Lui.EDas Missverständnis

 

Nick Bomian hatte zwei Probleme.

Eines waren die Hustenanfälle, die seit einer Woche immer häufiger wurden und die zwischenzeitlich versiegenden Schmerzen in Kopf, Brust und Bauch zurückbrachten.

Das Andere war das Smartphone, welches er vor einigen Minuten auf der Fensterbank seines weit geöffneten Schlafzimmerfensters gefunden hatte. Zuerst hatte er angenommen, sein eigenes Handy, welches ihm vor ein paar Tagen abhanden gekommen war, hätte auf irgendeine merkwürdige Weise den Weg zu ihm zurückgefunden. Doch stellte sich bei näherer Betrachtung heraus, dass es sich um das eines Fremden handelte. Ähnliche Modelle von unterschiedlichen Firmen, mit unterschiedlichen Anbietern. Außerdem besaß es im Gegensatz zu seinem eigenen keinen Sperrbildschirm. Und statt der abstrusen Wolkenformation, die er photographiert und als Hintergrundbild gewählt hatte, zeigte dieses auf dem Startbildschirm ein Photo von ihm. Es war von draußen durch das offen stehende Küchenfenster hindurch aufgenommen worden und zeigte ihn nichtsahnend beim Abendbrot.

Nick hatte befürchtet, dass sein ständiges Lüften in einer Erdgeschosswohnung zum Problem werden könnte, spätestens als sein Handy verschwunden war. Doch war es unabdinglich.

Denn wenn er eines mehr als Diebe fürchtete, dann war es der Fluch seiner Mutter.

Vor dessen Rückkehr ängstigte sich Nick ohnehin seit der Husten wieder eingesetzt hatte, wenn es also je einen ungünstigen Zeitpunkt gegeben hatte, um seine Mutter zu provozieren, dann war es jetzt.

Vor ein paar Jahren noch hatte sich Nick mit seiner pflegebedürftigen Mutter eine Wohnung geteilt, die etwas größer und trotzdem nicht wesentlich teurer als seine jetzige Bleibe gewesen war.

Darin hatte sie ihre eigene kleine Schlafkammer besessen. In den zwei Jahren ihres Zusammenlebens hatte Ma’s Atem immer mehr geklungen, als würde man zwei Streifen Sandpapier aneinanderreiben. Und je bettlägeriger sie wurde, desto wertvoller wurde dieses Zimmer, auch in Nicks Augen.

Er hatte es immer gut mit ihr gemeint. Sie wusste das. Bis zu ihrem Ende hatte sie ihren Sohn als eine treue Seele gesehen, die nur etwas zu dumm und zu faul für das Leben war.

Oft hatte sie gescherzt, sie möge den Film ‚Psycho‘ deshalb so sehr, weil sich Norman Bates über den Tod hinaus mit gebührender Hingabe um seine Mutter gekümmert hätte. Und oh, sie liebte den Film tatsächlich, Nick hatte ihn sich sicher drei dutzend Mal mit ihr angeschaut.

Dabei war ihm der Twist nie eingeleuchtet. Nicht der Twist, den ihm Ma zu erklären versuchte, jedenfalls. Für ihn war es immer eine Geschichte echter Besessenheit gewesen, in dem der Geist der Mutter buchstäblich Besitz von Norman Bates ergriff.

Nicks Mutter führte das auf seinen Mangel an Intellekt zurück. Nick hingegen hatte das Gefühl, der Einzige zu sein, der den Film richtig verstand.

Sicher, mit dem Essen hätte sich ihr Nicki mehr Mühe geben können. Auch die Wohnung war ihr nie sauber genug. Und obwohl sie in den selben vier Wänden gelebt hatten, sahen sie sich ihrer Meinung nach nicht oft genug.

Seiner Meinung nach wiederum hatte sich jemand, der sich so wenig bewegte wie sie in ihren letzten Jahren, nicht über den vorherrschenden Grad an Ordnung in der Wohnung zu beschweren.

Und dann hatte sie ständig gewollt, dass gelüftet wurde!

„In dem Kämmerchen riecht es nach Tod, Nicki. Merkst du das nicht?“, hatte sie zu lamentieren gepflegt. Zu ihrem Bedauern lautete die Antwort auf ihre Frage ‚Nein‘. Er merkte es nicht. Für ihn war es nicht mehr als die Macke einer zunehmend wunderlichen alten Frau.

