Stefanie 1234Ich

3+

 

Kapitel 1

 

 

 

Langsam, ganz langsam, bewegt sie sich auf ihn zu. Nur ein leises Quietschen ihrer Schuhe ist zu hören. Schritt für Schritt kommt sie immer näher. Sein Brustkorb hebt und senkt sich bei jedem Atemzug. Auf und ab, regelmäßig wie der Sekundenzeiger der Uhr. So friedlich, wie er da liegt. Er strahlt eine Ruhe aus, die sie schon lange nicht mehr gespürt hat.

 

Unweigerlich hält sie die Luft an, je näher sie kommt. Ein innerlicher Druck baut sich auf, der aber sofort wieder nachlässt, sobald sie ihren Gedanken freien Lauf lässt.

 

Ihre Gedanken sind klar und strukturiert. Jeden Handgriff hat sie im Kopf mehrmals durchgespielt, nichts, wirklich gar nichts, darf sie, will sie, dem Zufall überlassen. Noch ein letztes Mal geht sie jeden einzelnen Schritt, jede Bewegung, in ihrem Kopf durch. Der Film, in dem sie die Hauptrolle spielt, ist auf Sendung, klar und deutlich in Bild und Ton.

 

„Perfekt“ flüstert sie so leise, dass man es kaum hören konnte. Der perfekte Zeitpunkt war nun gekommen. Und wer sie besser kennt, der weiß, dass alles was sie anfasst, perfekt ist, perfekt sein muss.

 

Ein letztes Mal greift sie in ihre Manteltasche und nickt zufrieden. Es kann losgehen. Klappe die 5te, Action…

 

 

 

Kapitel 2

 

 

 

Sophia sitzt auf ihrem Platz in der U-Bahn. Es ist immer der gleiche Platz, und das seit vielen Jahren. Ihr Arbeitsweg ist seit vielen Jahren immer der gleiche.

 

Das Gefühl der Erschöpfung macht sich in Sophia breit, eine lange Arbeitsnacht ist endlich zu Ende gegangen. Ihr Rücken schmerzt und der Kopf dröhnt.

 

Wie ein Film im Schnelldurchlauf, zischen Häuser, Straßen und Bäume an ihr vorbei. Schwindel und Übelkeit sind die Folge und sie muss ihren Kopf abwenden und ihre Augen schließen.

 

Das gleichmäßige Rattern auf den U-Bahnschienen beruhigt Sophia und die Übelkeit lässt nach.

 

Sie weiß, bald begibt sich die U-Bahn wieder unter die Erde und verschwindet in den unendlichen Tiefen des Untergrundsystems. Der Ausflug ans Tageslicht ist immer nur ein kurzer.

 

Als sie ihre Augen öffnet erblickt sie im Augenwinkel eine junge Frau, ganz in schwarz gekleidet mit einem Kapuzenpulli, den sie sich tief ins Gesicht gezogen hat. Sie hat sie zuvor nicht bemerkt, oder hat sie sich, während Sophia die Augen geschlossen hatte, auf den Platz schräg hinter ihr gesetzt? Auch wenn sie ihr Gesicht nicht sehen konnte und ihr sonstiges Outfit auf einen Mann hindeuten könnte, so wusste sie, dass es sich um eine Frau handeln muss. Die zarten Hände und der feine rote Nagellack darauf, waren für Sophia Indiz genug. Sie kann sich keine Antwort darauf geben, woher diese Frau kam, und weshalb sie diese nicht bemerkt hatte, und diese Tatsache bereitet ihr nun ein wenig Unbehagen.

 

Normalerweise registriert sie immer alle Personen, die in der U-Bahn ein- und aussteigen, wie diese gekleidet sind, ob sie aufs Handy starren oder sich mit Stöpseln in den Ohren das Hirn wegblasen, denn so laut ist die Musik, dass man gut durch den ganzen Waggon hören kann. In der Früh, wenn sie von der Arbeit auf den Nachhauseweg ist, ist nie viel los, da kann man sich leicht jedes Gesicht merken.

 

Ihre Kopfschmerzen dürften doch stärker als gedacht sein, denkt sie sich, wenn ihre Wahrnehmung heute schon so beeinträchtigt ist.

