GuntramWenn der Paketbote zweimal klingelt

7+

Wenn der Paketbote zweimal klingelt

von Guntram Wette

Der bärtige Mann im roten Overall tippt mit dem Finger an den Schirm seiner Kappe, räuspert sich und fragt mit heiserer Stimme: »Thomas Förster?«
»Ja, der bin ich. Und Sie sind?« Beim Anblick des Hünen vor der Eingangstür blitzt eine vage Erinnerung in Försters Hirn auf, dann ist der Moment vorüber. Nein, der Mann ist ihm unbekannt.
»Ich komme von TransEx und soll ein Paket für Andreas Knecht abholen.«
»Ach ja, der Verkauf über Buy&Sell Kleinanzeigen. Der Typ wollte den Versand selbst organisieren. Haben Sie das Geld dabei?«
Seit Thomas Förster vor einem Jahr im Internet Buy&Sell Kleinanzeigen für sich entdeckt hat, ist er Feuer und Flamme für dieses Online-Verkaufsportal. Alles was er nicht mehr benötigt, inseriert er. Seien es Bücher, DVDs, alte Lampen und sonstigen Haushaltskram. Meist kommen die Leute aus dem Hamburger Umland vorbei und zahlen bar, gelegentlich gibt er auch kleinere Sendungen bei der Post auf.
Doch dieser Verkauf verläuft anders. Der Bieter war an einem alten Couchtisch interessiert, konnte aber selbst nicht vorbeikommen. Er schlug vor, das Möbelstück von einem Transportunternehmen gegen Bargeld abholen zu lassen.
Förster weiß, dass es genug Betrüger im Netz gibt, die alles Mögliche versprechen. Aber bei einem Warenwert von 150 Euro ist das Risiko überschaubar. Für ihn ist das Anbieten im Internet ein faszinierendes Hobby. Das Geld ist  nebensächlich, davon hat er genug.
Der Bote greift in die Tasche seines Overalls und befördert einen braunen Papierumschlag hervor. Umständlich zerrt er zwei Geldscheine heraus und hält sie dem Hausbesitzer unter die Nase. »Hab ich dabei«, ertönt die raue Stimme.
Bevor Förster die beiden Fünfziger greifen kann, zieht der Hüne die Hand zurück und stopft das Geld in den Umschlag.
»Den Tisch!«
»Ja, natürlich. Steht in der Garage. Ich mache eben auf.« Thomas betätigt die Fernbedienung, die auf einem Bord neben der Haustür liegt und das Tor öffnet sich.
Nachdem der Paketbote das sperrige Möbelstück in den Sprinter gewuchtet hat, drückt er dem Verkäufer den Umschlag in die Hand. Ein Brummen zum Abschied, dann steigt der bärtige Mann in den Wagen.
Langsam kehrt Förster zum Hauseingang zurück. Erst jetzt bemerkt er das Gewicht des Briefumschlags. Neugierig greift er hinein und befördert zwei Scheine und ein Handy hervor. Er dreht sich um, schaut die Straße entlang. Der weiße Transporter biegt soeben an der nächsten Kreuzung ab.
Vergesslicher Kerl! Der wird schon wiederkommen, wenn er sein Smartphone vermisst. Das Geld steckt Thomas in die Hosentasche, betrachtet das Mobiltelefon und betätigt instinktiv die Tasten. Vor Schreck hätte er das Handy beinahe fallengelassen, als das Display zum Leben erwacht.
»Verdammt!«, zischt er und starrt auf das Foto eines jungen Mannes mit schwarzen Lockenkopf. Mit der Hand streicht er über seinen kahlen Schädel, vermisst die wilden Haarsträhnen von früher. Hat Benno ihn gefunden? Nach all der Zeit?
Die Finger wandern wie von selbst zu der Narbe an der linken Wange, ein Andenken aus einem ehemaligen Leben. Eines Lebens, das von Gewalt und Verbrechen geprägt war.
Jetzt fällt ihm auf dem Bild seines jüngeren Ich der Text im unteren Abschnitt auf. Jemand hat das Foto bearbeitet, einen Satz eingefügt: Öffne die Audiodatei!
Die Abbildung eines Mikrofons bildet das einzige Icon auf dem Startbildschirm. Widerwillig tippt Förster die App an, das Programm öffnet sich und ein Audiofile erscheint. Spiel mich ab, hat jemand ihn benannt.
Zuerst ist nur ein Rauschen zu hören, doch schon die ersten beiden Worte erzeugen eine Gänsehaut auf seinem Rücken. »Hallo Dieter«, blechernd hallt eine Stimme aus dem Lautsprecher. In einem Anfall von Wut schleudert Thomas das Handy quer durch den Raum. Die lederne Wohncouch in der Ecke fängt das wirbelnde Gerät behütend auf.
Hitze steigt dem Kahlköpfigen ins Gesicht, ein Ziehen an der linken Wange weckt Erinnerungen an die Vergangenheit. Dieter hat ihn seit einer Ewigkeit niemand genannt, nicht mehr nach seiner heimlichen Abreise aus Köln.
Dieter Thomas Streck, sein Geburtsname, war ein Begriff in der Kölner Unterwelt gewesen. Gemeinsam mit Benno Kramm versorgte er einen Großteil der Stadt am Rhein mit Drogen. Das Geschäft lief ausgezeichnet, bis Streck seinen Partner hinterging und über Nacht mit fünf Millionen Euro verschwand. Den ersten Vornamen ließ er weg und den Nachnamen änderte er in Förster, dem Mädchennamen seiner geschiedenen Mutter. Dann rasierte er die schwarzen Locken ab und tauchte als glatzköpfiger Thomas Förster in Hamburg auf. Von dem unterschlagenen Geld kaufte er ein nettes Anwesen am Stadtrand und genoss das Leben.
Doch jetzt hat ihn jemand aufgespürt, war hinter seine wahre Identität gekommen. Das konnte nur Benno sein, kein anderer hatte einen stärkeren Grund, ihn zu finden.
Langsam weicht die Hitze aus Försters/Strecks Gesicht und der Puls nimmt wieder einen ruhigeren Rhythmus an. Dieter Thomas klaubt das Handy vom Sofa und hört die ganze Nachricht an:
Hallo Dieter, hat lange gedauert, dich zu finden. Aber jetzt kommen wir endlich zusammen. Du dealst doch immer noch gern, oder? Dann habe ich etwas für dich, du wirst begeistert sein! Wir treffen uns am Samstagabend um sieben Uhr. Komm pünktlich. Das ist keine Bitte, sondern eine Aufforderung. Solltest du nicht erscheinen, wirst du es bitter bereuen! Es folgt die genaue Ortsangabe südlich von Hamburg, dann endet die Tonaufzeichnung.
Mehrmals hört Förster die Nachricht an, versucht, die Stimme zu identifizieren. Aber die Aufnahme ist zu verzehrt oder Thomas erkennt nach all den Jahren die Stimme seinen ehemaligen Partners nicht wieder. Mit keinem Wort kommt Benno auf die hinterzogene Summe zu sprechen. Nur von einem Deal spricht er.
Nachdenklich setzt sich Dieter Thomas aufs Sofa. Die Narbe kribbelt und er reibt sich die Wange. Mit den letzten Sätzen droht der Sprecher ihm, das hätte er nicht tun sollen. Strecks alter Kampfgeist ist wieder geweckt. Er wird sich nicht einschüchtern lassen. Noch nie sah er sich als Opfer. Sein Blick gleitet zum Aquarell an der Zimmerwand. Dahinter verbirgt sich ein Safe, der eine unregistrierte Sig Sauer beherbergt. Die Schusswaffe hat er sich nach dem Umzug in St. Pauli besorgt, für alle Fälle. Und dieser Fall ist jetzt eingetroffen. Nein, er wird nicht der Gejagte sein. Er ist der Jäger, und bereit, die Verbindung zu seinem früheren Leben endgültig zu trennen.