Und so endete das Schleifen ihres Atems schließlich hinter geschlossenen Fenstern.

Seitdem dankte sie ihm so viel Ignoranz den letzten Bitten gegenüber, indem sie ihn krank machte, wann immer er diesen nicht posthum nachkam.

Also hatte er zu lüften begonnen. Sowie das tägliche Aufräumen und Staubwischen. Nur in ihrer Schlafkammer hatte sich ihr Zorn dadurch nicht mildern lassen. Ein Problem, das er durch eine fortan verschlossene Zimmertür und einen baldigen Umzug zu vergessen versuchte.

Zugegeben, in der aktuellen Wohnung hatte er das mit dem täglichen Aufräumen nicht lange durchgehalten. Und auch das Sauber Machen beschränkte sich nurmehr auf Tischplatten und Arbeitsflächen. Dafür lüftete er umso intensiver. Ob Ma das als Ausgleich akzeptierte?

Nick räusperte sich und hatte das Gefühl, sich selbst bis zum Zwerchfell hinab entzweizureißen.

Der Schmerz mischte sich mit Übelkeit als er die Galerie auf dem gefundenen Handy öffnete.

Was er zu entdecken gehofft hatte, wusste er nicht. Vielleicht Belege, die gegen seine Ahnung sprachen, dass man ihn beobachtete. Beweise für irgendeine andere Erklärung als Stalking.

Er sah sich selbst beim Zähneputzen. Beim Duschen. Beim zu Bett Gehen. Wie er das Haus verließ.

Alles von außen nach innen photographiert, oft während es draußen bereits zu dämmern anfing und er innen das Licht eingeschaltet hatte. Manche Bilder waren unscharf, aber auf allen war ohne jeden Zweifel Nick zu erkennen.

Er zuckte zusammen, als dröhnend lautes Husten ertönte. Die Vibrationen ließen keinen anderen Schluss zu, als dass es aus dem Smartphone in seinen Händen stammte. Am oberen Bildschirmrand wurde ihm eine neue Nachricht angezeigt. Er schaute nach.

Der nächste Schock erschütterte als Hustanfall sein Innerstes. Nach Luft ringend hielt er sich den Brustkorb, in dem seine Lunge brannte.

Wie viel ich auch lüfte, am Ende kriegt sie mich doch.

Absender der SMS war Nick Bomian.

In einem Akt hilfloser Verzweiflung schleuderte er das Handy von sich. Mit einem Knall traf es die Wand hinter dem Bett und rutschte darunter.

„Wenn der Fluch tatsächlich in voller Stärke wiederkehrt, dann müssen auch die Male zu sehen sein!“, rief er aus, sprang auf und begann wie im Wahn danach zu suchen.

Die Male – schwarze Schlieren, die schon zu Mutters Lebzeiten wie dunkle Omen in den Ecken gelauert und sich, nachdem sie starb, im Raum ausgebreitet hatten wie der Krebs zuvor in Ma’s Körper.

Sie hatten sich zum sichtbar gewordenen Zorn seiner verstorbenen Mutter entwickelt. Ein Finger, der noch aus dem Jenseits auf den nachlässigen Sohn deutete und mahnte: „Deine Sünde bleibt nicht ungestraft!“

Nach ihrem Ableben hatte Nick das Kämmerchen nur noch ein einziges Mal betreten, ohne binnen Sekunden zu flüchten. Das war, als er die Schlieren eilig übermalt hatte, um die Wohnung seinem potentiellen Nachmieter präsentieren zu können. Der hatte sich ihm damals kumpelhaft als Alb vorgestellt, eine Runde durch alle Räume gedreht und dann nach dem Mietvertrag gefragt.

Kurz darauf hatte Nick die Umzugskartons packen können. Denn zur Wohnungsbesichtigung hatte es nach frischer Farbe gerochen, nicht nach Tod.

Doch nun waren die Male auch in dieser Wohnung. Die ersten fand Nick hinter den Badezimmerschränkchen. Die nächsten in der Küche, hinter Spüle und Kühlschrank.

„Ma, wieso?!“

Mit einem kläglichen Laut ließ er sich auf den Boden sinken. Von wo auch immer ihm sein Doppelgänger die Nachricht geschickt hatte, er hatte recht. Der Fluch war ihm gefolgt.

Das aufsteigende Schluchzen blieb ihm im Hals stecken, als er erneut das Husten aus dem Schlafzimmer hörte.

