CalvaDie Lehre des Todes

Wann immer Claudia mit ihren Gedanken alleine war, setzte sich das Perpetuum mobile des Grauens in Gang. Und es gab kein Entkommen, ganz gleich wie sie sich anstrengte. Der Schrecken aus der Vergangenheit, er hatte seine Klauen nach ihr ausgestreckt und riss die Narben in ihrer Seele auf.

»Brennesseltee?«

Claudia Gorenfels zuckte zusammen, als eine selbstgetöpferte Teekanne vor ihren Augen auftauchte und den Tee in ihre Tasse kippte.

»Äh…«

Sie war gedanklich wieder in ihrem Alptraum gefangen gewesen. Ein Grauen, das nicht einmal vor dem Lehrerzimmer Halt machte, genauso wenig wie ihre Kollegin Silke mit ihrem Gebräu an diesem bewölkten Frühlingstag.

Claudia stand auf, kippte ihn in den Ausguss, erntete einen sträflichen Blick und schüttete sich stattdessen Kaffee ein. Die Schule färbte früher oder später auf jeden ab. Motivation verwandelte sich in einen beigen resignierenden Kleidungsstil und die Frisuren verkamen immer mehr zu einem Gestrüpp, das dem des Efeus an der Schulmauer glich. 

Sie bildete mit ihren 35 Jahren, den roten gegelten Haaren, den Tattoos und ihrer jugendlichen Erscheinung den unseriösen Kontrast im Lehrerzimmer. 

»Frau Kollegin?« Direktor Zeisig stellte sich neben sie. Trotz seines Alters behielt er noch immer die gerade Haltung eines ehemaligen Bundeswehroffiziers bei, was ihm den Spitznamen Der General eingebracht hatte. 

  »Sie haben die dritte und vierte Stunde heute die 10a, ihre alte Klasse. Herr Lorenz ist erkrankt, und die Klasse schreibt heute eine neunzigminütige Englischarbeit, wären Sie so nett?«

»Ja…«

»Sehr schön. Und …« Er musste nicht mehr sagen. Sie nickte.

Als ehemalige Klassenlehrerin war sie damals unmittelbar dabei gewesen.

»Ach, und bringen Sie die Klausuren danach zu mir. Ich besuche Carsten heute Abend«, er fuhr sich mit der Hand über das ergraute schüttere Haar. »Dann kann ich die Arbeiten direkt mitnehmen.«

»In Ordnung, ich lege sie Ihnen ins Fach.«

Die dritte Stunde brach an und sie betrat zusammen mit den Schülern den Raum. Sie ließ ihren Blick durch das Klassenzimmer gleiten, während sich die Schüler aufgeregt tuschelnd auf die Plätze setzten. Viel hatte sich nicht verändert, nur die Bilder aus dem Kunstunterricht waren andere gewesen. Sogar Herr Mensch, eine Pappmachefigur, die sie in der sechsten Klasse angefertigt hatten, stand noch auf seinem Platz am hinteren Ende des Klassenraums und blickte sie aus hohlen Augen und mit breitem Grinsen an. 

Ihr Blick heftete sich auf einen leeren Stuhl.

Ein Platz als Gedenkstätte.

»Denkt dran: Spicken ist erlaubt, so lange ich niemanden dabei erwische.« Kurzes Gelächter, dann teilte sie die Hefte und Klausuren aus.

»Ich bin sicher, dass ihr alle ausreichend gelernt und euch vorbereitet habt. Ihr schafft das, ich glaube an euch.«

»Frau Gorenfels, Pascal ist krank.«

»Ok, notiere ich, dank dir, Sarah.«

Bereits nach wenigen Minuten herrschte angestrengtes Nachdenken. Claudia saß vorne und beobachtete die Schüler, als es das erste Mal vibrierte und ein DONG zu hören war.

»Ich hatte doch gesagt, dass ihr die Smartphones ausstellen sollt!«

Ein erneutes vibrieren, gefolgt von einem weiteren DONG.

»Los, Handy her!«

Sie war aufgestanden. 

»Frau Gorenfels, das kommt aus Ihrem Tisch.«

Sie öffnete die Schublade und in einem kleinen Kasten, neben Stiften und Papierbögen, lag ein Smartphone. Sie drückte auf den Button und hätte beinahe geschrien.

Zwei Nachrichten standen auf dem Display:

Hallo Claudia, mache den Test und tilge deine Schuld. Bereue oder du wirst bereuen…

PIN: 0000

Was passiert hier? Spielt mir die Klasse einen Streich? Und was soll ich bereuen?
Langsam ließ sie ihren Blick durch die einzelnen Reihen wandern. Alle waren über ihre Hefte gebeugt, lasen, schrieben oder waren in den Aufgaben versunken. Niemand achtete auf sie. 

Während das Blut ihr in den Ohren rauschte und ihre Hände leicht zitterten, gab sie den PIN ein, und dann sah er sie an. Augen, die strahlten und deren Blick sich auf sie hefteten.

Sein Gesicht. Sein Lächeln. Seine Lust.

Das konnte nicht sein. Niemand wusste davon. Ihre Finger hinterließen einen leichten Schweißfilm, als sie auf dem Display zum nächsten Bild wischte. Eine Frau, die Händchen hielt mit einem Jungen.
Sie und Marius

Woher kam das Foto? Niemand hatte es damals mitbekommen, ihre verbotene Beziehung und das Ende:

Es war große Pause, als sich eine Traube an Schülern bildete und auf das Schuldach deutete.

»Marius!«, Direktor Zeisig schrie über den Schulhof. Doch der Junge auf dem Dach zeigte keine Reaktion.