 

Sophia beugt sich nach vorne und greift nach ihrer Tasche, die sie vor sich auf den Boden gestellt hat. Sie hebt die Tasche auf ihren Schoß, zieht den Reißverschluss der Tasche auf und rührt kräftig darin um. Es ist jedes Mal das Gleiche, nie findet sie in ihrer Tasche das was sie gerade braucht.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit hat sie endlich das kleine goldene Täschchen gefunden, in dem sie ihre Medikamente für unterwegs aufbewahrt. Abermals öffnet sie auch diesen Reißverschluss und fingert ein Ibuprofen heraus. Vorsichtig drückt sie Tablette durch die dünne Folie und steckt sie sich in den Mund. Anschließend holt sie eine unscheinbare Flasche aus ihrer aus der Tasche, dreht den Verschluss auf und nimmt einen kräftigen Schluck. Oh, wie Sophia dieses Gefühl liebt, wenn der ganze Rachen bis in die Speiseröhre brennt und sie spüren kann, wie sich die Flüssigkeit ihren Weg in den Magen bahnt. Sie nimmt noch einen Schluck und verstaut dann alles wieder, beugt sich nach vorne und stellt die Tasche auf den Boden.

 

Als Sophia sich wieder aufrichtet, bemerkt sie, dass die U-Bahn sich schon längst wieder unter die Erden begeben hat, und die Durchsage sagt ihr, dass sie an der nächste Haltestelle schon aussteigen muss. Komisch, so abwesend war sie noch nie bei ihrer Heimfahrt gewesen.

 

Es kostet sie ziemliche Mühe, sich von ihrem Sitzplatz zu erheben. Sie fasst an die Stange und zieht sich daran hoch. Als sie sich umdreht, sieht sie, dass der Platz, an dem zuvor die schwarzgekleidete Frau saß, leer ist. Genau so unscheinbar wie sie erschienen ist, ist sie auch wieder verschwunden. „Eigenartig“, denkt sich Sophia, und abermals macht sie ein ungutes Gefühl in ihr breit, das einen ungeheuren Druck auf ihre Brust ausübt und ihr Herz schneller schlagen lässt. Intuitiv greift sie, als Beruhigung, auf ihren Brustkorb und lässt ihre Hand für ein paar Atemzüge dort verweilen.

 

Sophia dreht sich um und will gerade Richtung Ausstieg gehen, da fällt ihr Blick auf den Sitzplatz, auf dem zuvor die schwarze Unbekannte saß. Ein Handy liegt auf der Sitzfläche. Ihr Blick hebt sich und streift durch den Waggon. Nirgends konnte sie die Frau sehen, der vermutlich dieses Handy gehören könnte.

 

Im ersten Moment überlegt Sophia, das Handy einfach liegen zu lassen und sich nicht weiter Gedanken darüber zu machen. Sie war schon bereit zum Ausstieg zu gehen, als eine innere Stimme, eine innere Kraft, sie davon abhält und ihr leise zuflüstert: „Nimm es!“. Kurz versucht sich Sophia dagegen zu wehren. Dann macht sich Schwäche in ihr breit, sie beugt sich vor, nimmt das Handy und lässt in ihrer Jackentasche verschwinden.

 

Sodann, als wäre nichts gewesen, drückt sie auf den Halteknopf, und eine halbe Minute später hält die U-Bahn, die Türe öffnet mit einem lauten Piepton und Sophia steigt aus.

 

Die rechte Hand wandert in ihre Jackentasche, und sie spürt das Telefon, das sie soeben darin verschwinden hat lassen.

 

Nun umfasst Sophia ein schlechtes Gewissen. „Was habe ich getan? Warum um alles in der Welt habe ich ein fremdes Handy einfach eingesteckt und mitgenommen?“ Ihre Gewissensbisse sind so stark, dass sie es sofort nachdem sie sich zuhause etwas frisch gemacht hat, zum Fundbüro bringen will.

 

Irgendwie geistesabwesend, bahnt sich Sophia ihren Weg zu ihrer kleinen, aber schicken Dachgeschosswohnung. Kurz bevor sie Zuhause ankommt, scheint das Ibuprofen Gott sei Dank seine Wirkung zu entfalten, da der unglaubliche Druck im hinteren Teil ihres Schädels endlich ein wenig nachlässt und ihre Gedanken etwas klarer werden lässt.