Hinter den alten Weiden geht die Sonne langsam unter, als Förster sich dem Treffpunkt nähert. Bald wird es dunkel sein. Die Bäume wiegen sich sanft im lauen Frühlingswind, links davon strömt der Fluss gemächlich durch sein Bett. Nur ein schmaler, mit Unkraut bewachsener Feldweg trennen Luhe und Waldstück voneinander. Auf einer verwitternden Parkbank sitzt ein Mann. Er wirkt alt und verwahrlost. Die grauen Locken stehen ungepflegt nach allen Seiten ab. Förster rümpft angewidert die Nase, glaubt, selbst von weitem die Ausdünstungen des Körpers und des fleckigen Parkas zu riechen. Er zieht die Baseballkappe tiefer in die Stirn, das Gewicht der Sig Sauer in der Innentasche der Outdoorjacke drückt beruhigend gegen die Rippen.
Nach fünfhundert Metern verschwinden Fluss und Weg rechts hinter einer Krümmung. Thomas dreht sich um und sucht die Umgebung nach möglichen Zeugen ab. Kein Mensch ist zu sehen, selbst der Obdachlose hat sich verzogen.
Hinter der Abbiegung verharrt der Kahlköpfige einen Moment. Am Ende des Weges steht ein Fahrzeug im hohen Gras. Die Verwunderung hält sich in Grenzen, dass es sich dabei um einen weißen Sprinter handelt. Ohne es genau zu wissen, vermutet Thomas den Wagen des Paketboten. Irgendwie kam ihm das Gesicht des Hünen bekannt vor, doch er kann es immer noch nicht zuordnen.
Langsam setzt der ehemaligen Drogendealer den Weg fort. Von der Flussseite sollte keine Gefahr drohen, Förster schenkt seine Aufmerksamkeit dem Waldstück auf der rechten Seite. Ein Rascheln schreckt ihn auf, instinktiv duckt er sich. Sein Blick streift von Baum zu Baum, sucht verräterischen Bewegungen. Ein Gurren, er blickt höher und atmet erleichtert aus. Zwei Tauben lösen sich aus den Baumwipfeln, fliegen dem dunkler werdenden Horizont entgegen.
Der Transporter wirkt verlassen. Geduldig blicken die runden Scheinwerfer des Wagens auf den Fluss. Nach allen Seiten absichernd schleicht Thomas zur Fahrertür, blickt in den Innenraum. Die Sitzbank ist verwaist, die Kabine weist keine Verunreinigungen auf. Ein Ruckeln am Türgriff, die Tür ist verschlossen. Geduckt umrundet Förster die Fahrzeugfront, rüttelt an der Beifahrertür, die sich ebenfalls nicht öffnen lässt. Kurz hält er inne, richtet seine Sinne auf die Umgebung. Ein Zirpen vom Fluss, ein paar Vogelstimmen in der Ferne, ansonsten ist es ruhig.
Merkwürdig! Wo zum Teufel steckt Benno? Hat er die Hosen voll und schon längst das Weite gesucht? Ein Lächeln huscht über Försters Gesicht. Das sähe dem verpeilten Kramm ähnlich.
Trotzdem bleibt der Drogendealer auf der Hut. Leise zieht er die Sig Sauer aus der Tasche, pirscht zur Rückseite des Wagens. Seine Hand nähert sich dem Türgriff, die Finger kribbeln. Sein Jagdinstinkt ist erwacht, die Nerven sind angespannt. Vorsichtig drückt er die Klinke runter, die Tür ist unverschlossen. Dann reißt er sie kraftvoll auf, bringt die Pistole in Anschlag. Der Lauf der Waffe schwingt von links nach rechts, verharrt auf dem einzigen Gegenstand im Laderaum: seinen alten Couchtisch.
Einen Moment ist Förster abgelehnt, bemerkt das Rascheln hinter ihm zu spät. Wuchtig trifft ihn ein Schlag in den Rücken, katapultiert seinen Oberkörper ins Wageninnere. Er versucht, sich aufzurichten, da erfasst ein weiterer Hieb den Hinterkopf. Halb benommen fühlt er kräftige Hände an den Oberschenkeln, die seinen Körper vollständig in den Wagen schleudern. Mit dem Schädel kracht er gegen die Rückwand der Fahrerkabine, dann wird er bewusstlos.