Claudia stand zwischen den Kollegen, blickte hoch.

»Ich kann nicht mehr!«

»Egal, was es ist, wir können darüber reden. Egal, was dich belastet, wir können es klären!«

»Nein, Sie verstehen nicht!«

Dann entdeckte Marius sie in der Menge, sie spürte es, und einen Wimpernschlag später sah sie seinen Körper nach vorne kippen und hörte den dumpfen Aufprall. Das unverwechselbare Geräusch, wenn etwas Schweres aufschlug. 

Er klang heute noch in ihren Ohren nach.

Das Smartphone vibrierte erneut. Eine neue Textnachricht.

Sie klickte auf die Nachricht und ein Bild öffnete sich. Sie mit Marius, intim vertraut, nackt und küssend.
Willst du, dass die Polizei erfährt, was du getan hast? Bestehe den Test und die Bilder verschwinden.

Sie schaltete den Ton des Smartphones aus, dann ploppte schon eine neue Nachricht auf. 

Aufgabe 1: Schrei einen Schüler an. Du hast 3 Minuten Zeit.

Hatte sie noch geglaubt, dass die Bilder und die Erinnerung an Marius sie nicht mehr schockieren könnten, musste sie zugeben, dass die Situation nicht schlimmer hätte kommen können. Ein Unbekannter erpresste sie während einer Klausur, und sie war gefangen in dem pädagogischen Sarkophag. Sie musste diese Aufgaben bestehen oder sie würde im Gefängnis landen, doch auch das würde ihr keine Sicherheit garantieren. Die Polizei würde alles herausfinden. Ihre Beziehung zu einem minderjährigen Jungen und was sie getan hatte. Ihre komplette Existenz wäre vernichtet. Von den Schülern hatte niemand etwas bemerkt. Vergebens versuchte sie, das Zittern in ihrem Körper zu unterdrücken. Sie atmete tief ein und aus, doch die Panik hatte sie bereits im Würgegriff. Sie musste es wissen.

Wer bist du?

In ihrer Hand begann das Smartphone zu vibrieren. 

Du weißt es. Noch 1 Minute!

»Thomas!«, sie schrie viel lauter, als sie vorgehabt hatte. Alle Schüler zuckten zusammen und sahen sie irritiert an. Am meisten Thomas selbst, der keine Ahnung hatte, was er überhaupt getan hatte.

»Glaubst du tatsächlich, ich bin blöd? Hör auf damit!«

»Was denn?«

»Thomas! Hör auf!«

»Ich habe nichts getan!«, entgegnete er.

Der sonst so schüchterne Schüler sah sich ungerecht behandelt und gab nicht sofort klein bei. 

»Ist gut jetzt…«, sagte sie und tat so, als ob sie was in der Tasche suchte. 

Das Smartphone vibrierte.

Bravo! Gut gemacht! Nun folgt Aufgabe 2: Nimm jemandem die Klausur weg! Du hast 10 Minuten!

Er wollte ihr alles wegnehmen, weil sie ihm alles genommen hatte. Sie war wie eine Ratte in einem grotesken Labor, nur das sie in einem Klassenraum voller Schüler saß und nichts tun konnte, außer sich oder die Kinder ans Messer zu liefern. Das war das Experiment. Wie weit würde sie gehen?

Wegnehmen…

Das Wort ließ eine Kaskade an Gedanken in ihr auftauchen.

Sie hatte gesehen, wie er von dem Dach gesprungen war, wie Marius‘ lebloser Körper dort gelegen und seine Knochen und sein Blick gebrochen waren. Sie war auf seiner Beerdigung.

Unmöglich. Er war tot!

Natürlich, sie hatte Fehler gemacht, ihr ganzes Leben schien ein Fehler zu sein: Der Spaziergang im Park, der Kuss, die Nähe zu ihm. Ihr ganzes Leben hatte nur Fehler als Basis. Wie hatte sie ihre eigene Schwester vor Jahren noch genannt? 

Claudia-a-a-a ist ein Fehla-a-a-a, das weiß jeda-a-a-a!

Nein, sie war kein Fehler! Wer auch immer sie hier versuchte zu erpressen, sie würde mitspielen und ihn dann so richtig fertigmachen. Egal, wer sein Spiel mit ihr spielte, sie würde ihn erwischen.
Denk logisch nach.

 Jemand aus diesem Raum musste es sein. Wie sonst hätte die Person mitbekommen können, dass sie Thomas gerade eben angeschrien hatte?

Vielleicht ist es sein Geist?

Unsinn!

 Hastig notierte sie sich etwas. Noch zwei Minuten Zeit. 

Atmen. Handeln.

»Nicole!«

Die Schülerin aus der dritten Reihe zuckte zusammen und sah Claudia mit aufgerissenen Augen an. 

»Her mit der Klausur. Ich hab dir gesagt, dass ich Spicken nicht toleriere.«

»Ich habe wirklich nicht gespickt.«

»Ach?«, Claudia ging zu ihr, griff zum Heft und ließ in dem Moment einen kleinen Zettel aus ihrer Hand gleiten.

»Und was ist das hier?«

»Ich weiß nicht? Der gehört mir nicht!«

»Natürlich«, sagte sie und faltete das Blatt langsam und gut sichtbar für alle anderen Schüler auseinander, »das Blatt lag hier einfach herum. Interessant, dass hier Lösungen draufstehen.« Nicole starrte sie mit einem fassungslosen Gesichtsausdruck an.

»Aber… ich habe doch gelernt, ich bleibe sitzen, wenn ich die Klausur nicht bestehe.«

»Das ist dein Pech, und das ist wohl ein Spickzettel. Also: Tasche packen und raus hier.« Claudia deutete mit der Hand auf die Tür.

