rolandfiebigerDAS GEN

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Es war kalt! Ich hatte nicht aufs Thermometer geschaut als ich aus dem Haus ging und ich hatte definitiv zu wenig an. Ich war schon wieder von den Sonnenstrahlen gestern verwöhnt und etwas Wunschdenken war wohl auch dabei. Ich liebe es nämlich warm und ich hasse kalt. Wegen dieser blöden, nervigen Zeitumstellung war es auch schon wieder viel dunkler als gestern. Emma unser Deutsch Drahthaar wollte los, ich wollte eigentlich nochmal zurück und mich etwas wärmer anziehen. Emma zog und ich gab nach. Müssen wir uns halt etwas schneller bewegen. Joggen wäre auch mal wieder nötig. So ein paar Kilos weniger würden mir nämlich sehr guttun. Aber Joggen geht auf die Kniegelenke und ich bin ja nun nicht mehr der Jüngste. Also Walken aber ohne Stöcke und ohne diese bekloppten Armbewegungen. Schnelles Gehen eben. Das müsste doch reichen!? Vielleicht auch abends keine Gummibärchen und keine Schokolade mehr beim Fernsehen. Eine schreckliche Vorstellung und das an einem dunklen Morgen, bei garantierten Minusgraden, mit mindestens ein bis zwei Schichten zu wenig Kleidung. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ich wohl in einem Anfall geistiger Umnachtung am Wochenende die Handschuhe aus meiner Jacke genommen haben musste. Ich hasse übrigens auch Montage!

Der ländliche Bereich in dem wir wohnen kommt uns sehr gelegen. Es ist genial aus dem Haus zu gehen und schon in freier Natur zu sein. Wir wandern gerne und das funktioniert hier aus dem Stand. Das mit der immer so propagierten Ruhe auf dem Lande kann man zwar vergessen, denn irgendjemand sägt oder mäht immer. Entweder mit Kreissäge oder Kettensäge und das oft auch noch mit Licht, wenn es dunkel wird. Mähen am liebsten mit der Motorsense! Wenn wir nach einem anstrengenden Tag im Büro die abendliche Ruhe auf der Terrasse genießen dann muss garantiert der Nachbar noch Hasengras mähen. Halt nicht wie früher mit Sense, Sichel oder einfach rupfen, sondern mit Benzinmotor. Aber trotz allem ist es tausendmal schöner als in der Stadt, in der ich ganz bestimmt nicht leben möchte.