 

Ihr Wohnhaus hat vier Stockwerke aber keinen Lift. Normalerweise sprintet Sophia regelrecht die Treppen zu ihrer Einzimmerwohnung hinauf, doch heute scheint es so, als wäre ein Klotz an ihrem Bein festgemacht, der sie daran hindert, auch nur irgendwie an ihre Wohnungstüre zu gelangen.

 

Als sie es nach einer gefühlten Ewigkeit und dem Gefühl einen Halbmarathon gelaufen zu sein, dann noch geschafft hat, geht die Suche nach ihrem Schlüssel los. Sie durchwühlt abermals ihrer Handtasche, jedoch ist der Schlüssel nirgends zu finden. Sie greift in ihre Jackentaschen und spürt auf einmal wieder das Handy, das sie zuvor aus der U-Bahn einfach mitgenommen hat. Schon fast hätte sie diesen Teil des Tages vergessen.

 

In diesem Moment, als Sophias Hand in ihrer Jackentasche das Telefon fest umfasst, vibriert es.

 

Sophia durchfährt es wie ein Blitz und lässt sie erstarren.

 

Vorsichtig zieht sie das Handy heraus und wirft das erste Mal, seit sie es eingesteckt hatte, einen Blick darauf.

 

Das Display ist schwarz, nur ein kleiner Punkt blinkt am oberen rechten Rand und zeigt an, dass eine Nachricht eingegangen ist.

 

Wie ferngesteuert wischt Sophia über den Touchscreen und zu ihrer Verwunderung ist das Handy durch kein Passwort geschützt. Ein leise Klicken lässt vernehmen, dass die Tastensperre erfolgreich entsperrt wurde.

 

Ein unauffälliger Displayhintergrund kam zum Vorschein, was ja so gesehen nichts Ungewöhnliches ist. Jedoch was äußerst seltsam war, ist, dass keine Apps, Programme, Spiele oder Sonstiges auf diesem Smartphone installiert waren. Das war eigenartig, da heutzutage die Handys vor Apps und dergleichen übergehen, obwohl gut die Hälfte kaum bis nie benutzt wird. Lediglich ein grünes Kästchen mit einem kleinen weißen Hörer in einer Sprechblase war zu sehen. Jeder kennt diese App, die seit Jahren von fast jedem benutzt wird. Ein kleiner roter Kreis am oberen rechten Eck des grünen Quadrats zeigt an, dass eine Nachricht eingegangen war.

 

Sophia ist innerlich hin und her gerissen und die Gedanken steigen auf ein Karussell auf, das nun immer schneller und schneller wird.

 

„Was hat das alles zu bedeuten? Warum finde gerade ich dieses Handy? Wer ist diese Frau aus der U-Bahn? Warum lässt sie ihr Telefon liegen und platziert doch so einladend? Warum habe ich es eingesteckt? Soll ich die Nachricht öffnen und lesen?“

 

Die Gedanken spielen in Sophias Kopf verrückt, doch plötzlich nimmt eine klare Stimme in ihr die Überhand. Eine doch sehr bekannte und vertraute Stimme flüstert ihr zu: „Öffne diese Nachricht! Tu es! Das hat etwas zu bedeuten. Nichts geschieht ohne Grund!“ Die Stimme wird immer lauter und vehementer, Sophia hält es kaum mehr aus, der Druck wird immer stärker und sie kann sich nicht mehr dagegen wehren. Sie gehorcht der inneren Stimme, schon wieder, und drückt mit dem Zeigefinger auf das What´s App Symbol.

 

Eine einzige Nummer erscheint und ein Zeichen, das wie ein Berg aussieht und daneben die Worte „Foto“, zeigen an, dass ein Bild geschickt wurde.

 

Ein weiteres Mal kämpfen Sophias Gedanken, aber die Stimme behält auch dieses Mal die Oberhand und gewinnt den Kampf.

 

Sie drückt auf die Zeile und ein Bild erscheint.

 

Jedoch was sie hier zu sehen bekommt, lässt ihr das Blut in den Adern gefrieren, ihr Herz scheint ein paar Schläge ausgesetzt zu haben und Sophia ringt nach Luft.

 

 

 

Kapitel 3

 

 

 

Sie schiebt ihre Kapuze ein wenig zurück, um besser sehen zu können. Das Spektakel, dass sich ihr hier bot war, ein Augenschmaus.

 

Der Türspion gab gerade so viel frei, dass sie alles sehen konnte, was sie sehen wollte und musste. Der Spion diente ihr als perfektes Versteck. 

