CassandraWeder vergessen noch verziehen

Die Sonne ging langsam unter, Leticia hatte endlich Feierabend und kämpfte sich durch den Waldweg bis sie das bewaldete Grundstück hinter sich gelassen hatte. Es war Frühling und der Sonnenuntergang war ein deutliches Zeichen dafür, dass sie wieder mal zu lange gearbeitet hatte. Sie konnte diesen wunderschönen unschuldigen Augen aber nicht widerstehen, wenn sie noch ein Leckerli oder etwas Zuneigung haben wollten. Nun stapfte sie mit ihren schlammverschmierten Stiefeln zum Parkplatz, der nicht weit vom Eingang des Wildparks entfernt angelegt war. Sich mit ihrer Umhängetasche abmühend, ging sie den Weg, den sie schon etliche Male durchschritten hat. Sie kannte ihn schon auswendig und hätte ihn auch mit verbundenen Augen gehen können. Bis sie plötzlich ein Funkeln im Licht der untergehenden Sonne bemerkte. Es lag nicht sonderlich versteckt da, etwas abseits vom durchgetrampelten Pfad, aber dennoch nicht gänzlich in Gras und Unkraut versunken. Leticia ging auf das Funkeln zu, kniete sich hin und sah den Urheber des Funkelns: Eine Kamera. Leticia griff nach ihr und untersuchte das gute Stück. Eventuell hatte jemand ein Kärtchen mit Namen und Adresse drangehängt, um in einem solchen Fall gefunden werden zu können? Als sie nichts fand, schaltete sie die Kamera ein und drückte auf die Taste, um die aufgenommenen Bilder durchzusehen. Etwas irritiert starrte sie auf ihr eigenes Gesicht hinab. Das Foto war von heute und zeigte sie, wie sie gerade die Wölfe fütterte. Ihr Herzschlag beruhigte sich etwas. Das war wohl ein Besucher gewesen, der alles mit seiner Kamera festgehalten hatte. Sie schaltete aufs Menü, um alle Bilder angezeigt zu bekommen. Vielleicht hat der Eigentümer ein Bild vom Namen und der Adresse gemacht, das machte sie schließlich auch bei ihrer Kamera. Als sie das Menü öffnete, wurden ihr nur sieben Fotos angezeigt. Jetzt ging sie, nun doch von menschlicher Neugier getrieben, die Fotos einzeln durch. Fünf weitere Fotos zeigten sie im Verlauf des Tages, wie sie sich um ihre Tiere kümmerte. Nun machte sich doch ein mulmiges Gefühl in ihrem Magen breit. Sie blickte auf, schaute sich nun genauer um, konnte aber niemanden entdecken. Allerdings befand sie sich auf einem Pfad und hinter ihr waren überall Bäume. Es wäre ein leichtes gewesen, sie zu beobachten und sich zu verstecken. Sie richtete ihren Blick wieder auf das Display und drückte den Pfeil, um das letzte Foto zu sehen. Vielleicht würde das ja Aufschluss geben. Doch was ihr entgegenstarrte, hatte sie nicht erwartet. Es war ein Kindheitsfoto von ihr und ihrer Mutter. Da war sie vielleicht acht Jahre alt gewesen. Sie hielt mit ihren kleinen Kinderhänden ihre langen braunen Haare wie zwei seitliche Zöpfe am Kopf. Ihre Mutter saß hinter ihr und tat das Gleiche mit ihren hellbraunen Haaren. Beide grinsten in die Kamera. Das Foto war zwanzig Jahre alt. Wie kam das auf so eine moderne Kamera? Leticia wollte es nicht wissen. Sie hatte genügend Thriller gelesen, um zu wissen, dass sie jetzt in eine Falle laufen würde, wenn sie die Kamera entweder mit nach Hause nahm oder zur Polizei brachte. Schnurstracks ging sie zum Parkplatz, diesmal mit etwas schnelleren Schritten, und warf die Kamera schwungvoll in den Mülleimer, der dort befestigt war. Damit würde sie dem Spuk sofort am Anfang schon ein Ende bereiten. Dann stieg sie in ihr Auto und fuhr nach Hause.

Zuhause angekommen, schloss sie ihre Tür vorsorglich zweimal ab und sprang dann schnell unter die Dusche. Die nassen Haare rubbelte sie nur kurz trocken, bevor sie sich auf ihr Bett legte und ein paar Folgen ihrer Lieblingsserie schaute bis sie einschlafen würde. 
Als der Wecker am nächsten Morgen klingelte, hätte sie ihn am liebsten wieder ausgeschaltet. Die Überstunden machten ihr zu schaffen und sie brauchte unbedingt mal wieder eine längere Zeit Urlaub. Seufzend stand sie auf, machte ihr Bett und ging dann aus dem Schlafzimmer in ihren Wohn- und Essbereich. Schlaftrunken wie sie war, steuerte sie direkt den Kühlschrank an und nahm sich eine Packung Milch heraus. Sie wollte sich gerade bücken, um ihr Müsli aus dem Schrank unter der Theke zu holen, als ihr Blick auf einen Gegenstand auf der Theke fiel. Es war eine Kamera. Und sie sah der Kamera von gestern verdächtig ähnlich. Sie rieb sich kurz die Augen und kniff sich unauffällig in den Arm, dann schaute sie wieder zur Theke. Das Ding lag immer noch da. Mit zitternden Fingern griff sie danach, schaltete die Kamera ein und drückte auf die Taste, um die geschossenen Fotos zu sehen. Ihr Atem stockte. Es war nicht das gleiche Bild wie gestern, aber das machte die Sache nicht gerade besser. Denn nun schaute sie auf ein Foto, das sie beim Schlafen zeigte. Im gleichen Pyjama wie den, den sie jetzt gerade trug.

 

Hätte sie die Kamera doch nur früher abgegeben. Das hatte sie schlussendlich nachgeholt. Ihr wurde alles zu viel. Nachdem sie das Foto gesehen hatte, hatte sie ihre kleine Wohnung nach möglichen versteckten Kameras abgesucht und als die Suche erfolglos geblieben war, machte sie sich fertig für die Arbeit und strebte unterwegs das Polizeirevier an. Die Beamten waren sehr freundlich und zuvorkommend gewesen. Sie hatte eine Menge Fragen über sich ergehen lassen müssen aber schlussendlich war die Anzeige aufgesetzt worden und die Polizei hatte das verdammte Ding als Beweisstück behalten und ihr versichert, dass sie sich darum kümmern würden. Nun war sie bei ihrer Arbeit angekommen, schlüpfte in ihre Uniform und ging zum Reservat ihrer Wölfe, die sicherlich schon sehnsüchtig auf ihr Frühstück warteten.

Nach ihrem Tag im Wildtierpark, wo die Besucher anstrengender waren als die Tiere, machte sie sich wieder auf den Weg nach Hause. Dort angekommen sah sie den Streifenwagen – man hatte ihr Personenschutz zugesichert. Sie nickte den beiden Diensthabenden Beamten dankbar zu. Ihre Wohnungstür schloss sie nach dem Eintreten wieder zweimal ab. Sie hatte sich unterwegs schon über eine App eine Pizza bestellt, weswegen sie jetzt etwas Zeit sparen konnte. Deshalb steuerte sie bei ihrer Ankunft zuerst ihr Bücherregal an. Es war klein, ein Billigmodell, aber dafür gut gefüllt, wobei sich Thriller und Sachbücher über Wildtiere gegenseitig in Schach hielten. Aus dem untersten Regal zog sie allerdings ein Fotoalbum hervor und wuchtete es auf den Couchtisch vor dem Fernseher. Diesen schaltete sie an und ließ im Hintergrund eine Serie laufen, während sie ihr Album aufklappte. Sie hatte es chronologisch sortiert, weswegen sie nicht lange suchen musste, um das besagte Foto zu finden. Das gleiche Foto, das sie am vorherigen Abend auf der Kamera gesehen hatte, befand sich in ausgedruckter Form in ihrem Fotoalbum. Sie strich sich das dunkelbraune Haar hinters Ohr und blätterte ein wenig durch ihre Kindheit. Ihre Mutter war alleinerziehend gewesen, hatte aber alles getan, um sich und ihre Tochter zu versorgen. Sie wusste nicht viel von ihrem Vater. Leticia war ein Unfall gewesen, trotzdem hatte er ihre Mutter geheiratet und sie geliebt und geehrt, wie es für die damaligen Verhältnisse üblich gewesen war. Allerdings ging er relativ früh von ihnen. Sie wusste nicht mehr, was ihn aus ihrem Leben gerissen hatte, nur, dass sie sich nicht mehr an ihn erinnern konnte. Ab da war ihre Mutter in ihrem Leben omnipräsent gewesen, weswegen die beiden zu einem Team wurden und sich immer super verstanden hatten. Leticia hatte vielleicht keine Geschwister gehabt, dafür aber zwei liebenswürdige Rottweiler, die sich stets um die beiden Frauen gekümmert hatten und umgekehrt. Es war wirklich ein schönes Leben gewesen, doch dann waren die Hunde gestorben. Sie wusste nicht mehr, warum. Wahrscheinlich Altersschwäche. Leticia war damals ein Teenager gewesen und hatte danach die Schule hingeschmissen. Sie hatte kreuz und quer rumgejobbt, bis sie die Stelle als Pflegerin für die Wölfe bekommen hatte. Seitdem arbeitete sie dort. Sie hatte weiterhin mit ihrer Mutter in dem großen Haus gewohnt, bis sie vor einem Jahr verstorben war. Leticia hatte das Haus verkauft und sich dafür die kleine Wohnung hier angeschafft. Seitdem war sie alleine. Der einzige Lichtblick war ihre Arbeit.