Wo ist eigentlich Emma? Ich habe natürlich erst draußen gemerkt, dass die Zeitumstellung die Helligkeit auf dem Gewissen hat und deshalb auch das Leuchthalsband vergessen. Wir gehen aus dem Haus immer gleich auf die große Wiese und dann hoch Richtung Wald. Da kann ich Emma auch gleich von der Leine lassen. EMMA!!! EMMA!!! Wieso habe ich eigentlich nasse Füße? Weil ich natürlich nicht meine Gore-Tex Schuhe angezogen habe, sondern in meinem Sommerwahn die wasserdurchlässigen. MONTAG! KALT! DUNKEL! EMMA!!! Ich versuche in der Düsternis einen schwarzgrauen Hund auf schwarzgrauem Untergrund zu entdecken. Das Wäldchen! Genau! Da ist sie bestimmt! Du wolltest doch joggen, dachte ich mir. Dann fang mal gleich damit an! Ich setze mich etwas schwerfällig in Bewegung und dummerweise geht es auch noch bergauf. Da ist der Birnenbaum und ein paar Meter weiter beginnt der Teufelswald. So heißt er nur bei mir und ich glaube auch bei Emma würde ihn ähnlich nennen. Schnellen Schrittes und schon ganz schön außer Atem bewege ich mich auf die dunkle Masse zu, die ich nun schon erahnen kann. Und da kommt es auch schon. Dieses Gefühl! Nicht richtig zu beschreiben, der Magen zieht sich irgendwie zusammen, im Kopf gerät alles durcheinander. Man kann irgendwie keinen klaren Gedanken fassen. Etwas knurrt leise und andauernd. Hat da nicht grade etwas aufgeblitzt im Gras? Da steht Emma, stocksteif, ihre drahtigen Haare auf dem Rücken gesträubt schaut sie Richtung Wäldchen und knurrt ganz leise. Ich gehe die letzten Meter zu ihr und schaue irritiert nach rechts. Schon wieder war mir, als hätte da im Gras etwas geleuchtet! Dieser Wald geht mir auf den Keks. Auch tagsüber machen Emma und ich einen großen Bogen außen herum. Es ist so ein Aufforstungswald, Fichten, mit einem Zaun herum. Die Stämme stehen so dicht, dass man keinen Meter hineingehen könnte. Die Äste gehen bereits etwa 30 cm über dem Boden los. Wenn man hineinschaut sieht man noch die zweite Reihe Baumstämme und danach wird es schon dunkel sogar tagsüber. Dahinter, rechts und links davon ist ganz normaler Wald. Anscheinend hat hier jemand vergessen mal auszulichten. Meine Frau Sabine sagt immer, dass wir beide spinnen! Reingekrochen ist sie allerdings auch noch nicht. Wobei das gar nicht so einfach wäre, weil wir das Teil schon einmal in gebührendem Abstand umrundet haben und nirgendwo ein Schlupfloch im Zaun gesehen hatten. Emma stemmt sich immer mit allen 4 Füßen in den Boden und lässt sich mit nichts näher hinbewegen. Etwa so wie tiefes Wasser. Ich habe noch nie so einen wasserscheuen Hund gesehen. Wie eine Katze……sobald das Wasser ihre Fußgelenke erreicht spielt sie schon Storch und stakst herum. So verfressen sie auch ist nicht mal ein schwimmendes Leckerli verleitet Sie dazu, ihren Bauch ins Wasser zu tauchen. 

