Theresa MerzendorferIm Schatten der Vergangenheit

6+

Selten hatte er noch Zeit für seinen Sohn. Spaziergänge zu zweit, wie sie ihn heute machten, fanden fast gar nicht mehr statt. Die Rechnungen wurden nicht weniger und das große Haus in dem edlen Hamburger Vorort bezahlte sich nicht von alleine. Oliver arbeitete rund um die Uhr, um seiner Familie das Leben zu ermöglichen, das er früher nie hatte. Seine Familie, das sind seine Frau Elena, eine wunderschöne Halbitalienerin, bei der er es selbst nicht für möglich gehalten hätte, landen zu können und sein Sohn Leo, der das Glück der beiden vor 5 Jahren krönte. „Schau mal was ich gefunden habe!“, riss ihn aus seinen Gedanken. Leo rannte aufgeregt auf ihn zu und streckte ihm einen Gegenstand entgegen, den er in seinen kleinen Händen hielt. Oliver vermutete den hundertsten Stein, der bald Leos Zimmer schmücken würde. Stolz übergab Leo seinem Vater das Fundstück. Entgegen seiner Erwartungen handelte es sich um ein Handy, nicht das neuste Modell, aber neu genug, um mit einer Pinsperre versehen sein zu können. Lange konnte es jedenfalls noch nicht im Wald liegen, denn es hatte noch Akku. Mit der Sicherheit nahm es der Besitzer wohl auch nicht so ernst, es lies sich nämlich ohne Pin entsperren. „Darf ich es jetzt behalten? Was man findet darf man nämlich behalten!“, quengelte Leo ungeduldig, während er an Olivers Pullover zog. „Wir sehen nach, ob wir herausfinden, wem das Handy gehört. Sicher vermisst es schon jemand.“, murmelte Oliver ihm zu, während er diverse Apps öffnete, um an Informationen zu kommen. Da ihm die Nachrichten zu privat erschienen, öffnete er zuerst die Fotos. Zwei Personen lachten in die Kamera. Oliver fröstelte beim Anblick des Bildes, obwohl es ein warmer Nachmittag im Juli war. Er hielt die Hand vor den Bildschirm, um das Bild ohne Spiegelung durch die Sonne genauer zu betrachten. Jahrzehnte hatte er nicht mehr an den alten Mann, der ihm vom Foto entgegen lächelte, gedacht und jegliche Gedanken an ihn, direkt im Keim erstickt.

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Zitternd setzte sie die Spritze in ihrer Kniekehle an, die einzige Stelle ihres Körpers, die noch nicht durch den jahrelangen Drogenkonsum vernarbt war. Bald könnte sie sich Gedanken machen, wo an ihrem Körper noch Platz für den nächsten Schuss sei. Binnen Sekunden setzte die Wirkung der Droge ein, unterband das Zittern und ließ sie endlich wieder einen klaren Gedanken fassen. Monatelang hatte sie Oliver Scheerbaum beobachtet und seinen Tagesablauf studiert. An diesem schönen Sonntag machte er endlich wieder einen Spaziergang im Wald hinter seinem Wohngebiet. Sie wusste genau welche Wege er und sein Sohn nehmen würden. Schnell war sie vorausgeeilt, um das Handy so zu platzieren, dass er es sogar blind hätte finden müssen. Einige Male hatte sie es wieder aufgehoben, um es anders zu drapieren, bis ihr die Position schließlich gefiel. Anschließend war sie in den Wald verschwunden, um geschützt durch die Bäume zu beobachten, wie er das Handy fand. Zu gerne hätte sie seinen Gesichtsausdruck gesehen, wenn er das Handy öffnet und binnen Sekunden in seine Vergangenheit gerissen wird. Das schöne Leben im Schein wie ein Kartenhaus zusammenbricht und ihm die Angst fortan im Nacken sitzt. Leider hatte sie es nicht so lange ausgehalten. Oliver und sein Sohn hatten sich Zeit gelassen und die Sucht drängte sie, zu gehen. Die Gefahr entdeckt zu werden, war mit Suchterscheinungen und Gedanken, die sich nicht mehr ordnen ließen, einfach zu groß. So musste sie ohne zu wissen, ob Oliver das Handy finden würde, gehen, um das Zittern und die Schweißausbrüche zu beenden – wenigstens für eine kurze Zeit.

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Gelähmt vor Angst hatte er das Handy eingesteckt und den Spaziergang abgebrochen. „Das erzählen wir aber nicht der Mama. Was wir gefunden haben bleibt unser Geheimnis. Versprichst du mir das Leo?“ Leo hatte eifrig zugestimmt, weil er es spannend fand etwas zu haben, das es nur zwischen seinem Vater und ihm gab. Oliver hatte sich geschworen, seinen Sohn nie zum lügen zu zwingen und trotzdem sah er keinen anderen Ausweg. Waren es doch die Lügen und das erzwungene Schweigen, die ihm das Leben so schwer gemacht hatten. Oliver ermahnte sich ruhig zu bleiben und den restlichen Tag, wie versprochen mit seiner Familie zu verbringen. Nach dem Abendessen, wenn Leo im Bett war und Elena ihre Lieblingsserie schaute, konnte er in sein Arbeitszimmer verschwinden und das Handy genauer inspizieren. Vielleicht war das alles auch nur ein Missverständnis und er verwechselte das Foto mit einem Bild aus seiner Vergangenheit, das es nur noch in seinem Kopf gab.

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Die Wirkung der Drogen hielt an und sie fühlte sich sicher und stark. Sie musste herausfinden, ob er das Handy gefunden hatte. Angst, dass es jemand anders gefunden haben könnte, hatte sie nicht. Es war äußerst unwahrscheinlich, dass jemand zu genau dieser Zeit spazieren ging. Außerdem würden die Daten und Fotos niemandem außer Oliver Scheerbaum auf die Sprünge helfen. Oliver Scheerbaum. Wie lange hatte sie gebraucht ihn zu finden. Er war in ihren Augen der Grund für ihr zerstörtes Leben. Ein Leben gezeichnet von Drogen, Problemen und Scheitern. Ein Leben alleine, ohne soziale Kontakte. Ein Leben das eigentlich nicht lebenswert erschien. Sie schob die düsteren Gedanken beiseite, schließlich würde bald alles was ihr widerfahren war, gesühnt werden. Sie kroch aus ihrem Versteck, das sich in einem Park befand, in dem sie nachts schlief. In einer dunklen Nische unter einer Fußgängerbrücke versteckte sie die wenigen Dinge, die sie noch besaß. Auch das war Olivers Schuld. Kein richtiges Zuhause und keinerlei Hab und Gut, während er im Geld schwamm und sich jeden Wunsch erfüllen konnte. Sie machte sich auf den Weg zu Olivers Villa.