Das Mädchen begann in Tränen auszubrechen. 

»Bitte, er gehört mir wirklich nicht«, wimmerte sie. »Frau Gorenfels, bitte, bitte, ich kann das nicht. Ich mache wirklich alles!«

»Raus, sofort!«

Sie nahm das Heft, knallte es auf den Schreibtisch und schaute dabei zu, wie Nicole weinend zur Tür ging und sich noch einmal umblickte in der Hoffnung, dass sie ihre Meinung ändern würde. 

»Und für den Rest gilt: Weitermachen. So leid mir das für Nicole tut, aber wer versucht, unfair zu spielen, der sollte sich eben im Klaren sein, dass es Konsequenzen hat, wenn man betrügt.«

Sie setzte sich wieder ans Pult und wartete. Sie hatte zwei Aufgaben gemeistert und einer minderbegabten Schülerin den Abschluss versaut. Natürlich würde sie sich beschweren, aber was hatten sie in der Hand? Den Spickzettel für Nicole hatte sie angefertigt und wer sollte einer Schülerin glauben, die kurz davor stand, sitzen zu bleiben? Niemand. 

Bald würde die Stunde enden und somit auch ihr Test. Mit jeder Minute wurde der Kloß in ihrem Hals größer. Claudia konnte sich nicht vorstellen, dass das alles war, und genau dieser Gedanke machte ihr Angst und sollte sich wenige Sekunden später in bittere Gewissheit verwandeln: Das Display leuchtete auf.

Sehr gut! Nun zur letzten Aufgabe, fast hast du den Test bestanden. Jetzt heißt es: Finde mich und beichte!
Zuerst verstand sie die Worte nicht. Finden und beichten? Doch dann kam das Entsetzen. Ihre Chancen, diesen Test zu bestehen, waren null. Die ersten beiden Aufgaben waren lediglich Ablenkungsmanöver, um sie jetzt vollständig zu zerstören. 

Hastig blickte sie sich um. Wer hatte ihr die Nachricht geschickt? Es musste jemand im Raum sein. 

Jemand beobachtet mich und will, dass ich hier vor den Schülern alles beichte.

 Aber alle waren beschäftigt. 

Dann blieb nur eine Alternative: Marius war hier.

Können Geister SMS schicken? Reiß dich zusammen!

Der Teppich aus fasrigen Gedanken und der Angst, dass sie die Kontrolle nicht nur über die Situation, sondern über sich verlor, folterten ihr Hirn. Und bevor Claudia wusste, was sie tat, tippte sie auf dem Smartphone eine Nachricht ein:

Bist du Marius?

Sie schickte die Nachricht ab und starrte auf die Schüler und hoffte, dass es einen Ton oder ein Vibrieren gab.

Sonst bist du einem Rachedämon ausgesetzt.

 Und dann hörte sie es. 

Wwwwwwrp

Aus dem Augenwinkel sah sie, wie ein Schüler in den Rucksack griff, ein Smartphone herausholte und heimlich draufblickte.

Es war Thomas. 

Mit einer fließenden Bewegung ließ er es wieder in den Rucksack gleiten. Nervös blickte er kurz zu ihr und sie starrte angestrengt in eine andere Richtung. Er sollte es nicht merken.

Hab dich, du Penner!

Sie würde abwarten und ihn am Ende der Stunde zu sich zitieren. Dem kleinen Idioten würde sie schon zeigen, was es hieß, sich mit ihr anzulegen. Genauso wie ihrer kleinen Schwester damals. Sie hatte sich auch immer gegen sie gewehrt, sie verpetzt und beleidigt, wenn es niemand mitbekam. Jedenfalls bis zu dem Tag, als sie genug hatte: Sie hatten in der Wohnung gespielt, bis zu dem Zeitpunkt, als Steffi das Lied anstimmte: Claudia-a-a-a ist ein Fehla-a-a-a, das weiß jeda-a-a-a!, ein Lied, das sie immer sang, wenn ihre Eltern nicht zu Hause oder in der Nähe waren. Doch an diesem Tag weinte Claudia nicht, sondern ging ruhig auf ihre Schwester zu. Zuerst irritiert, dann ängstlich blickte Steffi sie an und rannte weg, bis sie zur Treppe im Treppenhaus kam. Claudia war schneller gewesen. Es hatte nur einen kleinen Stoß bedurft und sie war gefallen. Als Steffi unten ankam, blieb sie am Fuße der Treppe in einer seltsam verkrümmten Haltung liegen. Seitdem war sie vom Hals abwärts gelähmt und ihr Erinnerungsvermögen glich dem eines Demenzkranken. Keine Erinnerung, für immer ans Bett gefesselt. Tja, wer war jetzt der Fehler? Jedes Jahr besuchte sie ihre Schwester und flüsterte ihr das Lied in das Ohr.

Es klingelte zum Stundenende.

»Bitte legt die Hefte auf mein Pult  und geht in die Pause.« Nach und nach strömten die Schüler nach vorne, auch Thomas.

»Bleibst du noch?«, sie sah ihn unverwandt an, »Ich muss mit dir über dein Verhalten von vorhin reden.«

Er nickte und seine Wangen färbten sich rot. Sie konnte ihm ansehen, dass er nervös wurde. Vorhin noch eine dicke Lippe riskiert und jetzt war er nur noch ein jämmerlicher Zehntklässler.

»Hier, du nimmst den Stapel, ich den anderen.«, sagte sie, gab ihm die Hälfte der Arbeitshefte und dann gingen sie aus dem Klassenzimmer, »Wie lief’s?«

Thomas zuckte mit den Schultern und schlurfte hinter ihr her.