Helles Licht dringt durch die halb geschlossenen Lider, sein Kopf schmerzt. Förster blinzelt, die Lampe unter dem Wagenhimmel blendet. Beim Versuch, die Augen mit der Hand zu bedecken, stutzt er. Seine Arme sind in gestreckter Haltung links und rechts an den Seitenwänden des Transporters an stählernen Ringen gefesselt. Die Beine sind mit Paketband fest umwickelt. Panik erfasst den wehrlosen Mann. Zum ersten Mal hat er das Gefühl, seinen ehemaligen Partner unterschätzt zu haben. Ein Geräusch an der Hecktür lässt ihn zusammenzucken. In gebückter Haltung steigt ein kompakter Mann in den Laderaum, in der rechte Hand einen Baseballschläger schwingend.
»Hallo Dieter Streck! Schön, dich zu treffen.«
Förster schaut in das breite Gesicht des Obdachlosen.
Dieser beobachtet den Gefangenen einen Moment, dann streift er sich die verfilzte graue Perücke vom Kopf.
Wütend starrt Streck den Bärtigen an, den Paketboten von TransEx. Woran erinnert ihn der Mann? Ist er ein Freund von Kramm? Ärgerlich zerrt Thomas an den Fesseln.
»Mensch Alter, was soll der Scheiß? Wo ist Benno?«
»Benno?« Verwirrung zeichnet sich im Gesicht des Hünen ab. Dann weiten sich seine Augen. »Benno? Benno Kramm? Glaubst du, dein Partner hat mich geschickt?« Ein abgehacktes Lachen, der Alte verzieht den Mund. »Kramm kann niemanden mehr beauftragen. Der liegt im Koma und muss sich seinen Arsch von einem Pfleger auswischen lassen.« Kurz verklärt sich sein Blick. »Weißt du, Benno habe ich auf der Suche nach dir als ersten befragt. Als er deinen Namen hörte, wurde er fuchsteufelswild. Ihr scheint wohl nicht im Guten auseinandergegangen zu sein. Aber ich habe ihn weiter befragt, sehr intensiv sogar.« Bei diesen Worten klatscht er den Schläger mehrmals in seine linke Hand. »Letztendlich war ich überzeugt, dass er nichts verheimlicht hat.«
»Und was willst du von mir? Du hast keinen Grund, mich anzugreifen.«
»Keinen Grund, sagst du. Ich habe alle Gründe wer Welt, um dich fertigzumachen. Du weißt wohl nicht, wer ich bin.«
Der alte Mann deutet auf die Narbe in Försters Gesicht. »Das Andenken stammt von meiner Tochter. Erinnerst du dich?«
Einen Moment schließt Thomas die Augen. Natürlich erinnert er sich an dieses Mädchen. Zwar war sie nur eine von vielen, aber das bleibende Zeichen hatte er ihr zu verdanken. Kramm und Streck hatten früher zahlreiche Girls mit Drogen gefügig gemacht. Die Kleine war eine von ihnen, doch sie widersetzte sich ihrem Schicksal. In einem klaren Moment schlug sie eine Weinflasche kaputt und stach damit Streck ins Gesicht. Das zugedröhnte Mädchen schaffte es, zu fliehen. Danach hatte er nichts mehr von ihr gehört. Geblieben war nur die Narbe unter seinem linken Auge, die jetzt wieder anfängt zu kribbeln.
»Und was willst du von mir? Die Sache ist schon ewig her, außerdem wollte sie ebenfalls ihren Spaß. Dass sie es sich anders überlegt hat, konnte ich ja nicht ahnen.« Streck versucht, den alten Mann zu ködern. »Was wollt ihr jetzt von mir? Geld? Dann binde mich los! Was du machst, ist Freiheitsberaubung und Körperverletzung. Nutz deine Chance und binde mich los!«
Von einem Moment auf den anderen lässt Herr Knecht die Schultern hängen, wirkt alt und müde. Sämtliche Energie scheint aus seinem Körper zu weichen.
Förster wähnt sich schon auf der Siegerstraße, überlegt, wie er den Alten gleich fertigmachen kann.