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Der Nachmittag erschien ihm wie eine Ewigkeit. Leo und er waren nach Hause gekommen und Elena wartete bereits mit Kaffee. Leo hatte sein Wort gehalten und kein Wort über das Handy verloren. Das Wetter war wundervoll und die kleine Familie saß in ihrem Garten und genoß die Wärme der letzten Sonnenstrahlen. Oliver konnte immer noch keinen klaren Gedanken fassen. Zu gerne wäre er nach oben gegangen, um sich endlich dem Handy zu widmen, aber das konnte er seiner Frau nicht antun. Monatelang hatte sie sich auf ein Wochenende mit ihm und ohne Arbeit gefreut. Elena nutzte die Zeit und erzählte eifrig, wie sie den Garten umgestalten möchte und welche Arbeiten am Haus fällig waren. Oliver nickte ab und zu, während seine Gedanken schon längst in seiner dunklen Vergangenheit gefangen waren.

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Als sie ankam, saß Olivers Familie im Garten. Sie schlich um das Grundstück, um sich an einer besonders günstigen Stelle, von der sie alles im Blick hatte, die sie aber durch große Büsche unsichtbar werden ließ, niederzulassen. War Oliver gestresster als sonst? Seine Frau schien auf ihn einzureden, doch er machte nicht den Eindruck als würde er zuhören. Weil er das Handy gefunden hatte? Oder war er einfach nur empathielos und uninteressiert, wie in den letzten Wochen auch, als sie hier in den Büschen saß und beobachtete, wie Elena um jeden Preis nach der Aufmerksamkeit ihres Mannes verlangte. Sie musste unbedingt herausfinden, ob er das Handy gefunden hatte und falls ja, ob er ihre Botschaft verstand und ihm die Angst, dass seine Vergangenheit ihn einholen würde, bereits die Luft abschnürte.

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Nach dem Abendessen hatte Oliver die erste Möglichkeit genutzt, um in sein Arbeitszimmer zu verschwinden. Mit zittrigen Händen fingerte er umständlich das Handy aus seiner Hosentasche. Während er es sich in seinen Arbeitssessel gemütlich machte, lauschte er, ob sich im Haus noch etwas tat. Nachdem keine Geräusche zu ihm durchdrangen, entsperrte er das Handy und dasselbe Gesicht starrte ihn von einem Foto an. Oliver schloss die Augen, Angst stieg in ihm auf, er betete, dass sich das Bild geändert hätte. Er öffnet die Augen – nichts hatte sich verändert. Der Mann mit den grau melierten Haaren lächelte in die Kamera. Er hatte seinen Arm um einen Jungen gelegt, nicht älter als 15 Jahre. Sanfte Lachfalten umrahmten das Gesicht des Mannes. Alles nur Schein dachte Oliver, der es die ganze Zeit ahnte. Das Foto zeigte ihn und seinen längst vergessenen Vater. Panisch wischte er durch die Bilder, doch statt besser, wurde es nur schlimmer. Das nächste Foto zeigte sein Elternhaus. Fast hätte er das marode Bauernhaus mit großem Grundstück vergessen. Alle Erinnerungen kehrten schlagartig zurück und nehmen ihm die Luft zum atmen.

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Nachdem sie die Familie noch einige Zeit beobachtet hatte, war sie sich sicher. Oliver hatte das Handy gefunden. Seine typische Ignoranz, die sie in den letzten Monaten beobachten konnte, war Panik gewichen. Sie war sich sicher. Bald würde er für alles bezahlen, was ihr widerfahren war.

So viel Zeit und Mühe hatte sie investiert, um ihn zu finden. Hatte monatelang Menschen befragt und recherchiert, um ihn aufzuspüren. Nur durch Zufall traf sie jene redselige, alte Dame, die ihr den alles entscheidenden Tipp gab. Danach fügten sich die Teile wie bei einem Puzzle und keine zwei Wochen später, sah sie ihn zum ersten Mal wieder. Gesucht hatte sie Robert Wagner. Gefunden hatte sie Oliver Scheerbaum. Kein Namenswechsel könnte vergessen machen, was er ihr angetan hatte.

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An Schlaf war nicht zu denken. Als er Elena ruhig neben sich atmen hörte, stand er leise auf und schlich sich erneut in sein Arbeitszimmer. Das Handy hatte er in eine Schublade gesperrt, wo er es lautlos hervorzog. Wieder und wieder starrte er auf die Bilder. Das falsche Lächeln löste auch heute, zwanzig Jahre später, Wut in ihm aus. Er sollte das Handy finden. Er sollte wissen, dass es jemanden gibt, der sein dunkelstes Geheimnis kennt. Doch was wollte diese Person? Geld? Er musste bedacht vorgehen und herausfinden, wer sein Geheimnis entdeckt hatte. Die einzige Person, die davon wusste war lang tot. Trotz zahlreicher Überlegungen fand er nicht den Fehler, den er bei der Vertuschung seiner Vergangenheit gemacht haben musste. Seinen Namen hatte er damals schnell ändern können. Seinen offiziellen Namen ließ er in seinem Ausweis gegen seinen zweiten Vornamen, den niemand kannte, tauschen und nachdem er Elena kennengelernt hatte und mit der Heirat ihren Namen annahm, war auch der letzte Rest aus seiner Vergangenheit verschwunden. Aus Robert Oliver Wagner wurde Oliver Scheerbaum. Familie gab es nicht und den Bezug zu seinem Elternhaus, hatte er durch unzählige Scheinverkäufe längst verwischt. Nach der Hochzeit hatte Elenas Vater seine Karriere vorangetrieben und durch seine guten Kontakte, wurde nie nach Zeugnissen oder Leistungsnachweisen aus früheren Zeiten gefragt. Oliver hatte seine Chance genutzt und war beruflich weit gekommen. Wenn ihn seine Vergangenheit nun einholen würde, wäre alles umsonst gewesen. Oliver würde alles verlieren – seine Familie, seinen Beruf, sein Geld, sein Haus, seinen Ruf. Nur der Gedanke daran versetzt Oliver einen harten Stich.

Der Gedanke, dass das Haus der Eltern der einzige Anhaltspunkt wäre, um ihn mit dem Grauen, das dort geschah, in Verbindung zu bringen, macht ihn fast verrückt. „Ich muss zurück und alles vernichten, was noch zu finden sein könnte“, schießt es ihm durch den Kopf. Doch wie soll er seiner Familie den Alleingang ins neunhundert Kilometer entfernte Bayern zu seinem Elternhaus nur erklären? Eine Geschäftsreise?

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Während sie ziellos durch das Villenviertel lief überschlugen sich ihre Gedanken. Sie war sich sicher, dass Oliver die Botschaft verstanden hatte. Sie versuchte die Euphorie über ihr Gelingen zu unterdrücken, um keinen Fehler zu machen. Was würde Oliver als nächstes tun? Durch ihre Recherche hatte sie herausgefunden, dass das Haus immer noch in seinem Besitz war. Es war nicht einfach gewesen herauszufinden, wem das Haus mittlerweile gehörte, aber sie hatte es trotz ihrer Probleme mit den Drogen in Erfahrung bringen können. Sie war fast ein wenig stolz. „Eins muss man ihm ja lassen – intelligent ist er, hat das Haus so oft für Scheinbeträge verkauft, dass er fast seine Spur verwischt hätte.“, murmelte sie gedankenverloren vor sich hin.  Sie war ihm dicht auf den Fersen. Sobald sie wusste, was seine nächsten Schritte sein würden, wäre der Rest ein Leichtes. Wenn sie erst einmal mit ihm fertig war, würde ein neues Leben beginnen. Ein neues Leben, ohne die dunkle Vergangenheit, ohne Schmerz, Angst, Leid und vor allem ohne die verfluchten Drogen.