Das Läuten an ihrer Tür riss sie aus ihren Gedanken. Sie stand auf, strich sich kurz durch die Haare und nahm den Hörer bei ihrer Wohnungstür ab. Der Pizzabote. Sie drückte den Summer und ließ ihn zur Wohnung kommen. Die Pizza war bereits bezahlt, weswegen Leticia sie ihm dankend abnahm und ihm einen schönen Abend wünschte. Dann verschloss sie die Tür wieder zweimal. Mit dem Duft der dampfenden Pizza in der Nase ging sie zurück zum Couchtisch, ließ sich aufs Sofa fallen und stellte den Pizzakarton neben das Fotoalbum auf dem Tisch ab. Sie stellte den Fernseher lauter, legte das Fotoalbum zur Seite und klappte den Karton auf. Auf der Pizza lag ein in Plastik verpacktes Polaroidfoto und das kannte sie nicht aus ihrem Fotoalbum. Sie stand langsam auf, ging in ihren Küchenbereich und nahm sich ein paar Putzhandschuhe, dann ging sie zurück und nahm vorsichtig die fettverschmierte Plastiktüte aus dem Karton. Vorsichtig öffnete sie die Tüte und zog das Foto heraus. Sie betrachtete es und blickte ihrem kindlichen Selbst entgegen, aber in einem Zustand, den sie nicht kannte. Sie war zu dem Zeitpunkt vielleicht acht oder neun Jahre alt gewesen. Ihre dunkelbrauen Haare waren verfilzt, dreckig und unordentlich. Ein blaues Auge zierte ihr Gesicht, sie lächelte nicht und blickte nur traurig in die Kamera. Ihr Atem stockte und sie blickte das Foto lange an, dann sah sie sich in ihrer Wohnung um obwohl sie wusste, dass niemand da sein konnte. Sie stand wieder auf, griff nach ihrer Jacke und streifte sie sich schnell über während sie ihre Wohnung verließ, dabei hielt sie das Foto samt Plastiktüte fest in ihrer Hand. Draußen ging sie dann schnurstracks zum Streifenwagen und klopfte gegen das Fenster des Fahrers. Dieser ließ es sofort runter. „Ist alles in Ordnung bei Ihnen? Den Pizzaboten haben wir überprüft!“ sagte er prompt. Leticia hielt ihm nur das Foto und die Plastiktüte hin. Er schaute zuerst auf ihre Handschuhe, dann auf das Foto. Sein Kollege auf dem Beifahrersitz schaltete schnell das Licht im Wagen ein. „Sind Sie das?“ fragte er nun. Leticia nickte, fügte dann aber hinzu: „Meine Mutter hat mich nie geschlagen. Das hier muss eine Fälschung sein. Aber das Bild lag in dieser Plastiktüte auf der Pizza.“ Der Polizist schüttelte den Kopf. „Das kann nicht sein. Wir haben die Pizza gesehen, bevor der Bote reinging. Eine Salamipizza, richtig?“ Leticia stockte. „Nein, Pizza Hawaii…“ Sie überlegte, ob sie den Boten beschreiben könnte, vielleicht sogar seinen Namen wusste, aber beides musste sie verneinen. Sie hatte einfach nicht richtig auf ihn geachtet. Die Polizisten legten die Plastiktüte und das Foto in eine Folie und versicherten ihr, es sofort nach Schichtende ins Revier zu bringen. Sie legten ihr allerdings ans Herz, diese Pizza nicht zu essen. Leticia dankte ihnen und ging mit einem sonderbaren Gefühl im Magen wieder zurück in ihre Wohnung. Ihr Hunger war nun völlig verflogen und sie verfrachtete die Pizza sofort in den Mülleimer. Dann setzte sie sich wieder auf die Couch und griff zum Fotoalbum. Sie betrachtete nochmal die Fotos und nein, nirgends sah man blaue Flecken oder sonstige Anzeichen für Misshandlungen. Das Foto war manipuliert worden, dessen war sie sich sicher. Ihr blieb nur noch die Frage, wieso jemand das tun sollte? Sie versuchte, sich einen Reim auf die Sache zu machen, versuchte, zu verstehen, was für einen Sinn diese Aktion haben sollte. Ihr fiel nicht mal jemand ein, der ihr Böses wollen würde. Sie lebte ziemlich zurückgezogen und hatte nicht sonderlich viele Freunde, geschweige denn Feinde. Die Polizei ging von einem Stalker aus, aber das fühlte sich so surreal an. Sowas passierte doch bloß in Büchern? In ihre Grübeleien versunken schlief sie irgendwann auf der Couch ein.

Sie erwachte am Morgen mit einem schalen Geschmack im Mund, einem schmerzenden Nacken, verschwitzten Klamotten und vom Klingeln ihres Weckers in ihrem Schlafzimmer. Sich den Nacken reibend stand sie auf und schlurfte ins Zimmer, um das klingelnde Etwas endlich zum Schweigen zu bringen. Sie fuhr mit ihren Händen übers Gesicht und entknotete mit ihren Händen ihre Haare. Dann durchsuchte sie wieder ihre ganze Wohnung nach neuen Fotos, schaute sogar vor ihrer Tür nach, bevor sie es wagte, sich umzuziehen und zur Arbeit zu gehen. Als sie schlussendlich ihre Wohnung verließ – und das mit einer leichten Verspätung, weil eine Dusche einfach sein musste – registrierte sie sofort den Streifenwagen am Straßenrand. Sie winkte den beiden Beamten zu und schalte sich selbst dafür, ihnen keinen Kaffee oder ein Frühstück gebracht zu haben. Daran konnte sie jetzt aber nichts mehr ändern, sie war zu spät dran. Sie setzte sich stattdessen ins Auto und fuhr los.

Die Fahrt zur Arbeit genoss Leticia, denn obwohl sie zu spät kam, war es ruhiger als der gestrige Morgen. Seit sie diese Kamera gefunden hatte, hatte sich ein Knoten in ihrem Magen gebildet, der sich je nachdem, ob sie gerade daran dachte oder nicht, etwas lockerte oder festzog. Dann kam noch ihre Mutter hinzu. Sie hatte ihren Tod noch nicht lange verarbeitet und vermisste sie sehr. Obwohl sie das Haus verkauft hatte, hatte sie trotzdem noch das Gefühl, jeden Abend eine leere Wohnung zu betreten. Natürlich stimmte das ja auch, aber es gab einen Unterschied zwischen einer leeren Wohnung und dem Gefühl, etwas würde fehlen. Jemand würde fehlen. Sie waren stets mehr Freundinnen als Mutter-und-Tochter gewesen und dieses Gefühl fehlte ihr. Vielleicht war es an der Zeit, von dem Geld, das sie durch den Verkauf des Hauses bekommen hatte, ein kleines Häuschen zu kaufen und sich endlich wieder einen Hund zuzulegen. Vielleicht einen aus einem Tierheim, um den sie sich kümmern und sorgen könnte. Dann würde sie vielleicht auch weniger Überstunden machen und sich darauf freuen, nach Hause zurückzukehren. Lächelnd bog sie auf den Parkplatz ab und fuhr auf einen der freien Parkplätze. Sie kam vor den Öffnungszeiten an, weswegen noch keine Besucher da waren. Den Weg bis zum Administrationsgebäude legte sie in Gedanken zurück, sie hatte die Fotos schon fast vergessen und sinnierte lieber darüber, welchen Hund sie sich wünschen würde. Einen Großen, das wusste sie schon. Sie mochte keine kleinen Hunde, das konnte keiner, der mit Wölfen zusammenarbeitet. War sie erstmal im Administrationsgebäude angekommen, ging sie auch schon zur Umkleide und öffnete ihren Spind, um ihre Uniform herauszuziehen. Als sie aber gerade die Jacke vom Bügel runterziehen wollte, fielen mehrere Fotos aus ihrem Spind und verteilten sich über die Fliesen. Sie blickte sich schnell um, um sicher zu gehen, dass sie alleine war, dann bückte sie sich und klaubte schnell alles zusammen. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals und sie spürte schon, wie Schweißtropfen sich auf ihrer Stirn und in ihrem Nacken bildeten, obwohl es im Raum relativ kühl war. Sie schaute sich das erste Foto an. Wieder war es sie als Kind mit ihren dunkelbraunen Haaren vorne zu einem Pony geschnitten, ihre Kinderkleidung war bunt, aber dreckig und sie lächelte nicht. Sie sah blau-gelbliche Flecken auf ihren Armen und ihren Beinen, die in kurzen Shorts steckten. Ihre kastanienbraunen Augen blickten flehentlich zur Kamera auf. Eine Momentaufnahme des Schreckens. Sie war immer noch vielleicht acht Jahre alt auf dem Bild. Es folgten drei weitere Fotos, auf denen sie genauso klein, ängstlich, dreckig und verprügelt aussah. Ebenfalls im gleichen Alter. Bisher war sie davon ausgegangen, dass es sich irgendwie um Fälschungen handeln musste. Sie wusste nicht, wozu die Technik heutzutage alles imstande war, aber sicher war es möglich, Fotos so leicht zu manipulieren. Obwohl die Qualität der Fotos zeigte, wie alt sie waren. Beim näheren Betrachten fielen ihr sogar abgerissene Ecken und leichte Knickungen auf. Als hätten sie jemandem gehört und als wären sie nicht extra für Leticia ausgedruckt worden. Sie wunderte sich, dass ihr das jetzt erst auffiel, dann schaute sie sich das nächste Foto an. Sie war nicht mehr alleine. Auf dem Foto war ein zweites Mädchen zu sehen. Sie war vielleicht zwei oder drei Jahre jünger als sie selbst, hatte hellbraune Haare, ihr Gesicht war rundlicher während Leticias Gesicht schmal und mit Sommersprossen übersät war. Sie sah keine Ähnlichkeit in den zwei Kindern, doch dann sah sie die Augen. Hinter dem rötlichen Schimmer erkannte sie die gleichen Augen wie die Ihren. Und es lag der gleiche Schmerz darin. Die beiden hielten sich umklammert und blickten furchtvoll in die Kamera hoch. Leticia spürte, wie sich etwas in ihrem Inneren regte. Übelkeit gepaart mit einer Mischung aus starkem Unwohlsein. Sie ließ die Fotos wieder fallen und stürzte sofort zur angrenzenden Toilette, um sich zu übergeben. Dort blieb sie geschlagene zehn Minuten hocken, dann richtete sie sich auf, ging wieder zur Umkleide und griff sich die Fotos. Beim Hinausgehen zog sie ihr Handy aus der Tasche und meldete sich noch unterwegs krank. Danach fuhr sie geradewegs nach Hause.

