Klara MaasWerk des Verstandes

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In dem Moment als sich ihre Blicke trafen, wusste der Psychiater, dass er längst verloren hatte. Dass es nichts mehr zu sagen gab, obwohl so viel Unausgesprochenes zwischen ihnen stand, doch den richtigen Zeitpunkt hatten sie längst verpasst. Die verquollenen Augen seines Gegenübers wandten sich wieder ab, konnten den Blickkontakt nicht länger aufrechterhalten. Nichts von alldem, was ihm in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen war, würde noch etwas verändern und so blieb er still. Still mit der Hoffnung dem Albtraum doch noch entfliehen zu können. Doch der Schuss löste sich, und nur wenige Augenblicke später, färbte sich die einst weiße Wand blutrot. Der leblose Körper kam mit einem dumpfen Poltern auf dem dunkelbraunen Parkett auf und dem Psychiater schien es, als würde sein ganzes Leben ihm nun endgültig entgleiten. Ein paar einzelne Tränen bahnten sich einen Weg über seine Wangen und der Mantel der Schuld legte sich so schwer auf seine Schultern, dass er sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte und so ebenfalls auf dem Boden aufkam.

Kian schrak auf, endlich fähig seiner Traumwelt zu entfliehen. Sein Atem war flach und er spürte noch immer das Adrenalin in seinem Blut. Der Psychiater setzte sich auf, strich sich mit beiden Händen über sein Gesicht, um sich die salzige Tränenflüssigkeit von den Wangen zu wischen. Langsam schien sich sein Atem und auch sein Herz wieder zu beruhigen. Er fühlte sich wie gerädert, die Nacht war wieder einmal zu kurz gewesen und der Whiskey zu viel. Kian beschloss Duschen zu gehen, in der Hoffnung den Albtraum und seine Erinnerungen, wenigstens für einen Augenblick, von sich spülen zu können. Einen Moment lang nicht die Last der Schuld auf seinen Schultern tragen zu müssen. Der Psychiater schwang die Beine über die Bettkante und wollte nach dem Wasserglas greifen, dass normalerweise auf seinem Nachttisch stand. Doch er griff ins Leere. Auch als sein Blick auf diesen fiel, stand dort kein Glas. Es lag lediglich ein Handy auf seinem Nachttisch. Doch genau das war das Problem, denn es gehörte ihm nicht. Sein Blut pulsierte wieder schneller durch seine Adern, denn schon seit Wochen war niemand anderes mehr außer ihm in seiner Wohnung gewesen. Doch bevor er weiter darüber nachdenken konnte, gab das Gerät einen Ton von sich. Es zeigte eine neue Nachricht an. Kians Neugier siegte über seine Vernunft, weshalb er sich darüber beugte, woraufhin sich das Handy entsperrte. Jemand musste ihn über eine Gesichtserkennung eingespeichert haben, was das Ganze nicht weniger schleierhaft machte. Doch das was sich auf dem Bildschirm automatisch abspielte, machte alles nur noch schlimmer. Seine Hände fingen an zu zittern und sein Herz fühlte sich an, als würde es gleich aus seiner Brust springen. Ehe er jedoch auch nur einen klaren Gedanken fassen konnte, verschwand das Video und der Bildschirm wurde schwarz. Seine sonst so feste Stimme fing an zu beben. „Nein… Das kann nicht sein…“ Hektisch griff er nach dem Smartphone und versuchte es wieder anzuschalten, doch das Display blieb schwarz. „Jetzt komm schon, geh an…“ Doch egal wie oft er versuchte das Handy wieder zum Laufen zu bekommen, seine Bemühungen blieben vergebens. „Verdammt nochmal!“ Seine Verzweiflung schlug kurzzeitig in Aggression um, weshalb er das Gerät gegen die Wand schleuderte. Das Alles kam ihm vor wie ein schlechter Scherz, er wollte es nicht wahrhaben, aber das Video spielte sich immer wieder vor seinem inneren Auge ab.

