhin!
    Grüße Jana
    Falls du Zeit und Lust hast, freue ich mich über ein Feedback („Strafe“).

  6. Hallo Tollkirsche,
    deine Geschichte hat mir sehr gut gefallen, ich wollte unbedingt weiter lesen, um herauszufinden was passiert. Auch deinen Schreibstil finde ich sehr gelungen. Inhaltlich erinnert mich die Geschichte in einigen Details an meine eigene (kaum gekannt), vielleicht hast du ja Lust auch mal drüberzulesen.
    Viele Grüße,
    Simone

  7. Hallo Tollkirsche,

    im Großen und Ganzen gingen mir die gleichen Dinge wie Yvonne durch den Kopf ( mit dem Laden und dem Kleid ) 😂.
    Die Geschichte liest sich sehr gut und ist auch spannend aufgebaut. Zwar war sofort klar, dass Holly die „Frau“ war, und dass mit dem Bruder, aber die Zusammenhänge waren überraschend. Ich habe mich nur gefragt, ob Daniel Sebastian ´s Stelle bei der Familie eingenommen hat. Wenn ja kommt es meines Erachtens nicht deutlich raus, außer wegen dem anderen Nachnamen.

    Alles in allem eine tolle Geschichte, die Parameter wurden toll umgesetzt, Glückwunsch.
    Ein ❤️habe ich natürlich auch da gelassen.

    Liebe Grüße
    Monika (Ende Gut?)
    Wenn du magst, würde ich mich freuen, wenn du meine Geschichte auch lesen würdest.

  8. Hallo Tollkirsche,
    was soll ich sagen, was nicht andere schon vor mir geschrieben haben? Eine tolle Geschichte, die einen fesselt und zum Dranbleiben zwingt. Ich lass Dir sehr gerne mein Herzchen da und würde mich freuen, wenn Du auch bei meiner ‚Melanie‘ mal vorbeischaust.
    Ich wünsche Dir noch viel Erfolg und mach weiter!
    Viele Grüße
    Tom (U. Behrens)

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