 

Seit einigen Wochen wohnt sie nun schon in dieser Wohnung, aber Sophia hat sie noch nie bemerkt. Keines Blickes hat sie sie je gewürdigt, wenn sie sich im Stiegenhaus begegnet sind.

 

„So eine Bitch“, denkt sie sich. „Hättest ein wenig besser auf das, was um dich herum passiert, achten müssen, dann würdest du wissen, dass ich jeden deiner Schritte kenne. Ich weiß, wann dein Wecker klingelt, denn der ist so laut, dass man ihn auch im Erdgeschoß noch hören kann. Ich weiß, wann du außer Haus gehst, welchen Weg du zur U-Bahn nimmst. Ich weiß, was in deiner unscheinbaren Flasche drinnen ist. Zu deinem Glück riecht man Vodka nicht, aber die vielen Flaschen, die du jeden Freitag zum Altglas bringst, haben es mir verraten.

 

Und ja, ich weiß, wo du arbeitest, was du dort Nacht für Nacht anrichtest und dass du mein Leben zerstört hast. Aber das hat nun ein Ende, der Tag der Rache ist gekommen, und du wirst dir wünschen nie geboren worden zu sein. Ich bin, ich werde, dein schlimmster Alptraum sein.

 

Sie sieht Sophia wie sie nach Luft schnappt, in ihre Tasche greift und die obligatorische unscheinbare Flasche herausholt und in einem Zug austrinkt. Ach, meine Liebe, wenn du nur wissen würdest, dass du dich nicht verstecken kannst.

 

 

 

Kapitel 4

 

 

 

Sophia greift in ihre

 

Tasche, holt die unscheinbare Flasche heraus und trinkt sie in einem Zug aus. Ihr Hals brennt wie Feuer, aber das ist vergleichbar mit dem, was sie sehen bekam, milde.

 

„Nein, nein, das kann nicht sein! Wie ist das möglich? Was mache ich hier? Wer ist dieser Mann im Bett? Wieso habe ich eine Spritze in der Hand? Wieso hat diese Frau ein Handy mit einem Foto von mir? Wieso passiert das alles hier?“

 

So viele Fragen in Sophias Kopf, aber keine einzige Antwort bekommt sie.

 

Eine Panikattacke bahnt sich ihren Weg an die Oberfläche und Sophias muss schnell reagieren. Mit zittriger Hand durchwühlt sie ihre Jackentasche, während sie in der anderen Hand das Handy festhält. Sie zieht den Schlüssel heraus und versucht verzweifelt das Schlüsselloch zu finden. Ein Schleier hat sich über ihre Augen gelegt, der es ihr fast unmöglich macht klar zu sehen. Endlich hat Sophias Hand das Loch gefunden, sie steckt den Schlüssel rein, dreht in einmal nach rechts und öffnet die Türe. Beinahe stolpert sie über ihr Fußmatte und kann sich gerade noch am Garderobenregal abstützen.

 

Sophia richtet sich auf und will die Türe schließen, aber ein Fuß im Türspalt verhindert dies.

 

„Was zum Teufel…!“, schreit sie und im selben Moment wird sie mit einem Ruck nach hinten geschleudert. Ihr Kopf schlägt am Schuhregal auf und sie verliert kurz das Bewusstsein. Es dürften nur ein Paar Sekunden gewesen sein, weil auf einmal die Frau aus der U-Bahn vor ihr stand und mit einem hämischen Lächeln angrinst.

 

„Wer bist du?“, fragt Sophia benommen. „Was willst du von mir?“

 

„Ach meine Liebe“, antwortet die Frau „du bist ein erbärmliches Häufchen Elend. Du hast keine Ahnung wer ich bin und was ich von dir will.“

 

„Wovon sprichst du? Und warum hast du das Handy in der U-Bahn liegen gelassen, sodass ich es finde. Und wieso hast du gewusst, dass ich es einstecken würde? Und was zum Teufel mache ich in einem Krankenzimmer mit einer Spritze in der Hand?“. So viele Fragen sprudeln nur so aus Sophias Mund heraus, als ihre Gedanken nach dem Sturz wieder etwas klarer wurden.

 

Der Blick der Unbekannten verfinstert sich immer mehr, je mehr Fragen Sophia stellt. Ihre zarten Hände ballen sich zu Fäusten und Adern treten heraus.