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Alles um ihn herum schien in Dunkelheit gehüllt zu sein. Er hörte sich selbst atmen und die Haare in seinem Nacken begannen sich aufzustellen. Langsam nahm er eine nach der anderen Stufe, die Hand fest um das Geländer geklammert, um auf den morschen Holztreppen nicht zu stolpern. Unten im Keller sah er einen schwachen Lichtkegel, der aus einem der Zimmer durch den Spalt der Tür schien. Kurz bevor er das Ende der Treppe erreicht hatte, hörte er ein Geräusch. Er hielt die Luft an und umklammerte das Geländer so fest, dass seine Knöchel sich weiß verfärbten. Nachdem er das Geräusch der Wanduhr, die drei Uhr nachts schlug, oben im Wohnzimmer zuordnen konnte, trat er die letzten Stufen hinab und schlich lautlos zu dem Zimmer, in dem er jemanden vermutete. Vorsichtig lauschte er an der Tür. Als er nichts hörte, drückte er die in die Jahre gekommene Tür einen Spalt auf. Ein übelerregender Gestank stieg ihm in die Nase. Einen Gestank, den er nicht einordnen konnte. Eine Mischung aus feuchtem Gemäuer, Fäkalien und einem undefinierbaren, unangenehm süßlich riechenden Geruch. Es fiel ihm schwer zu atmen und trotzdem wagte er einen Blick in den Raum. Übelkeit. In seinen Ohren begann es zu rauschen. Er musste sich übergeben. Hätte gerne geschrien, doch die Stimme versagte. „Oliver! Oliver! Was hast du denn?“, riss es ihn aus seinem Traum. Elena hatte das Nachtlicht angeschaltet und schaute ihn besorgt an. „Hast du schlecht geträumt? Geht es dir nicht gut?“, fragte sie. Oliver blinzelte. Der dunkle Keller war seinem modernen Schlafzimmer gewichen. Er fühle kalten Schweiß auf seiner Stirn. „Alles gut Liebling! Das war nur ein böser Traum. Schlaf bitte weiter.“, flüsterte er Elena zu. Nachdem seine Frau das Licht gelöscht hatte, starrte er an die Decke. „Ein böser Traum…“, dachte er, „ …wie schön, wenn es nur ein böser Traum wäre. Jene Nacht im Keller war der Beginn eines Alptraums. Eines realen Alptraums.“.

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Nachts war es kalt geworden. Unruhig hatte sie sich in ihrem Schlafsack hin und her geworfen. Die Konfrontation mit der Vergangenheit, setzte auch ihr sichtlich zu. Sie hatte von ihm geträumt. Von jener Nacht, in der er sie verraten hatte. Jene Nacht, die ihr Leben zerstört hatte. Gerädert war sie aus ihrem Versteck im Park gekrochen, um sich für den Tag vorzubereiten, was in ihrer Situation nicht so einfach war. Es war noch sehr früh und wie jeden Morgen, machte sie sich auf den Weg zu einem nahegelegenen Badesee. Der See „Hinterm Horn“ befand sich am Rande Hamburgs, nicht weit von Olivers Wohnort und ihrem nächtlichen Lager entfernt. Morgens war meistens noch nicht viel los. Meistens war sie gedankenverloren einige Schritte im Sand am Ufer gelaufen, bevor sie unauffällig in die kleine Dusche, die für Badegäste bereitstand, verschwand. Trotz ihrer prekären Situation und den Drogen war ein ordentliches Erscheinungsbild wichtig – viel zu groß die Gefahr, bei ihrer Spionage in Olivers edlem Vorort aufzufallen. Das lauwarme Wasser war angenehm und ließ sie die kühle Nacht vergessen. Ihre Gedanken drehten sich ohnehin nur um ein einziges Thema, nämlich Oliver und seine nächsten Schritte. Sie war sich fast sicher, dass er zurückkehren würde, um Spuren zu beseitigen. Sie wollte dort auf ihn warten. Auch wenn sie keine hundertprozentige Sicherheit hatte, dass er das Haus seiner Eltern aufsuchen würde, musste sie es versuchen. Sie musste sich auf ihr Gefühl verlassen. Nachmittags würde sie noch einmal beim Haus der Scherbaums vorbeischauen, um an mögliche neue Informationen zu kommen.

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Oliver saß der Schrecken der Nacht immer noch in den Knochen. Nach seinem Traum war es ihm nicht mehr möglich gewesen, auch nur an Schlaf zu denken. Immer wieder rissen ihn seine Gedanken in die Vergangenheit, die er so gerne begraben hätte. Die Gesichter der Mädchen schwebten vor seinem inneren Auge und ließen sich einfach nicht mehr vertreiben. Diese unschuldigen Gesichter, gezeichnet von Gewalt und Todesangst. Trotz seiner mehrmaligen Versuche alles zu beenden, war es ihm nie gelungen sich durchzusetzen. Die Jahre waren vergangen und die Zeit ermöglichte es ihm zu vergessen und trotzdem lastete die Schuld noch heute schwer auf seinen Schultern.  Er hatte genug Zeit gehabt sein weiteres Vorgehen zu planen und hatte den Entschluss gefasst in seine Vergangenheit zurückzukehren.  Seiner Familie würde er später beim Frühstück erklären, dass er eine dringende Geschäftsreise antreten müsse.

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Als sie beim Haus der Scherbaums ankam, saßen diese schon am reichlich gedeckten Frühstückstisch auf der Terrasse. Ihr Magen knurrte beim Anblick der Köstlichkeiten. Das Frühstück hatte sie durch Drogen ersetzt, schließlich musste sie nun sparen, um die letzten Etappen ihres Rachezuges ohne Komplikationen, bewältigen zu können. Gespannt saß sie im Gebüsch und beobachtete das Geschehen. Oliver sah schlecht aus und schien gedanklich abwesend zu sein. Während sein Sohn kichernd Weintrauben über den Tisch rollen ließ, blätterte seine Frau in einem Modemagazin, von dem sie erst aufblickte, als Oliver ihr etwas zu erzählen begann. Er redete so leise, dass sie kein Wort verstand – zu gerne hätte sie gehört, was es zu besprechen gab. Plötzlich sprang Olivers Frau auf. Sie beugte sich nach vorne, um sich auf dem Tisch abzustützen. „Ich dachte du hast endlich einmal Urlaub! Immer kommt etwas dazwischen! Und wieso überhaupt Bayern? Da habt ihr doch nicht einmal Kunden!“, fauchte sie ihren Mann laut an. Ohne auf eine Antwort zu warten, drehte sie sich um und stapfte empört die Steintreppe ins Haus hoch.