Wieder hat da doch etwas aufgeblitzt!? Entweder ich bekomme jetzt auch schon Halluzinationen in diesem Gebiet oder da liegt wirklich was im Gras. Es wird endlich heller und ich habe doch glatt in den letzten Minuten vergessen, wie kalt es ist, wie nass meine Füße sind und dass ich meine Finger nicht mehr spüre. Wo kommt dieses Blitzen jetzt her? Emma drückt sich an meine Beine, wir sind eindeutig zu nah an diesem Wald, mein Magen krampft sich immer mehr zusammen. „Komm Emma, wir schauen mal da rüber, ob wir was finden!“ Emma löst sich langsam aus der Starre und mit etwas zunehmender Entfernung verschwindet auch mein Bauchgefühl langsam. Wahrscheinlich haben wir beide ein Wald-Kindheitstrauma. Hier ist nichts, ich sehe nichts und da es jetzt schnell heller wird würde ich wohl auch ein Aufblitzen nicht mehr sehen. Wie spät ist es eigentlich? Ich schaue auf die Uhr und erschrecke! 7.30 Uhr? Das kann gar nicht sein! Wir sind doch jetzt nicht über eine Stunde unterwegs gewesen!? Emma hat doch ihr Geschäft noch gar nicht gemacht und wir sind doch nur 500 m von zu Hause weg? Habe ich meine Uhr nicht umgestellt? Ich blick nicht mehr durch. Emma, ab nach Hause! EMMA!! Ich sehe sie ca. 50m von mir entfernt und sie steht vor! Der rechte Fuß hochgehoben steht sie stocksteif da und bewegt sich nicht. Oh nein, bitte kein Hase oder Reh! EMMA HALT! BLEIB, EMMA! Ich laufe los in ihre Richtung und als ich näher komme, höre ich ein leises tiefes Grollen. Grundgütiger, was hat sie denn da gestellt? Ich komme näher und merke, dass das Grollen von Emma kommt. Solche Töne habe ich von ihr noch nie gehört! Ich komme bei Ihr an, knie mich neben sie und schaue in die Richtung in die sie blickt. Nichts zu sehen! Ich lege meine Hand auf ihren Rücken, spüre dass sie ganz leicht zittert, ihre Nase vibriert, sie knurrt aber nicht mehr. Mein Blick wandert weiter nach unten und da sehe ich 2-3 Meter vor uns im Gras etwas glänzen. EMMA BLEIB! Ich krabble auf Händen und Knien langsam vorwärts. Das ist doch……ein Handy? Emma knurrt jetzt wieder………ich strecke meine Hand aus und nehme es in die Hand………AU!!! Rufe ich erschrocken, Emma rennt los Richtung Haus………EMMA!!! EMMA!!! Egal, was soll schon passieren, wir sind ja nur ein paar hundert Meter weg. Ich sehe sie um die Hecke in den Hof einbiegen, alles gut! Ich war instinktiv aufgesprungen und hatte das Handy fallenlassen, weil es richtig warm, fast heiß war. Vermutlich hatte das aber mit der Grundtemperatur meiner Hände zu tun die ich nun wieder spürte. Ich hatte total vergessen, dass es kalt war, dass es nass war, meine Knie waren durchnässt, meine Schuhe patschnass und überhaupt! Ich bücke mich nehme das Handy wieder in die Hand. Es ist wirklich ganz schön warm, kann also ganz bestimmt nicht die ganze Nacht hier gelegen haben. Minusgrade, Akkuleistung und so…………was haben wir denn da eigentlich? Ein schönes iPhone? Samsung S10? Boah ist das dünn, das kann doch kein Handy sein, das Ganze ist ja höchstens 2-3 mm dick, eigentlich eher eine Metallplatte, aber warm? Keine Knöpfe, keine Anschlüsse, nichts??? Liegt da vielleicht noch etwas in der Nähe? Ich suche, wie Emma immer sucht, in einer Art Raster und großen Kreisen, nichts außer einem zusammengetretenen Maulwurfshaufen, der mir auffällt. Komisches Profil, wie von einem Kettenbagger nur in klein. Ahhh!!! Wieder lasse ich erschrocken das Stück Metall fallen. Es hat eindeutig vibriert! Kann es vielleicht auch noch Stromschläge verteilen? Quatsch, dieses dünne Ding nach einer frostigen Nacht! Ich hebe es vorsichtig wieder auf, schön warm ist es immer noch………das behalte ich als Handwärmer, was immer es ist. MANN!!! Schon wieder zucke ich zusammen, fast hätte ich das Teil wieder fallen lassen aber diesmal vibriert es in der Seitentasche meiner Handwerkerhose, mein Handy………Sabine………“Sag mal wo bist Du? Emma rennt ums Haus und bellt. Sie hat auch grade in den Garten gemacht. Ihr seid doch jetzt über eine Stunde unterwegs gewesen???“ „Ähhhjaaa, keine Ahnung. Wir sind irgendwie nicht am Wäldchen vorbeigekommen und dann haben wir noch etwas gefunden!“ „Ihr und Euer Wäldchen!! Was habt Ihr denn gefunden?“ „Ähhhhhjaaaa………ich weiß nicht genau!“ Muss ich mir Sorgen machen??? Ich will keinen alten, dementen Mann!!!“ „Ich komm jetzt heim….bis gleich!“ Ich hatte schnell gemerkt, dass ein Telefongespräch hier keine Lösung war und schließlich war ich ja in Sichtweite von zu Hause. Ich stiefelte also los und inspizierte das Teil ein bisschen gründlicher. Es schimmerte bläulich, Vorder- und Rückseite waren vollkommen glatt wie Glas, die Kanten waren gerundet. Es war keine Unebenheit zu spüren, keine Stufe, nicht der geringste Spalt, der vielleicht einen Deckel oder einen Rahmen bedeutet hätte. Ich wendete das Teil wieder und in der halben Drehung nahm ich eine Art Helligkeit wahr. Schnell drehte ich es wieder zurück aber es war nichts zu sehen. Eingebildet! Andererseits, diese glatte Fläche spiegelt gar nicht! Inzwischen waren die ersten Sonnenstrahlen über die Höhenkante des Tales gekommen und auch wenn ich diese darauf scheinen ließ, die Oberfläche veränderte sich nicht, weder auf der einen noch auf der anderen Seite.