Er lief ins Bad und spritzte sich selbst kaltes Wasser ins Gesicht, in der Hoffnung seine Gedanken danach wieder ordnen zu können, doch weder diese, noch das Video verschwanden aus seinem Kopf. Hatte sein ehemaliger Patient nie Selbstmord begangen? Hatte der Psychiater ihm in Wahrheit womöglich die Kugel durch den Kopf gejagt? War er selbst Schuld an allem was passiert war? Plötzlich war Kian sich nicht mehr sicher, ob sich sein Patient wirklich selbst das Leben genommen hatte. Nie hatte er mit jemandem darüber geredet, der Psychiater hatte sich zurückgezogen und soziale Kontakte vermieden. Er schüttelte den Kopf und sah in den Spiegel. Tiefe Augenringe, spröde Lippen und sein einst dunkelbraunes Haar, was inzwischen zum größten Teil ergraut war, blitzten ihm entgegen, wenn er ehrlich war, sah er ziemlich fertig aus. So fertig, dass er sich selbst kaum wiedererkannte. „Ich bin kein Mörder… Ich kann kein Mörder sein…“ Er fuhr sich mit den Händen nochmals über sein Gesicht, in der Hoffnung noch immer in einem Albtraum gefangen zu sein und jeden Moment daraus aufzuwachen. Doch als er das nächste Mal in den Spiegel sah, konnte er seinen Augen noch weniger trauen. Denn seine Spiegelung war nicht die einzige, die er erblickte. Im Türrahmen stand niemand anderes als David. David, der sich in den Kopf geschossen hatte. David, dem er vielleicht selbst eine Kugel durch den Kopf gejagt hatte. David, dessen Namen er eigentlich nicht mehr in seine Gedanken lassen wollte. Allerdings sah der Tote alles andere als leblos aus, ganz im Gegenteil. Sein Anblick war das pure Leben, aber wahrscheinlich war Kian jetzt einfach vollkommen durchgedreht und fing auch noch an zu halluzinieren. Er schloss die Augen, in der Hoffnung, dass David wieder verschwinden würde. Keinesfalls wollte Kian jetzt auch noch die Fassung verlieren, denn anscheinend hatte ja schon sein Verstand daran glauben müssen, weshalb er tief durchatmete und das Bedürfnis unterdrückte, seinem ehemaligen Patienten in die Arme zu fallen. Der Psychiater drehte sich zu ihm um und wieder schwiegen beide, wie sie es damals getan hatten, nur mit dem Unterschied, dass keiner der beide eine Waffe in der Hand hielt. „Hallo Kian“, Die Fassade, die er bisher noch aufrechterhalten hatte, schien mit den ersten Worten von David nun endgültig anzufangen zu bröckeln. „Verschwinde… Du… du bist tot…“ Sein Gegenüber fing an zu Lächeln. „Dafür das ich tot sein soll, sehe ich noch ziemlich lebendig aus, findest du nicht?“ Der Psychiater fing nur noch mehr an zu zittern und versuchte wenigstens seine Hände wieder halbwegs ruhigzustellen, indem er sie zu Fäusten ballte, auch wenn dieser Versuch vergebens blieb. „Du hast dich vor meinen Augen… erschossen… Du kannst nicht hier sein… Das ist unmöglich…“ Die Situation setzte Kian ordentlich zu und langsam trieb ihm das Ganze wieder die Tränen in die Augen. „Ich habe mich nicht erschossen“, Der Psychiater schüttelte instinktiv den Kopf. „Nein… Ich war das nicht… Ich würde doch nie…“ Seine Augen waren inzwischen schon ganz glasig geworden und seine Stimme brach immer mehr, allerdings schien das sein Gegenüber nicht im Geringsten zu interessieren. „Würdest du nicht? Dann hab´ ich mir das wohl eingebildet oder wie darf ich mir das vorstellen?!