Sie konnte ihr Glück über den Wutausbruch, der ihr diese Information zuspielte, kaum fassen. Oliver wollte nach Bayern. Sie war sich so sicher, wie nie zuvor. Er würde definitiv zurückkehren – jetzt musste sie lediglich schneller sein. Eilig verließ sie ihr Versteck, um alles für die lange Reise vorzubereiten. Oliver würde sich einfach in seinen Porsche Cayenne Turbo setzen und die neunhundert Kilometer in Windeseile hinter sich bringen. Der Gedanke, dass sich bald alles verändern würde und der Porsche, das Haus und sein Geld, jeglichen Wert verlieren, gab ihr ein Gefühl der Überlegenheit. Auch die Tatsache, dass sie den Weg nach Bayern mit öffentlichen Verkehrsmitteln und per Anhalter zurücklegen werden müsse, konnte dieses Gefühl nicht trüben.

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Die Vergangenheit plagte ihn. Es war ihm fast nicht mehr möglich die düsteren Gedanken beiseite zu schieben. Geräusche und Gerüche hatten ihn niemals zuvor so sehr getriggert, wie sie es jetzt taten. Als Oliver nachmittags mit Leo noch etwas Zeit verbracht hatte, holte ihn die Vergangenheit erneut schonungslos ein. Während er seinem Sohn gedankenverloren beim Schaukeln zusah ließ ihn der Schrei einer Frau erschrocken zusammenzucken. Alle Härchen an seinem Körper stellten sich auf und ihm lief ein eisiger Schauer über den Rücken. Er hörte sein Herz laut und schnell schlagen. Blitzschnell rissen ihn seine Gedanken an jenen Tag in die Vergangenheit, an dem er einen ähnlichen markerschütternden Schrei gehört hatte. Wieder war er zu langsam gewesen, wieder hatte er es nicht verhindern können. Der Schrei und die folgende tödliche Stille. Jedes Mal war es so abgelaufen.

Er war immer erst mit der tödlichen Stille an die Reihe gekommen. Er hatte es gehasst und gewusst, dass er etwas Unrechtes tat. Trotzdem war es ihm nicht gelungen dem Teufelskreis zu entkommen und die wiederkehrende tödliche Stille endlich zu beenden.  Dem ersten Schrei, folgte ein Kreischen und schließlich Gelächter. Die junge Nachbarin schoss um die Ecke, dicht gefolgt von ihrem Verlobten, der den Gartenschlauch in der Hand hielt und sie lachend mit Wasser bespritzte. „Reiß. Dich zusammen Oliver!“, ermahnte er sich selbst. „Wenn du dich nicht sehr bald wieder normal benimmst und bei jedem Geräusch ausflippst, verrätst du dich selbst noch, bevor es das Haus tut.“ Das Haus würde ihn nicht verraten. Schon am nächsten Tag, würde er sich auf den Weg in seine Heimat machen und alles vernichten, was seinem neuen Leben schaden könnte. Er fürchtete sich vor dem Moment, seinem alten Ich gegenüber zu stehen. Sein neuer Name, sein neues Leben und die neue Identität, hatten es ihm leichter gemacht mit der Vergangenheit und dem Wissen etlichen Menschen schweres Leid zugefügt zu haben, zu leben. Er würde alles dafür geben, dieses Leben weiterführen zu können.

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 Es fiel ihr schwer die Augen zu öffnen. Ihr Kopf schmerzte, sie schmeckte Blut und Erde. Sie war orientierungslos und konnte kaum atmen und sich bewegen, weil ihr ganzer Körper schmerzte. Plötzlich wurde ihr klar, was passiert war und ihre Gedanken überschlugen sich. Die Höllenqualen, die ihr in den letzten Wochen wiederfahren waren, das elendige Betteln um ihr Leben, der Alte, der sich durch nichts auf dieser Welt von seinem Vorhaben hätte abbringen lassen können. Ihre vergeblichen Versuche darauf aufmerksam zu machen, dass sie noch lebte, bevor sie wie Müll in den alten Steinbruch geworfen wurde, schossen ihr durch den Kopf. Vergebens versuchte sie aufzustehen, um dem Grauen nun doch noch zu entfliehen. Ihr geschundener Körper hatte einfach keine Kraft mehr. Salzige Tränen brannten auf ihren Wangen, bevor sie erneut langsam das Bewusstsein verlor. „Warum hat er mich verraten? Warum hat er nicht geholfen? Er hat es mir doch versprochen – so fest versprochen.“, geisterten die Gedanken noch durch ihren Kopf, bis sie vollends weggetreten war. „Die Fahrkarten bitte!“, drang es zu ihr hindurch. Unsanft wurde sie durch die laute Stimme der Kontrolleure aus ihrem Traum gerissen. Verflucht! Hätte sie ihr letztes Geld mal lieber für einen Fahrschein genutzt und es nicht dem dubiosen Dealer am Hamburger Hauptbahnhof für ein paar Gramm gegeben, die gerade so für einen Schuss gereicht hatten. Die Kontrolleure kamen immer näher. Sollte sie jetzt erwischt werden, wäre alles umsonst gewesen. Die Reise nach Bayern frühzeitig beendet und Oliver Scheerbaum alias Robert Winkler würde einfach so davonkommen. Noch vier Passagiere, dann wäre sie an der Reihe und alles vorbei. Noch drei Passagiere. Der junge Mann, der vor ihr kontrolliert wird, wirkt nervös. Nachdem er seine kompletten Taschen geleert hatte und kein Fahrschein zum Vorschein kommt, bitten ihn die Kontrolleure in das vorderste Abteil des Zuges. Der junge Mann ergreift die Flucht. Nachdem sich die Inspektoren kurz verwirrte Blicke zuwerfen, nehmen sie nun endlich die Verfolgung auf und rauschen an ihr vorbei. „Glück gehabt!“, denkt sie sich und lässt sich entspannt in ihren Sitz zurückfallen. In knappen zwei Stunden würde der Zug in Übersee in Bayern halten und so lange würden die Kontrolleure nun beschäftigt sein. Sie war ihrem Ziel so unglaublich nah, dass sie es selbst kaum fassen konnte.

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Früh morgens hatte er sich schweren Herzens von seiner Familie verabschiedet. Wie gerne wäre einfach zu Hause geblieben und hätte alle Probleme von sich geschoben. Er ermahnte sich selbst. Er musste diese Reise hinter sich bringen, um fortan ein normales und friedliches Leben zu führen. Blubbernd war sein Porsche angesprungen. Nie im Leben hätte er sich seinen heutigen Reichtum erträumen können. Gedankenverloren steuerte er seinen Luxuswagen auf die A7. Er hatte das Radio eingeschaltet und trotzdem zogen die Witze der Moderatoren an ihm vorbei. Geistesabwesend hatte er bereits die A2 passiert und befand sich mittlerweile auf der A9 Richtung München. Er kam seinem Ziel näher und der Kloß in seinem Hals schien immer größer zu werden. Seine Gedanken schweiften wieder ab. Zu jener Nacht im Keller, die ihm erst vor kurzem einen Alptraum beschert hatte. Damals hatte das Grauen begonnen. Er war erst fünfzehn Jahre alt gewesen, als jene Nacht alles verändert hatte. Als er seinen Vater, den im Ort als seltsamen Witwer bekannten Mann, nachts im Keller entdeckt hatte und seinen schandvollen Taten auf die Schliche gekommen war.