Ich war nun fast am Haus angekommen. Sabine stand auf der Terrasse und schaute mich über die breite Thuja-Hecke fragend an. Ich hob das Teil hoch, um es Ihr zu zeigen, als ich mich fühlte, als würde mein Herz stehenbleiben! Ich hatte das Teil zwischen Daumen und Zeigefinger hochgehalten. Es wog ja fast nichts. Aus den Augenwinkeln sah ich eine Bewegung auf der mir zugewandten Seite des Teils. Ich fokussierte meinen Blick darauf und in diesem Moment stolperte ich und fiel der Länge nach ungebremst und ohne Auffangversuch voll aufs Gesicht. Hektisch versuchte ich das Teil, welches mir dabei aus der Hand gefallen war, wieder zu finden. Etwa einen Meter entfernt lag es unter der Thuja im Dunkeln und irgendwie flackerte es an der Seite, die Richtung Boden lag. Zumindest sah es so aus. Ich robbte dorthin, analysierte auf dem Weg dorthin, ob und was alles mir wehtat. Während ich wie durch Watte prustendes Gelächter und mit einer erstickten Stimme die Frage hörte „Ist Dir etwas passiert??? Hast Du Dir wehgetan?“ Das alles von glucksenden Geräuschen unterbrochen………“Nein, alles gut!“ brachte ich heraus und war endlich bei dem Teil angekommen, riss es an mich, drehte es herum…………nichts!

Das kann nicht sein! Ich schüttelte das Ding, drückte überall, klopfte darauf herum………ich war wieder aufgestanden, Sabine schaute mich mitleidig über die Hecke an, als ich versuchte ihr zu erklären, dass ich, während ich ihr das Teil gezeigt habe, mich auf der mir zugewandten Seite gesehen hatte!! „Naja, logisch………Spiegel, Glas, Spiegelbild………Physik Grundschule??“

