Iris SchymonickDie Rache

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Sie wachte mit einem Schreck auf.

Irritiert versuchte sie sich zu orientieren.

Was war das? Musik? Ja – das hatte sie geweckt.

Aber – ein Lied?! Wieso hörte sie Musik? Ein schrecklicher, kurzer Erinnerungsblitz durchzuckte sie. Jetzt erkannte sie die Melodie.

Nein! Nicht DIESES Lied! Sie erstarrte vor Angst. Mochte sich nicht bewegen, nicht einmal um heraus zu finden woher es kam.

Ihr Herz hämmerte wild in ihrer Brust – bumm bumm, bumm bumm.

Sie hielt sich die Ohren zu. Gedämpft drang nun die Stimme des Sängers in ihre Ohren:

 

Every breath you take and every move you make. Every bond you brake, every step you take, I´ll be watching you…

 

Dieses Lied von damals – dieses eine Lied – es sollte aufhören. Eigentlich ein schöner Song von „The Police“. Eigentlich. Für sie persönlich ein grässliches Lied. Aus der Vergangenheit.

Aus ihrem Mund kam nur ein Wimmern. Erinnerungen schwappten über sie hinweg. Schlag auf Schlag durchzuckten Bilderfetzen ihr Gehirn.

Haut, überall Hände, das böse Lächeln, Ihre Augen starr vor Schreck, ein Gefühl des Ekels – aber auch ein kleines Zucken der Erregung irgendwo tief in ihrem Innern. Und dieses Lied.

 

Every single day and every word you say. Every game you play, every night you stay, I´ll be watching you…

 

Wie hatte ein Therapeut ihr geraten? Tief einatmen – tief ausatmen.

Ein und wieder aus. Atemübungen, immer dann, wenn sie eine Panikattacke überfiel.

Mühsam versuchte sie dadurch wieder ins Hier und Jetzt zurück zu kommen.

Langsam nahm sie die Hände von ihren Ohren und strich sich schwerfällig einmal über das Gesicht. Als ob sie die Erinnerungen damit fortwischen wollte.

Das Lied. Woher zum Teufel kam…!?

Weiter kam sie nicht mit ihren Gedanken.

Denn so plötzlich wie das Lied laut erklang, verstummte es wieder. Stille.

Alle vorher angespannten Muskeln erschlafften gleichzeitig in ihrem Körper.

Als wäre Blei in allen Gliedmaßen gefüllt worden, sank sie tief in ihre Bettmatratze.

Mühsam versuchte sie sich aufzurichten. Es kostete so viel Kraft. Aber sie musste es wissen. Musste wissen woher dieses Lied kam. Ihre Augen huschten durch das dunkle Zimmer. Jetzt war ihr die Stille unheimlich.

Die Dunkelheit trug dazu bei. Sie wollte gerade nach dem Schalter ihrer kleinen Bettlampe greifen, als etwas auf ihrem Nachttisch vibrierte. Sie verharrte in ihrer Bewegung.

Ein lautes „Pling“ begleitete die Vibration. Einen kurzen Augenblick musste sie sich sammeln. Überlegen. Ach – das Handy. Nur für den Notfall. Sie kannte sich nicht gut damit aus. Zu viel Technik.

Kam daher die Musik? Nur, wie war das möglich? Verwirrung zeigte sich auf ihrem Gesicht. Mit steifen und schweren Fingern nahm sie das Handy von ihrem Nachttisch. Sie starrte auf den kleinen Bildschirm.

„ERINNERST DU DICH?“ stand dort in sehr großen Buchstaben im hell erleuchteten Display.

Nein! Nein – sie wollte sich NICHT erinnern.

„SOLL ICH ES NOCH EINMAL FÜR DICH SPIELEN?“

Das kleine Telefon glitt ihr aus den Händen. Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn, die sich nach und nach mit ihren laufenden Tränen vermischten.

Schwer atmend ließ sie sich wieder in ihre Matratze sinken. Sie spürte wie sie abermals eine Panikattacke überfiel.

Wild rasten unsortierte Gedanken durch ihr Gehirn. Wieder prasselte alles über sie hinein:

Das Lied. Die Kälte. Die Hände. Das Lachen.

Sie spürte förmlich den Ekel.

Alles ist durcheinander. Nicht greifbar. Nicht sortierbar.

Erst das Lied und dann die Nachrichten.

Sie schüttelte den Kopf. Nein! Es quälte sie so. Sie spürte wie es in ihrem Nacken anfing zu prickeln. Langsam zog es sich wie feine Nadelstiche über ihren Kopf. Sie versuchte wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Die Gedanken wieder in einer Bahn zu lenken.

Einatmen – ausatmen.

Sie bildete sich ein, neben ihr auch Atemgeräusche zu hören. Oder atmete sie so laut? Spürte sie nicht auch einen Atemzug neben ihrem Ohr? Das Prickeln zog weiter, die Arme entlang bis zu ihren Fingerspitzen.

Sie konnte sich vor lauter Angst nicht dazu zu bewegen, ihre Bettlampe einzuschalten. Um all ihre Gedanken und Einbildungen durch ein wenig Licht ein Ende zu setzen.