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Die weitere Zugfahrt war ohne Probleme verlaufen. Fünf Autos waren an ihr vorbei gerast, während sie dicht am Straßenrand stand und den Arm auf die Straße hielt, um mitgenommen zu werden. Oft war sie per Anhalter gefahren und nicht immer verlief alles glimpflich. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihr breit, als ein dunkler BMW langsamer wurde und neben ihr hielt. Ein junger, gutaussehender Mann öffnete das Fenster und fragte, wohin er sie mitnehmen könne. Richtung Teisendorf hatte sie geantwortet und der junge Mann hatte sofort zugestimmt. Das schlechte Gefühl wich, als sie merkte, wie freundlich der Mann war. Obwohl er in eine andere Richtung gemusst hätte, bot er ihr an, die zwanzig Kilometer Umweg auf sich zu nehmen, um sie an ihr Ziel zu bringen. Schon wieder hatte sie Glück gehabt. Sie ließen die kleinen Dörfer im Chiemgau hinter sich und die Gegend wurde immer ländlicher. Sie hatte ihm das Ziel nur ungenau nennen können, da es in keinem Navigationssystem zu finden war. Die letzten Kilometer wies sie ihm den Weg an – oft war sie wieder zurückgekommen und würde den Weg sogar blind kennen. Als sie am Ziel angekommen waren, vergewisserte sich der junge Mann beim Anblick des maroden Bauernhauses, ob sie wirklich alleine in dieser Einöde zurückbleiben wollen würde. Sie bejahte, bedankte sich und stieg aus. Warme, sommerliche Luft stieg ihr entgegen. Niemand würde in Anbetracht der Idylle vermuten, dass hier jemals schreckliche Dinge geschehen waren. Die Aufregung, die Vergangenheit und die Chance auf Rache übermannten sie. Sie fühlte das Zittern, das sich langsam aus ihrem Inneren hervor arbeitete und ihre Extremitäten befiel. Sie musste sich die letzten Drogen gut einteilen, um bei Olivers Eintreffen Herr ihrer Sinne zu sein. Langsam ging sie auf das Haus zu, um sich einen ruhigen Platz zu suchen. Oliver durfte nicht merken, dass bereits jemand auf ihn wartete.

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Die neun Stunden Fahrt waren wie im Flug vergangen. Seine Gedanken kreisten sich ständig um die gleichen Dinge. Seinen Vater, jene Nacht im Keller, die folgenden zehn Jahre, das Leid, den Schmerz, die Frauen, die Lügen und die alles verändernde Wende, die ihm das Leben als neuer Mensch, mit neuer Identität ermöglicht hatte. Hinter München hatte er die Autobahn verlassen, um die restliche Strecke auf Landstraßen zurück zu legen. Er ließ die großen Gemeinden hinter sich, schließlich auch kleinere Gemeinden und Dörfer, bis er nur noch von Wäldern und Wiesen umgeben war. Ab und zu durchquerte er noch einen kleinen Weiler und kam seinem Ziel so immer näher. Er sah sein Elternhaus in Gedanken vor sich. Das große, alleinstehende Bauernhaus mit der schweren, geschnitzten Holztür. Als seine Mutter noch gelebt hatte, verzierten große Geranien die Balkone und der Garten war ein Traum für jeden Hobbygärtner gewesen. Nach ihrem Tod gab es keine Geranien mehr, der Garten verwilderte und das Haus verlotterte unter der Führung seines Vaters mehr und mehr.  Als schließlich der letzte Nachbar verstarb, hatte es weit und breit keine anderen Menschen mehr gegeben. Der Kies knirschte unter seinen Reifen, als er in den Weg zum Haus einbog. Langsam ließ er seinen Wagen ausrollen und stellte ihn einige Meter vor dem Haus ab. Das Werkzeug, das er auf dem Weg in einem Baumarkt besorgt hatte, würde er vorerst in seinem Wagen lassen und sich erstmal einen Überblick im Haus und Garten verschaffen. Danach würde er alle Spuren verschwinden lassen und in sein schönes Leben zurückkehren. In Gedanken ging er alle Einkäufe durch. Er hatte an alles gedacht. Den Spaten, die Säge und genug Spiritus, um seine Vergangenheit in Flammen aufgehen zu lassen. Es herrschte eine gespenstische Stille, als er in Richtung des Hauses ging. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, während er sich durch den völlig verwilderten Vorgarten zur Haustür kämpfte. Das Haus war in einem noch schlechteren Zustand, als er es erwartet hätte. Die früher so solide Haustüre war völlig morsch und eingefallen, die Fenster waren alle zersprungen und vom Putz war ebenfalls nicht mehr viel übrig. Die Sträucher rund um das Haus klebten an den Wänden und einige Äste der Bäume waren durch die gesprungenen Fenster und maroden Wände ins Haus gewachsen. Die Natur hatte sich beinahe alles zurückgeholt. Es würde nicht einfach werden, die Plätze im Garten zu finden, an denen er mit dem Spaten graben müsse, um alle Spuren von damals ins Haus zu schaffen, um schließlich alles zu verbrennen. Hoffentlich würde er noch die großen Steine finden, mit denen er damals jene Plätze gekennzeichnet hatte. Wieder schweiften seine Gedanken in die Vergangenheit ab. Zu dem Tag, an dem er die Plätze der Schande fein säuberlich mit gut erkennbaren Steinen gekennzeichnet hatte. Damals hatte er noch gedacht, die Steine würden ihm helfen, um der Polizei alles glaubhaft erklären zu können. Er hatte sich geschworen, dem Ganzen ein Ende zu setzen und das erste Mal in seinem Leben aufrichtig zu sein. Und wieder einmal war es zu spät gewesen. Die ganze Arbeit umsonst. Der gute Grund für sein Aufbäumen und die Gegenwehr, war seinem Vater bereits zum Opfer gefallen. Danach hatte er ihm ein letztes Mal geholfen, ein letztes Mal die Spuren verwischt und schließlich war er gegangen. Kurz darauf war sein Vater verstorben. Der Spuk hatte ein Ende gehabt, ein neues Leben mit neuem Namen und Elena hatte begonnen. Zu groß war die Angst im Nachhinein auszupacken. Der Schuldige war tot und so hatte Oliver geglaubt, auch seine Vergangenheit. Heute, dreißig Jahre später, fühlte er sich genauso verzweifelt und ängstlich wie damals. Es gab jemanden, der ihn mit diesem Haus, seinem Vater und der Schande in Verbindung gebracht hatte. Es gab jemanden, der alles wissen zu schien. Stundenlang hatte er sich den Kopf zermartert, wer diese Person sein könnte, doch ihm fiel beim besten Willen niemand ein. Alle möglichen Zeugen waren tot – diese Tatsache ließ ihn fast verrückt werden. Oliver ermahnte sich nicht durchzudrehen. Er musste nun klug vorgehen und alles vernichten. Selbst wenn es diese unbekannte Person gab, würde sie Beweise brauchen. Diese Beweise und seine Vergangenheit würde er noch heute vernichten.