„Nein“ stammelte ich………“Ein Bild von gestern, als ich auf der Hollywood-Schaukel saß und Kaffee getrunken habe und ich glaube, es gibt noch mehr!“ „Komm jetzt erstmal rein und ruh Dich aus. Lass Dein Homeoffice noch etwas warten, trink einen Kaffee und komm wieder zur Ruhe“ Ich hasse es, wenn man mit mir spricht wie mit einem Geisteskranken. Aber nach meiner linguistischen und artistischen Meisterleistung konnte ich es sogar ein bisschen nachvollziehen. Ich ging die paar Schritte zum Haus und drehte das Teil andauernd in der Hand, um ja nichts zu verpassen. Aber es passierte nichts. Im Haus angekommen kam Sabine mir entgegen. Mitleid heischend hielt ich Ihr das Ding entgegen, welches sie mir aus der Hand nahm und prompt fallen ließ! „Heiß!!!! Aua!!!“ Triumphierend blickte ich sie an „Siehst Du!!“ Ich hob es wieder auf und hielt es ihr entgegen. „Pass auf! Es kann auch vibrieren!“ Sie nahm es wieder vorsichtig in die Hand und hätte es fast wieder fallen lassen. „Genau! Und jetzt sag mir nochmal, dass ich spinne!“ „Was ist das?“ „Genau das würde ich auch gerne wissen! Und vor allem warum zeigt das Ding Bilder von mir und vor allem, wie zeigt es Bilder von mir!?“ Sabine und ich sind beide IT’ler, also durchaus technikaffin und auch zumindest etwas mehr als der Durchschnitt über den Stand der Technik informiert. In diesem Fall leider keine Nerds, aber wir kennen welche! Ich ging nach oben in die Küche und legte das Teil auf den Küchentisch. Nachdem ich mir einen Kaffee eingeschenkt hatte, setzten wir uns an den Tisch und begutachteten es erneut. Wir schraken auf als plötzlich an der Küchentüre ein Grollen ertönte. Emma stand da wie angewurzelt und knurrte uns an. Ihre Lefzen hoben sich und alle Zähne waren zu sehen. Sabine versuchte auf sie einzureden, dass doch alles gut ist und sie doch kommen sollte. Sie warf ihr ein Stück Wiener vor die Füße. Man muss dazu sagen, dass Emma eigentlich einen großen, grünen Punkt auf dem Rücken haben müsste. Es gibt nichts, was nicht gefressen werden würde, außer rohes ungekochtes Gemüse. Alles, was nicht niet- und nagelfest oder in riechbarer Entfernung (gefühlt 1 km) ist, wird gefressen. Und nun lag ein Stück Wiener Würstchen direkt vor ihr und sie ignorierte es! Sabine sagte voller Überzeugung „Hier stimmt etwas nicht!“ Sie stand auf nahm Emma am Halsband und führte sie in die Garderobe, beruhigte Sie und machte die Tür zu. „Ich mach jetzt mal ein paar Fotos von dem Ding und schick die zu Ben. Wenn einer so etwas zuordnen kann, dann er!“ sagte ich, während Sabine mit offenem Mund an der Küchentüre stand und an mir vorbei auf den Tisch starrte. Mein Kopf ruckte herum und ich konnte gerade noch ein Bild erahnen, auf dem ich gerade aus meinem Auto stieg! „Das war der Rathausparkplatz oder?!“ sagte ich. Ich arbeitete seit viele Jahren im öffentlichen Dienst im Rathaus einer kleinen Stadt mit ca. 12000 Einwohnern in ungefähr 25 km Entfernung. „Und vorher waren noch 2 Bilder von hier, vor dem Haus mit dem Motorrad!“ sagte Sabine. „Was zum Teufel ist das!? Wo hast Du es gefunden?“ „Ganz in der Nähe unseres Spezialwaldes. Ich nehme es mal mit ins Büro im Keller, damit Emma wieder rauskommen kann!“ Ich nahm das Ding nachdem wir es wiederum ergebnislos gedreht, gewendet, befühlt hatten, ging ins Büro, legte es auf den Tisch und machte mehrere Fotos. Ich schickte diese gleich per WhatsApp an Ben. Sabine machte grade Hühnerfutter, als ich in die Küche kam. Emma lag auf ihrer Decke und kaute wieder beruhigt und selig an einem Schweineohr, als mein Telefon klingelte. Ben………Ben war einer der guten Hacker…..Er hatte eine Firma gegründet mit der er Unternehmensnetzwerke auf Schwachstellen untersuchte. Hätte er der dunklen Seite der Macht angehört, wäre er Multimilliardär geworden. So war er eben „nur“ Multimillionär. Ich kannte ihn schon seit Jugendjahren und wir hatten irgendwie eine Verbindung, eine innere, seelische Verbindung, die aber keiner richtig definieren konnte. Ich frage ihn bei unlösbaren IT-Problemen und er braucht mich um Nägel einzuschlagen, Schrauben anzuziehen oder Schränke aufzubauen. „Was soll das sein?“ fragte er, während im Hintergrund Schussgeräusche und Schreie zu hören waren, die sich mit Formel1 Motoren- und Flugzeugtriebwerksgeräuschen mischten. Ben „spielte“ nämlich mehrere Spiele gleichzeitig während er arbeitete. Ich stellte auf laut, damit Sabine mithören konnte. „Hi, Ben!“ rief sie. „Hi, Susanne“ sagte Ben, was ein Augenverdrehen von Sabine hervorrief. „Was soll das sein?“ wiederholte Ben. Ich fing an zu erzählen und bekam erst nach einigen Sätzen mit, dass die Hintergrundgeräusche bei Ben nachließen und nach und nach verstummten. „Leg auf!“ rief er plötzlich und trennte die Verbindung. Wir schauten uns an und schraken zusammen, als das Festnetz plötzlich klingelte. Fast gleichzeitig begannen unsere beiden Mobiltelefone zu klingeln und wir schrien erschreckt auf, als Emma wie von der Tarantel gestochen aufsprang und laut bellend auf die Balkontüre zuraste. Sie bellte hinunter, machte auf der Stelle kehrt, rannte durch das Schlafzimmer und immer noch aus voller Kraft bellend mit voller Geschwindigkeit in den Garten und um die Hausecke herum. Wir saßen ein paar Sekunden wie gelähmt in der Küche bis wir aufspringen konnten und hinterherrannten. Wir waren gerade auf der Treppe Richtung Garage, als wir ein Jaulen hörten. Sekunden später bogen wir um die Ecke und sahen Emma im Gras vor meinem Bürofenster liegen. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass die Haustüre einen Spalt offenstand. Aus dem inneren des Hauses hörten wir immer noch die Telefone nervig klingeln. Wir rannten zu Emma……sie atmete………wir drehten sie um, nichts zu sehen, keine Verletzung. Wir schauten uns an und schauten die offene Haustüre an. Emma schnaufte tief, rappelte sich langsam auf und schüttelte sich. Wir streichelten sie, sie zitterte leicht. „Ich geh mit ihr zur Tür“ sagte ich „wenn da noch etwas ist, wird sie es merken“. Ich nahm sie am Halsband und ging mit ihr Richtung Tür. Ich schob die Tür mit dem Fuß auf und stieg die eine Treppenstufe hoch in den Hauseingang. Emma zögerte kurz und ging dann ins Haus. „Hallo!? Ist hier jemand?“ Wir gingen weiter. Die Tür zur Werkstatt war geschlossen. Das war eigentlich nie der Fall denn da befindet sich die Katzenklappe in einem der Fenster. Ich riss die Tür auf, nichts. Gästetoilette leer, Waschküche leer. Emma schnüffelte in das daran angrenzende Kämmerlein. Da konnte demnach auch nichts sein, Gästezimmer leer, Gästedusche, leer, Heizungsraum nichts, Büro……………leer…………kein Knurren von Emma……………aber DAS DING WAR WEG!!