“ Die Ruhe und Gelassenheit die David noch vor wenigen Augenblicken ausgestrahlt hatte, schienen verflogen und durch Aufgebrachtheit ersetzt worden zu sein. „Nein… Das ist ein Missverständnis… Kann überhaupt nicht sein…“ Kian überlegte fieberhaft, wie er beweisen konnte, dass er niemals geschossen hatte. Grade als David zu einem neuen Satz ansetzen wollte, kam dem Psychiater eine Idee. Noch bevor sein Gegenüber das erste Wort über seine Lippen gebracht hatte, eilte Kian an ihm vorbei in die Küche und schnappte sich sein eigenes Handy. Seine zitternden Finger brauchten einen Moment um seinen Pin einzutippen. Doch als er ihn bestätigte, entsperrte sich das Gerät nicht, auch zwei weitere Versuche zeigten das gleiche Ergebnis und sein Atem beschleunigte sich weiter. Das Einzige was ihm blieb, war sein Notfallkontakt. David war ihm inzwischen in die Küche gefolgt und sah alles andere als begeistert, als er das Smartphone in der Hand des Psychiaters sah. „Leg das Handy weg“ Kian schüttelte schnell den Kopf. „Nein… Ich beweis dir, dass ich das nicht war… Ich bin nicht schuld…“ Den letzten Satz murmelte er wohl eher zu sich selbst, bevor er seine letzte Hoffnung anrief. Er hielt sich sein Handy ans Ohr, versuchte sich auf das Piepen zu konzentrieren, um wieder etwas herunterzukommen, doch das hier war die letzte Möglichkeit, das letzte Rettungsboot, dass ihn aus dieser Katastrophe retten konnte. Umso länger das Geräusch an seinem Ohr anhielt, desto mehr Angst stieg in ihm auf und auch seine Hände wurden immer schwitziger. Doch schließlich, ein Knacken in der Leitung. „Tendler hier, mit wem spreche ich?“ Dem Psychiater fiel ein Stein vom Herzen, er war nicht verrückt und hatte auch niemanden erschossen und genau das würde dieses Gespräch beweisen, da war er sich sicher. Er stellte sein Handy auf Lautsprecher, bevor er ihr antwortete, um sicher zu sein, dass David auch jedes Wort hören würde. „Oh Gott, Sylvia ich bin so froh dich erreicht zu haben…“, Doch diese fiel ihm ins Wort, bevor er zu seinem Anliegen kommen konnte. „Wer sind sie und was wollen sie von mir?“
„Ich bin`s Kian Seitz, dein Chef. Hör mal, ich habe hier ein Problem mit…“
„Entschuldigen sie, aber sie müssen sich verwählt haben. Ich werde jetzt auflegen“ Sie schien sichtlich genervt von ihm zu sein, doch sie durfte jetzt auf keinen Fall das Gespräch beenden. „Nein… Sylvia, ich brauch deine Hilfe, wirklich. Du musst mir zuhören… bitte…“ Es war dringend, denn das Wort bitte war in ihrer Gegenwart nicht oft gefallen. „Ich kenne sie nicht und helfen kann ich ihnen sicherlich auch nicht, schönen Tag noch“ Inzwischen hörte man ihm die Verzweiflung deutlich an, die er anfangs hatte verbergen wollen. „Doch natürlich kennst du mich… Wir arbeiten doch schon jahrelang zusammen… Du bist sogar mit an die neue Klinik gekommen, als ich dort einen Job angenommen habe…“ Doch Kian bekam keine Antwort mehr. Das Gerät fing wieder an zu piepen, sie hatte aufgelegt. Nochmals versuchte er sie zu erreichen, allerdings hört er nur den Besetzton. Sylvia hatte seine Nummer blockiert und schien ihn nicht zu kennen. „Und wo ist jetzt dein Beweis, dass du mich nicht erschossen hast, hm?“ David lächelte verbittert und der Psychiater war nicht wirklich fähig eine Antwort auf die Frage zu finden. Sein Kopf war voll mit Gedanken, die wirr und ohne   Ordnung durch seinen Kopf schwirrten. Sie versuchten einen Weg zu finden, um zu beweisen, dass er nicht geschossen hatte. Lange Zeit hatte er geglaubt, dass er die schlimmste Stufe seines Schuldgefühls längst erreicht hatte, doch allein der Gedanke, dass es einer seiner Finger gewesen war, der abgedrückt hatte, bereitete ihm noch mehr Schmerz, als es das bisherige Gefühl je getan hatte. „Ich habe dich nicht erschossen…“ Seine Stimme glich der eines eingeschüchterten Kindes. Sein Gegenüber lachte verbittert auf. „Du bist schuld an allem. Deswegen habe ich mir eine gerechte Strafe für dich überlegt“, David fing an zu Grinsen und zog eine Waffe hervor. „Du kannst dich nicht länger vor deiner Schuld verstecken. Du bist das Monster, dass geschossen hat!