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Vorsichtig war sie durch den Garten zum Haus geschlichen. Sie durfte so wenig Gestrüpp wie möglich berühren. Oliver würde sonst möglicherweise an den abgeknickten Ästen merken, dass kurz vor ihm jemand da gewesen war. Lautlos huschte sie durch die marode und offenstehende Eingangstür in das Haus. Das Haus löste Unbehagen in ihr aus. Auch wenn sie in den letzten Jahren etliche Male zurückgekehrt war, um mit der Vergangenheit abzuschließen, konnte sie das erdrückende Gefühl und die aufsteigende Angst nur schwer in Schach halten. Im Erdgeschoss des heruntergekommenen Hauses konnte sie nicht bleiben, Oliver könnte sie sofort entdecken. Sie schlich in Richtung des Kellers, in dem sie sich bei ihren bisherigen Besuchen meistens aufgehalten hatte.  Achtsam stieg sie die vermoderte Treppe hinab, um nicht einzubrechen oder zu stürzen. Im Keller angekommen, steuerte sie auf den großen Raum zu. Sie ließ ihren Rucksack auf den Boden fallen und lehnte sich an die kühle Kellerwand. Nachdem sie sich auf den Boden hatte gleiten lassen, kramte sie nach den Resten der Drogen vom Hamburger Bahnhof. Sie bereitete alles für den ersehnten Schuss vor, setzte an und injizierte sich das Mittel, nach dem ihr Körper zu schreien schien. Das Zittern wurde weniger, die Angst begann zu verschwinden, das erdrückende Gefühl in ihrer Brust, wich einem warmen Strahlen. Doch das gute Gefühl wich urplötzlich. Durch das zersprungene Kellerfenster hatte sie das Knirschen des Kieses, vom Weg oben gehört. Ein Auto hatte sich genähert. Das musste Oliver sein! Sie hielt den Atem an, um zu lauschen, ob sich draußen noch etwas regte. Sie hörte Schritte, die immer näher zu kommen, schienen. Am Fenster raschelten die Büsche. Männerschuhe bahnten sich einen Weg durch das Gestrüpp am Fenster vorbei. Sie saß da wie gelähmt, konnte sich vor Anspannung kaum rühren. Sie würde noch einige Minuten warten müssen, bis die Drogen ihre volle Wirkung entfalteten. Erst dann war sie selbstsicher genug, um Oliver gegenüber zu treten und endlich für Gerechtigkeit zu sorgen.

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Trotz des dichten Gestrüpps hatte er alle Steine gefunden. Er hatte den kompletten Garten durchforstet, um bloß keine Stelle zu übersehen. Niemals hätte er die Anzahl der Steine vergessen. Sieben Steine, sieben Löcher, sieben unschuldige Mädchen. Nachdem er sein Werkzeug aus dem Auto geholt hatte, begann er bei dem ersten Stein zu graben. Je tiefer das Loch wurde, desto größer wurde das Gefühl von Unbehagen. Ein dumpfes, metallisches Geräusch ertönte. Vorsichtig zog er das große, urnenartige Gefäß aus der Erde. Sein Gesicht brannte. Er hatte nicht bemerkt, dass ihm Tränen über das Gesicht liefen. Zu grauenvoll war das Wissen, was sich in dem Gefäß befand. Oliver sank auf seine Knie. Die Vergangenheit holte ihn schmerzvoll ein. Alle schrecklichen Erinnerungen schossen ihm in den Kopf und schienen seinen Kopf zerspringen zu lassen. Die große Feuerstelle, an der er mit nur fünfzehn Jahren, das erste Mal die Sünden seines Vaters, vertuscht hatte. Der üble Gestank des Rauches nach Gummi, weil er jedes Mal einen Autoreifen mit verbrannt hatte, um den Geruch von verbrennendem Fleisch zu überdecken. Das stundenlange Glühen der Kohlen und des Holzes. Das anschließende Warten, um alle Reste in jenem Gefäß verschwinden zu lassen und die Gefäße anschließend fein säuberlich und tief genug in der Erde im Garten zu vergraben. Oliver versuchte sich aufzuraffen. Er hatte noch sechs Löcher vor sich. Er wollte sich beeilen, um sobald wie möglich alles hinter sich zu lassen und endgültig mit der Vergangenheit abzuschließen. Es fiel ihm schwer aufzustehen und seine Beine zu koordinieren. Langsam und unter großer Anstrengung setzte er den Spaten am nächsten Stein an und begann zu graben. Ein Knacken hinter ihm ließ ihn herumrudern. Er drehte sich um. Ein Schlag.  Schmerz. Plötzlich wurde alles schwarz.

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Als sie sich stark genug gefühlt hatte, war sie leise nach oben geschlichen. Sie hatte Oliver aus der Ferne im Garten beobachtet. Mit einem Spaten hatte er ein Gefäß ausgegraben. Ihr wurde übel. Sie konnte sich denken, was sich darin befand. Er weinte und sank zusammen. Für einen kurzen Moment flammte das Gefühl von Mitleid in ihr auf.  „Nicht nach allem, was er dir angetan hat!“, ermahnte sie sich. Als er begonnen hatte ein neues Loch zu graben, hatte sie ihre Chance genutzt. Mit einem großen Stein in der Hand, war sie lautlos an ihn herangeschlichen. Kurz bevor sie ihn erreicht hatte, knackte ein Ast unter ihrem Schuh. Oliver drehte sich abrupt um, sie schlug sofort zu. Zweimal, um auch ganz sicher zu sein. Mit schmerzverzogenem Gesicht sackte er zusammen und blieb regungslos vor ihren Füßen liegen. Ein kurzer Moment der Erleichterung. Ein kurzer Moment, um durchzuatmen. Sie musste sich beeilen, schließlich hatte sie keine Ahnung, wie lange Oliver bewusstlos sein würde. Völlig verschwitzt und außer Atem betrachtete sie ihn, nachdem sie ihn mühevoll ins Haus geschleift hatte. Er erschien ihr plötzlich so verletzlich. Auch heute konnte sie seine sanften Gesichtszüge, die sie damals so gemocht hatte, erkennen. Und trotzdem war er der Schuldige, der für all das Übel in ihrem Leben verantwortlich war. Als Olivers Mundwinkel zuckte, erschrak sie sich fast zu Tode. Noch war er nicht gefesselt. Würde er jetzt aufwachen, wäre sie chancenlos gegen den körperlich überlegenen Mann. Schnell zog sie das Seil und die Kabelbinder aus ihrem Rucksack. Sie fesselte seine Arme fest hinter dem Rücken und hievte ihn unter großer Anstrengung nach oben, um ihn mit den Rücken an die Wand zu lehnen. Er sollte ihr in die Augen sehen, wenn er erwachte. Nachdem sie auch seine Füße fest verzurrt hatte, setzte sie sich mit einigem Abstand vor ihn und beobachtete ihn. Lange konnte es nicht mehr dauern, bis er zu sich kam – das erkannte sie an seinen zuckenden Muskeln.