Sie hatte keine Schwester, nein! Nicht mal Cousinen hatte sie! Leticia kannte keine Frau so lange, dass sie mit ihr aufgewachsen wäre, keine, die dem Mädchen auf dem Foto so ähneln würde. Sie knallte die Tür hinter sich zu, sprang aufs Sofa und zog die Fotos aus ihrer Jackentasche. Leticia hatte sie sich im Auto näher angesehen. Nach dem gemeinsamen Foto kamen wieder mehrere hintereinander, wo Leticia mit dem kleinen Mädchen spielte. Playmobil, Barbie, draußen im Garten, in IHREM Garten, wo sie aufgewachsen war! Das konnte alles nicht wahr sein, sie konnte sich an dieses Mädchen nicht erinnern! Oder wollte sie es nicht? Leticia stand wieder auf, ging in ihre zum Wohnzimmer gelegen offene Küche und füllte sich ein Glas mit Leitungswasser. Sie atmete schwer, hatte das Gefühl, sie würde keine Luft mehr kriegen. Ihre Nägel krallten sich in die Theke, dann trank sie das Glas in einem Zug leer. Allerdings hielt sie es mit einer solchen Kraft fest, dass es in ihrer Hand zersprang. Das Geräusch erschrak sie so sehr, dass Leticia das Glas samt Scherben fallen ließ. Sie spürte, wie sich einige kleine Scherben in ihre Hand bohrten, die anderen fielen auf ihre Schuhe und dann zu Boden. Sie schrie auf vor Schmerz, als das Glas auf ihre Füße krachte. Sie spürte es trotz der Stiefel. Doch sie hatte keine Gedanken für diesen Schlamassel, sie steckte in einem schlimmeren fest. Wie in Trance wusch sie sich die Hände im Waschbecken ab und ging dann in ihr Schlafzimmer. Unterwegs schlüpfte sie noch aus ihren Stiefeln, um die Scherben nicht in der ganzen Wohnung zu verteilen. Im Schlafzimmer ging sie vor ihrem Doppelbett auf die Knie und zog eine staubige Kiste unter ihrem Bett hervor. Leticia setzte sich im Schneidersitz hin, wischte den Staub vom Deckel und öffnete ihn. Sie hatte in dieser Kiste alle Dokumente aufbewahrt, die ihre Mutter hinterlassen hatte. Sie wollte das alles schon längst durchgehen und Wichtiges von Unwichtigem trennen, hatte es bisher aber nicht übers Herz gebracht. Jetzt suchte sie aber nach Beweisen. Nach Beweisen, dass sie sich nicht irrte und sicher keine Verwandte oder Bekannte in diesem Alter hatte. Sie wusste nicht, wie sie das beweisen sollte, aber vielleicht hatte ihre Mutter ein Familienstandregister aufbewahrt, dort würde dann stehen, dass sie ein Einzelkind war. Sie wühlte sich mit voller Inbrunst durch, sah Briefe, Dokumente, Notizen und weitere Dinge durch, bis sie endlich auf etwas stieß. Es war ihr Geburtsregister. Sie wollte nur einen kurzen Blick drauf werfen und es dann wieder weglegen, sah aber dann, dass nicht ihr Name draufstand.

Thalia Reinberger.

Thalia Reinberger. Geboren am 17. August 1994.

Sie kannte diesen Namen nicht, starrte mit gerunzelter Stirn das Stück Papier an, unsicher, was sie davon halten sollte. Hatte sie tatsächlich eine Schwester? Oder entwickelte sich diese Täuschung langsam zu einem schlechten Theaterstück? Manche würden es als hieb und stichfesten Beweis sehen, aber konnte ein einfaches Schreiben wirklich ihre Erinnerungen außer Kraft setzen? Was soll denn passiert sein? Warum konnte sie sich nicht an ihre angebliche Schwester oder an diese „Misshandlungen“ erinnern? Leticia nahm ihr Handy aus der Tasche, starrte auf die Uhr. Es war erst Vormittag, sie hatte noch Zeit. Sie würde das nun ein für alle Mal klären und ihrem zweifelnden Verstand zeigen, was Wahrheit und was Täuschung war. Sie stand auf, die Geburtsurkunde fest in der Hand, zog sich andere Schuhe an, schnappte sich ihre Schlüssel und ging zu ihrem Auto. Der Streifenwagen vor ihrer Tür war verschwunden.

„Thalia Reinberger…Thalia Reinberger…“ murmelte die Polizistin vor Leticia während sie auf ihren Bildschirm starrte und mit der Maus runterscrollte. „Ah! Gefunden! Geboren am 17. August 1994. 2004 in ein Jugendheim gekommen. 2005 kam sie in ein anderes. 2012 hat sie es dann verlassen. Seitdem ist sie in unserem System nicht mehr aufgetaucht. Die Adresse, die hier eingetragen wurde, ist von 2016. Ich weiß nicht, ob die Adresse korrekt ist. Wollen Sie sie trotzdem haben?“ die Polizistin starrte Leticia mit freundlichen blauen Augen an und wartete eine Antwort ab. Aber Leticia war immer noch geschockt, dass die Frau tatsächlich einen Eintrag zu dem Namen auf der Geburtsurkunde gefunden hatte. Thalia Reinberger gab es also tatsächlich. Aber das konnte auch nur Zufall sein.
Da die Polizistin sie weiterhin fragend ansah, nickte sie langsam, traute sich dann aber, die entscheidende Frage zu stellen: „Steht da auch, weshalb sie ins Jugendheim kam?“ Der freundliche Blick der Polizistin verwandelte sich in Verwirrung. Sie blickte nochmal zögerlich auf den Bildschirm, dann wieder auf Leticia. „Ähm…“ sie hüstelte, strich sich dann das schwarze Haar aus dem Gesicht und schaute wieder zu Leticia, die vor ihrem Schreibtisch saß wie ein Häufchen Elend. „Zusammen mit dem Eintrag wurde auch eine Anzeige wegen häuslicher Gewalt und Vernachlässigung aufgelistet. Aber wissen Sie das denn nicht? Schließlich wurden damals sie beide von Ihrer Mutter weggenommen.“

Leticia hatte schweigend die Adresse von der verwirrten Polizistin entgegengenommen und dann die Polizeistation verlassen. Die Adresse hatte sie in ihrem Handy ins Navi eingegeben. Nun war sie unterwegs zu der Adresse, die etwa dreißig Minuten von ihrer eigenen Wohnung entfernt war. Doch richtig auf den Weg konzentrieren konnte sie sich nicht. Es war also wahr. Sie waren misshandelt worden. Und sie hatte eine kleine Schwester. Eine kleine Schwester, die sie anscheinend liebgehabt hatte, aber an die sie sich nicht erinnern konnte. Sie hoffte so sehr, dass die Adresse noch korrekt war und dass sie mit ihrer Schwester reden konnte. Mit Thalia reden konnte…