»Wir geben die Arbeiten nur schnell ab und dann unterhalten wir uns in Ruhe.«  

Sie quetschten sich weiter durch die Massen an Schülern, die gerade in den Pausenraum oder zum Schulhof strömten, brachten die Klausuren zum Direktor und gingen in einen leeren Klassenraum. Claudia nahm sich einen Stuhl und setzte sich gegenüber von Thomas. Für einen Moment sah sie ihn nur an. Sie wollte ihn emotional aufwühlen, die Stille nutzen und ihn verunsichern. Während Mädchen sich viel eher trotzig zeigten, die Stille aushielten, waren es die Jungen, die wesentlich schneller zerbrachen. Die emotionale Unsicherheit machte sie förmlich zu Marionetten, die – sobald auch nur der Verdacht in der Luft lag – alles zugaben.

»Also…«, fing er an. »ich habe vorhin wirklich nichts getan.«

Schweigen.

»Weißt du denn, warum ich dich angeschrien habe?«, fragte sie und achtete darauf, möglichst einfühlend zu klingen. Es kostete sie Beherrschung, aber sie musste sein Vertrauen gewinnen. 

»Keine Ahnung.«

Genau, und deswegen streitest du zuerst alles ab, du kleiner Idiot …

»Schon gut, Thomas. Schon gut. Dann will ich es dir erklären.«

Sie holte das Smartphone aus ihrer Tasche und legte es auf den Tisch.

Er sog hörbar die Luft ein.

»Weißt du, ich habe die ganze Zeit während der Klausur Nachrichten bekommen. Fällt es dir jetzt ein?«

»Nein.«

»Bist du sicher? Ganz ehrlich, du hast mir Angst eingejagt, das macht man nicht. Und Marius? Wieso benutzt du deinen alten Freund? Wieso benutzt du einen Toten

Thomas begann zu zittern, sah weg und unterdrückte die Tränen. Sie musste nur noch ein wenig mehr in seiner Psyche bohren und sein Geständnis würde wie Eiter aus einer Wunde herausströmen.

 »Was ist los? Komm schon, Thomas, ich bin Vertrauenslehrerin. Du kannst mir alles erzählen.«

Er fuhr sich mit der Hand über die Augen, wischte die Tränen weg. »Es ist nicht so einfach.«

Claudia näherte sich ihm. Sie wollte ihn körperlich erdrücken. Je näher sie ihm kam, desto eingeengter würde er sich fühlen. 

»Also, hast du mir Nachrichten geschickt?«

In diesem Moment öffnete sich die Klassenzimmertür. 

»Oh.«, zwei Schülerinnen standen dort und blickten auf das Schauspiel vor sich. »Tschuldigung!«

Als die Tür geschlossen war, drehte sich Claudia zu Thomas um. Er hatte sich wieder gefangen. Sie war so dicht dran gewesen und jetzt das.

»Also, Thomas, entweder du zeigst mir jetzt dein Smartphone und sagst mir, was das sollte, oder ich melde es dem Direktor.«

»Frau Gorenfels … ich kann es nicht erklären. Ich weiß nicht, warum ich das getan habe. Ich…ich…ich – würden Sie sich mit mir treffen? Es geht um etwas Privates.«

Der Pausengong unterstrich seinen Wunsch.

»Wie stellst du dir das vor? Ich kann mich doch nicht abends mit einem Schüler treffen.«

»Marius… er hat mir erzählt, dass sie ihm geholfen haben.«

»Was?«

Ihr Mund wurde trocken und ein bitterer Geschmack breitete sich aus.

»Marius kam damals zu mir und hat mir gesagt, dass sie ihm geholfen haben. Stimmt das?«

Was hatte dieser dumme Junge ihm gesagt? 

Sie musste es herausbekommen und ihn dabei am besten ganz zum Schweigen bringen.

Sie nickte. »Na gut, pass auf, ich sehe, dass es dir nicht gutgeht, und ich helfe dir. Wir treffen uns heute Abend und reden in Ruhe darüber.«

Sie nannte ihm ihre Adresse und Uhrzeit.

»Ach, und Thomas?«

»Ja?«

»Kein Wort zu niemanden, sonst melde ich die Aktion.«

Er lächelte sie an. 

»Danke.«

*     *     *

Es regnete leicht, als Claudia aus dem Wohnzimmerfenster in ihren Garten blickte. Die Wolken waren grau und die Sonne verlor immer mehr an Kraft. Bald würde die Nacht hineinbrechen. Es gab ein Problem. Warum hatte Thomas so einen Aufwand betrieben und sie sogar bedroht? Sie würde es aus ihm herausbekommen. Hoffentlich hatte er ihr die Vertrauensnummer abgekauft. Natürlich wollte sie alles wissen, doch im Klassenraum selbst konnte sie nicht viel machen. Es wäre zu auffällig gewesen. Aber heute Abend würde sie ihn zum Schweigen bringen. Sie hatte bereits Kontakt aufgenommen und angefragt, ob es Interesse an einem schlanken, blonden Lockenkopf gab. 

Gab es, die Gebote waren auf der Internetseite innerhalb von einer Stunde auf über 150.000 Euro gestiegen. Er würde live erleben, was es hieß, wenn einem so richtig der Arsch aufgerissen werden würde. Und seine Schreie würde niemand hören. Wie auch? Das verlassene Fabrikgelände war perfekt dafür geeignet, und die Videoaufnahmen würden im Darknet schnell weitere Käufer finden. Seine Aktion, die sie erschrecken sollte, würde ihr nur dazu verhelfen, endlich genug Geld angespart zu haben. Die Schule und ihr Leben wären Vergangenheit.