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Stechender Schmerz holte ihn zurück. Der Nebel in seinem Kopf wich. Er blinzelte. Der Lichtstrahl, der durch das Fenster fiel, brannte in den Augen und verschlimmerte die starken Kopfschmerzen. Er brauchte kurz Zeit, um sich zu orientieren. Plötzlich wusste er wieder alles. Wie er begonnen hatte zu graben, das Geräusch und dann Nichts. Er musste niedergeschlagen worden sein. Er versuchte sich zu bewegen. Es war nicht möglich. Als er an sich herabblickte, entdeckte er die Fesseln an seinen Händen, die ihm das Blut abschnitten. Panisch versuchte er sich zu orientieren und plötzlich sah er die Gestalt, die einige Meter entfernt im Schatten eines verrotteten Möbelstücks saß. Sie befanden sich im Erdgeschoss des Hauses, im ehemaligen Wohnzimmer. „Was wollen Sie von mir? Ich habe Geld, ich gebe Ihnen alles, was Sie möchten! Nur bitte, lassen Sie mich gehen! Ich habe eine Familie.“, krächzte er der Gestalt entgegen. Die Gestalt schnaubte verächtlich und richtete sich auf. Oliver kniff die Augen zusammen, um die Person erkennen zu können. Langsam kam sie auf ihn zu. Oliver war sich sicher, dass es sich um eine Frau handelte. Als sie aus dem dunklen Teil des Raums, ins Licht trat, konnte er ihr Gesicht erkennen. „Das ist nicht möglich. Einfach nicht möglich.“, schoss es ihm durch den Kopf. „Wiedersehen macht Freude, oder?“, entgegnete ihm die Frau. Er hatte sie sofort wiedererkannt. Auch wenn sie alt geworden war und das Leben sie schwer gezeichnet zu haben schien, hätte er ihre Augen niemals vergessen können. Diese unschuldigen und treuen, rehbraune Augen. „Laura? Wie ist das möglich? Wie kann das sein? Ich habe dich doch selbst…“, flüsterte er. „…selbst im Steinbruch entsorgt, wie den letzten Dreck?“, unterbrach sie ihn ungeduldig. Oliver verstand die Welt nicht mehr. Laura, sie war der Grund gewesen, wieso er damals alles beenden wollte. Wieso er seinen Vater verraten hätte. Sie war sein letztes Opfer gewesen. Insgesamt waren es acht Mädchen gewesen. Jedenfalls acht Mädchen, von denen Oliver gewusst hatte. Acht Mädchen, um deren Entsorgung er sich kümmern musste, weil sein Vater es so gewollt hatte. Jene Nacht im Keller, von der er immer und immer wieder geträumt hatte, war der Beginn des realen Alptraums. Mit gerade einmal fünfzehn Jahren hatte er damals, das erste Opfer seines Vaters gefunden. Das halbtote, blutverschmierte Mädchen lag in sich gekrümmt in einem Kellerraum. Fassungslos war er dagestanden, hatte sich übergeben und fast das Bewusstsein verloren. Vorsichtig war er zu ihr geschlichen, um ihr zu helfen, als sich plötzlich die starke Hand seines Vaters, wie ein Schraubstock in seine Schultern gebohrt hatte. Er hatte Todesängste durchlebt.  Dass sein Vater durchaus gewaltbereit war, musste Oliver bereits früh am eigenen Leib erfahren, aber derartige Dinge, hätte er selbst ihm nicht zugetraut. Nachdem er das Mädchen entdeckt hatte, hatte sein Vater ihn in den Kellerraum nebenan geschliffen. Er hatte ihn harsch auf den Boden geworfen. Oliver erinnerte sich nur dunkel, was dann geschah. Der Vater hatte ihn bedroht, würde Oliver etwas erzählen, würde es ihm wie dem Mädchen nebenan ergehen. Er erinnerte sich, wie er gebettelt hatte und versucht hatte an die Vernunft des Vaters zu appellieren. Den Rest jener Nacht hatte er nur noch vernebelt in Erinnerung. Sein Vater hatte ihn fast zu Tode geprügelt und mehr als deutlich gemacht, dass er seine Drohung durchaus wahr werden lassen würde. Als Oliver sich von der Prügelattacke erholt hatte, musste er das erste Mal helfen, den geschundenen Mädchenkörper verschwinden zu lassen. Sein Vater hatte an der Feuerstelle ein großes Feuer gemacht und verbrannte alle Sachen, die dem Mädchen gehörten. Anschließend hatte er den zarten Körper und einen Autoreifen in das große Feuer geworfen, so wie Oliver es die folgenden Jahre alleine machen musste. Nie hatte er erfahren, was sein Vater den Mädchen angetan hatte. Er war fast froh gewesen, nur die Spuren verschwinden lassen zu müssen. Doch irgendwann kam Laura. „Hast du wirklich geglaubt ein neuer Name würde Alles ungeschehen machen?“, riss Laura ihn aus den Gedanken an die düstere Vergangenheit. „Ich begreife es nicht Laura! Wie ist das möglich? Ich habe alles getan, um dir zu helfen. Glaub mir bitte, es hat mich die letzten zwanzig Jahre gequält, dass ich zu spät war.“, entgegnete Oliver. Die Erinnerungen an damals waren nur schwer zu ertragen. Jahrelang hatte Oliver seinem Vater bereits bei seinen Schandtaten geholfen. Wenige Monate zuvor hatte er das achte Mädchen verbrannt und entsorgt, als er aus dem Keller ein klägliches Wimmern hörte. Sein Vater war nicht im Haus gewesen, weswegen er vorsichtig nach unten geschlichen war, in der Hoffnung nicht schon wieder ein dem Tod geweihtes Mädchen zu finden. Dort im Keller hatte er sie gefunden – Laura. Eingesperrt in dem Raum, in dem sein Vater alle Mädchen zuvor wochenlang, ja manchmal sogar monatelang gequält hatte. Vorsichtig hatte er sich dem unnatürlich, gekrümmten Körper genähert und sich vor ihn gehockt, um zu sehen, ob das Mädchen noch atmete. Ihre Atmung war so. schwach gewesen, dass er nicht erkennen hatte können, dass sich ihr Brustkorb noch ganz leicht hob und senkte. Behutsam hatte er seine Hand an ihren Hals gehalten und zum Glück ihren schwachen Puls gefühlt. Wie in Zeitlupe hatte sie ihren Kopf in seine Richtung gedreht. Er sah ihr geschundenes Gesicht noch Jahre später vor sich. Das völlig zertrümmerte, mit blauen Flecken und blutig verkrustete Gesicht. Hinter all den Blessuren, hatte er ihre Schönheit erkannt. Die traurigen, aber trotzdem kräftig glänzenden Augen, die damals zu ihm hochblickten, hatten alles verändert. Plötzlich hatte das nächste Opfer seines Vaters, ein Gesicht und einen Namen, den sie ihm schwach zugeflüstert hatte. Oliver wusste, dass sein Vater sehr wütend werden würde, wenn er ihn unten im Keller bei dem Mädchen erwischen würde. Er hatte ihr noch etwas Wasser gegeben und war dann schnell nach oben gehuscht, um den alten Mann nicht wütend und somit unzurechnungsfähig zu machen. Als er an diesem Abend im Bett lag, dachte er pausenlos an das Mädchen im Keller und ein großes Gefühl des Mitleids und der Wille dem Mädchen