Sie stand vor einem ganz normalen Reihenhaus. Eine blassgraue Fassade, ein verwilderter Vorgarten, am Briefkasten stand kein Namensschild. Als Leticia vorsichtig am Eingangstor rüttelte, bemerkte sie, dass es unverschlossen war. Sie zog ein letztes Mal die Fotos aus ihrer Tasche, betrachtete die Gesichter der unschuldigen Kinder, ihr Leid und ihre Angst, dann die Fotos, wo die Kinder miteinander spielten. Wärme durchflutete ihr Herz als sie ihre kleine Schwester auf den Fotos lachen sah. Sie hatte nie eine Schwester oder einen Bruder gebraucht, sie hatte immer nur ihre Mutter und die hatte ihr völlig genügt. Aber nun musste sie akzeptieren, dass diese Erinnerungen wahrscheinlich falsch waren. Und sie fühlte sich bereit dazu, ihre Schwester kennenzulernen. Wagemutig stieß sie das Tor auf und erklomm die wenigen Treppen zur Eingangstür. Sie fand keine Klingel, also klopfte sie dreimal laut an der hölzernen Tür. Dann wartete sie. Und wartete. Sie klopfte noch mehrmals, schaute dann durch das kleine Fenster an der Tür und blickte in absolute Dunkelheit. Sie stellte sich auf Zehenspitzen, hielt sich am Geländer zur Eingangstür fest und schielte in das Fenster neben der Tür. Wieder nur Dunkelheit. Die Adresse schien wirklich nicht mehr aktuell zu sein. Leticia spürte die Enttäuschung tief in ihr sitzen, als sie sich umdrehte und wieder weggehen wollte. Dann fiel ihr Blick auf den halb geöffneten Briefkasten. Ein Blick nach rechts, ein Blick nach links, sichergehen, dass niemand sie sah und schnell hatte sie das Türchen ganz geöffnet und blickte in den Briefkasten. Da lag nur ein einziges Foto. So schnell wie sie den Briefkasten geöffnet hatte, hatte sie das Foto entnommen und das Türchen wieder geschlossen. Das Foto war kleiner als die anderen, als hätte es sich selbst schrumpfen wollen. Auf jeden Fall wollte Leticia schrumpfen, denn auf dem Foto war wieder sie abgebildet. Diesmal etwas älter. Vielleicht elf Jahre alt, sie sah die beginnende Pubertät in ihrem schlaksigen dünnen Körper. Aber gerade dieser Körper war es, der sie schockierte. Sie hatte auf dem Bild die rechte Hand zur Faust erhoben, die linke Hand hielt lange hellbraune Haare fest. Ihr Blick wanderte von den Haaren zu dem zugehörigen Körper. Es war Thalia. Die mit Tränen im schmerzverzerrten Gesicht abwehrend nach den Händen ihrer Schwester griff. Dieser Ausdruck im Gesicht. Dass Leticia sowas getan haben sollte. Sie starrte fassungslos auf das Foto, konnte es nicht verarbeiten, wollte es nicht verarbeiten. Es war, als würde ihr Herz entzweibrechen. Sie hatte diese Redewendung immer für eine kitschige Floskel gehalten, doch sie spürte gerade in diesem Moment einen solchen Schmerz in ihrer Brust, als würde ihr Herz tatsächlich brechen. Diese Pein wurde dann plötzlich durch einen heftigen Schmerz in ihrem Hinterkopf übertroffen. Dann wurde um sie herum alles schwarz.

 

Als sie wach wurde, dachte Leticia einen Moment lang, sie wäre gefesselt. Irgendwie erwartete man das, wenn man eins übergezogen bekommen hatte und dann irgendwo aufwachte. Aber es war bloß ihre Benommenheit, die ihre Glieder lähmte und die Kopfschmerzen, die sie gefangen hielten. Sie hob den schmerzenden Schädel und blickte sich um. Sie saß zusammengekauert in einer Ecke, als hätte jemand sie einfach dort abgeladen. Anstatt aber in einen dunklen und kahlen Raum zu blicken, umfing sie eine hellgrüne Tapete und meterweise Bücherregale, die an den Wänden entlang aufgestellt waren. In der Mitte des kleinen Raumes stand ein gemütlich aussehendes schwarzes Sofa, direkt daneben ein kleiner Couchtisch mit einer Lampe. Alles schrie nach einem komfortablen Leseraum. Beim Aufstehen klammerte sie sich an eins der Regale und ihr Blick fiel auf diverse Thriller Autoren, die sie selbst gerne las. Alles war brechend voll mit Büchern ausgestattet, kleine Drachenfiguren schmückten den vorderen Teil der Regalbretter, die noch frei waren. Aber sonst war der Raum schmucklos. Keine Bilder an den Wänden, nirgendwo waren Fotos zu sehen. Nur Bücher und das Sofa. Entlang der Wand an der sie gekauert hatte, war eine Tür. Mit langsamen Schritten ging sie darauf zu, drückte die Türklinke runter, zog, doch die Tür ging nicht auf. Dann merkte sie, dass sie die Tür drücken musste, sie ließ sich gleichwohl auch dann nicht öffnen. Sie war definitiv verschlossen. Nun ging Leticia zum Sofa und setzte sich so, dass sie einen Blick zur Tür hatte. Sie griff in ihre Jackentasche, um die Fotos rauszuholen, doch sie waren verschwunden. Jemand musste sie ihr abgenommen haben. Sie blickte sich wieder um, durch die ganzen Bücherregale hatte sie nicht gemerkt, dass auch ein Fenster den Raum erhellte. Leticia stand wieder auf, ging zum Fenster und schaute hinaus. Sie blickte in einen weitläufigen Garten. Blumen blühten in verschiedenen Töpfen, am Ende des Gartens stand ein blühender Kirschbaum und in einer Ecke stand sogar ein Hochbeet. Es raubte ihr fast den Atem, so gemütlich, so schön sah es dort aus. Sie umfasste den Griff des Fensters, drehte ihn und stellte erleichtert fest, dass es sich öffnen ließ.

„Das würde ich nicht tun.“ Ertappt ließ sie den Griff los und schaute sich um. Eine Frau stand in der nun geöffneten Tür und starrte Leticia mit offener Feindseligkeit an. Ihre langen Haare waren schwarz gefärbt und fielen in sanften Wellen über ihre Schultern, ihre haselnussbraunen Augen hatten grüne Sprenkel und sie war etwas fülliger und kurvenreicher, nicht so schlank gebaut wie Leticia. Passend zu den Haaren trug die Frau schwarze, weite Kleidung. Ein einzelner tiefblauer Anhänger fiel in den Ausschnitt ihres Shirts und ihre Hände waren mit Farbflecken übersät. Trotz der Veränderungen erkannte Leticia sie. Sie erkannte ihre kleine Schwester. „Thalia…“ sprach sie den Namen nun mit einer nervigen krächzenden Stimme laut aus. Sie hüstelte kurz, um den Frosch in ihrem Hals loszuwerden. All die Fotos, die Worte der Polizistin, ihre eigenen Ängste, wurden nun mit einem Schlag wahr.

„Ja. Natürlich. Was willst du hier, Leticia?“ Ihre Schwester klang gar nicht erfreut. Sie blickte ihre ältere Schwester abweisend an, die Arme vor der Brust verschränkt. „Du hast mich doch hierhergeführt! Mir auf der Arbeit und in meiner Wohnung aufgelauert und die Fotos überall versteckt!“ warf Leticia ihrer Schwester vor. Während sie ihr das vor die Füße schmiss, fügte sich alles wie Puzzlestücke zusammen. Thalia hatte gewollt, dass Leticia sich an sie erinnerte. Und das letzte Foto… Das Foto, auf der sie ihrer Schwester wehtat. Wollte sie sich rächen? Wollte sie ihr das antun, was Leticia ihr angeblich angetan hatte?

„Ich habe dich weder hierhergeführt noch war ich in deiner Wohnung. Du bist von alleine hergekommen und das mit den Fotos… Ich weiß nicht, welches kranke Spiel du spielst, aber ich finde es definitiv nicht lustig!“ Thalia lief rot an vor Wut und während sie das sagte, warf sie die Fotos Leticia vor die Füße. „Ich kann mich daran erinnern, dass diese kranke Frau uns ständig fotografiert hat. Aber ich hätte nicht gedacht, dass du so krank wärst sie auszudrucken und zu sammeln!“ Ein Zittern war nun in ihrer Stimme zu hören, als könnte sie sich nicht länger beherrschen. „Aber… das Foto in deinem Briefkasten. Das warst du! DU willst dich doch rächen!“ spie Leticia ihr nun entgegen. So langsam kamen die Erinnerungen an ihre kleine nervige Schwester zurück.

„ICH soll das Foto in meinen Briefkasten gelegt haben?“ schrie Thalia zurück, dann griff sie in ihre Hosentasche und zog ihr Handy hervor. Mit einem Fingerdruck hatte sie es entsperrt, wischte kurz hin und her und hatte den Raum in wenigen Schritten durchquert bevor sie Leticia ihr Handy unter die Nase hielt. „Ich habe dich sofort erkannt, als du da rumgelungert hast!“ fügte sie noch hinzu. Leticia drückte sich abwehrend gegen das noch geschlossene Fenster, nahm das Handy aber mit zitternden Fingern an sich und schaute drauf. Es war ein Video und zeigte von erhöhter Position aus Leticia, wie sie vor der Gartenpforte stand und die Fotos aus ihrer Tasche zog. Sie drückte auf Play.

Leticia griff in ihre Tasche, zog die Fotos heraus und betrachtete sie wie in Trance, dann nahm sie ein Foto heraus und schob es in den Briefkasten. Nachdem das Foto im Briefkasten versunken war, schien ein Ruck durch sie zu gehen und sie drückte das Gartentor auf. Sie ging nun zur Eingangstür, ab da konnte man sie von dem Fenster aus, von dem aus Thalia gefilmt hatte, nicht mehr sehen. Nach einiger Zeit erschien Leticia wieder auf dem Bildschirm, drehte der Kamera nun den Rücken zu und ging zum Briefkasten. Sie sah nach rechts, dann nach links, dann schlug sie ein paar Mal gegen den Kasten, woraufhin das Türchen aufsprang. Sie zog das Foto, das sie zuvor noch in den Briefkasten geschoben hatte, heraus und blieb wieder wie in Trance stehen. Das Video ruckelte nun ganz schnell. Man sah kurz vorm Ende noch, wie eine bunt befleckte Hand nach einer aus Holz geschnitzten Statue griff.