Sie hatte sich schick gemacht, ein Top mit tiefem Ausschnitt und dezentes Make-Up. Das hatte bislang immer gereicht, sie alle in ihr Spinnennetz zu locken. Ihr kleines Haus war perfekt geeignet. Büsche schirmten die Haustür vor neugierigen Blicken ab. Wohnzimmer und Küche waren modern, aber gemütlich gehalten, und ihr Keller war das perfekte Verlies, falls es soweit kommen sollte. 

Sie hatte genug Alkohol besorgt, das Thomas am Ende einem lallenden Clown glich. Das Wichtigste aber war die Notfallmedizin: GHB. Nach spätestens 30 Minuten wäre er erledigt und dann würden sie kommen, sobald sie Bescheid gab. Innerhalb von einer Stunde kamen sie in ihren Anzügen, fragten, wo es sei, gaben ihr das Geld, verfrachteten das Paket in einen kleinen Lieferwagen und verschwanden in der nackten Dunkelheit, als ob es sie nie gegeben hätte.

Es klingelte.

Sie wartete einen Moment, damit sich seine Nervosität steigerte, und öffnete langsam die Tür. 

»Hallo«, sagte Thomas. Seinen üblichen Pulli hatte er gegen ein Hemd getauscht, das aber durch seinen Rucksack zerknittert wurde. Seine Augen huschten auf ihren Ausschnitt. Das Spiel konnte beginnen.

»Hallo, Thomas, möchtest du reinkommen?«

Er hielt ihr einen Strauß Blumen vor das Gesicht. »Ich wusste nicht, ob Sie Blumen mögen, aber -«

»Thomas, ich danke dir!«, sie bedeutete ihm, dass er eintreten sollte. 

»Setz dich doch auf die Couch, ich stelle die Blumen in die Vase. Möchtest du was trinken?«

»Ja, gerne.«

Nach wenigen Minuten kam sie zurück, bewaffnet mit der Vase und zwei Getränken.

»Vielen Dank. Auf uns und die Lösung der Probleme, ich bin übrigens Claudia.«, sie prostete ihm zu.

»Cheers, bin Thomas…, aber das wissen Sie ja.« Er versuchte so zu tun, als wäre er es gewohnt, harten Alkohol zu trinken.

Claudia zog das Handy hervor und legte es auf den Tisch. 

»Ich weiß, seit Marius sich umg…«, sie hustete verlegen, »gestorben ist. Das war für uns alle nicht einfach. Also, was sollte die Aktion?«

Thomas begann zu erzählen und berichtete davon, dass er seit dem Selbstmord von Marius nachgeforscht hatte. Er hatte Marius‘ Tagebuch gefunden und gelesen, dass Claudia mit dem Schüler eine Beziehung hatte. 

Gerade bei diesem Teil spürte sie, wie sie sich zu verkrampfen begann. Scheiße, es gab ein Tagebuch. Natürlich, Marius war sensibel genug gewesen, um eines zu verfassen.

»Aber ich bin Ihnen, äh dir, nicht mehr böse, du wolltest ihm helfen.«

Claudias Augen füllten sich mit Tränen und sie nickte nur stumm.

 »Ich war nur einfach sauer und hätte nicht gedacht, dass du das herausfindest, dass ich dir Nachrichten geschickt habe. Jetzt bin ich aber eher dankbar dafür. Weißt du, Marius war am Ende sehr seltsam. Fast schien es, dass er vor etwas Angst hatte.«

Während er sprach, konnte sie bereits beobachten, wie die Droge zu wirken begann. Immer wieder verlor er den Faden und fuhr sich mit der Hand über die Augen. 

»Was hast du sonst noch gelesen?«

Thomas starrte sie an. In seinem Blick lag etwas Abwesendes.

 »Gar…nichts..echt..nicht«, er sprach ganz langsam. »Tschuldigung, ich bin so müde. Er hat nur was von Wölf- Wölfen geschrieben.«

Claudia konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. 

»Ich glaube, er hatte Wolfsrudel gemeint.«

»Ge…genau…woher…?«

»Und wo liegt das Tagebuch?«

»Im Rucksack.«

»Das ist brav, Thomas.«

»Gleich lernst du sogar das Wolfsrudel kennen. Das sind ganz nette Männer, die sich mit dir unterhalten wollen.«

»Männer?«, Thomas hatte die Augen geschlossen und sackte langsam in sich zusammen.

Claudia beugte sich über ihn und öffnete den Rucksack. Dieser Idiot, er hatte es ihr zu einfach gemacht. Sie würde das Tagebuch, genauso wie ihn, verschwinden lassen.

Wwwwwrp

Sie hielt inne. Hatte das Smartphone vibriert?

Wwwwwrp

Der Bildschirm leuchtete auf. Irgendwo tief in ihrem Inneren begann sich eine Schlange um die Organe zu winden. Sie spürte einen ungeheuren Druck und ihr Brustkorb schien förmlich zu explodieren, als sie langsam danach griff. Thomas hatte doch alles zugegeben?

Hallo Claudia, du hast mich nicht gefunden, ich aber dich. Du hast den Test nicht bestanden.

PS: Ich bin in deiner Nähe …

Claudia sah sich im Wohnzimmer um. Die verschiedenen Kunstdrucke schienen wie surreale Versprechen auf ihr Ende zu sein. Schwarze und rote Farbtupfer, die das gedimmte Licht kontrastierten. Sie sprang auf, rannte zum Lichtschalter und ließ alles erstrahlen.

Scheiße, was wurde hier gespielt?