Mit bangem Herzen folgte er dem Geräusch. Als er unter das Bett kroch, um das Telefon hervorzuholen, entdeckte er einen weiteren Fleck an der Wand. Und noch einen, an der beunruhigend feuchten Unterseite der Matratze. Vorsichtig griff er nach dem Handy, als handelte es sich dabei um eine bissige Kanalratte.

Eine neue SMS von Nick Bomian. Er öffnete sie.

Diese Photos sind nicht Beweis genug.

Das waren mehr als nur die Worte seines Doppelgängers.

Grübelnd starrte Nick auf die Nachricht, doch gaben die Buchstaben keine Quelle preis. Eine Weile saß er da, durchforstete sein Gedächtnis. Und stieß schließlich auf eine potentielle Verbindung zu seiner Vergangenheit.

Diese Photos sind nicht Beweis genug.

War das nicht eines der Argumente seines Anwalts gewesen, als ihn sein Nachmieter verklagt hatte?

Ein reichlich drastischer Schritt für jemanden, der vorgab so entspannt zu sein wie Alb – oder Albert Richards, wie Nick ihn fortan zu nennen hatte.

Und der Richter hatte zugestimmt. Dass die Photos von den schimmelbefallenen Wänden kein Beweis dafür wären, dass es schon zuvor einen Befall gegeben habe, der in böswilliger Absicht vom Vormieter vertuscht worden sei.

Jetzt erinnerte er sich. Als ihn Richards damit konfrontierte, hatte sich Nick der ältesten Lüge der Welt bedient, angstvoll wie ein Kind, das sich unweit einer zerschlagenen Scheibe fand:

Das war ich nicht.

Sein Anwalt – genauer gesagt, der Anwalt seiner Mutter, der seiner befreundeten Mandantin nach deren Tod einen letzten Dienst erwies, indem er ihren Sohn verteidigte, für den er inzwischen eigentlich eine Preisklasse zu hoch lag – machte diese Lüge gerichtstauglich. Ein hinzugezogener Experte stellte bei einer Untersuchung des Schlafkämmerchens rasch fest, dass die Bausubstanz anfällig für Schimmelpilze war. Ab da war es ein Leichtes gewesen, die Verantwortung an den Vermieter weiterzureichen.

Für Richards war dadurch eine nicht unwesentliche Mietminderung herumgekommen. Nicht aber ein erhofftes Schmerzensgeld wegen des Gesundheitsrisikos, welchem man ihn wissentlich – nur eben nicht nachweislich wissentlich – ausgesetzt hatte, von den dadurch entstandenen Folgeschäden ganz zu Schweigen.

Und so hatten am Ende Nachmieter und Vermieter mit den Zähnen geknirscht, während Nick sauber aus der Nummer herausgekommen war. Denn Richards‘ Photos hatten nur Schlieren auf einer kürzlich erst gestrichenen Schlafzimmerwand gezeigt. Von dem Myzel eine Farbschicht tiefer verrieten sie nichts. Als Beweise hatten sie nicht getaugt.

Doch was wollte man Nick mit dieser Nachricht sagen? Wofür waren diese Photos nicht Beweis genug? Für welche Tat? Ausgeführt von welchem Täter?

Bevor er sich darüber den Kopf zerbrechen konnte, drang erneutes Keuchen aus dem Handy. Jetzt, da er es zum dritten Mal vernahm, kam ihm auch das Husten unangenehm vertraut vor. So wie der Mann auf den Photos und der Inhalt der Nachrichten.

Nick schielte zum weit geöffneten Fenster hinüber. Hörte man seine Stimme so laut, wenn man draußen an seiner Wohnung vorbeiging? Er hatte sich darüber nie Gedanken gemacht, war in dieser Gegend doch ohnehin nur selten jemand zu Fuß unterwegs. Wohin sollte man auch gehen, hier am Stadtrand gab es nichts. Keinen Park, keinen Supermarkt in unmittelbarer Nähe. Das hatte ihn an dieser Wohnung gerade gereizt, hinten die Stadt und vorne die Abgeschiedenheit.

Und irgendwo dazwischen ein Verrückter, der meine Gespräche mit mir und Mutter hören kann“, murmelte Nick und drehte das Smartphone zwischen seinen Fingern hin und her.

Es brauchte erst ein weiteres Husten (und jetzt war er sich sicher, dass es sich dabei um sein eigenes handelte!), bevor er sich dazu durchringen konnte, auf den Touchscreen zu sehen.