„Ich habe mich nur gewehrt. Ich habe dich seit wir im Jugendheim getrennt wurden nicht mehr gesehen. Ich wollte einen Beweis für die Polizei haben. Das letzte Mal haben sie es nicht für bare Münze genommen…“ Thalia schien sich zu rechtfertigen, als würde es ihr leidtun, dass sie ihre Schwester gefilmt und ihr dann eins übergezogen hatte. „Aber…aber das habe ich nicht getan. Nichts davon!“ Leticia starrte sprachlos auf das Handy. Sie konnte ihre Gedanken nicht mehr klar vor sich sehen, allerdings schwebten noch Thalias Worte vor ihrem inneren Auge herum. Das letzte Mal… 
„Ja, genauso wie dass sie uns nie geschlagen hätte, du mich nie angerührt hättest und wir nicht fast verhungert wären. Ich bin deine Geschichten leid, Leticia. Und ich hatte damals gehofft, dass ich dich endlich los wäre. Deine Mutter sowie dich und dein krankes Hirn!“ Die Wut war nun deutlich zu hören, und der Hass, der tief in ihr brodelte. Leticia starrte ihre Schwester fassungslos an. Dieses unschuldige runde Gesicht. Und ihr Blick klärte sich langsam. Die Wahrheit traf sie plötzlich wie ein Blitzschlag. Sie sank nun völlig gegen das Fenster, ging langsam in die Knie und schlang ihre Arme um ihren Körper. „Sie hat uns geschlagen.“ stammelte sie, dann: „Sie hat uns für jeden Fehler, den wir oder sie gemacht haben, geschlagen. Uns tagelang nichts zu essen gegeben. Aber… aber wir haben doch immer zusammengehalten… oder nicht?“ Tränen glitzerten in ihren Augen und sie blickte hilfesuchend zu ihrer kleinen Schwester hoch. Deren Gesichtszüge wurden weicher und sie ging langsam vor Leticia in die Hocke. „Ja, das haben wir. Anfangs. Dann fing sie an, dich zu bevormunden. Gab dir manchmal etwas zu essen, lobte dich, wenn du mich wegen einer zerbrochenen Schüssel angeschwärzt hast, bis du anfingst, mir wegen allem die Schuld zu geben. Selbst für die Dinge, die du selbst verbockt hattest. Oh dieses Miststück hat es geliebt, uns gegeneinander auszuspielen. So lange, bis sie mich nicht mehr schlagen musste. Das hast du irgendwann übernommen.“ Mit jedem Satz wurde ihre Stimme wieder kälter, ihre Hände lagen zu Fäusten geballt auf den Knien und Leticia erkannte Narben an ihrem linken Handgelenk, die sich quer über den Arm zogen. „Irgendwann wurden wir weggenommen. Genügend Leute hatten sich für uns eingesetzt. Wir kamen in ein Jugendheim, weil wir keine Verwandten hatten, die uns aufnehmen konnten.“ Leticia schluchzte nun, schüttelte den Kopf, um die Worte ihrer Schwester, die sich langsam zu Erinnerungen formten, abzuwehren. „Nein“ flüsterte sie, stierte auf den Boden und wiegte sich selbst in den Armen. „Das ist nicht wahr!“ Aber Thalia fuhr unbeirrt fort, als hätte sie diesen Monolog schon oft geführt: „Ich habe mich so gut es ging um dich gekümmert, aber wir haben uns ständig gestritten. Du wolltest zurück zu ihr. Du konntest nicht verstehen, warum wir weggenommen wurden. In deinem Kopf hattest du die schönste Kindheit gehabt, die ein Kind je haben konnte.“ Das hatte sie! Und sie wollte es nicht wahrhaben, dass das alles eine Lüge gewesen war. Eine Lüge, die sie sich selbst aufgetischt hatte. Das konnte einfach nicht stimmen. Wie konnte man sich derart in seiner eigenen Vergangenheit täuschen? „Das hat uns weiter auseinandergerissen. Ich konnte nämlich nicht vergessen, was sie uns angetan hat. Was DU uns angetan hast! Irgendwann wurden wir getrennt, weil wir einfach nicht aneinander vorbeikamen. Ich habe gelernt, damit zu leben. Habe meine Schule abgeschlossen und was aus mir gemacht. Das letzte, das ich von dir hörte, war, dass du mit achtzehn zurück zu ihr gegangen bist und mit ihr gelebt hast. Dann habe ich einfach versucht, euch beide zu vergessen.“ Thalia legte den Kopf leicht schief, blickte ihre Schwester an. Wie sie dort so hockte, in ihre Knie weinte und ihre Nägel in ihre Arme krallte. Sie war nur noch ein Schatten ihrer Selbst. „Sie ist vor einem Jahr gestorben, stimmt’s? Und du hast ihr Haus ausgeräumt.“ Leticia nickte nur apathisch. „Kann sein, dass es da wieder hochkam. Ich habe darüber gelesen. Schlüsselmomente, die eine Kettenreaktion auslösen können.“ Während sie das sagte, strich sie sich sanft über die Narben an ihrem Handgelenk, ohne es überhaupt zu merken. „Die Fotos, die ich bei dir gesehen habe. Die hast du wahrscheinlich dort gefunden und dann ist der Groschen endlich gefallen. Du wolltest dich erinnern und endlich aus deiner Scheinwelt kommen. Ich habe meine Vergangenheit hinter mir gelassen, Leticia, du allerdings bist darin stecken geblieben.“ Nun schaute Leticia wieder zu ihr auf. „Ich mache es wieder gut. Wir können von vorn anfangen.“ flüsterte sie kaum hörbar.  „Ich wollte mich nicht rächen. Dein Unterbewusstsein wollte sich an dir für die jahrelange Täuschung rächen und endlich die Wahrheit ans Licht bringen. Sie war ein Monster und du warst ihre Dienerin. Lebe damit oder tu es nicht, aber ändern kannst du die Vergangenheit nicht.“ Thalia hievte sich wieder auf die Beine, ging zurück zur Tür und hielt sie auf. „Geh jetzt und komm nicht zurück. Ich habe auch mit dir abgeschlossen.“ Leticia wollte sie aufhalten, zu ihr gehen und sie in die Arme schließen. Sie trösten, wie es sich für eine große Schwester gehörte. „Bitte. Thalia. Lass es mich wieder gut machen.“ sagte sie nun etwas lauter. Doch ihre Schwester schüttelte bloß niedergeschlagen den Kopf. „Tu, was du nicht lassen kannst. Ich habe allerdings kein Interesse.“, dann ging sie einfach hinaus, als wäre Leticia Luft. Diese kam nun mit wackeligen Knien auf die Beine, starrte geschockt auf die Leere im Türrahmen, dann trugen ihre Beine sie wie von selbst hinaus. Wie in Trance verließ sie das Haus, flüsterte den Namen ihrer Schwester, beteuerte ihr, wie sehr es ihr Leid täte. Sie ging hinaus auf die Straße, als würde sie an unsichtbaren Fäden hängen. Sie fand ihr Auto und setzte sich in ihren Wagen. So langsam klärte sich ihr Blick und sie schaute sich kurz um. Was machte sie überhaupt in dieser Gegend? Musste sie nicht zur Arbeit? Und was zum Teufel hatten ihre Kamera und das Stativ auf dem Beifahrersitz verloren?

79 thoughts on “Weder vergessen noch verziehen

  1. Eine wundervolle Geschichte. Da fallen mir doch glatt die Worte von Honoré de Balzac über das Vergessen ein: „Die Erinnerungen verschönern das Leben, aber das Vergessen allein macht es erträglich.“

    Man müsste wie bei einem Computer bewusst Erinnerungen löschen und andere wiederum speichern und als Favorit markieren können. Andererseits… machen nicht gerade unsere Erfahrungen und die daraus resultierenden Erinnerungen das aus uns, was wir letztendlich sind?

    Mach weiter so, deine Geschichte wird mir im Gedächtnis bleiben 😉 Bin gespannt was es noch von dir in Zukunft zu lesen geben wird.

  2. Hallo Cassandra!

    Du hast die Parameter wirklich gelungen umgesetzt, sodass eine fesselnde Geschichte entstanden ist. Sie war spannend bis zum Schluss, hat mir wirklich gut gefallen! Apropos Schluss – der war sehr überraschend. Gneua so sollte der Schluss bei einer Kurzgeschichte auch sein! Mein Like hast du!

    LG, Florian

    PS. Ich lasse dir mal den Link zu meiner Geschichte da – vlt hast du ja Zeit und Lust sie zu lesen, würde mich darüber sehr freuen. Und auch über ein kurzes Feedback und vlt geht sich ja auch ein Like aus – nur für den Fall, dass sie dir auch wirklich gefällt!

    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/schach-matt

  3. Hallo!
    Nochmals danke für deinen lieben Kommentar unter meiner Geschichte.

    Deine Geschichte ist ebenfalls toll, nicht der übliche Thriller, den wohl 99% geschrieben haben, sondern eine tiefgehende und ernste Geschichte, die dennoch sehr spannend ist.

    Dein Schreinstil ist toll, sehr bildlich.

    Weniger gefallen haben mir die langen Textblöcke. Einfach mal einen neuen Ansatz anfangen, besonders in einer Unterhaltung, lockert den Lesefluss ungemein. Aber das ist meckern auf hohem Niveau.