Ich hörte Sabine von draußen rufen. Ich ging mit Emma hinaus………“Es ist weg! Wenn es noch irgendwo wäre, hätte Emma es bemerkt!“ Sabine sagte „Unsere Handys klingeln immer noch!“ Ich habe diesen nervigen lauten „Altes Wählscheibentelefon klingelt Klingelton“ Sabine hat den Samsung Standardklingelton, was beides oft nervt, denn in Fernsehen kommen die so häufig vor, dass man immer wieder auf sein Handy schauen muss……… Unsere Handys lagen auf dem Küchentisch. Wir nahmen sie gingen aus der Küche, Sabine ging Richtung Schlafzimmer/Terrasse und ich ging Richtung Balkon um uns nicht zu stören ich schob den grünen Hörer nach oben nahm das Telefon ans Ohr, drehte mich um und ging Richtung Küche, Sabine kam aus dem Schlafzimmer, wir setzten uns an den Küchentisch, Sabine fragte mich „War was beim Gassigehen?“ Ich sagte „Neeee….finster wars, kalt wars, nass wars! Und vor allem ist MONTAG!“ Mein Handy klingelte…..ich schaute aufs Display „Ah…Ben meldet sich mal wieder!“ ich hob ab und stellte auf laut….“Hi, Ben!“ riefen wir im Chor. Ben sagte “Hi, was ist los…… warum schickst Du mir lauter leere Bilder per WhatsApp? Habt ihr was geraucht?“

 

 

PROLOG

Die beiden stritten mal wieder. „Kannst Du nicht einmal aufpassen? Immer wieder müssen wir wegen Dir alle Hebel in Bewegung setzen, um alles zu bereinigen!“ „Ach stell Dich nicht so an. Das kann doch jedem passieren! Ich habe das Ding aus versehen über den Haufen mit loser Erde gesteuert und dabei hat es sich aus der Halterung gelöst! Wir müssen jetzt endlich mal Nägel mit Köpfen machen! Du weißt die ANDEREN sind uns auf den Fersen! Es steht zu viel auf dem Spiel! Es gibt vielleicht nur diesen Einen!“