“ Kian stiegen wieder die Tränen in die Augen und er machte ein paar Schritte auf David zu, um wenigstens etwas von der räumlichen Distanz zu verlieren. „Wir können das doch klären… Leg die Waffe weg, bitte…“ Sein Gegenüber schüttelte den Kopf und fing an auf Kian zu zielen, immer noch mit einem Grinsen im Gesicht. „Oh, du bist so ein verdammt guter Schauspieler, wenn es darum geht dich raus zu reden. Aber du hast verloren. Du kannst deine Maske fallen lassen, ich habe dich längst durchschaut“ Kian war sich in diesem Moment nicht mal sicher, wer von ihnen gerade mehr durchdrehte. Er war sich gewiss, egal was er sagen würde, dass es keinen Ausweg gab. Vielleicht war David im Recht, vielleicht war das Alles nur ein großes Missverständnis, aber wenn er eins gelernt hatte, dann das Schweigen der falsche Weg war. „Aber… Warum sollte ich auf dich geschossen haben?“, Kian schwieg einen Moment, bevor er leiser weitersprach. „Schließlich habe ich dich… geliebt…“ Er schluckte, denn wenn er ehrlich war, wusste der Psychiater nicht, ob er es nicht noch immer tat, ob die Gefühle vielleicht nie verschwunden waren. Sein Gegenüber schien weiterhin unbeeindruckt und legt den Finger bereits auf den Abzug, ohne auch nur einen Ton zu verlieren. „Bitte erklär mir doch, warum du denkst, dass ich geschossen habe…“ David seufzte genervt auf, aber machte schließlich doch den Mund auf. „Ich weiß warum du abgedrückt hast. Genauso wie du es weißt“
Der Psychiater schüttelte den Kopf. Denn woher sollte David Gründe kennen, über die er nie ein Wort verloren hatte. Und wenn er sich einer Sache sicher war, dann der, dass beide geschwiegen hatten. Die unerträgliche Stille war ihm im Gedächtnis geblieben, als Erinnerung. Eine der wenigen bei denen er sich sicher war, dass diese real sein musste. „Woher willst du das wissen? Wir haben beide geschwiegen…“ Sein Gegenüber fing wieder an zu Grinsen, als würde Kian behaupten, dass er herausgefunden hatte, dass eins plus eins, drei anstatt zwei ergeben würde. David ging noch ein paar Schritte auf ihn zu, drängte ihn, mit der Waffe in seinen ausgestreckten Armen, weiter in die Ecke. „Natürlich haben wir geschwiegen, aber ich kenne deine Gründe aus erster Hand, aus deiner um genau zu sein“, Wieder herrschte ein Moment der Stille, wohl eine Art Kunstpause die David einlegte, bis er schließlich hinzufügte: „Denn ich bin du“

Der Psychiater schluckte, wusste nicht genau was das zu bedeuten hatte. Doch bevor er nachhaken konnte, fiel ein Schuss. Kian kniff automatisch die Augen zu, wollte die Kugel nicht weiter auf ihn zufliegen sehen, der Knall allein reichte ihm schon, doch er spürte keinen stechenden Schmerz, wie erwartet und auch als er seine Augen öffnete, sah er keine Eintrittswunde. Als er seinen Blick allerdings zu David wandte, war sein Gesicht schmerzverzerrt und er sank langsam zu Boden. Der Psychiater sprang auf und kniete sich neben seinen ehemaligen Patienten. Er drückte eine Hand auf Davids Wunde. „Wir… Ich muss einen Krankenwagen rufen…“, total durch den Wind versuchte Kian mit seiner anderen Hand zu seinem Handy zu greifen, dass auf der Kücheninsel zum Liegen gekommen war. Doch David zog seine Hand zurück. „Lass das…“ Der Schmerz schwang in