    Lieben Gruß und *Like*,
    Sven

  4. Hey Cassandra,

    ich schließe mich meinen Vorrednern in den meisten Punkten an. Gut geschriebene Geschichte mit einem interessanten Ende. Auch das Setting hebt sich von vielen anderen Kurzgeschichten hier ab!
    Nur ein kleiner Kritikpunkt am Rande: BITTE (!) benutze mehr Absätze! :o) Das war teilweise etwas gemein zu lesen. Oder war das stilistisch gewollt, um das Stresslevel des Lesers zu beeinflussen?

    Ich lass Dir gerne ein Like da!
    LG aus Hamburg
    Chris
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/identitaet-6

    1. Hallo Christian,

      Vielen lieben Dank für dein Feedback und dein Like! 😀
      Das mit den fehlenden Absätzen ist stilistisch teilweise so gewollt, aber Schande auf mein Haupt: auch leider noch ein Makel an meinen Texten. Vielen Dank für den Hinweis und ich werde in Zukunft auch mehr Rücksicht darauf nehmen!
      Und deine Geschichte werde ich mir auch gerne durchlesen ^-^

      Liebe Grüße aus Luxemburg/Trier
      Cassandra

  5. Liebe Cassandra,
    ich hatte eben einfach mal spontan eine Geschichte herausgepickt, das war deine und ich habe es nicht bereut 🙂. Zuerst schreibe ich etwas zu deinem Inhalt. Der rote Faden zieht sich schlüssig durch deinen Text. Du hast dir einen tollen Plot ausgedacht🙏. Bereits am Anfang war es spannend, als die Kamera zum zweiten Mal bei Laetitia wie aus dem Nichts auftaucht. Ich hätte auch nicht gedacht, dass am Ende mal keiner dran glauben muss und die eine Schwester die andere quasi vor die Tür setzt. Wahnsinn! Richtig schön Psycho. Das gefällt mir und ist in meiner Geschichte ähnlich.

    Ich bin nur über ein paar inhaltliche Aspekte gestolpert, aber das kenne ich. Wenn man selbst so in seinem Thema drin ist, dann fällt es nicht mehr auf.

    1. Laetitia wurde sofort Personenschutz zugesichert. Ob die Polizei in Wirklichkeit für einen Nicht-Star auch so viel Geld investiert? Hmmmm …

    2. Die Hunde von Laetitia sind gestorben, als sie eine Teenagerin war und daraufhin hat sie die Schule hingeschmissen, um Pflegerin von Wölfen zu werden? Echt?

    3. Ich habe natürlich deinen Inhalt verstanden, weil ich sehr aufmerksam gelesen habe, dennoch fehlen teilweise Absätze, gerade bei Zeitsprüngen, wobei ich manchmal ins Stocken gekommen bin. Aber das kannst du ja schnell verbessern.

    4. Du schreibst: „Alles schrie nach einem komfortablen Leseraum.“ Aber dann schreibst du ein paar Sätze später: „Aber sonst war der Raum schmucklos. Keine Bilder an den Wänden, nirgendwo waren Fotos zu sehen.“
    Kann dann der Leseraum noch komfortabel sein, auch wenn er spartanisch ist?

    Also, liebe Cassandra, da ich dich nicht kenne, hoffe ich, dass du mir die Kritik nicht übelnimmst 🙄. Teilweise habe ich nämlich das Gefühl, dass einige darauf nicht so gut reagieren. Aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und Feedback soll dich und deinen Text und uns alle hier voranbringen. Bitte, bitte nimm mir meine Anmerkungen also nicht krumm, sondern sieh sie als Verbesserungsvorschlag, ok?
    Komme ich zur Sprache:

    In dem kursiv gedruckten Absatz, kurz nachdem die beiden Schwestern aufeinandertreffen, kommt 3 x das Wort Briefkasten vor. Das kannst du bestimmt 1x ersetzen.

    So das war’s 😬. Viel Erfolg weiterhin 🍀! Mein Like 👍 hast du und wenn dich meine Geschichte interessiert, sie heißt „Happy birthday“ 🎈.
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/happy-birthday
    Du kannst sie auch anhören. Der Link zum Hörbuch steht in meinem Profil oben.
    Liebe Grüße,
    Martina

    1. Hallo Martina,

      Vielen vielen herzlichen Dank für dein Lob und deine konstruktive Kritik!
      Ich muss ehrlich sagen, als Sebastian Fitzek bekannt gegeben hat, dass jeder die Geschichten der anderen lesen und kommentieren kann, hatte ich enorme Angst. Bis auf meinen Freundes- und Familienkreis hat noch nie jemand meine Geschichten gelesen und ich befürchtete, dass teilweise einfach gehässiger Shitstorm kommt, weil jeder in dieses Ebook reinmöchte. Umso mehr bin ich für die konstruktive Kritik und für das tolle Lob dankbar, das mir hilft, mich selbst zu verbessern und mich gleichzeitig ermutigt, weiterzuschreiben. Lange Rede kurzer Sinn: Ich nehme dir deine Anmerkungen absolut nicht krumm, sondern bin unheimlich dankbar dafür!

      1. Da hast du allerdings recht! Ich könnte dir mal nicht zu 100% sagen, ob hier in meinem kleinen Ländchen Luxemburg wirklich Personenschutz zugesichert werden würde. Das bleibt wohl ein kleiner Mangel. Vielleicht kann ich mal einen Bekannten fragen, der bei der Polizei arbeitet… >.>

      2. In einer Kurzgeschichte hat man leider nicht immer die Möglichkeit, die Psyche einer Person gänzlich zu erklären. Was ich hätte hinzufügen können: Leticia hat erst nach ein paar Umwegen diesen Job erhalten. Sie hat die Schule nicht mit der Idee abgebrochen, dass sie jetzt Pflegerin werden möchte. Da Leticia ein wenig an einer Person in meinem Umfeld inspiriert wurde, fand ich die Wendung nicht gänzlich unrealistisch.

      3. Ohje, ich verspreche hoch und heilig, dass ich das mit den Absätzen definitiv verbessern werde!

      4. DIe Regale waren liebevoll mit Büchern und Figuren gefüllt und eine gemütliche Couch stand zur Verfügung. Das war meine persönliche Definition von „gemütlich“, aber schon etwas widersprüchlich, tut mir Leid ^^‘

      Dieses Briefkasten^3 werde ich ändern!

      Also nochmals: Vielen Dank für die Anmerkungen! 😀 Deine Geschichte habe ich jetzt als Tab auf dem Notebook gespeichert und ich verspreche dir, dass ich sie durchlesen werde! Aber bitte nicht wundern, wenn es etwas dauert. Ich werde es nicht vergessen! 🙂

      Liebe Grüße
      Cassandra

      1. Liebe Cassandra,

        Ich wusste doch gestern, dass dein Name mir so bekannt vorkam 🙂. So ein schöner Vorname.
        Sorry, dass ich ihn nicht sofort zuordnen konnte. Ich habe sooo viele Geschichten gelesen 😁. Jetzt nach erneutem Lesen …wieder voll drin 💪. Deine Anmerkungen zu meiner Geschichte finde ich total gut und verstehe sie als konstruktive Kritik. Es zeigt, wie aufmerksam du warst und wie sehr du dir Gedanken gemacht hast. Und vor allen Dingen zu einem wichtigen Thema.
        Danke noch einmal und viel Glück 🍀.
        Viel Erfolg auch bei Latein … wow!!! Respekt!!! Hatte Latein 5 Jahre in der Schule 😅.
        Liebe Grüße,
        Martina

      2. Hallo Martina,

        Ich antworte mal so, weil ich bei deinem lieben Kommentar keinen „Antworten“-Button habe <-<
        Vielen Dank für das Kompliment! Den Namen habe ich wohl meinem lieben Vater zu verdanken ^-^
        Nach deinen wundervollen Anmerkungen wollte ich dir den gleichen Gefallen erweisen 😀
        Dir drücke ich auch ganz fest die Daumen!
        Und danke! Ich hatte leider nicht die Möglichkeit, Latein in der Schule zu machen. Jetzt peitscht Livius mich mit seinen Schachtelsätzen halt auf der Uni aus xD

        Liebe Grüße
        Cassandra ^-^

  6. Hallo Cassandra!
    Eine spanende Geschichte, ich habe mich gut unterhalten gefühlt.
    Der Schluss war überraschend, genau wie es bei einer Kurzgeschichte sein soll.
    Ich habe dir auf jeden Fall ein Like gegeben. Mach auf jeden Fall weiter, alles Gute für dich, Daumen sind gedrückt.
    Über ein Feedback meiner Story würde ich mich auch sehr freuen.
    Liebe Grüße Lotte (Der alte Mann und die Pflegerin)

  7. Moin Cassandra,

    wir wissen, daß wir nichts wissen! Sehr gutes Ende!

    Sehr spannender Plot, tolle Erzählweise. Hat mir gut gefallen.

    Die Spannungen zwischen den Schwestern hast du sehr glaubhaft skizziert. Bedrückend, psychologisch und auf eine Art traurig schickst du uns durch deine Storie.

    Stilistische Anmerkung: ich hätte mir ein paar mehr Absätze gewünscht. Aber das ist wirklich nur ein kleiner Kritikpunkt.