 

Sophia versucht sich aufzurappeln, aber die Frau gibt ihr abermals einen Stoß mit dem Fuß. Diesmal in die Magengegend und Sophias krümmt sich vor Schmerzen.

 

„Du weißt also nicht wer ich bin, dann sage ich es dir!“, schreit die Unbekannte und ein weiterer Schlag in den Magen folgt. Sophias muss sich übergeben.

 

„Die Person, die du auf dem Foto siehst, ist mein Ehemann. Er lag im Koma. Er lag in deiner Klinik, auf deiner Station, in der du als Nachschwester arbeitest. Um näher bei ihm zu sein, habe ich mich bei der Sicherheitsfirma beworben, die in der Klinik angestellt ist. Seit dem Amoklauf vor einem Jahr, wurde diese Firma engagiert. Ich bin zuständig für deine Station und mache jede Nacht meine Rundgänge.

 

Eines Nachts sah ich jemanden im Zimmer meines Mannes stehen, mit einer Spritze in der Hand. Diese Person injizierte die Flüssigkeit aus der Spritze in den Zulauf des Infusionsbeutel. Die Spitze steckte sie ein und entsorgte diese im Hof, als sie Pause machte, in einer der Mülltonnen.

 

Es war sehr ungewöhnlich für mich. Ich erkundigte mich, ob mein Mann in der Nacht auch Medikamente bekommt, und die Schwestern verneinten dies.

 

Die Nacht darauf geschah es wieder und es sollte nicht die letzte Nacht bleiben.

 

Es ließ mir keine Ruhe, wer diese Person war. Weshalb kommt jede nach jemand zu meinem Mann ins Zimmer. Doch leider konnte ich nie das Gesicht erkennen, jedoch wusste ich, aufgrund der Kleidung, dass es sich um einen Mitarbeiter handeln muss.

 

So versteckte ich mich eine Nacht im Schrank, im Zimmer meines Mannes und wartete. Ich stand mehrere Stunden darin, bekam kaum Luft und die Ruhe in diesem Raum machte mich fast verrückt. Mein Mann lag nur so da und regte sich kein bisschen. Lediglich der Monitor für die Vitalwerte zeigte an, dass er noch lebte. Fest in der Hand hielt ich mein Telefon, um die Person abzulichten, die jede Nacht in das Zimmer meines geliebten Mannes schlich.

 

Als ich schon dachte, diese Nacht passiert nichts, ging die Tür zum Krankenzimmer auf und eine Frau in einem weißen Kittel, vermutlich eine Schwester, kam herein. Ihr Blick war starr. Langsam bewegte sie sich aufs Krankenbett zu und hielt nochmal inne. Ein leises Flüstern war zu vernehmen, aber ich konnte nicht ausmachen was sie sagte. Sicheren Schrittes bewegte sie sich immer näher ans Bett, griff in ihre Manteltasche und holte eine Spritze heraus. Den Inhalt spritzte sie in den Zulauf der Infusion. In diesem Moment löste ich den Auslöser der Kamera aus und fing diesen erschaudernden Akt ein. Das hämische Grinsen im Gesicht dieser Frau stellte mir die Nackenhaare auf. Was zum Teufel macht sie hier nur.

 

Nach vollzogener Tat drehte die Krankenschwester um und verließ das Zimmer. 

 

Außer Atem, dass ich nun endlich ein Bild hatte, stieg ich aus meinem Versteck heraus. Nun musste ich nur noch die Spritze aus dem Kübel holen, um nachweisen zu können, was in der Spitze war. Gott sei Dank kenne ich jemanden in einem Labor der mir dabei helfen konnte. Deine Identität hatte ich schnell herausgefunden, da ich Zugang zu den Personalakten hatte.“

 

„Wie“, fragte ich verwundert nach dem Monolog der Unbekannten, „das kann nicht sein, du musst dich irren, das war ich nicht, das ist ein Fake.“ Schön langsam ließen die Schmerzen im Bauch wieder etwas nach.

 

„Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, was du gemacht hast. Was du meinem Mann angetan hast!“, schreit die Unbekannte Sophia an und zieht sie an ihren Haaren hoch.

 

Sophia stöhnt vor Schmerzen, während sie an ihren Haaren zum Küchentisch gezerrt wird und dann mit einem kräftigen Stoß auf einen Sessel gedrückt wird.