Irgendwo knarrte eine Tür. Sie rannte in den Hausflur. Nichts. Die Haustür war zu. Dann eilte sie in die Küche, kontrollierte die Fenster. Schlaf- und Badezimmer blieben noch übrig. Ein kalter Luftzug, der Geruch von Regen, Dunkelheit.

Der eigentümlichste Charakter der Finsternis ist die pure Angst. Wenn aus einer Ahnung die Erkenntnis wird, dass etwas direkt vor einem steht und lauert.

»Hallo?«

Tack Tack Tack….

Der abwegigste Gedanke nahm einen realen Charakter an. Doch es konnte nicht wahr sein! Thomas hatte es zugegeben, er war es und doch…

»Ma…Marius? Bist du das?«, ihre Stimme klang fremd und so laut, als würde jemand direkt neben ihr schreien. Die Schwärze antwortete nicht.  Eine Träne kullerte über ihre Wange. Sie tastete sich blind durch die Küche, spürte die kalte Granitplatte unter sich und griff ins Leere. Dann spürte sie etwas Warmes und Weiches. Jemand stand direkt vor ihr.

Claudia schrie auf und schlug wild durch die Luft. Nichts. Jeder einzelne Schlag landete in der Dunkelheit, und dann wurde es hell.

*     *     *

Gesichter. Eine ganze Scharr an Gesichtern stand vor ihr. Sie hatten sie ins Wohnzimmer gebracht und neben Thomas auf die Couch gesetzt.

Die Klasse 10a. Sie alle waren schwarz gekleidet und starrten sie an.

»Frau Gorenfels, Sie sind durch die Prüfung gefallen. Sie haben uns nicht gefunden.«

»Ich verstehe nicht.«

»Sie haben heute Aufgaben bekommen.«, sagte Pascal, der jetzt auf einmal kerngesund wirkte. »Zwei Aufgaben haben Sie erfüllt, aber die wichtigste Prüfung, die haben Sie nicht bestanden.«

»Was redest du da, Pascal? Was soll das hier alles?«

Claudia hatte das Gefühl, dass ihre Haut brannte und sie gleichzeitig in einem Aufzug in das Bodenlose raste. 

»Sie hatten eine nette Unterhaltung mit Thomas, was haben Sie ihm gegeben? Thomas war unser Köder, und er hat die Haustür angelehnt gelassen … und wir wissen alles.«

Sie schüttelte ungläubig den Kopf.

»K.O. Tropfen.«, ein Schüler kam aus der Küche und hielt ein kleines Fläschchen in der Hand. Claudia warf ihm einen finsteren Blick zu.

»Und was wollt ihr von mir?«

»Lassen Sie es mich erklären: An Ihrer alten Schule sind zwei Schüler in der siebten Klasse verschwunden. Man fand sie tot in einem Waldstück. Danach waren Sie für ein Jahr im Ausland. Auch da gab es einen Todesfall. Zwar nicht in Ihrer Klasse, aber es ist schon wirklich interessant, dass Schüler immer dort starben, wo Sie unterrichteten, oder?«

»Pascal…ich -«

»Und dann fanden Sie Marius.«, unterbrach er Claudia. »Wir wissen, was Sie mit ihm und den anderen Schülern gemacht haben. Sie haben das Vertrauen gewonnen, mit ihnen geschlafen, um ihre Macht auszukosten. Dann haben Sie die Schüler im Darknet an einen Kinderpornoring verkauft und Geld kassiert. Damit waren Sie fein raus.«

»Ihr kommt euch ja richtig intelligent vor. Ihr alle!«, sie schrie die Worte in blinder Raserei. 

»Ihr habt keine Ahnung. Ich habe Marius geliebt!«

»Und dennoch haben Sie ihn verkauft. Wissen Sie: Er hat es herausbekommen, und Sie hätten ihn beinahe erwischt.«, Pascal zog ein Smartphone hervor und ließ eine Sounddatei abspielen.

»Was machst du da an meinem Laptop?«

Klatschen. Schmerzensschreie.

 »Wenn du auch nur einer Menschenseele davon erzählst, dann bist du dran! Hörst du! Ich mache dich fertig, ich kenne Männer, die so kleine Jungen wie dich gerne mal anfassen, berühren und am Ende benutzen wollen! Es liegt bei dir…«, hörte sich Claudia selbst sprechen.

»Woher hast du das?«

»Von Marius. Er hat Thomas und mir einen Brief hinterlassen. Samt SD-Karte und allen Daten, die er von Ihrem Laptop gezogen hat.«

»Was für eine SD-Karte? Wovon sprichst du überhaupt?«

»Marius war neugierig, was seine Noten betraf, und hat Ihren Laptop gehacked. Sie hätten sich ein besseres Passwort ausdenken sollen. Als er dann entdeckte, was sich auf dem Laptop befand, hat er die Daten auf eine Karte gezogen. Er ist aus Angst vor Ihnen und den Männern gesprungen.«

Für einen Moment suchte Claudia nach den richtigen Worten, sie brauchte einen Plan.

»Wo ist die Karte?«

»Das spielt keine Rolle.«

»Du erzählst so einen Müll. Woher wusstet ihr denn, dass ich euch beaufsichtige, Sherlock?«

»Wir haben Herrn Lorenz gestern was in seinen Kaffee getan und er kommt vermutlich immer noch nicht vom Klo runter. Und da nur Sie die dritte und vierte Stunde frei hatten, lag es auf der Hand. Ich habe in Herr Mensch eine Kamera platziert, damit ich Sie während unseres Tests im Auge behalten konnte.«

Für einen Moment lächelte er, beinahe stolz, und dann wich das Lächeln und er sah sie traurig an.