    Ingesamt betrachtet habe ich deine Geschichte sehr gerne gelesen und ich fühlte mich gut unterhalten. Sie lies flüssig in einem Rutsch lesen.

    Sei stolz darauf was du geschaffen hast.

    Mein Like lass ich dir gerne da und wünsche dir alles Gute für‘s Voting.

    LG Frank aka leonjoestick ( Geschichte: Der Ponyjäger)

    1. Hallo Frank,

      Vielen Dank für das Lob und die Kritik! Das mit den Absätzen wird definitiv noch verbessert xD
      Diese ganzen lieben Kommentare sorgen wirklich dafür, dass ich stolz auf die Geschichte bin. Vielen Dank dafür!
      Deine Geschichte werde ich mir sehr gerne durchlesen. Ich mache mich dann (hoffentlich) durch ein Like und einen Kommentar bemerkbar 😀

      Liebe Grüße
      Cassandra

  8. Hallo,

    bin eher zufällig auf deine Geschichte gestossen. Habe eine Review bei einem anderen User gesehen und fand dich auf Anhieb sympathisch, weil du da ein wirklich sehr hilfreiches Feedback gegeben hast. Habe mir vorhin daher mal dein Werk durchgelesen und war begeistert! Ich muss ja sagen, dass ich den Gedanken sehr unheimlich finde, im Schlaf gefilmt zu werden und keine Ahnung zu haben, wer in meiner Wohnung gewesen sein muss… Aber ich wäre nie und nimmer auf den Schluss gekommen, den du uns präsentiert hast. Die Auflösung hat mich extrem überrascht und ich fand es toll, wie sich eine scheinbar klassische Stalker-Geschichichte auf einmal als tiefgründige Familien-Tragödie entfaltet. Zudem waren die letzten Zeilen ein Schlag in die Magengrube. Wäre sie einfach nur rausgegangen und hätte akzeptiert, dass die beiden Schwestern keine gemeinsame Zukunft haben, wäre das zwar auch ok gewesen – aber was du tatsächlich gemacht hast, war ziemlich gruselig. Definitiv ein Ende, das dem Leser in Erinnerung bleibt!! Also herzlichen Glückwunsch uuund – mein Vote hast du! Und falls du mal Zeit und Lust hast, dir meine Story (HAPPY BIRTHDAY… JESSICA?) durchzulesen, würde ich mich freuen. 🙂

  9. Lieb e Cassandra!
    Deine Geschichte hat mich mitgenommen und berührt, was für eine Familiengeschichte! Wahnsinn, du verdienst mein Like sowas von!
    Ich drücke dir Daumen fürs Ebook.!
    Über ein Feedback bei meiner Geschichte würde ich mich riesig freuen.
    Liebe Grüße und bleib gesund Lotte (Der alte Mann und die Pflegerin)

  10. Hallo liebe Cassandra

    Zunächst einmal ein dickes Lob für deine Geschichte.
    Sie hat mir gut gefallen.

    Deine Grundidee mit den zwei Schwestern, der Gewalt und der verdrängten Vergangenheit fand ich super.

    Du hast die Parameter gut umgesetzt, und das Finale war spannend und überraschend zugleich.

    Ich hab deine Geschichte sehr gerne gelesen.

    Es haben sich da und dort Wiederholungen und Zeichensetzungsfehler eingeschlichen.

    Das ist aber kein Problem.
    Lass deine Geschichten in Zukunft immer noch einmal gegenlesen.
    Dann ist das Problem auch gelöst.

    Man spürt deutlich und bereits nach wenigen Sätzen, dass du sehr viel Arbeit und Energie in diese Geschichte gesteckt hast.

    Und ich habe gespürt, dass sie mich fesselt und unterhält.

    Und darauf kommt es an.

    Ich zolle dir den höchsten Respekt.

    Man merkt, dass du noch am Anfang deiner Entwicklung stehst.
    Dass du dann den Mut hast, eine Geschichte einzureichen, ist toll.
    Nur durch Probieren, Testen, Schreiben und ….. Weiterschreiben lernen wir alle.

    Bitte schreib weiter.
    Und du wirst noch viele bezaubernde Leser erreichen.
    Und noch viele geniale Geschichten schreiben.

    Ich wünsche dir und deiner Geschichte alles Gute und viel Erfolg.

    Natürlich lasse ich dir ein Herzchen zurück.

    Liebe Grüße, Swen Artmann (Artsneurosia)

    Vielleicht hast du ja Lust und Zeit, auch meine Story zu lesen.
    Ich würde mich sehr freuen.

    Meine Geschichte heißt:
    „Die silberne Katze“

    Vielen Dank und hoffentlich bis die Tage.
    Swen

    1. Hallo Swen,

      Vielen Dank für deine liebes Feedback!
      Tatsächlich habe ich mehrere Korrekturleser, darunter sogar eine Kommilitonin/Muttersprachlerin. Dass sich also Fehler eingeschlichen haben, ist mehr als ärgerlich xD Danke fürs drauf hinweisen!
      Deine Geschicht werde ich mir gerne durchlesen! 😀

      Liebe Grüße
      Cassandra ^-^

  11. Liebe Cassandra,
    ich bin über instagram auf deine Geschichte aufmerksam geworden und bin begeistert!🤗

    Du wirfst einen sofort in die Geschichte und die Kamera lässt nicht lange auf sich warten. Dies finde ich sehr gut, da die Geschichte gleich an Fahrt aufnimmt.
    Sehr gut fand ich auch, dass die Fotos auf verschiedenste Weise auftauchten. Das hat es sehr spannend und auch ein wenig gruselig gemacht.

    Dein Schreibstil ist sehr bildhaft und flüssig. Zudem hast du das Talent Situationen und Gedanken interessant zu beschreiben. Einer meiner Lieblingssätze ist z.b. „Leticia schluchzte nun, schüttelte den Kopf, um die Worte ihrer Schwester, die sich langsam zu Erinnerungen formten, abzuwehren.“👍

    Die Wendung finde ich gleichzeitig großartig und erschreckend. Wahnsinn, wie das Gehirn mit Geschehnissen umgeht, die vergessen werden sollen. Eine spannende Art, die Identitätsstörung einzubauen.

    Du hast großes Talent und ich drücke Dir die Daumen für das eBook!🍀

    Like ist gegeben ❤

    LG, Ani

    P.S. Vielleicht hast du ja Lust, auch bei mir vorbeizuschauen. Ich würde mich freuen und wäre sehr gespannt auf dein Feedback!😊

    http://www.wirschreibenzuhause.de/geschichten/der-schwur

  12. Hallo liebe Ani,

    Vielen lieben Dank für dein großes Lob! Ich fühle mich geehrt! *-*
    Auch deine Geschichte werde ich mir mit Freuden durchlesen! Aber bitte nicht denken, ich hätte es vergessen. Ich stecke momentan in der Intensivphase, um mein Latinum auf der Uni nachzuholen. Dementsprechend habe ich etwas weniger Zeit ^^‘

    Liebe Grüße
    Cassandra ^-^

  13. Hallo Cassandra,
    Deine Geschichte hat bei mir eine große Gänsehaut hinterlassen. Das Thema ist wirklich stark und ich musste einige Male schwer schlucken. An einigen Stellen kam ich etwas ins wanken beim lesen, da ist sprachlich sicher noch etwas Potenzial, doch nichts was man nicht lernen kann 😊. Sonst fand ich deine Geschichte trotzdem rundum gelungen und gebe Dir gerne mein 💛dafür. Viel Erfolg wünsche ich Dir 🍀.

    Beste Grüße

    Maddy

    P. S Mein Beitrag heißt „Alte Bekannte“ und ich weiß das die Zeit knapp wird, aber vielleicht magst du sie ja trotzdem lesen ☺️☺️.

    1. Hallo Maddy,

      Vielen Dank für dein Feedback und dein Like!
      Dürfte ich dich fragen, ob dir sprachlich konkrete Beispiele einfallen würden?^^‘
      Als Nicht-Muttersprachlerin ist mir aufgefallen, dass ich definitiv noch mehr lernen kann und meine Schreibkunst für deutsches Publikum definitiv noch nicht reicht. Ich würde mich gerne verbessern 😀
      Deine Geschichte lese ich mir mit Vergnügen durch!

      Liebe Grüße
      Cassandra ^-^

      1. Liebe Cassandra,
        An erster Stelle sei erwähnt das ich niemals vermutet hätte das du keine Muttersprachlerin bist 😊! Deine Geschichte ist sehr gut geschrieben und meine Anmerkung „sprachlich noch etwas Potenzial“ war vielleicht etwas ungünstig gewählt 😅. Was einem beim lesen ins stocken bringt kann sehr subjektiv sein. Mir waren deine Sätze manchmal etwas zu lang. Das hat mich persönlich dann ab und an kurz ins wanken gebracht ☺️.

        Z. B Sie hatte eine Menge Fragen über sich ergehen lassen müssen aber schlussendlich war die Anzeige aufgesetzt worden und die Polizei hatte das verdammte Ding als Beweisstück behalten und ihr versichert, dass sie sich darum kümmern würden.

        Doch jetzt mal Butter bei den Fischen, das ist meckern auf hohem Niveau 😇.

        Ich hoffe du nimmst mir meine späte Antwort nicht übel 😊. Viel Erfolg für den Endspurt 😁🍀.

        Liebe Grüße

        Maddy

  14. Mir wurde deine Geschichte empfohlen. Allerdings, so gut wie sie mir beschrieben wurde finde ich sie ehrlich gesagt nicht.