Ihr Herz schlug wieder viel zu schnell. Ihr Atem ging stoßweise. Jetzt halfen auch keine Atemübungen mehr.

Da! Da war es wieder! Ein kleiner, winziger Atemhauch an ihrem Ohr.

Ein Stöhnen entglitt ihr aus dem angstverzogenen Mund. Der Atemhauch kam immer näher. Sie konnte die Wärme fühlen. Ihre Gesichtshaare richteten sich auf.

Eine Stimme flüsterte plötzlich neben ihrem Ohr.

„Ein schönes Lied, oder?“

Die Stimme summte die passende Melodie…!

Kannte sie nicht diese Stimme? Irgendwo tief in ihrem Gehirn versuchte eine Erkenntnis sich an die Oberfläche zu arbeiten. Noch nicht greifbar. Nicht wirklich abrufbar.

Verzweifelt versuchte sie sich zu erinnern.

 

„Ich sehe es. Du erinnerst dich wieder! Und es quält dich.“ flüsterte die Stimme.

„Genauso will ich es.

Du sollst leiden – leiden wie ich. Leiden für damals – als DU nur zugesehen hast.“

 

Sie spürte, wie ihr die Tränen fortgewischt wurden. Dabei summte die Stimme wieder die Melodie.

Ein Frösteln zog über ihren ganzen Körper.

Und langsam nahm die Erinnerung Gestalt an. Diese Stimme. Erkenntnis.

Diesmal ging ein Zittern durch ihren alten, ausgemergelten Körper.

 

Die Stimme ihrer Tochter und das Lied lockten die alte Frau immer wieder aus ihrer voranschreitenden Demenz hervor.

Damit sie sich erinnert. Erinnert an ihre grässliche Tat – die Mutter, die dabei zusah, wie ihre eigene Tochter misshandelt wurde. Und im Hintergrund immer das Lieblingslied ihres Peinigers – und Vaters. Sie, die Mutter gefangen in einer lieblosen und gewalttätigen Ehe. Abhängig und unfähig, sich gegen ihren Ehemann durchzusetzen.

Niemals wurde ein Wort gesagt. Alles still geschwiegen.

Jetzt ist die Zeit da – ein klein wenig Rache von der Tochter. Um zu sehen, wie auch ihre Mutter leidet

16+

12 thoughts on “Die Rache

  1. Moin Iris,

    Yeahhh!! Endlich mal ne Kurzgeschichte die den Namen verdient hat. Teilweise habe ich hier eher Kurzromane gelesen. Aber das nur am Rande…

    Ich bin begeistert. Klare, kurze formulierte Sätze geben dem ganzen den besonderen Kick. Der Schluss gefällt mir richtig gut. Als du „
    Die Stimme ihrer Tochter und das Lied lockten die alte Frau immer wieder aus ihrer voranschreitenden Demenz hervor.„ geschrieben hattest…fand ich die Idee richtig gut. Allerdings dachte ich die Tochter wollte sie in die Gegenwart zurück holen und alles was du geschrieben hattest, waren nur wirre Gedanken einer alten Frau!

    Aber die Geschichte bleibt im Kopf…Klasse!

    LG Frank aka leonjoestick ( Der Ponyjäger)

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  2. Hallo Frank!!!
    Erst einmal….schön, dass du dich durch die anfänglichen „Hieroglyphen“ durchgearbeitet hast!👍🏻
    Du hast Recht – die Geschichte ist sehr kurz – aber manchmal liegt ja in der „Kürze die Würze“!😉
    Danke für das positive Kommentar!!!!!😍
    Mmmh – vielleicht geschieht das ja noch irgendwann, das die Tochter es schafft ihre Mutter in die Gegenwart zu holen – dann gibt es richtig Rache!!!!😂😉

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  3. Hallo Iris,
    eine kurze und sehr gute Geschichte! 👍 Sie hat mir unheimlich gefallen. Der Schluss war total unerwartet. Das hast du sehr gut gemacht. Mein ❤️ hast du. 😊
    Liebe Grüße
    Angela
    PS: Falls du magst…, meine Geschichte heißt „Stunde der Vergeltung“ 😊

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  4. Hallo liebe Iris,

    ich bin zu Dir und Deiner Geschichte über Deinen Kommentar bei Swen (Die silberne Katze) gekommen – und ich muss wirklich sagen: „In der Kürze liegt die Würze“ 🙂 Ich könnte glaube ich nicht soviel Spannung in so wenig Raum packen – Respekt! Da habe ich doch gleich mein Herz dagelassen <3
    Vielleicht magst Du ja auch mal bei mir vorbeischauen (Die Nachtschicht)? Ich würde mich freuen.
    Liebe Grüße
    Anna

    1+
  5. Hallo Anna!!!
    Oh – da bin ich doch glatt rot geworden!!
    Ganz lieben Dank für dein Kommentar – und natürlich für dein Herzchen!!
    Habe mich nicht so ganz genau an die Parameter gehalten – ausser, dass die Geschichte kurz ist! 🙂
    Bin total begeistert von der Aktion und werde auf jeden Fall deine Geschichte lesen! Gut, dass ich bald Urlaub habe – und gaaaaanz viel Zeit zum lesen!
    GLG, Iris

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