Doch der Bärtige hockt sich auf den verstaubten Blechboden, beobachtet Streck mit traurigem Blick. Ein leises Kratzen ist zu hören, als Knecht über die Bartstoppeln am Kinn schabt. Nachdenklich betrachtet er den Baseballschläger. »Nach dem Abend, als sie vor die geflohen ist, kam sie zu mir. Sie war völlig verzweifelt und mit Drogen zugedröhnt.«
Der Alte schaut auf, blickt Streck in die Augen. »Ich wollte nicht, dass jemand sie in diesem Zustand sieht. Also habe ich sie in ihrem Zimmer eingeschlossen. Ich wollte bei dem Entzug helfen, es gemeinsam mit ihr durchstehen. – Weißt du, nach dem Tod ihrer Mutter war Anne mein ein und alles. Ich wollte ihr helfen … Aber ich konnte es nicht.«
Tränen schießen ihm aus den Augen, sein ganzer Körper scheint vor seelischem Schmerz zu zucken. Es dauert einen Moment, dann wischt sich der alte Mann mit dem Handrücken durchs Gesicht.
Besorgt starrt Förster Annes Vater an. Fieberhaft überlegt er einen Weg, sich aus der Gefangenschaft zu befreien. Das Gesicht des Mannes, wo hat er es gesehen?
Knecht räuspert sich, scheint sich wieder beruhigt zu haben. »Es dauerte eine Weile, dann ging es Anne etwas besser. Sie bat mich, sie nach draußen zu lassen, um frische Luft zu schnappen.« Tief atmet der Alte ein. »Ich freute mich so sehr, dass wir das Schlimmste überstanden hatten und ließ sie in ihrem Lieblingskleid raus in den Garten. Während sie die Sonnenstrahlen genoss, backte ich ihren Lieblingskuchen: New York Cheesecake. Ich war so in die Arbeit vertieft, dass ich die Zeit vergaß. Bis es klingelte.«
Den Baseballschläger legt Annes Vater auf den Boden, reibt mit den Fingern über die Nasenwurzel. Als er fortfährt, zittert seine Stimme.
»Immer noch gutgelaunt ging ich zur Tür und öffnete. Eine Frau und ein Mann standen vor mir, wiesen sich als Polizeibeamte aus. Mein erster Gedanke war: Sie wissen von den Drogen und wollen Anne vernehmen. Ich bat sie herein. Dann erzählte die Frau, das meine Tochter tödlich verunglückt sei, von einem Zug erfasst. Nein, sagte ich, nicht mein Mädchen. Sprang auf, lief in den Garten und rief nach ihr. Ich suchte das ganze Grundstück nach ihr ab, fand aber nur einen Brief.«
In Gedanken scheint Knecht die schrecklichen Momente noch einmal durchzumachen.
Försters Magen zieht sich nervös zusammen, sein Mund wird trocken. Schlagartig fällt es ihm ein. Das Gesicht des Mannes, es geisterte damals durch alle Medien. Der Vater, dessen Tochter …
»Anne hat mir einen Abschiedsbrief im Garten hinterlassen. Darin stand, dass sie es nicht mehr aushalte. Sie wollte weg von den Drogen, konnte es aber nicht. In den Momenten der Klarheit sähe sie nur das Gesicht des Mannes, der ihr das angetan hat. Die Fratze des Monsters mit der Narbe. Und den Anblick ertrug sie nicht länger. Sie hat einen Ausweg gesucht, um endgültig Frieden zu finden.«
Langsam stemmt sich der alte Mann in die Höhe, sieht Förster jetzt mit klarem Blick an.
Der spürt den kalten Scheiß auf seiner Stirn, zerrt mit aller Kraft an den Fesseln.
»Mein kleines Mädchen hat sich das Leben genommen, weil es deine Schändung nicht mehr ertragen konnte. Jahrelang habe ich dich gesucht, um dich zur Rechenschaft zu ziehen. Ich wollte Gerechtigkeit, wollte sehen, wie du deine gerechte Strafe erhältst.« Er nestelt an seinem Parka, zieht Försters Waffe hervor. »Aber jetzt will ich keine Gerechtigkeit mehr, ich will nur noch Rache.« Langsam hebt er die Sig Sauer, zielt auf Strecks Kopf.
Dieter Thomas windet sich in den Seilen, sucht krampfhaft nach Worten. Seine Augen weiten sich, er blickt in die tödliche Mündung. Sieht den Feuerstoß, dann wird es dunkel. Für immer.