 

„Ich schwöre, ich weiß nicht wovon du sprichst. Ja ich bin Krankenschwester. Und ja ich arbeite fast ausschließlich nachts, aber ich würde niemals etwas tun, das einem anderen schaden könnte!“, schwor Sophia verzweifelt.

 

Plötzlich zückt die Unbekannte ein Messer und hält es Sophia an die Kehle. „Das glaub ich dir nicht!“, presst sie hervor.

 

„Ok na gut, ich gebe zu, ich trinke ab und zu mal gerne, aber niemals in der Arbeit, ich schwöre!“, gibt Sophia stotternd von sich, das Messer an ihrem Hals, macht ihr das Denken und Sprechen nicht gerade leichter.

 

„Zu wenig!“, schreit die Frau und übt noch mehr Druck mit dem Messer aus. „Ich sage dir wer du bist und was du gemacht hast!“ Der Druck lies nach und sie sprach weiter. „Aufgrund meiner Beziehungen, konnte ich schnell herausfinden, dass es sich um starke Drogen handelte, die du meinem Mann verabreicht hast. Eines Tages hörten die nächtlichen Besuche bei ihm auf.

 

Ich begann dich zu beobachten, verfolgte jeden deiner Schritte und zog sogar in die Wohnung gegenüber ein. Aber du selbstsüchtiges Miststück hast mich kein einziges Mal bemerkt, nicht mal angesehen hast du mich, als wir uns im Stiegenhaus begegnet sind.

 

Und wie durch ein Wunder erwachte mein Mann nach einigen Tagen aus dem Koma und er konnte bald nach Hause entlassen werden. Jedoch war es nicht mein Mann, der nach Hause kam. Er war verändert, konnte nicht schlafen, sprach von Stimmen in seinem Kopf, die ihm Dinge befehlen. Eine Abklärung beim Arzt ergab, dass mein Mann unter einer starken, durch Drogenkonsum verursachte, Schizophrenie leidet. Sein Krankheitsbild hat sich soweit verschlechtert, dass er angefangen hat mich zu schlagen, jede Nacht ist er über mich hergefallen und hat mich grün und blau geprügelt. Die Stimmen haben es ihm so befohlen!“

 

Sophias Augen weiten sich, sie kann nicht glauben was sie da hört. Sie soll dafür verantwortlich sein. Nein, unmöglich.

 

Gerade als Sophia antworten möchte, verfinstert sich die Miene die Unbekannten, jegliche Emotion wich aus ihrem Gesicht. Monoton und mit einer Ruhe in der Stimme die einen das Blut in den Adern gefrieren lässt, sagte sie nur: „Du  hast mir meinen Mann genommen, du hast mein Leben zerstört und dafür bezahlst du nun!“

 

Sie hob das Messer und stach zu.

 

 

 

Kapitel 5

 

 

 

Sophia fuhr hoch und fand sich in einem sterilen Zimmer, ohne Fenster, wieder und bekam kaum Luft. Panik stieg in ihr hoch und sie begann zu schreien.

 

Es dauerte nur ein paar Sekunden, da stand ein junger Mann in ihrem Zimmer. Ganz in weiß gekleidet. Er kam auf Sophia zu.

 

„Ich habe etwas schlimmes getan, immer und immer wieder. Die Stimmen in meinem Kopf sind so laut. Ich kann mich nicht dagegen wehren. Ich wurde getötet. Bitte hilf mir!“

 

Die Sätze aus Sophias Mund ergaben für den jungen Mann, einen Pfleger, keinen Sinn. Er antwortete nur „Sophia, leg dich hin, ich hole die Ärztin, sie soll dir Medikamente geben. Du hast wieder einen schizophrenen Schub.“

 

Der Pfleger verlies das Zimmer und lies Sophia alleine zurück.

 

Auf einmal brach alles über Sophia zusammen. Ein Schleier legte sich über ihr Gesicht und ihre Gedanken.

 

Die Tür ging abermals auf und diesmal trat die Ärztin herein.

 

„Sophia, Fabian hat mir erzählt, du hast wieder einen Schub. Moment das haben wir gleich. Gleich geht es dir wieder besser.“

 

Der Schleier war so trüb, dass Sophia nicht genau erkennen konnte, wer vor ihr stand. Die Frau fuhr mit ihrer Hand in Kitteltasche. Und plötzlich erkannte sie die zarten Hände mit dem roten Nagellack

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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