 »Sie haben Ihre Chance nicht genutzt und sind durchgefallen. Das war Ihr Fehler.«

Claudia blickte ihre Schüler an.

»Mein Fehler

Ihre Gesichter waren die stummen Antworten, die ihr noch zwei Stunden später im Kopf nachhalten, als sie auf dem Dach des Schulgebäudes stand und hinabblickte. 

»Claudia-a-a-a ist ein Fehla-a-a-a, das weiß jeda-a-a-a!«, hörte sie ihre Schwester singen und dann wurde es endlich still.

26 thoughts on “Die Lehre des Todes

    1. Richtig spannend und ein unglaublich krasses und runde Ende! Die Schüler und der eine Schüler, die sich an der Lehrerin rächen wollen! Super umgesetzt. Eine kleine Idee hätte ich jedoch: Wie wäre es gewesen, wenn man am Anfang nicht gewusst hätte, was Claudia mit dem Marius zusammen war Bzw. gar nicht gewusst hätte, was ihr Geheimnis ist? Ist nur so ne Idee😊.

      Viele herzliche Grüße
      Christina/chris.tina90 (Vollende…t)

  1. Schockierend, furchteinflößend und unendlich spannend!
    Deine Geschichte hat mich extrem mitgerissen und begeistert.
    Top Schreibstil – liest sich wirklich genial und flüssig.
    Eine Wendung, wie sie wohl niemand erwartet hätte! Hätte auch aus der Feder von Sebastian stammen können ;D
    Schade, dass du es nicht in die Top 12 geschafft hast – du hättest es in meinen Augen mit dieser grandiosen Story mehr als verdient gehabt!
    Alles Gute und Viel Erfolg für das Voting weiterhin 🙂

  2. Welcome in the Twilight Zone…😱😱

    Was für eine krasse Story! Hier gibt‘s Geschichten da fragt man sich „ WTF „!! Wenn die Jury sowas übersieht, oder was auch immer die Gründe sind das du nicht genommen wurdest, wie gut müssen dann erst die Geschichten im Buch sein? Heute ist wohl der Tag der Guten Geschichten!

    Spannend, packend vom Anfang bis zum Ende..mein Like geb ich dir gerne und wünsche alles gute für‘s Voting! 🙏🏼

    LG Frank aka leonjoestick ( Geschichte: Der Ponyjäger)

  3. Wow, das ist eine super Geschichte! Sie war spannend und interessant. Schöne plottwists. Bisher eine der besten die ich hier gelesen habe. 👏👏👏

    Ich würde mich sehr freuen, wenn Du meine Geschichte „,Stumme Wunden“ lesen und ein Feedback da lassen würdest. 😊

    Liebe Grüße Sarah! 👋 (insta: liondoll)

  4. Hallo Calva

    Ich kann mich meinen Vorrednern, Vor-Kommentatoren nur anschließen.

    Was für eine krasse und hochkarätige Kurzgeschichte.

    Da bin ich ja mal froh, dass ich in meinem richtigen Leben nur ein ganz normaler und lieber Lehrer bin 🙂

    Du hast einen einzigartigen Schreibstil und eine enorme, kreative Begabung.
    Man spürt und lebt deine Erfahrung, deine Sicherheit.
    Grandios.
    Wirklich.

    Deine Geschichte hat mich gefesselt und berührt. Und sie hat mich im wahrsten Sinne des Wortes mitgerissen.

    Deine Grundidee, deine Thematik, sehr cool und mutig.

    Der Aufbau der Geschichte ist logisch und gut, der Spannungsaufbau genial, die Protagonisten, die Dialoge und das sehr starke Finale großartig und selten erreicht.

    Kurz: Deine Geschichte hat alles, um ein Klassiker zu werden.
    Blödsinn:
    Deine Geschichte ist in meinen Augen jetzt schon ein Klassiker.

    Sie gehört definitiv mit zu den besten Stories, die ich in den letzten Tagen lesen durfte.

    Es ist unfassbar, wie viele super talentierte AutorInnen sich hier tummeln.

    Warum bist du nicht im Hauptbuch, und warum hast du erst so wenige Herzen?

    Da läuft doch irgendwas falsch.

    Ich gratuliere dir ganz herzlich zu deiner Geschichte.
    Kannst du stolz drauf sein.

    Ich wünsche dir und deiner Geschichte alles Gute und viel Erfolg.
    Und ganz viele Likes.

    Mein Herz(chen) hast du dir jedenfalls redlich verdient.
    🙂

    Liebe Grüße und schreib bitte IMMER weiter.
    Du wirst noch viele bezaubernde Geschichten schreiben und viele bezaubernde Leser erreichen.
    Wetten?

    Hau rein und bleib gesund.

    Swen Artmann
    (Artsneurosia)

    Vielleicht hast du ja Lust und Zeit, auch meine Story zu lesen.
    Über einen ehrlichen Kommentar würde ich mich sehr freuen.

    Meine Geschichte heißt:
    „Die silberne Katze “

    Vielen Dank.
    Swen

  5. Hej Calva,

    das ist wirklich eine krasse Geschichte! „Krass krass“ und zugleich „krass gut“ 😉

    Du ziehst mich ohne Umschweife ins Geschehen und mitten rein in diesen eigentümlichen Mikrokosmos Schule. Ich lese gebannt weiter, staune, wie eins zum anderen kommt, wie sich immer neue Wendungen und neue Abgründe auftun – bis hin zum fulminanten Ende. Chapeau!