zu helfen, machten sich in ihm breit. Auch mit den anderen Mädchen hatte er Mitleid gehabt und trotzdem war er nie mutig genug gewesen, in den Keller zu gehen, um nach ihnen zu sehen. Seit diesem Tag war alles anders. Jede Möglichkeit, die sich ergab, nutzte er, um zu Laura in den Keller zu verschwinden. Langsam hatte er sich ihr Vertrauen erarbeitet und sie unterhielten sich teilweise Stunden lang. Er versorgte sie heimlich mit Nahrung und Wasser und jedes Mal, wenn der Alte in den Keller wollte, hatte er ihn durch einen Vorwand davon abgehalten. Er wusste, dass sein Vater die Mädchen teilweise Monate festhielt, um sie zu quälen. Je mehr Zeit er mit Laura verbrachte, desto größer wurde der Wunsch sie zu retten. Stundenlang hatten sie sich besprochen, wie sie den Vater gemeinsam loswerden wollten. Je inniger die Beziehung zu Laura wurde, desto geringer die Angst vor seinem Vater. Damals hatte er tatsächlich das Gefühl gehabt, ihn besiegen zu können. Er hatte es ihr versprochen und Laura hatte so sehr an ihn geglaubt. Er hatte alles penibel vorbereitet und der Tag der Befreiung war immer näher gerückt. Am Abend der geplanten Befreiung hatte er seinem Vater ein Betäubungsmittel in den Obstler gemischt, um sicher zu sein, dass er den Plan nicht stören würde. Als im Haus alles ruhig war, holte er die gepackten Taschen aus seinem Versteck und schlich in den Keller, um Laura zu befreien. Er hatte die Tür zu ihrem Kellerverlies bereits aufgesperrt und sah Laura mit strahlenden Augen auf ihn zukommen, als der Vater plötzlich polternd die Kellertreppen herunter geschossen kam. Wutentbrannt zielte er mit seinem alten Jagdgewehr auf Oliver und brüllte ihn an. Er hatte den Plan durchschaut. Oliver und Laura waren zu unvorsichtig geworden, als der Tag immer näher rückte und der Alte nichts zu bemerken schien. Er hatte es bemerkt. Mit einer schnellen Bewegung hatte er Oliver das Gewehr über den Kopf gezogen, woraufhin er schmerzverzehrt zusammengebrochen war. Laura musste Todesängste durchlebt haben. „Wieso hast du das getan? Wieso hast du mich verraten?“, platzte es aus Laura heraus, die nun direkt vor ihm stand. Zu gerne hätte er ihr alles erklärt, doch seine Stimme versagte. Tränen glänzten in ihren Augen und er fühlte sich auch heute schuldig und grausam. „Antworte mir!“, schrie sie ihn an. „Laura, ich schwöre dir, alles was ich damals gesagt habe war ernst gemeint. Ich wollte dich wirklich retten, aber ich habe ihn nicht kommen sehen. Er war so schnell. Ich war bewusstlos, ich konnte mich nicht wehren. Ich konnte dir einfach nicht mehr helfen.“, versuchte er sich verzweifelt zu erklären. „Ich weiß, dass du bewusstlos warst, aber trotzdem hast du mich entsorgt, wie Müll, nachdem dein Vater mich halb totgeprügelt hat. Weißt du eigentlich wie es mir erging? Trotz der starken Schmerzen, die mich immer wieder in die Bewusstlosigkeit gerissen haben, habe ich gemerkt, dass du es warst, der mich im Steinbruch entsorgt hat. Du hast nicht einmal daran gedacht zu prüfen, ob ich noch lebe! Schmerzerfüllt bin ich Stunden später ganz alleine aufgewacht, musste mich kilometerweit schleppen, immer mit der Angst im Nacken, der Alte würde doch plötzlich auftauchen. Irgendwann hat ein Autofahrer angehalten, um mich mitzunehmen. Er wollte natürlich wissen was passiert sei. Aber glaubst du wirklich jemand würde einer minderjährigen Ausreißerin eine solche Horrorgeschichte glauben? Da habe ich lieber geschwiegen. Jahrelang hat es mich gequält, den Drogen immer nähergebracht. Ich habe gar nichts Oliver! Immer wieder bin ich zurückgekehrt, als dein Vater nicht mehr am Leben war, um endlich mit der Vergangenheit abzuschließen. Es war nicht möglich. Dann begann ich nach dir zu suchen und finde heraus, dass du alles hinter dir gelassen hast, ein schönes Leben mit Geld und Familie führst. Glaubst du wirklich eine neue Identität würde dich reinwaschen? Würde deine Taten und deinen Verrat an mir ungeschehen machen?“, schluchzte sie, während Tränen über ihre Wangen liefen. Oliver versuchte sich zu erklären, auch ihm stiegen Tränen in die Augen. Als er damals wieder zu sich gekommen war, saß der Vater vor ihm. Hämisch hatte er ihn angegrinst, erklärt, wie er Laura zu Tode geprügelt hatte. Noch immer hatte er das Jagdgewehr auf ihn gerichtet. Er hatte ihn gezwungen ihren Körper verschwinden zu lassen. Oliver hatte seine Laura nicht einfach verbrennen können. Unter großer Trauer, die seinen Körper schmerzen ließ, hatte er sie zum Steinbruch getragen. Die Erinnerungen waren nur noch vernebelt. Durch einen Schleier von den Tränen, hatte er sich den Weg zurück geschleppt, während sein Vater ihn mit einigem Abstand, mit dem Gewehr begleitete. Niemals würde er ihm lebend entkommen können, hatte er gedacht. Es war ihm egal gewesen, denn ohne Laura ergab nichts mehr einen Sinn. Trotz dem Gewehr in seinem Rücken, war er losgerannt. Der Vater hatte gebrüllt, den Abzug betätigt, doch kein Schuss hatte sich gelöst. Er war weiter gerannt, bis die Schreie verstummt waren und nie wieder zurückgekehrt. Wenig später hatte sich der Vater das Leben genommen. Zu groß die Angst, sein Sohn könnte ihn verraten. Oliver hatte es nicht getan. Zu groß war seine Angst, in das Schlamassel hineingezogen zu werden.

„Es tut mir so unendlich Leid!“, flüsterte Oliver kaum hörbar. Laura lachte zynisch auf. „Glaubst du wirklich ich will eine Entschuldigung? Glaubst du eine Entschuldigung würde reichen? Ich will kein Geld, ich will keine Entschuldigung. Alles was ich möchte ist Vergeltung!“.  Langsam lief sie auf ihren an der Wand lehnenden Rucksack zu und zog einen metallischen Gegenstand hervor. Sie richtetet ihn auf Oliver. Oliver sah angsterfüllt in den Lauf einer Waffe. Ein Schuss lies in den umliegenden Wäldern die Vögel aufschrecken – dann hüllte sich alles in Todesstille.   

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One thought on “Im Schatten der Vergangenheit

  1. Deine Geschichte Ist sehr spannend und regt nach jedem Absatz zum Weiterlesen an. Der Stil ist schön flüssig, sodass man nicht ins Stocken kommt. Auch sprachlich gefällt es mir sehr gut, Kompliment!
    Liebe Grüße von Simone mit
    „Momentaufnahme“ (falls du Lust hast 🙂 )

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