    Ich finde sie noch viel besser! Es freut mich, daß ich mir die Zeit genommen habe sie zu lesen. Habe noch einige andere gelesen, doch deine fand ich bisher am Besten.

    Was ich noch anmerken wollte. Ich finde es toll wie du mit Vorschlägen und Kritik umgehst. Das können auch nicht viele!

    1. Guten Abend liebes Rudolp-Rentier,

      Puuh, mir ist bei deinem ersten Absatz gerade das Herz stehen geblieben!😂
      Vielen vielen Dank für deine lieben Worte!🙈
      Und danke! Ich genieße es wirklich, hier ehrliche Meinungen vor allem von Muttersprachlern zu hören. Das gibt mir die Chance, zu lernen und mich weiterzuentwickeln!🙈

      1. Man merkt es dir nicht an, dass du keine Muttersprachlerin sein solltest. Du liest wahrscheinlich sehr sehr viele deutsche Bücher.

        Was ich damit meine: ich kenne viele Deutsche (also Muttersprachler) die schlechter deutsch schreiben als du… viel schlechter und ebenso aus einem geringeren Wortschatz schöpfen können.

        Mach weiter so!
        Ich bin zuversichtlich von dir noch mehr zu lesen zu bekommen. Ich freue mich drauf.

  15. Liebe Cassandra,

    deine Kurzgeschichte ist wirklich lesenswert und ich bin so froh, kurz vor dem Ende des Wettbewerbs noch darauf gestoßen zu sein. Gerne lasse ich dir mein Like da.
    Ich würde mich freuen, wenn du meine Geschichte „Die Staatsanwältin“ auch lesen würdest.

    Viele liebe Grüße, Sandra

  16. Hallo liebe Cassandra,

    wow, zum Glück haben wir noch etwas mehr Zeit zum Gegenlesen bekommen – so bin ich auch noch in den Genuss Deiner Geschichte gekommen. Natürlich habe ich sie sofort nach dem Lesen „geherzt“ – danke für die spannende Lesezeit, die Du mir damit noch geschenkt hast!!!

    Liebe Grüße, Anna

    P.S.: Vielleicht magst Du ja auch noch bei mir vorbeilesen?
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/die-nachtschicht

    1. Hallo Anna,

      Vielen Dank für deine lieben Worte und dein Like! Ich bin auch froh, dass wir noch etwas mehr Zeit bekommen haben. Ich habe heute erst die schriftliche Klausur für mein Latinum hinter mich gebracht und bin jetzt dabei, mich durch all die tollen Geschichten zu lesen!
      Bei deiner konnte ich nicht mehr aufhören und habe dir auch einen kleinen Kommentar und natürlich ein Herz hinterlassen 😀

      Liebe Grüße
      Cassandra ^-^

  17. Hallo Cassandra,

    gerade habe ich deine Geschichte bei den ungelesenen entdeckt und sie verschlungen. Sie war sehr spannend, und vor allem der Schluss bzw. die Wendung hat mir sehr gut gefallen.
    Zwar habe ich mich immer gefragt, warum fotografiert jemand traurige und misshandelte Kinder, aber wer weiß schon wie ein Psychopath tickt! Denn die Mutter muss eine solche gewesen sein. Ganz schön trauriges Thema.
    Auch wenn kein Smartphone mit Fotos die Hauptrolle spielt, so hast du doch noch eins einfließen lassen. Das war sehr geschickt von dir.

    Da ich dir dein 92. Herz gegeben habe, solltest du es wohl sicher ins E-Book schaffen, und das zu Recht!

    Solltest du noch die Zeit finden, würde ich mich freuen wenn du auch meine Geschichte lesen würdest, sie heißt „Ende Gut?“.

    Ganz liebe Grüße
    Monika

    1. Hallo liebe Monika,

      Vielen Dank für dein Lob und es freut mich, dass dir die Geschichte so gefallen hat!
      Die Psyche eines Menschen lässt sich leider nicht begrenzen. Aber ja, die Mutter in der Geschichte war tatsächlich eine Psychopathin.
      Den Kniff habe ich mir von Herrn Fitzek abgeguckt. Irgendwann meinte er, dass es nicht zwingend ein Handy sein müsste. Eine Kamera ginge auch 😀

      Vielen Dank für dein Herz und es würde mich freuen, wenn ich es tatsächlich ins E-Book schaffen könnte!
      Deine Geschichte habe ich mir auch sofort durchgelesen und auch schon kommentiert 😀

      Liebe Grüße
      Cassandra ^-^

  18. Liebe Cassandra,

    ich bin heute erst auf deine Geschichte aufmerksam geworden. Zum Glück, muss ich sagen, denn ich finde sie wirklich klasse. Sie ist spannend, tiefgründig aber auch sehr sehr traurig. Dass die Fotos an verschiedenen Stellen auftauchen und sowohl digital als auch physisch vorhanden sind, hat mir sehr gut gefallen. Von mir bekommst du auf jeden Fall ein Like.
    Viel Glück weiterhin und viel Spass beim Schreiben 🙂
    lg Kerstin

    Falls du noch Lust und Zeit zum Lesen hast, lass ich dir gerne meinen Link da.
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/das-maedchen-dana

    1. Hallo Kerstin,

      Vielen Dank für das Herz und das Lob! Es freut mich sehr, dass sie dir gefallen hat! 🙈
      Ich habe mir deine Geschichte durchgelesen und dir auch einen Kommentar hinterlassen😃
      Ich drücke dir die Daumen für deine Geschichte!☺️

      Liebe Grüße
      Cassandra ^-^

  19. Liebe Cassandra,
    also, mit solch einer Wendung hätte ich echt nicht gerechnet. Da sieht man mal wieder, was Gewalt gegen Kinder alles auslösen können.
    Was mir aufgefallen ist, sind Füllwörter (nun, doch), die sehr häufig vorkommen, das solltest du künftig überprüfen.
    Und folgender Satz: Dann fing sie an, dich zu „bevormunden“, ich denke, hier meinst zu bevorzugen, oder?
    Trotz allem, bin froh, dass ich deine tolle Geschichte gelesen habe. Mein Herz bekommst du.
    Herzliche Grüße
    Monika
    (Quälende Erinnerungen)

  20. Hallo Cassandra,
    eine wirklich gute und spannende Geschichte.
    Mit der Wendung habe ich nicht gerechnet.
    Wirklich guter Schreibstil!
    Nur ein ganz kleiner Verbesserungsvorschlag, aber vielleicht lag das Problem auch bei mir (was wahrscheinlicher ist, jetzt wo ich das Ende noch einmal gelesen habe).
    Ich hatte beim ersten Durchlesen am Ende Schwierigkeiten zu verstehen wer welchen Satz sagt, bevor Leticia das Haus verlässt. Vielleicht kann man sowas noch deutlicher Schreiben. Beim zweiten und jetzt beim dritten Lesen war es aber sofort klar. Vielleicht hat die Spannung da auch meine Aufmerksamkeit etwas getrübt und wollte eher ein anderes Ende 😉
    Alles gute auf Deinem weiteren Weg. Würde mir wünschen mehr von Dir lesen zu können.
    Börnd

  21. Liebe Cassandra,

    kurz vor Votingende bin ich auf deine Geschichte gestoßen.
    Du hast einen angenehmen, bildlichen Schreibstil. Besonders gut gefällt mir die Beschreibung, was im Video zu sehen ist. Dabei fühlt man sich selbst wie ein Detektiv. Was wird da zu sehen sein? Welche neue Erkenntnis gewinnt man dadurch?
    Mein Like hast du.

    Alles Gute und herzliche Grüße
    Nina
    Vielleicht hast du ja auch Zeit und Lust meine Geschichte zu lesen:
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/tot-ohne-zu-sterben

    1. Hallo liebe Nina,

      Vielen vielen Dank für dein Lob und dein Like!🙈
      Ich habe mir grade deine Geschichte durchgelesen, sie geliked und Feedback folgt dann morgen. Mir fehlt grade bissl die Zeit, wollte aber noch vor Ende des Wettbewerbs dir die Stimme geben!🙈

      Liebe Grüße
      Cassndra^-^

  22. Léiwt Cassandra,
    ech sin esou stolz dass du eng Schülerin vu mir wars! Iergendwéih wars du demols schon eng Bicherrat an hues och als Kand selwer well Bicher geschriwen an illustréiert 😊 Deer Schüler huet een net sou dacks. Deng Geschicht as immens spannend, villschichteg an intelligent. E klenge Schudder leeft mer grad su d’Genëck erof wi eng rieseg Bewonnerung dass all di eenzel „Fotoen“ herno zu engem Ganzen gin. Psychologësch gesin as et eng Geschicht vu Verdrängung an Akzeptanz dass d’Vergangenheet mat all hire gudden a manner gudde Momenter an Erfahrungen, eis geformt huet zu dem Mënsch dee mer haut sin.
    Bravo fir dës Geschicht a schreiw onbedengt weider!
    Joffer Janine

    1. Villmools Merci Joffer Janine!🙈

      Däi Stolz ass mir ëmmer nach dat héichste Luef!!🙈🙈
      Ouni deng an dem Papp seng Ënnerstetzung wier ech nie esou wäit komm an ech hoffen, et kënnt irgendswann deen Dag, wou ech dir mäin eegent Buch däerf an d‘Hand ginn!🙈

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