Eine neue SMS. Und ein per Whatsapp zugeschickter Standort.

Großartig. „Zuerst die SMS, dann der Standort“, beschloss er und öffnete die Kurznachricht:

Das Einzige, was den Fluch noch aufhalten kann, ist ein Besuch bei Mutters letztem Kämmerchen.

Es war gut, dass man ihm den Standort geschickt hatte, ohne diesen hätte Nick die letzte SMS wohl nicht verstanden. Eine halbe Stunde später schlich er durch die Reihen des örtlichen Friedhofs.

Er wollte gleichzeitig niemals und so schnell wie möglich an ihrem Grab ankommen. Er schritt sie ab, die letzten Ruhestätten dutzender Fremder, von denen keiner heute Besuch erhielt. Und endlich war die Ankunft unvermeidlich.

„Hey Ma, ich weiß, ist schon ’ne Weile her“, sagte er, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Außer zu den üblichen Feiertagen blieb auch ihre Ruhestätte so verwaist wie die der Dutzend Fremden heute. Die eine Bitte, die er ihr schuldig blieb.

„Bist du deshalb so sauer? Weil ich nicht oft genug hier bin? Verfolgt mich dein Fluch, weil du mich nicht oft genug siehst?“

Hinter ihm hustete jemand.

Nick drehte sich so heftig um, dass es schien, als würde er gewaltsam herumgerissen.

Wenige Schritte von ihm entfernt stand Alb.

Auch er hatte die Hände in den Hosentaschen versteckt, doch hatten seine geröteten Augen etwas Lauerndes. Wie die eines Raubtiers, das den Weg eines unbekannten Artgenossen kreuzte.

„Vorschlag, Bomian“, sagte Alb, während er etwas aus seiner Tasche zog. „Dein Handy gegen meins. Oder möchtest du beide behalten? Damit wir uns wieder vor Gericht sehen?“

Und tatsächlich, was er ihm jetzt entgegenhielt, war Nicks eigenes Smartphone. Sein Blick huschte hektisch hin und her zwischen dem Gerät und dem Mann, der es hielt.

„Was hat das zu bedeuten?“, fragte Nick mit einer Stimme, die so heiser war wie die seines Gegenübers. Dieser steckte mit einem Seufzen das Handy wieder weg.

„Was soll ich dir schon großartig erzählen, Nick? Ich dachte, es würde dir ganz gut tun, was von deiner eigenen Medizin zu kosten. Vielleicht entwickelst du dann mal sowas wie Empathie“, Alb räusperte sich, dann spuckte er ins Gras, was auch immer er in den Tiefen seines Inneren von der Wand gekratzt hatte. „Jetzt stehst du da, mit deinen behämmerten Photos. Und keins davon beweist auch nur einen einzigen meiner Einbrüche bei dir. Keines belegt, was ich dir mitgebracht habe. Über deinem kompletten Kühlschrankinhalt verteilt habe, auf deiner Kleidung, den Klinken, der Zahnbürste..“

Nick musste sich übergeben. Der Würgereflex entfesselte einen Hustanfall, der ihm in Magen und Lunge stach.

„ ..nicht, wie ich mich darum bemühte, den Schimmel auch in deiner neuen Wohnung anzusiedeln, wann immer du zur Arbeit gingst. Das war kein leichtes Unterfangen, Nick. Er gedeiht bei deinen momentanen Gewohnheiten nicht annähernd so gut, wie unter denen in der Bude, die du mir angedreht hast. Ein paar Kolonien sind mir aber doch geglückt. Hast du sie schon entdeckt?“

Allmählich klang das Jucken tief in seinem Rachen ab. Nick schleppte sich zur nächsten Bank und ließ sich darauffallen. Richards folgte ihm langsam, ohne ihn mit weiteren Details zu verschonen.

„Meine Idee wuchs schneller als der Schimmel auszurotten war“, fuhr er jetzt in seinem kumpelhaften Ton fort. „Für jeden Besuch bei dir, hab ich was von meiner Wand geerntet. Sicher, pro Besuch war das nicht viel. Aber dafür waren es umso mehr Besuche.“

Er ließ sich neben Nick nieder. Wieder hielt er ihm das Handy hin, den Mund zu einem Grinsen verzogen, das nicht bis in die Augen aufstieg.