    Kann/darf/soll ich überhaupt was kritisieren? Ich versuch‘s mal ;-):

    – Diese alte Sache mit der Schwester ist meinem Gefühl nach schon fast „too much“. Es hätte sie m. E. gar nicht gebraucht, jedenfalls nicht als Herleitung, warum Claudia so ist, wie sie ist (falls das Deine Absicht war – ich sehe zwischen den Ereignissen von damals und denen von jetzt keinen zwangsläufigen Zusammenhang). Manchmal betritt das Böse auch „einfach so“ ohne vorausgegangenes Kindheitstrauma die Bühne, was es nicht weniger beunruhigend macht, im Gegenteil.

    – Der Titel „Die Lehre des Todes“ klingt für diese rasante Geschichte eigentlich zu betulich und eher unspannend (nicht, dass mir spontan ein besserer einfallen würde ;-)) Ich kann ihn auch nicht unbedingt zum Inhalt der Story in Bezug setzen, abgesehen von der Anspielung „Lehre“ auf den Beruf Lehrerin der Protagonistin, falls so beabsichtigt. Jedenfalls hätte ich – wäre ich nur nach dem Titel gegangen – Deine Geschichte fast übersehen und hätte damit definitiv was verpasst.

    Liebe Grüße und ein fettes „Like“ von mir,
    Ana2020

    1. Hallo Ana2020,

      danke für dein Feedback und deine „Kritik“, der ich doch zustimme. Der Titel ist natürlich der Wortspielliebe geschuldet, aber spannender? Natürlich!

      Zur Banalität des Bösen: Ich wollte Logik haben, aber spannender ist eventuell das einfache „banale“ Auftauchen des Bösen, ohne Grund, Sinn und Verstand.

      Danke für dein Like, Feedback und die Zeit, die du dir genommen hast!

      D. Calva

  6. Hey Calva,
    für mich war der Horror schon in deiner Geschichte, als ich mich in einem Klassenzimmer voller Pubertierender befand! 😀 Ich finde, du hast ein Talent (schwarze) Bilder im Geiste deiner Leser*innen zu evozieren und mir hat deine Protagonistin sehr gut gefallen. Außerdem liebe ich den Plottwist, dass man denkt, dass sie den armen Jungen nun doch gekriegt hat und wieder davon kommt und dann dreht sich doch noch einmal alles.
    Gerne mehr davon!

    LG
    Merle (Geschichte: Sepia)

  7. Liebe Calva,
    was für eine tolle Idee mit deiner fiesen Spinne 🕷 Claudiaaaa, die ja so einiges auf dem Kerbholz hat. Von Anfang bis Ende einfach gelungen. Kam kein einziges Mal ins Stocker. Toller Plot. Bombe!
    „Gefangen in dem pädagogischen Sarkophag“ … Du benutzt geniale Sprachbilder.
    Es gab wirklich nicht eine Stelle, wo ich ins Stocken geraten bin. Bravo! Mein Like 👍 hast du auf jeden Fall. Viel Glück 🐞 ,
    Martina (Happy birthday) 🎉
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/happy-birthday

      1. Hello,
        Ja, würde mich freuen 🎈 und eigentlich müsstest du schon viel mehr Stimmen haben. Deine Lehrerin-Kurzgeschichte war einfach nur stark 💪.
        Liebe Grüße,
        Martina

  8. Hallo Calva,

    ich bin durch deinen Instagram-Post auf deine Geschichte aufmerksam geworden, hab sie dann gesucht und gelesen.
    Klasse geschrieben. Auch den Plot fand ich gut. Mein Like hast du, alleine schon deswegen, weil die meisten Geschichten, die ich bisher gelesen habe, fast ein wenig zu „soft“ sind (was nicht heißt, dass sie deswegen schlecht sind). Nur erwarte ich von einem Thriller eben – na ja, Thrill 🙂

    Vielen Dank für die Geschichte und weiter so!

    Zum Schluss:
    Hier sind mir ein paar Schreibfehler aufgefallen. Falls du sie ausbessern möchtest…
    – Langsam ließ sie ihren Blick du die einzelnen Reihen wandern.
    Langsam ließ sie ihren Blick DURCH die einzelnen Reihen wandern.

    -Bald würde die Nacht hineinbrechen.
    Bald würde die Nacht HEREINbrechen.

    – gelesen, dass Claudia und mit dem Schüler eine Beziehung hatte.
    – Ich habe in Herr Mensch haben eine Kamera platziert,
    Hier ist in beiden Fällen wohl ein Wort zuviel.

    – im Auge bgehalten konnte
    behalten

    – Chance nicht genutz
    genutzt

    PS: Da du es scheinbar auch etwas „rauer“ magst, würde ich mich freuen wenn du dir meine Geschichte anschaust und mir deine Meinung dazu mitteilst.

    Viele Grüße
    J. D.
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/das-leben-eines-toten-mannes

    1. Hallo J.D., erstmal: Wow, welch ein Adlerauge und vielen Dank für die Mühe und gleichzeitig auch dein Feedback. Ja, soft ist sicherlich nicht ganz so meins…

      Ich schau vorbei, gleich- versprochen!

      Beste Grüße mit der rauen Feder

      D. Calva

  9. Hallo Calva,
    mir hat die Geschichte wahnsinnig gut gefallen.
    Ein krasses Thema hast Du Dir ausgesucht. Und Du hast es wirklich super ausgearbeitet.
    Und last but not least – einen echten Schlusspunkt gesetzt!
    Sprachlich und stilistisch einfach klasse geschrieben!

    Mein Like hast Du!

    LG,
    der schweenie

    P.S. vielleicht hast Du ja Zeit und Lust, auch meine Geschichte zu lesen und ein Feedback da zu lassen…
    https://wirschreibenzuhause.de/geschichten/glasauge

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