7+

6 thoughts on “Wenn der Paketbote zweimal klingelt

  1. Hey, die erste Hälfte Deiner Geschichte fand ich etwas langatmig, aber sie wurde dann spannender und interessanter. 👏
    Ich denke es wäre besser, wenn Du Deine Hauptfigur immer mit dem gleichen Namen benennen würdest und nicht einmal der Vorname, dann der Nachname, dann wieder der andere Vorname usw. 😉
    Ach ja und relativ am Ende hast Du ausversehen „Scheiß“ statt „Schweiß“ geschrieben.

    Vielleicht möchtest Du ja auch meine Geschichte „Stumme Wunden“ lesen. Das würde mich freuen. 😊

    Liebe Grüße Sarah! 👋 (insta: liondoll)

    1+
    1. Hallo Guntram

      (Geiler Name, aber das sagte ich ja bereits :))

      Ich mach es diesmal ganz kurz, weil ich ins Bett muss.

      Du hast mein Herzchen, weil ich deine Geschichte total genial und gelungen fand.

      Ich mag deine Story, deinen Stil und das coole Finale.

      Und „Bäng“.
      Schluss aus!

      Respekt und Kompliment.

      Eine wirklich gute und gelungene Story.

      So müssen Kurzgeschichten enden.
      Und nicht anders.

      Dir alles Liebe. Swen Artmann
      (Artsneurosia)

      „Die silberne Katze“

      1+

Schreibe einen Kommentar