„Wenn es sein muss, zerr‘ uns beide wieder vor Gericht. Wer weiß, vielleicht komme ich ja damit durch. Schließlich bist du damals auch ungestraft davongekommen.“

Zögernd nahm ihm Nick das Smartphone ab. Erneut räusperte sich Alb und spuckte aus, bevor er mit ernster Miene fortfuhr.

„Aber wenn du nur etwas Anstand besitzt, tust du es nicht. Wir wissen beide, dass du es verdient hattest. Und jetzt, da die Rechnung beglichen ist, hat sich die Sache für mich erledigt. Wenns nach mir geht, gehen wir nach diesem Gespräch auseinander und sehen uns nie wieder. Aber das hängt ganz von dir ab. Davon, ob du das Wasser wieder aufwühlen willst, das sich gerade beruhigt.“

Nick zwang sich, den Blick von Alberts tränenden Augen zu lösen, in denen sich die hellblaue Iris geisterhaft gegen die rote Lederhaut absetzte.

Die Worte nahm er kaum noch wahr. Es war das Kratzen in der Stimme, das immer deutlicher wurde und damit seine Aufmerksamkeit für sich beanspruchte.

„Fast als würde man Sandpapier an Sandpapier reiben“, murmelte Nick und musste abermals husten. Die roten Augen sahen ihn fragend an.

„Deine Stimme!“, versuchte Nick sich zu erklären. „Heißt das, sie sucht dich ebenfalls heim? Ich dachte, sie täte das nur bei mir! Liegt es nicht an mir?“, mit einem Ausdruck zunehmender Verstörung wandte er sich wieder Richards zu. „Wieso sollte sie einen Fremden heimsuchen? Das ergibt doch keinen Sinn, das muss ein Irrtum sein! Kehren denn die schwarzen Male auch immernoch wieder?“

Alb verschränkte die Arme.

„Das Zeug heißt Schimmel, Mann. Tu nicht so als wüsstest du nichts mehr davon.“

„Ja, darüber kommuniziert Ma ihre Anwesenheit. So zeigt sich ihr Fluch.“

„Das hat nichts mit deiner Mutter zu tun!“

„Warum sind wir dann hier?“, rief Nick und zeigte Richtung Grab. Noch bevor Richards darauf reagieren konnte, setzte er nach: „Sucht sie auch dein Smartphone heim?“

Statt zu antworten musterte Alb ihn eingehend. Langsam ließ er die Arme sinken, während er weiter Nicks zitternder Stimme lauschte.

„Ich weiß, wir hatten unsere Differenzen, aber wenn der Fluch nicht nur mich betrifft, wenn sie uns beide verfolgt, dann sollten wir uns verbünden. Vielleicht können wir ihn brechen, wenn wir nur zusammenarbeiten!“

Abrupt stand Albert auf, als Nick nach seinem Arm greifen wollte.

„Du bist doch…“, begann er und wich einen Schritt zurück. Doch ließ ihn Nicks Anblick, wie er da verloren auf der Friedhofsbank kauerte, innehalten. Wieder betrachtete er ihn, zerbiss sich die Lippe, während er nach irgendeinem Zeichen der Täuschung suchte. Als Nick wieder das Wort ergreifen wollte, hielt Alb ihn mit einem Kopfschütteln davon ab.

„Hieß es in deiner letzten Nachricht nicht, dass der Fluch endet, sobald du sie noch einmal bei ihrem Grab besuchst? Das hast du jetzt! Also geh heim, tu was gegen den Schimmel und alles wird gut.“

Nick wollte sein Smartphone in die Tasche stecken, wo es klackend gegen das fremde Handy stieß. Er nahm beide in die Hand und betrachtete sie nachdenklich.

„Ich weiß nicht. Vielleicht hast du recht und ich habe das alles verdient. Mir war ja nicht bewusst, dass sich der Fluch übertragen lässt..“

„Vertrau mir, jetzt ist es vorbei“, unterbrach ihn Alb, bevor er sich zum Gehen wandte. Ein letztes Mal hielt er inne. „Dann brauchst du auch endlich nicht mehr so exzessiv zu lüften. Es ist gefährlich, rund um die Uhr das Fenster offen zu lassen!“

Damit verschwand er hinter der nächsten Gruft.

Nick blieb noch eine Weile sitzen, hustete von Zeit und Zeit und meinte, er verstünde Alberts Abschiedsworte.

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