seiner Stimme mit, doch trotz dessen hörte man ihm an, wie ernst es ihm war. Bevor der Psychiater ihm allerdings ins Wort fallen konnte, sprach David weiter. „Hör mir zu… Uns bleibt nicht mehr viel Zeit…“ Er musste einen Moment durchatmen, es schien als würde es von Sekunde zu Sekunde schwerer für ihn werden weiterzusprechen. „Wenn ich keinen Krankenwagen rufe, dann stimmt das wohl…“ Kian griff zu einem seiner Küchenhandtücher und presste es auf die Wunde, auch wenn es schon nach wenigen Minuten komplett mit Blut durchtränkt sein würde. David schüttelt den Kopf leicht, schien sich erstmal wieder für einen Moment sammeln zu müssen. „Ein Krankenwagen ist sinnlos… Ich bin nicht real… Aber du bist es, David…“ Kian sah ihn unverständlich an, war sich nicht sicher, ob es an dem Blutverlust seines ehemaligen Patienten lag, dass er so wirres Zeug redete. „Ich bin nicht-“ Er hob seine Hand und legte Kian einen Finger auf die Lippen. „Doch… Du bist David… Kian existiert nur in deinem Kopf… Genauso wie ich…“, Es trieb dem Psychiater die Tränen in die Augen. „Ich muss gehen… Es kann keine zwei Davids geben…“, Kian fing an das Küchenhandtuch nur noch fester auf die Wunde zudrücken, wollte das Ganze nicht wahrhaben und ihn schon gar nicht gehen lassen. „Und woher kommt dann… das Video…?“ „Du… Wir sind Schauspieler…“, Kian brauchte einen Moment um zu realisieren, was das zu bedeuten hatte. Jetzt ließen sich seine Tränen endgültig nicht mehr aufhalten und die salzigen Tropfen fielen auf das Hemd, dass der Verblutende trug. „B…bitte geh nicht…“ David hob seine Mundwinkel nochmal leicht an, schloss dann allerdings die Augen und murmelte ein letztes: „Mach´s gut…“ Er schüttelte den Kopf und ihm entwich ein leises: „Nein…“ Er war wieder allein, das spürte er. David war nicht mehr hier, jetzt gab es nur noch ihn. Langsam nahm er das Küchentuch von der Wunde und bevor er überhaupt realisieren konnte, was passiert war, klingelte es. Achtlos ließ er das Tuch fallen und trottete wie in Trance in Richtung seiner Wohnungstür. „Kian, alles in Ordnung bei dir??“ Die Stimme vor der Tür klang besorgt und bekannt. Er öffnete müde und sah dem Mann, der vor der Tür stand in die Augen. „Ich bin nicht Kian… Sondern David“ Die Sorge im Gesicht des Mannes schien von einem Moment auf den anderen zu weichen und wurde durch ein erleichtertes Strahlen ersetzt. Kurz darauf fiel er David in die Arme, verharrte ein paar Minuten so mit ihm und hob ihn anschließend hoch. David fühlte sich bei ihm wohl und er kannte seinen Geruch, hatte ihn schon mehr als einmal wahrgenommen. Er spürte Leichtigkeit, als wäre der Mantel der Schuld nun endgültig von seinen Schultern gefallen. „Ich bring dich erstmal ins Bett, damit du dich ausruhen kannst, ja?“, David nickte zustimmend, der Mann setzte sich in Bewegung und der Schauspieler merkte erst jetzt wie sehr ihn all das mitgenommen hatte, schloss für einen Augenblick die Augen, um dieses Gefühl des Angekommen seins für immer in seinen Erinnerungen zu behalten. David war wohl endgültig aus seinem Albtraum aufgewacht. Der Mann legte ihn schließlich auf dem Bett ab, lächelte ihm zu und legte die Decke über ihn. „Ich bin froh, dass du endlich wieder da bist, aber sag mal… Warum ist das Küchentuch so rot?“ Davids Puls schnellte sofort wieder in die Höhe, er starrte sein Gegenüber an, wusste nicht, ob es eine gute oder schlechte Nachricht für ihn war, denn anscheinend war nicht alles das Werk seines Verstandes gewesen.

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