„Lass uns nochmal die Analyse überprüfen“

„Wie oft denn noch!?“ Er drückte auf ein vollkommen seltsam aussehendes Gerät mit undefinierbaren Beschriftungszeichen. Eine Anzeige flackerte auf, die beide intensiv beobachteten. „Es gibt keinen Zweifel, das ist der stärkste Ausschlag den wir bisher verzeichnet haben! Nein, es ist bisher der einzige nennenswerte Ausschlag! Die ANDEREN hatten bisher auch keinen Erfolg. Das hat unser Kontakt mitgeteilt“ „Es ist doch klar, dass er das Gen hat! Das sagen unsere Tests eindeutig!“ „Wir müssen ihn in diese Maschine setzen, eher wissen wir nichts Genaues. Wenn er sie steuern kann, dann haben wir den Schlüssel!“

„Das bedeutet, wir brauchen ihn! Er ist wie ein Uhrwerk. Seit den 2 Jahren, die er hier wohnt kommt er immer fast zur gleichen Uhrzeit hier vorbei. Wir holen ihn uns Morgen! Dann testen wir ihn nochmal gründlich. Wir betäuben das Tier erstmal und wenn er den Test besteht, dann lassen wir es verschwinden. Wenn es wieder falscher Alarm ist, dann setzen wir sie beide wieder aus.“ „Wenn er auch beschädigt wird wie die anderen?“

„Wir haben eine Aufgabe zu erfüllen, die alles verändern wird……was bedeutet da ein Individuum? Ich glaube diesmal werden wir Erfolg haben und Geschichte schreiben……NEIN, ICH BIN MIR SICHER!!!! 

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2 thoughts on “DAS GEN

  1. Hallo Roland,
    deine Geschichte hat mich von Anfang an gepackt. Voller Spannung las ich dem Ende entgegen. Irgendwie war ich auf „Krimi“ eingestellt 😉 und erwartete einen potentiellen Mörder, der sein schuldbehaftetes Opfer sucht und findet. Stattdessen bin ich in eine Sience Fiction Geschichte geraten? Oder täusche ich mich? Ich habe das Ende nicht so ganz verstanden. Deine Geschichte lässt da viel Raum für Interpretation. Eigentlich wäre mir eine Auflösung lieber gewesen…😊
    Ich mochte die Form der Ich-Erzählung sehr gern. Du hast dadurch der Geschichte viel Tempo verpasst und den Spannungsbogen geschickt gespannt. Auf Rechtschreibfehler oder Kommasetzung gehe ich nicht näher ein. Da hat wohl jeder seine Fehler gemacht. Selbst wenn man den Text schon oft gelesen hat, liest man immer wieder über die gleichen Fehler hinweg. Das kenne ich von mir selbst. Mir kommt es darauf an, ob mir eine Geschichte gefällt und ich sie nicht aus der Hand legen, sondern in einem Zug durchlesen möchte. Das war bei deiner Geschichte der Fall – trotz des für mich unbefriedigenden Endes. Darum gebe ich dir gern ein ❤️.
    Liebe Grüße
    Angela
    (Stunde der Vergeltung)

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  2. Eine Kurzgeschichte muss den Leser ergreifen.
    Unterhalten und zum Nachdenken bewegen.
    Und sie muss spannend und überraschend sein.

    Dieses alles ist dir gelungen.
    Eine wirklich gute Geschichte.

    Ich fand das Ende gut umgesetzt. Hat mich überrascht. Ich hatte etwas ganz Anderes erwartet.
    Aber genau so muss es sein.

    Ich rate dir, deine Geschichten in Zukunft immer noch einmal gegenlesen zu lassen. Fremdleser finden Flüchtigkeitsfehler viel schneller als man selbst.
    Das ist völlig in Ordnung und normal.

    Ich fand die Perspektive und die Spannung gut umgesetzt und gewählt.
    Kannst stolz auf dich sein.

    Ich lass dir gerne ein Like da.
    Ehrensache.

    Liebe Grüße und schreib auf jeden Fall immer weiter.

    Swen Artmann (Artsneurosia)

    Vielleicht hast du ja Lust und Zeit, meine Geschichte auch zu lesen.
    Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen.
    Meine Geschichte heißt:
    „Die silberne Katze“

    Ich danke dir für deine Geschichte.
    Bleib gesund.
    Swen

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